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Periodical volume Nr. 124, 06.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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»MWutliÄ 1,80 Mark; durch , 
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(Friedenauer w Zeitung) 
Nr. 124 
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Berliu-Frledemzo, Sonntag, Dtn 6. Sani 1920 
Slchrs. 27 
ahlbüro 
befindet sich bei Hertelstraße 2, 1 Tr. 
Kaufmann «SliClWill Fcrnspr. Psbg. 2102. 
Es ist geöffnet täglich ^von 9 — 9 Uhr. 
Dort wird Auskunft über die Wahl erteilt. 
Wahlzettel und Werbeschrifteu sind dort zu haben. 
Neueste Oacbricbten 
Berlin. In der Tcupitzer Straße in Neukölln wur 
den gestern drei Einbrecher überrascht. ><sie ergriffen die 
Flucht. Ms einer der Verfolger sich dort hart bedrängt 
sah, zog er einen Revolver ans der Tasche, machte jedoch 
von ihm keinen Gebranch, weil sich viele spielende Kinder 
in seiner Nähe besandcn. Am Neuköllner Schifsahrtskanal 
stellte er sich an das Ufer und schoß sich vor den Augech 
seiner Verfolger eine Kugel in den Kops. Blutend stürzte 
er ins Wasser. ES gelang alsbald, ihn aus dem Kanal 
zu ziehen, doch war er bereits tot. Es handelt sich um 
einen aus Lodz stammenden Arbeiter Paul Hentschel. 
Breslau. Von der Interalliierten'Kommission für 
Obcrschlesien ist die „Deutsche Zeitung" bis zum 1. Juli 
verboten worden. 
Breslau. Der Mörder des Oberlehrers Dr. 
Heimberger, der Schlosser Walter Protze, ist hier 
vom Kriminalwachlmeistcc König verhaftet worden. 
Wien. Ein Deutscher, namens Arthur Moos, der 
in geschäftlichen Angelegenheiten nach Rumänien reiste 
und ordnungsmäßige Papiere besaß, wurde beim Be 
treten der Grenzstelle Ncpolvtivitz ohne jeden Grund ver 
haftet. ■ 
Paris. Der Friedensvertrag mit Ungarn 
ist gestern nachinittag in der Galerie des „Großen Trianon," 
unterzeichnet tvordcn. 
Paris. Nach Meldungen aus London ist cs wahr 
scheinlich, daß eine Vorkonferenz der Verbündeten vor 
der Konferenz von Spa in Belgien zusammentritt, höchst 
wahrscheinlich in Ostende. In amtlichen englischen Kreisen 
hofft man, daß Millerand vor dieser Vorkonferenz noch 
mals zur Beratung mit Lloyd George nach London 
kommen werde. 
London. Eine allgemeine bolschewistische Offen 
sive hat zwischen Pripet und Dnjepr begonnen. Die vor 
geschobenen polnischen Kräfte wurden zurückgetrieben. Bis 
her hatten die Bolschewisten keine endgültigen 'Erfolge. 
Nördlich des Pripet wurden die Angriffe der roten Trup 
pen zurückgeschlagen. 
London. Die Regierung hat die Absicht einer Ab 
gabe auf die im Kriege erworbenen großen Vermögen 
endgültig aufgegeben. , 
Helsingfors. Man rechnet hier mit der Möglich 
keit eines Krieges mit Schweden wegen der Alandinseln. 
Unser Bernkamt. 
Eine eingehende Statistik wird seit dem l. April 1910 
geführt. Die am 30. September 1919 aufgenommene 
Halbjahresstatistik zeigt folgende Uebersicht: 
1. Angemeldete Lehrstellen: a) männliche 
Berufe: Bauicchniker 1, Feinmechaniker 4, Bauschlosser 5, 
'Büroangestellter 8, Dekorateur 2, Vergolder 1, Tisch 
ler l, Schneider 1, .Maler 3, Dentist 1, Elektriker l, 
Installateur 1. Schmied 2, Dachdecker 2, Schriftsetzer 2, 
insgesamt 35. b) Weibliche Berufe: Friseuse 2, Büroan 
gestellte 4, Verkäuferin 4, Binderei 2, Schneiderin l, ins 
gesamt 13. 
2. Vermittelte Lehrstellen: a) Männliche 
Berufe: Feinmechaniker 4, Bauschlosser 2, Installateur 1. 
Schriftsetzer 2, Büroangestellter 5, Tischler 1, Schmidt 2. 
Schneider 1, insgesamt 18. b) Weibliche Berufe: Frb 
E 2, Vüroangestellte 1, Verkäuferin 2, Schneiderin 1. 
?sami G. 
Irr: Sommerhalbjahr 1919 haben von 61 entlassenen 
Sckiülern 56 und von 48 Schülerinnen 29, das Berufs- 
acht besucht. Es wurden insgesamt 79 Beratungen erteilt, 
hiervon waren 17 Laufbahnbcrarungen. 
