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Periodical volume Nr. 22, 26.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 22 Beriln Frledenao, Montag, den 28. Januar 1928 Fahrg. 2s 
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Sitzung der Gemeindevertretung ! 
,- t Vom Donnerstag, den 22. Januar 1920. 
.' Juristischer Hilfsarbeiter für das Einign ngsmnt. : 
Die außerordentliche Vermehrung der Geschäfte des 
Einigungsamts, insbesondere durch die neue Höchstmieten- 
verorduung vom 9. Dezember 1919, macht es erforderlich, 
einen juristischen Hilfsarbeiter einzustellen, der demnächst 
auch als stellvertretender Vorsitzender in Aussicht ge 
nommen ist. Er soll als solcher die unbedingt erforderliche 
rechtliche Bearbeitung einer großen Reihe von Einzel 
sachen übernehmen als auch mehrere Sitzungen in der 
Woche, vor allem auch Vorverhandlungen an den Vor 
mittagen, abhalten. Der Hilfsarbeiter muß zugleich als 
juristische Hilfskraft im Wohnungsamt tätig sein. Als 
Monatsvergütung werden etwa 75Ö M- in Frage kommen. 
Die Gemeindevertretung stimmt zu und bewilligt di« ent 
stehenden Kosten. 
Mit der Anrechnung von Dicnstjahren, die Beamte 
der Gemeinde anderweitig geleistet haben, auf das Besol- 
dungsdienstaltrr und damit deren Einreihung in den 
Gruphenplan ist die Vertretung einverstanden, nachdem die 
G.-D. Buth und Ritz das befürwortet hatten. 
Antrag des Rechtsblock: 
1. Ter sogenannte Fünferausfchuß (für Lebens 
mittel fra g en) wird durch Berufung zweier Sachver 
ständigen und-zwar eines für Materialwaren und eines 
für Kartoffel-, Gemü,e- und Obstfragen zu einem Siebener- 
ausschuß erweitert. Als Sachverständige werden vorge 
schlagen: Herr Treuholz, Kaufmann und Herr Oekonomie- 
rat' Buhl.' 2. Der Leiter des LebensmittelamteS darf Ab 
schlüsse bis zur Höhe von 10 000 M. vornehmen, ohne den 
Siebenerausschuß zu befragen, falls es sich uni ganz eilige 
Sachen handelt. 9. Bei Abschlüssen von Lieferungen mit 
höheren Summen ist der Siebenerausschuß vorher zu hören 
oder, wenn das nicht möglich ist, sind wenigstens die beiden 
Sachverständigen zur Beratung heranzuziehen. 4. Alle 
Woche bat der Leiter des Lebensmittelamtes dem Siebener 
ausschuß Bericht zu erstatten und insbesondere alle Ab 
schlüsse vorzulegen. 
G.-V. Leonhardt (zur Geschäftsordnung) bittet, die 
Namen aus diesen Anträgen hier herauszulassen und 
darüber in der geheimen Sitzung zu sprechen. G.-B. 
Dr. Anders (Dnat.) bemerkt, daß mit dem Antrage 
eine Lücke ausgefüllt werden solle. Wie im Bauausschuß 
Sachverständige vorhanden sind, so gehören auch in den 
Lebensmittelausschuß Leute, die von Lebensmitteln etwas 
verstehen. Es werde auch gut sein für Herrn Friede!, , 
wenn er sich beraten fühle von Leuten mit fachmännischen 
Kenntnissen und er die Veranttvortung für die Lebens 
mittelversorgung mit anderen teile. Er erläutert noch 
den Antrag näher uno bemerkt, daß durch ihn Herrn 
Friede! eine Schutzfläche geschaften werden solle, die ihm 
die Gewähr gebe, daß die Verantwortung nicht auf seinen 
eigenen Schultern liege. — Schöffe Friede! bemerkt: 
Wenn Herr Dr. Anders auch von einer Schutzwehr sprach, 
so erblicke er in dem Antrag doch eine Aktion ' ni einer be 
stimmten Seite gegen sich. Der Antrag üverrasche ihn 
nicht, denn wie man in der Presse gelesen haben werde, 
habe sich der Handel- und Gewerbevereiu mit 
derselben Sache beschäftigt. Er empfinde es sehr liart, 
daß man in jenen Kreisen in so nnobjektiver Weise gegen 
das Lebensmittelamt vorgehe. Es kam dort eine Sache 
zur Sprache, die nichts mit dem Lebensmittelamt zu tun 
Zwei Ccstamenie. 
