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Periodical volume Nr. 138, 22.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

zusammen 126 Sitze, demgegenüber stehen 99 Bürger- I 
liche, und zwar 25 Deutschnationale, 40 Deutsche Volks- « 
Partei, 8 Zentrum, 16 Demokraten und 9 Wirtschaftliche 
Vereinigung. Die Fraucnliste hat keinen Sitz erhalten; die 
auf diese Liste abgegebenen 1156 Stimmen sind der wirt 
schaftlichen Liste zu Gute gekommen. Der Wahlquotient 
beträgt bei 1 581 452 Stimmen 7028. Er kann sich ttodj; 
dem amtlichen Ergebnis nur um ein Geringes verändern. 
Darnach schickt der 111 Bezirk Schöneberg-Friedenau in 
die Berliner Stadtverordnetenversammlung 
2 Deutschnationale (Dr. Schneider-Schöneberg und Dr. 
A n d e r s - Friedenau), 2 Deutsche Volkspartei (Fräulein 
F ro m m-Schönebcrg und Direktor H a nnemann-Frie- 
denau, für den 3. Sitz fahlen einige wenige Stimmen), 
1 Demokrat (Oberbürgermeister Dominicus, der aber 
wahrscheinlich die Wahl auf die Stadtliste annimmt, sodass, 
an seine Stelle Stadtv. Zobel-Schöneberg tritt), 1 
Mehrheitssozialdemolrat (Stadtverordnetcnvorstehcr Cze« 
m i n s k i - Schöneberg) und 2 Unabhängige (Stall- 
Schönebcrg und Dcttmcr-Friedenau). Zentrum. Wirt 
schaftliche Vereinigung und Frauenpartei scheiden aus.— 
Die B ezir ks versamMluli g besteht aus den ge 
wählten Stadtverordneten und 45 Bezirksverordncten. Zu 
BezirkSverordsteten sind gewählt: 8 Deutsch- 
nationale (Oberlehrer F r i e d er i s z i k - Schöneberg, Frau 
K o r s ch - Friedenau, Malermeister L i nie us- Schöne- 
berg, Oberlehrer Prof. Pflug-Schöneberg, Stadt 
sekretär B o ck-Schönebcrg, Bäckermeister Müller-Frie 
denau, Lehrerin W e tz e l - Schönebcrg und Ingenieur 
Bau mm n u - Schöneberg)/ 11 ' Deutsche Tvlkspartei 
Sfirof. Dr. Teufer - Schöneberg, Chemiker v. Wr o ch e m- 
Friedenau, Rentier Albert Müller-Schöneberg, Frau 
Laskus-Friedenau, Schriftsteller Thomas-Schöne 
berg, Baurat A l t m a n n - Friedenau, Branddirektor 
Flo et er- Schönebcrg, Generalsekretär Hstl b r i ch - Frie 
denau, Ratsmaurermeister N e i me r - Schöneberg, Ober 
lehrer Dr. E n g e l b r e ch t - Schönebcrg und Kaufmann 
B und fu ß-Schönebcrg), 2 Zentrum (Staatsanwalt 
L a m m ers-Schönebcrg und Oberingenieur O l b c r tz - 
Schöneberg, der Negierungs- und Baurat Sarrazin steht 
erst an 3. Stelle). 5 Demokraten (Redakteur Dr. Theodor 
H e u'ii - Schönebcrg, Prof. Dr. N o r d m a n n - Schöneberg, 
Sozialbcamtiu Barth-Schöneberg, Wiss. Lehrer Leon 
hard t- Friedenau und Prof. Lasscn-Schöneberg), 
3 Wirtschaftliche Vereinigung (Schlächtermeister Ort- 
mann-Schöneberg, Kaufmann L a n g c - Friedenau und 
Prof. H e y n e- Schöneberg), 7 Mehrheitssozialdemokrateu 
Tischler Kaspar-Schbg., Gewerkschaftsb. Kamrowski- 
Friedenau, Gastwirt O b st-Schbg., Stadtrat Ei che l- 
Hardt-Schbg., Straßenreinig.-Jnsp. Erdmann-Schöne- 
berg, Maurer Fritsch-Schöneberg und Kassenbeamter 
Buth-Friedenau), 9 Unabhängige (Spediteur Georg. 
