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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Nr! 134 des „Friede«»»« &at»I« 
Sonntag bot 6. Juni 1920. 
4« 
Aus der Dsjchlchre ZchWeberLS. 
Rückblicke voit E. Klang er. 
(Fortsetzung.) 
U 
Zu drill ersten Verwaltungsbericht der Stadt Schöne 
berg hat Herr Prof. Dr. Willy Spatz auf Veranlassung 
des leider zu früh verstorbenen Bürgermeisters Rudolf 
Wilde interessante Einzelheiten der Entwicklung der Ge 
meinde Schöncberg verfaßt, die mir schon früher als 
schätzenswerte Quelle gedient haben und zwar auf beson 
dere Veranlassung des' gen. ersten Bürgermeisters unserer 
Nachbarstadt, mit der -uns in Zukunft engere Beziehungen 
verknüpfen sollen. 
Das ruhmreiche Geschlecht der Askanier war 1320 
ausgestorben, die bäurischen Markgrafen folgten ihnen 
in der Regierung. Nach einer Herrschaft, die nur ein 
halbes Jahrhundert währte, traten sie die Mark im Jahre 
1373 cm Kaiser Karl IV. aus dein Luxemburgischen Hause 
ab. Zahlreiche und kostspielige Kriege waren während 
dieser Periode geführt worden, die Hofhaltung besonders 
der Bayern hatte Unsummen verschlungen, die Aufnahme 
von Schulden war erforderlich gewesen. Da die Annahme 
von Zinsen damals - verboten war, wurden an Stelle 
unserer verzinslichen Darlehne viele Geschäfte zur Er 
langung von barem Gelde in der Form von Kauf aus 
Wiederkauf abgeschlossen. Die Markgrafen verfuhren, 
wenn sie Darlehne aufnahmen, häufig so, das; sie dem 
Darlehnsgeber die Erhebung von Abgaben oder die Aus 
übung des Rechts auf ihnen zustehende bäuerliche Dienste 
abließen, — sie ihnen „liehen", sic damit „belehnten". 
ES entstand dadurch eine direkte Verschlechterung in der 
Lage der Bauern, wohl aber bildete sich/ wie Droyscn 
sagt, die Vorstellung von einem Rechte, das der mit den 
Abgaben Belehnte an den Bauern, und von einer Pflich- 
tigkeit, die der Bauer ihm gegenüber habe. Den Nieder 
schlag dieser ganzen Entwickelung haben wir im Land 
buche Karls IV. vor uns. Im Jahre 1375 zusammenge 
stellt, bietet es eine bis ins Einzelne gehende Uebersicht 
über hie Verteilung des Grundbesitzes in der Mark und ist 
so ein Denkmal der landesväterlichen Fürsorge Karls IV: 
Nach Fidicins Vermutung sind die landesherrlichen Beam 
ten von Ort zu Ort gereist und haben mit Zuziehung 
des Kreisvogtes ihre Nachforschungen angestellt und die 
grundliegenden Aufzeichnungen für das Landbuch gemacht. 
Die Angaben der Besitzer der Güter waren gewiß zu 
verlässig, wurde ihnen doch damit gedroht, daß die ver- 
fchwiegenen Hufen dem Landesherrn Verfallen würden. 
Ein nicht ausgesprochener, aber unverkennbar hervortre 
tender Zweck dieser Zusammenstellung scheint die nach den 
wüsten Zeiten bairischer Hcrrsck)aft gewiß sehr notwendige 
Prüfung der Rechtmäßigkeit des Besitzes von Gütern ge 
wesen zu sein. 
