Path:
Periodical volume Nr. 130, 13.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
ISnatffif U 2.80 “ffllarf;" du^ch Bot-n WatteiWe Zeltvng fBc Bln.'Fkielrenllu llllö 
Haus gebracht 3.- Mark. Srskheiut täglich abends. 
Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. — Druck und Verlag von Leo Schultz, 
(Friede« aner -umm Zeit«» g) 
Anzeigen 
— - - — mir für unbestimmte Tage — 
6cn gtieötmet Sttiteil trnn 6Mneto 8 . 
©CfcfjQftsftcHC t Bpeiullr. 19* 4.— Mark. Belegnummer 20 Pfg. 
Berlin-Friedenau, Rheinstraße 1ü. — Fernsprecher: Amt Pfalzbnrg 2129. 
Rr. 130 
Betliu-Fnedeuim, Sanntaa, den 13. Sun! 1920 
Saht». 27 
neueste Dach richten 
Berlin. Die Unabhängigen haben in ihrer Ant 
wort auf eine Anfrage des Reichskanzlers Müller jede 
Beteiligung an der Regierungsbildung abgelehnt. In 
der Erwiderung heißt es: Ergibt sich aus der Entwick 
lung der Revolution die Notwendigkeit einer sozialistischen 
Regierung, so kommt für die U. S. P. D. als Uebergang 
nur eine rein sozialistische Regierung; in Betracht, in der 
sic die Mehrheit hat, den bestimmenden Einfluh aus- 
übt, und in der ihr Programm die Grmrdlage der Po 
litik bildet. - - 
Berlin. Die Einberufung des vorläufigen Reichs- 
wirtschaftsrates ist, wie wir hören, zum 30. Juni be 
schlossen. Die Vollsitzungen finden im Herrenhause statt. 
Berlin. Wie vom Reichskohlenkommissar mitgeteilt 
wird, ist der Streik auf den Kohlengruben des Elektri 
zitätswerkes in Golpa bereits in den gestrigen Abend 
stunden beigelegt worden. 
R o m. G i o l i t t i ist vom König mit der Bildung 
bcS Kabinetts beauftragt worden. 
Paris. In. gut unterrichteten Kreisen wird er 
klärt, die Botschafterkonferenz habe den König von Belgien 
ersucht, als Schiedsrichter zwischen der Tschechoslowakei und 
Polen in der Teschener Frage aufzutreten. Eine Antwort 
des Königs sei noch nicht eingegangen. 
Sitzung der Gemeindevertretung 
I vom Donnerstag, den 10. Juni 1920. 
Fortsetzung des Berichts des Untersuchungsausschusses. 
Leider hat die Leitung der Wehr auch ihrerseits die nicht 
berechtigte Beschuldigung im eigenen Kreise wcitergegelsm.. 
Schröder stützte sich.dabei auf das, was ihm erzählt worden ist, 
sagte aber jetzt selbst, er sei ohne Zweifel, vielfach falsch unter 
richtet worden. 
- Folgt man dem Lause der Ereignisse nach dem unglück 
lichen Montag, so ergibt sich, daß am Dienstag noch einige 
Patrouillen der Wehr ausgeschickt wurden, auch wurde der Lautcr- 
platz auf Befehl Schröders vom Publikum gesäubert, weil zu 
viele Personen am Drahtverhau standen. 
Am selben Tage wurde es auch zur allgemeinen Gewißheit, 
daß die verfassungsmäßige Regierung amtiere. Dieser Um 
stands veranlaßte ein Mitglied zum Austritt, denn eS hielt 
die Stellung der Wehr zum Militär für bedenklich. 
