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Periodical volume Nr. 138, 22.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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oiiiiiMffv i» Raum 1 Mk. Die Reömuezelle kostet 
GeschklstLfteile. Aheiustr. 18« 4.— Mari. Bel«g»ummer 20 Pjg, 
Bnrttn-fttir betrau, Rhcinstratz« 1*. — Kervspreltzer: Amt Pfalzbur, »ISS. 
Nr. 138 
Berlin-Friedenau, Dienstag, den 22. 3nni 1828 
Fahrg. 27 
«IN«"»» MMireramroa» 
DeueTte Hacbricbten 
Berlin, Der znm Reichskanzler ernannte bisherige 
Präsident der Nationalversammlung, Fehrenbach, setzt 
seine Bemühungen um dse Regierungsbildung fort. ES 
ist noch nicht feststehend, wie sich die Ministerposten ver 
teilen werden. Wahrscheinlich werden die bisherigen Mi 
nister Koch, Geßler, Giesberts und Dr. Wirth bleiben. 
Für den Posten des Ministers des Auswärtigen soll der 
Demokrat Geheimrat Simons vorgeschlagen sein. 
Berlin, Nach einer Meldung der „Freiheit" sind 
in Thorn 17 unabhängige Sozialdemokraten aus Graudcnz 
standrechtlich erschossen worden. Die Erschießung hängt 
zusammen mit einem Generalstreik, der als Protest da- 
gegeir veranstaltet Ivnrdc, daß der unabhängige Sozial 
demokrat Polakowski, ein ruhiger, unbescholtener Arbeiter, 
von zwei polnischen Soldaten mit dem Seitengewehr er 
stochen wurde. 
Breslau. Die U.S.P.D. und K.P.D. veranstalteten 
auf dem Schloßplatz eine Massenversammlung gegen den 
Steuerabzug vom Lohn. Die Massen gingen durch die 
Hauptstraßen zum Rathaus. Als die Sichcrheitswehr, 
die anfänglich machtlos war, sich verstärkte, löste sich die 
Versammlung auf. 
Mannheim. Der in der Pfmz und namentlich für 
LudwigShafcn angesagte Generalstreik ist gescheitert. Die 
Franzosen hatten ein großes Militäraufgcbot herange 
zogen, wodurch die Streikorganisation verhindert wurde. 
Marschau. Durch Maueranschläge wurde in ganz 
Wolhynien bekannt gemacht, daß Wolhynien nunmehr end 
gültig unter polnischer Verwaltung stehe. 
Paris. Reuter meldet, daß eine neue Verschiebung 
der Konferenz von Spa unvermeidlich sei. Sie soll aber 
nicht länger als eine Woche hinausgeschoben werden. 
Konstantinopel. Die nationalistischen Strcijt- 
träste in Anatolien gewinnen immer mehr an Boden. 
Die Truppen Mustafa Kemals haben Jsmid umgangen 
und Guebze (Gebisch) besetzt. Die Regicrungstruppcn ziehen 
sich in der Richtung nach Alcmbagh zurück. 
Teheran. In der Nacht vom 15. zum 16. Juni 
hat man ein gegen den Schah und mehrere Minister ge 
richtetes Komplott entdeckt. ES sind militärische Vor 
sichtsmaßregeln getroffen worden. 
Kommunale KngeLegendeiren 
Erläuterungen des Gemeindcvorstandcs zur Sitzung der 
Gemeindevertretung am Donnerstag, den 21. Juni 1920, 
abends 7 Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses. 
Vorlage betreffend Neuregelung der Gehälter der Veanv- 
tcn, Lehrer und dauernd Angestellten. 
Nachdem Reich und Staat die Besoldung ihrer-Beam 
ten rückwirkend vom 1. April d. Js. ab neu geregelt und 
ihren Beamten der herrschenden Teuerung entsprechende 
Besoldungssätze bewilligt haben, ist auch eine Neuregelung 
der Besoldungsverhältnisse der hiesigen Geineindebeam- 
ten, Lehrer und dauernd Angestellten notwendig geworden. 
