Path:

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

auf beiden Seiten dir Fenster öffnen,- bann'müssen zwar 
zolle Mitfahrenden ihre Zustimmung erteilen. So liegt 
also die „Rechtsfrage." klar und deutlich. In England 
tgibt's nur >c>in „Gewohnheitsrecht^ in diesem Falle, nach 
dem über das Oeffncn und Schließen nur die dem Fenster 
zunächst Sitzenden zu entscheiden haben. In Frankreich 
- Hinwider fährt man "allgemein am liebsten bei stets ge 
schlossenem Fenster, sehr zum Acrgcr der vielen Fremden, 
- die nach dort kommen. 
o „Und jedes' legt noch schnell ein Ei ." Ein alter 
Friedenauer besitzt einen Papagei, an dessen fröhlichem 
Geplapper er sich seit 33 Jahren erfreut. Doch eines 
Tages saß „Lorchen" still und traurig in seinem Käsig. 
Es wollte nichts fressen und kein munteres Wort kaut 
aus seinem Schnabel.. Sein besorgter-Herr deckte den 
Käfig über Nacht recht schön zu und war gewiß, am 
nächsten Morgen Lorchen als Leiche vorzufinden. Wer 
aber beschreibt seine Freude, als ihm am andern Morgen 
der Vogel lvieder fröhlich „Guten Morgen" wünschte und 
- mit dem Schnabel auf einen Gegenstand wies, den sein 
Besitzer als ein — Ei erkannte. Lorchen hatte also tags zu 
vor heftige Schmerzen gehabt, weil es das Ei, das den Leib 
quälte, nicht los werden konnte. Wenn man aber auch 
nach 33 Jahren das erste Ei legt, läßt sich dieser Leib- 
schmerz verstehen. Doch Gott sei Dank geht es Lorchen 
nicht so, wie den Hühnern in Wilhelm Busch; cs ist jetzt 
lustiger wie je und dürste nach dieser Qual noch ein «cht 
hohes Alter erreichen. Uebrigens kann man eö verstehen, 
wenn bei dem allgemeinen „Hühncrstreik" Papageien!fich 
berufen fühlen, „Ersatz", zu liefern! 
.(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Ueber unser Mictsrirngungsnmt. 
Auf 'Grund der Verordnung des Ministers für Volkswohl 
fahrt Pom 9. 12. 1919 hat der Wohnuugsverband Groß-Berlin 
unter dem 14. 4. 1920 eine Verordnung erlassen, nach welcher 
die Wohnungen mit Zentralheizungen usw. die Heizstosskostcn 
aus die Mieter anteilig umzulegen sind, und zwar nach der Qua- 
'oratmcterzahl der mit Heizkörpern versehenen Räume einer 
Wohnung. Man mag über die Güte der in Mictssacheu er- 
Staffelten Verordnungen verschiedener Meinung sein; da sie taber 
existieren und giltige Gesetze sind, muß man -sie anerkennen 
JUttb sich nach ihnen richten. Man sollte es ivenigstcns .meinen. 
Mindestens sollte man dies von den Organen voraussetzen, die 
dazu berufen sind, diese Gesetze anzuwenden und sich als Richt 
schnur bei ihren Entscheidungen dienen zu lassen, nämlich bei 
. den ßRietseinigungsämtern. DaS ist nun leider nicht der Fall. 