'Am Vormittag dieses Tages war eine Abordnung der de 
mokratischen Parte» beim Bürgermeister und brachte die bereits er 
wähnten Forderungen: 
Beseitigung des Drahtverhaues, 
Beseitigung deS PatrouillentageSvcrkehrS der E. W., 
Ablegen der OffizierSabzeichen 
vor, ferner das Verlangen nach einem Beruhigungsanschlag^ 
Letzterer ist alsbald erschienen. Auch an diesem Tage wurde 
am Rathckus eine Festnahme durch die Wehr in einer unzweck 
mäßigen Weise bewirkt. Ob die Festnahme berechtigt war, 
kann zweifelhaft erscheinen, da eine Zuführung an die Polizei 
nicht stattfand. 
Der Bürgermeister war auf die von ihm nicht nachgeprüfte 
Nachricht von der Einschließung der Offizierspatrouille — 
sie erwies sich nachträglich als unrichtig — der Meinung, daß 
ein Einsetzen der Einwohnerwehr mißlich sei, da es zum Bür 
gerkrieg führen müsse. Er wandte sich daher gegen Mittag an 
den Landrat, als der ihm als Amtsvorsteher vorgesetzten Be 
hörde, stellte ihm den Sachverhalt dar und stellte anheim',s 
Maßnahmen zur Erhaltung der Sicherheit zu treffen. Dabei war 
er der Meinung, daß, falls bis zum Abend die eingeschlossene 
Offizierskompagnie nicht befreit sei, die Einwohnerwehr ein 
gesetzt werden müsse. 
Der Landrat hat auf Befragen des Ausschusses hierzu mitge 
teilt, daß auf den telephonischen Anruf des Bürgermeisters 
Walger lediglich die Lejwng der Ordnungspolize» Berlin seiner 
seits telephonisch um entsprechende Schutzmaßnahmen gebeten 
worden sei. 
Der Ausschuß hat sich auch bemüht, festzustellen, a»ts welchem 
Grunde und auf welche Veranlassung die Kompagnie Killinger 
der Marinebrigade Ehrhardt am Montag nachmittag nach Frie 
denau und Steglitz gekommen ist. Hierzu teilt das Wehrkreis- 
Kommando III schriftlich mit: ' 
„Am 14. 3., früh, wurde dem Wehrkreis-Kommando 
gemeldet, daß sich .große Menschenansammlungen an der 
Schloßstraße bilden, welche eine bedrohliche Haltung ein 
nehmen. Daraufhin wurde vom Wehrkreis-Kommando am 
14. 3. ein Bataillon und am 15. 3.' ein zweites Bataillon 
der 2. Marinebrigade zur Aufrechterhaltung' der Ruhe 
und Ordnung nach dorthin beordert. 
Ans einem Ferngespräch der Polizei-Verwaltung Friedenau 
mit der Orduungspotizei beim Polrzeipräsidium Berlin geht her 
vor, daß eine Friedcnauer Stelle an die Ordnungspartei (Pv- 
lizeivr.ijidium Berlin) durch Fernsprecher die Mitteilung bat 
gelängen lassen, der Verantwortliche Leiter der Friedn,auer 
Polizei tvollc sein Amt niederlegen, wenn nicht Militär herge 
schaut werde. Als Anrufer wurde der Leiter der Friedenaum. 
Polizci bezeichnet. Der Polizeikommissar erklärt, überhaupt 
nicht mit der OrdnungSpolijei (Pglizeipräsidium Berlin) von 
sich aus gesprochen zu haben. Der Bürgermeister erklärt, zwar 
niit der Ordnungspolizei auf Veranlassung deS Landratöamtcs 
gesvrochen z,c haben, er habe aber die fragliche Aeußerung nicht 
getan. Er habe lediglich von einer ihm gerüchtweise z,» Ohren 
gekommenen Absiebt, hierher Einquartierung zu legen, am Diens 
tag beim LandratSamt und darauf auf dessen Veranlassung 
bei der Ordnungspvlizei angerufen. 
Was den Ueberbringer der Nachricht von der^ angeblichen 
Einquartierung betrifft, so war nach Aussage deS Bürgermeisters 
er lein Mitglied der E. W. Die Persönlichkeit sei ihm von 
früher her als durchaus zuverlässig bekannt gewesen: doch lehnt 
der Bürgermeister eS ab, den Namen zu nennen. 
