Path:
Periodical volume Nr. 20, 23.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

M TfHwf?nej «rf km 
MtfMÜtiM 4.<06 Sf«(; Hrr* Bc4t* 
m 6*a» t*u*t 4« Bari. 
y 
tentfctmbrr: «*» 
(Kriedenaurr 
MsürMk SrwW WrM.'Mrdks» WZ 
vrphüst täglich abends. 
ick «e^», ,«n Leo »chMtz, 
Zeitung) 
du Wkdrm«r SürtrK dm Msrbers. 
vefchSstsstrSr: «hetaAe. 1». 
— n*t f#t «nfcejHuHK« Tmgt 
f5rdl ket ToeftnOteiw« stetU *6ec k^rf 
Ra-m, 76 $jg. Die Scfl«ne)«Ue koste. 
4 — M«k. Selegtmnuscc 10 W,. 
». — Kerusttrecher; Amt 
Nr. 20 
——■—OB 
Serlitt-SrittiennH, Freitag, den 23. Januar 1920 
Fähig. 27 
Sitzung der Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, den 22. Januar .'.'20. 
Für die Selbs5ndigkeit Friedenaus. — Der Ehrenfried- 
Hof. — Wieder da- LedenSmittelamt. — Der Fall Friedel- 
Wollny. — Schöffe Friedet wird klagen! 
In der gestrigen Sitzung unserer Gemeindevertretung 
kam cs bei einzelnen Punkten wieder zu lebhaften, teil-' 
weise erregten Anssprachen. Aon besonderer Wichtigkeit 
für unseren __ Ort war gegen Schluß der Sitzung ein 
Beschluß auf Antrag des Bürgermeisters Walger, der 
dahin ging, an den Ausschuß der Landesversammlung 
für den Gesetzentwurf Groß-Berlins abermals dringend 
das Ersuchen zu richten, Friedenau seine Selb 
ständigkeit zu belassen, mit Rücksicht darauf, daß 
man ja auch im Norden Groß-Berlins, bei Tegel und 
Weißeusee, die Bildung von Bezirken mit 47 000 Ein 
wohnern zugestarrden habe und auch der Grundsatz der 
glatten Einheitsgemeinde schon durch andere Beschlüsse' 
des Hauses durchbrochen worden sei. Für diesen Beschluß 
stimmten die Rechte und die Demokraten. Die Sozialdemo 
kraten und die Unabhängigen stimmten dagegen; namens 
der Sozialdemokraten hatte G.-B. Dr. Hasse die Erklär 
rung abgegeben, daß sie für den Anschluß an Schöneberg 
wären. Die Frage der Ausgestaltung des Ehrenfried 
hofs bildete ferner den Gegenstand einer längeren Er 
örterung. Baurat Altmann und der Sprecher der Sozial 
demokraten traten für deir Schneidereit'schen Entwurf ein 
und Baurat Altmann machte dabei mit Bezug auf die 
Zuschriften in unserem Blatte die Bemerkung, daß es sich 
da um Stimmuugsmack>e von Jnteressentengruppen be 
teiligter Leute oder um solche Unzufriedene handele, denen 
die Feder kitzele, um hierzu etwas in der Zeitung zu 
jagen. Er sagte aber selbst, daß er die meisten 
Zuschriften nicht gelesen hätte, weil sie ihm zu wenig 
positiven Stoff böten, und als man ihm da entgegenhielt, 
daß er sie dann ja auch nicht kenne, bemerkte, er hätte 
aber gehört, was darin stände. (Aha!) G.-B. T hörnst 
berger bedauerte diese Aeußerungen des Baurats Alt- 
mann. Man sollte doch den Angehörigen, die ihr Liebstes 
dort gebettet haben und nun ihre Auffassung in Zu 
schriften wiedergeben, nicht in dieser Weise entgegentreten 
und ihnen unkünstlerisches Empfinden vorhaltend Diese 
Bemerkungen des Baurats Altmann waren allerdings nicht 
am Platze und beleidigten diejenigen Verfasser von Alt- 
schriften, die zum Schutze des Grabes ihres auf dem 
Ehrenfriedhof gebetteten Angehörigen die Feder ergriffen 
haben. Auch der G.-V. Kamrowski sprach von Stimmungs 
mache durch die Zuschriften im Namen seiner Fraktion, 
obwohl er wissen mußte, daß unter einer dieser Zu 
schriften auch der Name seines Parteigenossen, des Land 
wirtschaftsministers Braun, stand. Zum Schluß wurde 
ein Antrag Thoinsberger, den Friedhofsausschuß zu beauf 
tragen, in einer gemeinsamen Besprechung mit den Ange 
hörigen die Frage der Ausgestaltung des Friedhofes zu 
klären, angenommen. — Dann gab es wie^-r eine Le 
bensmitteldebatte, veranlaßt durch cnien Antrag 
der Rechten, den Fünferausschuß durch zwei Sachverstän 
dige zu verstärken. Schöffe Friede! wehrte sich hierbei 
gegen Angriffe, die gegen ihn und das Lebensmittelamt 
in der letzten Sitzung des Gewerbevereins stattgefunden 
haben. Der Antrag selbst wurde dem Lebensmiltelausschuß 
zur weiteren Besprechung überwiesen. — Ferner gab 
Schöffe F riebet zu den Angriffen, die Herr W o l l n y 
gegen ihn -- Dewcrbeverein vorgebracht hatte, die Ec- 
MW— IP ■■ • ""— 
%m\ Leslämsme. 
