Path:
Periodical volume Nr. 125, 07.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

tHpnüTo, 20 Zrnkrum,' 14 Demokraten, 3 württembergi- 
her Bauernbund, 1 Weife und, 1 Kommunist/ ' 
Magdeburg, 7. Juni. Vorläufiges LüahlcrgeLnis aus 
rägdcburg-Stadt: S. P. D. 61 863, U. P. D. 31044, 
Scntr. 3085, Deutsche Volkspart. 28 245, Deutschnat. il3 132, 
Jbitolr. 24 381, Natioualdcmokr. 401/ K. P. D. 1840. 
Dresden, 7. Juni. Vorläufiges Gcsanrtresultat. Stadt 
B resdcii: S. P, D. 91 412,'Deutsche Volksp. 66 410, U. S. P. D. 
4 316, Zctltr. 4600, Deutschnatioual 33 763, Dcmokrai. 28 691, 
Volksp. 81, K. P. 'D .474. 
MA. Breslau. 7. Juni. Das vorläufige kSesamtresultat der Stadt 
Mreslau ergibt für die Sozialdemokraten 111 220, Dt. Volkspact. 
.42 177, Deutschnat. Volksp. 41 682, Zcurt .38 132, Deutsche 
»Demokrat. Partei 18 686, U. S. P. D. 21 917, Mittelstandspartej 
P725 und tkominunistcn 605 Stimmen. 
Hamburg, 7. Juni. Vorläufiges Gesaintergebuis des Wahl 
kreises 15 (Hamburg). Drci kleine Landgemeinden fehlen noch. 
Demokraten 97 729, 11. S." P. D. 84 494, K. P. D. 2927, 
A. P. D. 215 320, Christ!. Volksp. 5802, Polen 252, Deutschnat. 
450756, Natioualdcmokr. 202, Deutsche Volksp. 84 248, Dt.» 
Hannoversche Part. 2319. (Gesamtzahl der Stimmen 561011. 
si* Frankfurt a. M., 7. Juni. Vorläufiges Gesamtergebnis. 
>.S. P. D. 67 858, 11. S. P. D. 38 200, Deutsche Volksp. 31 139 
.Dcmokr. 32 371, Zentrum 25 680, Deutschnationale 22 834, 
K. P. D. 1235. 
OcttcTtc Oacbricbten 
v3 ruf fei. 3U3 britische Delegierte werden an der 
Ainanzkonferenz in Brüssel Lord Chalmcrs. der vor dem 
Kriege au der Spitze des Schadministeriums stand, Sir 
.John Bradbnry, Lord Culleu, Direktor der Bank von 
England, und Bell, Direktor der Lloyds Bank, teilnehmen. 
Die amerikanischen Vertreter sind noch nicht ernannt. 
Nach einer holländischen Meldung werden sie lediglich 
als Zuhörer ohne Vollmachten, die die Negierung binden 
können, der Konferenz beiwohnen. 
A m st e r d a in. Gegen die Verwendung farbiger Trup 
pen im befehlen Gebiet hat hie holländische Gesellschaft 
der Freunde der reine» Vernunft eine Resolution auge- 
nomineu, in der sie ihren „aus Herzensgrund kommenden 
Abscheu über die Beleidigung ausspricht,- die dem Volle 
von Kant und Hegel durch die Niederlassung von Kaffcrn- 
soldaten und anderen Farbigen in deutschen Städten an 
getan wird". 
Haag. Das ArbeitSkomiiec für den ständigen Völler- 
bnndgerichtShof. das auf der römischen Tagung dcS VLtler- 
biittd'rateS beschlossen worden ist, wird am 11. Juni im 
Fried.cnspalast im Haag zusammentreten. Mitglieder des 
'.Komitees sind der japanische Gesandte in Brüssel Adatci, 
Prof. Altamira (Spanien), Prof. Bevilagua (Brasilien), 
Baron Dcscckmps (Belgien), Prof. Badda (Italien), Fro- 
liiageot (Frankreich), Lader (Holland), Lord Phillimore 
«England), Elihu Noot. (Amerika) und Vcsnitsch (Serbo- 
kroarien). 