Ueber Schöncberg bringt das in lateinischer Sprache 
geschriebene Landbuch folgende Angaben „Das Dorf hat 
50 Hufen. Der Pfarrer hat zwei Hufen, die Kirche deren 
eine. Johannes Rite, Bürger von Colne — Kölln a. Spree 
hat zusammen mit seinem Bruder seit vielen Jahren 
10 vom Markgrafen , verliehene Freihufen unter dem 
Pfluge:'Parys hat von seinem Vater ebendaselbst 12 
Freihufen unter dem Pfluge. Jede Hufe gibt zur Pacht 
js 9 Scheffel Weizen und Hafer. Jede Hufe gibt als Zins 
2 Schilling, 8 Schilling als Bede je 3 Viert Fein (d h. 
Roggen), Mehl und Gerste und 2 Scheffel Hafer als' 
Fruchtbede. Die Nonnen in Spandowe haben seit sehr 
vielen Jahren Pacht und Zins von 5 Hufen. Die Ka- 
landsbrüder in Berlin haben seit 9 oder 10 Jahren Pacht 
und Zins. von 7 Hufen. Jacob Gorczik hat von Ruthenick 
(erworben) Pacht und Zins von 10 Hufen. Albert Ra 
thenow in Berlin hat Pacht, Zins und Bede von 2 Hufen 
niit allem Recht (cuni omni iure) von Parys (erworben), 
Parys hat 4 Hufen mit allem Recht. Er hat auch die 
Bede von den übrigen Hufen mit obersten und niedersten 
Gewicht und mit dem Recht des Patronats von seinen 
Eltern her. Der Markgraf hat den Wagendienst und 
erbliche Rechte seit unvordenklichen' Jahren. Der Höfe der 
Vre ferse 
Bon E. Ph. Oppenheim. 
7l (Nachdruck verb'ten.) 
„Pardon! Nicht der Knopf allein, sondern mit ihm 
zugleich auch alles andere, was ich über die Beziehungen der 
Damen zu Otto Martens weiß. Sie werden mir ja zu 
geben, daß da ein leicht zu erklärender Zusammenhang be 
steht.. Cs war der Komtesse Waldendorff und ihrer ver 
trauten Gesellschafterin oder Freundin ohne Zweifel be 
kannt. daß Martens , mit der Absicht umging, seine kostbaren 
Dokumente ihrer Gegenpartei auszuliefern, und da sie sich 
nicht in der Lage befanden, diese kapitalkräftigere Gegen 
partei zu überbieten, konnten sie in ratloser Berzweiflung 
wohl auf den Gedanken verfallen, sich der Briefe unaefähr 
auf dieselbe Art zu bemächtigen, in der Martens selbst in 
ihren Besitz gelangt war. Es ist nicht meine Sache, mir 
den Kopf darüber zu zerbrechen, wie Fräulein von Weh- 
cingen in die verschloflene Wohnung des Mannes gelangen 
konnte, sondern ich kann mich für meine weiteren Schlüsse 
mit dem Faktum begnügen, daß sie die Mittel und Wege 
dazu gefunden. Natürlich wird sie sich bei der Durch 
suchung des Schteibtifches in Anbetracht der knapp be- 
meffenen Zeit nicht erst die Bequemlichkeit gestattet habe», 
ihren Mantel abzulegen, und es konnte somit, leicht ge 
schehen, daß er sich beim hastigen Schließen einer ver 
gebens durchsuchten Schublade einklemmte und daß bei 
dem vielleicht etwas ungestümen Befreiungsverfuch einer 
der Knöpfe absprang, ohne daß die Dame dessen gewahr 
wurde. Es bedarf keines übergroßen Scharsiinns fiir diese 
Folgerungen, und ich bin überzeugt, daß selbst der ei», 
fältiqffc Untersuchungsrichter bei Kenntnis aller übrrgen Um 
stände zu genau denselben Schlüssen gelange« würde." 
„Ihre Kombinationen, Herr Doktor, sind für das, was 
wir noch miteinander zu besprechen haben, ohne BelanA. 
Zch wünsche von Ihnen lediglich zu erfahren, welchen Preis 
sitz für Ihr. vermeintliches corpus delicti imb für Ihre 
Verschwiegenheit verlangen." , 
„Ich würde natürlich die Auslieferung der-Brwfe 
'chpdertr., werm ich nicht überzeugt wäre, daß diese Be- 
dmtzrw.g für die Prinzessin wie für die beiden anderen 
Damcn w.nufi'.lldLx ist. Leun die. wertvollen Papiere jmd 
Kossäten sind 13. Jeder gibt dem Parys einen Schilling 
und ein Hühnchen. Der Krug (taoerna) gibt dem Darvs 
30 Schillrnge. 
Parys war unzweifelhaft damals (um 1375) der 
reichste Manu in Schöneberg, dessen weites Areal »später 
bis znm Landwehrkanal, Tcmpelhof und Moabir reichte. 
