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Periodical volume Nr. 126, 08.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlln-Friedeuau, Mittwoch. de» 8.> 8uni 18k« 
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Ihn du Dacbrlcbtcn 
Der neue Reichstag. 
Bei- den Wahlen zum Reichstag sind insgesamt 
25 719067 Stimmen abgegeben worden. Davon haben 
erhalten: Sozialdemokraten 5531151, Unabhängige 
4 809 862, Deutschnationale 3 538851, Deutsche Volks- 
Partei 3 455131, Zentrum 3 500800, Demokraten 2152 509, 
Bayrische und Christi. Volkspartci 1254 933, Kommunisten 
438199, Welfen 318104. Insgesamt wird der neue Reichs 
tag 469 Abgeordnete zählen, die sich wie folgt verteilen: 
Sozialdemokratische Partei 110 (bisher 163); Zentrum 67 
(75); Demokraten 45 (73); Christlich-föderalistische Liste 
21 (14); Deütschnarionale Volkspartei 65 (42); Deutsche 
Volkspartci 61 (22); Unabhängige Sozialdemokratische 
Partei 80 (22); Kommunisten 2 (0); Bayerischer Bauern 
bund 4 (5); Deutsch-Hannoversche Partei 5 (3). — Hier 
nach haben die drei' sozialistischen Parteien zusammen 
192 Abgeordnete, das Zentrum mit der Christl.-födera- 
tistischell Partei >88 Abgeordnete, die Rechtsparteien mit 
Bayerischen Bauernbund und Welfen 135, die -Demo- 
45 Abgeordnete. Für die bisherige Koalition (ohne 
Christl.-föder.) ergeben sich 222 Abgeordnete, für Pie 
Oppositionsparteien 238 Abgeordnete. Die 21 Christl.- 
söderalistischeu Abgeordneten zur Koalition gerechnet, er 
geben sich 243:217 Abgeordnete. Wie diesmal die Re- 
hierung gebildet ivird, ist in, Augenblick nichr zu übersehen. 
B r e s l a u. Einen Akt geradezu mittelalterlichen 
Barbarismus hat die Sicherheitspolizei in Bitkow (O.-S.) 
gerade noch in letzter Stunde vereitelt. Dort überfielen 
in einem Schlafhause Kongreßpolcn einen jüdischen Berg- 
arveiter, der beim letzten Streik sich nicht auf die Kor- 
fantysche Seite geschlagen, sondern die Partei seiner deut- 
schen Kollegen ergriffen Patte. Sie banden den Wehr- 
lo'en, überstrichen ihn mit Schuhputz und bearbeiteten 
ihn mit schweren Bürsten so lange, bis er blutüberströint 
ohnmächtig wurde. Dann zwangen sie ihn, als er wieder 
aufgewacht war, niederzuknien und unter fortwährenden 
Mißhandlungen polnische Gebete nachzusagen. Als der 
Unglückliche am völligen Zusammenbrechen war, traf die 
von einem deutschen Kollegen herbeigerufene Sicherheits 
polizei ein und befreite ihn. > 
Breslau. Nach der „Warschauer Abendzeitung" 
hat unter der Leitung des Marschalls Pilaudski eine neue 
polnische Offensive in der Richtung auf Witebsk begonnen. 
M a r i e n w e r d e r. Die Neuen Westpreußischen Mit 
teilungen melden: Wie uns die Interalliierte Kommission 
Maricmverder mitteilt, finden die Volksabstimmungen im 
westpreußischen Abstimmungsgebiet am 11. Juli statt. 
M ü n ch e n. Die Korrespondenz Hoffmann widerruft 
die angebliche Aeußerung des Reichsjustizministers Dr. 
'Bunick, im Oktober werde auch der Rest der Zwangswirt 
schaft aufgehoben werden können. Mit der Aushebung 
der Zwangswirtschaft sei, so wie die Dinge gegenwärtig 
liegen, nicht zu rechnen. 