W e n d t - Schöneberg, Werkzeugmacher Hessel bar th- 
Schöneberg, Dipl.-Jngen. Sch neidrä tus-Friedenau, 
Schneider M a r t e ns -Schönebcrg, Redakteur Groschc- 
Schöneberg, Städt. Hilfsarbeiter Willb erg-Sch.öne- 
bcrg, Kassenbeamtcr B l a n k - Friedenau, Graveur Pe 
te r so n-Schönebcrg und Schlosser Schröder-Schöne-, 
berg). ■ ■ ;' \ 
Von den bisherigen Schöffen und Gcmeindeverord- 
ncten Friedenaus scheiden folgende Herren -aus: Ebers, 
Lehment, Loos,'Hugo-Richter, Dr. Schultz und Frl. Tho 
mas (Dnat.), Ott, -Dreger, Dr. Lohmann, Schönknecht, 
Frl. Sichert, Uhlenbrock und Westphalen (D. Dp.), Baüm- 
garth und Sarrazin (Zentr.), Konieczka und Luders- (Un-, 
pol.), Schildbcrg, Kaumann, Ltidecke, Nitz, Schultz, Thoms-. 
berger und Wolfs (Dem.), Friedet, Pasche, Frau Diederich, 
Endemann, Giese, Dr. Hasse, Maulbecker, Piniak und Frl. 
Schipfmann (Soz.), Paul Richter, Göhring, Frau Tölle 
(Unabh.). Möglich ist, daß nach der Magistrats- und Be 
zirksamtswahl der eine oder der andere Friedenauer noch 
nachrückt. Doch ist mancher Herr, der jahrelang.ehren 
amtlich seine Arbeitskraft der Gemeinde gewidmet hat, 
nun endgültig ausgeschieden. 
Wenn wir die bei der diesmaligen Gemeindewahl ab 
gegebenen (Stimmen aus die Mandate für unsere Ge 
meindevertretung umrechnen würden, so würden 
unserem Gemcindevorstande angehören außer dem Bürger 
meister, 3 Volksparteiler, 1 Deutschnationalcr, 1 Mchr- 
hcitssozialdemokrat und 1 Unabhängiger. Die Gemeinde 
vertretung würde dann einschließlich der. Vorstandsmit 
glieder bestehen aus:- 10 Deutschnationaleu, 17 Volks- 
partcilcrn, 1 Zentrum, 4' Demokraten, 2 Wirtschaftliche 
Vereinigung, 6 Mehrheitssozialdcmokraten und 8 Unab 
hängigen. Darnach hätten die beiden Rechtsparteien mit 
zusammen 27 Vertretern die Mehrheit. 
o Tie Gemoindcwahl. Zum Vergleich, möchten wir 
heute noch die Stimmen, die bei der Wahl zur Gemeinde 
vertretung im vorigen Jahre in Friedenau abgegeben 
wurden, den Stinimeuzayleu der diesjährigen. Wahl (in 
Klammern) gegenüberstellen. Im-Jahre 1919 . erhielten: 
Deutschnationale 4791 (1920: 4427), Deutsche Volkspartei 
3022 (7141). Christliche Volkspartei 1179 (692), Demo 
kraten 4015 (1767). Unpolitische Wirtschaftliche Vereinigung 
1070 (1189), Mehrheitssozialisten 4899.(2279), Unabhängige 
2303 (3479) Stimmen. Gegenüber der vorjährigen Ge 
meindewahl haben also die Deutsche Volkspartci einen. 