Auch die Treptower Wiesen gehörten bis vor zwei Jahr 
zehnten noch den Schöneberger Bauern. 
Der Schilling war damals keine geprägte Münze, 
sondern war »nur ein idealer Rechnungswert. Im. 14. 
Jahrhundert gingen 40 Schillinge guf eine böhmische 
Mark und 20 Schilling auf ein Pfund. 
Die erwähnten Kaländsbrnder gehörten dein Kalands- 
orden, auch Elendsgilde genannt, an. Sie waren feit 1344 
in Berlin, ein Bettelorden, um die Not armer Priester 
in Berlin und Kölln abzuhelfen, alle Hilfsbedürftigen zu 
unterstützen und einander getreulich beizustehen. 1548 
wurde die Gilde, die ihre Versammlungen in dem Hause 
Klösterstraße 92, Ecke Kalandsgasse in Berlin, abhielt 
wegen gänzlicher Entartung aufgehoben. 
Die gleichfalls etwähnten Johannes Ryke (Rike) und 
Albert Rathenow hüben in den damaligen Zeitläufte« 
eine große Rolle gespielt. Johannes Ryke gehörte einem 
Berliner in der Umgegend der Stadt außerordentlich be 
güterten Geschlechte an. Der Hauptsitz der Rykes ivar 
Nofenfelde, wo sie das niedere und obere Gericht besaßen. 
Sern Bruder ist wahrscheinlich der vielgenannte Bürger 
meister Bernd Ryke. — Rathenow wird zum ersten Male 
1366 als Bürgermeister genannt. Als Karl IV. im Jahre 
1373 nach Berlin vorrückte, wagte es Albert von Rathe 
now zusammen mit dem Kämmerer Thilo von Warden- 
bcrg, dem Kaiser Widerstand zu leisten, doch ohne 'Er 
folg. Beide mußten fliehen. Die Stadt Berlin ächtete 
sie und ließ in dem Wer excesjuum (Buch der Ucber- 
lretungen) alle Vergehen Rathenows aufzeichnen, durch die 
die Stadt „to grotem schaden kommen war." Uebrigens 
war Albert schon im Jahre 1376 wieder Oldermann von 
Berlin und weilte später am Kaiserlichen Hofe zu Tanger 
münde als Berlins Gesandter. — Neben den Rykes und 
Rathenows waren noch viele Berliner und Cölner Bür 
gerfamilien, wie die Blankenfeldes, Brügges, Schaums, 
Wardenbcrgs zur Erhebung von ländlichen Abgaben im 
Teltow und rin Barnim berechtigt; dadurch waren diese 
beiden Landschaften in eine recht fühlbare Abhängigkeit 
von den Schwesterstädten geraten. 
Verschiedene Urkunden über Schöueberg aus der .ersten 
Hälfte deS 15. Jahrhunderts zeigen uns die im Landbuche 
geschilderten Zustände unverändert. 
Die Zeit der luxemburgischen Herrschaft hatte in 
zwischen dadurch ein. Ende gefunden, daß Kaiser Sigis 
mund, Aarls IV. Sohn, 1415 die Mark Friedrich von 
Hohenzollern übertrug. 
Eine trockene Notiz aus dem Lehnskapialbuche dieses 
ersten Hohenzollern meldet uns zum 6. Januar 1416: 
„Tyle Paris empfing 34Vs Stück Geldes und alle Gerichts 
barkeit und Gebiete in dem Dorpe' czu Schonenberge". 