Roman von F. Stolze. 
88 fltachbruck Verbote«) 
Wäre Frau Werner unter gewöhnlichen Verhältnissen 
gestorben, so würde ihr Tod bei ihren Kindern einen weit 
andauernderen Eindruck hervorgerufen haben, als unter 
den obwaltenden Umständen. Jetzt, wo der Gedanke an 
die Gefahr, in der der Vater schwebte, sie erfüllte, und 
eben dieser Umstand das Dahinscheiden der Mutter herbei 
geführt hatte, wurde ihr Verlangen, dem einen, der ihnen 
noch geblieben war, zu Hilfe zu eilen, nur um so heißer. 
Dazu kam, daß die Schwierigkeiten, die ihren Wünschen 
bisher durch den leidenden Zustand der Mutter in den 
Weg gelegt worden waren, jetzt plötzlich weggeräumt er 
schienen, und daß sich die Geschwister ganz dem einen 
großen Zweck widmen konnten. 
Hier erhob sich aber sogleich ein Bedenken. Solange 
Frau Helen am Leben gewesen war, hätte Alice sie unter 
keiner Bedingung verlassen können. Jetzt aber bestand sie 
aufs lebhafteste darauf, sich dem Bruder bei seiner Reise 
nach Persien anzuschließen. Sie würde von marternder 
Angst um die beiden ihr nachgebliebenen Lieben verzehrt 
werden, wenn sie tatenlos auf Eichkamp zurückbleiben 
sollte. Auf den dagegen erhobenen Einwand, daß sie als 
Dame ihrem Bruder nur beschwerlich fallen werde, entgeg- 
nete sie, daß sie ebensogut, wieFrau Ieanne Dieulafoy, ihren 
Mann, den Professor Auguste Marcel Dieulafoy auf seinen 
Forschungsreisen in Persien als Knabe verkleidet begleitet 
und ihm dort die größten Dienste geleistet habe, sich ihrem 
Bruder in ähnlicher Tracht anschließen könne. Sie ließ den 
Einwurf des Oberst gar nicht gelten, daß es zweierlei sei, 
wenn eine verheiratete Frau oder ein junges Mädchen 
etwas Derartiges tue. Da sowieso eine größere Anzahl von 
Männern sich der Erpedition anschließen müsse, sei sie 
ganz sicher und betrachte den Wechsel der Kleidung 
mehr als eine Maßregel der Nützlichkeit und Bequemlich. 
keit. nicht als eine eigentliche Verkleidung. Ihr Bruder 
und ebenso Achim, der von vornherein erklärt hatte, sich 
War er I» der «ochste» Woche gibt. 
Brot: 2350 Gramm Großbrot ober 2000 Gramm Brot 
und 350 Gramm Kleingebäck. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Gramm, sowie ans die 2 Abschnitte F 26 
. der Einfuhrzusatzkartc 70 Gramm Margarine und 60 Gr. 
Schmalz. 
Kartoffeln: 2 Pfund aus 5 a—b und als Ersatz 4 Pfd. 