Eine Reihe Groß-Berliner Gemeinden hat eine solche Neu 
regelung bereits beschlossen resp. wird sic noch in diesem 
Monat verabschieden. Die zwischen Vertretern der Groß- 
Berliner Gemeinden mit Vertretern der Beamtenschaft 
(der Zwölferkommission) gepflogenen Verhandlungen 
hatten eine einheitliche Gestaltung der Besoldung für 
die Groß-Berliner Gemeindcbeamtcn zum Ziele. Ueber 
einstimmung bestand darüber, die in Geltung befindlichen 
Leitsätze bestehen zu lassen und an der bisherigen Gruppen 
einteilung nichts zu. ändern. Die von der Zwölferkom 
mission beschlossenen Sähe gehen über die Besoldnngssätze , 
für Reich und Staat hinaus. Mit Rücksicht auf die de- ' 
vorstehende Vereinigung mit Schönebcrg erscheint es er 
forderlich, die dortige Neuregelung auch für die hiesigen 
Beamten und Lehrer einzuführen und zwar, ebenso wie 
in Schönebcrg, noch so rechtzeitig, daß den Beamten noch 
vor dem Beginn der Sommerferien die ncnci? Gehälter 
gezahlt werden können. Der Gemeindevorstand unterbrer- 
tet die bezgl. Vorlagen des Schüneberger Magistrats den 
Gemeindevertrctcrn und beinerkt dazu folgeiches: Wäh 
rend die Mehrzahl der Groß-Berliner Gemeinden einschl. 
Berlin die von der Zwölferkommission vorgeschlagenen 
etwas höheren Sätze beichlossen hat bezw. einführen will, 
schlägt der Magistrat Schüneberg lediglich die Sätze der 
Reichsbesoldung vor. Die Vorlagen des Magistrats sind 
von der Stadtverordnetenversammlung zunächst dem Fi 
nanzausschuß überwiesen, während die Beschlußfassung 
durch sie s elbft in der Sitzung am 28. Juni d. Js. erfolgen 
soll. Um nun, wie schon erwähnt, die Ncnregclnng auch 
hier noch vvr dem Beginn der Sommerfcrien zum Ab 
schluß zu bringen, bitten wir, die Neuregelung unter Zu 
grundelegung der Schöneberger Vorschläge mit den, den 
hiesigen Verhältnissen entsprechenden Aenderungen und 
mit der Maßgabe zu beschließen, daß, falls Schüneberg 
höhere Besoldnngssätze beschließt, ohne weiteres auch für 
die hiesigen Beamten, Lehrer und dauernd Angestellten 
gelten sollen. Von einer besonderen Vorlage haben wir 
abgesehen, um Arbeit und Papier zu sparen und weil in 
den Schüneberger Besoldungsvorlagen alles gesagt ist, was 
zu sagen ist. Soweit hier andere Verhältnisse obwalten, 
entfallen natürlich di,e Vorschläge der Schüneberger Vor 
lagen für uns. So z. B. müssen die Sondergruppen 
pläne bestehen bleiben. Der den Beamten, Lehrern usw. 
ans die jetzige Regelung anfangs Mai gewährte Gehalts 
vorschuß von 1000 M. für Verheiratete, 750 M. für Le 
dige und 150 M. für jedes Kind soll auf die höhere Be 
soldung ab 1. April d. Js. angerechnet werden. Sollte 
Berlin in dieser Beziehung günstigere Beschlüsse fassen, 
so sollen diese auch hser, gleichwie Schönebcrg cs beab 
sichtigt, Geltung haben. Der Mehrbedarf ans Anlaß der 
Neuregelung beträgt schätzungsweise für die Bcamtcnbc- 
soldung rund 800 000 M, für die Besoldung der Lehrer 
der höheren Schulen rund 700 000 M. und für die der 
dauernd Angestellten rund 400 000 M. Die für die Volks 
schullehrkräfte entstehenden Mehrausgaben können aus dem 
in der Lchrerbesoldungsvorlage des Magistrats Schöne- 
berg auf S. 2 Abs. 3 angegebenen Grunde noch nicht 
berechnet werden. Der Beamten- usw. Angelcgcnheitenß 
Ausschuß wird sich mit der Angelegenheit am 2t.d.Mts. 
beschäftigen und wir werden über das Ergebnis seiner Be 
ratungen in Her Sitzung mündlich berichten und müssen 
uns deshalb etwaige Abänderungsvorschläge vorbehalten. 
