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Periodical volume Nr. 141, 25.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Bertla-Friedeaau. Freitag, dm 25. Sani 1920 
Sahrg. 27 
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Berlin. In den drei Noten des Feindbundes 
wird verlangt: die unbedingte Herabsetzung der Heeres 
stärke auf 100 000 Mann, die Auflösung der Sicher 
heitspolizei, für die die alte Ordnungspolizei auf 150 000 
Mann erhöht werden kann, das sind 70 000 Mann mehr 
gegenüber 1913. Fermer wird verlangt, daß die Ab 
schaffung der allgemeinen Wehrpflicht durch ein besonderes 
Gesetz ausgedrückt wird. Mit dem Bau von Luftfah-r- 
material darf in Deutschland erst drei Monate nach voll 
ständiger Durchführung der Auslieferungspflicht wieder 
begonnen werden. 
Kopenhagen. Die Uebergabe der ersten Zone 
Nordschleswigs an die Dänen soll am morgigen Sonn 
abend-stattfinden. 
Mailand. Hier kam es anläßlich einer Volksver 
sammlung zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern 
und Gendarmerie, wobei sechs Arbeiter getötet und 50 
Personen schwer verwundet wurden, unter diesen 15 Gen- 
därmen. 
Paris. Nach einer Meldung, die die griechische 
Gesandtschaft dem Journal des D6bats übermittelt, hat 
die griechische Armee gegen die Streitkräste von Mustapha 
Kemal Pascha die Offensive vorgestern begonnen. Die 
Operationen nehmen angeblich einen günstigen Verlaus. 
Smyrna. Die griechische Offensive gegen die Trup 
pen Mustafa Kemal Paschas geht mit gutem Erfolg voran. 
Die nationalistischen Truppen, die um Akhissar konzen- 
tiert waren, mußten sich zurückziehen. Akhissar wurde 
von Herr Griechen besetzt. Die Truppen setzen den Vor 
marsch fort und griffen Salihli an. Nack dem Bericht 
erstatter der Times aus Athen wird die griechische Re 
gierung gegenüber dem Beschluß der Alliierten alle Maß 
nahmen ergreifen, um die nationalistische Bewegung in 
der Türkei niederzuwerfen. Sie wird in Thrazien energisch 
gegen nationalistische Banden vorgehen, ehe sie sich organi 
sieren können. In Athen glaubt man allgemein, daß 
dieses Ziel binnen wenigen Wochen zu erreichen fei. 
Sitzung der Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, den 24. Juni 1920. 
Die AurtsstkedeLlegrrng des Schöffen Friedet. — Eine 
geheime Beratung. — Um dt« Volksküche. — Aushebung 
Fifchivertaufs. — Di« Desoldungsvorlagen vorläufig 
zurückgestellt. — Stiesekverkäuse durch die Gemeinde. — 
Die Müllfvage. 
Die gestrige Sitzung begann mit einer geheimen Be 
sprechung, die fast 2 Stunden in Anspruch nahm. Wie 
ttir hören, handelte es sich in dieser geheimen Aussprache 
um Gerüchte, die sich an die Amtsniederlegung des Schöffen 
Friede! knüpften. In der nachfolgenden öffentlichen 
Sitzung gab Bürgermeister Walger dann die Erklärung 
ab, daß sich Schöffe Friede! Verfehlungen, wie sie die 
Gerüchte besagen, nicht zu Schulden hat kommen lassen. 
'Die Beratung über die Besoldungsvorlagen wurde noch 
mals zurückgestellt, weil man erst das Ergebnis der gleichen 
Borlagen in Schöneberg abwarten will. Es findet darnach 
vor den Ferien noch eine Sitzung am Montag, 5. Juli, 
statt. Dem Antrage des Volksküchenausschusses auf Auf 
hebung der Volksküche konnte sich die Gemeinde 
vertretung nicht ohne weiteres anschließen; die Angeleget»- 
Der $olm des Millionärs. 
Roman »on Florence Warden. 