SrüMW« W SrieSoiinu iii WmbkL 
(Rachdr. unsrer o-Originalarlikcl nur mit Qucllenaugabe gestattet.) 
olch Das 'Schiedegr-rscht für Groß-Verlin. Die neue 
Sto.dcgemciude Berlin hat sich mit den Restvcrbändcn der 
Kreise Teltow, Nicdcrbarnim und Osthavelland und der 
Provinz Brandenburg über Geldentschädigungcn und über 
den Verbleib der Kreis- und Provinzialeistrichtungen und 
--anstellten auseinaiiderzilsehei:. Soweit eine Einigung nicht 
zustande kommt, entscheidet ein Schiedsgericht, dessen drei 
Mitglieder jetzt von den im Gesetz Gross-Berlin genannwn 
Stellen berufen worden sind. Vorsitzender des Schieds 
gerichts ist Obervräs-denr Dr. Maier, Stellvertreter Ober- 
tzräsidialrat von Hahnkc. Pom Präsidenien des Ober 
st er w a! t» n gs g c r i chts sind die Oberverwaltungsgerilbtsräte 
Rusfmann und Dr. Büttner, zu deren SleilveBretern 
vom Minister deS Innern die Obervcrwaltungsgerichtsräte 
BartclS I und Dr. Frenzel berufen worden. . Als Ver 
treter der Bezirksausschüsse Berlin und Potsdam gehören 
, kraft Gesetzes dem Schiedsgericht die VcrwaltnugsgerichtS- 
direkrörcu Wagner und v. Usedom an; sie werden ständig 
.Lurch die Negierungsräte Oppenheimer und Dr. v. Leyden 
.vertreten. Der Magistrat Berlin hat zu seinem .Ver 
treter den Geheimen Justjzrcil Eassel, zu dessen- Stell 
vertreter den Stadtv. Bruns gewählt, der Magistrat Ehar- 
lottenbnrg den Stadtrat und Kämmerer Scholtz, zum 
tmmsmx&KzzemmisssKiiKa 
sjßsi o A Or 
45 A U 'FL | f\ t'(S «K A> «? H §-ch 
Ban E. PH. Oppenheim. 
72 (Nachdruck Verb >ten.) 
„Bitte, wollen Sie nicht freundlichst Platz nehmen," 
sagte er mit ernster Höflichkeit. „Ich habe gehört, daß Sie 
sich hier nach einem Herrn Mayring erkundigten. Der 
Name selbst ist mir fremd; aber die Schilderung, die Sie 
von dem betreffenden Herrn entwarfen, schien mir aus 
einen meiner Bekannten zu passen. Ich habe Sie deshalb 
zu mir bitten lassen, um von Ihnen noch einige nähere 
Angäben über den Herrn zu erhalten, die eine Feststellung 
seiner Identität ermöglichen." 
Schüchtern hatte sich die Frau auf den äußersten Rand 
-des angebotenen Sessels niedergelassen, und während sie 
rinn sprach, zuckte es fortwährend um ihre Mundwinkel 
wie bei einem Kinde, das dem Weinen nahe ist. 
i „Sie sind sehr gütig," sagte sie mit leiser und vcr- 
schleierter Stimme. „Ich wäre so froh, wenn ich von Ihnen 
«etwas über mei — — über Herrn Mayring erfahren 
könnte. Und ich will Ihnen gern sagen, was Sie von mir 
wissen wollen." 
Auch Herbert und Hollfelden hatten sich gesetzt. Und 
während Wehningen sich auf die Nolle des schweigender 
Zuhörers beschrankte, behielt Heinz bas Wort. 
„So haben Sie vielleicht die Güte, uns das Aus 
sehen des betreffenden Herrn noch einmal zu beschreiben, 
womöglich auch die Kleidung, die er zu tragen pflegte!'' 
Ohne Zöger» kam die Unbekannte seinem Vcrlanger 
nach, Aufmerksam folgte Heinz ihrer Schilderung; und bis 
charakteristischen Einzelheiten, die sie ihm angab, nähmet 
ihm sehr bald auch den letzten Zweifel darüber, daß Mayrinx 
und Martens wirklich ein und dieselbe Person waren. 
