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Periodical volume Nr. 136, 20.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Veriin-Kriedena», Rhelnstraß« I». — Kernsprecher; «ml Pfal,bnr, ««. 
Ar. 138 
Berlin-Friedenau, Sonntag, den 38. Snni 1838 
Sahkg. 37 
W&.K ist rieintic| 
Riclntio ist! 
Wer eine gesunde Wirtschaftspolitik anstrebt der wählt nur die Wirtschaftliche Vereinigung, 
Liste Palzke — Ortmann. 
Wählt die Liste der 
zemmmiei 
für die Stadtverordneten- für die Bezirksverordneten 
versammlung Versammlung 
Stadtv. Lehrer Dr. Stadtv. Pfarrer 
AlAmM. II. 8Wa. 
vusknnst in allen Wahlavgelegeuheiten erteilt das 
WahMro Hertelvr. 2 (Herr Kaufmann Brewka) 
Fernsprecher Pfalzburg 2102. 
OeueTte HacbricbUii 
Paris. Echo de Paris meldet, daß infolge der 
Schwierigkeiten, die Herr Fehrenbach bei der Bildung 
des deutschen Kabinetts finde, die Konferenz von Spa 
abermals verschoben wird, und zwar auf den 10. Juli. 
Paris. Nach einer Meldung der Chicago Tribune 
aus ’ Konstantinopel soll Mustafa Kemal Pascha die briti 
schen Truppen in Jsmid durch Lustgeschwader angegrissen 
haben. Jsmid (die letzte Stadt vor Konstantinopel an 
der Anaiolischen Bahn) werde allmählich von den Eng 
ländern geräumt. 
Kopenhagen. Der hkppell Persiens an den 
Völkerbund um Schutz gegen 'die russischen Angriffe hat, 
wenn man den Londoner Meldungen glauben darf, zu 
einem überraschenden Resultat geführt. England, das 
durch sein Defensivbündnis mit Persien verpflichtet ist, 
aktive Hilfe zu leisten, hat offenbar durch die Drohung, 
die wirtschaftlichen Verhandlungen mit Krassin sofort ab 
zubrechen, erreicht, daß die Räteregierung sich bereit er 
klärt hat, ihre Truppen von persischem Gebiet zurück 
zuziehen. 
Rotterdam. Laut „Nieuwc Notterdamsche 
Courant" wird aus London berichtet, daß starke Streit 
kräfte aus Britisch-Jndien nach Persien unterwegs seien, 
um die Bolschewisten zu verhindern, gegen Teheran vor 
zurücken. 
3ur Grotz-Berliuer Wahl. 
Morgen sollen die Bürger Groß-Berlins wieder ein 
mal an die Wahlurne treten, um diesmal für die Stadt 
verordnetenversammlung des am 1. Oktober in Kraft 
tretenden neuen, großen Berlin und gleichzeitig auch für 
die Vezirksverfammluugen zu wählen. Acht Listen kommen 
für uns Friedenauer und Schönebergcr in Betracht, aus 
denen wir uns die für uns geeigneten aussuchen sollen. 
Zunächst sind es da wieder die politischen Parteien, die 
um die Wahl ihrer Kandidaten werben. 
Wenn wir uns nun heute die Gemeindeverwaltungen 
betrachten, so müssen wir feststellen, daß die wirtschaft 
liche Lage aller Gemeinden sich in außerordentlicher Weise 
verschlechtert hat. Die Finanzen sind vollkommen unter 
höhlt und kein Mensch weiß heute, wie die 'Gemeinden 
aus dieser Finanznot herauszubringen sind. Früher hieß 
es: keine Ausgaben ohne Deckung! Von diesen, Grundsatz 
ist mau längst abgewichen. Jetzt bewilligt mau einfach, 
ohne .ich um die Deckung zunächst cillzusehr Kopfschmerzen 
zu macben. Wenn man dann herausfindet, daß die im 
Haushalt vorhandenen Mittel nicht reichen, geht mau 
turzerhaud au die Erhöhung des Einkommensteuerzuschla- 
ges, der so allgemach) eine Höhe angenommen hat, die 
der gewiegteste Kommunalpolitiker für Groß-Berlin nie 
mals auch nur sich hätte, ausdenkcn können. Mit der 
neuen Reichssiuanzreform ist dieser Steuerwirtschast u.un 
aber ein Ende bereitet worden. Die Quelle, die bisher 
für die Erzielung neuer Einnahmen durch Erhöhung des 
Stcuerzuschlages bestanden hat, ist versiegt. Den Ge- 
meinden stehen arrs 'der Reichseinkommensteuer nur die 
Steuersummen zu, die. sie am 1. April d. Js. vereinnahm- 
ten, zuzüglich 25 v. H. Um den erhöhten Ansprüchen ge 
nügen zu können, müssen die Gemeinde» darnach wieder 
zu einer geordneten Wirtschaftsform gelangen, sie müssen 
wieder darauf Bedacht nehmen, daß ohne Deckung Aus 
gaben nicht gemacht werden dürfen. 