Rönnm von F. Stolze. 
87 (Nachdruck verboten) 
Lllerw.ws >ui'irb dadurch von vornherein eine neue 
Schwierigreu. So >o:s man sich die Zusammensetzung der 
Reisegesellschaft jetzt zu beulen hatte, war der Hauptmann 
nicht nur ihr Senior, sondern er mußte wegen seines 
militärischen Ranges auch als ihr eigentlicher Führer be 
trachtet werden, dem im Falle der Not alle anderen zu 
gehorchen hatten. Das schien so bedenklich, daß Ewald 
und Achim ganz schwankend wurden, ob man unter solchen 
Umständen nicht doch lieber den Vorschlag Kurts ablehnen 
lolle, als plötzlich Oberst von Leppel allen Zweiteln dadurch 
rin Ende machte, daß er erklärte, er werde sich selbst an 
die Spitze der Expedition stellen. Er habe schon längst 
einmal ordentlich ausspannen und einen Winter im Süden 
zubringen wollen. Er fange an, dick zu werden, und dafür 
gäbe es kein besseres Heilmittel als solch eine Reise im 
Sattel, fern von der europäischen Kultur. 
Alle atmeten bei diesem Anerbieten erleichtert auf. 
Nur Erna verzog das Gesicht schmerzlich und rief: 
„Und ich soll allein hier zurückbleiben?" 
„Unsinn I" entgegnete der Oberst. „Du kommst natür 
lich mit. Dadurch erledigt sich zugleich etwas anderes. 
Es hatte mir gar nicht recht in den Kopf gewollt, daß Alice 
so allein unter lauter Männern reisen sollte. Jetzt seid ihr 
eurer zwei und könnt euch, wenn ihr wollt, sogar noch die 
Jungfer mitnehmen, die das gewiß nicht übelnehmen wird. 
Dann braucht ihr euch auch nicht als Jungen zu ver- 
mummen." 
„Das werde ich doch tun," rief Alice, „nicht sowohl der 
Verkleidung halber, als weil es bequemer und praktischer 
iit, und ich rechne sogar darauf, daß Erna es ebenso 
machen wird." 
„Gewiß!" jubelt diese. „Das wird ein Hauptspaß!" 
„Ruhig, Kind." warf der Oberst ein. „Es handett sich 
hier nicht um Spaß, sondern um eine sehr ernsthafte Sache, 
ha! e. Da hat ein Händler sich beschwert, daß er die Be- 
willwung des Kartoffelverkaufs nicht bekommen habe. 
Will der Siebenerausschuß sich damit beschäftigen, ganz 
avgesehen davon, daß der Fall unrichtig dargestellt ist. 
Er habe Weber ein Schreiben bekommen, noch sonst eine 
Rücksprache gehabt. Man sei nur dahin sich schlüssig 
geworden, der besseren Verteilung wegen die Zahl der 
Kartoffelverläufer zu verringern. Diejenigen, die 
mit Kolonialwaren handeln, sollen keinen Kartoffelver 
kauf mehr bekommen. Nun seien einige gekommen und 
haben gesagt, daß sie dann ihre Kundschaft verlieren 
würden. Darauf hat man ihnen den Kartosfelverkauf 
gelassen. Andern, die mit Gemüse usw. handeln, habe 
man auf ihre Anträge hin den Kartoffelverkauf ft'rber- 
tragen müssen. Man sagte nur, der Mangel lag > daran,^ 
daß der Ausschuß nicht da war. Man scheine sich hier 
doch ein ganz falsches Bild von dem Ausschußzp_macken. - 
Der Schriftführer des Vereins^ Herr'Lmige, ist im Le- 
benSmittelamr beschäftigt. Der sollte dock wohl genügen 
den Einfluß in seinem Verein haben, Hm^das^,hinürn 
zu tragen, was objektiv ist. Er habe nizü) nfemais selbst 
ständig Einkäufe vorArvmmen, sondern immer andere 
e erren und auch Herrn* Bürgermeister >.Walger gefragt. 
nr Gewerbeverein wurde, wie ihm heute errählt wurde, 
auch gesagt, er hätte nur immer Herrn . Puth herbei 
geholt (G.-Ä. Thomsberger und Kaumann': Das haben 
wir nicht gehört) Nun, der Herr, der das berichtete, sagte, 
er wäre in der Lage, das zu bezeugen. Er habe nichts 
gegen die Erweiterung des Fünferausschusses, habe auch 
nichts gegen die Sachverständigen; er halte ja auch Herrn 
Lange für sachverständig (G.-B. Lange: Weit gefehlt; 
Heiterkeit). Der Fünferausschuß soll ja nun auch jeden 
Sonnabend zusammenkommen, darüber habe man sich schon 
verständigt; also sei Punkt 4 des Antrages schon erledigt. 