0ta4Hnf mtiln 
1. Kapitel. 
In einem großen, bis zur Ueberladung luxuriö« 
ausgestatteten Gemach, besten Fenster einen weiten Aus 
blick über die schon herbstlich verfärbten Baumwipfel der 
Berliner Tiergartens gestatteten, lag, schier vergraben in 
seidene Kisten von allen möglichen Farben und Formen, 
«in Mädchen von sechs- oder siebenundzwanzig Jahren 
auf einem in die unmittelbare Nähe des kaminarttgen 
Heizkörpers gerückten Ruhebett. 
Trotz der Decke, die ihre Knie umhüllte. Und ttotz der 
— angesichts der draußen herrschenden milden Herbst- 
temperatur doppelt bedrückenden — Hitze, die atem- 
beklemmend schwer den ängstlich gegen jeden Lustzug abge- 
schlossenen Salon erfüllte, schien sie zu stösteln. Aber man 
brauchte sie nur anzusehen, um inne zu werden, daß 
man ein bedauernswertes, kränkliches Geschöpf vor sich 
habe. dem auch die sengendste Tropenglut die mangelnde 
»lutwärme nicht hätte ersetzen können. 
Die Größe ihrer Gestalt ließ ihre Magerkeit nur um 
so erbarmungswürdiger hervortteten, und das Gepräge 
langen Leidens yvtte ihren feinen und von Haus aus 
gewiß nicht unschönen Zügen jene Herbigkeit verliehen, die 
auf gesunde Menschen eine so abstoßende Wirkung zu üben 
pflegt. Alle ihre Bewegungen sprachen von elNer aufs, 
Aeußerste gesteigerten Nervosität, und ihre Augen hatten 
den müden Blick einer unbesieglichen Traurigkeit unb emer 
hoffnungslosen Ergebung. _ B 
Sie war nicht allein. An einem den beiden Fenster saß 
«i« anderes, wohl um fünf oder sechs Jahre pingeres 
Mädchen, das schon seit geraum«' Zeit mit weicher, 
»mgemefi» wohllautender Stimme der Ruhenden aus 
Me« neu erschienenen, vielgerühmten Romafl »orlas. 
heit wurde zur gemeinsamen Beratung dem Volksküchen- 
und Wohlfahrtsausschuß überwiesen. Der AufhAmng der 
g ischhalle am 1. August wurde gegen die Stimmen der 
ozialdemokraten und Unabhängigen zugestimmt. Auf 
eine Anfrage des G.-V. Lüdecke teilte Schöffe Ott 
mit, daß der Verkauf von Stiefeln, die der Gemeinde über 
wiesen worden sind, am Montag, Dienstag und Mittwoch 
nächster Woche im Rathaus (Eingang Rlieinstraße) statt 
finden werde. G.-V. Giese (Soz.) führte Beschwerde 
über die Müllberge, die vielfach auf den Höfen lagern. 
Bemerkenswert waren hierzu die Ausführungen des 
Schöffen Pa s ch e (Soz.), der erklärte, daß er von der 
20 v. H. Mietssteigerung die Kosten der Müllabfuhr, , die 
jetzt über 4000 M. ausmachen, nicht mehr zahlen könne. 
Um sich diese Kosten zu verbilligen, lasse er den Müll 
privat ttbfahren. Die Antwort des Provinzialschulkolle 
giums, daß es einer Erhöhung der Pflichtstundenzahl der 
Lehrerinnen an den höheren Schulen nicht zustimmen 
könne, gab Anlaß zu dem Antrage, gegen diesen Bescheid 
beim Minister Protest einzulegen. Die übrigen Tages- 
ordnungspunkte erledigten sich glatt ohne Aussprache. 
BcrchandlnngÄbericht. 
Bürgermeister W a l g e r eröffnet die Sitzung 20 Mi 
nuten nach 7 Uhr und teilt mit, daß der Gemeindevor 
stand den Wunsch habe, der öffentlichen Sitzung eine ge 
heime Besprechung vorangehen zu lassen, die hoffentlich 
nicht lange dauern werde. Es handele sich um eine Per- 
sonalangelcgenheit. 
