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Periodical volume Nr. 132, 15.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

konnten aus Mangel,an Arbeitskräften nicht besetzt werderr.^ 
tzn der Franenabteilung -erstreckte sich die Vermittlung in 
der Hauptsache auf Hauspersonal aller .Art; insbesondere 
auf nichtständiges Personal (Wasch-, Reinemache- undAuf- 
Wartefrauen). Große'Nachfrage bestand nach wie vor nach 
festen'Hausangestellten, die nur in geringem Umfange be-' 
friedigt werden konnte. Zur Zeit sind zahlreiche offene 
Stellen für Dienstboten in Privat- und Geschäftshaushalten 
gemeldet. Es handelt sich in allen Fällen um bessere 
Stellungen, so daß die Hausangestellten stets Gelegenheit 
finden, gute Stellen nachgewiesen zu erhalten. Die Ver- - 
mittlnng von Ausbesserinnen und Hausschneiderinnen war 
rege. Arbeitsuchende Ausbesserinnen sind vorhanden. ' 
Gering war die Vermittlung von Fabrikarbeiterinnen, Zu 
arbeiterinnen, Kontoristinnen usw. für gewerbliche Betriebe, 
die Nachfrage nach solchen Stellen war erheblich größer. 
ES suchen Beschäftigung Wasch- und Reinemachefrauen, so- ■ 
wie. Nollwäschplütterinncn für ganze Tage; Reinemache- 
nNd Aufwartefrauen für stundenweise Beschäftigung. Die 
Männerabteilung vermittelte hauptsächlich ungelernte »ind 
Aushilfsarbeiter; aber auch gelernte Arbeiter wurden 
untergebracht, so z. B. 14 Maler. Auch Schlosser, Gärtner, 
Gartenarbeiter. Maurer und Zimmerleute konnten in Be 
schäftigung gebracht werden. Bei den Kanalisationsarbcitcn ' 
der Gemeinde in der Feurig- und Goßlerstraße ist eine 
größere Anzahl Erdarbeiter eingestellt worden. Der Ar 
beitsnachweis befindet sich Niedstraßc 41 und ist werktäg 
lich geöffnet von 9 bis 1 Uhr vormittags, die weibliche 
Abteilung außerdem von 4 bis 7 Uhr nachmittags, mit 
Ausnahme des Sonnabends. Fernruf Männerabteilung 
Pfalzburg 4931, Franenabteilung Pfalzburg 3485. — In 
der Fürsorgestelle für Erwerbslose wurden in den 
Monaten April—Mai 170 Ncuanträge gestellt. 50 Er 
werbslose schieden aus der Fürsorge aus wegen Ueber 
nahme von Arbeit. Zur Zeit tverden 125 Erwerbslose 
unterstützt. Die Gemeindckasse zahlte an Unterstützungen 
44637,50 M. In den letzten Wochen macht sich eine 
stärkere Inanspruchnahme der Fürsöorge bemerkbar, ins 
besondere durch Angehörige der Holz-, Leder- und Lebcns- 
mittelbranche. 
obh Das! Schiedsgericht für Groß-Berlin. Unter dem 
Vorsitz des Oberpräsidenten Dr. Meyer trat gestern im 
Sitzungsfaale des Oberpräsidiums das vorläufige Schieds 
gericht für die Auseinandersetzung zwischen dem neuen 
Berlin und den Restverbänden der Kreise und der Pro 
vinz zu seiner begründenden Sitzung zusammen. Die 
Vollmachten der Mitglieder des Schiedsgerichts wurden 
festgestellt und eine vorläufige Geschäftsordnung ange 
nommen. Ein Entwurf für die Regelung des Verhält 
nisses zwischen den beteiligten Restverbänden und der 
neuen Stadtgemeinde Berlin bezüglich der Kreis- und 
Provinzialeinrichtungen und -anstalten wurde den Be 
teiligten zur Aeußerung übermittelt. s 
o Das Büro des Eintgungsamtcs bleibt fortan M i t t- 
wochs und Sonnabends für den Publikumverkchr 
geschlossen, damit die Erledigung der eingehenden 
Llnträge keine Verzögerung erleidet. 
