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Periodical volume Nr. 126, 08.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlin-Friede»»«, Dienst»», den 8. Suni 1920 
Fahr«. 27 
Heuest» Hachrichten 
Berlin. Das Reichskabinett ist heute Vormittag 
zu einer — seiner letzten — Sitzung zusammengetreten! 
und hat beschlossen, dein Reichspräsidenten seinen Rück 
tritt anzubieten. Die Ueberreichung des Dcmissionsge- 
suä>es des Ministeriums erfolgt in den ersten Nachmittags 
stunden. 
Berlin. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen 
verteilen sich die Mandate wie folgt: Sozialdemokraten 
96, Unabhängige 67, Zentrum 54, Deutsche Volkspartci 
54, Deutschnationale 48, Demokraten 41, Bayerische 
Volkspartei 12, Württembergischer Bauernbund 3, Wel 
sen 2. Kommunisten 1, zusammen 380. Die bisherigen 
3 MehrheitsParteien zusammen also 190, die Opposition 
von links und rechts 190. Man rechnet, daß sich durch die 
noch ausstehenden Wahlergebnisse und durch die Reichs 
listen eine geringe Mehrheit für die bisherigen Koali- 
tionsparteien ergeben würde. 
Berlin. Heute gegen 5 Uhr entstand in dem Ar 
beitsnachweisbüro der Erwerbslosenfürsorge in der Streu 
straße zu Weißensee ein Brand. Sämtliche Akten des 
Arbeitsnachweises, die neben dem Arbeitsnachweis liegende 
Zentralküche der Gemeinde Weißensee und der Quäker- 
speisung sind völlig verbrannt. Es konnte nichts mehr 
gerettet werden. 
Breslau. Der Forstgehilfe Max Fiegel aus 
Wiercze, Kreis Lublinitz, der wegen Doppelmordcs an 
zwei Fleischern zum Tode verurteilt und dann zu lebens 
länglichem Zuchthaus begnadigt wurde, ist in der Nacht 
zu gestern aus dem Gerichtsgefängnis in Hindenburg ge 
flohen. Er ließ sich, nachdem er die Gitterstäbe durch 
sägt hatte, an einem Seil aus Bettlaken herab. Das 
Seil riß, und der Mörder stürzte in die Tiefe; er wurde 
von einem Gefängniswärter tot aufgefunden. 
Rotterdam- Laut Daily Chronicle werden die 
Ministerpräsidenten von England, Frankreich, Belgien und 
Italien an einer Brüsseler Besprechung teilnehmen, welche 
der Konferenz in Spa vorausgehen soll. 
Rotterdam. Bei einem Brande in einer Flieger 
schule in der Nähe von Sleaford (Lincolnshire) wurden 
nach einer Londoner Meldung etwa 150 Flugzeuge zer 
stört. Der Schaden beträgt eine Viertelmillion .Pfund 
Sterling. 
London. Aus Täbris wird gemeldet, daß das 
dortige deutsche Konsulat von Anhängern, der persischen 
Demokratie am 4. Juni belagert wurde. Es wurde die 
Auslieferung verschiedener dort verhaftet gehaltener per 
sischer Bolschewisten verlangt. Der Konsul ließ aus einem 
Maschinengewehr auf die Menge schießen, worauf diese 
das Feuer erwiderte und in das Konsulat eindrang. Es 
stellte sich heraus, daß der Konsul inzwischen Selbstmord 
verübt hatte. ' 
Kommunale Kngelegendeilen 
Erläuterungen des Gemeindevorstandes zur Tagesordnung 
der Sitzung der Gemeindevertretung am 10. Juni 1920. 
Vorlage betr. Bewilligung von Mitteln für die Anlegung 
eines Stacheldraht;auncs auf dem Spielplatz an der 
Sthwaloochcrstraße. 