.7 Aber als die Frau dann verstummte, befand sichHeinj 
in Verlegenheit, was er ihr sagen sollte. Es war je 
seiner festen Ueberzeugung nach die Frau des Ermordeten, 
dis er da vor sich hatte; und ebenso sicher fühlte er, das 
sie keine Ahnung hatte von dem furchtbaren Schicksal, da; 
ihren Gatten gctrcssen. Es war eiste schwere Aufgabe, ihi 
Stellvertreter den Stadlsyndikus Sembrihki, der Magistrat 
.Neukölln den Bürgermeister Scholz, zu dessen Stellvertreter 
den Stadtrat Dr. Foelsche,' der Magistrat Schöncberg den 
Stadträt a. D. Wasmanndvrff, zum Stellvertreter den 
Stadisyndikus Dr. Müthesius, der Teltower Kreisausfchnß 
den Unter-staatssekretär -a. D, Dr. Busch (Stellvertreter 
Justizrat Dr. Karl Meidingcr-Nikolassee), der Nieder- 
barnimer Kreisausschuß den Bürgermeister a. D. Rcg.- 
Nat beim Finanzamt Eoscl, Dr. Woelck (Stellv. Landrat 
a. D. von Bredow). der Krcisausschuß Osthavelland den 
KrciSlämmerer Miericke (Stellv. Kommissionsrat Franle- 
Nauen), der Brandenburgische Provinzialgusschuß den 
Oberbürgermeister Geheimen Regicrnicgsrat Drciserl- 
Eottbns. — Zu der begründenden Sitzung, zur Beschluß 
fassung über die Geschäftsordnung und zur Besprechung 
allgemeiner Vorfragen ist, wie 'wir hören, das Schieds 
gericht vom 'Oberpräjidentcn Dr. Maier auf Montag, den 
14. d. M., einberufen worden. 
o 1 Liter Milch aus sämtliche Kindergarten. Aus die 
Kindermilchkarten AI» A 2, Bl, V 2, 6 1 und 6 2 gibt 
es je 1 Liter Milch. Die tzK L.-Krankenkartcn werden bis auf 
weiteres mit % Liter Vollmilch beliefert. - 
o Die d:ränderten Reiseärol'marlcn! Das Aeußere der 
Neiscbrotmarke ist, wie schon kurz berichtet, verändert wor 
den. Der bisherige Ausdruck „Reisebrotmarke" ist fort 
gefallen. Sie lautet über 2 mal 50 Gramm Gebäck. Die 
Rückseite trägt zweimal nebeneinander den Ausdruck „Derch- 
schcs Reich, Reisebrotmarke, 50 Gr. Gebäck". Inmitten 
dieses Aufdrucks befindet sich der in grüner Farbe her 
gestellte Reichsadler. Sollen nur 50 Gr. Gebäck entnommen 
werden, so mriß die Reisebrotmarke in der Mitte geteilt 
werden. Der Druck ist wie bisher auf gelbem Papier 
und mit durchlaufendem Wasserzeichen sowie mit roten und 
blauen Fasern erfolgt. Es ist beabsichtigt, die jetzt gül 
tigen Rcisebrotinarkcn in einiger Zeit für ungiftig zu er 
klären. Ein Umtausch der alten in neue Marken ist nicht 
zulässig. Soweit ans der Brotkommission alten Musters 
vorhanden sind, sind sie weiter an das Publikum zu 
verabfolgen. Vom 7. Juni d. Js. an findet eine Kürzung 
der Nation beim Umtausch der kommunalen Brotkarte 
in Rcisebrotinarkcn nicht mehr statte Von diesem Tage 
ab sind den Verbrauchern Neiscbrotinarken.nach Maßnabe 
der in Per Wohnsitzgcineinde gewährten Wochenkopfmenge 
an Brot -auszuhändigen und zwar zur Zeit 1900 Gr. 
Für einzelne Tage sind zu verabfolgen: für 1 Tag 250 
Gramm, für 2 Tage 500 Gramm, für 3 Tage 800 Gr. 
für 4 Tage 1050 Gramm, für 5 Tage 1350 Gramm, für 
6 Tage 1600 Gr., für 7 Tage 1900 Gr. 
v LcLensinittelverteilunz in Berlin-Schönebcra. Vor 
anmeldung bis zum 8. Juni: 200 Gramm Linsen auf 
Abschnitt 27 der allgemeinen Lebensmittelkarte; 125 Gr. 