München. Tie Mandate im neuen bayerischen 
Landiag verreisen sich wie folgt: Sozialdemokraten 19,- 
Unabhängige 16. Kommunisten 1, Bayerische Volksparrcr 
54, Demokratische Partei 8, Bauernbund 10, Mittel 
partei 17 Sitze. 
London. Rene Meldungen über den Kampf gegen 
das' Konsulat, bei dem der deutsche Konsul Wustrow ge 
höret worden ist, besagen, daß das Konsulat noch immer 
belagert und von Dr. Schuetz mit drei anderen Deutschen 
gehalten werde. Die persische Regierung ist dringend, 
der 
71 
Von E. PH. Oppenheim. 
(Nachdruck Verb >ten.) 
36. Kapitel. 
Cs war in der Morgenfrühe des folgenden Tages. 
Heinz Hollfelden hatte eben seine Toilette beendet und sich 
am Frühstückstisch niedergelassen, als er seine Aufwärterin 
draußen mit jemandem unterhandeln hörte, dessen tiefe, 
klangvolle Stimme ihm merkwürdig bekannt vorkommen 
wollte. Er hatte der Frau vorhin den Auftrag gegeben, 
keinen anderen Besucher einzulassen als den Herrn, der 
sich unter dem Nanien Herbert vorstellen würde, und er 
zweifelte darum nicht, daß sie im Begriff sei, jemanden 
abzuweisen. Aber dieser Jemand schien außerordentlich 
hartnäckig, und da dem jungen Schriftsteller hinsichtlich seiner 
Person plötzlich eine ganz bestimmte Vermutung aufstieg, 
sah er sich veranlaßt, die Tür des Arbeitszimmers zu öffnen 
und auf den Gang hinauszuspähen. 
Mit dem ersten Blick erkannte er, daß seine Vermutung 
ihn nicht betrogen hatte und daß es in der Tat die hohe, 
martialische Gestalt des Oberstleutnants Arnstorf war, die 
da im Wohnungseingang stand. 
Diesen Besucher abweisen zu lassen, wurde chm natürlich 
niemals in den Sinn gekommen sein, und so machte er 
den Verhandlungen rasch ein Ende, indem er hervortrat 
und dem alten Herrn. zu herzlicher Begrüßung die Hand 
entgegenstreckte. 
„Guten Morgen, Herr Oberstleutnant! Ich bitte um 
Verzeihung, daß Sie nicht sofort eingeführt worden sind. 
Mrs ich bitten?« 
„Es ist an mir, mich wegen des Ueberfalls zu so un 
passender Stunde zu entschuldigen," erwiderte Arnstorf. 
Aber feine Stimme hatte heute nicht den freien und heiteren 
Klang, an den Heinz sonst bei dem jovialen Klubpräsidenten 
gewohnt war. „Leute in meinen Jahren jMKv^Menttjch, 
bester gelernt haben. M ln Sebttlö 
auch durch den Berliner Gesandten, der dem Auswärtigen 
Amt einen Beileidsbesuch abstattete, um Einschreiten, "zu 
Gunsten der Eingeschlossenen ersucht worden.' 
— —!- — 
Kommunale Angelegenbeilen 
Erläuterungen des Gemeindevorstandes zur Tagesordnung 
der Sitzung der Gemeindevertretung am 10. Juni 1920. 
Vorlage bctr. Bewilligung von Mitteln für die Erweite 
rung des Jugcmdhrims 
Das Gymnasium hat um Bewilligung von 15 000 M.für 
die Einrichtung eines Jugendpflegeraumes nachgesucht. Es 
begründet den Antrag damit, daß das in der 3. Gemeinde- 
schule eingerichtete Jugendheim den Bedürfnissen nicht ent 
spricht. So mußten versch. Vereinigungen, die um Benutzung 
des Jugendheimes gebeten haben, wegen Raummangel ab 
gewiesen werden. Auch das Gymnasium mit seinen Ju- 
gcndgrnppen für Rudern, Turnen, Wandern, Literatur. 