Im übrigen werde sich noch der Lebensmittelausschuß 
mit der Sache beschäftigen; er bitte, den Antrag diesem 
Ausschuß zu überweisen. — G.-V. Kamrowski (Soz.) 
meint, der Antrag hätte manches, was man befürworten 
köirnte. In der Gesamtheit betrachtet, seien die Vorgänge 
in der Lebensmittelkriftk immer von einer persönlichen 
Stimmung ausgegangen. Jedesmal, wenn sich Mängel ein 
stellen, wurde ein Prügelknabe gesucht und gefunden, und 
die Händlerkreise verstanden «S stets, die Mißstimmung von 
sich abzuwälzen und mit Hilfe der Presse gegen die Verwal 
tungen zu kehren. Er weist dabei auch auf 1916 zurück; 
damals war es genau so. Wetter kommt er wieder auf 
die Frag« Zioangswirtschafl oder freier Handel zu sprechen 
und meint, man hätte mit diesen Anträgen früher, sckon 
ün Herbst kommen sollen. Jetzt mache der Antrag den 
Eindruck, daß er nur zum Zwecke der Agitation gestellt 
wurde. — G.-V. Leonhardt: Es sei sehr unangenehm 
geworden, über die Lebensmittelversorgung zu sprechen; 
immer werde das Persönliche dabei hervorgehoben (Sehr 
richtig rechts und b. d. Dem.) Und so sei es schwer, für 
die Wünscl>e der Bevölkerung hier einzutreten. Er sei 
auch fi'rr AuSschußberatung und weiter noch für eine an 
dere Zusammensetzung des Ausschusses. Für Erweiterung 
des Fünfcrausschusses sei er nicht; denn je größer solch 
ein Ausschuß, je schwieriger die Arbeit. Gin Fehler 
des Dezernenten war es, die Ausschüsse solange nicht ein 
zuberufen. Im 17 er Ausschuß sollen alle Beschwerden 
zur Sprache kommen. Die Vorgänge 1916 hätte Herr 
Kamrowski lieber nicht erwähnen sollen. Er verfüge in 
diesem Saal hierüber Wohl über die größte Sachkennt 
nis. (Lachen) Jawohl, denn im Vorstand des Bürgec- 
die wohlüberlegt sein will. Bedenkt, daß nicht wir allein 
euch begleiten werden, sondern auch eine Anzahl ganz 
fremder Leute, denen wir doch euer Geschlecht nicht ver 
borgen halten können. Dazu kommt jetzt noch der Haupt 
mann, und ihm in solcher Verkleidung gegenüberzustehen, 
dürfte euch doch wohl peinlich sein." 
„Weshalb gerade ihm?" erwiderte Alice. „Im Gegen 
teil, es wird ihn verhindern, seine Blicke, so wie neu 
lich, fortwährend auf mir ruhen zu lassen, sich ehrfurchts 
voll vor mir zu verbeugen, mit schmelzender Stimme zu 
mir zu reden, daß ich den Eindruck bekam, als würde 
er mir nächstens die Cour schneiden!" 
Ueberrascht blickten die drei Männer sie an. Der Oberst 
pfiff leise durch die Zähne und rief: 
„Weht der Wind daher? Das, Kinder, würde alles 
erklären. Er ist verliebt in dich, Alice, er ist wieder ein 
mal Feuer und Flamme, er hat sich in den Kopf gesetzt, dich 
zu erobern, und hat daraufhin plötzlich seine ganze Strategie 
geändert." 
„Aber Papa," wendete Erna ein, „bedenk doch nur, 
daß die Ereignisse in Abbeville und Ewalds Unterredung 
mit Kurt in die Zeit fallen, bevor er Alice gesehen hatte!" 