o Reichlich Milch ist zur Zeit vorhanden. Die Kiudcr- 
und Krankeiikarteu werden jetzt mit einer erheblich höheren 
Milchmenge beliefert. Es würde sich da wohl empfehlen, wenn 
man auch mal an die älteren Leute dächte und diese an dem 
reichlichen Milchzusluß teilnehmen ließe. 
o Der Eltcpnbeirat der Königirr-Luise-Schinle hielt an: 
Freitag, 11. Juni, eine Sitzung ab. Bei der satzungsi 
gemäß vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes wurden 
die bisherigen Mitglieder, Herr Geh. Baurat Ruthe, Frau 
Geheimrat Laskus, Herr Telcgr.-Direktor Steuer, Frau 
Kaufmann Borchers und Frau Universitäts-Professor Weh 
nelt einstimmig wiedergewählt. Beschlossen wurde, an 
den Minister für Wissenschaft, Knnst und Volksbildung die 
nachstehend im Wortlaut wicdergegebene Eingabe zu 
richten': 
„Durch Erlaß vom 14. November 1919 ist angeord 
net .worden, 1. daß die Schule, parteipolitischen Be 
strebungen > unter der Schuljugend keinerlei Förderung ge 
währen darf, 2. daß die Lehrer jede mittelbare oder 
nnmittelbare Beeinflussung ihrer Schüler nach irgend einer 
parteipolitischen Richtung hin streng vermeiden müssen, 
3. daß die Schüler sich innerhalb der Schule aller partei 
politischen Streitigkeiten und jeder herausfordernden Be 
tonung eines Partcistandpimktes (z. B. durch Tragen von 
Abzeichen) zu enthalten haben. Dagegen ist durch Er 
laß vom 24. April d. Js. jedem Lehrer und Schüler 
zum Zwecke einer Feier des 1. Mai, die lediglick» von 
Angehörigen bestimmter parteipolitischer Richtungen ge 
wünscht worden war, gestattet worden, dem Unterrichts 
ganz nach ihrem Belieben fernzubleiben. Hierin muß eine 
Tlusnahme von den im Erlaß vom 14. November 1919 
aufgestellten allgemeinen Grundsätzen zu Gunsten der An 
gehörigen dieser bestimmten parteipolitischen Richtungen 
erblickt' werden. Der. unterzeichnete Elternbeirat, der 
durchaus auf dem Boden des Erlasses vom 14.-November 
1919 steht, .hält es für seine Pflicht, auf den Widerspruch 
zwischen den beiden Erlassen eindringlichst -ausmerisam 
zu machen und sein lebhaftestes Bedauern darüber zum 
Ausdruck zu bringen. Er bittet um Aufklärung darüber, 
ob »in .-'Zukunft der die Parteipolitik von den ■ Schulen 
fernhaltende Erlaß vorn 14. November 1919 oder.'der 
diese Verfügung aufhebende Erlaß vom 24. April 1920 
Geltung haben soll." 
Frau Laskus, die auf Beschluß des Elternbeirats 
und im Einverständnis mit Herrn Oberlycealdirektor 
Hannemann der letzten schulärztlichen Untcrsuchnng bei- 
gstwohnt hatte, teilte ihre Wahrnehmungen über den Er 
nährungszustand, insbesondere über die Entwickelung des 
Knochenbaues der Kinder mit, der in erster Linie bei ihrer 
Auswahl für die Teilnahme anöden Schulspeisungen durch 
die 'Quäker ausschlaggebend ■ fei. Herr Direktor Hannc- 
»nairn -erklärte sich auf Wunsch bereit, durch Anschlag 
in der Schule Namen, Wohnung und z. F. Fernfprcch- 
anfchluß sämtlicher .Beiratsmitglieder erneut bekannt zu 
machen. Den -Eltern wird anheimgegeben, sich wegen 
etwaiger Wünsche usw. nach eigenem Ermessen mit einem 
der Bciratsmitgliedcr in Verbindung zu setzen. 
