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Periodical volume Nr. 130, 13.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

lassenen „Bestimmungen über die Errichtung von Ein 
wohnerwehren" war die Einwohnerwehr unter anderem 
verpflichtet, die demokratisch-parlamentarische Regicrungö-^ 
form, sowie die Verfassung des Reichs und Preußens M 1 
schützen. Gegenüber dieser Verpflichtung hat sich, die Frip- , 
denauer Einwohnerwehr-, abgesehen von den ganz wenigen 
Ausnahmen, passiv verhalten Zein Teil der Mitglieder hat 
sogar in demonstrativer Form mit den Putschistischen Kapp-. 
Lüttwitztruppen sympathisiert. Diese Tatsachen geben An- , 
last genug, das Wirken der Einwohnerwehr während des 
Kapp-Lüttwitz-Putsches, insbesondere das ihrer Leitung 
zu mißbilligen. Die Hgstpng, die das Haupt der Ge 
meinde, Herr Bürgermeister Walgcr, in der Kappwoche 
gegenüber den von den Kapp-Lüttwitz-Truppen hervor 
gerufenen Ereignissen eingenommen hat, muß vom Stand 
punkt der demokratisch-parlamentarischen Regterungssorm, 
vom Standpunkt der Verfassung des Reichs und Preußens 
als unklar und zweideutig bezeichnet werden. Das 
gibt uns Anlaß, gegen Herrn Bürgermeister W algdr ein 
Mißtrauensvotum anszusprechen. Wir beantragen, 
das zu beschließen." 
^G.-B. Ko'nieczka '(Rechtshospitant) bedauert es, 
daß Herr Kamrowski, den man sonst gern höre (Wider-' 
spruch rechts) gegenüber den sachlichen Ausführungen des 
Berichts solche Ausführungen machte, daß die Gemüter 
wieder aufs neue erregt wurden. Um unfruchtbare Kritik 
zu treiben, wäre jetzt nicht die Zeit dazu. Er habe nur 
den einen Wunsch, daß Parlament und Verfassung zst 
schützen auch von den. Parteigenossen dös Herrn Kam 
rowski künftig besser befolgt werde als bisher, daß insbe 
sondere seine linksstehenden Genossen immer bereit sind, in 
erster Linie Parlament und Verfassung zu schützen. .Die 
Triebfeder der Einwohnerwehr war doch, das Leben der 
Einwohner zu schützen. Eigene Sachs des einzelnen Mit 
gliedes war cs dabei, ob es links oder wechts gesonnen war. 
Niemals war es Absicht der Wehr, Kapp zu schützen. Und 
wenn unbesonnene Elemente vorhanden waren, so habe 
das nichts mit der Wehr selbst zu tun. Er sei 
davon überzeugt, wenn die Arbeiterschaft die Eie weh re 
in Händen gehabt hätte, hätte sie anders geknallt, das 
habe man an den Vorgängen im Nuhrgebiet gesehen. 
Man mache nuir Schluß mit der Sache, denn man wolle 
keine Putsche- sondern man wolle aufbauen. 
G.-V. Dr. Anders (Dnat.) bemerkt, er hätte 
keinen Anlaß gehabt, das Wort zu nehmen/ nachdem 
der Bericht auf das gutmütige Mitwirken beider Seiten 
herausgebracht worden sei. ES wäre daher richtiger ge 
wesen, wenn sich Herr Kamrowski, der an dem Bericht 
auch mitgewirkt habe, sich auf diesen Boden gestellt hätte. 