Zufolge Beschlusses des Jugendpflege- und Gärtnerei- 
Ausschusses vom 9. April 1920 hat sich der Bauausschuß 
in seiner Sitzung vom 11. Mai mit der Frage der Her 
stellung eines Trennungszaunes zwischen dem Spielplatz 
lan der Schwalbacher Straße und den Schulhöfen der 
Königin-Lnise-Schulc bczw. der 2. Gemeindeschule be 
schäftigt. Die Kosten betragen nach dem Kostenanschlags 
1100 M. Mittel sind nicht vorhanden. Wir bitten die 
Gemeindevertretung um Zustimmung und um Bewilligung 
dieser Summe aus Kap. XV Außerordentliche Verwaltung 
des Etats für 1920. Wir beantragen daher: Gemeinde 
vertretung wolle beschließen: Für die Herstellung eines 
Trennungszanncs zwischen dem Spielplatz an der Schwal 
bacher Straße und den Schulhöfen der Königin-Luise- 
Schule bezw. der 2. Gemeindeschule werden 1100 Mark 
bewilligt; der Betrag ist im Voranschläge,XV Außer 
ordentliche Verwaltung, für 1920 bereitzustellen. 
Vorlage betr. Bewilligung von Mitteln für die Beschaffung 
von Wrinschrän'.cu im Ratskeller. 
Infolge Vermehrung der Weinsorten hatte der Rats- 
kellerwirt den Antrag auf Beschaffung eines Wcinkühl- 
schrankes und eines Rotweinschrankes für die Weinaus 
gabe im Ratskeller gestellt. Der Banausschuß hat dem 
Antrage zugestimmt und die Kosten für diese Schränke 
auf 2525 M. ermittelt. Bei der Dringlichkeit der Be 
schaffung und der Möglichkeit eines weiteren Steigens 
der Preise ist der Schrank inzwischen Bestellt und geliefert 
worden. Wir bitten die Gemeindevertretung um nach 
trägliches Einverständnis und um Bewilligung der Kosten. 
Wir Beantragen daher. Gemeindevertretung wolle be 
schließen: „Für Beschaffung eines Weinkühlschrankes und 
eines Rotweinschrankes für. den Ratskeller werden 2525 
Mark bewilligt. Der Betrag ist int Voranschlag XV Außer 
ordentliche Verwaltung für 1920 bereitzustellen." 
Vorlage betr. Bewilligung von Mitteln für die Ver 
größerung der Lchrbüchereigestelle im Gymnasium. 
Durch Anwachsen der Bücherei des Gymnasiums in 
folge Annahme von Schenkungen für die Lchrerbücherei 
ist Platzmangel eingetreten. Diesem Uebelstand kann durch 
Einfügung von Einlegeböden in die für Erweiterung ein 
gerichteten Büchergestelle abgeholfen werden. Der. Bau 
ausschuß hat die Kosten auf 1200 M. festgestellt und bittet 
die Gemeindevertretung, mit der Beschaffung von Einlege 
böden sich einverstanden erklären zu wollen und die Kosten 
aus Voranschlag XV,. Außerordentliche Vertvaltung, zu 
beNilligen. Wir beantragen dihcr: Gemeindevertretung 
wolle beschließen: „Für die Vergrößerung der Lehrer 
büchereigestelle des Gymnasiums werden 1200 Mark be 
willigt. Der Betrag ist im Voranschlag XV, Außer 
ordentliche Verwaltung für 1920 bereitzustellen." 
Vorlage betr. Bewilligung von Mitteln für die Her 
stellung einer Blrtzschutzanlage in Gütergotz. 
Der Gärtnerei- und Friedhofsausschuß und der Bau- 
ausschuß haben sich in ihren Sitzungen ausführlich mit 
der Herstellung einer Blitzschutzanlage für das neuerrichtele 
Wirtschaftsgebäude auf dem Fricdhofsgclände in Güter 
gotz beschäftigt. Bei der isolierten Lage des Gebäudes in 
der erfahrungsgemäß von häufigen Gewittern berührten 
Gegend ist ein Schutz des Gebäudes und seiner Bewohner 
unbedingt erforderlich. Der Sachverständige des Kreises 
Teltow hat eine Sicherung des Gebäudes ebenfalls als 
notwendig hingestellt. Die Kosten stellen sich — einschl. 
der dabei erforderlich werdenden Dachdecker-, Klempncr- 
usw. Arbeiten — auf rund 1500 M. Die Mittel sind 
nicht vorgesehen. Wir bitten, die Kosten aus Voranschlag 
XV 3, Außerordentliche Verwaltung für 1920 bewilligen 
zu wollen und beantragen daher: Gemeindevertretung 
wolle beschließen: „Für die Herstellung einer Blitzanlage 
für das Wirtschaftsgebäude in Gütergotz werden 1500 M. 