Die Gemeindevertretung ist damit einverstanden. Die 
Oeffentlichkeit wird ausgeschlossen. . 
Um 9 Uhr 'wird die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. 
Bürgermeister Walger entschuldigt zunächst die 
fehlenden G.-B. Loos, Dr. Lohmann, Baumgarth, Kvf- 
nieczka, Schultz, Wolfs, Lüders, Frau Diederich und Pi- 
niak und macht dann folgende 
Mitteilungen: 
Im Wohnungsamt ist ein Unterausschuß gebil 
det worden zur Prüfung derDringlichkeit der vor 
liegenden Gesuche. Damit ist diese Prüfung auf breitere 
Schultern gelegt worden. Dem Ausschuß gehören Haus 
besitzer und Mieter zum gleichen Teile an. 
Der Gastwirt Gundlack» ist zum Fürsorge 
pfleger für die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebe- 
nenfürsorge bestellt worden. 
Es hat eine Kassenprüfung stattgefunden, die 
zu Anständen nicht geführt hat. Bei dieser Gelegenheit 
hat auch die Abrechnung der Volksküche stattgefunden, 
die gleichfalls zu Anständen keinen Anlaß gegeben hat. 
Für Angestellte, die nach ihrem Alter in die höhere 
Gehaltsstufe nach den Vorschriften des Mantelplans ein 
gerückt sind, werden 370,80 M. nachbewilligt. 
Der Vorstand hat beschlossen, das Halten von 
Zeitschriften durch dir Fraktionen nicht mehr zu ge 
nehmigen. Mit Rücksicht auf die hohen Preise für die 
Zeitschriften ist der Vorstand der Meinung, die Lieferung! 
einstellen zu müssen. Diese Angelegenheit wird unter An-> 
erkennung der Dringlichkeit auf die Tagesordnung der! 
heutigen Sitzung gesetzt. ' • 
Der Volksküchenausschuß hat beschlossen, die 
Volksküche am 1. August zu schließen. Auf Antrag 
des Schöffen Pasche kommt auch diese Sache aus die Tages-, 
ordnung. i 
Ferner kommt auf die Tagesordnung ein Nachtrag zur' 
Hundesteuerordnung. 
Auch sie war weit davon entfernt, rosig unb blühend 
auszusehen. Aber die fast bis zur Magerkeit gesteigert» 
Schlankheit der Glieder vermochte die Anmut ihrer jugend- 
lichen Gestalt ebensowenig zu beeinträchtigen, als die auf 
fallende Bläffe ihres feinen, schmalen Gesichts den Eindruci 
der Krankhaftigkeit machte. Es war die Elfenbeinbläfsi 
einer ungemein zarten und durchsichtigen Haut, die sich 
sehr gut mit vollkommener Gesundheit verttägt. Und die 
großen blauen Augen, die sich seit langem kaum von den 
gedruckten Blättern erhoben^ hatten, nahmen zuweilen, 
wenn eine Stelle die Leserin besonders interessierte, ein 
Leuchten an, wie es gemeinhin nur bei Menschen von 
starkem Temperament und ttefem Empfinden zu be 
obachten ist. ^ „ ;, _ . 0 . a 
Diese junge Dame war Fraulein Herta Leuendorff, 
die bezahlte Gesellschafterin des leidenden Mädchens aui 
der Chaiselongue. Und es waren erst wenige Wochen 
vergangen, seitdem sie ihre Stellung im Hause des Fre»- 
herrn von Rominger angetreten hatte, nach der getroffener 
Vereinbarung lediglich verpflichtet, dem kränklichen Freu 
fräulein Magdalene von Rominger die Zeit zu verkürzen 
und ihr, soweit es sich als notwendig erweisen sollte, auch 
die Dienste einer Pflegerin zu leisten. 