o FrauMllston zur Stadtverordneterrwahl. Die Ar 
beitsgemeinschaft der Frauenausschüsse der Wahlkreisver 
bände iBcrlin, Potsdam II, Niederbärni»^ 'hat folgenden 
Beschluß gefaßt: Nachdem der in der Tagespresse bereits 
erörterte Plan, eine besondere Frauenliste für die Stadt- 
und Bezrrksverordnetenwahlen in Groß-Berlin aus 
zustellen, nunmehr leider in die Tat umgesetzt worden ist, 
sehen sich die unterzeichneten Frauenausschüsse der Deut 
schen Volkspartei veranlaßt, zu erklären, daß sie die 
Aufstellung eigener unpolitischer Frauenlisten ablehnen.' 
Mehr als jemals ist es gerade bei den Kommunalwahlen 
notwendig, eine bürg^che Einheitsfront zu bilden und 
der Zersplitterung von Stimmen entgegenzuarbeiten. Tie, 
gerade in den Gemeinden 'besonders wertvolle Mitarbeit 
der Frau ist durch die Aufstellung von Frauen qn aus- < 
sichtsreicher Stelle innerhalb der Reihen der Deutschen ' 
Volkspartei hinreichend gesichert. Wir hoffen hier frucht-» 
bringende Arbeit am Wiederaufbau unseres'Vaterlandes » 
gemeinsam mit den Männern zu leisten. Wir richten 
daher an alle Frauen Groß-Berlins die dringende Mah 
nung, ihre.Stimme für die Partei abzugeben, auf deren 
Boden sie stehen, den Frauenlisten aber ihre Unterstützung 
zu versagen. Was uns nyt tut, ist nicht Zersplitterung,- 
sondern Einigkeit und Gemeinschaft. 
o Die Christliche Volkspartei (Zentrum) des 11. Wahl 
kreises (Schöncberg und Friedenau) hat für die Wahlen zur 
Berliner Stadtverordnetenversammlung folgende Bewerber-' 
liste eingereicht: 1. Staatsairwalt Aloys Lammers (Schöne- 
cherg), 2. Frau Regierungsrat Ehlert, Schöneberg, 3. Re 
gierungs- rind Baurat Sarrazin, Friedenau, 4. Post 
aushelfer Robert Bricger, Schöneberg, 5. Lehrerin Hedwig ' 
.Puhlmann, Schöneberg, 6. Lehrer Dr. Carl Lammerich, 
Berlin. Für die Wahlen zu den Bezirksversammlungcn 
-schlägt die Partei folgende Bewerber vor: 1. . Staatsamoalt 
Aloys Lammers, Schünebcrg, 2. Oberingenieur Peter 
Olbertz, Schöneberg, 3. Regierungs- und Baurat Herrnann 
Sarrazin, Friedenau, 4. Fräulein Maria Gellweg, 
Scköneberg, 5. Privatangestellter Karl Tannhäuser, 6. Frau 
Anna Ritsche. Freidenau, 7. Pfarrer Dr. Alfred Saltz- 
geber, Berlin. Die bei der Zuteilung:der Stadtverordncteli- 
sitze nicht berücksichtigten Stimmen sollen dem Stadtwahl- 
vorschlage der Zentrumspartci (Liste Dr. Lärnmerich) zu 
gezählt rverdcn. Es kommen somit drei Wahlvorschlüge, 
nämlich der Bezirks-, der Kreis- und der Stadtwahlvor- 
schlag, in Betracht. Bei der Wahl.am 20. Juni ist jedoch 
nur ein einziger Stimmzettel abzugeben. Er trägt die 
Namen Dr. Lainrnerich, Berlin und Dr. Alfred Saltzgeber, 
Berlin. Das sind die beiden ersten Bewerber auf der Liste 
des Stadtwahlvorschlagcs. Jeder Wähler, dep den mit 
diesen Rainen versehenen Stimmzettel abgibt, wählt damit 
alle drei Wahlvorschläge der Christlichen Dolkspartci. 