Der Mann, der an der Spitze der Wehr gestanden habe, 
habe wie ein Mann gehandelt und die begangenen Feh« 
„ Igc auf sich genommen- Die' Angriffe, die Herr Kam 
rowski hier ausgesprochen habe, lassen erkennen, daß er 
von dem Bericht nicht befriedigt worden ist. Er habe 
aber viele Worte gebraucht, um nichts zu sagen. -Aus 
dem Bericht habe sich nicht ergeben, daß die Erregung 
gegen die Einwohnerwehr berechtigt gewesen wäre. Die 
Einwohnerwehr war unschuldig.an dem Blute, das ge 
flossen ist, so sehr er das selbst'auch bedaure. Es waren 
aber auch, wie ein Polizist aussagte, Teile vorhanden, 
die unrühmlich bekannt waren. Man fei froh,' daß es 
nicht schlimmer geworden ist; es hätte schlimmer werden 
können, wenn nicht mit Vorsicht auf Seiten der' Einwoh 
nerwehr gehandelt worden wäre. Er erwähnt, daß. nurt 
in den, Richtlinien für die Einwohnerwehr sich , die Be 
merkung (fand, daß sie zum Schutze der Verfassung da 
sei.- Die Wehr galt als politische Macht, dte weder rechts 
noch links zu schauen und nur gemeine Verbrechen 
verhindern hatte. Als die Ehrhardttruppen nach Ber 
lin Marschierten- teilte die Regierung mit, daß sie auf 
eiben bewaffneten Widerstand verzichte. So hätte auch 
die Einwohnerwehr nicht gegen gut disziplinierte Trup 
pen kämpfen können. Die Einwohnerwehr mußte es ab 
lehnen. gegen Kameraden zu kämpfen, mit denen ^ie im 
Felde zusammen gestanden .habe. Wenn die .Einwohner 
wehr' die Regierung schützen sollte, hätte sie hinter 
der,Regierung her laufen müssen. (Heiterkeit). 
Den. Thron der Regierung in Dresden und Stuttgart 
zu schützen, dazu hatte die Wehr keine Veranlassung. 
(Zuruf: Der Thron ist ja in Amerongen). Kinder haben 
auch .nicht . Flugblätter gegen Arbeiter, sondern gegen. 
Spartakisten verteilt. Zwischen Arbeitern und Spartakisten 
' habe er immer einen Unterschied gemacht (Zustimmung). 
Daß- die Leitung der Einwohnerwehr neutral bleiben 
wollte, gehe auch daraus hervor, daß sie das Flugblatt, 
das ihr übergeben wurde, nicht verteilen ließ. In den 
Offizieren- mußte auch der Mensch geschützt werden. So 
wie man den armen Sicherhcitssoldaten so arg zurich-u 
tete,(daß er noch im Lazarett liege. Pflicht eir.vs jeden 
fei es, den Einzelnen vor einer Masse zu schützen. Er 
denke -nicht daran, die vorgelegte Entschließung zu unter 
schreiben. Gewiß seien die Mitglieder der Einwohnerwehr 
nicht, alle Engel. Aber sie alle haben es nicht an Treue 
und Pflicht fehlen lassen und so bitte er, der Einwoh 
nerwehr den Dank auszusprechen. (Bravo rechts). 
G.-V. Paul Richter (Unabh.) erklärt, der umfang 
reiche Bericht bestätigt die Stellungnahme seiner Partei 
in der grundsätzlichen Ablehnung der angeblich unpoli 
tischen, in Wirklichkeit aber politischen Einrichtung der Ein 
wohnerwehr. Die Erregung wäre nicht verursacht worden, 
das Blut nicht- geflossen, wenn hier keine Einwohnerwehr 
bestanden hätte. Das Militär wäre dann nicht hierher 
gekommen. Formell wolle er die BerechtigilKg des Alarms 
gern zugeben. Er müsse, aber die Niedrigkeit eines Noske 
und Heine brandmarken, die solche Einrichtungen schufen, 
die solche Vorkommnisse wie hier im Gefolge haben mußten. 
Die Praxis habe der Meinung seiner Partei recht gegeben. 
Der Herr Bürgermeister habe anch schwer gefehlt, daß er 
die Einwilligung zur Alarmierung der Wehr gab, ohne 
die, Gerüchte nachgeprüft zu haben. Er hätte solchen un 
glaubwürdigen Gerüchten erst nachgehen und' sie nach- 
S it■■ müssen. Er habe hier gegen die Interessen der 
erschast schwer gefehlt und er sei beauftragt, dem 
Bürgermeister bas schärfste Mißtrauen anszüsprechen. Die 
Aüttawne liege auf der Hand, daß im Zusammenhange mit 
dem Telephongespräch des Bürgermeisters die Truppen 
kamen. Der Führer der Einwohnerwehr hätte den Führer 
der Truppe dazu bestimmen müssen, daß kein Schuß ab 
gegeben werden darf. Es lag zu dem Schießen keine Ver 
anlassung vor. Daß hier Leute von auswärts zugegen 
waren, habe sich in nicht einem Falle nachweisen lassen. 