Stimmenzuwachs von 2122 Stimmen, die Unabhängigen 
eisten solchen von 1176 Stimmen zu verzeichnen. Drc 
Dcutschnationalen haben 364 Stimmen, die Demokraten 
2248, die Mehrheitssozialdemokraten 2620, das Zentrum 
487-Stimmen verloren. Die Wirtschaftliche Vereinigung 
hat gegenüber der damaligen Unpolitischen Liste nur um 
119 Stimmen zugenommen. Die großen Hoffnungen, die 
man diesmal auf die Wirtschaftliche Liste gesetzt hatte, 
habest-'sich also nicht erfüllt. - - , 
o Dia Tcuerungszulagen best Groß-Berlincr Gck- 
urciudcbeamtc'n. Das Schiedsgericht für dir Groß-Berliner 
Boamtenorganisatioiien trat gestern zum ersten Male zu 
sammen. Es wurde über die Teuerungszulagen für die 
Groß-Berliner Gcmeindcbcamten ein Schiedsspruch ge 
fällt/der den Beamten statt der schon bewilligten 2000 
Mark 2400 Mark gewahrt in den Gemeinden, die diese 
2400 Mark noch nicht bewilligt haben. Ferner sollen die 
ledigen Beamten statt 1500 M. nustmehr 1600 M,, die, 
welche Naturalverpslegung beziehen, statt 1000 M. nun 
1200 M.' erhalten. — In' Potsdam waren ge',kern die. 
städtischen Büros geschlossen, da sämtliche Beamte und 
Angestellten eine Protestversammlung veranstalteten, um 
für die Gleichstellung der ,Gehälter mit Groß-Berlin zu 
demonstrieren. ■'•' 
obh Die Kärtoffelbeliefernng. Von unterrichteter Seite 
wird unsgeschriebeu: Die Kartoffelzufuhr nach den Bedarfs- 
gebieten ist jetzt' so reichlich, daß man geradezu von 
einer Ueberschwemmnng des Marktes reden kann. Vielfach 
verhält sich die Bevölkerung gegenüber der Abnahme von 
Kartoffeln schon teilweise ablehnend. Es.muß aber darauf 
hingewiesen werden, daß diese überreichliche Belieferung 
voraussichtlich nur 'noch vott sehr kurzer Dauer sein kaun./ 
Bis zum Beginn der vollen Frühkartoffelversorgung wird 
eS jedenfalls nicht möglich sein, die regelmäßige Ver 
sorgung aus der Herbstkartoffelernte in vollem-Umfange 
ansrecht- zu erhalten.- . ’ - 
o Das Buddeln von Frühkartoffeln verboten. Nach 
einer Bekanntmachung des Tcltower Kreisansschusses wird 
das Buddeln von Frühkartoffeln bis'auf weiteres verboten. 
o Die Prüfung als! Overfeucrwehrmann hat der Fric- 
denauer Feuerwehrmann Ließ bestanden. 
- v Die Rote Äreuzmedailke 3. Klaffe ist unserem Mit 
bürger, Rechnungsrat Wie de mann im Reichsver-. 
sicherungsamt/ LaNterstraße 2, in Anerkennung seiner 
Dienste auf dem Gebiet der Krie^swohlfahrtspflege und 
der freiwilligen Krankenpflege verliehen worden. 
o Abstimmung Ostpreußen! Die Reiseäusweise müssen 
bis zum 29. d. Mts. aus der Geschäftsstelle, Kaiserallec 120, 
bei Frau Pfarrer Liedtke, abgeholt'' werden. - - 
o Gegen die Kohlen» und Brennst» ffnot. Gegen die 
Kohlest- und Bremrstoffnot hatte..die Hausbrand-Genossen 
schaft 'G:oß-BecliN"eino Versammlung in die Aula des 
Friedrich Wilhelm-Gymüasiums einberufen,, um haupt 
sächlich gegen die Beschlagnahme des Torfes zu protestieren. 
Nachdem der Vorsitzende Herr Ing) Scholz in seiner ein- 
- leitendem Rede ausgeführt hatte, daß die Hausbrand-Ge- 
stiossenschaft s ich weder gegen die -Maßnahmen der Behörden 
noch gegen den reellen Breuustöffhaudel richtet, sondern 
vielmehr bestrebt ist, mit allen' einschlägigen Stellen Hand 
in Hand gegen die zn crwärtendö Brennstoffkalamität im 
Winter anzukämpfen, ergriff Herr Geheimrat Hölzermann, 
Potsdam, das Wort, um einen Neberblick über die Lage 
des Brennstoffmarktes zn geben. Seine - Ausführungen 
klangen dahin aus, daß der gute Torf berufen sein wird, 
uns iibör die schweren Nöte der Kohlcnablieferung an 
die Entente hinwegzuhelfen, und daß lediglich unlauteres 
.Handelsgebahren den Tors als Brennstoff in Mißkredit. 