Geschichte, Naturwissenschaft, Musik und Stenographie hat 
«Kg. Eozialdem. Partei 
Waintteis xi. sirlrvenau-Schöiieberg 
Seffentl. Wöhlerverfammluug 
am voanerst-g. de» lv Znni 1920, abends 7V, Air. 
im Mrgerfaal des Rathauses Bln.-Friedeaau. 
Thema: 
Win 
Referent: Stadtrat Weist. LkkllN. 
Ansprachen der Kandidaten. 
Anst Aursoroche. Das Wahlbüro. 
im ^Jugendheim nicht mehr unterkommen können. Es 
wird deshalb die Bewilligung von Mitteln für die ein 
malige Beschaffung von Einrichtungsgegenständen erbeten. 
Der Jngendpflegeausschuß hat die Notwendigkeit der Er 
weiterung des Jugendheimes in der Offenbacherstraße an 
erkannt und empfiehlt, dem für die Jugendpflege im 
Gymnasium vorgesehenen nahe der Turnhalle gelegenen 
Raum, der als Klassenzimmer keine Verwendung findet, 
für die Zwecke der Jugendpflege herzurichten, weil in der 
3. Gemeindeschule ein geeigneter Raum nicht mehr ver 
fügbar ist. Dieser 3. JugeNdpflegera.um soll gleichfalls 
der Verwaltung des Jngendps»gers unterstehen. Die Ver 
teilung des Raumes an die einzelnen Jugendvereinigungeii, 
die im Jugendheim bisher noch nicht untergebracht wor 
den sind, behält sich der Jngendpflegeausschuß unter Be 
rücksichtigung der Bedürfnisse der Jugendgruppen des Gym 
nasiums vor. Dadurch, daß diese Gruppen den Raum 
fast ausschließlich nur bis 8 Uhr abends benutzen wer- § 
den, wird er nach 8 Uhr auch anderen Vereinigungen 
zur Verfügung stehen. Mit der Schaffung dieses 3. Rau 
mes wird einem dringenden Bedürfnis entsprochen. Die 
für die erste Einrichtung erforderlichen Kosten werden 
vom Bauamt mit 15 000 M- veranschlagt. Wir bitten 
beschließen zu wollen: Die Gemeindevertretung erklärt 
sich mir der Erweiterung des Jugendheimes durch Ein 
richtung eines Jugendpflegeraumes im Gymnasium mit 
der Maßgabe einverstanden, daß der Raum nicht nur den 
Er sah beim Betreten des Zimmers den gedeckte» 
Frühstückstisch, und er wollte darauf bestehen, daß Heinz 
sich durch seine Anwesenheit nicht in der Befriedigung seine, 
leiblichen Bedürfnisse hindern lasse. Aber angegesichts de» 
unverkennbaren Nervosität im Wesen seines Besuchers, einer 
Nervosität, die ihre Ursache nur in einer ungewöhnliche» 
Aufregung des sonst so beherrschten Mannes haben konnte, 
nahm Hollfelden seine Zuflucht zu der Notlüge, daß e, 
bereits gefrühstückt habe und hpt dem Oberstleutnant dac 
Zigarrenkästchen, aus dem er sich gleichzeitig selbst bediente 
„Danke!" sagte Arnstorf. „Es heißt ja, das narkotisch, 
Kraut habe eine beruhigende Wirkung, und. daraufhin 
kann ich's ja gegen meine Gewohnheit heute mal schon sc 
früh am Tage versuchen. Sie lassen sich im Klub ja ga, 
nicht mehr blicken, junger Freund! Wo haben Sie denr 
in der letzten Zeit gesteckt?" 
„Ich war auf einige Tage verreist," berichtete Heinz 
der Wahrheit gemäß, in einiger Sorge, daß der Oberst 
leutnant sich nach dem Ziel dieser Reise erkundigen könnte 
Aber Arnstorf war zu gut erzogen, um indiskret zu sein 
und nachdem er den jungen Schriftsteller ein paar Se 
kunden lang forschend angesehen hatte, begnügte er sich 
fortzufahren: ' 
„Aber Sie sind schon seit gestern zurück, nicht wahr) 
Denn ich täuschte mich doch wohl nicht, als ich Sie in Be 
gleitung eines anderen Herrn gestern abend in das Ge 
bände des „Eldorado-Theaters" eintreten zu sehen glaubte?' 