In dieser Hinsicht hätte man denn auch erwarten 
können, daß für die Gemeindewahlen mit anderen Vor 
schlägen an die Wähler herangetreten worden wäre, als 
es bei den politischen Wahlen zum Reichstag geschehen 
ist. Man hätte Programme erwarten können, die 
uns zeigten, wie wir aus der Mißwirtschaft heraus und 
zu gesunden Verhältnissen gelangen könnten. Feste, be- 
Pim irrte Vorschläge, für eine Reform unserer Kommunal- 
Am 38. Snni wird die Gifte 
MUMM mm 
Ttortneter §1. SltOllDt §Öl(t 
gewählt. 
wirtschaft hätte man uns' bringen müssem Statt dessen 
kommen die politischen Parteien mit ihren Partei 
programmen, genau, als wenn cs sich um die Wahl zum 
Reichstag handele. 
Trefseird führt Georg Bernhard in der „Voss. Ztg." 
hierzu das folgende aus: „Aber was fangen die Wähler 
mit den politischen Parteiprogrammen an, wo cs sich 
im Grunde genommen doch nur um ihre engste Haus 
verwaltung handelt! Ob jemand Monarchist oder Re 
publikaner ist, kommt für die Stadtwahl gar nicht in Be 
tracht. Denn die Stadt wird in Zukunft wie bisher von 
einem gewählten Bürgermeister und nicht von einem 
Erbfürsten regiert werden. Die Verfassung der Gemeinde 
ist bis ins kleinste geregelt. Es handelt sich für den Stadt 
verordneten lediglich darum, den von der Stadtverfassung 
gegebenen Rahmen durch seine Tätigkeit auszufüllen. Wie 
jemand den Friedensvertrag von Versailles beurteilt, ob 
er für Völkerversöhnung oder den Kampf der Völker ist. 
kann, ja darf gar nicht ins Gewicht fallen. Es muß 
endlich cininal aufhören, daß diese Rathaussäle zum Schau 
platz für politische Agitationsreden werden. Aber trotz 
dem auch hier wieder der parteipolitische Kampf. Und die 
meisten Parteien haben sich nickt einmal die Mühe gegeben, 
Leitsätze zu entwerfen, die dem besonderen Gemeindezweck 
angepaßt sind. sondern die Schlagworte über die Miß 
wirtschaft in den Gemeinden, die in den Landesversamm 
lungen und in der Nationalversammlung bereits voll 
kommen ansgcdroschcn waren, prangen wahllos zusammen 
geklebt auf den Wahlplakaten." 
Es mag sein, daß die kurze Folge der Stadtwnhl hinter 
die Rcichstagswahl mit Schuld daran trügt, daß eine 
„Umgruppierung" für diese Wahl nicht mehr stattfinden 
konnte. Die kurze Zeit für die Listenaufstellnng und noch 
dazu mitten im Wahlkampfe um den Reichstag hat die 
Neubildung von Gruppen verhindert. So sind die Listen 
von Neu Parteien nach der alten Schablone zusamuienge- 
stellt worden. Man hat die örtlichen Parteiführer wieder 
in die Listen hineingezwängt. Zu einem Teile handelt 
cs sich ja um Personen, die ihr Verdienst um die Orts 
gemeinden haben, in denen sie seit Jahren tätig sind. 
Zum anderen aber-sind es auch Personen, die aus ihrer 
engen Parteischablone nicht herauskommen und nicht um 
denken können. Man sehe sich nur die einzelnen -Listen 
an und beachte, welche Berufe diejenigen haben, die an 
den Spitzen der Listen stehen. Fast alle stammen aus 
demselben Berufskreise, gleichviel welche Parteiliste wir 
zur Hand nehmen. Man hat cs vielfach nicht verstanden, 
hier nach sinauztechuischen und wirtschaftlichen Grund 
sätzen zu handeln. Das gab lvohl auch Veranlassung zur 
Gründung der „Wirtschaftlichen Vereinigung", die mit 
einer Liste hervortritt, auf der Personen stehen, die den 
»kreisen von Handel, Gewerbe und Handwerk angehören. 
Zu gesunden Verhältnissen kann uns nur fleißige Arbeit, 
Schaffenskraft und umsichtige Geschäftstüchtigkeit führen. 
Diese Eigenschaften finden wir beim Handwerker, Ge 
werbetreibenden und Kaufmann, der' von Tag zu 
Tag neu rechnen, neu veranschlagen, prüfen und 
überlegen muß, wie er in seinem Geschäft zu 
recht- und vorwärtskommen kann. Bei ihm ist 
die Vorbedingung: keine Ausgaben ohne Deckung, vor 
handen. Er wird daher auch in der öffentlichen Ver- 
walning nach diesen Grundsätzen handeln und sich nicht 
von Parteiprogrammen einklemmen lassen. Wir müssen 
vonc wirtschaftlichen Standpunkte aus in der Gemeinde 
arbeiten, es geht nicht an, daß wir die Defizitwirtschaft 
weiter machen, nur nach der Parteischablone handeln und 
eines Tages nicht mehr aus noch ein wissen. Es müssen 
Fachleute in die Gcmeindekvrperschaften kommen, die etwas 
vom Wirtschaftsleben der Kommune, von einer Wirtschafts 
gemeinschaft großen Stils verstehen. Denn nur durch 
eine vorsichtige, maßvolle Wirtschaftspolitik werden die 
Gemeinden in Zukunft in der Lage sein, ihre großen und 
wichtigen Aufgaben zu erfüllen, die auch auf anderen 
Gebieten liegen. Nicht wer das große Wort führt, son 
dern der flott und fleißig Schaffende gehört in die 
Verwaltung eines Gemeinwesens, das heute mit denselben 
Wirtschaftssorgen und Lebensnüten zu kämpfen hat, wie 
der so arg darniedcrliegende gewerbliche Mittelstand. 
