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Periodical volume Nr. 140, 24.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlin-Frirvenm», Donnerrtaz, Öen 24. Sani 1920 
Sohr«. 27 
DeutTt* Dacbricbten 
> Das Kabinett Fehrenbach 
wird sich nach den im Laufe des heutigen Vormittags er 
zielten Vereinbarungen folgendermaßen zusammensetzend 
Reichskanzler Fehrenbach (Zentt.); Stellvertreter. des 
Reichskanzlers und Reichsjustizminister Dr. Heinze (D. 
Vp.); Reichsminister des Innern Dr. Koch (D. D. P.); 
Reichsminister des Auswärtigen Simons (D. D. P.); 
Reichsfinanzminister Dr. Wirth (Z.); Reichsschatzminister 
von Raumer (D. Vp.); Reichswehrminister Dr. Geßler 
(D. D. P.); Reichsverkehrsminister Gröner (parteilos, 
den Demokraten nahestehend); Reichswirtschaftsminister 
Dr. Scholz (D. Vp.); Wiederaufbauminister wird voraus 
sichtlich nicht besetzt; Reichspostminister: Giesberts (Zentr ); 
Reichsarbeitsminister: noch unbestimmt. 
Weimar. Ueber die Wahlen zum Thüringer Land 
tag liegen folgende Zahlen vor: Deutschnationale 45122 
Stimmen (3 bis 4 Sitze), Deutsche Volkspartei 104 077 
Stimmen (8 Sitze), Demokraten 58142 Stimmen (4 bis 
.5 Sitze), Sozialdemokraten 132 784 Stimmen (11 Sitze), 
Unabhängige 182 865 Stimmen (15 Sitze), Thüringer 
Landbunr 134 487 Stimmen (11 Sitze), Kommunisten 
8434 Stimmen (keinen Sitz). .Es' stehen noch zwölf bis 
fünfzehn kleinere Orte aus, die aber am Ergebnis nichts 
Wesentliches ändern werden. 
Paris. Dem Präsidenten der deutschen Friedens-, 
delegation, Geheimrat Göppert, wurden gestern drei von 
Millerand gezeichnete Noten zugestellt. Die erste Note 
befaßt sich mit der Verminderung der Reichswehr auf 
100 000 Mann. Die zweite Note wurde durch-die Kon 
ferenz von Boulogne sur Mer genehmigt und enthält Vor 
schläge des Marschalls Foch. Die dritte Note wurde eben 
falls durch die Konferenz von Boulogne genehmigt und 
beschäftigt sich mit dem Flugwesen. 
London. Das britische auswärtige Amt hat der 
deutschen Botschaft in London bekanntgegeben, daß nun 
mehr den ans Südafrika in ihre Heimat reisenden 
Deutschen die Reise über England gestattet wird. - 
SrtrnMMlen (He Men»« unö WiMg. 
(Nachdr. unsrer o-Origtnalartilel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Feststellung des Ergebnisses der erstmaligen 
Wahlen für den 'Mchlkreis XI (Verwaltungsbezirk 11 
Schöneberg-Friedenau) zur Bezirksverordnetenversamm^- 
lung des Verwaltungsbezirks 11 der neuen Stadtgemeinde 
Berlin gemäß § 49 findet durch den Kreiswahlausschuß 
in öffentlicher Sitzung am Sonnabend, den 26. d. I., 
vormittags 10 Uhr im Neuen Rathaus von Berlin-Schöne- 
berg, Rudolph-Wilde-Platz, 1. Stock, Zimmer 142, statt. 
