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Periodical volume Nr. 141, 25.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Gemeindevertretung' n ach dieser Sitzung stattfinden. — 
Zunächst wird als Sitzungstag Freitag, später Montag, 
der 5. Juli festgelegt. Die Ferien sollen 6 Wochen dauern, 
doch soll es dem Gemeindevorstand überlassen -leiben, bei 
wichtigen Vorgängen auch in der Ferienzeit eine. Sitzung 
einzuberufen. . 
SrlMMkkii für MMM Md WOerz. 
(Aachbr, unsrer o-Origlnalgrttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Sticfclverkauf durch die Gemeinde. Der Gemeinde 
ist von der Reichsschuhversorgung Gm.b.H. für die 
minderbemittelte Bevölkerung Gebrauchsschuhwerk über 
wiesen worden und zwar 240 Paar Männerstiefel, Klasse I, 
zum Preise von 175 M-, Größe 40—46; 120 Paar Frauen- 
stiefcl, Klasse I, zum Preise von 160 M., Größe 36—42 
und 600 Paar Fraucnstiefel, Klasse II, zum Preise von 
110 M., Größe 36—42, Die Stiefel (Klasse I, beste Aus- 
sührung, hochwertiges Leder, nur Rahmen genäht, Klasse II 
durchgenäht und holzgenagelt in besserer Ausführung) ge 
langen von Montag, den 28. bis Mittwoch, den 30. 
d. Mts. in der Zeit von 0 Uhr vormittags bis 4. Uhr 
nachmittags int Rathatts, Eingang Nheinstr. 1, soweit 
der Vorrat reicht, zum Verkauf unter Vorlegung der 
Bcrlin-Fricdenaucr Lebensmittelkarte sowie der Steuer 
karte 1019. Der Abschnitt Nr. 12 der Lcbcnsmittel- 
Ausweiskartc lvird beim Empfang der Stiesel entsprechend 
.entwertet. Packpapier ist mitzubringen. 
o Die Gehälter für dis Schönebergcr Magtstratsb 
Mitglieder. Der Haushaltsausschuß hat die Gehälter für 
die MagistratSmitgliedcr wie folgt festgesetzt: Der Ober 
bürgermeister erhält 30—36 000. M., der Bürgermeister 
24—3,0 000 M.; hierzu treten 33»/z Prozent des jewei 
ligen Gehaltes als Teuerungszuschlag und die bisherige 
Teuerungszulage in Höhe von 2400 M. Die besoldeten 
Stadträte erhalten 18—24 000 M., dazu 50 Prozent des 
jeweiligen Gehaltes als Teuerungszuschlag und die bis 
herigen Teuerungszulagen in Höhe von 2400 M. Für 
den Oberbürgermeister und Bürgermeister ist diese Rege 
lung endgültig; für die Stadträte soll sie bis zum 1. Ok 
tober 1920 Geltung haben. 
o Die MüllverbrennungSanstalt in Schöneberg. .Zur 
Behebung der leidigen Müllnot hat Schöneberg bekanntlich 
die Anlage einer Müllverbrcnnungsanstalt beschlossen. 
Durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 
2. Juni 1919 sind für den Bau der Müllverbrennungs 
anstalt und für die Uebernahme der Müllbescitiguug in 
städtische Verwaltung 4 909 000 M. bewilligt worden. Der 
Kostenanschlag für die Bewilligung dieser Summe wurde 
im März 1919 ausgestellt. Seit dieser Zeit sind die Preise 
für alle Lieferungen und die Löhne ganz erheblich ge 
stiegen und zwar seit Januar 1919. um 200—1200 v. H. 
Diese Preissteigerungen haben sich auch beim Ban der 
Müllverbrennungsanstalt bemerkbar gemacht. Daß die 
selben nicht die vorher angegebene Höhe erreicht haben, 
ist darauf zurückzuführen, daß die Maschinen verhältnis 
mäßig günstig eingekauft und geliefert werden konnten. 