Darum, Wähler, überlegt es Euch reiflich, wen Ihr morgen 
Eure Stimme geben wollt. Wir müssen umlernen und 
zu anderen Anschauungen zu gelangen suchen, wenn wir 
wieder vorwärts kommen wollen. 
SitMMWm W StÄtinii uns WiMz. 
(Nachdki unsrer o-Origtnalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Wähler wählt! 
Niemand ldenke, es sei nicht so wichtig, ob diese oder 
jene Gruppe in Berlin an der Hcrrschafc ist. Berlin ist 
der Mittelpunkt des Deutschen Reiches und gar oft ist 
„draußen" im Reich der Ruf erklungen: Los von Berlin! 
Das darf nicht sein, cs muß heißen: Mit. und für Berlin! 
Darum gehe jeder zur Wahl und sorge dafür, daß Berlin 
einen guten Namen im Reiche erhält. Gewählt wird 
von vormittags 8 bis nachniittags 7 Uhr in denselben 
Wahllokalen wie bet der Reichstagswahl. Es gelten die 
gleichen Ausweise wie bei der Reichstagswahl, die auch 
für spätere Wahlen ^für den Reichspräsidenten) aufzu 
heben sind. 
o Die näichistx Sitzung der Gemeindevertretung findet 
am Donnerstag, den 24. Juni, nachmittags 7 Uhr, im 
Sitzungssaale des Rathauses statt. Die Tagesordnung 
verzeichnet: a) in öffentlicher Sitzung: 1. Mitteilungen. 
2. Festsetzung der Ferien für die Gemeindevertretung. 
3. Neuregelung der Besoldung der Beamten, Lehrpersonen 
und dauernd Angestellten. 4. Anrechnung des Wertes 
der Dienstwohnungen auf die Besoldung. 5. Vergücung 
von Mehrarbeit, 6. Bewilligung von Mitteln aus Anlaß 
der Wahlen zum Reichstag und zur neuen Stadtgemcinde 
Berlin. 7. Bewilligung von Mitteln für die Uebernahme 
einiger bei der Zentralstelle für vaterländische Hilfe frei- 
gcwordener Gegenstände. 8. Bereitstellung von Mitteln 
für die Ausführung gärtnerischer Anlagen, b) in ge 
heimer Sitzung: 9. Mitteilung. 10. Personalangelegeu- 
hciten. 11. Annahme eines Vergleichsvorfchlages. 12. Eine 
Prozeß-fache. 
o Stichwort „Wald". In der Woche vom 21. bis 
27. Juni 1920 darf Brot und Mehl nur auf die Brot 
karte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte 
das Stichwort „Wald" tragen. Auf diese Karte darf 
Brot und Mehl aber erst von Montag, den 21. Juni ab 
verkauit werden. 
o Fett und Fleisch in Schöücvcrg. Unserer gestrigen 
.Mitteilung tragen wir noch nach, daß cs in Schöneberg 
an Feit 20 Gramm Butter und 70 Gramm Margarine 
auf 26 der Speifefeitkarte, sowie 250 Gr. frisches Rind-, 
Kalb- und Hammelfleisch und Gefrierfleisch auf Abschnitt 26 
der Reichsfleischkarte gibt. 
o Kartoffelversorgirng, in Schöneberg. Für die Woche 
vom 21.—27. Juni 1920 werden auf die Abschnitte 26 a—« 
der Karcosfelkacte 5 Pfund Kartoffeln ausgegeben. Die 
Kartoffeln sind bis spätestens Donnerstag, den 24. 6. 20 
in den Kleinhandelsgefchäften abzuholen. 
o -Die Preis« für Frühkartoffeln. Nach einer Be 
kanntmachung des Reichsministers für Ernährung und 
Landwirtschaft darf der Preis für die Tonne Kartoffeln 
aus der Frühkartoffelernic 1920, wenn die Lieferung 
zwischen dem 1. Juli und dem 14. September erfolgt, 
640 M. nicht übersteigen. Die Landeszcntralbehörden 
können für ihren Bezirk mit Zustimmung - der ReichSkar- 
roffelstelle den Preis für die Zeit vom 1. bis 31. Juli 
bis aus 709 M. erhöhen; sie können den Preis für die 
Socialdemokratie 
Wer für positive Arbeit in der 
Stadt- u. Bezirksverwaltung ist 
wählt Liste 
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