Path:
Periodical volume Nr. 129, 11.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

««»«ich i,So 
*•» Hos» gerächt V- tSoot 
(Frirdeuauer 
Srschrwt KgUch ebrnds. 
— fNc* K*> ®«fa® «m tU 
|» H a « 0) 
- . , K ^ . - - _ i»r fOr «n 6t stimmte Tafjf — 
m WetreiMr Stöteil ra Wsrksz. z-!,- -»-> b„m 
Nr. 129 
° mm*** m**. & ' Tt »St <%£SSX%£* 
w»te»«fr sä. — aanm*m 9vi im. 
Berlm-FrikdenM, Frei!«», den 11. Fun! 1828 
Sah'S. 27 
Al »W As MMWWMli» w «MW. 
Ein ZwifchMsall während der Aussprache über den 
Bericht — Aninahme der übrigen Tagesordnungspunkte 
bis auf die Hypothekerrsache. — Erhöhung der Entwässe- 
gebühr auf 6,73 v. H., der Hundesteuer auf 16» M. für 
den ersten und Steigerung um je 36 M. für jebt'u 
weiteren Hund. Dank an die Quäker. 
Der Untersuchungsausschuß über die Einwohnerwehr 
erstattete gestern durch deir Mund seines' Vorsitzenden, 
Schöffen Evers, den Bericht nach den Feststellungen, 
die er in 22 Sitzungen vorgenommen hatte. Der Bericht 
ist Wort für Wort von allen Vertretern des Ausschusses, 
also einstimmig genehmig! worden. Zn dieser Sitzung 
hatte sich wieder eine zahlreiche Zuhörerschar eingcfunden, 
die zumeist aus Mitgliedern der ehemaligen Einwohner 
wehr bestand. Einzelne dieser Zuhörer gaben schon bei 
der Verlesung des Berichts ihre Meinung verschiedentlich 
laut kund. Als dann der G.-V. Kamrowski (Svz.) zu 
dem Bericht Stellung »ahm und die Vorgänge während 
der Kappwoche auf Grund des Berichts einer Kritik unter 
zog, ries ein Herr aus der Zuhörerschar: „Machen Sie 
Schluß, Sie haben keine Ahnung." Darauf große Un 
ruhe, Rufe bei den G.-V.: Raus, Unverschämtheit, G.-V. 
Altmann: Denken Sic au Berlin, Links: Sie geben durch 
ihre Zurufe das Beispiel. Bürgermeister Wa l g er schwingt 
unaufhörlich die Glocke und erklärt, daß er bei weiteren 
Aeußerungen der Tribüne den Saal räumen lasse. Der 
Herr, der den Zuruf getan hat. verläßt den Saal, kommt 
aber bald darnach wieder. Erneute Unruhe. Bürger 
meister Wal g er fordert ihn aus, den Saal zu verlassen. 
Der Herr erklärt, er sei herein geholt worden, geht aber 
dann hinaus. Daraus können die Verhandlungen ungestört 
fortgesetzt werden. Zu dein Bericht nehmen ferner die 
G.-V. iftaul Richter (Unabh.), Dr. Anders (Dnat.), Ko- 
nieczka (Rechtshospilaiit), Levnhardt (Dem.), Maulbecker 
(Soz.) und Frau Laskus (D. Vp.) Stellung. Eine Ent 
schließung der Sozialdemokraten, die u. a. Bürgerineistcr 
Walger das Mißtrauen ausspricht, wird abgelehnt. Dafür 
stimmen nur die Sozialdemokraien und Unabhängigen. 
den Antrag der Demokraten, sich auf den Boden des 
Bericht» zrr stsllen, stimmen nur diese; er wird also auch 
abgelehnt. Mit 24 Stimmen der Rechten und der Stimme 
des Bürgermeisters wird ein Antrag Dr. Anders ange 
nommen, der der Einwohnerlvehr den Dank ausspricht. 