o Die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse haben Frau 
Geheimrat Laskus, Wilhelmshöher Straße 2, und,Frau 
Baurat Altruann, Stubenrauchstraße 12, erhalten. 
o Erwrrbstüchtige Kinder. Die Kinder, die an der Quäker- 
speisung teilnehmen, erhalten ab und zu auch schöne weiße 
Schrippen. Einige Kinder aßen die Schrippen nun nicht auf, 
-sondern nahmen sie mit und verkauften sie. Um das zu verhin 
dern, wird in der 3. Gemeindcschnle jetzt so gehandelt, daß 
.die Schrippen durchgebrochen werden und die Kinder sie an 
beißen »nüssen. Dieses Mittel sei zur Nachahmung weiter 
empfohlen. 
o Postbestelluug des „Fricdenauer Lokal-Anzeigers". 
Wir erinnern unsere Postbezieher und diejenigen, die cs 
werden wollen, an die pünktliche Erneuerung der Be 
stellung des Friedenaucr Lokal-Anzeigers zum 1. • Juli, 
^ damit in der Zustellung unseres Blattes keine Unter 
brechung stattfindet. -Denjenigen Lesern unseres Blattes, 
die es bisher durch unsere Boten bezogen, aber fort 
gesetzt über unpünktliche Zustellung zu (lagen hatten, 
1 fci_ gleichfalls die Postbestellung empfohlen. 
o Ansprüche der KpickgLpersicherton. Anmeldung bis 
zum 17. Juni. Nach der Verordnung der Reichsregierung 
von» 14. Februar 1920 über.die Auslegung der Begriffe 
Friedensschluß und Kriegsende im Sinne rechtskräftiger 
Erklärungen tritt für die Berechnung.von Fristm und die 
Bestimmung von Telnninen an die Stelle des 10. Januar 
1920 der Tag der.Verkündung dieser Verordnung (17. Fe 
bruar >920). Es müssen.daher Ansprüche auf Auszahlung 
der Versicherungssummen ans der Brandenburgischen 
Kriegsversicherung a. G. 1914 unter Vorlage der Anteil 
scheine und. großen standesamtlichen Stcrbeurkunden (bei 
Vermißten der amtlichen Todeserklärungen) sofort, 
spätestens aber bis zum 1?. Juni.1920 bei der Brandcn- 
burgischcn Kriegsversicherung a. G. 1914 (in den Geschäfts 
räumen der Stadtfchqft für die Provinz Brandenburg), 
Berlin W. 10, Viktoriastraße 20, geltend gemacht werden. 
Die Wiederholung einer früheren Meldung ist nicht nötig. 
Bei den Gesamtversicherungen durch Listen und obne An 
teilscheine bedarf es . nur der Anmeldung unter Beifügung 
der Sterbeurkunden bczw. Todeserklärungen. Llnsprüche, 
die nicht spätestens bis zu»n 17. Juni 1920 unter Beifügn»,g 
der vorerwähnten Unterlagen angemeldet worden find, 
können nicht mehr anerkannt und berücksichtigt werden. 