Kohlrüben auf 4 c—f und 200 Gr. Nährmittel auf 
4 g. Die Kohlrüben werden in den Kartoffelgeschäften, 
die Nährmittel nach Nummern der Ausweiskarten in 
verschiedenen Kolonialwarengeschäften und zwar Nr. 1 
bis 1000 bei Grünthal, 1001—2000 bei Schoening, 2001 
bis 3000 bei Mttag, 3001—4000 bei Ziemke, 4001 bis 
5,000 bei Micolowski, 5001—6000 bei Habermann, 6001 
bis 7000 bei List, 7001—8000 bei Fehr, 8001—9000 bei 
Mosig, 9001—10 000 bei Ortmann, 10 001—11000 bei 
Gaege, 11001—12 000 bei Winkelmann, 12 001 bis 
13000 bei Treuholz, 13001—14 000 bei Kern, 14 001 
bis Schluß bei Kühnast ausgegeben. 
Zucker: Vom 1. bis 15. Februar s / 4 Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre I 3 /, Pfund, im 2. Lebens- 
jähre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre »/, Pfund 
tm Monat. 
Abzuholen sind vom 27.-29. Januar: 
Aus Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Tet gwaren: 125 Gramm aus 111, Pfund 1,18 M. 
Ausl. Hülsenfrüchte: 125 Gramm auf 112, Pfund 
1,25 M. 
Maissabrikate: 125 Gramm auf 113, Pfd. 2,90 M. 
Auf Einfuhrzusatzkarte: 
Cerealmehl: 500 Gramm auf W24 und X24, Pfund 
70 Pfennig. 
Mohrrüben, Rote Rüben und Kohlrüben frei 
händig in den Gemeindeverkaussstellen Niedstr. 8 und 
Rheingausbr., auch für Händler. 
klärnng ab, daß er hiernach, auch im Einverständnis 
mit seiner Fraktion, nicht die Absicht habe, gegen Herrn 
Wollny Klage zu führen, weil ihm diese Angriffe 
zu dumm erschienen und er seine Zeit besser verwerten 
könne, als sich mit diesem Herrn herumzuklagen. Diese 
Erklärung löste berechtigtes' Erstaunen bei den übrigen 
Fraktionen aus, nackchem Herr Friede! in früheren 
Sitzungen eine gerichtliche Entscheidung in Aussicht gestellt 
hatte. Auf Antrag der Demokraten beschloß die Ge 
meindevertretung, Herrn Friede! zu ersuchen, 
gegen Herrn Wollny unverzüglich die Klage 
einzureichen. Nur die Mehrheitssozialdcmokraten 
stimmten hiergegen. Nachdem die Protokollverlesung er 
ledigt war, gab Schöffe Friede! nach einer Besprechung 
mit seinen Fraktionskollegen die Erklärung ad, daß xr 
nun gegen HerrnWollny klagen werde. Warum 
er das zuerst nicht wollte, darüber wolle er in der ge 
heimen Sitzung Mitteilungen machen. — 
BerhcmdlungSbericht. 
Bürgermeister W a l g e r eröffnet die Sitzung 7 Uhr 
15 Minuten. Er entschuldigt den G.-B. Konieczka, der 
erkrankt sei und bemerkt, daß vom G.-B. Endeinann 
ein vom 25. August v. I. datiertes Entschuldigungs 
schreiben vorliege, in welchem dieser Herr mitteilt, daß 
er wegen citier Reise auf einige Wochen den Sitzungen 
fern bleiben müsse. Seitdem habe er sich aber nicht mehr 
sehen lassen und so frage er, ob die Versammlung damit 
einverstanden wäre, wenn er Herrn Endemann auffordere, 
als erfabrener Forschungsreisender dem Zuge anschließen 
zu wollen, seien ihr genügende Gewähr dafür, daß nie 
mand es wagen werde, ihr ungebührlich zu begegne». 
20. Kapitel. 
So stand die Sache, als ein. Brief von Kurt von 
Dorn einlief, in welchem er seinem schon früher auf der 
Fahrt von Edinburgh nach London Ewald Werner gegen 
über ausgesprochenen Entschluß, zur Befreiung Arnold 
Werners nach Persien zu gehen, von neuem entschiedenen 
Ausdruck gab und die Frage daran knüpfte, ob er bei diesem 
Unternehmen auf die Gesellschaft Ewalds rechnen könne. 
Er selbst werde in längstens einer Woche mit den Vor 
bereitungen zum Aufbruch fertig sein. 