obh Die umständlich: Berechnung des Grotz?Berlimejr« 
Wahlergebnisses. Die Feststellung des Groß-Berlitter Wahl 
ergebnisses ist derart umständlich und verzwickt, daß es 
noch schwieriger ist, als bei der Reichstagswahl, und mehr 
facher Berechnungen bedarf, ehe sich überhaupt ein einiger 
maßen genauer Uebcrblick verschaffen läßt. Es zeigt sich 
hierbei, daß die Zerlegung der Wahlen in Stadtverord 
neten- und Bezirksverorbnetenwahlen nach zwei getrennten 
Listen ein schwerer technischer Fehler war und daß dem 
Entwurf der Regierung unbedingt der Vorwurf zu geben 
war, der Stadt- und Bezirksverordnete auf Grund einer 
gemeinsamen Liste wählen lassen wollte mit der Maßgabe, 
daß die Bezirksverprdneten in die sreiwerdenden Stadt- 
vcrordnetensitze einrücken. Jetzt müssen die Stimmen für 
die Kreisllsten und die Beziqkslisten doppelt gezählt und 
berechnet werden und da sich überall Unterschiede ergeben, 
wie z. B- besonders erheblicher Art in Zehlendorf, Cöpe- 
nick und Reinickendorf, müssen sehr knisstiche Rechnungen 
angestellt werden. Auch die Bestimmung über den Wahl- 
quotienten für die Stadtverprdnetenwahl erweist sich immer 
mehr als eine sehr unpraktische Vorschriift. Der Stadt 
wahlausschuß tritt am Sonnabend zusammen, erst dann 
dürfte das Gesamtergebnis endgültig Festgestellt und der 
genaue Wahlquotient errechnet werden. 
obh Die Größe dcS neuen Berlin. Di!e aus 8 Städten, 
59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken gebildete Ein 
heitsgemeinde sollte nach dem Regierungsentwurf eine 
Fläche von 756 qkm. bedecken. Nachdem durch die Preußi 
sche Landesversammlung im Osten und Westen noch mehrere 
umfangreiche Gebiete mit den Dauerwäldern des Zweck 
verbandes in das neue Berlin einbezogen worden sind, ist 
das Gebiet der Einheiltsgemeinde auf nicht weniger als 
877,66 qkm. angewachsen. Damit ist die neue Reichs 
hauptstadt noch größer geworden als Groß-Neuyork mit 
seinen 840 qkm. wird übertrifft bei weitem die Verwal 
tungsbezirke London mit 303, Wien mit 275 und Paris 
mit 480 qkm. 
o Das' Fleisch für dies« Woche. In der Woche vom 
21.—27. Juni gibt es auf die 10 Abschnitte der Nr. 26 
der Reichsfleischkarte: 250 Gr. frisches Rindfleisch 
und Rindergefrierfleisch mit eingewachsenen 
Knochen oder Knochenbeilage. Für das frische Rindfleisch 
gelten die Kleinhandelshöchstpreise. Ein Pfund Rinder- 
gefrierfltisch kostet 9,50 M. Mit frischem Rindfleisch sind 
nur einige Fleischier beliefert worden und zwar diejeni 
gen. die an d er Reihe sind. Der Verkauf findet in dieser 
Woche am Freitag und Sonnabend von 8—12 und 4—7 
Uhr statt. 
o Fleisch in Schöneverg. In der Woche vom 21. 
bis 27. Juni 1920 gelangt auf die Reichsfleischkarte be 
zirksweise ausländisches Gefrierfleisch oder inländisches 
Frischfleisch (250 Gramm mit Knochen) zur Ausgabe. 
Auf Verlangen der Fleischverkäufer ist bis zu Vs dev 
Wochenmenge in Wurst zu entnehmen. Der Preis beträgt 
für das ausländische Gefrierfleisch 9,50 M. und für die aus 
Auslandskram hergestellte Wurst 5,20 Mart je Pfund. 
o Die Amtsbezeichnung Studiönrat für die Ober 
lehrer ist jetzt, nach Annahme der Besoldungsordnung 
durch die Landesversammlung allgemein durchgeführt 
worden. 
o Zuut Diircktov des' Helmholtz-Rcalgh mnafiums ist 
der bisherige Direktor, der Fontaneschule, Dr. Lauter 
bach gewählt , und vom Staatsministerium bestätigt 
worden. 
o Das NebeNPvstjmnt II, Cran-achstraße, soll, wie von 
unterrichteter Seite mitgeteilt wird, aufgelöst werden. Für 
den abgeschlossenen Ortsteil würde es von großem Nachteil 
sein, wenn die Auflösung wirklich erfolgen sollte. Das 
nächste Postamt in Friedenau (Haudjerystraße) würde durch 
seine große Entfernung für die Bewohner des Ortsteils 
nicht nur zeitraubend, sondern auch geschäftsschädigcnd 
wirken. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, die betr. 