Mit diesem Zeitpunkte beginnt die Abrechnung der öffent 
lichen Kriegsuntcrstützungskassen und Festsetzung der auf 
den einzelnen Anteilschein entfallenden .Versicherungs 
summe. 
oA Eine Senkung der Schuh macherprcise. In der 
letzten Jnnungsversammlung der Cüpcnickcr Schuh 
mach e r i n n u n g erregte die Frage eines Abbaus der 
Preise eine längere Erörterung, in der wohl ein Sii:ken 
der Preise von fehlerhaftem und minderwertigen Leder, 
dagegen das Anhalten des Preises für gutes Sohlleder 
festgestellt wurde. Als Endergebnis der Beratungen er 
gab sich der Beschluß, vorn 15. Juni ab die Preise uni 
rund 15 v. H. abzubauen. 
o Die Arbeiten am Nntergrundbahnhof Nollen- 
dorfplatz sind in letzter Zeit sehr gefördert worden, so daß 
man diese Arbeiten heute als vollendet ansehen kaun. Hier 
werden später die Züge aus Schöneberg und vom Kur- 
fürstendainm einlaufen, um nach dem Gleisdreieck und um 
gekehrt zu verkehren. Allerdings ist dieser Zeitpunkt auch 
nicht andeutungsweise vorauszusagen, denn daS Stück der 
Verbindungslinie von der Zwölf Apostel-Kirche bis zur 
Dennewitzstr. ist wegen des Mangels an Materialien noch 
nicht in Angriff genomnren. 
o Steigend« Unruhe in der Postbeamtchrschast. Man 
schreibt uns: Die Hoffnungen, die die gesamte Postbeamten- 
schaft auf die Besoldungs- und .Personalreform gesetzt hatte, 
haben sich leider nur in ganz geringein Urnfange erfüllt. 
Die durch eine verfehlte Personalpolitik von früher schon 
vorhandene Unzufriedenheit in der Postbcamtenschast ist 
durch die neue des Reichspostininisteriums noch erheblich 
gesteigert worden. Im Gegensatz zu anderen Ressorts der 
Staatsverwaltung, die in großzügiger und wohlwollendster 
Weise für ihre Angestellten gesorgt haben, war cs den» 
Reichspostininisterium vorbehalten, mit'einer kurzsichtigen 
Politik vom grünen Tisch.aus die Dienstfreudigkeit groß« 
Teile der Postbeamtcnschaft zu erlahmen. Mit Recht fragen 
sich- die -Beamten der Post- und Telegraphenverwaltmig, 
wann nun endlich mal-daS RerchSpostministerium das so 
oft ihm bei jeder passenden - und unpasse»tden Gelegensten 
gepriesene Wohlwollen in die Tat umgesetzt wird! Man 
kaml-ohne weiteres behaupten, daß bei der Post- und 
Telegraphenverwaltung augenblicklich nicht eine Beamterl 
kategorie zu finden ist. Im Reich finden allerorts Mrotest- 
versammlungen statt, in denen in unzweideutiges Weis» 
die Erschütterung des Vertrauens der Postbeamten zmn 
ReichSpostministerinm zum Ausdruck gebracht und Wieder 
gutmachung gefordert wird. Die gleiche Stimmung 
herrschte in einer am Montag, den 7. Juni, im Gocthepark 
in Charlotte,iburg stattgefyndencn Versammlung von ge 
prüften Sekretären und Obersckrctären. Die Versammelten 
faßten nach einer mehrstündigen erregten Aussprache ein 
stimmig folgende Entschließung: „Die Versammlung spricht 
ihre größte Entrüstung über den kläglichen Ausgang der 
Personalrcsorm aus. Die Erregung in den Kreisen der 
geprüften Sekretäre .nnd Obersekretäre ist durch diese 
jeder Gerechtigkeit hohnsprechenden „Reform" derart groß, 
daß. daraus für den Dienst die schlimmsten Folgen zu be 
fürchten sind. Dienstfrendc und Wciterstrcbcn werden 
unterdrückt, das Vertrauen zum ReichSpostministcrium ist 
erschüttert. Die geprüften Sekretäre und Obcrselretüre 
erheben starken Protest gegen ihre Entrechtung, sic müssen 
verlangen, daß in der jetzigen Zeit der ausgleichenden 
Gerechtigkeit auch ihre berechtigten Forderungen erfüllt 
werden. Gleich ivelchcc Organisation angehörend, treten 
sie gemeinsam als eine sich einig fühlende Klasse dauernd 
für ihre Rechte ein." 
