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Periodical volume Nr. 133, 16.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

big halb- beantrag! er in einem Antrage an die Reichs- 
rcgierung zu fordern, die F le i f ch Znck c r- unb Sar- 
toffellvirtfchaft zu beseitigen. Er spricht fer 
ner über die Kariosselmißwirtschast. Ein unabhängiger 
Stadtv. wirst die Schuld an den Mißständen den Rechts 
parteien vor, die durch den Krieg die gmrze Not herauf 
beschworen haben. Stadtv. Fritsch (L-oz.) führt ans, 
daß' die Herren um Dr. Kanshold mit den Kartoffeln 
in unverantwortlicher Weise Sabotage getrieben hätten, 
indem sie die Kartoffeln solange zurückhielten und sie 
jetzt, nachdem Auslandskartoffcln ans den Markt gekommen 
find, in großen Massen herausbringen. Wenn die Bor- 
bedingungen dazu gegeben sind, sei seine Partei gleich 
falls dafür, mit dieser Minute die Zwangswirtschaft auf 
zuheben. Wenn man das jetzt tun würde, würde nie 
mand von der ärmeren Bevölkerung mehr etwas be 
kommen. Mir dem Augenblick der Aufhebung der Zwangs 
wirtschaft würden auch viele kleine Geschäftsleute auf 
fliegen. Stadtv. Patzkc (Bürg. Vgg.) erklärt, seine 
Freunde fordern nicht sofortige Aufhebung, sondern Ab 
bau der Zwangswirtschaft. Darüber sei doch Niemand 
im Zweifel, die Zwangswirtschaft war nötig, aber eine 
Freude war sie nicht. Stadtv. Dr. Bendiner (Soz.)i 
führt aus, daß die Kriegswirtschaft doch von den Herren 
von Rechts eingeführt wurde. Den allmählichen Abbau der 
Zwangswirtschaft vertreten auch die Sozialdemokraten. 
Die Erhöhung der Lcbcnsmittelprcise -sei nur gekommen, 
weil die Landwirte nichts mehr zum alten Preise liefern 
wollten. Die Rechtsparteien haben ja jetzt das Heft in 
der Hand. Solange waren die Sozialdemokraten . die 
Prügelknaben, jetzt mögen cs die Herren rechts besser 
machen und das Schlaraffenland schaffen, das sic ihren 
Wählern verspro.chcn haben. Stadtv. Dr. Kauf hold 
(Bürgert. Bag.) meint, daß die Zwangswirtschaft ja 
zur sozialdemokratischen Lehre gehöre, wenn Herr Dr. 
Bendiner das jetzt bestreite, kenne er die Lehre der So 
zialdemokratie nicht. Die Kricgsgesellschaften müssen ab 
gebaut werden, damit wir auch die Kriegshilfslräfte los 
ivcrdcn und wir endlich von Demonstrationen und Radau 
verschont bleiben (Lärm links und auf der Tribüne, 
Pfni-Rufc; der Vorsteher ersucht die Tribüne, Ruhe zu 
halten, sonst lasse er räumen). Daß die Kartoffeln jetzt 
so reichlich kommen und früher nicht zu haben waren, 
erklärt er damit, daß im vorigen Jahre frühzeitig Frost 
eintrat und die Kartoffeln schnell eingemietet werden 
mußten. Als dann die'Mieten in diesem Frühjahr ge 
öffnet wurden, nahm der Landrat erst die Kartoffeln 
zur Saat und dann erst . . (Zuruf- links: Wurden die 
Schweine gefüttert!) wurden die Kartoffeln an die Städte 
abgegeben. — Ein Antrag des Stadtv. Dr. Nordmann 
auf Schluß der Besprechung wird abgelehnt. Stadtv. 
Szymanski (Unabh.) bemerkt, es werde nicht besser 
werden, che man nicht die alten Exzellenzen und Gehcim- 
räte herausbringt. Aber die Rechte habe cs ja jetzt in der 
Hand, die Karre aus dem Dreck herauszubringen, in die 
sie sie gebracht habe. Stadtv. Schneider (Bürgert.) 
findet den Verlust verhältnismäßig hoch gegenüber dem 
Verlust in'Berlin. Stadtv. Jacobs antwortet, daß die 
Zahlen von Schöneberg vom 31. März 1920, die Berliner 
dagegen vom 1. Oktober 1919 sind. 'Wenn er die Verlust- 
zahlen für Schöneberg vo.m 30. Juni 1919 nehme, so 
stelle sich das Verhältnis für Schömberg außerordentlich 
günstig. Stadtv. Wilberg (Unabh.) spricht für die 
Kommunalisierung der Lebensmittel, die doch cinma 
kommen werde. Das vaterländische Empfinden haben die 
Herren rechts nicht im Herzen, sondern im. Geldbeutel. 
