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Periodical volume Nr. 120, 01.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Betriebsdirektor und Stadtverordneter, 10. Thoms- 
berger, kaufmännischer Direktor und Gcincindcvcr- 
vrdneter (Friedenau), 11. Otto, Stadtsekretär uitb 
Stadtverordneter, 12. Frau Luise Scheffen-Döring, 13. 
Müller, Handlungsgehilfe und Stadtverordneter, 14. Oskar 
Wolfs, Kaufmann und Gcmeindeverordnetci: (Frie 
denau), 15. Hasemann, Kaufmann und Bürgerdepu 
tierter, 16. Adele Friedländer, Sozialbeamtin, 17. E. 
Meyer, Generalagent, 18. Rehning, Architekt, 19. Richter-- 
Rheinsberg, Kunstmaler, 20. Lautcrbach, Lyzealdircktor 
-und Stadtverrodneter, 21. Messer, Kaufmann, 22. Jüng 
ling, Oberlehrer, 23. Mahlow, Ingenieur, 24. Dr. Lutz, 
Rechtsanwalt, 25. Dr. Glaserseld, Arzt, 26. Dun Hs, 
Architekt (Friedenau), 27. Wenk, Ingenieur, 28. Brau 
bach, Assessor, Rechtsanwalt, 29. Fröhlich, Oberlchrerin. 
o Milch für Kindes im 6.-7. Lebensjahre. Die Kin 
der im Alter von 6—7 Jahren sind infolge der Verhältnisse 
im letzten halben Jahre ohne jeglichen Mikchgenuß ge 
blieben. Nunmehr soll auf die Abschnitte AI der 
Magermilchkarte in den nächsten Tagen eine Belieferung 
mit y 4 Liter Milch erfolgen. Es ist deshalb notwendig, 
daß sich diejenigen Bezugsberechtigten, die sich noch nicht 
angemeldet haben, umgehend bei ihrem Milchhändler an 
melden. 
o Die KrM-lrahlvorfchsäge zur NcichitagSwahl für 
unseren Wahlkreis' 3 (Potsdam 2) werden jetzt amtlich ver 
öffentlicht und zwar in folgender Reihenfolge: 1. Unab 
hängige Sozialdemokratische Partei, Liste Z u b e i l, 2. 
S-P. D-, Liste Bernstein, 3. Deutsche Demokratische 
Partei, Liste Dernburg, 4. Deutsche Volkspartei, Liste 
S t r e s c m a n n, 5. Deutschnationalc Volkspartei, Liste 
Wnlle, 6. Zentrum, Liste Pfeiffer, 7. Aufbau-Partei, 
Liste Stolpe, 8. K.P.D., Liste Zetkin, 9. Wirtschaft 
liche Vereinigung, Liste Drewitz, 10. Nationaldcmokra- 
tischc Volkspartei, Liste Raschle, 11. Welsen, Liste Con 
rad. Mir Ausnahme des Kreiswahlvorschlages Nr. 7' 
sind alle Listen mit den gleichlautenden Krciswahlvor- 
schlägen für den Wahlkreis 2 (Berlin) verbunden. Ange 
schlossen sind ferner alle Kreiswahlvorschlägc an den Rcichs- 
wahlvorschlag der betr. Parteien. 
oW Abbau der Zwangswirtschaft. Die Reichsrcgicrung 
erwägt einen allmählichen Abbau jeglicher Zwangswirt 
schaft, sobald die Einfuhrmöglichkeiten geregelter sein 
■ werden. So ist zunächst geplant, Margarine und Schmalz 
Nicht mehr der Zlvangswirtschaft zu unterwerfen und 
ebenfalls die Kartoffel von der nächsten Ernte freihändig 
zu verkaufen. In der Zwangswirtschaft verbleiben zu 
nächst noch Brotgetreide, Mehl, Butter, Milch, Fleisch. 
