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Periodical volume Nr. 125, 07.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 125 , BeMs-Friedeulm, Moutrrk 
1, den 7. Sunt 1920 gchrg. 27 
Starker Strmwdnzuwqchs der Deutschen VoWpirrtei und I 
der Uiuchhävgigcn; Skrrnmenvcrlust der Demokrat«» und 
9 Mechrhiüitssozilrldgmoiraten. — Ruhiger Verlauf. 
Die ReichstagSwahl ist vorüber. Die Ergebnisse aus 
dcrn Reiche uiw aus unserem Wahlkreise liegen noch nicht 
vollständig vor. Im allgemeinen ist eine Abwanderung 
aus der Mitte nach rechts und links festzustellen. Das 
gleiche gilt mich für Friedenau. Hier haben die Derno- 
kraten und Sozialdemokraten erhebliche Einbußen gegen 
über der Nationalvcrsammlungswahl erlitten. Sehr starke 
Zunahme hat die Deutsche Bvlkspartei zu verzeichnen, 
die 4088 Stimmen ausmacht. Die Unabhängigen haben 
2647 Stimmen gewonnen. Alle anderen Parteien haben 
Verloren: die Demokraten 4100, die Mehrheitssozialdemo- 
kraten 4026, die Deutschnationalen 468, das Zentrum 461 
Stimmen. Die Spartakisten haben es hier auf 174 Stim 
men gebracht. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat nur 
71 Stimmen erhalten. Außerdem wurden 9 nationaldemo 
kratische und 13 dcutsch-hannoveranische Stimmen abge 
geben. Von den 33 688 eingetragenen Wählern herben 
27 457 gewählt, d. s. 82,30 v. H. Ein Drittel aller Stim 
men hat die Deutsche Volkspartei erhalten. Die Unab 
hängigen erhielten ungefähr ein Sechstel, die Deutsch- 
nationalen */n, Demokraten und Sozialdemokraten etlva 
Vo. Das amtliche Wahlergebnis für Friedenau ist fol 
gendes: 
Neichstagswahl 
Leutschualional 5512 
Deutsche Bottspartei 8925 
zeotrum 813 
Demokraten 2945 
Mehrheitssozialisten 3131 
Vnabtzanaige 4784 
Kommumlteu 17* 
Wirtschaft!. Bereinig. 71 
Ratioualvemokraten 9 
Welfen 15 
Ungültige 98 
Nationalvers.» 
+ Gewinn 
Wahl 
— Verlust 
5980 
— 468 
5837 
+ 4088 
1274 
- 461 
7045 
- 4100 
7157 
— 4026 
2117 
+ 2647 
08 
— 
Insgesamt 27 457 29 519 — 2062 
Das Einzelergebnis in den Bezirken ist aus der hier 
abgedruckten tabellarischen Aufstellung zu ersehen. 
' Die Wahl selbst Ist hier wie auch in anderen Bezirken 
Groß-Berlins ruhig verlaufen. Am Sonnabend wurde 
in den Straßen noch lebhaft geworben und in vielen 
kleinen Gruppen die politische Lage erörtert. 
Die Wahlzcttelverteilung wurde wohl am stärksten 
von den Rechtsparteien betrieben. Die anderen Parteien 
waren darin maßvoller. Das Verkleben der Häuser mit 
Plakaten ist diesmal dankenswerter Weise nicht so wüst 
betrieben worden, wie im Vorjahre. Man hatte sich mehr 
ans kleine Klebezettel, sogen. Rcklamemarken, gelegt, die 
fast an jeder ins Auge fallenden Stelle angeheftet waren. 
Geschleppt wurde nur von den Denischnationalen und 
der Deutschen Bvlkspartei. Die letztere fuhr am Sonn 
abend auch mit einem Reklamewagen durch den Ort, der 
die Form eines Leuchtturmes hatte. 