Wir ersuchen dße Gemeindevertretung um folgende Be 
schlußfassung: Die Gemeindevertretung beschließt: 1. Die 
Besoldung der Beamten, Lehrer und ständigen Ange 
stellten einschl. Teuernngs- und Kinderzulagen und der 
Bezüge der Ruhegehalts-, Witwengeld- und Waisengeld 
empfänger erfolgt vom 1. April d. Js. ab nach dem Reichs 
besoldungsplan und nach Maßgabe der entsprechenden Vor 
schlüge des Magistrats der Stadt Schönebcrg an die 
Stadtverordnetenversammlung mit der Maßgabe, daß, 
falls Schönebcrg höhere Sätze beschließen sollte, diese 
ohne weiteres auch für die hiesigen Beamten, Lehrer und 
dauernd Angestellten usw. gelten sollen. 2. Die Soi'.der- 
gruppenpläne I für Syndikus Grundmann und II für die 
außerhalb der Besoldnngsordnung stehenden Personen wer 
den mit der unter I erwähnten Maßgabe genehmigt. 
3. Ter Gcmcindevorstand wird ermächtigt, die Bcsoldnn'gs- 
ordnungen für die Bcamteu und dauernd Angestellten 
sowie für die Lehrpersonen nebst Aussührnngsbestinnnun- 
gcn zu erlassen. 4. Ter den Beamten, Lehrern us>v. ans 
die jetzige Regelung Anfangs Mai gewährte Gehaltsvor 
schuß von 1000 M. für Verheiratete, 750 M. für Ledige, 
150 M. für jedes Kind ist auf die höhere Besoldung ab 
1. April d. Js. anzurechnen. Sollte Berlin in dieser 
Beziehung günstigere Beschlüsse fassen, so sollen diese auch 
hier Geltung haben. 5. Die durch die Neuregelung erfor 
derlichen Mittel werden bewilligt. 
Vorlage betr. Vergütung von Mehrarbeit. 
Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung wäh 
rend der Kapp-Woche mußte die Schutzmannschaft zu beson 
deren Dienstleistungen herangezogen werden, ^on den Po- 
lizeibeamten wurde an 10 Tagen je 60 Stunden Mehl- 
arbeit geleistet, für die sie eine Vergütung mit Rücksicht 
anst die ihnen infolge der unregelmäßigen Lebensweise 
erwachsenen erhöhten Verpflegnngskosten erbeten haben. 
Wir halten die Bitte der Schuhmannschaft für gerecht 
fertigt und haben in Gemäßheit des 8 1 der Äusfiih- 
rnngsbcstinimungen zur Besoldnngsordnung der Gemeinde- 
beamten und dauernd Angestellten der Gemeinde Berlin- 
Friedenau den als Entschädigung zu gewährenden Be 
trag aus 4200 M. festgesetzt. Da für derartige Ziveckc 
Mittel nicht zur Verfügung stehen, wird beantragt, die 
Gemeindevertretung wolle beschließen: Der hiesigen Schutz 
mannschaft wird als Entschädigung für geleistete Mehr 
arbeit während der Kapp-Woche die Summe von 4200 
Mark aus Voranschldg II (a. d. V.) bewilligt. 
Vorlage betr. Bärvillrgung von Mitteln aus Anlaß, der 
Wählen znm Reichstag und zur neuen Stadtgemeinde, 
Berlin. 
Für die Wahl zur Stadtverordneten- und Bezirls-- 
verordneten-Verfammlung der neuen Stadtgcineinde Ber 
lin sind bisher 3800 M. Kosten entstanden, die sich auf 
weitere 2000 M- erhöhen dürften. Hierzu kommen noch 
die Kosten fiir Abschrift der Reichstagswühlcrliste für 
die einzelnen Fraktionen im Betrage von 2 305 M. soivic 
398.65 M. Druckkosten, fvdaß sich eine Gesamtausgabe von 
8503.65 M- ergibt. Der Gemcindcvorstand bittet be 
schließen zu tvollen: Die ans Anlaß der Wahlen znm 
Reichstag und zu der neuen Stadtgemeinde Berlin ent 
standenen Kosten in Höhe von 8503,65 M. werden ans 
Voranschlag I (a. d. B.) belvilligt. 