„Wer sagt dir das ?" rief eifrig der Oberst. „Im Gegen 
teil, ich bin davon überzeugt, daß der Hauptmann, der 
von der Eecily Warden jenen Brief über eure Ankunft und 
darin jedenfalls eure Personenbeschreibung erhielt, die erste 
beste Gelegenheit nach eurem Eintreffen in Eichkamp, 
vielleicht sogar dieses selbst benutzt haben wird, euch unge 
sehen zu beobachten. Ewald sah er dabei freilich nicht, aber 
dich, meine liebe Alice, und dann hatte er nichts Eifrigeres 
zu tun, als sofort nach Abbeville zu fahren. Es stimm! 
alles. Aus dem Saulus war ein Paulus geworden l" 
Achim hatte sich mit Mühe zurückgehalten. Jetzt brach 
er los: 
„Ein schöner Paulus, dieser Schurke! Er wagt es, 
seinen Blick zu unserer lieben Alice zu erheben? Und in 
Gemeinschaft mit einem solchen Menschen sollen wir diesen 
heiligen Befreiungszug antreten, statt ihn, den Urheber all 
dieses Uebels, wie einen tollen Hund einfach über den 
Haufen zu jchießen? Ich beLreije überhaupt nicht und 
verein stand fast die Hälfte der Mitglieder auf dem poli- 
schen Standpunkte des Herrn Kamrowski und er habe 
soga: polittsche Kämpfe im Vorstande gehübt. Es werde 
siir die Betreffenden sehr interessant sein, jetzt die KriKk 
des Herrn Kamrowski zu hören. Herr Kamrowski würde 
sich wohl auch sehr wundern, wenn er die Namen lesen 
würde, die manchesmal unter den Zuschriften stehen. Er 
legt weiter seinen Standpunkt bezgl. freier Handel und 
Zwangswirtschaft dar und meint, daß Kartoffeln ge 
nügend vorhanden wären, man möge nur mal nach den 
Straßen und Bahnhöfen im Norden und Osten Berlins 
gehen und sehen, wie viele Kartoffeln dort herangeschleppt 
werden (Zurufe b. d^Soz.)''-^ G.-V. Dr. Anders (Dnat.) 
bemetft^cnzch/daß-K unangenehm sL.fi ff ich immer dagegen 
verteidigen ,sil&_, wolle man eine Sache nur 
vom^ parteipolitificksewStandpuntt. Er habe in seiner Frak- 
• gesagt, er verstehe es nichft» dsLefflnmer auf dem- 
Friede! hernmgehgckt werde (LMM bin.Soz.) und daraus 
Jet der Antrag entstanden. Wegen einer anderen Saclir 
Gewerheverein wolle ja Herr Friede! klagen, also warte 
man die Ksage ab (G.-B. Buth: Da werden Sie lange 
warten köüüen! — Nanu? rechts und b.d. Dem.) Er 
wendet sich gegen den Vorwurf, als wolle er mit dem An 
trage die Zwangswirtschaft verlängern, erklärt in dieser 
Sache seinen Standpunkt und betont nochmals den Zweck 
des Antrages, dem Lebensmitteldezernenten Fachleute zur 
Seite zu stellen und dem Lebensmittelamt eine breitere 
Plattform zu geben. — G.-V. Frau Korsch (Dnat.) be-- 
mertt, der Antrag komme noch lange nicht zu spät. Wie 
sie hörte, habe man einen Beamten ausgeschickt, der Kar 
toffeln einkaufen solle. Da hätte man einen praktischen 
Landwirt schicken müssen; der auch mit dem Verpacken 
Bescheid wisse. — G.-V. Lange (Dnat.) erwähnt, das; 
er als Schriftführer deS Gewerbevereins eS doch nicht 
verhindern könne, wenn unter Jntereffenfragen Klagen von 
den Mitgliedern vorgebracht werden. Dazu sei dieser Punkt 
doch da. Er habe auch im Verein Herrn Friedet in jeder 
Weise untersttitzt und verteidigt. Der VereinLvorstand habe 
nichts damit zu tun, es sei auch im Verein der Antrag 
eingebracht worden, den Lebensmittelausschuß durch Sach 
verständige zu unterstützen. — Schöffe Friede!: Der 
Beamte ist nicht weggeschickt,^!! Kartoffeln einzukaufen, 
sondern um die Landräte und'-Landwirte kniefällig zu 
bitten, daß sie nur Kartoffeln -schicken. Er erzählt dann 
von einem Zahlmeister, der zu ihm kam und sagte, sein 
Rittmeister schicke ihn, um 6900 Zenttier Kartoffeln an 
zubieten. Den Preis dafür sollte er selbst nennen. Als 
er später wieder kam, sagte er, sein Rittmeister wolle snoch 
warten, da die Kartoffelpreise in nächster Zeit noch steigen 
loerden. Auf die Zurufe: Namen nennen, nannte Schösse 
Friede!: Rittmeister Kühler in Charlottenburg. G.-V. 