Als Mir vom Borsitzendeit deS Friedenauer MietScinigungSa 
amtcs Erklärt wurde, daß ich sür meine Vicrzimmcr-Wohnuug- 
nicht nach der Grundsläche der beheizten Räume, wie das Ge 
setz es- will, sondern nach der Zimmcrzahl' die Hcizstosfkosten 
und darnach den Heizstosskosteuvorjchuß zu zahlen habe, wies ich 
darauf hin, daß nach der aus Grund 'deS Beschlusses des Pcr-t 
Pandsausschusses deS Wohnungsverbandes Groß-Berlin erlassc- 
lticn Verordnung deS WohnungSvcrbandeS vom 14. 4. 4920 
(veröffentlicht in Nr. 80 des „Reichs- und StaatsanzeigerS" 
vom 16. 4. 1920") doch nur einzig und allein' die Grundsläche 
und nicht die Zimmcrzahl maßgebend sei. Der -Herr Vorsitzende, 
cntgegente darauf, cs sei in der Verordnung nur die Anwendung 
der Grundfläche als beispielsweise angeführt, dem MietSciui- 
gungsamte aber überlassen, was cs anwenden wolle, ob Grund 
fläche oder Zimmerzahl; im übrigen käme es doch schließlich auf 
dasselbe hinaus, ob so oder so. Als ich, unter Vorlegung der 
Verordnung, aus das vollständig Unzutrcjfcnde seiner Behauptung 
hinwies' und daran, erwiderte, in der Verordnung stehe klar und 
deutlich, daß nur die.Grundfläche und nicht die Zimmerzahl maß 
gebend sein solle, meinte er nunmehr: aber in der Verord 
nung des Ministers sei dem MictSeiniguugsamte die'Wahl ge 
lassen, was es anlvcnden wolle (was, wie tvciter unten ausge 
führt, auch nicht zutreffend ist). Stuf meine Entgegnung, daß, 
wenn das Amt entscheide, wie cs beabsichtige (und wie cS tat 
sächlich getan) cs gegen die Verordnung deS Wohnungsvcrbandes 
handle, gab er das zu, meinte aber, cS wäre das bequemer, 
und cs käme in der Praxis schließlich auf dasselbe hinaus. Nun ist 
aber die Behauptung des Herrn Vorsitzenden, das Mietseini- 
xgungsamt hätte nach der Verordnung des Ministers für Bolks- 
Ivohlfahrt voin 9. .12. 1919 freie Wahl, welchen Maßstab es 
seinen Entscheidungen zu Grunde lege,: tvolle, wie schon erwähnt, 
vollständig unzutreffend. Im 8 7, Abs. 6, dieser Miuisicrial- 
verordttuug steht cs klar und deutlich, daß nicht das MictScini- 
. gungsamt, sondern einzig und allein der Wohnungsverbaud 
diese freie Wahl hat. Letzterer hat diese Wahl und damit dir 
Entscheidung getroffen und die erwähnte Verordnung mit Ge 
setzeskraft erlassen; aber das Friedenauer MetseinigungSamt 
deutlich zu bezeichnen, wie cs von mir geschehen ist. Ich 
habe im unbegrenzten Vertrauen auf Ihre Rechtschaffenheit 
.darauf verzichtet, mich dieser naheliegende» Vorsicht zu 
bedienen. Abc/ich habe nicht die Ehre, das Fräulein von 
Wehringen so' genau zu kennen, wie ich Sie zu kennen 
^glaube. Und deshalb möchte,ich Sie ohne jede beleidigende 
Absicht darauf aufmerksam machen, daß es nicht nur ganz 
zwecklos, sondern geradezu ein recht gefährliches Beginnen 
fein würde, wenn dis Dame etwa versuchte, der drohenden 
Gefahr.durch irgendwelche Manipulationen, wie zum Ver 
spiel durch eine Lesciciguug der noch vorhandenen Mantel 
knöpfe, zu begegnen. Frauen sind ja in solchen Dingen 
mitunter erstaunlich kurzsichtig und unüberlegt. Und ich 
darf also wohl annehmen, daß Sie nicht verfehlen werden, 
.'noch dieser Richtung hin Ihren ohne Zweifel- sehr bedeuten 
den Einfluß auf die junge Dame geltend zu machen." 