.gebracht haben. Ec fordert die Anwesenden auf, in straffer 
Organisation gegen alle Mißstände und Ucbergriffe Front 
zu machen, und wies besonders darauf hin, daß gerade 
die HausbrandiGknosseuschüft äks erste cs unternommen 
(hätte, gewisserniaßcu ettte Kontrollinstanz -zwischen Ver 
braucher und Produzent zu lvcrden. Diese Ausführungen 
ergänzte Herr Syndikus Dr. Söltzer dahingehend, daß 
die HauSbrand-Genosscnschaft lediglich eine Organisation 
der Selbsthilfe sei. So gern sie allen helfen möchte, kaun 
sie ihre Tätigkeit doch nur auf einen beschränkten Kreis 
ausdehnen, ha sie in Verbindung mrt einem leistungs 
fähigen Werke einen großen Teil der Produktion der Haus 
brand-Briketts übernommen hat. Nach menschlichem Er 
messen ist alles getan, die Mitglieder der Hausbrand-Ge 
nossenschaft mit ausreichendem Brennstoff zu versorgen, 
und cs steht zu hoffen, dos; die demnächst einsetzenden Ver 
handlungen mit dem Neichskohlenkonimissar ein günstiges 
Ergebnis zeitigen werden. Bisher seien mehr als 1060 
Mitglieder der Genossenschaft beigetrcten, und die Zahl 
ist ständig im Zunehmen, so daß heute schon die Ge 
nossenschaft als berufene Instanz zur Vertretung aller 
Kreise tu der immer mehr sich zuspitzenden Breunstofs 
frage . angesehen werden kaun. Als Diskussionsredner 
griffen die Vertreter zweier großer Mictervcrbünde in 
die Verhandlungen ein, und begrüßten mit anerkennenden 
Worten die Gründung der Genossenschaft, die sicher be 
rufen sei, Hand in Hand mit den großen Mieter-verb äiidcu 
wirkungsvolle Arbeit gegen die katastrophal werdende 
Brenustoffnot zu leisten. Sic gaben ihrem Empfinden 
dahin Ausdruck, daß die Mieterverbände in einer sich 
vorbereitenden Protestversannntung gegen.'die Kohlciiiiok 
zusammen mit der Hausbrand-Genossenschaft werden 
arbeiten können. Von fachmännischer Seite kwnrdcn der 
Genossenschaft verschiedene durchaus wertvolle An 
regungen und Winke gegeben. Besonders interessant war 
die Ausführung eines Redners, der als anerkannter Sach 
verständiger ausführte, daß die Heiznot ihre Ursache 
größtenteils auch in der außerordentlich schlechten Be 
schaffenheit der Heizungsanlage habe. Reparaturen seien 
infolge der hohen Kosten undurchführbar, und wenn nach 
dieser Richtung hin keine einschneidenden Maßnahmen er 
griffen werden, so bleibe eine der Hauptfragen der 
Heizungsnot ungelöst. Jedenfalls erkannten sämtliche 
Redner an, daß die von der Genossenschaft vorgelegten 
Muster der HauSbrand-BrikettS hervorragend geeignet 
feien, den Mangel an brauchbarem. Brennstoff zu beheben. 
Eine Reihe neuer Mitglieder trat sofort der'Genosjeuschast 
bei, da es sich bei der Versammlung nicht: um einen 
papierncn Protest handelte, sondern tatsächlich Mittel und 
Wege gezeigt wurden, wie durch Selbsthilfe der Brenn 
stoffnot entgegengetreten werden konnte. Anregungen und 
Vorschläge nimmt die Genossenschaft (Geschäftsstelle W. 30, 
Motzstraße 8) entgegen. Ebenso bittet sie alle größeren 
Verbände um Mitarbeit und. Anschluß. ... . 