Der Ftriigstelluugspreis einschließlich Gruirdstück betrö.gt 
14 000 000 M. Die bewilligte Summe beträgt 4 900 0u0 
Mark. Die Mehrkosten betragen 9 100 000 M. Das ergibt 
eine Steigerung von 185 Prozent. Seinerzeit wurde fol 
gende Rentabilitätsberechnung aufgestellt. Einnahmen: Ab 
gaben für Müllabfuhr-2 Proz. des Gebändesteuernntznngs- 
werteS von 42 090000 M. —841800 M., Zuschlüge für 
erschwerte Abholung 35 000 M.» Verkauf von Dampf 
167 400 M., Verkauf von Schlacke 36 000 M.; Ausgaben: 
960000 M.» verbleiben für erhöhte Abschreibung 120200 
Mark. Unter Zugrundelegung der heutigen Bau- 
summe stellt sich die Rentabilität der Anstalt wie 
folgt: Einnahmen: Abgaben für. Müllabfuhr 5 Prozent 
vom GcbäüdesteukNiützungswcrt von 42 090 000 M. — 
2104 000 M.. Verkauf von Dampf 933 000 M. zus. 3037 000 
Mark: Ausgaben: 2 900 000 M., verbleiben für erhöhte 
Abschreibung 137 000 M. Die durch Feststcllungsbeschcid 
bewilligten Zuschüsse für Notstandsarbeitcn betragen 
1129166 M. und sollen, falls dieselben zur Auszahlung 
gelange», zur erhöhten Tilgung des Anlagekapitals ver 
wendet werden. In der Rentabilitätsberechnung ist diese 
Summe unberücksichtigt geblieben, so daß hierin eine 
weitere Reserve liegt. Der angenommene Satz von 5 Proz. 
vom Gebäudcstcucrnutzungsweri ist der. Satz, den Ehar- 
lottenburg für die Müllabfuhr zurzeit erhebt und der wahr 
scheinlich in nächster Zeit eine Erhöhung erfahren wird. 
'Neukölln erhebt z. B. schon jetzt 7 Prozent. Die jetzigen 
Preise der Wirtschastsgenosscuschaft. umgerechnet auf den 
vmsxzavrarmamwfttamaassaiMSBaxcBimnmi&isniiaKaaasxsmxssw 
Ga» es in der nächsten Wache gibt. 
Brot:> 1660 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm .Großbrot. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Pferdefeisch: auf Nr. 11 der Pferdefleischkarte. 
Butter: 20 Gramm 75 Pfennig und.70 Gramm 
Margarine 2,21 Mark, sowie 180 Gr. Margarine 5,69 
Mark auf Sonderabschnitt der 'Speisefcttkarte. 
Kartoffeln: freihändig auch an Nicht-Friedcnauer, ein 
Pfund 30 Pfg. 
Zucker: Vom 1. bis 15. Juli ?/« Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre 1Hz Pfund, im 2. Lebens-) 
jähre 1 Pfund und jm 3. bis 7. Lebensjahre V* Psund 
im Mo^uat. Kundenliste wird diesmal nicht ausgelegt. 
Abzuholen vom 29. Juni bis 1. Juli: 
Auf Groß-Verliner Lebensmittelkarte: 
M aisflocken: 125 Gr. auf 31; Psd. 3 M. 
Auf Berlin-Fricdenauer Nährmittelkarte: 
Grampen: 100 Gr. und Haferflocken: 100 Gr. 
auf 30; ein Pfund Grqupen 75 Pfg., HaferfloÄen 
1,40 M. 
Kunsthonig: 250 Gr. und Marmelade: 250 Gr. 
auf 31; ein Pfd. Kunsthonig 7 M., Marmelade 4,80 M. 
P u f f b o h n en, ein Psund 3 Mark, Bohnen in Schweine 
fleisch, Dose 4 M-, Milchsüßspeise, Paket 60 Pfg., Sup 
penwürfel 15 Pfg-, gelbe Erbsen, . Pfd. 3 M„ weiße 
Bohnen, Psd. 3 M., freihändig in den Gcmeindever- 
kaufsstellen. 