.... . . chtigen' Maßstab für ... 
urteilung anständiger Menschen verlieren fassen, Herr Doktor 
Dombrowski!" - 
»Ich wollte kein Urteil kundgeben, sondern nur eine 
Bemerkung machen, die mir nicht ganz überflüssig schie,'.. 
In solchen Dingen pflege ich eben nach meinem Ermessen' 
zu verfahren. Im übrigen kann ich jetzt nur noch der an 
genehmen Erwartung Ausdruck geven, S:e inricrhalb dcr 
zwischen uns verabredeten Frist hier an dieser Stelle wieder 
zusehen. Cd ist ein häßlicher Weg da heraus zu mir, nbcr 
Sie sagten ja vorhin selbst, daß kleine Unbequemlichkeiten 
nicht weiter ins Gewicht fallen, wenn es sich darum handelt, 
eine Sache aus der Welt zu schaffen, die für eie ^Beteiligten 
am Ende doch noch häßlicher ist als die Umgebung, in 
der Sie mich aufsuchen müssen." 
Hollfeldcn verzichtete auf eine Anwort und zauderte 
Nicht mehr, sich mit stummem Gruße zu entfernen. 
33. Kapitel. 
Bor seiner Wohnungstür traf Hollfelden Herbert 
wartend an. Sie begrüßten sich herzlich, und dann meinte 
.Heinz: ( 
< »Ich muß Sie, bitten, mich in irgendein Restaurant 
glaubt sich berechtigt, gegen den Dills« des Gesetzgeber-, nach' 
eigenem Gutdünken seine Entscheidungen treffen,zu könne». (Ge 
tan hat das der Wohnungsverband jedenfalls- deshalb, um der 
Ungerechtigkeit aus dem Wege zu gehen, daß, wenn nach Zimmer 
zahl entschieden wird, Meistens Her wemger bemittelte Mieter 
einer Wohnung niit kleinen Räumen, verhältnismäßig seh»! viel 
mehr für die Heizung bezahlen muß, als wie der gutsituierte 
Mieter in demselben Hause, der eine Wohnung Witt - großen 
Räume iniie hat.) Nun beträgt der Heiznngskostenvorschutz für 
April—Juni, bei einer Fläche dcr beheizten Räume meiner Woh 
nung von knapp 100 Quadratmeter und bei einem Kokspreis 
von 22,80 Mark pro Zentner nach der Verordnung vom 14. 4. 
1920 rund 300 Mark, während das Einigungsamt ihn nach der 
Zimmerzahl auf 450 Mark errechnet und festgesetzt hat. Ich 
glaube nicht, daß jemand hiernach sagen wird, beide Verfc hren 
kommen in der Praxis, wie der Herr Vorsitzende meinte^ ans 
dasselbe hinaus. Aber ganz abgesehen hiervon. Handelt es sich 
um die mehr oder weniger hohe Festsetzung einer Summe, als 
vielmehr darum, daß niemand weiß, was eigentlich Geseg ist 
und was nicht. — Den Wohnungsverband muß eS eigentümlich 
berühren, wenn er sieht, daß er nicht die Macht hat,. die V efol- 
gung seiner Gesetze zu erreichen, denn die Entscheidungen tnS 
Mietseinigungsamts sind unanfechtbar. Aber zu erwägen dürste 
es wohl sein, ob nicht bald die Zeit gekommen sein dürfte, .baß 
die Befugnisse der Mietsemigungsämter wieder auf die orj ent- 
lichen Gerichte übertragen werden, was um so.eher angätgig 
sein wird, je mehr durch allmählich klarere Verordnungen, resp. 
Gesctzcsvorschristen diese Wicderübertragung erleichtert wird. 
Aemter sür Einigung sind cs wohl kaun: mehr, sondern Geräte,' 
die ihre Entscheidungen treffen, wie jedes andere Gericht, nur 
souveräner und mit dem Mangel behaftet, daß ihre Fehkent- 
fcheidungen inkurabel sind. j 
R. H a b e r ui a n n, Direktor a. D., Goßlerstr. 10. 
Die Verunreinigung dcr Bürgersteige. 