,.. Tereip,S‘Oaebrid)ten 
K Orchesttt-Verelnlgrmg des Westens (vO Mitgl.) UebungS» 
abenoe lepru Dienstag ^8—^10 Uhr im Saal Rhemstruße ü4, 
Musikfreunde willkommen. - - x > 
- )( .Der „Frieoenauer Gesangverein für gemischte» Chor" 
(Chormelster: Gesanglehrer Walter SchmtdUübtched en Diens 
tag tm Gesangssaal der Königin-Luye-Schuke., Aufnabme 
' neuer Mitglieder im Uebungssaal; Herren besonders erwünscht. 
)( Brxin für Ratioiialstenographic Berlin» Wksten. Jeden 
Dienstag 8 Uhr, UebnngsstuNde im „Alten Bürgertasino" zn 
.Schöneberg, Hauptstrab» 1V7. 
)( Deutichnatipnaler Jugendbund. Wir machen uochnials 
'ans die .am Mittwoch, den 23, ,d. Mts. nachm-? h Uhr in der 
Anla des' Ncforin-Realghninasiums, Homuthstr. ftattfindenda 
'MitgltederversainnilUttg aufmerksam, da cs vor den großen Fe 
rien die lchte ist. (Lincm gcschästl. folgt ein unterhaltenücr 
Teil mit' musikalischen und rezitatorischen Darbietungen. Gäste 
herzlich wiUlommen. Eintritt frei! Um zahlreiches' und pünkt 
liches Erscheinen wird gebeten. 
)( Entschiedene Schulrcsormrr. Am Donnerstag, den -24. 
d. MtS. 7 Uhr pünktlich, findet in der Schulaula Albrecht- 
straße 20 eine Bcrsanlmkung der „Entschixdencn. Sckmlrcfor- 
mrc" statt, in der Stadtschulrat Dr. Buchenau, Pros. Oestreich, 
Dr.: Kawerau, Oberlehrer Tesscndors, Frau Dr. Wcgschcider, 
Dr. Kursen, Frl. Schwartz, Frl. Winkelmann» über Verlauf 
und Ergebnisse der ReichsschNllonserenz berichten werden. Gaste 
.willkommen., 
> " )( Eine öffentliche Mieterversammlung veranstaltet der 
Mieterbnnd Friedenau morgen (Mittwoch) Abend im Fcstsaal 
des Reformrealgymnasinms -(Hoinnthstraße). Es werden sprechen: 
Herr B. Schwarz über: „Die Kohlciisrage im kommenden 
Winter"; Exzellenz Wollmann über: „Die Notwendigkeit' 
der Micterausschüsse": Herr Götze über: »,Ncuc MietscrhAhuiigen 
durch Zuschlagserhöhungen". 
){ Organisation Deutscher Mnsikkehrkräfte (£>. S.SJ1.) Die 
grüße Not, in der sich. die Musiklehrendcn in der'. Gegenwar» 
befinden, hat zn einem Zussanunenschlub in der O. D.M. ge 
führt. Ihr Ziel ist cS, die ge-amte Mnjiklehrcrschajt zu orgaiii- 
ergriff seine glühend heiße Rechte. Roch aber waren vle 
letzten Augenblicke des Engländers nicht gekommen. Und 
als er jetzt die'Äugest wieder öfsneke, war Hollfelden er 
staunt von der Klarheit seines Blickes. • , 
»Ich werdk'stel-böst, sagte er, und seine Äüorte waren 
gegen seine vorherige wahnsinnige Erregung wljndersam 
ruhig. '„Ich GAß, daß'Ich 'störben werde.) "UnD Gill 
reden vorher,' 'aVes^willFch' sägest. ' Jch'.habö 'geschwiegen 
bisher, wAl ich glaubte, däß tneine Tät niemandem Schaden 
gebracht habe. Hätte ich gewußt, daß es anders-'tei, njcht 
eine Sekunde länger hMe ich gcschwiegest. 'Aber Tagen 
Sie mir, Herr, wer Sie.sind." . . i•> ' 
.»HoUfeldeir)—HMz HollfÄden heiße ich!" sägte Hesnz- 
hastig. ,»Sie haben' mAnen Namen vielleicht schon aeh.ört. 