Stellen von der Notwendigkeit des Postamts in der 
Cranachstraße zu überzeugen. ' 
o Zur Feststellung der ortsüblichen Grundmiete im 
Jahre 1914 hatte bekanntlich der hiesige Mieterbund 
eine Statistik aufgestellt, die nach 700 Mietsverträgen 
ausgearbeitet wurde. Auch der Hausbesitzervcreiu 
hat sich um eine solche Statistik bemüht und rund 4000 
Mietsverträge hierfür erhalten. Wie wir nun hören, hat 
sich hei der Zusammenstellung ergeben, daß die vom Mieter- 
bund ermittelten Grundmietezahlen fast genau mit den 
jenigen übereinstimmen, die der Hausbesitzerverein durch 
seine Statistik gewonnen hat. Es soll nun aber noch 
eine Ausrechnung nach den einzelnen Ortsteilen vorge 
nommen werden. 
o Abzüge von den neuen FährAänort dev Wannseje- 
und Ringbahn haben wir hergestellt. Sie sind zum P«ise 
von 10 P fg. in der Geschäftsstelle unseres Blath.'s, 
Rh einst r. 15, zu haben. 
o Der letzte PferdeomNiüuis, die Linie 4c Halleschcs 
Tpr—Stettiner Bahnhof, ist nun äuch eingezogen 
worden. Bestehen bleibt nur noch der Nachtomnibusver 
kehr, sowie die Autobuslinie Unter den Linden—Halensce. 
o Die Entschädigungssätze für dfe städtischen Lcichen- 
träger in Bcrlin--Schöueberg werden durch Beschluß der 
städtischen Körperschaften vom 18. Mai 1920 und 14. Juni 
um 50 Prozent erhöht. Die Erhöhung tritt mit dem Tage 
der Bekanntmachung in Kraft. 
o Kein Sitcn^rabzug vom Natural- und Sachbezug. 
Da sich jetzt herausgestellt hat, daß. die Versicherungs 
ämter den außerordentlich schwankenden Preisen der Le 
benshaltung nicht überall und nicht -gleichmäßig gefolgt 
sind, so würden sich bei' überall gleichmäßigem Abzug 
gewisse Ungerechtigkeiten ergeben. Um diese zu vermeiden, 
hat sich der Reichssinanzminjster zu der Anordnung ent 
schlossen, daß bei dem Steuerabzug vom Arbeitslohn, der 
bekannllich morgen, in Krasl tritt, die Natural- und 
sonstigen Sachbezüge nicht mit in Anrechnung kommen 
sollen. Die Anrechnung dieser Bezüge soll vielmehr erst 
am 1. August, und zwar mit Wirkung von diesem Tage 
ab, in Kraft treten. — Ferner wird über Anrechnung 
und Herauszahlung ausgeführt: Die Anrechnung des ge 
kürzten Bettages auf die für das Rechnungsjahr 1920 ge 
schuldete Einkommensteuer soll grundsätzlich erst nach der 
endgültigen für das Kalenderjahr 1920 vorzunehmenden 
Veranlagung erfolgen. In der Presse-ist hieraus hie und 
da die Schlußfolgerung gezogen, daß Arbeitnehmer in 
diesem Jahre eine doppelte Einkommensteuer zu zahlen 
hätten. Indem sie neben der Kürzung ihres Arbeits-f 
lohnes auf Steueranforderungsschreiben äuch noch die! 
Steuer von demjenigen Einkommen zu zahlen hätten, das 
für die landesrechtliche Veranlagung der Einkommensteuer 
im Jahre 1919 festgestellt ist. Diese Ausfassung ist irrig. 
Denn erstens ist nach Möglichkeit dafür gesorgt, daß 
solchen Steuerpflichtigen, bei denen sich die vorläufig 
zu entrichtende Steuer nicht höher als der lOprozentige 
Abzug von ihrem Arbeitseinkommen berechnet, ein Steuer- 
vie Briefe der Prinzmin. 
Bon E. Ph. OpPenh e i m. 
86 (Nachdruck verbiten.) 
Man hatte Heinz Hollfelden sogleich in das Kraitten- 
zimmer geführt, und zum zweiten Male an diesem Vor- 
mittag stand er nun an dem Lager eines Sterbenden. 