Lei Aufhebung der Zwangswirtschaft tvürden die Lebens 
mittel wohl für die am „Park" wohnenden Leute erschwing 
lich sein, nicht aber für diejenigen auf der „Insel". Stadtv. 
Bendiner (^oz.) antwortet Herrn Dr. Kaufhold, daß 
er für diesen die Ehrcnmitglicdschaft in der Sozialdemo 
kratischen Partei vorschlagen werde. Nachdem Stadtv. 
Fritzsch (Soz.) noch über die Kartoffelwirtschaft lang 
und breit gesprochen und-Dr. Schneider vorgeworfen hat, 
daß dieser sich sogar bei den Unabhängigen bemüht hätte, 
um einen besoldeten Stadtratsposten zu erhalten, wird 
ein Schlußantrag des Stadtv. Dr. Bendiner angenommen. 
— Zur persönlichen Bemerkung erklärt Stadtv. 
Schneider, daß er sich niemals um ein Magistrats 
amt beworben und mit den Unabhängigen darüber ver 
handelt Hütte. Wenn das seine Fraktion getan habe, so 
habe er selbst doch nichts damit zu tun. Sein Ehrgeiz 
ginge nickst dahin.— Die. 7 Millionen Mk. zur Beschaffung 
von Lebensmitteln werden bewilligt. Der Antrag Dr.. 
Kanshold, betr. Aushebung der Zwangswirtschaft, für 
Zucker, Fleisch und - Kartoffeln, wird -mit 23 gegen- 21 
Stimmen angenommen. 
Dem K rieg'ssürs orge a m t < werden zur Aus 
übung der sozialen; Fürsorge für Kr.icgsbeschädigtc und 
Kriegshinterbliebene) für --das Rechnungsjahr (1920 - auf. 
Grund des demnächst ; zu erwartenden' Reichsgesetzes für 
Kriegsbeschädigte -144000 M., für . Kriegshinterbliebene 
1200 000 M. zur Verfügung gestellt. 
Auf Grund des-.8 58 -Ziffer.8-.Abfach -1'des'Gesetzes, 
über die Bildung.einer neuen Stadtgemeinde Berlin vom 
20. April 1920 sollen in Berlin-Schönelwrg die -Ge 
meind eg rundst eucrn imd Gemein deg ew erbte 
st euern nach dem für 1919 veranlagten Satze als Ab 
schlagszahlung auf die endgültige Gemeindesteuer der neuen 
Stadigemeinde Berlin für das Rechnungsjahr 1920 ein 
gezogen werden. , - 
Anstelle des aus dem städtischen Dienst ausgeschiedenen 
Magistratsasscssors Dr. Heiligendorsf wird 'der Magistrats 
assessor st. Pr. Althaus zum Stellvertreter des Vorsitzenden 
des Versicherungsamts, gewählt. 
Es werden noch einige Wahlen, eines Armenpslegers, 
eines Bezirksvorsteher-Stellvertreters und für Ausschüsse, 
.vorgcnoinmen. . - - ■ : ~ ' 
Darauf schließt der Stadtverordnetcnvorsteher gegen 
V 2 10 Uhr die Sitzung. i 
- L ——I 
WMKiM U MM» 1HIÄ SfiÖlteOi 
(Rachdr. n oster o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Herabsetzufstg des! Kartoffekpreises. Der Kleins 
h a n d c ls h ö ch stp reis für Kartoffeln wird vom 17. 