Am Sonnabend Abend veranstaltete die Deutsche 
Volkspartei im Reformrealgymnasium noch eine öffent 
liche Versammlung, die überaus stack besucht war. "Der 
Saal war überfüllt. Unter den Anwesenden befanden sich 
aber auch einige Hundert Gegner, namentlich Sozial 
demokraten. Der 2. Kandidat der D. Vp. Herr v. Kar- 
dorfs sprach. Er wandte sich besonders gegen die Demo 
kraten und das Berliner Tageblatt, wußte aber in sach 
licher Weise auch manchem Parteifreunde Wahrheiten zu 
sagen; er verurteilte u. a. den Antisemitismus und meinte, 
Ulan solle nicht sagen,Itznß die Inden Wucherer und Schieber 
seien, leider müsse er feststellen, daß gewuchert und. ge 
schoben wird bis in diejenigen christl. Kreise hinein, die wir 
als die besten anzuerkennen gewohnt waren. Als er auf 
den Zusammenbruch zu sprechen kam und bemerkte, daß 
die Sozialdemokratie die Front zermürbt hätte, gab es 
neben starkem Beifall auch lauten Widerspruch. Daneben 
aber erkannte er auch alle die Fehler an, die von poli 
tischer und militärischer Seite vor und während des Krieges 
begangen worden sind. Er sprach ferner über die Unfähig 
keit der fetzigen Regierung, die Stellen mit Leuten be 
setze, denen es an der nötigen Vorbildung für solche 
Posten sehlc. Er forderte Fachministcr und wandte sich 
zum Kapp-Putsch und zum Generalstreik, ivobei er in 
schärfster Form sich gegen die Unterstützung des General 
streiks durch die Demokraten aussprach. Die russischen 
Verhältnisse zog er in den Kreis seiner Betrachtungen, 
um gegen Schluß seiner Rede gegen die Verhetzungen 
und für eine Versühnung zwischen Kapital und Arbeit 
einzutreten. Er hielt auch vor, daß wir uns manchen 
Genusses entsagen müßten, namentlich an Schokolade und 
Zigaretten und erklärte, daß selbst die Jüngsten unter 
uns niemals wieder die guten wirtschaftlichen Verhältnisse 
iti Deutschland erleben werden, wie sie hier vor dem Kriege 
bestanden haben. Aber dennoch wolle er den Glauben an 
die Zukunft Deutschlands nicht aufgeben, wenn wir national 
denken und fühlen. Dann werde es wieder heißen: Deutsch 
land, Deutschland über alles; von der Etsch bis an die 
Memel. Und dieses Deutschland wollen wir haben unter 
der alten schwarz-weiß-roten Fahne. (Stürmischer an 
haltender Beifall, demgegenüber Getrampel.) Der Vor 
sitzende schlug nun vor, dieser eindrucksvollen Rede keine 
Aussprache folgen zu lassen. Unter lebhaftem Wider 
spruch der Gegner stimmte die große Mehrheit für diesen 
Vorschlag, worauf der Vorsitzende die Versammlung schloß, 
die nun das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" 
sang. Die Sozialdemokraten brachten im Saal, im Vor 
saat und auch auf der Straße „Hochs" auf die Inter 
nationale Sozialdemokratie und „Nieder" auf die Reaktion 
ans; sie sangen die Arbeitcrmarseillaisc und gingen im 
Dcmonstralivnszugc bis zur Kaiscrallee. Hier löste sich 
der Zug auf. 
Aus den verschiedenen Orten verzeichnen wir folgende 
Wahlergebnisse: 
, Berlin. Nach den vorläufigen Zählungen sind in 
Berlin abgegeben worden: Mehrheitssozialiften 185 631, 
Unabhängige 459 967, Demokraten 71 543, Zentrum 
31181, Deutsche Volkspartci 140 889, Dcutschnationale 
112 719, Kommunisten 15 169, Wirtschaftliche Bereini 
gung 28 931 Stimmen. Demnach entfallen ans die Mehr 
heitssozialisten 3, auf die Unabhängigen 7, ans die Demo 
kraten 1, auf die Deutsche Volkspartei 2 Sitze und auf 
die Deutschnationalen 1 Sitz. 
Schöneberg: Ans 27 von den 91 Wahlbezirken 
liegen die Ergebnisse vor Es erhielten: Deutschnationale 
18 040, Deutsche Bvlkspartei 22 932, Zentrum 3870, De 
mokraten 13 842, Sozialdemokraten 17 288, Unabhängige 
21800, Wirtsch. Vereinigung 1152, Spartakisten 1246. 
Steglitz: Deutschnational 8412, Deutsche Volks- 
Partei 15 700, Zentrum 1623, Demokraten 5700, Sozial 
demokraten 7905, Unabhängige 10134, Spartakisten 651. 
B ln.-W ilmers dors: Von-den 77 Wahlbezirken 
in Wilmersdorf liegt bisher das Ergebnis anS 50 Bezirken 
vor. Hier erhielten: Deutschnationale 9676, Dtsch. Volks 
partei 13 656, Zentrum 1756, Demokraten 8460, Sozial 
demokraten 6265, Unabhängige 9570, Spartakisten 334. 
Dahlem: Deutschnational 1051, Teutsche Volispartei 
1002, Zentrum 44, Demokraten 455, Sozialdemokraten 453, 
Unabhängige 398, Writschaftl. 7 und Kommunisten 1. 