oder gelesen, ich bin es. Her-Martbns gefunden hat." t 
Dashwood niM(.zurn JeWen/' daß eO-sich-erimierte^ 
-„Und daraus yat^ manMerNch Verdacht gegen Sitz 
geschöpft I" meinte er.-' -„Freilich).das hätte'ich^mir schon 
früher jagen können.-.Aber- ich Gär jä chalb wahnsinuig 
die ganze Zeit'über.-Kostimen Sie näher heran,-Herr, 
das läute Sprachen vstrd'tstir 'schwerr. Unp' ich will Ihnen- 
gestehen; alles. wlles' wiUKch Ihnen gestehen)" ' Ar -T 
ßr zog Heinz auf den Ränd' des Lagers nieder,'.und 
der-iunge SckTiiftsteller - brachte''seinen" Kops den Lippen-, 
des Sterbenden so- nahe/-daß' er feisten Heißest Atem spüxte< 
Wild pochte seick'Herx: ätzet'er zwäng sich zur Ruhe, dis, 
Beichte des Unalückliüimi:. , - 
mehr viel, 
S- % r 
! meine« 
Ich-,rgend etmcts'lersttchMl wär zu' schwächlich dazu. Es 
wurde wem Unglück.-'"Hst'tte-ichMtten Berstf gehäbtz: etwas, 
das - mich ausfüllte, cs wäre antz,ers-'geworden. - Aber Ich- 
lebte nur-«nt eben-zw kebGi. Und alsdann die Liebe über 
mich kam, me leidenschaltliche Liebe zu Daisy Longtree, da 
gab es mchts, das mich hätte ablenken können, nichts, das 
miwdaruber forthalf?.^ Den».ich durste ja nicht daran 
nken, Zu heiraten, rch war ja todkrank/-^- Ich wurde 
Freund. Gott weijz, was mick aekostet bat in 
Beichte des Unglücklichchi 'zu stchnehinön.'. im . 
.-Robert Dashwood fühlte, daß '.ihm- nicht 
Meinem Leben war nicht eine Minute, da meine Seele sich 
-nicht unter Qualen gewunden hätte wie ein gemartertes 
Tier. Und dann kam der andere, - der Schuft, der sie zu 
betören wußte. — Ich sah, daß es ein .Schuft war. Ich 
.erkünnte ihn vom ersten Augenblick: an. Und ich mußte 
schweigen, görade ich- durste nichts.gegen ihn sagen.. Ich 
K , wie er sie ausbeutete.-.und endlich konutö ich -mich 
h nicht mehr bezwingen, - ich ging hin, sie zu warnen. 
Sie aber , hörte nicht auf mich. Als Antwort bekam ich 
die Mitteilung von'ihrer Vermählung, und da ich mich'' 
nun ganz von ihr zurückzog, hörte ich monatelang nichts 
mehr von ihr. Bis ich dann durch einen Zufall erfuhr, daß 
Maynng sie verlassen hatte, daß er geflohen war. Da 
suchte ich sie wieder.auf, denn- ich- brachte es nicht über's 
Herz.ste lst ihrem Elend allein zst lasten. Und die Monate) 
me nun folgtest, waren vielleicht die einzigen meines 
Lebens, wo ich.beinahe glücklich war. — Denn ich wußte 
ja, daß rch ihr nun wirklich etwas sein konnte, ein Trost 
und eine Stutze. Und ich begann schon, mich mit meinem 
Schicksal in Zufriedenheit abzufinden — als — als Mayring 
zurückkam — —" u 1 - u 
„ , Atem ging pfeifend, und es war ein' entsetzliches 
Rüsteln ln der schwer arbeitenden Brust. Die Kräste 
drohten ihn Pu verlasen; und es war kaum noch hörbar, 
plL er fortfuhr':.......- . ' 
»Damals — damals wurde ich wahnsinnig, Herr.. Ja, 
xtr ~ Stunden, wo ich raste wie ein Tov- 
jilchstger,. Tage, chis! ich m stumpfsinnigem" Schweigen) 
tellnahmslos ustd- apathisch, in. irgendeinein .Winkel vier- 
brachte, bis mich Daisys Flucht nach Deutschland aus-Meincr 
Lethargie aufrüttelte^, Ich kann esmureine Flucht nennen. 