Nun war es für Hollfelden freilich nicht mehr schwer 
die Ursache von Arnstorfs Aufregung zu erraten, aber ei 
fühlte sich zugleich in die peinlichste Verlegenheit versetzt 
denn ßr hatte Herbert von Wehringen nicht darüber befragt 
ob er seine Anwesenheit in Berlin vor dem Stiefvatei 
geheimzuhalten wünsche, und er war trotz dieser Ungewiß 
heit nicht imstande, den trestlichen Mann, dem er eine fas 
unbegrenzte Verehrung entgegenbrachte, durch, eine Ab 
leugnnng zu belügen. 
„Nein, Sie täuschten sich nicht, Herr Oberstleutnant.' 
erwiderte er mit dein schlecht gelungenen Vernich, ein., r 
|Aut ..ü.atttu 'S IV., au*--2»laü8U. AU meiner.Ä»» 
Jugendgrnppen des Gymnasiums, sondern auch anderen 
Jugendvereinigungen zur Verfügung gestellt wird. Dir 
Entscheidung darüber, in welchem Umfange die Benutzung 
des Raumes erfolgen soll, hat der Jngendpflegeausschuß 
zu treffen. Sämtliche für das Jugendheim in der 3. Ge 
meindeschule geltenden Bestimmungen finden auch aus den 
Jugendpslegcraum im Gymnasium Anwendung. Die er 
forderlichen Mittel in Höhe von 15 000 M. werden be 
willigt. 
Vorlage betr. GkwÄhrung einer einmaligen Zuwendung «« 
die Glockcnlommission des evangelischcn Geinein-ekirchsn- 
rats. , ‘ 7' ■ 7-- • .7 
Die Glockenkommission deS evangelischen Gemeinde-' 
Kirchcnrats hat au uns die Bitte. gerichtet, ihr durch: 
eine außerordentliche Zuwendung den Glockenfonds stärken 
zu helfen. An der Gesamtausgabe von 98 000 M. für 
3 neue Gußstahlglocken fehlt der Glockcnkommission noch 
ein Beirrag von etwa. 30 000 M. Wir haben beschlossen, 
eine Beihilfe von 3000 M. zu gewähren und beantragen 
zu beschließen: „Die Gemeindevertretung ist mit einer, ein-" 
maligen Zuwendung von 3000 M. an die Glockcsiko'm- 
mission des evgl. Gemeindekirchenrats Bln.-Friedenau ein 
verstanden und bewilligt den Betrag ans den ihr für 
1920 zur Verfügung stehenden Mitteln. 
Vorlage bctr. Einrichtung eine-i Raumes im Dachgeschoß 
der 2. Gr.mesndtzschtulc als Licgcra.um für Kinder des! 
Kindergaltcns. 
Es stellt sich die Notwendigkeit heraus, den Betrieb 
des Kindergartens, der jetzt nur bis 1 Uhr mittags ge- 
ösfnet ist, bis nachmittags 6 Uhr zu verlängern. Dazu 
bedarf es erstens der Einstellung einer weiteren Hilfskraft 
und zweitens der Schaffung eines Raumes, in welchem 
die Kinder die erforderliche Mittagsruhe finden. Der 
Wohlfahrtsausschuß hat sich mit der Angelegenheit ein 
gehend beschäftigt und ist zu folgenden Vorschlägen ge- 
kommen: Die Einstellung einer Hilfskraft soll umgehend 
erfolgen: für sie ist eine Entschädigung von 10 M. täg 
lich zu beantragen. Als Licgeraum für die Mittagsruhe 
der Kinder ist der int Dachgeschoß der 2, Gemeindeschule! 