Der' Brief wirkte geradezu verblüffend. Man hatte 
ja wohl gesehen, wie der Hauptmann sich der Familie 
Werner zu nähern versuchte. Sein ganzes Verhalten 
gegen Ewald, sein Bemühen, alle Schuld von sich abzuschüt- 
teln, endlich seine Beteiligung an dem Leichenbegängnis 
hatten dies aufs deutlichste gezeigt. Was aber war der 
Grund dieser Bestrebungen? Je sorgfältiger man die von 
ihm vorgeführten Motive mit den bekannten und zwei el- 
loien Tatsachen verglich, um so weniger konnte man stein 
Einklang miteinander bringen. Wie sollte man sich vor allem 
dieHandlungsweiseIennings' erklären, wenn er nicht von 
dem Hauptmann angestiftet war? Wie das Verhalten der 
Cecily Warden, wenn er nicht dahinter steckte? Daß Kurt 
jetzt die Vorgänge in Abbeville und den Raub des Testa 
mentes durch Bergmann auf Heiratspläne der jungen 
Dame zurückführen wollte, war offenbar ganz unhaltbar. 
Denn derselbe Raub des Testamentes war in Indien und 
Persien durch Iennings versucht worden, der schon zu einer 
Zeit mit der Ueberwachung Werners betraut gewesen 
war-, wo Cecily Warden kaum das Licht der Welt er. 
blickt hatte. Eie konnte also unmöglich die bewegende 
Kraft all dieser Vorgänge sein, sondern war selbst nur ein 
Werkzeug in der Hand des, Urhebers. Das schloß nicht 
aus, daß sie diL hierbei gewonnenen Kenntnisse und Do« 
kument« nun gegen ihren Auftraggeber ausz »nutzen suchte. 
zu erklären, ob er noch an den künftigen Sitzungen 
teilzunehmen gedenke. (Zustimmung). — Darauf macht 
er folgende 
Mitteilungen: 
Der Minister hat die Errichtung einer Frauen- 
schule am Lyzeum zu Ostern 1920 genehmigt. 
Die Wahl des Bürgermeisters Walgcr zum Vertreter 
im Z w e ck v e r b a n d e ist bestätigt worden. 
In einem Schreiben des Herrn Dr. med. Heinecker 
bittet dieser um seine Wiederänstellung als Fürsorgearzt. 
Hierzu liegt gleichzeitig ein Antrag der Rechten vor, Dr. 
Heinecker als Tuberkuloscarzt wieder anzustellen neben Dr. 
Schurig. Die Sache könne im Ausschuß oder in der 
geheimen Sitzung besprochen werden. G.-V. Lehm ent 
(Dnat.) meint, daß hier kein Grund für nichtöffentliche 
Beratung vorliege. Bürgermeister W a l g e r erwidert, daß 
die Gründe, warum s. Zt. der Ausschuß die Kündigung 
beschlossen hatte, nur in geheimer Sitzung mitgeteilt wer 
den könnten. Es wird darauf diese Angelegenheit ans 
die Tagesordnung der geheimen Sitzung gesetzt. (In der 
geheimen Sitzung ist dann, wie wir erfahren, die Wieder 
anstellung des Herrn Dr. Heinecker beschlossen worden. 
Bürgermeister W a l g e r kommt dann auf eine seit 
Juli v. Js. zurückliegende Angelegenheit zurück, in die 
s. Zt. der Obersekretär Borck wegen der Sitzungen des 
Kriegssürsorgeausschusscs hineingezogen worden sei. Er 
habe sich mit den einzelnen Mitgliedern des Ausschusses 
ins Einvernehmen gesetzt und habe nach ihren Erklärungen 
in dem Verhalten des Beamten keine Pflichtwidriglclt 
feststellen können. Der Beamte habe durchaus korrekt 
gehandelt, er habe s. Zt. die Bemerkungen zu Herren 
getan, mit denen er lange Zeit zusammen arbeitete. Er 
bedauere es nur, daß damals die Herren Schönknccht und 
Hannemann ihren Austritt aus dem Ausschuß erklärten. 
Er halte sich für verpflichtet, hier mitzuteilen, daß ftch 
der Beamte durchaus einwandfrei verhalten habe. 
Darnach macht Bürgermeister W a l g e r Mitteilungen 
über die Frage Groß-Berlin und die Verhandlungen in 
der Besprechung des Unterausschusses mit den Leitern 
der ..Gemeinden. Wir geben diese Ausführungen später 
noch wieder. Sein Antrag, diese Angelegenheit noch auf 
die Tagesordnung zu. setzen, wird angenommen. 