oA Da!Ä.Schwrinchmpfen wird teurer. Der Teltowcr 
Krcisausschuß gibt bekannt, daß die Impfung der Schweine 
gegen Rotlauf in diesem Jahre infolge der Verteuerung 
der Impfstoffe einen Kostenaufwand erfordert, der den 
dreifachen Betrag der vorjährigen Ausgabe erreicht. Da 
die Impfung dennoch ausgeführt werden wird, ist ei,ne 
t Erhöhung der Beiträge für die bei der Schwcineversichc- 
rungskasse des Kreises Teltow versicherten Schweine bc- 
schkojsen worden. Vom 1. Juli ab wird bis auf weite 
res ein Monatsbcitrag von 1 Mark für ein Schweifn 
erhoben werden. 
o Dass' Endo des Pfennigs. Der Reichsminister der 
Finanzen hat das Prägen von Ein- und Zweiptzcnnig,- 
stücken in einer Verfügung für zweck- und erfolglos er 
klärt. Die Verteuerung aller Rohstoffe und die Steige 
rung der Arbeitslöhne, Versandtkostcn usw., macht die Her 
stellung dieser Münzen so teuer, daß sie ihren Nennwert 
weit übersteigt, selbst wenn man das geringwertigste Me 
tall oder einen anderen Stoff verwenden würde. Dazu 
kolnmt die Sucht lsines Teil der Bevölkerung, Reichs- 
münzen selbst mit geringem Metallwert zurückzuhalten. 
o Weitrsrle Erhöhung der Zentralheizung. Infolge der 
vom Rcichskohlcnrat beschlossenen Erhöhung der Er 
zeugerpreise für niederschlesischen Schmelzkoks muß der 
Kohlenverband Groß-Berlin den Kleinverkaufsprcis für 
niederschlesischen Schmelzkoks — rückwirkend ab 4. Mai 
1920 — auf 30,65 M. für den Zentner frei Keller fest 
setzen. Diese neue Verteuerung des Schmclzkokses muß 
zur weiteren beträchtlichen Verteuerung der Zeutcal- 
heizungskosten in Groß-Berlin führen. 
. oW Der irrte Soinmerfahrplän auf der Wannscebghn, 
der heute in Kraft getreten, bringt ganz bedeutende Ver 
besserungen, indem zunächst die Zugfolge eine dichtere 
wird und auch in den Vormittagsstunden mehr Züge 
als bisher verkehren, sodaß der Einstundenverkehr fort 
fällt. Die Eisenbahndirektion rechnet weiter mit einer 
starken Abwanderung von der Straßenbahn und wird 
deshalb hauptsächlich früh und nachinittags Berufszüge 
als Pcndelzüge zwischen Berlin und Lichterfclde häufiger 
„Daß ich Ihre Machinationen nicht fürchte, glaube ich 
Ihnen schon bei einer früheren Gelegenheit erklärt zu 
haben, Herr Doktor I" 
„Und Sie haben sich in keiner anderen Absicht 
hierher bemüht, als um mir das zu sagen?" 
„Ich hatte mich, wie Sie gehört haben, eines Auf 
trages zu entledigen, und ich war bereit, Ihre Mittei 
lungen entgegenzunehmen. Da Sie mir solche aber nicht zu 
machen wünschen, will ich Ihnen nicht länger lästig fallen." 
Er war sich vollkommen bewußt, ein gewagtes Spiel 
zu spielen, indem er diesen hochfahrenden Ton gegen den 
Polen anschlug. Denn mehr noch als bei der Lektüre 
feines an die Gräfin gerichteten Briefes empfing er jetzt, 
wo er dem Manne Aug' in Auge gegenüberstand, den Ein 
druck, es mit einem gefährlichen Gegner zu tun zu haben 
— mit einem Gegner, dessen berechnende Kälte hundertmal 
mehr zu fürchten mar als die leidenschaftlichen Aufwallungen 
eitles von dem Gefühl persönlichen Hasses geleiteten Wider 
sachers. Aber gerade weil er zu der Ueberzeugung gelangt 
war, daß es Torheit fein würde, irgend etwas von dem 
Mitleid oder von einer anderen menschlichen Regung dieses 
seltsamen, undurch^inglichen Menschen zu erwarten, sah 
er für den Krimpst,nit ihm keine andere Möglichkeit als 
den Versuch, ihm durch die nämliche Ruhe und Kaltblütig 
keit zu imponieren, deren er selbst sich als wirksamer 
Waffen bediente. 