Den Wortlailt dieser Anträge bringen wir noch. — Die 
übrige Tagesordnung erledigte sich schnell. Fast ohne Er 
örterung wurden alle Punkte angenommen, die Hypo- 
thekenangelegen1f«U jedoch, abgelehnt. Bewilligt wurde die 
Erhöhung der Enlwässerungsgebühr auf 6,75 v. H. des 
Nutzungstverte, wobei es zu einer Aussprache über die 
Geldverhältnisse unserer Gemeinde kam. * G.-V. Lüdecke 
wies darmlf hin, daß wir 8 Millionen'Mark Schulden 
-hätten und daß es falsch war, die Steuererhöhung s. Zt. 
abzulehnen. Dem widersprach G.-V. Altmann, dem 
G.-V. Lübeck e erwiderte. Der Antrag auf Erhöhung 
der Frie d h o fs g e b ü h r e n wurde abgelehnt, die 
Hundesteuer wurde ans IM M. für den 1. und je weitere 
50 M. Steigerung für jeden weiteren Hund erhöht. Es 
fanden noch Aussprachen über den Jugendpsleger Kühn, 
über die Lebensmittelversorgung, über Mängel bei der 
Wahl statt. Auf Antrag des G.-V. Maulbecker wurde 
den Quäkern Dank ausgesprochen, den Bürgermeister Wal 
ger zum Ausdruck brachte und dem die Vertretung ein 
stimmig zustimmte. G.-V. L ü d e r s bat um Unterstützung 
des Männer-Gesangvereins 1875 für seine Platzkonzerte. 
Nach verschiedenen Mitteilungen des Bürgermeisters 
Walger und nachdem noch einige Dringlichkeitsanträge 
auf die Tagesordnung gesetzt worden sind, worüber wir 
morgen berichten werden, kommt die Gemeindevertretung 
zum 
Berfrl^t des Untersuchungsausschusses. 
Bürgermeister Walger bemerkt, daß s. Zt. ein 
Ausschuß eingesetzt wurde, der nun seinen Bericht erstatten 
wM 
Schösse Evers, der Vorsitzende des Ausschusses, be 
richtet darnach, daß der am 23. März eingesetzte Aus 
schuß die Tatbestände der Vorgänge in der Kappwoche 
prüfen chnd feststellen und so weit wie möglich Verneh 
mungen vornehmen sollte. Der Ausschuß hatte nur den 
Tatbestand festzustellen, keine Untersuchung über Einrich 
tungen oder über das, was mit solchen Einrichtungen 
Üfw. zusammenhing, anzustellen. Der Ausschuß hat sich 
denn mit solchen Einrichtungen auch nur beschäftigt, als 
sie mit bestimmten Vorgängen in Verbindung standen. 
Wenn der Ausschuß sich mit der- Einwohnerwehr beson 
ders eingehend befaßte, so geschah es, weil gegen die 
Einwohnerwehr und ihr Vorgehen in der Kappwoche scharse 
-Vorwürfe erhoben worden sind. Außerdem hatte auch 
die Einwohnerwehr, veranlaßt durch die Angriffe, gegen 
^ • ' ' Der Führer -er 
men und zu allen Fragen daS Wort zu nehmen. In dem 
Bericht ist nun niedergelegt, in lute weit die Vorwürfe 
berechtigt sind oder nicht. Er möchte nur .mitteilen, daß 
22 Sitzungen abgehalten und 40 Personen persönlich 
angehört worden sind. Von 60 Personen sind schriftliche 
Berichte eingegangen, die zum Teil eingefordert wurden. 