Sie war eben an den Abschluß eines Kapitels gelangt, 
als von der Chaiselongue her eine schwache aber freund- 
liche und liebenswürdige Stimme laut wurde: 
.Lasten wir's für jetzt genug fein, liebes Fraulem 
Leuendorff! — Ich möchte Sie nicht zu sehr anstrengen, 
und ich bin — offen gestanden — auch nicht mehr recht 
fähig zu folgen. Es ist diese schreckliche Reise, an die »ch 
unausgesetzt denken muß. — Auch Sie fürchten sich vor 
ihr — nicht wahr?" _ 
Die Angeredete, die gehorsam das Buch beiseite ge- 
legt hatte, kehrte das blaffe Gesicht mtt den seltsam 
leuchtenden Augen dem Ruhebett zu und schüttelte den 
aschblonden Kopf. _ _ , t . . 
.Fürchten? — v nein, Fraulein von Rymingerl 
Ich habe noch nie in meinemiDebeN mittsolcher-Sehn 
sucht und mit so freudiger Erwartung an ein bevorstehendes 
Der Schöffe Friede! hat fein Amt niedergelegt und 
das in einem Schreiben an den Gemeindevorsteher 
zum Ausdruck gebracht., In dem Schreiben sagt Herr Frie 
de!, daß er zu seinem lebhaften Bedauern gezwungen sei, 
sein Schöffenamt niederzulegen, er hoffe, daß sein Wuyfch 
berücksichtigt werde und er von seinem Amte als Dezer 
nent entlastet werden könne. Er tue dies lediglich des 
halb, weil er zu überbürdet sei und weil er für diese Tätige 
keit nicht mehr die genügende Zeit übrig habe.. Auch 
fei er gesundheitlich so angegriffen, daß er schon in nächster 
Zeit Erholung suchen müsse. Bürgermeister W a l g c r er- 
klärt, er habe dem Schöffen Friede! geantwortet, daß 
er sich den von diesem angeführten Gründen nicht ver 
schließen könne und daher mit seiner Amtsniederlegung 
einverstanden sei. Für seine Bemühungen im Interesse 
der Gemeinde spreche er ihn» den Dank aus. Jrn Anschluß 
daran bemerkt Bürgermeister Walger: „Es gehen Ge 
rüchte im Orte herum, daß der Schöffe Friede! sich 
Verfehlungen habe zu Schulden kommen lassen und, daß er 
infolgedessen sein Amt niedergelegt hätte. Ich habe pflicht 
gemäß diese Gerüchte geprüft und n i ch t feststellen können, 
daß Verfehlungen, wie sie die Gerüchte besagen, vorge 
kommen sind. Ich stelle fest, daß sich Herr Schösse Friedei 
nichts hat zu Schulden kornmen lassen. 
Schöffe von Wrochem teilt mit, daß Herr Prof. 
B e ß aus -Gesundheitsrücksichten sein Amt im Schulkura 
torium niedergelegt hat; er spricht Herrn Prof. Beß, wie 
schor» im Kuratorium geschehen, den Dank für die Mit 
arbeit und das Bedauern über sein Ausscheiden aus, er 
habe im Kuratorium sehr Ersprießliches geleistet. 
Ferner teilt Schöffe v. Wrochem mit, daß auf den 
Beschluß der Gemeindevertretung, den Lehrerinnens 
an den höheren Schulen die gleiche Pflicht- 
stundenzahl leisten zu lassen wie den Lehrern und 
ihnen darnach die gleiche Besoldung zu gewähren, vom 
Provinzialschulkollegium geantwortet wnrde^ daß dieses aus 
Grund eines Ministerialerlasses der Erhöhung der Pflicht- 
sttrndenzahl der Lehrerinnen nicht zustimnren könne. Auf 
Antrag des G.-V.-LeonHardt kommt diese Angelegen 
heit auf die Tagesordnung. 