Stadt Char l o t t e n b ur g: Von den 471 Wahl 
bezirken der Stadt Charlottenburg liegen die Ergebnisse 
aus 86 Bezirken vor. In ihnen haben erhalten: Deutsch 
nationale 27 599, Deutsche Volkspartei 37 609, Demokraten 
23 908, Zentrum 6289, Sozialdemokraten 27 500, Unab 
hängige 53 310, Wirtsch. Vereinigung 9577, Spartakisten 
1504. 
In unserem Wahlkreis, Charlottcnburg, Wil 
mersdorf und Neukölln, sowie der größte Teil des frühe 
ren Wahlkreises Teltow-Becskow-Storkow, sind nach, dem 
bisherigen Ergebnis gewählt drei Unabhängige, zwei 
Deutsche Volkspartei, zwei Sozialdemokraten und je ein 
Demokrat und Dcutschnationaler. Die gewählten Unab 
hängigen sind Fritz Zubeil, Ernst Däiimig nnd Dozent 
Dr. Kurt Löwenstein. Von der Liste der Deutschen Volks- 
Partei ziehen in den Reichstag ein ihr Führer Dr. Gustav 
Siresemann und Landrat von Kardorff, der wenige Wochen 
vor den Wahlen von den Deutschnationalen zur Deut 
schen Volkspartei übergetreten ist. Die Sozialdemokrat«! 
des Kreises entsenden Eduard Bernstein und Frau Rhneck, 
die Demokraten Dcrnburg und die Deutschnationalen den 
Verlagsdirektor Reinhold Wnllc. 
4- 
Berlin. Um 10 Uhr vormittag konnten 182 Ab 
geordnete als gewühlt gelten, und zwar: 48 Unabhängige, 
44 Sozialdemokraten, 29 Deutsche Volkspartei, 22 Deutsch- 
Bezirk 
Unabhängige 
Sozial- 
demokratische 
Partei 
Sozial- 
demokratische 
MchrheilS- 
Partei 
Deutsche 
demokratische 
Partei 
Teutsche 
DoikSpartei 
Deutsch- 
nalionale 
Volkspartei 
Christliche 
Volkspartei 
Wirtschaft»- u. 
Nrbeitspartei 
(Nufbaupart.) 
Kommunist. 
Partei 
(Spartakus. 
bnud) 
Wirtschaft!. 
Vereinigung 
für den ges. 
Mittelstand 
National- 
demokratische 
Parlei 
Welfen 
Ungültig 
• Insgesamt 
1 
267 
198 
1 
166 
500 
397 
40 
— 
4 
3 
— 
1 
2 
1578 
2 
397 
162 
124 
436 
281 
50 
— 
18 
1 
— 
1 
7 
1418 
3 
236 
161 
152 
580 
350 
30 
— 
18 
4 
— 
— 
1 
' 1522 
4 
273 
155 
100 
489 . 
323 
62 
— 
2 
2 
— 
— 
4 
1105 
b 
270 
119 
175 
517 
426 
32 
— 
11 
8 
— 
4 
2 
1564 
G 
372 
165 
140 
512 
297 
54 
— 
20 
4 
— 
-- 
4 
1568 
7 
245 
127 
179 
504 
380 
45 
— 
6 
4 
— 
4 
3 
1497 
8 
201 
151 
209 
574 
300 * 
42 
— 
6 
t 
— 
1 
— 
1485 
9 
186 
164 
176 
617 
237 
66 
— 
8 
4 
•- 
— 
3 
1501 
10 
192 
203 
212 
601 
275 
43 
— 
5 
3 
2 
— 
5 
1541 
11 
2G7 
198 
132 
556 
251 
34 
— 
17 
5 
' — 
— 
8 
1407 
12 
175 
186 
213 
599 
239 
40 
— 
2 
— 
2 
— 
9 
1515 
13 
195 
150 
177 
593 
358 
41 
— 
14 
1 
— 
5 
1539 
14 
243 
219 
155 
670 
279 
60 
— 
7 
t 
r 
— 
5 
1518 
15 
207 
' 180 
123 
641 
236 
47 
— 
8 
3 
■ 
4 
15 
1559 
16 
817 
210 
122 
577 
261 
42 
— 
9 
5 
— 
ii 
1554 
17 
867 
226 
191 
462 
213 
49 
— 
14 
14 
2 
— 
3 
1541 
18 
269 
157 
199 
590 
301 
66 
— 
7 
5 
— 
— 
11 
1595 
1 4764 .1 3131 
J. ■ ■' 1 ’ 
2 915 
9 925 
, 
1 
1 5 512 
613 
— 
174 
71 
9 
13 
98 
27 457
        
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