Heute früh ist noch ein Brief zugegangen. Die Unter 
schrift ist« unleserlich. Aus dem Briefe spricht eine sehr 
aehässige Gesinnung gegen den Leiter der Gemeinde. Der 
Üsschuß Hai. Stellung zu dem Briese genommen und 
‘ " nt, das Schreiben als anoittzm- ainuies 
darüber zur Tagesordnung überzugehen. (Sehr richtig 
aus allen Seiten). Für die Verhandlungen im Ausschuß 
wurde folgender Plan aufgestellt: 
1. Aufbau und Befugnisse der Einwohnerwehr. 2. Zu 
sammensetzung und Geist der Einwohnerwehr, ihre Stellung 
nahme zur Parleipolilik. 3. Einwohnerwehr, Zeitfreiwillige und 
Jugendliche. 4. Alarm am Montag Vormittag und sein Anlaß, 
ch. Tätigkeit der Einwohnerwehr am Montag Vormittag. 6. Tätig 
keit der Einwohnerwehr ain Montag nachmittag im Zusammen 
hang mit de» Vorgängen a) in der Schöneherger Straße, b) in 
der Kaiserallee. 7. Militärische Maßnahmen der Wehr (insbe 
sondere zum Schutz des Rachauses) 8. Einsluß auf die Leitung 
der Einwohnerwehr. 9. Beeinslussnng der.Stimmung des Publi 
kums gegenüber der Wehr. lO. Vorgänge am Dienstag (Vor 
gänge in der Ringstraße), Vorgänge am Mittwoch, Donners-« 
tag, Freitag (17.—19. März). I I. Rücktritt der Einwohnerlvehr 
am Sonnabend. 
Nach diesem Plane wurde auch der Bericht zusammen 
gestellt. Die Feststellungen stellen das Ergebnis des g e- 
s amte n Ausschusses dar.; es ist also nicht das Ergeb 
nis einer Mehrheit. Er spricht zuvor dem Schriftführer 
des Ausschusses, Herrn L ü d e ck e, für die Mühe und 
Arbeit, die er insbesondere mit der Abfassung der Nieder 
schriften und Berichte hatte, den Dank aus und sagt den 
selben Dank auch Herrn Dr. Anders, der vertretungs 
weise sich in derselben Weise betätigt hatte. Hierauf ver 
liest er den folgenden vom Ausschuß festgestellten Bericht: 
Es sec in Erinnerung gebracht, daß am Sonnabend, den 
13. Marz, morgens, letztmalig Zeitungen erschienen. In diesen 
zvurde noch von einem bewasjneten Widerstand gegen die Putsch 
truppen gesprochen. 
Es erschienen Extrablätter der Ullstein-Presse, welche 
allgemein bekannt Ivurden, und in welchen die Regierung 
mitteilte, daß sie aus einen bewaffneten Widerstand verzichtet 
hatte. Die Sonnabendzeitnngen hatten schvn genieldet, daß 
pie Truppen der Sicherheits- und Reichswehr von den Putschisten 
stark beeinflußt lvarcn. Kämpfe zwischen Truppen haben in 
Berlin nicht stattgefunden; die Regierung hatte den Ort verlassen, 
es war also die Annahme berechtigt, daß, wenn geschlossene 
Truppensorniationen in den Straßen Berlins in den ersten 
Tagen der Woche tätig waren, dies nur ,sür das Kapp- 
Unternehmcn geschah. ' 
Die Einwohnerwehr (Bürgerwehr) entstand auf ^Befehl 
Ao.ske's vom 9. Januar 1919. Der'Aufbau vollzog .sich aus 
Grund von Einzcichnpngen und unter Leitung des Bürgermeisters. 
Gleichzeitig entstanden solche Wehren auch anderen Orts. Die 
Einwohnerwehr baute' sich später ans Grund der ministeriellen 
Verfügung vom 15. September 1919 weiter aus. 
Die Wehren unterstanden ursprünglich dem Kriegsministe 
rium, später dem Ministerium des Innern, an welchem eine be- 
stzndcre Stelle für das ganze Reich errichtet wurde. Dieser 
Zentralstelle unterstanden die Groß-Berliner Wehren unmittel 
bar. Der Minister hatte auch eine Reihe von Erlassen und der 
gleichen Grundsätze aufgestellt; besonders beachtenswert ist der 
Erlaß vom 15. November ’ 1919. 
Die Führung der Wehr wurde bei dkD- Gründung dem 
Haiiptmann Hochhcim übertragen, der sie aber nach einem Tage 
aus Gesnndheitsrücksichtcn niederlegte. Darauf schlug Vürger- 
»ncister Walger als Führer den Gcmeindebeamtcn Schröder vor. 