Weit» Kreise der Bevölkerung hielten das Erscheinen von 
Truppen für unerwünscht. Auch der Polizeikvmmtssar teilte 
lautvjtin« 'Aussage diese Meinung. Die Erregung stieg, wei,' 
am DsenStag spät abends eine Maschinengewehr-abteilung des 
KjegimentS Elisabeth eintraf, die a»n Lauterplatz hielt und die 
Maschinengewehre von den Wagen nahm. Dabei ging ein Ma 
schinengewehr los, und ein Passant kam dadurch ums Leben. 
Die E. W. ist an diesem Vorgänge nicht beteiligt; die Truppe 
hat dann die Post besetzt, sich dabei laut Aussage der Post 
wache wie in Feindesland benommen und ist bei Tageögrauen 
wieder verschwunden. 
Am Mittwoch war Schröder nicht im Dienst: die Tages 
patrouillen waren eingestellt: der Beruhigungs-Ausruf erschien; 
die Osfiziere hatten die Achselstücke abgelegt, der Draht war 
noch vorhanden. Die Wehr wünschte selbst, das Vertrauen 'des 
Publikums wieder zu gewinnen; 'sie hielt einer« "Ausruf für 
zweckmäßig, den alle Fraktionen oder Parteien unterschreiben soll 
ten. Bgm. Walger hatte einen solchen Aufruf ausgearbeitet, konnte 
aber nicht alle Unterschriften erlangen, da die sozialistischen Par 
teien glaubten, den Ausruf nach dem Vorangegangenen nicht 
decken zu können. Die Demokraten hielten den Ausruf ohne 
Unterschriften der Sozialdemokraten für zwecklos und zogen 
ihre bedingte Unterschrift zurück, (Zurufe.) 
Die ordentliche Sitzung der G. B. am Donnerstag, für 
die ein Antrag der Demokraten aus Errichtung eines Unter 
suchungsausschusses vorlag, wurde von B. M. Walger, der 
Lichtschwierigkeiten fürchtete, abgesagt. 
DaS veranlaßte am Donnerstag die Demokraten und Mehr- 
heitösozialisten, eine außerordentliche Sitzung zu beantragen. 
Bis zu deren Abhaltung machte die Legendenbildung reißende 
Fortschritte, zumal der bekannte bedauerliche Vorfall im Schö 
neberger Rathaus eingetreten war. Die allgemeine Nervosität 
wuchs durch die am Donnerstag häufigen Truppcndurchzüge. 
Wirtschastllche Seteinigmia Ftiedemo. 
«e WtllA MIDerfaiimilQng 
Montag, den 14. Sans, abend» 8 Ugr 
im mrgersaal des Rathauses. 
M A. Petzold 
SflUlBini RHatzle, AMMM 
spi echen über 
Parteivolllik oft» WirlschalüPolitik 
in int Kommiivalvrrwalillng. 
Jtattll’nl*, -airvwttkrr, Se«erbttre>vri>ve 
IB®r »»scheint ln Mögen ~gsa I 
Freie Aussprache. | 
Die Beteiligung der Wehrmitglieder seit Dienstag war stark 
zurückgegangen. Die «inen zogen sich aus politischen Gründen 
zurück; andere wollten nicht lediglich zuM Schutze des Rat 
hauses und des Depots der Zentrale Dienst tun; andere waren 
übermüdet; viele hatten nicht Lust, der Bevölkerung noch zu 
dienen, da diese der Wehr nicht gut gesinnt war. Die Bewachung 
des Depots wurde von der Wehr als schwere Belastung 
empfunden. i 
Das Abbröckeln der Wehr legte Bürgermeister Walger die 
Sorge nahe, welcher militärische ' Schutz für den Ort 
geboten sei, sallS die Einwohnerwehr nicht mehr imstande wäre, 
den Schutz auszuüben. Er erkundigte sich am Freitag nach 
mittag in Wilmersdorf bei der zuständigen Truppe, die ihm 
sagte, sic würde — wenn etwas vorkommt — eingreifen. Schröder 
schickte Freitag zwei Wchrmitglieder zum Wehrkreiskommando 
III und zur Zentrale, um das Waffendepot der Zentrale ab 
holen zu lassen. 