Gcrsteufgbrikate ans Abschnitt 28 der allgemeinen Lebens- 
ncittelkarte; 1 Päckchen Penners Rote Grütze und 1 Päck 
chen Penners Soßenpulver ans Abschnitt 16 der roten 
und grünen Schöncbcrger BezugSlarrc. Ausgabe: 250 
Gramm Kunsthonig auf Abschnitt 20 der allgemeinen 
Lebensmittelkarte; 125 Gramuc Haferflocken auf Abschn. 22 
der allgemeinen Lebensmittelkarte. Fortsetzung der Aus 
gabe von: 250 Gramm inl. zuckcrgesüßter Marmelade ans 
Abschnitt 19 der allgemeinen Lebensmittelkarte; 125 Gr. 
Kartoffelstärkemehl ans Abschnitt 21 der allgemeinen Lc- 
bensniittelkarte; 259 Gramm weißen Bohnen ans Abschnitt 
25 der allgcinei..eck' Lebvnsmittclkartc. Die Abschnitte 23 
der allgemeinen- Lebensmittelkarte und 48 der roten und 
grünen Schöncbcrger Bezugskarte werden für verfallen 
erklärt. Die Nährmittelsonderkarten für Kinder tt. Kranke 
werden im Monat Juni zu 2 /s mit Haferflocken und zu 
Vs Jini Kindergerstenmeh! beliefert. 20 Gramm Butter 
und 70 Gramm Margarine aus Abschnitt 24 der Spetse- 
fettkarte. 250 Gramm anst. Gefrierfleisch auf Abschn. 24 
?er Ncichsfleischkarie. Der markenfreie Verkauf wird mit 
Wirkung vom 6. Juni ab aufgehoben. Die für diese 
Woche in Frage kommenden 5 Pfund Kartoffeln auf die 
Abschnitte 24 a—e der Kartofsellartc sind bereits aiifge- 
rnfen. Auf die Abschnitte 26 und 27 der roten und grünen 
Schöneberger Bezugskarte können je 2 Pfund, im ganzen 
also 4 Pfund entnommen werden. 
o Dcr 1. Lorsitz/nde des Teutsch. Gastwirt:Verbandes, 
e. V-, Adolf Kuhn, Fehlerstr. 17, wurde in den Reichs- 
Wirtschastsrat berufen. 
o Tic goltzgric .Hochzeit feierten gestern der Mosel- 
straße 9 wohnhafte KricgSvcteran von 1870—71« und von 
„Jener L)errAiayriug hat Ihnen nahe gestanden, »ich« 
wahr V" 
Aus den eingefallenen Wangen der Frau erschienen 
fieberisch rote Flecken, und sie machte eine heftige Bewegung 
„Er hat mir vielleicht einmal nahe gestanden," sagn 
sie mit vor Erregung zitternder Stimme. „Aber es sink 
gewiß nicht freundschaftliche Gefühle für ihn, die mich ver 
anlassen. nach ihm zu forschen. Wenn Sie etwas von 
ihm wissen, Herr — oh, so sagen Sie es mir! Sie wür- 
den mir einen unendlich großen Gefallen damit erweisen.' 
Es war gewiß nicht Liebs sür Martens, was aus 
ihren Worten klang. Und noch etwas anderes fiel Heins 
auf, daß die Aussprache dcr Frau, obwohl sie das Deutsche 
gut zu beherrschen schien, etwas Fremdartiges hatte. 
„Sie haben nichts davon gewußt, daß Mayring sich 
hier in Berlin auch anders nannte?" 
„Eewußtihabe ich es nicht, aber es wird wohl so sein. 
Denn Mayring belog und betrog ja jeden, mit dem -er 
cs zu tun hatte. Sie wissen also doch etwas von ihm?" 
„Ich glaube in der Tät, Ihnen einige Auskunft geben 
zu können," erwiderte Hollfelden noch immer zögernd und 
unsicher. , 
„Aber noch eine Frage zuvor, fuhr Hollfelden fort. 
,,Haben Sie jemals den Namen Martens gehört?" 
Er beobachtete sie scharf. Aber sie schüttelte in offen 
barer Verständnislosigkeit den Kopf. 
„Nein! Oder," sügte sie hinzu, indem sie wie in an 
gestrengtem Nachsinnen vor sich hinsah, „es ist mir doch, 
wie wenn ich ihn einmal irgendwo gelesen habe. Aber 
was ist es damit? Hat sich etwa Mayring " 
»Ja, er nannte sich hier in Berlin Otto Martens," 
sagte Heinz nun offen. „Otto war doch vermutlich sein 
richtiger Vorname, nicht wahr?" 