Aus die Tagesordnung kommen ferner Anträge betr. 
Vergabe von Arbeiten sür das 8. Holzhaus; Bewilli 
gung von Mitteln für Anstellung eines juristischen Hilfs 
arbeiters; Anrechnung von Dietistjahren auf das Besol 
dungsdienstalter; zwei Dringlichkeitsanträge der Rechten: 
1. betr. Erweiterung deS sog. Fünferausschusses und 2. betr. 
Teuerungszulagen an die Lehrer der Fliednerschen Schule. 
Mit dem Antrage ans Bewilligung der Kosten für die 
Elternbeirats >v ah len an den höheren Schu 
len ist die Vertretung einverstanden. Ebenso stimmte sie 
dem Vorschlage zu, anstelle des Herrn Kache, der sein Amt 
niederlegt, Herrn Götze in den Mietseinigungsamtsaus- 
schuß zu wählen. 
Zu Armenpflegcrn werden neugewählt die Herren 
Goblke, Luckwald, Thomas, Krause und Scharlau. Schöffe 
Ebers spricht bei dieser Gelegenheit den als Armenpfleger 
nach vicljähriger Tätigkeit ausscheidenden Herren Schuster, 
Grünig, Metz, Foertsch und Klcemann den Dank der Ge 
meinde aus, dem sich Bürgermeister Walger anschließt. 
Zu Beisitzern sür das Micteinigungsmnt werden nach 
einer vorliegenden Liste weitere 34 Vertreter- und 39 
Mietervertreter gewählt. 
Für die W e i h n a ch t s b e s ch e r u n g d e r Krieger- 
waisen usw. sind 2546 M. Mehrkosten entstanden, die 
der tut ihrer jetzt schwer erwehren konnte und es nun 
vielleicht für vorteilhafter hielt, zur Gegenpartei überzu- 
gehen, auf deren Edelmut »nd Dankbarkeit er rechnete. 
Wenn man somit auch den eigentlichen Beweggrund 
sür die Handlungsweise des Hauptmanns nicht erkannt hatte, 
war man doch der Wahrheit ziemlich nahegekommen. Trotz, 
dem war es eine ungemein schwerwiegende Frage, wie inan 
sich dem Anerbieten Kurts gegenüber verhalten sollte. Daß 
er wirklich die Absicht habe, nach Persien aufzubrechen, 
konnte keinem Zweifel unterliegen. Die sofort durch den 
Verwalter eingezogenen Erkundigungen erhoben es gut 
Gewißheit. Was war nun vorteilhafter für den Erfolg 
ihrer eigenen Expedition, sie mit dem sehr zweifelhaften 
Begleiter zugleich anzutreten, oder getrennt von ihm zu 
bleiben? Im ersten Falle hatten sie ihn unter Augen, und 
sie konnten all sein Tun und Lassen überwachen. Dafür 
war aber auch er genau von allem unterrichtet, was sie 
taten. Im anderen Falle war keiner der beiden Teile von 
den Plänen des anderen im einzelnen unterrichtet, ja, es 
konnte sogar geschehen, daß sie nicht einmal wußten, wo 
sich der andere Teil befand. Dabei würde aber zweifellos 
der Hauptmann im Vorteil sein: er war ganz sicher, 
was die Partei Werner eigentlich beabsichtige, während 
diese sich in bezug auf ihn völlig im Dunklen befand. Er 
konnte ebensowohl Freund als Feind sein, er konnte die 
Absicht haben, ihre Zwecke zu fördern oder zu hintertreiben, 
ja er konnte nach allem Vorhergegangenen sogar das Leben 
der beiden Geschivister wie das ihres Vaters bedrohen. 
So entschloß man sich denn endlich mit schwerem 
Herzen, dem Vorschlage des Hauptmanns zuzustimmen. 
Es war freilich keine angenehme Aussicht, die Reise in Be 
gleitung dieses bedenklichen Gefährten anzutreten, den man 
beständig zu überwachen gezwungen war, und der nicht 
als eine Stärkung, sondern viel eher als eine Schwächung 
der Expedition betrachtet werden mußte. Wenn man daher 
schon vorher entschlossen gewesen war. dem Unternehmen 
eine Art von militärischem Charakter zu geben, erschien 
die? jetzt noch viel r ’üocnbisl'cr. 
(Fortsetzung ^olgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.