SttJiiiWten für Stieüenau uni) WlÄW. 
Machdr, unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Das Ergebnis der Stadtwahl 
steht zwar noch nicht amtlich fest; aber nach den bisher 
vorliegenden Zahlen läßt sich bereits ein Ueberblick über 
die Zusammensetzung der künftigen Groß-Berliner Stadt 
verordnetenversammlung und der Schöneberg-Friedenaner 
Bezirksversammlung gewinnen. Die sozialistische Mehr 
heit, die vorausgesehen wurde, ist eingetroffen. Die Un 
abhängigen erhalten 88, die Sozialdemokraten 38 Sitze, 
Nie Wese der Prinzessiß« 
SBüJ E. Ph. Oppenheim. 
84 lNachdruck verd'trn.) 
„So werde ich' mir erlauben, Ihnen ein wenig aus. 
zuhelfen," sagte die Gräfin ruhig. „Nein, sträuben Sie 
sich nicht, Frau Longtree. Denken Sie an Ihr Kind, und 
tun Sie um seinetwillen, was Sie sonst vielleicht nicht 
tun würden. Aber wir reden ein andermal mehr darüber, 
morgen vielleicht, oder in den nächsten Tagen. Jetzt muß 
ich Sie leider verlassen." 
Die Gräfin wollte verhindern, daß Frau Longtre« 
noch irgendwelche Fragen an sie stellte, und die Bedauerns- 
werte schien sie wirklich nur schweren Herzens gehen zu 
lassen Aber die Gräfin hatte doch das Gefühl, daß fir 
etwas ruhiger durch diese Unterredung geworden sei. 
Bon dem in der Nähe herumlungernden Kellner lieh 
sie sich in das Zimmer führen, das Hollfelden sich hatte 
anweisen lasten. Der junge Schriftsteller erhob sich er- 
wartungsvolh als sie eintrat; und dteTur hatte sich kaum 
hinter ihr geschlossen, als sie ihm zuflüsterte: 
V „Jetzt glaube ich Otto Martens Mörder zu kennen. 
Herr"Hollfelden l" 
41. Kapitel. 
Käst Mort für Wort hatte die Gräfin Heinz wiederholt, 
was sie von der unglücklichen Frau des toten Erpressers 
gehört hatte. Und nun sagte Heinz tiefernst: 
„Ja. auch ich glaube nun zu. wissen, wo wir den 
Mörder zu suchen haben, Frau Gräfin! Den Mörder 
oder den Richter." 
Die Komtesse nickte. . _ . , . „ 
JJch verabscheue die furchtbare Tat noch immer, 
sagte sie. „Aber ich habe tiefes Mitleid mit dem Tater, 
wenn der, den wir beide meinen» wirklich der Tater fein 
sollte. Aber was ist das?"- 
Erregte, offenbar zornige Stimmen wurden draußen 
auf dem Flur taut. Und Heinz unterschied deutlich die von 
einer fettigen, unangenehmen Stimme, LesvtMMW 
„Er mutz hinaus — da jiebt's jar nischt. Ick habe 
keen Krankenhaus, sondern 'n Hotel. Und ick will mir —" 
Hollfelden hatte schon die Zimmertür geöffnet. Bor 
ihm stand ein dicker Mensch in unordentlichem, schäbigen 
Anzug, in dem er wohl den Wirt dieses erstklassigen 
Hotels zu sehen hatte, und der augenblicklich mit dem 
Kellner und dem Stubenmädchen parlierte. 
„Was ist geschehen?" fragte Heinz. „Ist jemand er- 
krankt?" 
Sein energischer, befehlender Ton verfehlte seine Wir 
kung nicht. Der Wirt nahm unwillkürlich eine bescheidene 
Haltung an. 
„Wenn Sie vielleicht ein Arzt sind, Herr — ja, es is 
jemand krank jeworden. 'N Blutsturz,- Herr — der janze 
Teppich is ruiniert. Kost fufzig Märker." 