Nachdem Sie in dcr Beilage zu Nr. 118 Ihres geschätzten 
Blattes einem Hundefeind das Wort verstattet haben, bitte ich 
Sie, auch einer Entgegnung Raum gewähren zu wollen, da' die 
gehässigen Anklagen des pp. Einsenders H. U. (im Interesse dcr 
Hundebesitzer bei dcr weiten Verbreitung und Bedeutung Ihres 
geschätzten Blattes hier im Ort nicht unwidersprochen bleiben 
dürfen. 
Der Herr Einsender behauptet, daß die Verunreinigung 
der Bürgersteige durch Hunde nachgerade ein unerträgliches 
Stadiuni erreicht habe und daß man sich schämen müsse, einen 
auswärtigen Besitzer durch die Straßen von Friedman zu führen. 
Das ist ein haarsträubender Unsinn; denn cs sind kgumj in 
irgendeinem Vorort die Straßen so sauber gehalten, wie) in 
Friedenau. Wenn der pp. Einsender seinent Besucher weiter nichts 
zeigen kann in Friedenau, als Hundeexkremente, dann können 
einem beide leid tun — und es wäre besser gewesen, sie wqreu 
beide in dem kleinen süddeutschen Ort geblieben, wo so etwas 
nicht vorkommt. Da gibt cs wahrscheinlich keine Autos, die un 
weigerlich jeden Hund ztl Brei fahren, wenn er cs wagen wollte, 
sich gesundheitlich auf dem Strhßendamm niederzulassen! Hier 
zulande ist es nun aber einmal so: Hier rasen die Autos zwei- 
rüdcrig und einräderig, noch immer, als gälte cs, vielleicht 
'doch noch den Krieg zu gewinnen r— und. wehe dem Hund, cder 
ihnen in den Weg kommt! Irgendwo abc» müssen und solleiwüie 
Hunde doch mal austreten; zu Hause dürfen sie cS nicht — und 
auf dcr Straße kann man sie nicht immer iin geeigneten Moment 
uns den Straßendamm jagen, da sie sonst von ihrem Vorhaben'ab 
kommen! UebrigcnS ist es unerfindlich, wieso die Merkmale ihrer 
Verbanungstätigkeit auf dein Damm weniger zu sehen sein 
sollen, als ans dein Bürgersteig! Man geht doch auch über den 
Damm und kann da cbcnscmut hincintreten, wie aus dem Bürger 
steig, selbst wenn inan aus einem noch so kleinen süddeutschen 
Ort ist uitb noch so wenig andere Sorgen hat! — Die Gemeinde 
erhebt Hundesteuern, und nicht zum Spaß! Sie hat da 
gegen die Verpsli^tung, sür die Reinigung der Bürgersteige 
zu sorgen — und das tut Friedenau — ich betone es tiochmals — 
in besonders bohem Maße. Man muß ein griesgrämiger Müßig 
gänger oder Nörgler sein, um die „Köter", die sich im Kriege 
und im Frieden-als jedes menschlichen Menschen Freunid . jer 
wiesen haben, zum Vorwand sür Angriffe auf Gemcindevertreter 
zu benutz''.! Was in aller Welt hat ein Hund mit Politik! zu 
schassen? Der Herr Einsender hält sie zwar anscheinend schon 
auf den Hund gekommen und meint, daß sich die Gcmeindcver- 
treter lieber um „solche Angelegenheiten", als tim Politik 
kümmern sollten! Glücklicher sind deutsche Ocrtchcn, dessen 
E'nwohner wie ge'agl keine anderen Sorgen haben! — Vielleicht 
wäre cs doch praktisch, wenn alle Hundescinde dahin zögen, 
wo ihre Blicke nicht mehr von den „widerlichen Bildern der 
Faulheit der Hnndcbesitzer" beleidigt werden. Kein Hund 
braucht sie da mehr anzusehen, wo die Hunde ausgerottet sind 
— also aus, zieht von dannen — und laßt den Huisdefreundcn 
ihre Freude am unschuldigen Tier! Traurig ist es, haß i es 
unter den vom Hund so sehr geliebten Menschen Hundefeinbe 
gibt: aber noch weit trauriger» daß Hundebesitzcr, die twch 
Hundcfreunde sein sollten, sich als ihre Feinde- gebärden! So 
zu begleiten. Ich habe heute noch keinen Bissen genießru 
.können, und ich bedarf dringend.einer kleinen Stärkung." 