wahrscheinlich auf.Geheiß Mayrtngs, 
bemüht gewesen, ihre Spuren zu verwischen. Ich aber 
Evdticher Angst, Daß dereSchstrke sie'Irletkaestd- 
chatte,, sich-, ihrer' aufrÄute'-Urtrzm'enck-e'.- 
ledigen. , -I^ forschte nach ihr, und was gelingt einem 
Menschen nicht, der bis zum Wahusinn liebt!- Nach best 
nahe neun'Monaten hatte ich sie gefunden. rSie lebteckin 
Neustadt, in den kümmerlichsten, dürftigsten Verhältnissen. 
Und als ich kam, da schüttete sie mir rückhaltlos ihr Herz 
aus, .erzählte mir, wie sie der Schuft, der sich ihr Satt 
»nannte, habe in Armut und Dürs.igkcit verkommen lassen, 
.und flehte mich an, zu erforschen, was er cigenttich in 
Berlin trieb. Denn er lebte in Berlin, und nur des Sonn 
tags kam er nach Neustadt hinaus. Der nächste Tag war 
ein Sonntag. Ich hatte mir vorgenommen, Mayrmg nicht 
zu,begegnen; .aber eine seltsame-Unrast.,trieb uniey doch, 
gerade an diesein Hage .das Haus auszusuchen, in dem 
Daisy lebte. . Auf. der. Treppe, vor .der .»och .geüssueten 
Wohnuiigstür treffe ich mit Mayring zusammen. Er grüßt 
voll, ingrimmigen,,Hohnes und. ruft mir zu: . „Gehen Sie 
nur. dreist, hinein, Fräulein Mayring oder Frau Longtree 
erwartet Sie schön." Damit war er auch schon,die Treppe 
hinunter. . -Bon- bangslWlhnungen erfüllt, gmg:.ich hinein, 
pstd. fand Daisy bewusstlos auf der Zünmerdiele liegen. 
Ich bin schwächlich,. Herr, aber in dem Augenblick hatte ich 
Aiescnkräste. Ich hob sie auf, - als wäre.sie.ein Kind,"und 
:rug sie auf eine.Ottomane. Endlich, estdlich'.schiug sie die 
klugen auf. Wirr starrte sie-mich, an, und dann, schlug sie 
lviMnierud die Hände vor das Gesicht.- „Er hat mich gc- 
'chlagen, geschlagen, Robert l" stöhnte,sie. Und dann kam 
)>e. ganze, estt-etzliche Beichte' dessen,' was Lv.ihd angetan. 
Ich kann'es Ihnen nicht wiederholen,: H«rä..>Aüor glauben 
Bte mir, daß es die unerhörteste.»-- fvkvelhaprABsDchurkerer 
wär. Und Mährend sie sprach, wuchs in iueiner.-Scele.doc 
Dämon, chnd ich hatte nur den.pinsln einzigen Gedanken: 
du mußt ihn töten — tätest löten! Ich fuhr nach 
Lerlin»..und, wie ein-Spürhund vrarrckch chistter ihm her. 
Rach westsgen Tagem -,schon wußte M alles von ihm. Ich 
wußte, daß er- in -Wahrheit.-. Martensuhieß. daß er in 
S enden Perhäl.tnijsen'lebt»,'«während er die. Frau, die 
n Kinde im Schnrerzen,d.aS:Lehen gegche:l.:ho.tte, bei 
nahe hungern ließ. Auf offener Straße traf, .ich. ihn.- Er 
ivurde leichenblaß, als er mich plötzlich vor sich sah, ab">- 
kW. notzvepdich-zu allein noch seinen Hohn 
hinzuzufügen. Was wollen Sie ?" fuhr er mich au. 
»Haben Sie vielleicht die-Absicht, als H-iratsuermittler zu 
fungieren?" Daß ich ihn nicht auf der Stelle niederschlug, 
rs äst mir ein Rätsel. Aber ich ließ ihn wirklich noch ein- 
mal laufen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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