Nach Mitteilungen deS Majors Janssen, des Leiters der 
Einwohner-Zentrale, hatte diese seit Donnerstag die Parole 
deS Kampfes aller gegen den Bolschewismus ausgegeben. Der 
Major Janssen und die beiden Abgesandten der Einwohnerwehr 
erwogen, die Basis der Wehr durch Masseneintritt von Demo 
kraten und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zu erweitern 
und gingen zn Dritt ins Friedcnauer Rathaus, wo gerade bei 
Bürgermeister Walger eine Sitzung der Fraktionsführer, tagte. 
Hier erschienen drei Herren, die sich als die Vertreter der 
„organisierten Arbeiterschaft" bezeichneten. Sie verlangten 
Abgabe der Waffen der Einwohnerwehr an die Arbeiterschaft 
ui«h später den gemeinschaftlichen Verschluß durch Bürgermeister 
u. Arbeiter, was Walger beides ablehnte (Zurufe). ES wurde dann 
vcrliaudelt über den Eintritt von Arbeitern in. die Einwohner 
wehr. Diese Verhandlungen am Freitag Abend über den Ein 
tritt organisierter Arbeiter in die Einwohnerwehr und ihre 
Mithilfe bei der Erhaltung von Ruhe und Ordnung wurde nickt 
beendet, sondern auf Sonnabend abend 6 Uhr verschoben. ES 
gingen noch verschiedene Tartarennachrichten ein. 
In die Verhandlung - platzte Hauptmann Hcpe auS dem 
Einwohnerwchrbüro herein mit der Meldung, daß 700 be 
waffnete Arbeiter die Joachimsthalcrstraße herunter nach Frie 
denau zögen und andere 1000 Mann am Rhcineck bewaffnet 
würden. (Zuruf.) Seine Meldungen waren auf ihre Richtigkeit 
con ihm nicht geprüft worden. Die erste Meldung stammt von 
einem Manne, der sie atemlos zur Polizei gebracht hat. Die 
Po.ize» bezeichnete diese Nachricht als „ersichtlich unglaubwürdig" 
und legte ihr fein. Gewicht bei. 
Hptm. Hepe ging über Schröder, der später die Unrichtigkeit 
der Meldungen persönlich auf einem Ründgang fcststeUte, hinweg 
und gab Befehle aus, die eine bemerkenswerte Erregung und 
tci.weife Empörung bei der Wehr auslöste. Er sagte z. B.: 
„Wer ohne meinen Befehl schießt, den schieße ich nieder!" und 
verbot, auf die Arbeiter zu schießen, solange sie nicht schießen. 
Schröder sagt dazu, daß Hepe den Befehl an sich riß, und er 
(Schröder) hätte damals insofern falsch gehandelt, als er Hcpe 
nicht sofort verhaften ließ. Er zog sich vom.Führerposten zurück 
und ließ Hepe gewähren, weil dieser ihn auf Verhqndlungen in 
der Fraktionsführersitzung verwies, die Schröder nicht kannte. 
Die Verhandlungen mit der Marinebrigade wegen der Waffen- 
abgäbe hat Hauptmann Hcpe völlig selbständig eingeleitet und 
geführt. Er hat dem Ausschuß nur unzureichende Aufklärungen 
erteilt. Es ist erwiesen, daß HepeS Handlungsweise großen 
Unmut bei der Wehr hervorrief, — daß er sich darüber klar war, 
ist festgestellt, denn er hat wiederholt Stillschweigen über die 
Vechandlunqen verlangt, die der Waffenabnahme vorangingen. 