Dieser wurde zu dem Posten gewühlt. 
Die Aufnahme der Mitglieder war abhängig von der Ein 
willigung eines Ausschusses inaktiver Mitglieder, die die per 
sönliche Prüsung vorzunehmen hatten. 
Die Einteilung der Wehr geschah ursprünglich nach Kom 
pagnien, später nach Bezirken, also nach örtlichem Prinzip. 
Die Bezirke zerfielen in Gruppen, Mitglieder, die sich von den 
' ständigen Dienstleistungen entbinden ließen und nur für Alarm- 
fälle in Betracht kanten, wurdet/ in einem besonderen Marmzuge 
geführt. 
Eine ministerielle Vorschrift verlangt eine vorbereitende Ver 
ständigung zwischen Wehr -Und Polizeiorgan zwecks Zusanimen- 
arbeitens; eine solche Verständigung scheint nicht bestanden zu 
haben, jeoenfalls liegcp keine festen Vereinbarungen vor. 
Einer der Punkte der ministeriellen Verfügung ßt das 
Gelöbnis des Schutzes der verfassungsmäßigen Regierung auch 
niit Waffen. Zwischen beu Führern und den Unlersührern einer 
seits niid der Zentralstelle andererseits haben häufig Konsequenzen 
stattgefunden. Die Mitglieder müßten anfänglich eine Verpflich- 
tung unterfchreiben, durch welche sie sich dein Militärgesetz unter 
stellten. Später wurde auf diese Verpflichtung verzichtet. 
Die Wehr sollte völlig parteilos sein, jedoch waren vom 
Beitritt attsgeichlvssen Unabhängige, Kommunisten und außer 
dem mit Zuchthaus Vorbestrafte. (G^V. Deitmer: Sehr 
schön! Damit hat Noske Ehre eingelegt!) 
Tatsächlich haben die Mitglieder sich auS allen Parteien zu- 
fammengesctzt mit Ausnahme der getiannten. Allerdings sind 
keine unbedingt zuverlässigen Feststellungen darüber, daß kein 
Wehrmitglied U S. oder K. getroffen worden. Formell mag 
also in dieser Beziehung verstoßen worden sein, sachlich au 
wei,tend nickit. Die Zulassung erfolgte nackt der Drüintta der 
Persönlichkeit durch den Ausschuß der Inaktiven in der Form, 
daß die Neugemeldetett auf den Appellen verlesen würben. In 
späterer Zeit wurde auch ausdrücklich gefragt, ob jemand die 
Betreffenden kenne. 
Die Tätigkeit des Ausschusses der Inaktiven dürfte von 
Einseitigkeiten nicht ganz fern geblieben sein, wie aus einer 
Bekundung hervorgeht, daß Schröder deshalb mehrmals in den 
ersixn Monaten geönncn war, seilt Amt nicde-'plegett. 
' Die Einseitigkeit der Tendenz hat jedoch'nicht auf polt- 
tischen, sondern ans militärischem Gebiet gelegen. 
Die Kameradschaftlichkeit ist in der Wehr nach übcrctn- 
stimtnettdcn Aussagen eine recht gute gewesen, stets ist den 
Leuten die unpolitische Tendenz mitgeteilt und dieselbe auch 
gewahrt worden. Auf der andcrcit Seite sind Beweise vorhanden, 
daß beträchtliche Teile der Wehr nationalistisch (im Gegensatz 
zu national) gesinnt waren; das cro.cb sich in einer Mttglieocr- 
Versammlung im Juni'1919, in dcrc ein Redner von der Menge 
bejubelt wurde, als er nach rechts Entgleiste. 