Lebensmittelverteilung in Schvneberg. > 
In Bcrlin-Schöneberg findet bis zum 29. Juni Vor 
anmeldung statt für 125 Granrin Gerstcngrau p e n 
(Pfund 71 Pfg.), oder Gerstengrütze (Pfund 73 Psg.) 
oder G er ste n flo ckcn (Pfund 75 Pfg.) — je nach Vor- 
.rnt — auf Abschnitt 31 der allgemeinen Lebensmittelkarte, 
30 Gramm Volleipulver (Eiweiß und Eigelb, 2 SW.)» 
Nährwert entspricht 3—4 frischen Eiern, auf Abschnitt 33 
de: roten Schöncberger Bczugskarte und 250 Gramm 
Marmelade (zuckergesüßt) — Qualitätsware — auf 
Abschnitt 36 der roten und grünen Schöneberger Vezugs- 
kaete. Ausgegeben werden in der nächsten Woche: 
125 Gramm Teig waren oder Sago je nach Vorrat 
auf Abschnitt 30, 250 Gramm .Ha fers locken, lose 
— hergestellt aus freiem Hafer — auf Abschnitt 32 der 
allgemeinen Lebensmittelkarte, 2 Päckchen Penners Rote 
Grütze auf Abschnitt 33 der grünen Schöncberger 
Bezugskarte. Ferner Fortsetzung des Verkaufs von 125 
Gramm Haferflockcn auf Abschnitt 29 der allge 
meinen Lebensmittelkarte und 250 Gr. ausl. — belgische — 
Marmelade auf Abschnitt 28 der roten und grünen 
Schöncberger Bezugskarte. Der Abschnitt 35 der grünen 
Schöneberger Bczugskarte wird hiermit für verfallen 
erklärt. 
Für die Entnahme von Brotkartenmehl gilt 
neben der Brotkarte für die Woche vom 28. Juni bis 
4. Juli der Abschnitt 37 der roten und grünen Schöne- 
bcrger Bezugskarte. 
Als Kartosfclersaß werden in der Woche, vom 28. 
Juni bis 4. Jutt auf die Abschnitte 27 d und e der Kar- 
tosfelkarte je 100 Gramm, zusammen 200 Gramm Haf er- 
flocken, lose — hergestellt aus freiem Hafer '— in 
sämtlichen Kolonialwarcngcschäften ausgegeben. 
Es. stehen z. Zt. an Kömmnnalwaren zum Verkauf: 
Männerhemden, Unterhosen,' Futterstoff, Drell, Drell- 
hvsen, Haudtuchstoff, Hemdenstoff, Kindertrikots, Kinder 
strümpfe, ' Erstlingshemden, Erstlingsjäckchen, Hosenstoff, 
Mantelstoff, Damenröcke, Damenmäntel,'!Stoff f. Knaben- 
auzüge. —.Näheres am schwarzen Brett und Zimmer 217. 
des neuen Rathauses. - - r ' '' ' 
Ädbaudcsteüernntzüngswcrt ergeben etwa 5,3 'Proz.' Die 
Preise für die.Müllabfuhr, in - Wflmepshorf^ymgerechnet 
auf-'die'Schönebcrg?r Dcryäftntsse ergebest etwa 5,1 Proz. 
Der eingesetzte Satz von 5 Prozent dürfte demnach für die 
heutigen Verhältnisse als. niedrig bezeichnet werden. 
Für die Berechnung des Dampfprcises kommt der mit dem 
Eleltrizitätswerk Südwest abgeschlossene Vertrag in Frage. 