.bewilligt. Der Betrag ist im Voranschlag XV, Außer 
ordentliche Verwaltung, für 1920 bereitzustellen. 
Vorläge ibotr. Bewilligung von Mitteln für die Beschaffung 
von Turngeräten in der 3. Gemetndeschule. 
■ Zur Vervollständigung des Turngeräte-Jnventars für 
die Turnhallen der 3. Gemeindeschule ist die Beschaffung 
von Bällen, Schlaghölzern, Geren usw. nach Beschluß der 
Sitzung der Schuldcpntation vom 4. Mai 1920 unbedingt 
erforderlich. Der Bauausschuß hat sich mit dieser Frage 
ant 17. Mai 1920 beschäftigt und empfiehlt die Beschaffung 
der gewünschten Turngeräte, die nach Ausweis des von 
der Firma Wünsche eingeholten Angebots einen Betrag 
von 1672,5)0 M. verursachen. Wir bitten die Gemeindever 
tretung um Zustimmung und Bewilligung der Kosten aus 
Voranschlag XV, Außerordentliche Verwaltung des Etats 
von 1920. Wir beantragen daher: Gemeindevertretung 
wolle beschließen: „Für Beschaffung von Turngeräten für 
die Turnhallen der 3. Gemeindeschule werden Ä672.50 M. 
bewilligt. Der Betrag ist tut Boranjchlage XV, Außer 
ordentliche Verwaltung, für 1920 bereitzustellen." 
Vorlage betr. Bewirtschaftung des Ausschanks attohoksrcker 
Getränke auf dem Spielplatz an der Offenbach-rstraße. 
In der Sitzung am 22. April 1920 wurde gelegentlich 
5er Bewilligung von 24 000 M. für Instandsetzung Bes 
Spielplatzes an der Offenbacher Straße beschlossen, über 
die Grundsätze, die bei der Bewirtschaftung des Aus- 
■ schanks .für alkoholfreie Getränke maßgebend sein sollen, 
Vorlage zu machen. Der Jugendpfl^geausschuß hat sich 
inzwischen mit der Angelegenheit eingehend beschäftigt 
und folgende Vorschläge gemacht: Der Ausschank erfolgt 
in dem hierfür vorgesehenen Raunt des Sporthäuschcns 
auf dem Spielplatz an der Offenbacher Straße. Die Aus 
gabe der Getränke besorgt die Frau des Heizers der 3. Ge- 
meindeschnle unentgeltlich; ihr steht nur der Differenz- 
betrag zwischen Anschaffungs- und Verkaufspreis als Ent 
schädigung für die Mühewaltung zu. Verabfolgt werden 
die Flasche Selters mir 40 Pfennig (int Einkauf 27 Pfg.), 
die Flasche Limonade mit 50 Pfennig (im Einkauf 37 Pfg.), 
das Glas Himvecrlimonade nnt 30 Pfennig (Herstellungs 
kosten 25 Pfg.) und die Tasse Kaffee mit 25 Pfennig 
(Herstellungskosten 20 Pfg.); die Preise von 40 und 50 
Pfennig für die von der Mineralwasserfabrik gelieferten 
Getränke sind als Mindestpreise anzusehen. Ein Verkauf 
unterhalb dieser Grenze darf nicht erfolgen, wohl aber 
darüber. Die Verkaufspreise werden vom Jugendpflege- 
ausschuß neu festgesetzt, sobald eine Aenderung in den 
Einkaufspreisen oder Herstellungskosten eintritt. Andere 
als die vom Jugendpflegeausschuß zugelassenen Waren 
dürfen nicht zum Verkauf gebracht werden. Die Kosten 
für die für die Zubereitung warmer Getränke (Kaffee) 
benötigte Gasmenge übernimmt die Geineinde. „Wir 
schließen uns diesen vom Ausschuß gegebenen Richtlinien 
an und bitten, ihnen zuzustimmen." 