Bezüglich der Einrichtung des Realprogym- 
nasiumS war die Genehmigung dieser Anstalt an ver 
schiedene Bedingungen geknüpft, die u. a. die Deutung zu 
ließen, daß für diese Anstalt ein besonderer Direktor an 
gestellt werden müsse, während man die Anstalt dem Gym 
nasium Eingegliedert und dem Direktor des Gymnasiums 
unterstellt habe. Es wurde daher beim Minister, wie 
Schöffe v. Wrochem mitteilt, angefragt, wie er sich 
hierzu stelle. In seiner Antwort erklärt der Minister 
nun, daß er damit einverstanden sei, die Leitung des Real 
progymnasiums dem Direktor des Gymnasiums mit zu 
übertragen. 
Zu Unterzeichnern der Verhandlungsschrift werden die 
G.-V. Uhlenbrock und Frau T ö l l e bestimnit. 
Festsetzung der Ferien. 
Bürgermeister W a l g e r erklärt, daß die Besoldungs 
vorlagen noch mal zurückgezogen worden sind; um sie zu 
beraten, müsse über 8 Tage noch eine Sitzung stattfinden, 
dann könnten die Ferien beginnen. G.-V. Leonhqrdt 
(Dem.) meint, daß man sich doch wohl in den Besoldungs- 
sragen nach Schöneberg richten wolle. Auf der Tages 
ordnung der nächsten Schöneberger Sitzung stehen nicht 
weniger als 67 Punkte, es ist deshalb dort zum Donners 
tag noch eine zweite Sitzung anberaumt worden und es 
sei anzunehmen, daß die Besoldungsfragen erst.in dieser 
Sitzung erledigt werden; darnach müßte die Sitzung der 
Ereignis gedacht, wie an diese Reise nach dem Süden, an 
deren Wirklichkeit ich noch immer kaum zu glauben 
wage." 
Ein Seufzer hob die Brust der Leidenden, aber auj 
ihrem bleichen Gesicht erschien zugleich ein Lächeln, das die 
herben Züge eigentümlich verschönte. 
„Wie ich Sie darum beneide! Ach, daß ich mich doch 
auch noch einmal nach etwas sehnen oder mich auf irgend 
etwas stellen könnte!" 
Herta erhob sich von ihrem Platz am Fenster. Jetzt, 
während sie sich leichten Schrittes und in der freiesten, 
natürlichsten Haltung von der Welt ihrer jungen Gebieterin 
näherte, wurde die Anmut und Zierlichkeit ihrer Er. 
scheinung erst vollkommen offenbar. Vielleicht war es nu» 
die unvorteilhafte Kleidung, der beinahe nonnenhafte Ver 
zicht auf alle kleinen koketten Hilfsmittel, mit denen junge 
Damen sonst die Vorzüge ihres Wuchses ins rechte Licht 
zu setzen wissen, die ihre Gestalt so überschlank erscheinen 
ließen. In einem gut gearbeiteten Kostüm und mit ein 
wenig Rot auf den Wangen hätte sie sicherlich gegen 
manche bewunderte Schönheit erfolgreich in die Schranken 
tteten können. ^ . , .• 
Sie ging bis an das Ruhebett und knrete auf ein 
Kisten nieder, das neben seinem Kopfende am Boden lag. 
„Auch Sie müssen wieder volle Freude am Leben ge- 
winnen," sagte sie weich und zärtlich. „Ihre Gesundheit 
wird sich kräftigen, und danti werden Sie eine der glück- 
lichsten und beneidenswertesten jungen Damen sein. Haben 
Sie doch alles, was hunderttausend andere sich in heißem 
Verlangen vergebens wünschen! Reichtum, Klugheit und die 
Liebe- der Menschen, in deren Mitte Sie leben!" 
Wieder erschien bei den letzten Worten der Gesell, 
schasterin ein Lächeln auf Magdalenens Lippen, aber dies« 
mal milderte es die Herbigkeit ihrer Züge nicht. 
„Die Liebe meiner Umgebung? — Sollten Sie die 
Größe und den Wert dieses Besitzes nicht ein wenig über. 
schätzen, liebes Fräulein? - Mein Vater - nun ja, er 
liebt mich aufseine Art. Aber ich glaube nicht, daß e, 
sonderlich mich ist und mich als eine Lierd«
        
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