Juni ab von 40 Pfg. auf 30 Pfg. herabgesetzt. 
oA Neue KrMtaizsalbgeordn-ete im Kreiise Tettow. Di«' 
demokratische. Fraktion des Teltowcr Kreistages hat in 
folge Verzuges zwei Mitglieder, den Bürgermölster Wrl- 
ligmann-Ntederschöncweide und Bürgermeister Holle-Ma 
riendorf, verloren. Für die abgeschiedenen Abgeordnetem 
GewcrkschastsangcstellkWkeimami in Niederschöne- 
vnd Telcgraphen-Jngenienr Lüfchcr in Südende 
- bczw. gjifaemit' ” - . 
oüh Widersprechende Tstrifgerüchte sind in den letzten 
agen in Groß-Berlin verbreitet worden.. Auf der einen 
Seite wird berichtet, daß neue Lohnforderungen der 
Straßenbahner eine Erhöhung des Straßenbahntariss ans 
1 M. notwendig machten und aus der anderen Seite wird 
erzählt, daß an den „zuständigen Stellen" Erwägungen 
über einen 50 Pfg.-Einhcitstarif für Straßen- und Hoch- 
bghii schwebten. Beide Nachrichten sind, wie wir ver 
sichern können, durchaus unbegründet. 
v Die Enilcnrn: cnstencrniarte» werden jetzt von der 
Reichsdrnckenci hergestellt. Sie kommen durch die Post 
ämter am 21. Juni zur Ausgabe. Zunächst gibt es Mar 
ken in roter Farbe zu 10 Pfg., blau zu 50 Pfg., grau 
gu 1 M., braun zu 2 M., grün zu 5 M., grün mit hell 
rot zu 10 M. und violett mit gelbbraun zu 25 M. 
Später werden solche zu 50 und 100 M. ausgegeben. 
Das Bild der einzelnen Marke ist verschieden. Der Wert 
tritt überall in großen Zahlen hervor. Sie haben außer 
dem sämtlich die Inschrift „Einkommensteuer" in Fraktur. 
Die Marken werden in Bogen zu 50 Stück geliefert. 
Für den Ersatz verdorbener Marken und den Umtausch 
gelten dieselben Vorschriften wie für die Umsatzsteuer- 
marken. - 
o Füjv PfcjrÄehaltckr! Die hiesige Gemeinde hat Mc- 
lassesuttcr und Trockenschnitzel erhalten und wird das 
Futter, Trockenschnitzcl 75 M., Mclasscfutter 62 M-, per 
Ztr. ohne Schein von Herrn P. Engter, Handjerhstr. 62, 
abgegeben. 
o Der weite Tarif Mr Pferde» und Kraftdroschke», den 
der Schöneberger Polizeipräsident festgesetzt hat, berechnet 
für die volle Stunde bei Pferdedroschken 7,50 M-, bei 
elektrischen Kraftdroschken 7,50 M., bei elektrischen Kraft- 
droschkcn 19,50 M. und bei Bcnzinkraftdroschkcn 24 M. 
o Zu der Brschuldigirng dvS Pjnrr«rs Förtsch durch 
den G.-B. Göhljing in der letzten Sitzung unserer Grst 
meindcvertretnng wird uns ^geschrieben: Am Untcrhal- 
tungsabcnd der Volkshochschule am 18. April, .nicht in 
einer Elternbcrsammlung habe ich erinnert an den „Früh 
lingsanfang" (die Frühlingsoffcnsive) 1918, auf die inan 
so große Sieges- und Friedenshosfnung gesetzt hatte und 
der' nicht hielt, was er versprach; sowie an den Früh 
lingsanfang (die Märztage) 1920, der auch Frühlings- 
sturm und Frühlingshoffnung war und von dem zu be 
zweifeln ist, ob er hält, was er verspricht. Trotz aller 
Enttäuschungen, das war der Inhalt meiner Rede, geben 
wir.die Hoffnung nicht auf, daß .wir Frühlingsanfang 
haben, daß unserm deutschen Volke eine neue Blüte be° 
schieden sein wird. Wie man aus diesen Ausführungen 
eine Verherrlichung des Krieges heraushören und einen 
Grund zur Ablehnung eines Glockenbeitrages ableiten 
kann, wird wohl Geheimnis des G.-V. Göhring und 
seinen Berichterstatter bleiben. Förtsch, Pfarrer. 