Neben dem Geschlecht der Paris behaupteten sich 
die Rathenows in ihrer hervorragenden Stellung in 
Schöneberg. Am 11. Januar 1431 war Sigmund Ra 
thenow „purger zu Colln" vor den Markgrafen Johann, 
welcher seinen durch Reichsangelegenheiten in Anspruch ge 
nommenen Vater Friedrich I. von 1436 bis 1437 in der 
Mark vertrat „kommen und hatta Fhw fleißiglich beten, 
ihm zu gönnen und zu vollbortür (gestatten) daß er von 
seiner anliegenden Nod wegen Hansen Buck und Herman 
Rodens«, purger zu Saleewedel in dem Dorfs Schonen 
berge aus dem Krughe 8 Scheffel roggen, 8 Scheffel 
Habern, zwelff Groschen und das Gericht binnen czawens 
(Zauns) dosselbs auf einen Widerkauff verkauffen muge". 
Markgraf Johann ließ sich durch''s,'fleißige bete und 
anliegende nod" erweichen und leiht Buck urck> Rodensee 
„abgeschrieben, guter, ierlich czinse und renthe aufs einen 
widerkauff als widerkanffs recht ist." 
Die Rathenows hatten demnach,-ebenso wie Parys, 
kein volles Recht an den Abgaben Schönebergs, der Ober- 
herr blieb der Markgraf. (Forts, folgt.) 
ja allem Anschein nach spurlos verstMUWetß' Ader sie find 
doch nicht ganz unersetzlich. Und iK" h'M-ülicht den ge- 
cingsten Zweifel, daß die PrinzessM-WWn den für uns 
wertvollsten Teil ihres Inhalts aus dem Gedächtnis zu 
cekapitulieren vermag." 
„Mit anderen Worten: Sie soll Ihn.?« die Namen der 
vurch ihre Briefe kompromittierten Persönlichkeiten an- 
zeben ?" 
„Es freut mich, daß wir uns so rasch verstehen. Ja, 
gerade das ist- cs, was ich als Gegenleistung beanspruche." 
Hollfelden hatte ein Wort entrüsteter Zurückweisung auf 
den Lippen. Aber er besann sich noch zur rechten Zeit 
darauf, daß er damit eine verhängnisvolle Uebereilung be 
gehen würde. Und am Ende hatte er ja nicht einmal 
nn Recht, hier im Namen der Prinzessin zu sprechen. 
Zo zwang er seinen Unwillen nieder und behielt auch 
seine Gesichtszüge, von denen der Pole nicht eine Sekunde 
lang seinen forschenden Blick verwandte, gut in der Gewalt. 
„Sie begreifen, daß ich Ihnen darauf nicht aus eigener 
Machtvollkommenheit zu antworten vermag," sagte er an 
scheinend ruhig. „Auch die Komtesse Waldendorff würde 
ja nicht in der Lage gewesen sein. Ihnen eine sofortige 
Zusage zu machen, denn die Entscheidung liegt hier einzig 
bei der Prinzessin." 
„Das weiß ich sehr wohl, und es ist darum selbstver 
ständlich, daß ich Ihnen für die endgültige Antwort auf 
meinen Vorschlag eine angemessene Frist einräume. Wenn 
Sie die Komtesse heute noch verständigen, und wenn die 
Lame sich entschließt, mit dem Abendzuge nach Schloß 
Vuchberg zu fahren, so könnte das gewünscht^ Material 
recht wohl übermorgen zur Stelle sein, und es dürste 
demnach genügen, wenn ich Ihnen achtundvierzig Stun 
den Zeit lasse." - ' 
„Das ist unmöglich. Die Rechnung, die Sie da auf 
stellen, ist fiir mich unannehmbar, schon deshalb, weil ich 
keine Möglichkeit haben würde, die Komtesse heute noch zu 
sprechen." 
„Aber meine Zeit ist gemessen. Herr Hollfelden, und 
ich habe durch die Weigerung der Komtesse, mich zu emp- 
sangen, schon mehrere für mich sehr kostbare Tage verloren. 
Wo so viel für sie auf dem Spiele steht, sollten sich die 
Damen, wie ich meine, einige kleine Unbequemlichkeiten 
doch »licht verdrießen lassen." 
„Es handelt sich nicht um kleine UnbeaueMlichkeiten. 