„Ja, ja, er hieß Otto Mayring, oder er gab doch 
wenigstens vor, so zu heißen. Denn man weiß ja nicht, 
wann er die Wahrheit sagte und wann er log. Was 
wissen Sie von ihm? Wo hält er sich hier auf?" 
„Machen Sie sich darauf gefaßt, etwas sehr Uner- 
sreuliches, sehr Trauriges zu hören," sagte Heinz emst und 
schpnend. „Fühlen Sie sich stark genug, es zu ertragen ?" 
Die Auger;, der Frau .hatten sich weit geöffnet. Voller 
Entsetzen starrte sieihn^, sie /hotte ihn nur zu gut be. 
griffen., 
seinem Htzüswirt 
te HauStvart - Herr 
seine Glückwünsche durch persönliches Erscheinen 
sitzenden 'Frau Wetz eil in Begleitung von Frau De- 
lius und durch Ueber re ich ung eines größeren GLjdvetrages' 
und einer Torte. i / 
v Zur Ehrung des! Scbncidermcifters Wogner hirr- 
selbst anläßlich seines 70.,Geünrt-stages fand am Freitag, 
den 28. Mai, im Restaurant „Moselburg" eine Feier statt. 
sich dazu eingefilliden. Der Ärmendezernent,. Geheimrat 
Ebers, wies in beredten Worten auf die Bedeutung 
der seltenen Feier hin und wünschte dein greisen Jubilar 
ein gesegnetes hohes Alter. Er hob die Verdienste des 
selben als Ehrcnbeanitcr unserer Gemeinde, insbesondere, 
als Arrncnpflegcr, hervor und rühmte an ihm seine Eigen 
schaften, welche ihn in weiten Kreisen dcr Bürgerschaft! 
beliebt gemacht haben. Bewundernswert sei geradezu sein 
Humor. Sodann überreichte er ihm eine sehr gcschmack- 
erwicscne hohe Ehre und sprach die Hoffnung a;is, daß 
eS ihm vergönnt sein möge, noch recht lange der Ge 
meinde ehrenamtlich dienen zu können. Nach dem nun 
mehr beendeten offiziellen Teil der Feier folgte eine ur 
gemütliche Fidelitas. Es wurde gesungen und zwischen 
durch wurden kleinere Ansprachen gehalten und Gedichts 
vorgetragen. Von letzteren sei das von de'.n Geschichts 
maler Eloß hervorgehoben. NechnungSrat Luckwaldt 
wirkte als Deklamator. Und schließlich brachte der Restau 
rateur Böge einige Lieder zum Vortrag, die von dem 
ordentl. Lehrer Borkenhagen begleitet wurden. So schloß 
die erhebende Feier. 
o Allgemeiner Deutscher Sprachverein, Ortsgruppe 
Friedenau.. Der von der Ortsgruppe am Freitag, den 
28. Mai d. I., im neuen Vereinsheinc abgehältene Untcr- 
haltungsabcnd erfreute sich eines regen Zuspruchs. Die 
Teilnehmer haben auch Wohl au den durchweg gurcn Dar 
bietungen Freude und Genuß gehabt. Herr Oberlehrer 
Dr. Mau ermann gab zuerst einen kurzen Bericht über 
die Tätigkeit unserer Gruppe und wies dabei aus die neuen 
Arbeitsgebiete des Sprachvereins hin, die durch die neuen 
politischen Verhältnisse gegeben sind, so z. B. mehr Pflege 
des Auslandsdeutschtums durch den Verein. Auch in 
beit besetzten und abgetretenen Gebieten muß das Deutsch 
tum besonders durch Hoch- und Wachhalten dcr Mutter-, 
spräche gefestigt und gefördert werden. — Im Anschluß 
daran trug der gemischte Ehor unter Leitung des Herrn 
Dr. B ö h m e einige unserer lieben allen Volkslieder vor. 
