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Periodical volume Nr. 137, 21.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

und die Schaffung von Wohngelcgenheit, wandte sich 
dagegen, daß man den Demokraten das Nationalgefühl 
abspreche. Er als schlcswigcr Grenzlünder wisse wohl 
Mehr alS jeder andere das Deutsche Nationalgefühl zu 
schätzen. Er bekannte sich als national, christlich und 
sozial. Herr Bürgermeister Walger erklärte, daß er 
in allen Versammlungen bisher zumeist nur parteipoli 
tische Reden und 'Hetzreden gegen andere Parteien gehört 
habe. Diese Versammlung sei die erste Versammlung, 
in der einmal in ruhiger, sachlicher Weise auch über die 
Zukunft, über das, was werden soll, gesprochen wurde/ 
Er Empfahl, solchen Kandidaten die Stimme zu geben/ 
die über eine reiche Erfahrung im kommunalen Leben. 
und in der Kommunalwirtschaft verfügen. Herr G.-V. 
Leonhardt berichtete noch über die Verhältnisse in 
unserer Gemeinde und Gemeindevertretung. — Ebenfalls 
am Sonnabend hielt die Deutsche Volkspartei nochf 
eine Versammlung ab, in der Dr. Stresemann sprach, 
die aber „unter Ausschluß der Oeffcntlichkcit" stattfand. 
Es waren nur die Mitglieder durch besondere Karte hierzü 
eingeladen. 
Ueber eine nachahmenswerte geineinsame Wahl 
propaganda, an der sich alle Parteien beteiligten, wird 
uns aus Nikolassee berichtet. Dort hatten auf dem 
Schmuckplatz am Bahnhof sämtliche Parteien ihre Wahl 
plakate in harmonischer Weise in die Anlage hineinge 
stellt oder am Gartcnzaun angebracht. Nicht mit Kleister 
und Pinsel wurde hier gearbeitet, sondern mit Bindfaden, 
so daß nichts beschädigt wurde. Zwischen den in voller 
Blüte stehenden Blumenbeeten „prangten" nun die per- 
schiedenen farbigen Wahlplakate in seltener Einmütigkeit. 
Aus unseren Nachbargemeinden liegen uns folgende 
Wahlergebnisse vor: 
Wilmersdorf: Deutsche Volkspartei 15141, 
Mehrheitssozialdemokraten 6317, Deutsche demokratische 
.Partei 6888, Deutschnationale Volkspartei 10214, Christ 
liche Volkspartei (Zentrum) 1767, Unabhängige Sozial 
demokraten 8694, Wirtschaftliche Vereinigung 2531, Partei 
lose Fraüen-Vereinigung 40. 
Steglitz: Unabhängige 8229, Sozialdemokraten 
6020, Demokraten 3771, Deutsche Volkspartei 13 379, 
Deutschnationale 6566, Zentrum 1 381, Wirtschaftl. Ver 
einigung 719, Frauenpartei 5. 
Lichterfelde: Deutschn. 4121, D. Volksp. 6688, 
Demokraten 1268, Zentrum 479, Sozialdcm. 2567, Unabh. 
3939, Wirtsch. Vereinigung 1581, Frauengr. 6. 
T e nr p c l h o f. M a r i e n d o r f, M a r i e n f e l d e 
und Lichtenrade: D. Vp. 6243, Deutschn. 2388, 
Dem. 2581. Zentrum 1156, S. P. D. 5135, U. S. P. T. 
8083,' Wirtsch. Vereinigung 1, Liste von Gierke 1. 
grlmMten füt gtleöcnau mir Sßönfteg. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Feststellung des Ergebnisse» der erstmaligen 
Wahlen für den Wahlkreis Xl (Schäncöerg-Friedenau) zur 
Stadtverordnetenversammlung der neuen Stadtgemeinde 
Berlin, findet durch den Kreiswahlausschuß in öffent 
licher Sitzung am Donnerstag den 24. Juni vor 
mittags 10 Uhr im Sitzungssaal, Neues Rathaus, von 
Berlin-Schöneberg, Nudowh-Wildcplatz, 1 Stock, Zimmer 
142, statt. 
o Magermilch. In der Woche vom 21.—27. d. Mts. 
werden auf die Abschnitte BII und CI der Magermilch- 
karten, Serie 1 und 2, je 1 Liter ansaure Vollmilch oder 
Magermilch verausgabt. Die übrige Belieferung bleibt 
tvie bisher. 