Rheincianstraße befindliche Raum in.Anspruch zu nehmen, 
in welchem früher der" Handfertigkeitsunterricht erteilt 
wurde. Er ist nach Möglichkeit für den genannten Zweck 
herzurichten; vor allem sind die Wände mit einem Oel- 
paneel zu versehen. 20 Liegegelegenheiten sind zu be 
schaffen, wenn möglich Pritschen, bespannt init einem 
Drahtgeflecht. Außerdem sind als Unterlagen Pa d ie r- 
gewerb-Strohsäcke, wollene Decken und zum Zudecken gleich-- 
falls wollene Decken zu kaufen. Falls die Pritschen nicht 
schon init einem hochstellbaren Kopfende versehen sind, 
werden auch 20 Keilkissen oder kleine Kopfkissen a.nzn- 
schasfen sein. Die Fenster des Raumes sind durch ge 
eignete Vorrichtungen derart zu sichern, daß ein Hinaus 
stürzen der Kinder unmöglich ist. Ferner sind die Fenster 
zum Abhalten der Sonnenhitze mit Vorhängen zu ver 
sehen. Um die in der Nähe des Raumes liegenden Klosett 
anlagen durch kleine Kinder benutzen lassen zu können,' 
müssen kleine Hutschen beschafft werden. Die Kosten dieser 
Arbeiten und Anschaffungen betragen nach überschläglicher 
Veranschlagung etiva 12 000 M. Der koll. Geineindevor- 
stand ist mit den Beschlüssen des Wohlfahrts-Ausschusses 
einverstanden und beantragt zu beschließen: „Mit der 
Verlängerung des Betriebes des Kindergartens bis nach- 
miltags 6 Uhr ist die Gemeindevertretung einverstanden 
und bewilligt die in der Vorlage näher erläuterten Kosten 
für Einstellung einer Hilfskrait und Ausstattung des 
Liegernunres im Dachgeschoß der 2. Gemeindeschule. 
schämung gestehen, daß ich den gestrigen Abend nicht bess« 
hinzubringen wüßte als mit einem Besuch dieser zweixel- 
haften Kunststücke." 
Arnstorf blies ein paar dicke Rauchwolken von sich, eh» 
er scheinbar gelassen sagte: 
„Von Ihnen, der Sie das menschliche Leben schon vo» 
Berufs wegen in all seinen Erscheinungen studieren müssen 
wundert mich das viel weniger als von Ihrem Leglecler 
der sonst nicht die Gewohnheit hatte, derartige Zer 
streuungen zu suchen." ' 
Er hatte Herbert also wirklich erkannt. Befangen Wirft» 
Heinz vor sich nieder, außerstande, irgendeine Antwort zu 
finden. 
„Sie brauchen sich weiter nicht zu beunruhigen, weil 
ein boshafter Zufall mich gerade in jenem Augenblick dort 
vorübergeführt hat," fuhr der Oberstleutnant-fort. „Die 
Begegnung hat für mich keine nennenswerte Bedeutung. 
Es ist Ihnen ja vermutlich bekannt, welche verwandtschaft 
lichen Beziehungen zwischen mir und Ihrem Begleiter vom 
gestrigen Abend bestehen?" 
„Ja, Herr Oberstleutnant, ich weiß es." 
„Run, dann werden Sie auch jedenfalls wissen, daß 
diese Beziehungen schon, längst nur noch dem Namen nach 
existieren, und daß mir der Herr in Wirklichkeit nicht inehr 
ist als jeder beliebige andere Fremde." 
Heiyz glaubte aus dem Klang seiner Worte herauszu 
hören, daß es dem alten Herrn.nicht ganz leicht fiel, in 
diesen Ausdrücken einer geringschätzigen Gleichgültigkeit von 
seinem Stiefsohn zu reden. Und darum meinte er die Ge 
legenheit zu einem Vermittlungsversuch nicht ungenutzt 
lassen zu dürfen, obwohl er ja nicht einmal wußte, ob ein 
solcher Versuch den Wünschen des ehemaligen Oberleut 
nants entsprach. 
„Ich habe allerdings von dem beklagenswerten.Zetz»: 
cvürfnis zwischen Ihnen und Herrn von Wehringen gehört. ' 
sagte er, „aber ich Hape mich noch nicht entschließen können 
zu glauben,, daß Sie ganz unverjöhnlich sein sollten."
        
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