Der Mann, der da, von der Hand des Todes gezeichnet, 
vor ihm lag, war sein erbittertster Feind gewesen, und der 
einzige Mensch vielleicht, den er wirklich gehaßt hatte. 
Jetzt aber war jede feindselige Regung in ihm ausgelöscht. 
Und er begrüßte ihn so herzlich, als sei der Pole niemals 
etwas anderes als sein Freund gewesen. 
Dombrowski aber sagte: 
„Ich habe Sie rufen laßen, Herr Hollfelden, weil ich 
verhindern wollte, daß der Brief dort in andere als in 
Ihre Hände gelangte. Da drüben, bitte, auf dim Tisch I" 
Mechanisch nahm Heinz das Schreiben auf. Aber er 
las doch unwillkürlich die Adresse, sie lautete: .An die 
Künigl. Polizei-Direktion, Berlin." 
Sie tun* gut daran, daß Sie die Absendung dieses 
Briefes verhindern, Herr Doktor. Ich glaube ja ru wissen, 
was er enthält; und Sie hatten damit Menschen, die 
wahrlich ohnedies schon genug gelitten haben, das bitterste 
Unrecht zugefügt. Denn es ist mir in der Zwischenzeit ge- 
lungen. Otto Martens'Mörder ausfindig zu machen." 
Dombrowski hob abwehrend ein wenig die Rechte. 
„Bitte, verschonen Sie mich mit Erzählungen!" sagte 
rr. „Ich wünschte wahrlich, daß ich niemals-was mit 
Vieser Angelegenheit zu tun gehabt hatte. Und letzt wenig 
stens will ich nichts mehr davon wissen. Etwas anderes 
aber möchte ich Ihnen noch sagen, Herr Hollfel^n. Sie 
wißen, daß ich ein Spion war, aber nicht, wie ich Ihnen 
sagte, im Dienste oder gar im Solde der russischen Re- 
gierung, sondern im Dienste einer heiligen Pflicht. Mein 
Vater war ein polnischer Edelmann, der es bis ZU einer 
bedeutenden Stellung am russischen Kaiserhofe gebracht 
hatte.' Aber er war keiner jener Volksunterdrücker, keiner 
m... jener 
jener Blutsauger, die wie Vampyre auf ihrem Vaterland 
liegen und sein Mark verzehren. 
Mchtgetreuer Beamter. edel untz.'' 
' jen^ Um io mehM 
m Wege, die gerade jetzt wieder eifrig am Werke sind, 
»as russische Volk gegen seine Beherrscher aufzuwiegeln, den 
Anarchisten und Revolutionären, die in den hochsteh.aden 
Unterdrückern im Grunde ihre besten Bundesgenossen 
haben. Meinen Vater aber liebten die, die unter ihm 
standen; in dem Gouvernement, das er verwaltete, wollte 
veshalb auch keine Unzufriedenheit mit den bestehenden 
Zuständen aufkommen. Deshalb mußte er fallen. Auf 
Sie entsetzlichste Weise haben sie ihn gemordet, und an 
seiner Bahre legte ich, damals noch ein Student, den 
glühenden Schwur ab, daß mein Leben ein einziger Kampf 
fein sollte gegen die Schreckensmänner, die im Geheimen 
mordeten, daß nichts anderes für mich Interesse haben sollte 
als ihre Vernichtung, daß ich kein Mittel scheuen würde, 
diese Vernichtung zu erreichen. Ich habe meinen Schwur 
getreulich gehalten. Ein Spion bin ich geworden, ohne 
Rücksicht darauf, wie die Welt und die Menschen über 
dies Gewerbe denken, und es ist mir gelungen, zahlreiche 
jener verbrecherischen Elemente, die ihrem lichtscheuen 
Treiben ein patriotisches Mäntelchen umhängen und es 
für eine Heldentat ausschreien, wenn sie einen unschuldigen 
Polizisten oder einen Beamten, der nichts getan hat als 
feine Pflicht, meuchlings erschlagen, der Gerechtigkeit zu 
überliefern. Daß ich aber gerade den Kampf gegene jene 
Leute so erbittert führte, deren Namen die Briefe der 
Prinzessin Apraxin enthielten, es lag daran,weil ich Ursache 
hatte zu der Annahme, daß gerade jene Männer indirekt 
die Schuld am Tode meines Vaters trugen. Sagen Sie 
das der 'Prinzessin, öffnen Sie ihr die Augen über die 
Leute, die vielleicht auch sie für Helden ansteht! Schurken 
sind es in Wahrheit, fanatische Schurken, die wohl den 
Mut haben, Meuchelmorde zu begehen, nicht aber, auch 
die Strafe dafür auf sich zu nehmen! Das war es, was 
ich Ihnen noch zu sagen hatte. Und nun verlassen Sie 
mich, ich bitte Sie darum." Meine Minuten sind gezählt, 
' ur.d ich will noch einmal Einkehr halten bei mir selbst, ehe 
ich in jenes dunkle Land hinübergleite, in dem mich, so Gott 
will, mein Vater empfangen soll." 