Heinz fühlte sich von Ekel vor diese Patron geschüttelt. 
Aber mit einer Gewißheit, wie wenn es ihm bereits mit 
geteilt worden wäre, sagte er: 
„Es ist Herr Robert Dashwood, der erkrankt ist, nicht 
wahr?" 
„Allerdings. Da drüben, Zimmer Nummer neunzehn. 
Wenn Sie mal rinjehen wollen —" 
„Jawohl, ich werde hineingehen. Aber ich bin kein 
Arzt, und Sie werden einen solchen sofort zur Stelle schaffen. 
Für alle Kosten komme ich auf." 
Der Wirt hatte nun vielleicht doch eine freche Be 
merkung auf der Zunge. Aber der Kellner gab ihm einen 
Wink und zog ihn bei Seite, um ihm irgend etwas zu 
zuflüstern. 
Heinz bekümmerte sich nicht mehr um die Leute. Rasch 
ging er in das bezeichnete Zimmer hinüber, ohne vorher 
anzuklopfen. 
Da lag Robert Dashwood auf den Kissen des Lagers, 
und ein einziger Blick sagte Heinz, daß er es mit einen 
St erbenden zu tun hatte. Der Engländer aber raffte be 
seinem Anblick noch einmal alle Kraft zusammen, die seinem 
hinfälligen Körper noch innewohnte. Mit wilder Energie 
richtete er sich auf, und mit heiserer Stimme schrie ei 
itzn an: ^ 
^Was wollen Sie von mir? Geben Sie^aehe^Spe 
aus der Stelle! Oder ich — ich schrei' um Hilfe. Ich will Sie 
nicht sehen, gehen Siel" 
Heinz aber schloß hinter sich die Tür. Und voll milder 
Ruhe sagte er: 
„Ich bin nicht gekommen, um JhnenSchaden zu tun. 
Als Mensch zum Menschen komme ich. -Und ich denke. 
Sie werden niemanden Hinausweisen, der es aufrichtig 
gut mit Ihnen meint." 
Robert Dashwood machte eine heftig abwehrende 
Bewegung. 
„Ich glaube Ihnen nicht!" keuchte er. „Sie sind 
gekommen, um mich auszuspionieren. Aber ich weiß nichts 
— und ich werde Ihnen nichts sagen." 
Er machte ganz den Eindruck eines Menschen, der 
seiner Sinne nicht mehr mächtig ist. Und Heinz krampfte 
sich das Herz zusammen in wahnsinniger Angst. Richt den 
kleinsten Zweifel hegte er mehr, Otto Martens' Mörder 
gegenüberzustehen, aber wenn es ihm nicht gelang, den. 
Mann jetzt zum Reden zu bringen, war trotzdem alles 
verloren. Und jede Sekunde war kostbar, unersetzlich. 
Da faßte er einen raschen Entschluß. 
„Robert Dashwood," sagte er, „ich weiß, daß Ihr 
Herz edel und gut ist. Und eben weil Ihre Gesinnung so 
ehrenhaft war, haben Sie etwas getan, was die Menschen 
hier auf Erden verurteilen, das aber vor einem höheren 
Richterstuhl vielleicht anders gewertet werden wird. Diese 
Tat aber hat furchtbare Folgen gehabt, Folgen, von 
denen Sie selbst nichts ahnen können. Drei, vier Menschen- 
leben sind im Begriff, daran zugrunde zu gehen. Wollen 
Sie das auf Ihr Gewissen nehmen in dieser Stunde?" 
Die Augen des Sterbenden öffneten sich weit. Und 
fa seinem Blick lag furchtbares Entsetzen. 
„Es ist nicht wahr!" stammelte er. „Schwören Sie 
mir bei Ihrer Seligkeit, bei allem, was Ihnen heilig ist, 
daß es wahr ist!" 
„Ich schwöre!" 
Da sank der Unglückliche auf die Kiffen zurück. Röchelnd 
und pfeifend ging sein Atem, und die Lider über deq 
eingesunkenen .Augen schloffen sich. % 
-V°ll
        
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