S Eine öffentlich« Wählervrrsaminliurg der Deutsch- 
nationalen Volkspartri, die gestern. Abend im Bürgersaal 
des Rathauses stattfand, unterrichtete die Besuchcr^über 
die bevorstehende Stadtvcrordnetenwahl. Herr 
Schlieper eröffnete die Versammlung, indem, ec auf 
die Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen hinwies. Eine 
Wahlmüdigkeit dürfe nicht eintreten, das wäre zuin 
Schaden des Groß-Bcrliner Bürgertums. Herr Stadt 
rat Dr.-S chn ei der (Schöncberg) sprach zunächst über 
das Gesetz Groß-Berlin, an dem man keine Freude haben 
könne. Eine sozialdemokratische Mehrheit sei sicher. Es 
habe sich gezeigt, daß überall da, wo die Sozialdemo 
kratie herrscht, ei nicht billiger, sondern teurer geworden 
ist. Ucberall da kann man das Drängen nach der Futter 
krippe beobachten. Ucberall in Groß-Berlin ist eine Ver 
schwendung eingetreten, wie sie überhaupt noch garnicht 
zu verzeichnen- ivar. Sozialdemokraten und Demokraten 
sagten immer, streun die Gemeinden es jetzt nicht machen, 
wer weiß, ob cs später gemacht werde, wenn alles von 
Berlin aus bestimmt werde. Der Schöneberger Voran 
schlag, der 1914 20 Millionen Mark betrug, stieg im 
Jahre ,1917 auf 27 Millionen, im Jahre 1919 auf 
40 Millionen Mark und schließt jetzt mit 80 Millionen 
Mark ab. Da der Einkoinmcnstcuerzuschlag jetzt in Weg- 
fall kommt, und man Grund- und Gewerbesteuer nicht 
allzu hoch spannen könne, bleibe weiter nichts übrig, als 
die Kommunalisierung und die Erhöhung der Preise für 
GaS, Wasser, Straßenoahnfahrt usw. Dw rote Mehrheit 
der Berliner Stadtverwaltung stehe vollständig unter dem 
Einfluß der Straße. Er erwähnte die Vorfälle mit den 
.Kriegshilsskrästcn. Der sozialdemokratischen Mehrheit 
müsse ein Damm entgegengesetzt werden.. Er sprach-von 
den -Riesenverlnstcn, die die. Stadtverwaltungen an-der 
Lebensmittelversorgung hatten - und berichtete,- daß - die 
-ungedeckten, schwebenden Schulden.Berlins 1500 Mil 
lionci, Mark betragen. Durch, das (Steigen der-Valuta 
teilnehme, erwähnte er und bemerkte, daß dort von sozial 
demokratischer und demokratischer Seite nur mit großen 
Phrasen gearbeitet werde. Der Kampf in Groß-Berlin 
müsse sich richten im Bezirk gegen die 
Lemol'.a.w, für 
Cfcf 
l>. Ir. mit einem Fehlbeträge von '3 Millionen -Mark 
ab. Und nun kommen weitere Millionen Hinzu. ( Wenn 
nun alte diese Millionen-Ausgciben-im Berliner. Magistrat 
zusammentreffen, für die es Einnahmen -nicht mehr/gibt, 
'.tonne man sich denken, in welches Chaos wir kommen. 
Die Hauptausgabcn machten die Personalien aus; in dem 
ewigen Äreiklang: Arbeiter, Hilfskräfte, Beamte,' fanden 
die Erhöhungen statt. Er erkenne- es durchaus an, daß 
die Lohnerhöhungen stattfinden mußten, aber die Ver- 
: liner Stadtverwaltung habe das Selbstbestimmungsrecht 
darüber vollständig verloren und stände unter.dem Eßi- 
sfluß der Straße. Er erwähnt die neuen Lohnforderungen 
bei der Straßenbahn, nach denen sich eine Fahrprcis- 
erhöhung auf 1,25 M. ergäbe. Ein großer Fehler war 
die wahllose Einführung des 8-Stundentagcs, der selbst 
für die Wartesrauen in gewissen Häuschen gelte, io daß 
man diese schließen müsse. Wir müssen dahin kommen, 
daß mehr gearbeitet werde. Auch die Zwangswirtschaft 
müsse beseitigt werden, um wieder gesunde Zustände zu 
erhalten und die Schieber und Schleichhändler loszuwerden. 