Alle Toten und Verwundeten waren Steglitzer oder Fric- 
denauer. Es wurde gesagt, wenn die Arbeiter Gewehre 
gehabt hätten, hätten sie weit mehr geknallt. Er habe 
schon einmal darauf hingewiesen, daß am 9. November 
keinem Bürger, keinem Anhänger des alten Systems ein 
'Haar gekümckt worden ist. Infolgedessen seien alle diese 
Folgerungen hinfällig. Er sei Überzeugt, daß ein großer 
Teil der Einwohnerwehr niemals daran gedacht habe,, 
.die Müssen gegen ihre Mitbürger zu ergreifen. Man wisse 
'aber, auf welchem Standpunkt die Zentrale der Einwohner-' 
'wehren gestanden habe. Die Erregung war darnach voll 
ständig berechtigt und durch das Auftreten der Wehr mußte 
die Meinung aufkommen, daß sie zu Kapp stünde.. Er 
komme dazu, zu sagen, daß er die Alarmierung der Wehr 
auf das Schärfste mißbillige. Die Einwohnerwehr habe 
es nicht verhindert, daß Blut floß;, das müsse er dein 
'Führer der Wehr zum Vorwurf machen. Daö höchste Gut, 
das zu schützen sei, sei das Leben der Einwohner. Wenn 
man nach seinen Grundsätzen gehandelt hätte, wäre uns 
das alles erspart geblieben. 
G.-V. Leon Hardt (Dem.) wendet sich zunächst gegen' 
die. Ansicht, daß Herr Kamrowski das Wort nicht hätte er 
greifen sollen. Es wäre s.,Zt. ausdrücklich gesagt worden, 
daß . sämtliche Fraktionen nach den Feststellungen ihre 
Meinungen und ihr Urteil ausdrücken sollten. Insofern 
war es also berechtigt, daß Herr Kamrowski das Wort 
nährn und man dürfe ihm hierüber keinen Vorwurf machen. 
Er habe den Auftrag, anzuerkennen, was die Einwohner- 
wehe 'vor der Kapp-Wöche für die Bürgerschaft, geleistet 
habe. Seine Fraktion habe immer hie Einwohnerwehr 
unterstützt und auf ihre Anregung sti ja auch s. Zt. der 
Einwohnerwehrauhschuß eingesetzt worden. Die Mitglieder 
der Einwohnerwehr haben neben ihrer schweren Berufs 
tätigkeit sich namentlich des Nachts in den Dienst der 
Bevölkerung gestellt. Das Interesse für die Wehr wäre 
sicherlich noch in, demselben Maße wie vorher, vorhanden, 
wenn die unglückliche Kappwoche nicht hie Einwohnerwehr 
in, dem politischen und Militärischen Strudel gestürzt, hätte. 
Als.die Marrnebrigäde Ehrhardt in Berlin einmarschierte, 
würde alles Militär in der Kaserne zurückgehalten, weil 
man die Berliner Bevölkerung nicht einem. zweifelhaften 
Nachtkampfe ausliefern wollte. Aus dieser Tatsache her 
aus, die der Arbeiterschaft tuib anderen.,bekannt, war, 
hielten große Frile der Bevölkerung das Militär, das sich 
in den Straßen, zeigte, als zur Käppregierupg gehörig. 
Wenn auch, keine Baltikumsormation in Berlin stand, so 
ivaren doch viele Angehörige dieser Truppe der Ehrhards- 
truppc zugeströmt. Wenn, man die Motive anerkenne, 
die zum Generalstreik geführt haben, werde man auch>.ver- 
stehen, daß. wilde Gefährte angehalten wurden, um sie 
an der Aüöfühiung ihrer Absicht, dem Generalstreik ent 
gegenzuwirken. Zu hindern. Die Einwohnerwehren waren 
nach den Verfügungen zur Unterstützung der Polizei ge 
gründet. ES sollte eine Verständigung zwischen beiden 
herbeigeführt werden. Die Wehr sollte also..dieselben 
Funktionen ausüben wie die Polizei. Er unterscheidet 
dann zwischen der.Stellungnahme der Wehr zur. allge 
meinen und zur' Parteipolitik. Gegen die Stellung der 
' einzelnen Mitglieder. zur Pgrteipolitih habe keine Ani 
mosität bestanden. Aber/zur allgemeinen Politik habe 
die Wehr einen bestiinmten Standpunkt eingenommen.. 
Er ivar 'selbst in der Sitzung zugegen, als hie Entgleisung 
'nach rechts stattfand und es fehlte,-damals nur noch das 
kKaiserhoch. ' (Zurufe.) 'Das gab manchem, der auf 
' einem anderen Boden stand, Anlaß, sich von der Wehr zu 
! entfernen. In einer Adresse, die man an Noske schickte, 
?wurde ein Sah, daß.man zur Republik stehe-, gestrichen. 