Vorlage betr. Orgamifation der Jugendpflege. 
Die Gemeindevertretung hat in der Sitzung am 5. Fe 
bruar d. I. gelegentlich der Bewilligung der Mittel 'für 
die Einrichtung des Jugendheims beschlossen, daß der 
Gemeindevertretung über die Orgmtisation der Jugend 
pflege Vorlage zu machen ist. Der Jugendpflegeausschuß 
hat nach Besprechung mit dem Jugendpfleger folgenden 
Organisationsplan vorgelegt: 
Jugendpflegeausschuß. A. 1. Dem . bestehenden, von 
der Gemeindevertretung eingesetzten Jugendpflegeausschuß 
liegt die Pflege für die gesamte Friedenaner Jugend im 
Die Briest der ftlinrerrirr. 
Kon E. Ph. Oppenheim. 
73 (Nachdruck Verb Ken.) 
„Ich weiß, ich weiß, wann es war'." stieß sie hervor, 
und es war kein Tropfen Blut mehr in ihrem Antlitz. 
„Und es geschah hier in Berlin?" 
„Ja! Otto Martens wurde hinterrücks erschlagen, als 
er in den Morgenstunden in seine Wohnung zurückkehren 
wollte. Auf dem Treppenslur des Hauses, das er-hier be 
wohntes wurde das Verbrechen an ihm verübt. Ich selbst 
bin es, der ihn gefunden hat; denn ich wohne in dem 
gleichen Haufe." 
„Ich flehe Sie an, verschweigen Sie mir nichts I Er 
zählen Sie es mir mit allen Einzelheiten!" 
„Werden Sie sich auch stark genug dazu fühlen?" 
fragte Hollfelden besorgt. Aber sie forderte ihn nur mit 
einer heftigen Kopfbewegung auf, zu sprechen. 
„Um drei Uhr morgens habe ich Otto Martens ge 
funden, und nicht viel früher kann die grausige Tat be 
gangen worden sein. Man hatte noch gegen Mitternacht 
bei mir antelephoniert, um mir die Bitte auszusprechen, 
Otto Martens eine Botschaft zu überbringen. Ich schrieb 
diese Botschaft, die in der Ansforderung bestand, Martens 
möge noch in der Nacht in das Saooy-Hotel kommen, auf 
einen Zettel —" » ■ 
„Wer war es, der Sie darum gebeten hatte ?" 
„Ein Rechtsanwalt Berger. Kennen Sie den Namen ?" 
„Nein, ich habe ihn nie gehört. Aber fahren Sie, bitte, 
sortl" 
„Den Zettel steckte ich in die Türspalte an Martens' 
Wohnung, weil er selbst nicht daheim war. Das war um 
Mitternacht. Ich bin dann in meiner Wohnung in einem 
Setzei-eingeschlafen. und gegen drei Uhr morgens erwachte 
ich. wie ich jetzt glaube, von dem Geräusch, das Martens 
wohl oMcmici nie. Ich erinnerte mich baran- wie dringend 
und weil ich die Befürchtung hegte, Martens könne den 
Zettel übersehen haben, begab ich mich zu seiner Wohnung 
hinauf, um ihm die Bestellung mündlich noch einmal aus 
zurichten. Da fand ich ihn denn." 
„Und von dem Täter? Haben Sie nichts, gar -nichts 
wahrgenommen?" 
„Nichts! Nicht einmal den allerkleinsten Anhalt, wo 
man ihn zu suchen hatte. Sie aber, Sie hegen einen be 
stimmten Argwohn, nicht wahr?" 
Ihr ganzes Benehmen war ein Beweis dafür. Jetzt, 
da er sie geradezu fragte, fuhr sie zusammen und starrte 
ihn einen Augenblick lang schweigend an. Dann aber sagte 
sie so hastig, als wolle sie ihr Zögern wieder gutmachen: 
„Wie sollte ich dazu kommen? Nein, nein, ich weiß 
gar nichts. Mayring muß sich hier in Berlin Feinde ge 
macht haben." 