Er erntete dafür den wohlverdienten Beifall seiner dank 
bare» Zuhörer. Nunmehr sprach Herr Dr. Gadow, 
unser Fricdcnaucr Mitbürger, über: „(rlie Geschichte des 
Bänkelsängerliedes" und führce uns in die Zeit des fah 
renden Sängers bis in die Zeit um das Mittelalter zurück: 
Zuerst erklärte der Vortragende den Begriff „Bänkel 
sänger", der von „Jank" herrührt und zeigte im Verlause 
seiner weiteren Ausführungen an Hand zahlreicher Bei 
spiele Proben dieser Gesangskunst, ivie sie beispielsweise 
in der „Grciielhochzert" zum 'Ausdruck kommt. Dev 
Bänkelsänger pflegte aber auch die Heldensage.-- «-Dioser 
Verhältnisse änderten sich erst im Mittelalter, von wo ab 
die Burgen und Schlösser diesen Leuten verschlossen blieben. 
Jetzt traten besonders verkrachte berufslose oder arbeitS- 
unlustige Menschen als „fahrende Sänger" auf und so 
entstand der Gassenhauer. Im 13. Jahrhundert unter 
schied man 4 Arten von Bänkelsängcrliedern: 1. Schimpf- 
und Schmcichellieder, 2. Liebes- und Trinklieder, Schwänke, 
3. Lieder ernsten Inhalts, 4. Ethik. Im '17. Jahrhundert 
ivurde auch die Polink besungen. Mit der Verfeinerung 
der Sitten und bedingt durch die natürliche Fortentwick 
lung der Verhältnisse in Stadt und Land staute die Sache 
allmählich ab und kam im 19. Jahrhundert fast ganz zum 
Stillstanch Was wir heute davon noch haben, sind nur 
die Ueberblcibsel einer einst glücklicheren Zeit und mutet 
uns an, >vie ein Märchen aus Großvaters Zeiten. — 
Dem Redner dankten Pie Teilnehmer durch starken Bei 
fall und nunmehr trat der rühmlichst bekannte Herr Dr. 
Max Burkhard t, unser aircr Freund und Gönner, 
„Reben Sie, um der Barmherzigkeit willen, reden Sie!" 
stammelte sie leichenblaß. „Er ist ?" 
Sie sprach das Wort nicht aus. Aber Hollfelden 
mußte nun die Wahrheit enthüllen. ' 
„Er weilt nicht mehr unter den Lebenden," sagte er. 
„Um Himmels willen, fassen Sie sich!" 
Mit einem leisen Aechzen war die Frau halb ohn 
mächtig zurückgesunken. Aber die Schwächeanwandlung 
war nur von kurzer Dauer. Sie richtete sich sogleich wieder 
auf. und Heinz erschrak vor der Härte in ihrer Stimme, 
als sie heroorpisß: 
„Es ist nicht schade um ihn. Aber für mich ist es 
freilich'sehr schlimm. Wan» ist er gestorben — und wo?" 
Was jetzt in ihrer Stimme gewesen war, war wirk 
licher Haß, und nun glaubte Heinz in der Tat keine be 
sonderen Rücksichten mehr nehmen zu müssen. In wel 
chem Verhältnis diese Frau auch immer zu Otto Martens 
oder Mayring gestanden haben mochte, daß er auch sie 
hintergangen, auch an ihr schurkisch gehandelt hatte, das 
fühlten die beiden Männer deutlich genug. > 
«Er ist keines natürlichen Todes gestorben," sagte Holl- 
felden. „Und es wundert mich, daß Sie es nicht sogleich 
gewußt haben, als ich Ihnen den Namen Martens nannte.- 
Denn va» dem Mord an Otto Martens waren ja alle 
Zeitungen voll." 
Er bereute nun doch, es ihr ohne schonende Umschweife 
gesagt zu haben. Denn die Züge der Frau verzerrten sich 
vor Schrecken und Entsetzen, und in ihren Augen spiegelte 
sich eine unfaßbare Seelenangst. 
„Ermordet!" stöhnte sie. „Bon wem —von wem ist er 
ermordet worden?" 
„Man weiß es noch nicht. Gerade von Ihnen aber 
hoffte ich darüber einige Aufklärung^zu erhalten." 
Die Frau achtete nicht auf seine letzten Worte. Sie 
mußte von einer wahrhaft entsetzlichen Vorstellung erfüllt 
sein, denn sie war halb von Sinnen, als sie atemlos und 
bebend stammelte: \ 
„Wenn Sie barmherzig sind, Herr, sä antworten Sie 
mir auf das, was ich Sie frage h Wann ist er ermordet 
wordenZ) ^7 . 5, 
„In einer Nacht des Juni. Es war am —" 
Sie erhob abwehrend beide «ände. -
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.