^Er könne eine reaktionäre Gesinnung niemandem Übel, 
(nehmen (Lachen). Er stehe auf dem Standpunkt, daß 
s jeder seine Meinung, die er, zu vertreten glaube, auch ver- 
' treten solle. Dem Antrage, der Wehr ein-gutes Zeugnis' 
- auszustellen, könne er nicht zustimmen. Er stehe auf dem 
'Standpunkt, daß die Leitung in der entscheidenden StunM 
versagt, habe. Dabei gebe er zu, daß es sehr leicht sei, 
:jetzt zu kritisieren. Aber dazu sei man da und man müsse 
-sich ja auch selbst Kritik gefallen lassen. ""Er wendet. sich 
' gegen, das Wasfeiidepot. das für die Zentrale gehalten, 
'wurde uicd'das nicht hierher ins Rathaus gehörte. Es 
üvar denn auch die, Hauptanstrengung des Hauptmanns 
Hebe, das Waffendepot los zu werden. "Weiter kritisiert: 
er die Tatarennachrichten, an denen auch der Hauptmann 
Hebe seinen Anteil hatte. Es konnte niemand.: Unglück 
licheres als diesen Herrn geben, dem, manches zuzuschreiben 
sei, was sich zugetragen habe. Bezüglich' der Wasfenab- 
<gabe sei' die Einwohnerwehr glatt belogen wordeist Die 
Tätigkeit des Herrn Bürgermeisters müsse t er mit. einem 
nassen und einem trockenen Auge betrachten. In seinem 
kleinen Reich habe der Herr Bürgermeister das Schiff durch 
alle. Stürme hindurchzusegeln versucht, aber er habe sich 
dabei zu sehr von Nachrichten beeinflussen, lassen. Er ver 
stehe, daß es schwer war, zu'unterscheiden, wgs richtig' 
und was falsch war- aber er hätte schon am Sonntag, 
MoUtag oder Dienstag die Fraktionsführer zusaMmenrusen 
sollen, (?lha) und wenn, er das nicht wollte, so bestand ja 
tauch noch der Einwohnerausschuß. Wenn er das getan 
hätte, sei. er der Meinung- wäre.manches nicht -geschehen. 
Viel angegriffen wurden die demokratischen Mitglieder, 
tatsächlich habe aber im Ausschuß einer nach dem anderen 
nur erklären können, das habe er gehört. Tatsächliches 
konnte keiner feststellen. 'Auch die Aeußerungen, die Herr 
LüderS getan hatte, mußten, pon dem Standpunkte aus 
betrachtet werden, von dem (aus. sie erfolgt waren. Man 
hätte dann nichts gegen ihn gesagt. Wenn Herr. Luders 
z. B. aufs -Schärfste dagegen, auftrat, als ein Oberst 
leutnant zu Herrn Polizeikommissar, Jacobi angesichts der 
angesammelten Menge sagte, da müßte man hin ei n- 
funken, so wird man das verstehen. Er spricht weiter 
über die drei Forderungen der Demokraten und erklärt, 
daß die Forderung auf Ablegung der Offiziersachselstücke 
aus dein Grunde gestellt, wurde, weil mpn.die Offiziere 
mit denen dxr Wartburgkompagnie in Verbindung brachte, 
gegen die starke. Gegnerschaft(bestand.. Er: erkennt an, daß 
viele Mitglieder der Einwohnerwehr ihre Pflicht vor und 
während der Kappwoche, getan hätten, daß ein Teil zwar 
stark nach, rechts hinüberging und dem auch Ausdruck, gab, 
daß aber im Allgemeinen die Wehr unpolitisch war und 
die Leitung dies bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck 
brachte. Der Leiter der Wehr habe auch versucht, die 
Interessen her Bevölkerung zu schützen.. Andererseits wurde 
zu v'cel auf allerhand Gerüchte und Redensarten gehört. 