I AiMtzÄtkü U FMMII Md WlMg. 
| (Nachür. unsrer o-Originalartikel nnr mit Quellenangabe gestattet.) 
o Frauenversinnmlung der U<S P.D., Wahlverekn 
Friedenaus Am 28. Mai sprach in dem fast gefüllten 
Saal des Realgymnasiums in der Homuthstraße die Red 
nerin der U. S. P. D. Frau H o s f m a n n - G w i n n e r über 
das Themar Wie stellen wir Frauen uns zur'Reichstags- 
wähl. Sie sprach von der Bedeutung des Frauenwayl- 
rechts auf für diesen neu zu wählenden Reichstag mit dem 
Hinweis der Mehrheit von Frauenstimmen. Sie ent 
wickelte dann durch die Schilderung des Elends, in dem 
das Proletariat seit Jahrhunderten lebt, die kultnrell-nop-, 
wendige Forderung des Frauen- und Mutterschutzes, der' 
auf der Grundlage des Sozialismus und dessen Durch- 
flihrung auch in den anderen Ländern auf dem Wege der 
von der U. S. P. D. geforderten Internationale, überhaupt 
denkbar ist. Nicht, so lange das Kapital sich noch in den 
Händen Einzelner befindet, dessen sich die wirtschaftlichen 
und kulturellen Bedingungen erftiklen, auf der wir mit 
dem Wiederaufbau des deutschen Volkes beginnen könM.i. 
Besondere Betonung legte die Rednerin ans den Schutz 
der Mutter. Sie zeigte, wie hie Redensart der rechts 
stehenden Männer, daß sie den Frauen bis dahin das 
Wahlrecht nicht gewährt hätten, hohl fei und egoistisch, 
denn auf der anderen Seite hätten die Frauen des Pro 
letariats Tag und Nacht mit ihren Kindern arbeiten 
müssen, damit dieser kleine Prozentsatz der Gesellschaft 
so hat leben können^ Sie wies auch darauf besonders in 
ihrem Schlußwort hin, daß die kulturelle Höhe eines 
Volkes nicht nach dem Bildungsgrade eines Teiles des 
Volkes bemessen werde, sondern nach der Bildnngshöhe 
des ganzen Volkes. Um dieses zu erreichen, sei es aber 
die Grundbedingung, daß alle Mutter' ohire Ausnahme 
in der Lage sein müssen, die es ihnen ermöglicht, von 
dem Augenblick an, da sie Mutter sind, wirklich den 
ethischen, sittlichen und geistigen Eiitfluß auf das wer 
dende Menschenkind auszuüben. Sie, die Mütter des Vol 
kes, seien die Träger der Kultur, nicht nnr als Ge 
bärerin, sondern auch als Erzieherin. Sie bewies an Hand 
von geschichtliche« Tatsachen «nd den Vorgängen seit der 
Revolution, daß nnr auf dem Wege der von der U. S. P. D. 
geforderten Durchführung des Sozialismus die Möglich 
keit eines solchen kulturellen und wirtschaftlichen Aufbaues 
möglich ist. Sie geißelte noch das Verhalten der Frauen 
aller rechten Parteien, mit einbegriffen der Mehrheits 
sozialisten, in allen Fragen der Frauen, nicht nur des 
Proletariats überhaupt, wodurch sic die Unfähigkeit be 
wiesen hätten, mit ihrer Politik die Gesundung des Bol- 
kes herbeizuführen. Die Aussprache gestaltete sich leb 
haft wie immer. Ein Redner verlangte mehr Landarbeiter, 
wurde aber von der Rednerin darauf verwiesen, sich die 
Jünglinge vom Kurfürsterrdamm und aus den Weindielen 
der Großstädte erst einmal zu holen, die nämlich zu den 
uns am teuersten bezahlten Arbeitslosen gehörten. Eine 
Rednerin der Christlichen Volkspartei betonte das Na 
tionale. Eine andere warf der U. S. D. D. vor, sie treibe 
nur Opposition- Der bekannte U. S. P. D.-Abgeordwte 
Schneideratns'förderte noch die Frauen auf, an all das 
Kriegselend zu denken, das'gewesen ist und in das uns 
alle rechten Parteien wieder hineinführten. Mit einem 
Hoch auf die Revolution schloß die Versammlung. 