Keine Partei — auch nicht die damit in Verbindung ge 
brachte demokratische -* hat mit der WaffenaSgaöe etwas zu 
tun. Der Beseht zur Abgabe ist vom Führer des Abnahme- 
koniinandos dem Bürgermeister Walger- übergebe» worbe». 
Er ist erlassen von von Seeckt und bezicht sich nur auj 
die Depotwaffen. Doch hat Hauptmann Hepe den Befehl wieder 
gegen Schröders Willen und Einspruch aus alle Waffen bezogen 
unö die Abgabe bei den Mitgliedern angeordnet. Es sind noch 
zahlreiche Mitglieder im Besitz von Waffen, da sie der Abgabc» 
besehl nicht erreichte, oder weil sie sich zur Abgabe nicht ver 
pflichtet suhlten. (Zuruf.) . 
Die Bekanntmachungen über den Rücktritt (nicht Auf 
lösung? der Wehr dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. 
Schöffe Evers bemerkt, daß der Bericht 250 Schreib- 
maschinenzcilen ausmacht. 
Es folgt nun die 
Llussprcvche Mer de« Bericht. 
G.-D. Kamrowski (Soz.) führt zu dem Bericht an, 
daß der Kapp-Putsch viel Menschenleben auf dem Gewissen 
und viel wirtschaftliche Schäden hervorgerufen habe. Leider 
werden dadurch die Opfer nicht gut gemacht und die Schä 
den nicht beseitigt. Wenn man aber die Dinge betrachtet, 
wie sie wirklich gelegen haben, dann müsse man feststellen, 
daß die Einwohnerwehr zum Schutze der verfassungs 
mäßigen Regierung -errichtet worden ist und zum Schütze 
der demokratischen Regierungsform eingesetzt ivar (Lachen 
bei den Zuhörern). Diejenigen, die da höhnisch lächeln, 
beweisen damit, daß sie verteufelt wenig von der Sache 
verstehen, namentlich die jugendlichen Gesichter, die das 
zum Ausdruck bringen. Es sei nicht seine Absicht, die 
Tätigkeit der Einwohnerwehr in Grund und Boden zu 
verdammen. Wenn man daran denke, tute ihm s. Zt. das 
Wort entzogen wurde, als er die mordenden Offiziere als 
Verbrecher bezeichnete und das heute mit Absicht »viedev- 
hole (Zuruf: Pfui), so weise er darauf hin, daß das Ver 
halten selbst von Angehoorigen der Wehr verurteilt werde. 
Wenn die Wehr sich dessen bewußt gewesen wäre, daß sie 
die Verfassung des Reichs und Preußens zu schützen hatte, 
dann »väre eS nicht möglich gewesen, daß viele Mitglieder! 
der E.-W. den meuternden Trirppen gegenüber salu 
tierten, so daß man diese gelvisscrmaßen als ihre Ge 
sinnungsgenossen ansah. Man hatte denn auch das Emp 
finden, daß sich das Vorgehen der Eimvohnerwchr gegen 
die Arbeiterschaft richtete (Zuruf: Unsinn). Die Tat 
sache sei ja auch im Bericht festgelegt, daß von Jugend 
lichen, ja von Kindern Flugblättern verteilt wurden, die 
gegen die Arbeiterschaft gerichtet waren. Wer hat diese 
Kinder herangeholt.- Waren das Kinder der Arbeiter? 
Das alles geschah unter Billigung der Einwohnerivehr 
(Zuruf: Quatsch). Wenn man unter diesem Gesichts 
punkt die Sache betrachtet, dann wird vieles verständlich. 
(Zuruf aus dem Publikum: Machen Sie Schluß, Sic 
haben keilte Ahnung. Große Unruhe: Die G.-V. Dr. 
Hasse , und Maulbeckec springen auf: dem Znrufer wird: 
„Raus" entgegengerufen. G.-B. Altmann: Denken Sie 
nur an Berlin! Darauf links: Sie geben mit Ihre»: Zu 
rufen das Beispiel. In dem Lärm schivjngt Bürgermeister 
Walger fortgesetzt die Glocke; der Herr, der den ungehörige« 
Zuruf gemacht hat, ist inzwischen aus dem Saal gegangen. 