Kamrowski (Soz.) äußert sich in polittschen Ausfüh 
rungen über die --Zurückhaltung der Kartoffeln. — Bür 
germeister 333 a lg er bittet, die hohe Politik zu vermeiden, 
überzeugen lasse sich hier doch keiner. Was wir alle wün 
schen, sei eine starke Regierung, die uns regiert. — G.-V. 
Dr. Anders (Dnat.) wendet sich gegen die Verallge 
meinerung, wie sie hier wieder bettieben wurde durch An 
führung des Rittmeisters. Seine Partei verurteile solches 
Verhalten genau so wie jeder andere. — Nachdem ein 
Schlußantrag der G.-V. Frl. Schütze angenommen ist, 
wird der ?lnttag dem Lebensmittelausschuß überwiesen. 
Dafür sttmmen 19, dagegen 23. Nach der Geschäftsordnung 
können aber 6 Sttmmen die Ueberweisung eines Antrages 
an den Ausschuß verlangen. 
m WTWM ■WMMIMMMWMMMWOSiiWIlWI I fiPIWWSnSCTWPWWMWMH 
wache mir selbst bittere Vorwürfe darüber, daß dies nlch! 
längst geschehen ist. Aber es ist glücklicherweise noch nicht 
zu spat dazu. Augenblicklich reite ich zu ihm hinüber und 
werfe ihm ,eine verbrecherische Niedertrüchttgkeit ins Gesicht. 
So viel Ehrgefühl wird er ja wohl noch besitzen, mich dann 
vor die Pistole zu fordern!" 
Wie eine Windsbraut waren diese Worte unaufhalt 
sam dem Munde des jungen Mannes entflohen. Er achtete- 
es nicht, wie Alices Gesicht bleicher und bleicher wurde, 
und wollte zur Tür hinausstürzen. Der Oberst aber faßte 
ihn an der Schulter und rief: 
„Das wirst du bleiben lassen, mein Iungel Was in 
deinem kleinen, egoistischen Gehirn für Gedanken herum 
spuken. mutz dir vollständig gleichgültig sein. Wir haben! 
jetzt nicht unsere persönlichen Neigungen und Abneigungen- 
zu berücksichtigen, sondern nur den einen großen Zwech 
der Befreiung unseres lieben Arnold Werner ins Auge 
zu fassen. Alles was ihm dient,- müssen wir uns nutz 
bar machen. Und wenn Kurt wirklich sterblich in Alice 
verliebt ist, so ist das feine und ihre Sache. Sie wird ihn. 
sich schon vom Leibe zu halten wissen, und Erna wird ihr 
dabei zehnmal nützlicher sein, als'du mit deinem Hitzkopf!" 
„Vater," preßte Achim mühsam heraus, „ich kann 
die Gegenwart dieses Menschen nicht ertragen I" 
„Und darum willst du ihm die Möglichkeit geben, dich 
über den Haufen zu schießen? Ueberlege einmal, 
was du durch deine Leidenschaft — ich will es nicht 
beim wahren Namen nennen — bestens erreichen kannst. 
Angenommen also, du hast bei dem von dir 
provozierten Zweikampf wirklich Glück und schießt 
den Hauptmann nieder. Kennst du diesen Mann so 
wenig, daß du dir nicht sagst, er werde diese Möglichkeit 
nicht gleichfalls ins Auge fassen und Sorge dafür tragen, 
daß er, wenn er unterliegt, furchtbar gerächt wird? 
Und wie kann er dies besser als dadurch, daß er Iennings 
im Fall seines Todes die Anweisung zugehen läßt, den 
Tater deiner und unserer geliebten Alice wirklich „ver 
winden" zu lassen?" 
(Fortsetzung folflt)
        
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