o Die Wirtschaftliche Vcreinirgrmg Schöneberg-Fricl- 
denau hielt gestern Abend im Bürger,aale des Rathauses 
eine Versammlung ab, die sich mit den kommenden Stadt 
verordneten- und BezirkSwahlcn beschäftigte. Leider ließ 
der Besuch der Versammlung viel zu wünschen übrig; in 
anbetracht der Wichtigkeit der kommenden Wahlen wäre 
eS zu wünschen, daß die hiesigen Handel- und Gewerbe 
treibenden mehr Interesse wie bisher zeigen würden, es 
handelt sich doch letzten Endes um die Hebung des schwer 
daniederliegenden Mittelstandes. Die Versammlung 
wurde durch Herr» Eggert um 8.40 Uhr eröfsuet. Dieser 
erteilte Herrn P ä tz o l d daS Wort, der in beredter Weise 
das Programm der Wirtschaftlichen Vereinigung der Ver 
sammlung klarleote. Dann ergriff Herr Stadtv. Patzk.e 
'das Wort, um dem Mittelstände» vor allen Dingen den 
-Handel- und Gewerbetreibenden zu Gemüte zu führen, 
-wie dringend notwendig es ist, sich zusammenzuschließen 
>zu einer Vereinigung, die kein politisches, sondern nur 
ein rein wirtschaftliches Programm hat, denn nur so ist 
es inöglich, dem Mittelstände zu helfen und unseren wirt 
schaftlich vollständig darniedcrliegen'den Gemeinden zu ge 
sunden Verhältnissen zu verhelfen. Lauter Beifall 'bankte 
den Rednern. An der Besprechung beteiligten sich Ver 
treter aller Parteien, die im Gegensatz zur Wirtschaftlichen' 
Vereinigung den rein politischen Standpunkt vertreten. 
Herr Szetlatzek und Herr Schmidt sprachen für die 
rechtsstehenden Parteien und bekämpften die Zersplitterung, 
beide waren der Meinung, daß gerade die rechtsstehenden 
Vereine sich besonders für den Mittelstand eingesetzt hätten. 
Herr Oberrneister König trat in, Gegensatz zu den 
Vorrednern für die Wirtschaftliche Vereinigung ein und 
bekämpfte vor allen Dingen die Kommunalisierung der 
Betriebe, gerade durch die Kommunalisierung hätte cS 
sich gezeigt, daß die Städte und Gemeinden in wirt 
schaftliche Schwierigkeiten geraten wären. Herr Thoins-' 
b e r g e r trat für die Listen der Dcinokrgtcn ein, fand 
aber bei der Versammlung wenig Zustimmung. Herr Stadt 
verordneter Dr. Kaufhold sprach für die rechtsstehen 
den Parteien und bekämpfte das bisherige Verhalten-cher 
'Demokraten. Herr Tina t bekämpfte die politischen Hitzen, 
»da die politischen Parteien alter Richtungen nichts'-für 
den Mittelstand getan hätten nnd empfahl am 20. Jun'i 
'für die Liste der Wirtschaftlichen Vereinigung einzutreten. 
Herr Stadtverordneter Patzke ging in seinem Schlußwort 
aus die Ausführungen der Diskussionsredner kurz ein 
-und widerlegte ihre Ausführungen, er cinpfahl am 20. 