„Nach allem, was die polizeilichen Nachforschungen 
ergeben haben, hatte Martens hier in Berlin keine Feinde, 
denen eine so entsetzliche Tat zuzutrauen wäre. Er ver 
kehrte nicht eben in der besten Gesellschaft: aber die zweifel 
haften Elemente, die ihn umgaben, zogen so erheblichen 
Nutzen von ihm, daß sie gewiß kein Interesse hatten, ihn 
zu beseitigen. Seine reichen Geldmittel —" 
„Reichen Geldmittel?" wiederholte die Frau ver 
wundert. „Glauben Sie, daß er über reiche Geldmittel ver 
fügte? Ich kann Ihnen versichern, daß seine Verhältnisse 
sehr beschränk! waren." 
„Und woraus, wenn ich fragen darf, vermuten Sie 
das?" 
-„Mayring hatte die allerdringendsten Berpflichtungen 
gegen mich. Und er kam ihnen in einem sehr unzureichenden 
Maße nach, weil er selbst nur über die bescheidensten 
Mittel verfilzte." 
enen 
erlin 
„So hat er Sie eben getäuscht, wie er nach Ihrer eig> 
Versicherung einen jeden tauschte.. Er hat hier in Bl 
gelebt, wie es sich nur ein sehr reicher Mann leisten kann — 
“** sagte Ihnen schon, daß ich ktn Hausgenosse war. und 
Ws 
wohnyeiten gewonnen. Er verkehrte mit Damen, die sich 
das Vergnügen ihres Umganges teuer genug bezahlen 
lassen, und er gab für seine eigene Person sehr viel aus." 
„Und mich — mich hat er " Sie verstummte, 
denn sie fühlte, daß sie im Begriff war, zu viel zu verraten. 
Heinz aber drängte sie: , 
„Sie hat er mit ungenügenden Mitteln versehen, nicht 
wahr? Denn Sie waren doch wohl auf bas angewiesen, 
was er Ihnen gab ?" 
Die Frau streifte ihn mit einem scheuen Blick. Und 
sie wurde mit eineni Mal sehr zurückhaltend und sehr ver 
schlossen. 
„Er hatte Verpflichtungen gegen mich, das sagte ich 
Ihnen ja schon," gab sie zur Antwort. „Aber das hat ant 
Ende nur für mich Bedeutung." 
„Nicht doch!" widersprach ihr Heinz ruhig. „Für die 
Aufklärung des geheimnisvollen Mordes haben Ihre Be 
ziehungen zu Otto Martens sehr große Bedeutung. Und 
es ist Ihre Pflicht gegen den. Toten, offen zu reden." 
„Meine Pflicht gegen den Toten!" wiederholte sie 
bitter. „Von meinen Verpflichtungen gegen ihn hat mich 
Mayring oder Martens, wie er nun in Wirklichkeit heißen 
-mochte, schon zu seinen Lebzeiten entbunden. Und ick 
versichere Ihnen, daß ich nichts, gar nichts zur Aufklärung 
des Verbrechens beitragen kann." 
- Da erhob sich Herbert, um schweigend der Logeutür 
zuzugehen. Heinz woiite eine Fruae an ihn richten: aber 
r ii Blick des Freundes bedeutete ihm, ihn ruhig gehen zu 
lassen. 
Die Frau folgte Wehringen mit den Blicken, bis sich 
die Tür hinter ihm geschlossen hatte. Und dann fragte sie 
wie in mühsam unterdrückter Furcht: 
„Wer ist der Herr? Doch nicht * 
„Rein, er ist nicht von der Polizei," ergänzte Heinz 
verständnisvoll ihre Rede. „So wenig, wie ich es. bin. Und 
ich bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse: seien Sie auf 
richtig gegen mich I In inir haben Sie nur einen Menschen 
vor sich, der rein menschliches Interesse an dem Schicksal .^
        
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