Sie suchten ein verschwiegenes, - kleines Weinlokal in 
der Nähe auf, und erst, nachdem er ein Glas belebenden 
lleberrasihnng oder durch Fragen zu- unterbrechen, horte 
ihn Wehrinzcn an, bis er mit der Schilderung seiner Unter 
redung mit Dombrowsli seinen Bericht beendet hatte. 
„Ich habe daS Anet bieten'! des Polen tricht geradezu 
abgelehnt, weil mir daran-lag', die drei Tage zu gewinnen, 
die er uns als Frist gegeben hat," schloß Heinz. Wehringen 
nickte. ■ 
„Natürlich kann - nicht davon t:ie Rede sein, daß wir 
der Prinzessin'das Angebot auch nur unterbreiten," sagte 
er bestimmt. „Wir würden- ihr > bajnit eine unerhörte 
Kränkung antun. -Und >ich-matze beinahe zu hoffen, daß 
uns der heutige Morgen aüch eiüe anböte Möglichkeit ge 
zeigt hat, den angedrohten Schlag Doinbrvwskis abzu 
wenden." ’ 1 • ' 
„Wie meinen Sie das?" fragte Heinz gespannt. Und 
Herbert erwidert-.' ruhig:- 
„Sprachen Sie nicht selbst die Vermutung aus, der 
Mord könne in einem Zusammenhang stehen-mit der Ver 
heiratung Martens'? Drei Tage sind, freilich eine kurze, 
sehr' ' kürze Zeit. - Aberwir-werden dtzben "'das 'Menschen- 
jein füllte, was allerdings auch ich glaube,- fü ist damit noth 
ssicht erwichen, daß auch'meine entere Vernichtung richtig 
ist- Wie sollen da die Nachforschungen dreier Tage aus 
reichen, uns Klarheit zu verschaffen!" 
Hörbert zuckte die Achseln, 
„Es ist die einzige Eb'ance, die Uns gegeben ist; und 
müssen uns dasiansihalteckck Sie gestatten doch, daß ich 
»war ich kürzlich Zeuge, wir eine reizende kleine 1 
unglaublich rohe Hiebe erhielt, nur weil sie in Wcchrneh 
ihrer sexuelle» Interessen einen zudringlichen großen zottigen 
Ptnischer wegbtß. Ihr lautes Schreien und Bellen bei : dtt 
angstvollen Abweisung des Hundelebemanncs war für - ihren 
,Zerrst" (einem großen starken Mann) das Signal, sie jäh am 
Kragen zu packen, in die Höhe zu reißen und ihr eine Tracht 
von wenigstens 20 Peitschenhieben um den kleinen zitternden 
Hundcleib niit der doppelt genommenen Leine zu verabreichen. 