Nach diesein Vertrage ist der Dampfpreis abhängig von 
dein jeweiligen Kohlenpreis, so daß z. B. gegenwärtig 
die Einnahnten aus dem Verkauf von Dampf statt der 
seinerzeit eingesetzten 167 400 M. jetzt 933 000 Mark be 
tragen. Da die Kohle voraussichtlich für absehbare. Zeit 
einen hohen Preis behalten wird, so ist auch mit einem 
hohen Betrage bei diesem Einnahmeposten für längere 
Zeit zu rechnen. Nach den heute vorliegenden Verhältnissen 
kaun es somit keinem Zweifel unterliegen,'daß die Anstatt 
gut imstande fein wirb, sich selbst zu unterhalten. Die 
Ausgaben setzen sich in der Hauptsache, aus zwei großen 
Posten zusammen, nämlich aus 980000 M. für Verzinsung 
und? Tilgung des Anlagekapitals und 1920000 M. für 
Löhne, Betriebsmaterialien, Unterhaltungen usw. Der 
erstere Posten bleibt auch bei veränderten wirtschaftlichen 
Verhältnissen konstant, wenn man von der Verringerung 
durch dke jährliche Amortisation absieht, während der zweite 
Posten von den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen ab 
hängig bleibt, so daß auch unter gänzlich veränderten 
' wirtschaftlichen Verhältnissen die Rentabilität der Anstalt 
gewährleistet ist. Eine erhebliche Reserve besteht darin, 
daß die Leistuitg der Anstalt um 50 Prozent erhöht werden 
kann) Die Anlage wird so gebaut, daß das Schöneocrger 
Müll in zwei Schichten zu je 8 Stunden verbrannt wer 
den kann. Durch Einlegung einer weiteren Schicht von 
8 Stunden kann ohne Ermeiierung der eigentlichen Mittl- 
verbreitnungsattstalt die Leistung um 50 Prozent erhöht 
werden. Neu anzuschaffen sind nur die Mstllabsuhrwagen 
und die Mütlkübcl. Ferner ist die Wagenhalle zu ver 
größern. Die Anlagekoste!, hierfür betragen nach den 
heute üblichen Preisen 3 350000 M., das ist P« der Ge 
samtsumme. Die Einnahme» würden sich um 50 Prozent 
erhöhen. In diesem Falle kann die Anstalt die Müllbc- 
seitigung für ein Wohngebiet von 255000 Einwohnern 
übernehmen, während durch vollständigen Ausbau der 
Anstalt — wie er i!n Projekt vorgesehen ist — ein Wohn 
gebiet von 700000 Einwohnern bedient werden kann. 
o Gegen die wilden TäbastMdlcr. Zur wirksameren 
Bekämpfung des unbefugten Straßenhaudets mit Tabal- 
ivaren sind sämtliche in Frage kommenden Dienststellen 
des Landespolizeibezirks Berlin ersucht worden, andauerttd 
scharfe Kontrollen auszuüben. Besonders wird geprüft 
lvcrden, ob die beim Handel betroffenen Personen im 
Besitze einer steueramtlichen Anmeldung des Gewerbes 
sind, ob die Vorschriften über Banderolierung erfüllt und 
die Preise angemessen sind. 
o Ferien-Fahrkarten. Die Ausgabe von Fcrienkarten, 
die für die Zeit der großen Schulferien vom 3. Juli bis 
9. August gelten, beginnt in diesem Jahre bereits am 
Freitag, dem. 25. Juni. Sie werden ausgegeben für alle 
Stationen nach den Vororten und zwar für die 2. und 
3. Wagenklasse zu den gleichen Bedingungen wie die Mo 
natskarten. Nach der Tariferhöhung stellen die Preise für 
die Zuschläge, die. bei den Ferienkarten zu den Monats 
kartenpreisen treten, sich ans 2,60 M. für die Stammkarte 
2. Kl., auf 1,50 M. für die Nebenkarte 2. Klasse, auf 1,50 
M für die Steuerkarte 3. Klasse und aus 0,90 M. für 
die Nebenkarte 3. Klasse. 
obh Ein Frriijbad sü.r Kinder am Grunswakdice. Die de 
mokratische Fraktion der W ilm crs d or fe r Stadtver 
ordnetenversammlung hat einen Antrag eingebracht, worin 
der Magistrat ersucht wird, schleunig geeignete Schritte 
zu tun, um am Grnncwaldsee ein Freibad für Kinder zu 
errichten. — Wie erinnnerlich, ist die alte Militärbade- 
austalt am Grunewaldfee vom Reichsfiskus kürzlich aus 
Abbruch verkauft worden. Die Ocrtlichkeit ist zweifellos 
für ein Freibad sehr geeignet. - , 
o Erhöhung des Strafbctrages Lei de? Großen Ber 
liner Sttaßenbahm. Vom 1. Juli ab wird mit Zustim 
mung der Aufsichtsbehörden der Strafbetrag, den .Zah 
lungspflichtige Fahrgäste zu entrichten haben, die sich auf 
die Frage des Schaffners, ob noch jemand ohne Fahrschein 
ist, nicht melden, von 1 M. ans 3 M. erhöht.. Auch 
gilt von diesem Tage an die Bestimmung, daß die Fahr 
gäste das Fahrgeld abgezählt bereit zu halten haben. 