Einer Mißtrauensentschließung- gegen die Wehr und gegen 
den Bürgermeister könne er nicht zustimmen; aber auch 
dem Antrage des G.-V. Dr. Anders nicht. Er möchte 
bitten, sich einmütig auf den Boden des Berichts zu stellen, 
der manche Tatsache ergeben habe uyd seinein Antrage, 
von dem er zwar zugeben müsse, daß er nicht Fisch und 
nicht Fleisch sei (Heiterkeit) zuzustimmen. Der Antrag 
lautet: . > 
„Die Gemeindevertretung nimmt von den: Jichalt des 
von dem Einwohnerwehr-Ausschuß erstatteten Berichts 
Kenntnis und macht sichin aNem'MWW-NWiW«r 
.zogenen Folgerungen zu eigen." . " 
G.-V. Maulbecker (Soz.) spricht zunächst über die 
Störung der Sitzung und Mein', daß der Herr 'Bürger-, 
meister nicht rechtzeitig eingegriffen habe. Er fragt oatin. 
vb es nicht möglich sei, die Waffen, die sich noch bei Ein 
wohnerwehrmitgliedern befänden, diesen abzunehmen. 
G.-V,- Frau Laskus (D. Vp.) erklärt,-sie wolle als 
Frau'Zen Männern danken, die in der nnruhevollen Zeit 
Frauen und Kinder zu schützen bereit waren. Die Frauen 
wissen, welche Opfer diese gebracht haben, sie danken der 
Einwohnerwehr. 
G.-B. Kamrowski (Soz.) wendet sich den Aus 
führungen des G.-V. Dr. Anders zu, verwechselt dabei 
aber offenbar Ausführungen, die der G.-V. Konieczka 
gemacht hatte, indem.'er den Schutz der Demokratie und 
der Versassung/hervorhebt, den Dr. Anders auch in Zu 
kunft von den Sozialdemokraten verlangt haben sollte. 
Er meint, die Wahlen haben bewiesen, daß die Stimmung 
immer radiürler geworden sei (Zuruf G.-V. Leonhardt: 
Lügenwahl). Man lpcrdc da noch manches erleben, er 
bitte aber, daß die von der Rechten dann auch die Folgen 
davon tragen. 
G.-V. Dr. Schul tz (Dnat.) bemerkt zu den Axnße-. 
rungen des G.-V. Paul Richter, daß am 0. November 
das Bürgertum so glimpflich davon gekommen sei. es sei 
seit dem 9. November genug Blut geflossen und Blut sei 
ein besonderer Saft. Es komme dabei nicht ans die Menge 
an. .r Er. führt.die verschiedenen früheren Umwälzungen! 
an, stimmt Herrn Leonhardt zu, daß die Einwohnerwehr 
mit den polizeilichen Funktionen zu wenig vertrant war 
und bemerkt gegenüber der Aeußerung des G.-V- Kam 
rowski von den meuternden Offizieren- daß ja auch 
Scheidemann s. Zt. seinen Eid nicht gehalten habe (Zuruf 
G--V. Leonhardt: Das stimmt nicht). 
G -V. Dr. Anders (Dnat.) wendet sich dagegen, 
daß G-V. Kamrowski- ihm Dinge unterschiebe, die er 
nicht gesagt habe. Er bringt dann folgenden Antrag im 
Auftrage des Rechtsblock ein: 
:-,Dic G--B- erkennt an, daß die E.-W. — Leitung 
wie Mitglieder — redlich bemüht gewesen ist, ihrer Ans-;, 
gäbe gerecht zu werden, soweit es die schweren Umstände 
überhaupt zuließen,-und spricht ihr den Dank dafür auS." 
Bürgermeister Walger antwortet zunächst auf die 
Frage des G.-B. Maulüecker, daß er es ablehnen müsse, 
die Waffen einzuziehen, weil er dazu nicht berechtigt 
sei. Nach einer ausdrücklichen Verfügung des Ministers 
sollen auch diejenigen Cinwohiierwehrmitglicder.^die noch 
im Besitz von Waffen sind, diese behalten. Sein Ver 
halten und das der Einwohnerwehr müsse man aus den 
Zeitläuften heraus betrachten ,so wie sich jeder Geschichls- 
. schreiber in die Zeitläufte.hinein zu denken versucht. Die 
aufgeregte Zeit hat- eine Menge Tartarcnnachrichten her 
vorgebracht, die nicht auf Wahrheit nachzuprüfen waren. 
Als er gefragt wurde, ob alarmiert werden soll-, habe 
er nicht. widersprochen. Obwohl er. einen Einfluß auf 
die- Alarmierung Nicht hatte, glaube er aber doch, daß 
man- ihn gehört hätte. Für ihn galt, bereit zu sein, 
als-zu spät zu'kommen. Als Leiter der Gemeinde hatte? 
er für das-Gut'der Einwohner einzustehen. Dem, daß 
- er so schwer gefehlt habe, müsse er wioersvrcchen. Er habe 
die Ueberzeugung gehabt, daß derjenige,(der unter Waffen 
tritt, dies..zum. Schutze der Bürger tut. Er habe bezgs. 