Von den aus der Volksschule zu Oktober 1919 enb 
lasscnen 5,6 Knaben sind folgende Berufe gewählt wor 
den: Maschinenbauer 2, Mechaniker 6, Bauschlosser 4, 
Maschinenschlosser 2, Motorschlosscr 1, Installateur 3, 
Elektriker 3, Schlächter 1, Konditor 2, Kiirschner 1, Gärt 
ner 1, Büroangcstellte 6, Buchdrucker 2, Schriftsetzer 2, 
Tischler 2, Glaser 1, Steinsetzer 1, Bankangestellter 1, 
Musikalienhändler 1, unschlüssig 14. Von den zu gleicher 
Zeit entlassenen V o lks s chü lerinnen wählten: Büro- 
angestellte' 7, Verkäuferin 3, Hausangestellte 3, Schnei 
derin 1, Friseuse 2, Säuglingspflegerin 1, Musterzeich 
nerin 1, Musiklehrerin 1, Handelsschullehrerin 1, die 
Handelsschule besuchen 14, Im elterlichen Hause blieben 
ohne Beschäftigung 14. 
Die am 31. März 1920 aufgenommene Halbjahres 
statistik zeigt folgende Uebersicht: 
1. Angemeldete Lehrstellen: a) Männliche 
Berufe: Bandagist 1, Bankangestellter 2, Buchhändler 1, 
Büroangestelltcr 23, Dachdecker 2, Drechsler 1, Drogist 3, 
Eisenwarenhändlcr 1, Friseur 3, Gärtner 1, Goldschmied 1, 
Graveur 2, Kolonialwarenhändler 3, Klempner 2, Le- 
derwarenhändlcr 2, Maler 1, Mechaniker 4, Schlosser 7, 
Schneider 2, Spediteur 1, Steindrucker 1, Tischler 1, Ver- 
sichcrungsangesttzllter 3, Weingroßhändler 1, Zeichner 5, 
Ziseleur 1, insgesamt 74. b) Weibliche Berufe: Binderin 1, 
Bttroangestelltc 39, Friseuse 2, gel. Putzfederarbeiterin 
126, Schneiderin 9, Verkäuferin 5, insgesamt 182. 
Das deutsche MMastsleben stich vor dem Kriege 
einem gutausgezogeneuen, tadevis sunttionierenden Uhrwerk. 
Sie Zwangswirtschaft hat das Röderwerk ln Unordnung 
gebracht und Die Revollltlonsreglermig der drei Koalitlons- 
Parteien trat so lange an ihm herumgevsuscht. bis es völlig 
versagte. Daß Sozialdemokraten, - Semokraten und demo 
kratisches Zentrum die Wirtschastsuhr picht wieder in Sang 
bringen können/ weiß nach den Erfatzrungen der letzten 
lg Monate jedes politische Kind. Sen vhrschillffel hat die 
Parte! des wirtschaftlichen WiederausSanes. Darm wühle 
jeder, dem Ieutichlands Kettung am Herzen liegt, am 8. Znnl 
2. Vermittelte Lehrstellen: a) Männliche 
Berufe: Bankangestellte 3, Buchbinder 1, Buchhändler 1, 
Büroangcstellte 6, Drogist 1, Eisenivarenhäudler 1, Gärt 
ner 1, Goldschmied 1, Koloniallvarcnhändler 3, Mecha 
niker 4, Schlosser 2, Schneider 2, Steindrucker 1, Tisch 
lers, Bersicherungsangestellte 3, Weingroßhändlcr l, 
Zeichner 6, Zahntechniker 1, insgesamt 40. b) Weibliche 
Berufe: Büroangcstellte 23, Piitzfederarbeitcrin 1, Schnei 
derin 4, Verkäuferin 4, insgesamt 12. Im Winterhalb 
jahr 1919—20 haben von 78 entlassenen Schülern 75, 
und von 95 Schülerinnen 81 das Bernfsamt aufgesucht, 
ferner 31 Jugendliche rm Alter von 14—l7 Jahren. Es 
wurden insgesamt 216 Beratungen erteilt. Von den höhe 
ren Schulen ließen sich 23 Knaben und 8 Mädchen be 
raten. 
Von den aus der Volksschule zu Ostern 1920 ent 
lassenen 78 Knaben sind folgende Berufe gewählt worden: 
Bäcker 1, Bildhauer 1, Buchhändler 2, üroangcstellter 6, 
Drogist 1, Elektrotechniker 4, Glaser 1. Goldschmied 1, 
Kaufmann 4, Koch 1, Landwirt 3, Maschinenbauer 3, 
Maschinenschlosser 4, Maurer 2, Mechaniker 4, Schlosser 2, 
Schneider 2. Steindrucker 1, Tapezierer 1, Techniker l. 