o Aus dckn Stadtlistcn sind aus dem Bezirk ^echönc- 
berg-Fricdenan in die Berliner Stadtverordnetenversamnt^ 
lung gewählt worden von der Deutschnat. Dolkspartei^ 
Amtsrichter a. D. von Lindeimer-Wildan und General 
sekretär Dr. Kaufhold, von der Demokratischen Partei 
Oberbürgermeister Dominicas, vom Zentrum L-ozialbcam- 
tin Margarete Ehlert und von der Wirtschaftlichen Ver 
einigung Architekt Paul Jatzow. 
• o Neuer Roman. Wir beginnen,heute mit dem Abdruck 
eines neuen. Romans: „Der Sohn des Millionärs" von 
Florence Warden. Es ist ein Gcsellschaftsroinan, der Ver 
hältnisse aus dem Tiergartenviertel schildert. * 
o Gcknaue Aufschriften. In der jetzigen Zeit, in der 
der Postbcstelldienst zum großen Teil' immer noch von 
weniger.geübten Hilsskrästcn besorgt werden muß, wirken 
Mängel in der Aufschrift dev Postsendungen (wie unvoll 
ständige, ungenaue oder undeutliche Bezeichnung des 
Empfängers, Fehlen der Angabe von Straße und Haus 
nummer, Gebäudeteil, Stockwerk usw.) besonders nach 
,seines Hauses betrachtet, lind was meine Stiefschwester be» 
/trifft — nun, daß ich an der Last ihrer Liebe nicht allzu 
schwer zu tragen habe, brauche 'ich'Ihnen'/'die Sie''mit 
eigeneit Augen sehen und mit eigenen Ohren hören können, 
doch wohl kaum noch zu sagen." 
Herta zögerte mit der Antwort, wie wenn sie in Ver- 
legenhcit wäre bezüglich dessen, was sie erwidern sollte. 
Es halte in der Tat keiner unangemessenen Neugier und 
keiner allzu feinen Beobachtungsgabe bedurft, um sie 
während der kurzen Zeit ihrer Vcrwc.lciis im Nomingerschen 
Hause über die Verhältnisse der Familie zu unterrichten 
und ihr die Erkenntnis zu erschließen, daß die Harmonie 
zwischen den eiitzelitenMiedern des aus dem vornehmsten 
Fuße gcsührten Haushalts manches zu wünschen übriglasse. 
Der ^Freiherr Johannes van Romingsr hatte nicht, 
wie der aristokratische Klang seines. Namens vermuten 
lassen konnte, unter dem Dache irgendeines' alten feudalen 
Edelsitzes das Licht der Welt'erblickt, sondern seine Wiege 
hatte in einem gar armseligen Hause gestanden, und cs 
war ihm an dieser Wiege gewiß nicht gesungen worden, 
daß er dernialeiiist als vielfacher Millionär in einer fürst-!, 
lichen Villa an der Tiergartenstraße wohnen und seine 
Briefbogen mit einer Freiherrnkrone schmücken würde. Er,, 
war als junger Mensch nach Amerika ausgewandert und. 
hatte sich dort aus den allerbescheidensten Anfängen empor 
gearbeitet. Er war noch ein armer Teufel gewesen, als 
er sich -um ersten Male verheiratet hatte, und seine Frau, 
eine Anglo-Amerikanerin, hatte; sich, seinen eigenen. Ver-i 
hältnissen entsprechend, ebenfalls nur einer sehr bescheidenen.' 