Ich kann den unsagbar traurigen Lcidensblick des total ver 
schüchterten Tierchens nicht vergessen und hätte dem ,Herrn" 
unweigerlich einen fühlbaren Boxerhicb unter das Kinn appli 
ziert, wenn die Elektrische, auf dcr ich im Vorüberfahren' die 
Szene beobachtet, nicht schon zu weit weg und in zu schnellenr 
Tempo gewesen wäre. So bleibt mir nichts übrig, als alle 
Hnndebesitzer zu bitten, auch wirklich der Freund ihrer Tiere 
zu sein und sie nur mit Güte zu behandeln. Der Hund hat 
dann Zutrauen zu seinem Herrn und läßt alle Unarten, wenn 
ihm durch tadelnde Worte" dos Mißfallen ausgedrückt wird, 
Schläge aber sind ganz unnütz, ja schädlich, denn sie verschüchtern 
das Tier und lassen es verduinmen! Und überhaupt ist es 
nicht menschenwürdig, ein solches > wehrloses Tier zu schlagen, 
sei eS nun Hund oder Pferd oder sonst, ein Haustier; ein 
leiser Klaps bei strafender Ansprache genügt vollkomincn und 
die Freundschaft bleibt ungetrübt. Jeder Tierkenncr uwd Tier 
liebhaber wird das bestätigen. „ N. 
¥ertmfd>U'S 
* Wann ein Engländer sein HciratSvcrsprechen l rechen darf. 
In England nehmen eS die Gerichte mit dem Bruch von Ehe 
versprechen im aclgemeincn recht genau. Kürzlich wurde indessen 
die Klage einer ans Erfüllung .eines gegebenen Hciratsver- 
sprcchcns dringenden Dame ans Grand eines uralten Gesetzes 
abgewiesen, das folgenden Wortlaut hat: „Jede Frau, die einen 
Untertan Ihrer Majestät durch das Mittel von roter und weißer 
Schminke, von Wohlgerüchen, von Liebesgetränken, künstlichen 
Zähnen, falschen Haaren, Unterlagen, Schnürleiber», Netzen, 
Stiefeln mit hohen Hacken oder anderen, falsche Tatsachen vor 
spiegelnden Kunstniitteln zutu Eingehen eines Eheversprechcns 
verleitet, wird als Zauberin verurteilt und die eingegangene Ehe 
wird sür null und nichtig erklärt." 
' orange schlafen ist gesund! In der wärmeren Jahreszeit 
pflegt der Mensch früher auszustehen, als sonst, oft viel flüher, und 
er kostet ebenso das sonnige Tageslicht bis auf dir Neige ouS und 
legt sich auch' erst spät zu Bett. Es soll nun nicht in Abrede ge 
stellt werden, daß der Mensch so etwas wie einen Winterschlaf 
braucht, und darum schläft er auch im Winter viel mehr als im 
Sommer. Andererseits weiß jeder, der rS einmal versucht hat, daß 
ein Morgenspaziergang, ein zeitiger, etwas ganz Herrliches ist, und 
daß mau seine Wonne noch zu schildern brauchte. So vernachlässigt 
und ist der Mensch noch jung, dann dient dcr Schlaf auch zum 
„Ausbau"' zum ungestörten Auf- und Auswachsen. Dazu gehört 
Zeit oder, mit anderen Worten, eben ein genügend langer-Schlaf, 
und deshalb ist cs unbedingt nvchleilig, wsnn inan Kinder zu spät 
ins Bett bringt oder zu zeitig wieder weckt, damit sie nur ja die 
Schule nicht versäumen. Sehr selten wachen Kinder von selbst auf, 
ein Zeichen dafür, daß sie noch nicht ausacschlasen ' haben. Jede 
größeren, nicht entsprochen wird. Tiber auch Erwachsene rnögen 
sich nicht verleiten lassen, weniger zu schlafen, als sie eben unbedingt 
brauchen und als erforderlich ist: Sieben bis acht Stunden int 
Sommer, acht bis neun Stunden im Wsutcr. 
*o Eine prähistorische Volkszählung, so könnte nie» die Arbeit 
den 
gcbung von San Fr'cmzisko fand, einen Schluß aus die Zahl dcr 
llreiiiwohner der dortigen Gegend zog. Austritt und andere Schalcn- 
tiere bildeten in längstvöroangeven Jahttausenden die wohl einzige 
Nahrung der Küstenbewohncr des Stillen Ozca.nS. Heute noch fitibctt 
ging nun bei seiner Volkszählung ganz mathematisch, zu Werke. 