o Kotzlenbelieferung. Die gewerblichen Verbraucher von 
inindestcns 10 Tonnen Kohlen, Koks und Briketts monat 
lich seien auf die Kreisblattbekanntmachung (Nr. 140 vom 
17. Juni) betr. der Belieferung und Meldepflicht aufmerk 
sam gemacht. 
o Einkommanfteuermarken. Am 21. Juni beginnen die 
Postanstalten mit dem Verkauf der neuen Einkommensteuer 
marken. Die Marken werden in den Werten von 10 und 
50 Pfg., sowie von 1,2, 5, 10 und 25 M. ausgegeben. 
Da der Vorrat an Einkommensteuermarken bei den Post- 
anstalten vorläufig noch gering ist, kann jeder Arbeitgeber 
zunächst nur etwa ein Viertel des Vierteljahrsbedarfs 
beziehen. Voraussichtlich am 20. Juli werden die Post- 
anstalten die weiteren Marken abgeben können. , 
.»ach Berlin zu verfolgen und ihm.hier.nachzuspüren, unv 
brachte mich glücklich wieder dahin,. daß ich ihm versprach, 
zeduldlg auf eine bessere Zeit zu. warten, Aber sie..kam 
nicht, diese bessere Zeit. Statt dessen tauchte eines. Tages 
m Neustadt jener Freund anst von dem ich Ihnen schon 
gesprochen. Mit unendlicher Mühe hatte er meine Spur 
ausfindig gemacht und war mir nach Deutschland gefolgt. 
Ich konnte nicht anders, ich mußte mich ihm anvertrauen. 
Und er versprach mir, in Berlin Nachforschungen anzu 
stellen, was mein Mann eigentlich trieb. Aber es sollte 
nicht mehr dazu kommen." 
Wieder schwieg sie erschöpft. Die Gräfin aber hegte 
einen seltsamen Gedanken. Und sie konnte sich nicht ent- 
halten» wie beiläufig zu fragen: 
„Dieser Freund ist Herr Robert Dashwood, nicht wahr?" 
Da zeigte die Frau zum ersten Male wieder das alte 
Mißtrauen. Aengstlich sah sie die Gräfin an; aber da 
sie auf diesem klugen, sympathischen Gesicht nichts anderes 
las als Güte und Anteilnahme, erwiderte sie kurz: 
„Ja, es ist Robert Dashwood. Aber lassen Sie mich 
rasch zu Ende kommen. Der Tag, der auf Robert Dash- 
woods Ankunft folgte, war ein Sonntag, und wie immer 
traf Mahring pünktlich am Morgen ein. Aber er wa, 
anders als sonst, unruhig und zerstreut und behandelte 
»nich in seiner nervösen Aufgeregtheit, deren Ursache ich 
nicht kannte' und noch heute nicht kenne, noch rücksichtslose, 
als sonst. War es nun, daß ich schon durch die Unter 
redung mit Robert aufgereizt war, oder, was es sonst sein 
mochte, jedenfalls ließ ich mir feine Behandlung nicht mein 
gefallen. Mit aller Bestimmtheit erklärte ich ihm, daß ich 
nicht einen Tag länger in Neustadt bleiben würde, daß ick 
noch heckte mit ihm nach Berlin ginge, mit oder ohn« 
seine Einwilligung. Nachdrücklich berief ich mich auf mein. 
Rechte als sein Weib — und da — da. kam das Ent 
schliche i 
Mit teuflischer Grausamkeit, voller Hohn und Has 
schrie er mir's ins Gesicht, daß ich solche Rechte -nich 
hätte, daß die Trauung eine Scheinkomödie gewesen sei 
daß wir niemals verheiratet gewesen seien. Ich war wii 
wahnsinnig- Ich versuchte mir selbst einzureden, daß ick 
ihm nicht glaubte, daß er mich belog. Aber er konnte cs 
mir beweisen, und er nat es »nit einer Genugtuung, alr, 
habe er sich seit langem auf diA Stunde gefreut. Hätt« 
o DaS VerdiensSrxuz. Bei einer im Rcichswirtschafts- 
»ninisterium stattgehabten Schlußverleihung von Auszeich 
nungen für geleistete Dienste wurde Frau Martha 
Meyerfeld, wohnhaft Friedenau, Rheinstr. 6/7, mit 
dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. 
o Ihren SO. Geburtstag feiert heute Frau Kriem, 
Albestraße 20. Die alte Da,ne, der wir gern den 100. 