Herkunft und einer noch bescheideneren Bildung rühmxn. 
dürfen. Cie hatte ihm ein einziges Kind geschenkt, eiite< 
Tochter, die auf den Namen Mabel. getauft wuri/e uckd mit. 
deren elfter Erziehung es nicht .eben zum allerbesten be». 
stellt war. Denn Johannes Rpminger verwendete seine 
Zeit und seine Gedanken einzig auf die Jagd nachi dem- 
Dollar, der sich trotz seiner angestrengten Bemühungen-noch, 
immer nicht recht erwischen lassen wollte; Mabels Mutter- 
aber war eine kränkliche,, gallige, ewig -verdrießliche Frau,' 
die nur wenig, Zärtlichkeit an- ihre mit körperlichen Vor-, 
zügeit sehr mäßig begnadete Tochter verschwendete. Sie 
starb frühzeitig, zu früh, um.sich noch qn, dem.plötzlichen' 
Umschwung in den Dermögeiisverhättnissen ihres Gatten 
erfreuen zit können. Denn fo schwer es ihm gefallen war, 
die ersten Stufen der zu Reichtum und Ansehen führenden 
Leiter zu,.erklimmen, so rasch legte' der mit gesundem 
nttllrl'chcnVerstand und einem nicht gewöhnlichen Maße. 
von Energie begabte Nominger die . zwsite Hälfte seines 
Weges zurück. Alle feine Unternehmungen waren vom Glück 
begünstigt, und als er sich zu einer zweiten Heirat eut- 
schstch, war er selbst für amerikanische.Verhältnisse schon 
ein wohlhabender Mann. 
■ Diesmal war seine.Wahl auf eine deutsche Lands» 
männin, auf die Tochter einer nach Amerika ausgewanderten 
verarmten Adelsfamilie, gefallen. Und er hatte keinen 
Anlaß gehabt, diese..Wahl, zu .bereuen, denn was an 
.warmem .Sonnenschein in Das einzig dem Erwerb, gewid 
mete Leben des wenig empfindsamen Mannes gefallen 
war, das. hatte er ausschließlich dem stillen, sanften und 
gütigen Wesen.seiner zweiten Gattin zu danken. .Sie hatte 
ihm im zweiten Jahre der Ehe ein. Töchterchen gehören, 
ein.überaus zartes, schwächliches Wesen, das. vom ersten 
.Lebenstege an'ein Gegenstand unaufhörlicher Sorge für . 
die Eltern gewesen war. Durch die Geburt dieses,Kinhes 
aber war das Verhältnis der .jungen. Mutter zu ihrer; 
schon siebzehnjährigen Stieftochter Mabel ein- für Die erstere' 
völlig tinert,tägliches, geworden. .Denn kaum je zuvor) 
ntochts eine Stiefmutter ein Gegenstand gleich glühenden. 
Haffes gewesen sein,.wie in diesem Fall. Umsonst setzte.die; 
junge Frau der Tücke' und. Bosheit ..des. Mädchens all. 
ihre ,immer gleiche, Güte und^ Sanftmut entgegen). Es) 
schien- als.'ob die bösen Instinkte in.Mabels Herzen dadurch: 
nur immer heftiger geschürt würden. . Und .für Johannes! 
Nomiitgers häuslichen Frieden bedeutete es darum,ein nicht! 
.hach.genug zu schätzendes Glücks als sich für .feine un») 
schöne Tochter erster Ehe über Erwarten' frühzeitig (ein Be-» 
werber einstellte, den freilich viel mehr die Aussicht. auf! 
Linemnständigss Mitgittals der/Liebreiz der Erkorrnen 'an-' 
gezogen, haben mochte.' % Es wär einjiei^, in. Holonfal-l 
sich,vom 
A-, 
ganz in seinen PeMiW.rl.an.saehendrr Mensch, der 
ersten"Tägr an willig unter Die Herrschaft seines energischen 
unablässigen 
' ein gesell- 
Mabel bei 
sagt worden wär, schien den: kleincy Esei'hard zweifach 
zuteil geworden >,i sein. Es war, als hätte die junge 
.Mutter, während sip cs tm'ter betn Herzen "frug,' ihren, 
zweiten Kinde alles gegeben, was ste ' selbst an diesen 
köstlichen Gütern besaß, denn seit dein Tage, da sie ihm 
das Leben gesthentt, sing sie 'selber "an. zu kränkeln. 
dvppc..-,... *>», 
und es-währte nicht lange, bis man ihü unter) diejenigen 
genug gebracht, um den Liedlingstraum seines Lebens 
verwirklichen und als ein gemachter Mann nach Deütfch- 
^ land zurückkehren zu können. 
.(Fortsetzung folgt.)
        
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