ES bat aber unter den Führern der Wehr nicht daran gc< 
s Aussagen vor. wonach sich mancher zurückzog oder 
»her die Mitglieder^der Wehr als überwiegend 
Neueste Nacdricbten 
Berlin. Bei einem schweren Kampf mit Ein 
brechern 'wurde in der vergangenen Nacht am Kottbuser 
Ufer 12—15 Polizciwachtmeister Gilbert aus der Ra- 
tiborstraße '13 getötet, der Polizciwachtmeister Preist, 
Stralauer Allee 18, schwer verletzt. i 
Braunschweig. Der Landtag trat gestern zu 
sammen, um die Regierung zu bilden. Die beiden so 
zialistischen Parteien wollten eine rein sozialistische Ne 
gierung bilden, dem widersprachen die bürgerlichen Par- 
teien, die schließlich die Beschlntzunfähigkeit des Land 
tages durch Obstruktion herbeiführten. 
Köln. Ein gestern mit dem Zuge. Oberhausen— 
Köln fahrender Reisender wurde unterwegs beraubt und 
in Köln bewußtlos aufgefunden. 
Amsterdam. Laut Londoner Meldung ist für den 
2. Juli eine Zusammetikuust zwischen Lloyd George und 
Milleraud in Brüssel als Vorbereitung für die Kon- 
serenz in Spa vereinbart worden. 
Warschau. Die Regierung hat ihr Rücktrittsge- 
such eingerecht. Der StaatSchcs Pilsudski hat ihn ange 
nommen und die Regierung gebeten, die Geschäfte vor- 
läusiz weiterzuführen. 
reaktionär ansah, bezw. findet sich verschiedentlich die Annahme, 
haß die Entwicklung der Wehr allmählich eppeitiger geworden 
sei .— Bet der erwähnten Vollversaminlung siel auch ein anti 
semitischer Zwischenruf, der sofort unterbunden wurde. (G.-B. 
A lt ilt an tt: Schade jutt die schöne Zeit!) 
Bet den Appellen und Uebungen ging es nicht schroff und 
keineswegs paradeinäßig zu; das Gegenteil war aber der Fall, 
so daß die Mitglieder selbst bisweilen mehr Strafshcit verlangten. 
Auch haben sich diejenigen Mitglieder, die Offiziere waren, nicht 
hervorgcdrängt. Mehrere Miig.ieder hatten die Empfindung, daß 
einige Ossizicre durch ihr Wesen zeiget, wollten, daß sie auf 
einem anderen gesellschaftlichen Niveatt stünden als andere. 
Die Werbetätigkeit wurde in breitem Maße betrieben. Nach 
den Vorschriften dürfen nur gediente Soldaten, die über 20 
Jahre alt sind, Mitglieder sein, oder, wenn sie jünger sind, 
Erprobte Feldzugsteilnehmer sungebiente inußten mindestens 20 
Jahre alt sein und ausgebildet werden). Es steht zweifellos 
-fest, -daß gegen diese Bestimmung in nicht wenigen Fällen vxr- 
stoßen worden ist.' 
Das /Jüro der Einwohnerwehr befand sich anfangs in der 
Königin-Luise-Schulc, später im Rathaus. Die Eniwohncrwehr 
hatte, das war geheim, außer dein eigenen Waffen-und Munitions- 
bcdars auch noch ein Waffendcpot für die Zentrale, ebenfalls im 
Rathaus, an dem sie nicht interessiert war, bestehend aus etwa 
420 Gewehren und 40 kletnen Maschinengewehren. 
Bürgermeister Walger hatte die Räume im Rathaus nur 
widerstrebend und in Erinangelung anderer Räume zur Ver 
fügung gestellt. 
Ans die Einrichtung der Zeitfreiwilligen braucht nicht näher 
eingegangen zu werden, weil der Punkt nichts Beachtenswertes er 
geben hat. Was die Verwendung der Jugendlichen betrifft, so 
jst.zu unterscheiden: 
a) Sportabteilung, 
b) Melder, 
c) Jugendliche in Ausübung der Tätigkeit ordentlicher Wehr 
mitglieder. 
Die Sportabteilung wurde nicht von der hiesigen Wehr be 
gründet, sie entstand vielmehr ans Veranlassung der Zentrale. 