Geburtstag noch wünschen, lebt leider in äußerst dürftigen 
Verhältnissen. Für Menschenfreunde bietet sich hier Ge 
legenheit, den Lebensabend des alten Mütterchens zu 
erhellen. 
o Rückgang dcS Postverkc'hrs. In letzter Zeit sind 
in den Zeitungen mehrfach Nachrichten verbreitet worden, 
wonach der Postverkehr infolge der am 6. Mai in Kraft 
getretenen Gcbührenerhöhungen sehr stark zurückgegangen 
sei- Die Postverwaltung steht diesen Mitteilungen fern. 
Die Wirkung der Gebührenerhöhungen läßt sich erst in 
einigen Monaten mit Sicherheit beurteilen, wenn das Er- 
gebnis der vom Reichspostministcrium angeordneten amt 
lichen Feststellungen vorliegen wird. Es unterliegt aber 
keinem Zweifel, daß eine wesentliche Ursache des gegen- 
wärtig bemerkbaren Verkchrsrückgqngs in den Stockungen 
liegt, unter denen das gesamte Wirtschaftsleben seit einigen 
Wochen leidet. 
o Kein Mctallüand für Postpakete. Durch Umschnüren 
der Postpakete mit Metallband, das von der Geschäfts 
welt jetzt vielfach verwendet wird, sind Verletzungen des 
Pöstpersonals in großer Zahl vorgekommen. Auch wird 
die glatte und schnelle Abwicklung des Päckerciverkchrs 
durch diese Pakete insofern beeinträchtigt, als das Per 
sonal sie nur zaghaft und mit Vorsicht anfaßt, um sich 
vor'Verletzungen zu schützen. Da zudem die Schwierig 
keiten, die der Beschaffung guten haltbaren Bindfadens 
bisher entgegenstanden, mehr und mehr behoben sind, 
hat die Postverwaltung angeordnet, daß vom 1. Oktober 
ab Metallband zum Umschnüren der Postpakete nicht mehr 
verwendet werden darf. 
o Die Gastwirte für diq Technisch? Nothilfe. Nach 
einem Bericht eines Vertreters der Hauptstelle der Tech 
nischen Nothilfe beim Reichsministcrium des Innern nahm 
der Deutsche Gastwirtetag in Frankfurt a. M. auf An 
trag seines Präsidenten einstimmig folgende Entschließung 
an: „Der 45. dcutsü)e Gastwirtetag hat Kenntnis ge 
nommen von den Zwecken und Zielen der Technischen Not 
hilfe. Er empfiehlt seinen Mitgliedern wärmste Unter 
stützung dieser Organisationen, welche in hervorragendem 
Maße geeignet erscheinen, Ruhe und Ordnung miscrem 
schwer geprüften Vaterlande zu erhalten und der Mensch 
lichkeit zum Siege zu verhelfen, die der Strcikrgdikalis- 
mus church brutale Gefährdung von Leben und Gesund 
heit weitester Volkskreise zu vernichten droht." 
o Die Pqrteikäjmpfe der Gegenwart zrnd die durch sie 
erzeugte Spannung dürfen uns nicht vergessen lassen, daß 
dem deutschen Volke eine Aufgabe gesetzt ist, die über den 
Parteien steht. Im Osten gilt es deutsches Land' zu 
retten. Hunderttauscnde von Abstiinmungsberechtigken aus 
dem Reiche sollen die Fahrt nach der Heimat antreten. 
Die ungeheuren Kosten dieser Völkerwanderung müssen 
durch private Mittel bestritten werden. In der „Grenz- 
Svende" sollen sie aufgebracht werden — niemand darf 
sich von ihr ausschließen, wenn das schwere Werk ge 
lingen soll. Beitrüge für die Grenz-Spende werden von 
der GelchästZstette unserer Zeitung, die darüber öffentlich 
quittiert, gern angenommen. 
o Portoevmätzigung für Auslandspakcte. Vom I.Juli 
an werden im Auslands verkehr bei Paketen und bei Käst 
chen mit Wertangabe die Gewicht- und Versicherungsge 
bühren sowie bei Wertbriefen die Versilhcrungsgebühren 
nach dem Gegenwert 1 Fr. — 8 M. erhoben werden. Die 
Auslandspakcte werden damit um v / 3 billiger werden. 