.der Offiziere erklärt, daß wenn sie bis -zur Dunkelheit 
nicht hesrc.it wären,-er wohl die Einwohnerwehr einsetzen 
-müsse. Daß seine Haltung da unklar-lind MWentig 
'gewesen wäre, könne er nicht anerkennen. Selbst,(wenn 
es Kapp-Ofsiziere gewesen wären, hätte er sie seiner Mei 
nung nach schützen müssen. Man lasse auch ein Zuchthaus, 
-.nicht abbrennen, ohne die Menschen zu schützen, die da 
rinnen sind, obgleich sie Verbrecher sind. Wie Herr Rich 
tet sehr richtig sagte, inüsse man das höchste Gut, das, 
Menschenleben, schützeu. 
Es wird nun über die Anträge abgestimmt. Für 
den Antrag der Sozialdemokraten stimmen nur diese unds 
die Unabhängigen. Er ist abgelehnt. 
Für den. Antrag Leonhardt stimmen nur die De- 
mokraten. Auch er ist abgelehnt. 
Dem Antrag Dr. Anders stimmt die gesamt- Rechte 
und Bürgermeister Walger zu. Er ist mit 25 Stimmen 
angenommen. 
Nach dieser fast 3 stündigcn Aussprache wird nun 
die Beratung der Tagesordnung fortgesetzt, nachdem der 
größte Teil der Zuhörer sich entfernt hat. / - 
Sct5MA«A - für gmätaaa laa «äs. 
(Nachdr, unsrer o-Origmalartikel nur mit Quellenangabe Mattet.)« 
' ' o Brot aus „Fokd". In der nächsten Woche gibt cS 
Brot aus die Abschnitte der Brotkarte mit dem Söich- 
tvort „Feld". Auf diese Brotkarte darf aber erst vom 
Monlyg ab. Brot.-entnommen und abgegeben' werden. 
o Der Uebcrgang zur Einhcitsgcmcinde. Unter 
dem . Vorsitz dcs Lberbürgenueisters- Wermuth fand gmtern 
Vormittag im Berliner Ralbause eine Zusammenkunß der 
Bürgermeister und sonstigen führenden Peisönlichke.tejf aller 
Groß-Berliner Gemeinden statt. Es handelte sich, mst wir 
erfahren, unr eine erste allgemeine Aussprache, die: einen 
Ueberblick über die zur Durchführung des Gesetzes'Groß- 
Bei lin erforderlichen Verwaltungsmaßnahmeil. geben Zollte. 
Vsstimuite Beschlüsse konnten' natürlich; noch nicht 'gefaßt 
werden; die Besprechungen sollen bis zur Wahl des neuen 
Magistrats von Zeit zu Zeit wiederholt werden. 
o Eruenuttng. D-r geheime expedierende Sekretär 
und Kalkulator im Jüstizmitnst^rmui, Nechnuugsrat Brat 
huhn. Friedenau, Slubenrauchstr. 55 ist zum Justizrat. 
und HilfSrefereuten im Justizministerium ernannt worden. 
o Der Bürgerbund Berlin-Friedenau hatte, seine 
Mitglieder zu einer Versammlutig ain J U G., 8 Uhr abends, 
in das Gemeindehaus eii>ae!ade»..s Der' Vorsitzende, Herr 
Profeflor Dr. Rathgen berkhitts ciuleitcndüber die Tätigkeit 
des BürgerrateS im abgelaufenen Jahr;e und teilte mit. daß 
der Jahresbeitrag für das Geschäflsjahr ab 1. l0. 20 vom 
Groß-Berlmcr Bürgerrat auf l0.— M. erhöht morden sei. 
Dafür wird aber auch jedem Mitglied die Zeitung „Der Bund" 
fr.i geliefert. — Sodann wurde einstimmig beschlossen, von 
dem vorhandenen Vermögen des Fciedenauer V. R. 30tz0M^ 
der Gemeinde zur Verteilung an bedürftige KriegShinrer-- 
bliebene und Kriegsbeschädigte, 1500 M. der evangelischen 
Kirchengemeinde Friedenau für den GockcnfondS zu ÜberweistM 
Mit Rücksicht auf die am 1. 10. 1920 stattfindende ÄN»: 
gemeindung Friedenaus nach Schöncüerg wurde ferner rin»
        
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