Juni für die Liste der Wirtschaftlichen Vereinigung ein 
zutreten. Durch ein Versehen war Frau-Körsch nicht-das 
Wort erteilt worden, daher mußte der Versammlungs 
leiter ihr noch-das Wort erteilen. Frau Korsch bekämpfte 
die Wirtschaftliche Liste, sowie das Verhalten der Dc- 
inokratcn und trat für die Liste der rechtsstehenden Par 
teien ein. — Mij einem kräftigen Appell au die Ver 
sammlungsteilnehmer am 20. Juni ihre Pflicht zu tun 
und für die Liste der Wirtschaftlichen Vereinigung mit 
allen Straftcn zu werben, schloß Herr Eggert die^Aer- 
- sammlnng. -A, 
o Der Deren: der Gasb- und Schankwirte hielt gestern 
die Monatsversammliing beim Kollegen Paul Klabe. Hand- 
jcrystraße 59-60. ab. Sie wurde vom Vorsitzende»,.--Herrn 
G und lach, mit einer Begrüßung der erschienener» 
Kollegen eröffnet. Der Schriftführer verlas hierauf die 
Niederschrift der letzten Sitzung, die genehinigt wurde. 
Unter „Geschäftliches" sprach sich die Versammlung gegen 
den vvn der Gemeindevertretung genehmigten alkohol 
freien Ausschank in der Schule Offenbacher Straße aus. 
Man sollte lieber 'diesen Ausschank einem Bedürftigen 
oder Kriegsbeschädigten übertragen, als dein Heizer,, der 
Schule. I», weiteren Verlauf der Versaminlung sprach 
Gemeiiideverordnc.'cr Herr L a n g c über die bevorstehende 
Stadtverordnctenwahl und trat für die wirtschaftlichst, Liste 
ein. Der Vorsitzende empfahl ebenfalls den Kollegen, für 
die wirtschaftliche Liste nach allen Kräften einzutreten, 
da nur durch den Zusammenschluß deS Mittelstandes die 
Lage der Gewerbetreibenden, besonders die der Gästwirte 
gebessert werden kann. Nachdem Kollege Stcruberg auch 
für die.Liste und rege Wahlbeteiligung gesprochen hatte, 
bewilligte,büc Versammlung für den Wahlfonds den Be 
trag von 100 M. Der Vorsitzende schloß darnach die Ver- 
saminliing und bat die Kollegen, sich ^an'der heutigen 
Versainniliing im Bürgersaale zu beteiligen. — Die nächste 
Vercinsvexsammlnng findet am 12. Juli beim Kollegen 
Kars Jaule, „Kaiser-Eiche", statt. K- 
v Das Vlüthrrer-Orchpfter konzertiert wieder in 
Schranuns Etablisseine.nt in Wilmersdorf nnd zipar wird 
diesmal ein Johann Strauß-Abend stattfinden. Die jeden 
Mittwoch stattfindenden Konzerte erfreuen sich ' größter 
Beliebtheit. S, 
o Als gefunden ist der Fundstelle im Rathaus ge 
meldet ein Portemonnaie, 1 Zigarettenetui, 1 kleine Decke. 
'Temtis-Oad/ridnen 
)( Öffentliche WöhlerversaininlAoaen zur Ttndtvcrordnc- 
tenwahl Yalten heute »b: D c u ts.ch c d e ui o k e a ti s ch e P a r- 
t c i: 8 Uhr tm Gymnasium (Maybachplatz) und im Hetiiiholtz- 
Ncal-Gymuasium (Rubensstraße); di- Deut s ch n a t'i o u a l e 
B o l k s p a r t e» um S Uhr im Bürgersaale de? Rathauses: 
der ZentrnmS-Veseiu (Christl. Dolkspariei) um LchUhr 
in der Chamisso-Schule iBarharossaplatz). 
)( Demokratische Lehrergruppr, Friedenau. Mittwoch, den 
16. Juni, 8.15 Uhr: „Wiesbadener Hof". 
)( Unabhängige Soziatdrinok-atische Partei. Am Mitt 
woch, den ,16. Juni, im Bürgersaale des Rathauses, ahendq
        
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