Ueber die Einzelheiten geben die Postanstalten Auskunft. 
o Nheineck-Lichtspielc. Seit Freitag, den 18. Juni 
wird allabendlich in den bestbekannten Rhcineck- Licht- 
, spielen der wundervolle Film „Der König ihres Herzens" 
bei ausverkauftcm Hause vorgeführt. Herr Ludwig Traut 
mann, , einer der beliebtesten und berühmtesten Film 
schauspieler. hat hier ein Filmwcrk geschaffen, das auch 
den Ansprüchen des verwöhntesten Kinobesuchers genügen 
muß, da der Film auch vor allen Dingen in jeder Weise 
ästhetisch wirkt. Die Titelrolle spielt Herr Trautmaun 
selbst und allabendlich war er bisher selbst anwesend. 
Eine' vorzügliche Strcichkünstlermusik, verbunden mit 
»ch »n (euer Stunde eine Wässe zur Hand gehabt, Ich weiß 
»richt, was geschehen wäre. So aber konnte ich nichts, als 
ihn beschimpfen. Und da schlug er inich, schlug »nich vor 
den Augen meines »»'einenden Kindes! 
Ich bin bewußtlos zusamineugebrochcn. Als ich wieder 
zu mir kam, war er lange fort, Robert Dashwood aber 
war bei mir. Er war gekommen, als mein— als Mayring 
die Wohnung verließ, und der Schurke hatte ihn mit einigen 
hämischen Worten, deren Sinn Dashrvood freilich nickt 
verstehen konnte, aufgefordert, zu mir hineinzugehen. Ihin 
schüttete ich mein übervolles Herz aus, nichts, nichts ver 
schwieg ich ihm. Und er verließ »nich mit dem Versprechen, 
nach Berlin zu gehen und Mayring zu suchen. 
Das war dos letzte, was ich von den beiden hörte und 
ah. Ich wartete, wartete voll verzehrender Aügst und 
Ingcduld, aber nichts kam als eine Geldsendung, die 
ichcrlich von Dashwood stammte, und die ich wider Willen 
angreifen mußte, wollte ich nicht mit meinem Kinde ver 
hungern. Endlich hielt ich den Zustand nicht länger aus. 
Ich verkaufte meine Möbel und fuhr nach Berlin, um 
auf meine eigene Hand Mayring zu suchen. Beinahe jedes 
mal, wenn er nach Neustadt ka»n, hatte ich in den Taschen 
seines Paletots — Sie werden cs unter den Umständen, 
wie ich lebte, begreiflich und verzeihlich finden, daß ich 
sie durchsuchte — Programme/oder Eintrittskarten für das 
Eldorado-Theater gefunden, und als »ch ihm' einmal Dor- 
yaltungen darüber machte, erklärte er inlr,( daß er aüs 
zeschäftlichen Rücksichtengezwungen sei, dort so häufig 
Anzugehen.. Hier hoffte.ich erne,Spur von ihm zu findet». 
Am Bormittag ineiner Ankunst suchte ich das Theater auf, 
ver Portier aber, an den ich mich wandte, wußte mir keilte 
Auskunft zu geben. A,n Abend jedoch, als ich noch einen 
zwecken Versus machte».überbrachte mir ely unbekanntes 
Mädchen die Mitteilung, daß am nächsten Abend ein 
Herr kommen würde, der wir'wahrscheinlich etwas über 
H5W Mayring würde sage»» können. Am Morgen des 
nächsten.Tages jedoch traf zu rpelner Ueberrafchung Robert 
Dashwood in dem Hotel garni ein.. Ex war nach Neustadl 
gefahren, und da ,ch dses Hotet a.pj Empfehlung der Haus, 
leute aufgesucht habe, hi\ denen ich dort wohnte, wurde 
es ihin nicht schwer, meine Spur zu finden. Er war ganz 
vergebens in Berlin gewesen, denn er hatte, wie er mir 
versichrrte. kelne Spuv MavAngs gefunden. , 
Harfenspicl und einer Gcsang'semkage. - begleiteten ».ist 
sinniger Weise die abwechseliingTreichcn Bilder. H-- >H. 
o „Die Hochgebirge der Erde" lautet das Theina des 
Lichtbilder-Vortrages, den Herr Prof. O. Baschiu am Mitt 
woch, den 23. Juni, abends 1\' 2 Uhv im großen Hörsaal 
der Treptoiv-Stcrnwarte, hält. Mit dem großen Fern 
rohr wird bei klarem Wetter der Mond und d»e Pla 
neten Saturn und Mars beobachtet. Kleinere Fernrohre 
stehen zur Beobachtung beliebiger Obst'kte kostenlos zur 
Verfügung. Führungen durch das astronom»,che Museum 
finden täglich in der Zeit von 2 Uhr nachm. .b»s o Uhr 
abends statt. 