Er untersucht einen großen Haufen/der viellricht.vvrr.Len Bewohnern 
eines Pfahldorfes herrührte, und fand, daß bei einen: Konsum von 
täglich 60 Muscheln auf den Kopf der Hausen in etwa.4 <rJahrcn 
Entstanden sein müsse, wenn man die Lahl der Dorsbcirohv.cr mit 
100 anniwmt. Nelson berechnet auf diese Weise noch andere Ab- 
lagcrungcn von Muschelschalen und kam so zu deut Resultat, das; 
die Zahl der Uibewohner jener Gegend, die vor 20 000 bis 4000) 
Jähren gelebt haben w.üsseu, regen 12 0.0 betrogen haben muß. 
‘ Ji/Vcrlcgcnheit. Alter Jäger znm Anfänger:' „Zum Teufel, 
waruüi schießen Sie denn nicht?" „Ich kann ja nicht; der ver 
flixte Has' springt ja immer hin und her!". - 
scheu 
tifi' Atmen immer 
■Grau eines Zeugen, und dann 
mehr als zrvei." 
Sie erwogen noch einmal alle Möglichtelten, die ihnen 
die Entdeckung der kleinen Ehvrislln bieten konnte; aber 
sie vermochten sich natmüih ivebcc einen Plan zurechtzu 
machen noch tiberhaupt etwas Veslinmites vorzunehmen, 
ehe " v ‘“ " v '' 1 ' 
Her: 
lec 
Mt 
frhr?rr fcrVtrfrrHi nt» ^ 
.. T .. . — —...iwiLig ge« 
öffnete Hand'des Mannes gleiten ließ.:.... . ........ 
. »Erinncr-n Si- sich, vielleicht daß sichPepcrn eine Dame 
der Ionen nach einem Herrn Mayring erkundigte^" 
' „Gewiß, Herr Hvllseldcii!,' Die Dame war ja zweickal 
hier, am Nachmittag und am Abend.tz 
„Nun wohl, sie wird. auch, heute abend wiederkommen, 
lind Sie werden darin die Fremrdlichkeit'haben, sie in 
unsere Loge zü führen. Sagen Eiesihr rKr, der-Herr er- 
warte sie, von dem man ihr gestern gesprochen habe." 
Der Püstier versicherte ihn seiner Dienstwilllgkeit, und 
Heinz'nahm Mit Herbert in einer drrsLogsn des ersten 
NangeÄ Platz.' .Sie mußten sich eine,gute W^ile..gedulden, 
dcrnr ,cs war .noch eine'halbe Stunde. bis -ziyn Beginn der 
Vorstellung, und erst allmählichche'gänn'sich das Haus zu 
füllen., In. ernsten Ge-strächcn verbrachten ste.dre Zeit; aber . 
sie' wandten beide sinkt einem Ausatmen , der Erleichterung 
die Kopse, als endlich an die .Logeatär gepocht wurde. 
„Da ist die Dame. K-errHottfetdeu! Bitwj Frau, treten 
Sie nur. ein l“. , . , - 
Eine schlanke, beinahe schmächtige -Frauengestalt schob 
sich durch die schmale Türöffnung. Die. Züge ihres Ant 
litzes waren noch immer leidlich hübsch, aber sie waren 
verhärmt und verkümmert, upd die.Augen in dem blassew 
Gesicht waren gerötet wie von vielem Weinen. Furcht und 
Mißtrauen spiegelten sich in 'dem Blick, den. sie auf die 
beiden Hxrren richtete, die. sich Milch erhoben hatten, und 
ste vermochte vor Befangenheit kein Wort hervorzubringenL 
Heinz waNW^rM «Wedele. < 
MrffetzrML friß*.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.