Er wandte sich ferner geo.-n die Wirtschaftliche Liste und 
gegen die Fraucnliste und betonte die erheblich politische 
Bedeutung der Stadtwahlcn. Man hoffe auf . den Tag, 
, wo das Volk wieder nach dem Kaiser ruft, Berlin wieder 
Kaiserstadt wird unser den schwarz-weiß-roten Farben im 
Zeichen deutscher und christlicher Gesinnung. -(Starker 
Beifall.) Herr Prof. Pflug (Schöneberg) legte seinen 
. Ausführungen die Verhältnisse in der- Schulverwaltung 
und die künftige Gestaltung des Schulwesens in Gpoß- 
Verlin zu Grunde. Er bemerkte dabei n. a., es sei später 
'dem Berliner Magistrat die Möglichkeit gegeben, Lehrer 
von einer Schule an eine andere zu versetzen. . Da könnte 
cs wohl vorkommen, daß Lehrer,) die sich durch ihre 
deutsch-nationale Gesinnung mißliebig machten.^ r 
i.versZML werden. ( Jpfc 
die nationale Sache und in Berlin gegen die ä.-o>e Flut. 
(Beifall.) Frau G.-V. Kor sch wandte sich namentlich 
an die Frauen, die sic zur Wahltätigkeit crmin:^ e. Sie 
bedauerte es, daß sich dein Einwohnerwehransj. ", über 
haupt Männer, auch ans deutschnationalen Kreis n, unter 
stellt haben. Sie hätte sich einem solchen Ar.schusse 
niemals unterstellt. Es werden sich künftig wohl .keine 
Männer dasür hergeben, die undankbare Bürgerschaft, zu 
schützen. Sie möge sich von den Herren schützen lassen, 
die solch großen Mund gehabt und gehetzt haben. Sie 
erwähnte, wie sie Weihnachtsgeschenke damals für die Kin 
der der GcsatLeue» mit ein taufen sollte, wie man ihr den 
Einkauf von Büchern vom Vertag Reimar Hobbing nicht 
gestattete und wie sie auch den Wunsch eines Kindes 
nach einer Kanone nicht erfüllen durfte; selbst die demo 
kratische Dame war dagegen. Sie fordert die.Frauen.zur 
Wahl und sozialen Mitarbeit ans. . (Beifall.) Der unab 
hängige G.-V. G ö h r i n,g wandte Ech in der Aussprache 
gegen die Ausführungen der Redner über die Schnlden- 
wirtschaft, die man in Friedenau gleichfalls mitgemacht 
hätte, obgleich hier eine rechtsstehende Mehrheit vorhanden 
sei. Dann sprach er zum Schulwesen, verlangte-Trennung 
von Schule und Kirche sind Beseitigung des Religions 
unterrichts. Religion müsse Privatsache sein. Er bemerkt 
am Schluß: Wir wollen die Schule ausbauen nicht als 
Fricdenauer oder . Schöncbergcr, sondern als deutsche 
Schulen und die Kinder zu Weltbürgern erziehen. Frl. 
G.-V. Thomas erklärte, daß die deutsche Schute jeder 
wolle, aber die Schule solle ailch national sein. Das 
nationale Bewußtsein müsse im Unterricht vertieft werden 
durch Anwendung innerlicher Mittel. Heimatgefühl und 
völkische Ehre müsse namentlich im Geschichtsunterricht 
gepflegt werden und die Kinder zur größten Pflicht 
erfüllung angehalten werden. In seinem Schlußwort ant 
wortete Herr Stadtrat Schneider Herrn Göhring, daß 
die Vororte auch mit bürgerlicher Mehrheit sich in den 
Lohnbewilligungen nach Berlin richten müßten. Bei der 
kommenden Wahl gelte es, Ken Kampf gegen 7>:e Dcmo- 
kartie' aller Färbungen. Der Vorsitzende schloß die Ver 
sammlung mit der Aufforderung, altes das, was man 
gehört, in weite Kreise hinaus zu tragen und für die Wahl 
der deutschnationalcn Liste einzutreten. 
o Esporiainto tu deß Ssch^le. Für die Teilnehmer an 
der Reichsschnlkonfcrenz fand am Mon.lag Abend (n der 
Aula des Wcrncr-Siemens-Rcalghmnaiinms eine Ver 
sammlung statt, die über die Einführung des-Esper.n to 
in-die Schulen beriet. GehEtzkeq.-Rat Pros. Dr. Sch m > ö t 
und Geh. Schulrat Prof. Dr. Rohrbach referierlen, der 
letztere insbesondere über die erstaunlichen Erfolge, o'e 
er an seiner Schule mit der versuchsweisen Einführung 
des Esperanto als erster Fremdsprache gehabt hat. Lee 
Vertreter des Kultusministers,. Minifter'aldivettor Jahn je. 