Vereins-Oacbric&t^ipi 
)( Wilhelm Schmidt'scher gemischter Chor. MbungSstunde: 
Montags i/S-i/lO Uhr im Restaur. „HohenzoUcrn", Hand- 
jerhstr. 64. Stimmbegabte Damen U- Herren fino Mulkommen. 
)( Grohdeutsche Frclheikspartei. Ortsgruppe Berlin- 
Friedenau. Am DienStag, den 22. Inn', abends 8 Uhr, findet 
im „Prinzen Handjcry" eine Mitgliederbkrsaminlung fiatt, zu 
der vollzähliges Erscheinen erwünscht ist. 
)( Deutscher dcinokratischcr Jngciidvcrcin. Groß-Bcrttn, Ar- 
beitsgruppe Friedenau. Am Mittmoch, den >23. 3>nni, adendÄ 
8 Uhr, findet im „Wiesbadener Hof", Wiesbadener, Ecke Homitth- 
strastc) eine Versammlung statt. AlS Referent wird Herr Ge- 
heimrat Vogt über „Die wesentlichen Unterschiede zwischen ocn. 
Parteien der Gegenwart" sprechen. Parteifreunde willkommen. 
)( Deutsch-nationaler Ingendbund. Mittwoch, den 23. gnm, 
um 5 Uhr, findet in der Aula dcS Resorm-Realgymnasiiims, Ho- 
muthstraße, eine große Milgliederversammlung statt. Einem ge 
schäftlichen Teil folgt ein untcrnltendcr Teil ,mt musikalischen 
und rczitatorischcn Vorträgen. Pünktlich und zalreich erscheinen. 
Gäste herzlich willkommen. Eintritt frei. . 
)( Vereinigung ehemaliger Schülerinnen d er Königin» 
Luise-Schule. Mitgl'iedcr-Vcrsaminlnng Freitag, den 26. d. M., 
abends 8 Uhr, iin Feftsaale der Schule. Vorsübrung von rhhth- 
misch-gymnastischen Uebungen und Tänzen von Frl. Inge P.tter- 
scn, unter Mitwirkung von einigen Damen der Dorotheen-^ 
Schule. Rezitation: Lucie Jachinann; Lieder zur Laute: Herr 
Ottomar Gnrth. Karten für Mitglieder und Gäste unentgelt 
lich im Amtszimmer dcS Direktors (Mittwoch und Donnerö- 
tag von ü—7 Uhr). 
)l Der Verband Deutscher Bcrufsfcn-rwch-männcr Vc- 
zirksvcrband Groß-Berlin, veranstaltet am Freitag, den 2. und 
Sonnabend, den 3. Juli »920, zum ersten Male ein großes 
Sommcr-Bolksscst in den Gesaintrüninen des Soinmer-Etablistc- 
»ncnts „Schloß Schönbolz" zum Besten seiner Unterstützungskassc. 
)( Die Freie Vereinigung deutscher Künstler tagt jeden 
Donnerstag, abends 7 Uhr, im Restaurant „Pseiscrberg", Fried 
rich WilhelimPlatz, Friedenau, und niinnit tüchtige Fachge- 
no'sen auf. 
MMN- traft Aützkchnmt?. 
Jer Friedhof. 