Die Melder waren bei ihr Mitglieder. Sic wurde von der Ein- 
wohncrtvehr vereinzelt geldlich unterstützt. Die Sportab- 
teilnng als solche spielte in der Kappwoche keine Rolle. 
Als Melder hatte sich eine ganze Reihe von Schülern der ' 
höheren Lehranstaltci: von selbst angeboten; sic wurden formell 
ausgenoininen und listenmäßig geführt. Den Schulleitern war das 
bekannt. Die Einwilligung der Eltern wurde eingeholt. Nr- 
spriinglich tourden gerejstcre Schüler, später auch jüngere, oer- 
wendet. Die Tätigkeit der Melder sollte bestehen in der Uevcr- 
bringrtttg von Nachrichten und ähnlichen klesticit HilsSdiensten^ 
Sie' wurden jedoch auch verwendet zu Hilsöleistuiigen beim 
Scharfschießen, zur Feststellung von Vorgängen und zur münd 
lichen Ueberbringnng von Bcsehlen. 
Ferner tanchteti tu der Kappwoche Schüler ans, dis ihren 
Vätern das Esseit vracktien. Die jungen Menschen haben im 
Ucbcrciser sich auch an Maschinengewehren zu schaffen gemacht; 
ja, es sind mehrere Fälle festgestellt, in deticn sie. vollkommen 
bewaffnet, Posten standen.. Wiewohl die Wehricitung und die 
Schulkriter hiermit nicht 'einverstanden waren, haben doch die 
Nachgeordneten Stellen eine entschieden zu iveit gehende Dul- 
dung dieses Mißstandes an den Tag gelegt. Die Wehrleitung 
schritt ein, sobald sie davvtr erstthr. DaS kann als ertviesen be 
trachtet werden. Es ist festgestellt, daß Schüler im Alter von 
etwa. 17 Jahren Posten gestanden und sich an den Maschinengeweh 
ren zu schassen gemacht haben. (Hört, hört! links.) Es ist auch fest- 
gestc.lt, daß Schüler von etwa 12—13 Jahren dazu verwendet 
worden sind, aus dem Rathaus demagogische Flugblätlcr: „Nieder 
mit Spartakus!" auf die Straße zu bringen. Dem Leiter 
der Wehr ist hiervon nichts bekannt. 
Am Sonnabeiid. den 13. März, kam von der Zentralstelle« 
der Befebl zur erhöhten Alarmbcreitschast. Dieser Befehl wurde 
weitergegeben an die Bezirksleiter: besondere Vorkehrungen wur 
den nicht getroffen. Nur am Sonntag tourden zur Wache sechs . 
Mann mehr angefordert ; cs kam aber nichts von Belang vor. auch 
n-chl in den Uiiterballungen der Wachkoininandos. Der Befehl 
zur Alarmbcreitschast tvar ausgegangen vom Minister Heine. 
Ant Sonntag, nachntittag y 2 4 Uhr, erschien im Auto ein 
Offizier mit Kleister, um die großen Kapp-Plakatc am Rat.. 
I)nt« an'ubringeti. Ein Polizeibeamtcr machte ihn daraus anf- 
inerksat-i,' daß das nicht erlaubt sei. Die Plakate wurden alcr 
doch angebracht. • , _ , „ 
Ant Montag Vormittag, zwiichen 9 tt. 10 Uhr. gab Schro - 
der den 'lUarinbesehl aus; er war hierzu aus Grund der Be- 
stctn'nniigeit vollauf berechtigt, sobald er die Ueberzengniig ge- 
wviitten, daß Gefahr tut Verzüge sei. Der Ausschuß hat fcstge- 
st-lli daß der Alarm folgendermaßen zustande kain: Bezirks- 
iihrcr Paul und Kasscnsührer Hartmann gingen zum Bnrger- 
neister Walger und leaten.dar, daß nach Meldungen An- 
frmmlnttgcit am NheinccMtMitden, daß Lebcnstttitiewcyen 
g-plündert würden und d7Ms>'^nto weggenommen sei. Jn- 
- olgcdessen enipsahlen sie« die^Alarmierung der Eittwohtrerlvehr.-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.