versprach aus vollster Ueberzeugung Förderung des Ge 
dankens, von dessen Bortrefflichkcit er völlig überzeugt 
sei. Das Hauptinteresse bot die bon- Herrn Volksschul- 
lehrcr. Wilhelm Witbrodt vorgeführte Esperantoklasse 
von 13 elfjährigen Schülern. Der Unterricht wurde voll 
ständig gn Esperanto erteilt, daß "die .stgMLH .fließen» 
sprachen, obwohl sie erst seit November wöchentlich 2 Stun 
den Unterricht gehabt hatten, (ob das wohl in einer an 
deren Fremdsprache möglich wäre?) Zum Schluß sprach 
Herr Geh.-Nai Pro?. Dr. Wcteknmp über die logische 
Schulung, die der Esperantounterricht gewähre und über 
die Leichtigkeit der Sprache, die durch die Analogiebil 
dungen gewährleistet sei. 
vbh Die (krjsqchgiisprjüche,kür Tninultkchildcir. Nach denr 
neuen Tumultschädengesetz sind' Ansprüche ans Schadens 
ersatz von besonderen Ausschüssen zu entscheiden.' Solange 
diese Ausschüsse noch nicht bestehen, sind die. Ersatzan 
sprüche bei dem Gemeindevorstand der Gemeinde anzu 
melden, in deren Bezirk der Schaden verursacht ist. Glaubt 
die Gemeinde für den Vermögensschaden, für den .die 
bisherigen Gesetze maßgebend bleiben, nicht verantwortlich 
zu sein, weil der Schaden durch -eine von außen her 
in den Gemcindebezirk cingcdrnngenc Menschenmenge ver 
ursacht worden und in diesem Fall die Einwohnerschaft 
'dieses Bezirks zur Abwehr des Schadens' außerstande 
gewesen sei, so soll sie nach einem- Erlaß des Ministers 
des Innern .die Höhe der angcmeldewn 'Schäden der. Ge- 
incinde oder ^den Gemeinden iiiiiteilen,- ans d^reu Gebiet 
die-Ansammlung, oder von dcren.G'ebiec anS' der Uebcrfall 
stattgefunden' hat.. - ' ^ 
o Die Prien-ßisch-ck LottizrKrÄchyHch'e-'. PWüstr.- -1, macht 
Der Preis- der Lysefbeträgt jetzt: 1-1.60 M-, 
'ö .29,20 : 1.,- 1,, 58,10 . . : • 
vbh 6tu Groß Deip.'xNler Pl.iloiogkinveröaNd. Der Ber- 
■ ^” cr . Philologeüvercin hat seine' Neuördnrmg -seiner Orga- 
ni,ation beschlossen und- eine Satzung angenempicu, wo 
nach der Verein in den Groß-Bcrlsner.Philoto.genver-, 
Vorträge sollen aus außerordentlichen Verhandstagcn statt 
finden. Anstelle der beschließenden Vereinsversammlung 
tritt dem Deutschen Philologcnblatt Infolge. der Ber- 
bandSausschnß, der in der Hauptsache ans-den Vertretern 
der Ortsgruppen besteht. Zu diesen Delegierten treten 
die Vertreter der Interessen- oder. Fachgruppen. 
o Fricdcnauer Männcr-Eesang-Vercin 1lS75. Der 
Verein unternahm am Sonnabend, den-12. Inn-, s^ne 
diesjährige Herrcnpartie. Etiva 70 Herren, darunter auch 
einige Gäste, entführte der Vorortzug -nachmittags . bet 
schönstem Wetter nach Erkner.- Hie Stimmung, die durch 
das herrliche Wetter eine sehr froh erregte war. steigerte 
sich noch mehr, als der Verein vom Bahnhof Erkner ans 
den Marsch an der Löckiritz entlang nach Bergluch am 
Werlsec zurücklegte. Es ist dies eine der schönsten Gegen 
derl der Mark und aus' froher Sangcsbrnst heraus lvnrde 
manches Marschlied in die herrliche Natur geschmettert. 
In Bergßuch anKkangt) erfuhr die Sängerschar 'eine herbe 
Enttäuschung, weil der Wirt des Gasthauses zum „Sec- 
blick", Hilter, trotz erschöpfendster Borbereiimtg -durch den . 
Ausschuß und aller . möglicher Versprechen . seitms. des 
etan hatte, um die Unterbringung des M
        
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