Uns wird geschrieben: 
Wer erinnert sich noch vor nicht allzulanger Zeit den 
an dieser Stelle geäußerten heftigen Angriffe gegen di-r 
Fällungen unserer Strnßenbäume. Alle Kritiker gingen 
noch weiter, den „vollends verkehrten" Baumschnitt für 
die durch diese Maßnahme zum unheilbaren Siechtum ver 
urteilten Bäume im Straßenbilde verantwortlich zu 
machen. Das Theina des Baninschiiittes zu erörtern, ist 
hier nicht die Absicht, es stellt ein Kapitel für sich dar 
wie die Straßenbänmc selbst. Sieht mau sich heule ohne 
Voreingenommenheit die geschnittenen Bäume ln ihrer: 
jetzigen prächtigen Entwicklung an, so wird man zugeben 
müssen, daß der Schnitt ihnen wohlgetan hat und das; 
wobt niemand mehr die Abholz»:ngcn vermißt. Beob 
achtet man ferner die Kaiserallce, wie sie jetzt schon nach 
dem 4. Monat der Ncupslanznng mit den „älteren Pla 
tanen" aussieht, wie sich überall viele kräftige Blattriebe 
entwickelt haben, die bis zum Herbst teilweise noch meter 
lang werden dürften und in ihrem gleichfarbigen Grün 
zu den Rasenneugrünstreifen in schönster Harmonie sich 
befinden, so muß man angesichts dieser Tatsachen alle 
Anklagen erheblich niedriger hängen, teils ganz fallen 
lassen. Banmschnitt, Pflanzenpflege, Kulturen, die Pflan 
zung selbst, die Gruppierung, die in Stadt, Garten »mb 
Park als künstlerische Leistung zum Ausdruck kommt, 
erfordern vor allem die gründliche Kenntnis des Materials, 
die unbedingte Befolgung der Naturgesetze der Pflanzen, 
die. Berücksichtigung ihrer Eigenart und Entwicklung, auch 
die Abhängigkeit von Jahreszeit und Witterung spielt 
eine bedeutende Nolle, ohne welche ein Gedeihen und Er 
folg schlechterdings »«»möglich ist. Man hat cs »nit „leben- 
H WBBHBBIW—PI MBS v» ÜIIIMHI BM WM 
Sie hielt inne >i»d (»leiste die Gräm» mit einem raschen 
Blick, als erwarte sie einen Einwurf. Aber da die Komtesse 
schwieg, fuhr sie fort: 
„Ich »vciß nicht, waruin ich ihm nicht von dem„Eldo. 
rado-Theater" sprach, aber ich tat cs nicht. Und es ist ja 
auch schließlich bedeutungslos. Am Abend also suchte ich 
das Theater »vieder auf. Dort wurde ich ivirklich zu einem 
Henn geführt, der »nir sagte, daß Mayring mit einem ge 
wissen Martens identisch wäre, und daß jener Martens 
erinordet worden sei. Das ist alles, was ich weiß und 
was ich sagen kann." 
„Ich kann Ihnen nicht aussprechen, wie dankbar ich 
Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Offenheit bin," sagt; 
die Komtesse voll Herzlichkeit. „Sie haben damit wahr 
scheinlich unberechenbares Unheil abgervendet. Und Sil 
werden sehen, daß es nur zu Ihrer'n Guten war. Eli 
hatten ja doch auch keine Ursache, uns dis Mitteilungen 
vorzuenthalten, nicht nur, datz^Sie sich nichts haben zu 
schulden kominen lassen, hat man Ihnen im Gegenteil das 
bitterste Unrecht zugefügt. Warum also suchten Sie sich so 
ängstlich zu verbergen?" 
Die Frau starrte schweigend vor sich nieder, und ihre 
Augen füllten sich »nit Tränen. Die Gräfin, die sie auf 
merksam ansah, streichelte voller Mitleid ihre Hand. 
„Run, es soll jetzt alles gut werben," sagte sie. „Ah. 
/ das ist wohl Ihre 51»eine?" x 
Das Stubenmädchen, dem Frau Longtree offenbar dik 
Aufsicht'über ihr Kind anvertraut hatte, brachte das kleine 
i Mädchen herein. Mit »närrischem Gruß setzte sie es auf 
> den Boden nieder und entfernte sich sogleich wieder, nach- 
» dem sie die elegante Erscheinung der Gräfin mit unver 
schämter Neugier gemustert hatte. Das !Und lief auf seiner 
noch sehr unbeholfenen Beinchen sogleich zur Mutter und 
schmiegte sich scheu und ängstlich an sie, als die stemd« 
Dame ihr liebkosend das Köpfen streichelte. 
- „Das Kind braucht auch eine Erholung," sagte dic 
Gräfin plötzlich. „So gut »vie Sie, Frau Longtree. Sir 
müssen unbedingt ein vaar Woche» aus der Stadtcheraus. 
irgendwo aufs Land." 
Die Frau lächelte schwach. , „ 
„Wie sollte ich das inöglich machen ?" sagte sie resigniert. 
„Freilich, meine kleine Ell.s lömite es wohl brauchen. Aber 
vMe, MUM lind zu Ende." (Fortsetzung folgt.)
        
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