Tischler 1. Uhrmacher 1, Vcrsichcrungsangestellter 4, 
Zahntechniker 1, Zeichner 1, Arbeitsbursche 3. Zu Hause 
blieben 15, zur Erholung aufs Land gingen 5, die Han 
delsschule besuchen 2. Von den zum gleichen 'Zeitpunkte 
entlassenen 95 Bolksschülerinncn wählten: Blumenbin- 
derin 1, Friseuse 2, Hausangestellter 12, Kindergärt 
nerin 1, Kontoristin 3, Krankenschwester 1, Künstmalerin 1„ 
Lehrerin 1, Musiklehrerin 2, Putzmacherin 5, Schneide- 
für die Wiederherstellung von Srd- 
unng und Ruhe, Recht unD Freiheit, 
Meitslunkeitu. Ehrlichkeit, Fröuiüitg'/ 
keil uud Sitte tu unserem arme» 
mißhandelten Aaterlnnde eintritt, der kann am 0. gani* 
rin 4, SäuglingSpflegcrin 2, Verkäuferin 7, ungelernte 
Arbeiterin 1, die Handelsschule besuchen 23, die Haus 
haltungsschule 2, zur Erholung anfs Land gingen .6, zu 
Hause blieben noch 21. 
Die statistischen Feststellungen ergeben, daß von den 
männlichen Jugendlichen noch immer die Berufe im Me- 
tallgcwerbe bevorzugt werden, jedoch nicht mehr in dem 
Maße, wie' in den Vorjahren, Wenn auch hier die Rück 
kehr der zum Heeresdienst eingezogenen und in Kriegsge 
fangenschaft geratenen Arbeiter zur ehemaligen Werkstätten 
und der allgemeine Mangel an Rohstoffen wichtige Fak 
toren bedeuten, so ist es doch in gewissem Grade als esi- 
Erfolg der Berufsberatung zu verzeichnen, daß die Rat 
schläge bezüglich Nichtergrcisens von Berufen, wie Mecha 
niker, Maschinen und Werkzeugschlosser, befruchtend M-, 
wirkt haben. ..-'H 
Die Schüler aus den höheren Lehranstalten wtzir-Z 
den sich, wie bereits seit Jahren, dem Bankfach odkirT 
auch in bedeutendem Maße dem Jngenieurberuf zu. Die)' 
eigentlichen alten Disziplinen Ivcrden verhältnismäßig/ 
wenig bevorzugt. Auch diese Feststellung ist auf das Konto) 
der Berufsberatung zu schreiben, die durch Wort und 
Schrift vor Ergreifen akademischer Berufe warnt. BH. 
den aus den Volksschulen zur Entlassung gekommenen' 
Mädchen hat der Beruf der laufmäunilchcn Büroaugestell- 
siellten noch immer seine alte Zugkraft. Jedoch legt man 
heute — auch auf Anraicn des Berufsamtes — auf eine 
gründliche fach- und sachgemäße Vorbildung bedeutend 
mehr wert als in den Vorjahren. So besucht die über--) 
wiegende Mehrheit (80 Prozent) der jungen Mädchen, die), 
sich für- den Kontoristinncnberiif entschlossen haben, eine 
anerkannte Handelsschule mit l—1 ich. jährigem Lehrgang.) 
Sehr erfreulich ist das wachsende Interesse, das'die weib 
liche Jugend dein ureigentiichsten Beruf der Frau... ent 
gegenbringt. Während zu Michaelis 1919 nur 7 Prozent- 
der entlassenen Mädchen dem Hausangestelltenberuf zstB 
gesührt werden konnte, tvarcn es zu Ostern 1920 be< 
redts 13 Prozent. Die aus den höheren Lehranstalten 
entlassenen Schülerinnen blieben teils ohne Beruf ,ui; 
elterlichen'Haufe, teils waren sie in der Berufswahl ncch'l 
unentschlossen. Der Besuch des Lsttehaiises und der VW 
koria-Fach- und Fortbildungsschule tvurde verschiedentlich 
angezeigt. V ch 
Der Tätigkeitsbericht erbringt bei der Feststellung der' 
Zunahme der angemeldeten, also erfaßten Lehrstellen urtv 
500 Prozent und der vermittelten Lehrstellen um spM 
l 20 Prozent den Nachweis der Daseinsberechtigung hoch, 
Berussamtes. DaS Arbeitsfeld wächst dauernd. Nicht- 
allein, daß die Anforderungen der Lehrmeister und Jugend-- 
hfcj: an hip 9i'ifttlTTflihi st f pH h'.x vnr^v ' 
für Sozialismus 
nungsprüfuilgen nach dem bekannten Testverfahren 
breiter und erstmalig bei den zu Michaelis 1920 zist'Z 
Entlassung kommenden Knaben und Mädchen zur Anwen 
dung gebracht. . ; „DM 
Die durch die Bildung der Stadtgeineindc BeAin) 
bedingte Zusammenlegung verschiedener Verwaltungsabtei-i 
lnilgen ivird auch für das Bernfsamt Friedenau nicht), 
ganz ohne Wirkuirg bleibe», Doch steht ziz erwarten, 'laß' 
hier die Zweckmäßigkeit obwaltet. Denn je kleiner dex 
Bezirk eines Berufsamtes ist, desto individueller kaun drth 
e.nzelne Fall bearbeitet werden.^ Dezcnträlisation bei ein- 
heitiicher Regelung des Lehrstellenmarktes muß in.drM^ 
Berufsberatung der erste Grunds,^ sein. .
        
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