Noch ein zweiter Kranket: war es, an dessen Lager Heinz 
Hollfelden treten durfte. Die Schwelle seines Gemaches 
aber hatte der Todescngel nicht überschreiten dürfen; und 
der Arzt, der Heinz zu Herbert von Wehringen geleitet 
hatte, versicherte d-n beiden lächelnd, daß der Verwundete 
‘ 'hWittn" ' ochen 
DU Kunde, die ihm Heinz von Dombrowski und von 
Robert Dashwood brachte, erschütterte Herbert tief; aber 
die Gewißheit, daß für seine Lieben nun alle Gefahr vor 
über war, richtete seinen Lebensmut doch auf. Voll neuer 
Hoffnung sah er in die Zukunft, und beruhigt konnte ihn 
Heinz Hollfelden verlassen. 
Noch aber waren die Ueberraschungen dieses Tages nicht 
erschöpft, und nach den tragischen Ereignissen, die nun 
hinter Heinz lagen, waren es sehr erfreuliche Dinge, die sich 
weiterhin zutrüge:.. 
Er kehrte von dem Krankenhaus aus nicht in feine 
Wohnung zurück, denn es drängte ihn, die Komtesse Walden» 
dorsf sogleich von dem Ausgang der Ereignisse in Kenntnis 
zu setzen. Wie immer öffnete ihm die hübsche, kleine Zofe 
die-Tür, aber sie war dann nahe daran, den Besucher für 
geistesgestört zu halten. Er hatte sich noch leidlich ruhig 
danach erkundigt, ob die Frau Gräfin anwesend sei, im 
nächsten Augenblick aber war er auf eine Tür zugestürzt, 
hinter der eben eine Stimme laut geworden war, die nicht 
der Komtesse Waldendorff angehörte, hatte diese Tür auf 
gerissen und war wie ein wilder Junge über die Schwelle 
gestürmt. 
„Margot!" 
Da hielt er sie auch schon in seinen Armen und be 
deckte ihr Gesicht mit seinen Küssen. Endlick gelang es ihr, 
sich aus seiner Umarmung zu befreien, und nun mußte er vor 
allen Dingen erzählen. 
Er selbst erfuhr, daß Margot sofort, nachdem sie seinen 
letzten Brief erhalten hätte, nach Berlin abgereist war. Nun 
wollte sie ohne Verzögerung sich in das Krankenhaus be 
geben ; denn sie erklärte bestimmt, daß niemand anders als 
sie den Bruder pflegen dürfe. 
„Ich will dir gewiß nicht im Wege fein," erwiderte 
Heinz. „Aber ich blttp dich herzlichst, Lieb, mich vorher an 
einen anderen Ort zu begleiten." 
„Und? Wohin wolltest du mich führen?" 
Da nahm er ihre Hand und sah sie herzlich bittend an. 
„Zu deinem Sttefvater, zu dem Oberstleutnant Arnstorf," 
sagte er. 
In ihre Wangen, die die Aufregungen, der letzten Zeit 
bleich und schmal gemacht hatten, stieg eine feine Röte. 
Unschlüssig sah sie vor sich nieder; dann aber hob sie den 
Kopf und sagt«»tLef aufatmend.: ^ .. U. 
„WenwW^mich eiWÜjc’. n will, wohl, so bin ich 
‘ v-*it., mUT' J**’
        
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