Bürgermeister Walger fordert auf, Zurufe zu unterlasse«, 
sonst lasse er den Saal räumen. G.-V. Kamrolvski spricht 
weiter, als der Zurufcr ivieder in den Saal zurückkehrt. 
Erneute Unruhe, man macht Bürgermeister Walger darauf 
aufmerksam und fordert die Feststellung der Persönlichkeit 
des Betresfcnden. Bürgermeister Walgcr wendet sich 
an ihn mit der Aufforderung: „Verlassen Sie den Saal". 
Dieser antwortet, daß nian ihn hereingerufen hätte. Bürger 
meister Walger wiederholt seine Aufforderung, worauf der 
Betreffende den Saal verläßt.) G.-V. Kamrowski 
spricht weiter über den Aushang, den man von der Ein 
wohnerwehr den Zeitungen gegeben habe, »vorin eine 
Stellungnahme für Kapp zu erblicken war. Wenn man 
alle Dinge zusammenfaßt, müsse man zu der Ansicht 
kommen, daß die Einwohnerwehr dem Kapp-Untcrnehme« 
nicht entgegen war. sich auch nicht neutral verhielt. Und 
so erscheine die Einwohnerivehr in einem wenig günstigen 
Lichte. Die Haltung, die das Oberhaupt der Gemeinde 
gezeigt habe, sei auch eine ziveideutige gewesen. Er ver 
kenne nicht, daß die Stellung in einem solchen Augen 
blicke keine ohne weiteres einfache sei. Aber es wäre ein 
facher und leichter gewesen, lvenn der Leiter der Gemeinde 
eine offene, klare 'Parole zum Ausdruck gebracht hätte; 
das würde zur Beruhigung geführt haben. In dem Augen 
blick, als das Kappuntcrnehmen zu Ende und die Ein- 
wohnerwehr abgebaut hatte, war auch alles, erledigt. Die 
Gewehre und Ätaschinengeivehre zu beseitigen, mag nicht 
sehr einfach und leicht gewesen sein. Auf der anderen 
Seite wurden die Dinge so gehandhabt, wie man sie nicht 
bat billigen können. Zum Schutze der Offiziere war die 
Einwohnerwehr nicht bcstimnit (Zurufe: Das sind doch 
auch Menschen). Wenn Offiziere sich zu einem solchen 
abenteuerlichen Unternehmen hergeben, so setzen sie ihr 
Leben freiwillig aufs Spiel. Und weitn sich gegen etn 
derartiges verbrecherisches Unternehmen das Publikuin 
wendet, so ist cs etwas anderes, dann handelt cs sich um 
Schutz deS menschlichen Lebens. Bei den Offizieren', aber 
handelt es sich nicht um Schutz deS Lebens, sondern um 
Schutz vor Offizieren, die sich verbrecherischer, meuterischer 
Handlungen haben zn Schulden kommen lassen. Be 
zeichnend ist, daß der Leiter der Polizei, der Polizeikom 
missar, keinen solchen Schutz verlangt hat, und der hak 
doch auch Verständnis von solchen Vorgängen. Durch das 
Heranziehen des Militärs seien die Dinge nicht gemindert, 
sondern verschlechtert »vorden. Er bittet dann, der folge«, 
den Entschließung zuzustimmen: 
„Aus den Feststellungen des Untersuchungs-Ausschus- 
(es in Sacheu der Einwohnerwehr geht deutlich hervor, 
daß die Leitung der Friedenauer Einwvhnerwehr in den 
Tagen deö Kapp-LütlrMWtticheS nicht voll ihren Aus- 
gaben gcwachftn ivar. Wih ert vom Ministerium deS In 
nern unter dem 15. SWrNüruii^und 5. November er. ei<
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.