o Der Streit umÄ Eisend ahnfenster. In der Reisezeit 
gibt's da und dort und dann und wann auch mal einen 
steinen Streit zwischen den Fahrtgcnosscn, ob das Fenster 
geschloffen oder offengehalten werden soll. Im allge 
meinen ist man freilich taktvoll und komint einander ent 
gegen, ohne auf den Buchstaben des Gesetzes zu pochen, 
oder das in diesen Fällen „berufene Auge des Gesetzes", 
den Herrn Schaffner, zu Rate zu ziehen. Die Sachsen 
machen es in Streitfällen so, daß jeder ein Stückchen" 
Recht bekommt, indem man das Fenster halb'schließt und 
halb offen läßt. Nach einer von den zehntausend oder 
mehr ./Verordnungen" im Deutschen Reiche müssen die 
Fenster ans Verlangen auch nur eines Reisenden auf 
der Windseite geschlossen werden. Will ein Reisender 
sondern darum, daß Sie uns die Möglichkeit gewähr-n, Ihre 
Bedingung, vorausgesetzt, daß sie von der Pnnzessin 
akzeptiert wird, auch wirklich zu erfüllen." 
„Nun wohl, so will ich die Frist um weitere vierund 
zwanzig Stunden verlängern. Das aber ist das äußerste 
Zugeständnis, das Sie von mir erwarten dürfen. Bin ich 
am dritten Tage, von heute an gerechnet, nicht im Besitz 
der gewünschten Angaben, deren Prüfung ich mir oder 
dem Prinzen selbstverständlich vorbehalten muß, so betrachte 
ich die Verhandlungen als gescheitert." 
„Und angenommen, daß dieser Fall einträte, was 
würden Sie dann tun?" 
„Ihnen darauf zu antworten, habe ich vor der Hand 
keine Veranlassung. Aber ich denke. Sie könnten es 
ungefähr erraten." 
„Wohl, Sie sollen innerhalb dreier Tage durch mich 
die Antwort der Prinzessin erhalten," sagte Hollfelden. 
„Aber es bleibt da noch eines zu bedenken, Herr Doktor 
Dombrowskil Wenn der gefundene Knopf wirklich die 
Wichtigkeit hätte, die Sie ihm beimessen, könnte da nicht 
eines Tages dieser Paul Martens mit neuen Erpressungs 
versuchen an die Damen herantreten? Nach dem Eindruck, 
den ich von dem Manne empfangen, habe, kann man sich 
ja von ihm getrost derselben Schurkereien versehen wie von 
seinem Bruder. Und es bestehen, wie mir scheint, sehr 
inttme Beziehungen zwischen Ihnen und ihm." 
„Sie dürfen nach dieser Richtung hin ganz unbesorgt 
sein. Meine intimen Beziehungen zu Herrn Paul Mar 
tens beschränken sich darauf, daß ich ihn meinen Interesse» 
nutzbar gemacht habe und vielleicht auch weiter nutzbar 
machen werde, sofern gs mir zweckmäßig scheint. Daß r-e 
mcm Menschen, den Sie soeben vollkommen richtig bcr> 
teilt baden, keinen Einblick in meine Karten gestatten weröc. 
dürst» Sie immerhin von meinem gesunden Menschen 
verstände erwarten. Er weiß nichts, und wenn ich zu 
meinem Bedauern gezwungen sein sollte, meine Geheimnisse 
preiszugeben, so wird es sicherlich nicht Herr Paul Martens 
sein, dem ich sie offenbare." 
„Sie werden mir gestatten, Sie zu gegebener Zeit 
an dies Versprechen zu erinnern. Eine weitere Mitteilting 
also hätten Sie mir für den Augenblick nicht zu machen ?" 
„Eine Mitteilung — nein! Höchstens noch eine bei 
läufige Bemerkung." 
„Und das wäre?"
        
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