Und vielleicht durste Heinz es als einen ersten Erfolg 
dieser Takük ansehen, daß Dombrowsli, nachdem er ihn 
einen Schritt gegen die Tür hin hatte machen lassen, sagte: 
„Cie fallen mir durchaus nicht lästig, Herr Hollfelden. 
Und wenn ich Sie. auch nicht so ohne weiteres als Ver 
treter der Komtesse Waldendorff akzeptieren kann, so wird 
dadurch doch eine Unterhaltung über die Angelegenheit, 
die uns beide in gleichem Maße interessiert, keineswegs aus- 
gcfchloffe». Es wäre ja möglich, daß Sie selbst inzwischen 
Mlf eine Fährte des Mörders gestoß-m siisd. Ihre gchrimnis- 
HWe^Mlfe Hille doch wohl den Zweck, sie zu suchen?" 
^HM-kshalb .neunen /MM.meine Reife geheimnispM? 
als jetzt verkehren lassen. . Die Abendzüge von .1.0 Uhr 
, ab sind ebenfalls mj£ Rücksicht auf. die verlängerte Po 
lizeistunde vermehrt, der letzte Zug geht erst ab Berlin 
um 121/2 Uhr nachts. Die Züge, die nach Potsdam durch 
laufen, sind ebenfalls vermehrt, sodaß das lästige Um 
steigen in Wannsee fortfällt. Die direkten Züge nach 
Zehlendorf (ab Potsdamer Fernbahnhof) fahren ab Berlin 
3 Uhr 25 Minuten und 6 Uhr 20 Minuten nachmittags, 
ab Zehlendorf 7 Uhr 30 Minuten und 8 Uhr 33 Mi 
nuten früh ab Zehlendorf. 
oW Der Durchgang zurrt Frisdhosc EücrSstraße, der 
bon der Rubensstraße längs der Wannseebahn nach 
der Maxstraße führte, ist. jetzt für jeden Verkehr gesperrt 
worden. Der Kirchhof ist nur noch von 'der Ebersstraße 
zugänglich. 
obh «oir.|tt eine Frau zum Reichspräsidenten gewählt 
werden? Diese auf den ersten Blick gewiß überraschende 
Frage behandelt und bejaht Bezirksamtmann Dr. Kaisen 
berg, Referent im Rcichsministerium des' Innern, im 
Preußischen Verwaltungsblatt. Die Frage ist natürlich 
nicht unbestritten; Dr. Kaisenberg bejaht die Frage der 
Wählbarkeit von Frauen zum Reichspräsidenten. Ar 
tikel 109 Absatz 2 der Verfassung haben Männer und 
Frauen .grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte 
und Pflichten. Alle Beschränkungen, die mit Rücksicht 
auf das Geschlecht für Frauen bisher im öffentlichen 
Reckt bestanden, sind durch die neue Rcichsverfassung 
beseitigt. Das weibliche Geschlecht bildet kein Hindernis 
zur Uebernahme und Ausübung der Reichspräsidcnrschaft. 
Wenn die Worte „jeder Deutsche" in Artikel 241 Abs. 2 
im Gegensatz zu dem sonstigen Sprachgebrauch der Rcichs 
verfassung in ähnlichen Fällen sich nur auf das männliche 
Geschlecht beziehen sollten, so hätte dies eigens zum Aus 
druck gebracht werden müssen. Mangels einer besonderen 
einschränkenden Vorschrift gilt der Verfassungsgrundsatz, 
daß Männer und Frauen dieselben staatsbürgerlichen 
Rechte haben, auch gegenüber Artikel 41 Absatz 2. 
0 Das Fest der silbernen Hochzeit feiert heute am 
1. Juni, Herr Edmund Linsencr mit seiner Ehefrau 
Cäcilie, geb. Powlowski, hier, Kaiser-Allee.89, wohnhaft. 
Unsern Glückwunsch den Jubilaren. 
0 Qikäkcrspmsnng für stillende und werdende Mütter. 
Der bisherige Ortsausschuß für die Quäkerspeisung beab- 
sichiigt, die Speisung auch auf stillende und werdende 
Mütter auszudehnen und will hiermit möglichst am Mon 
tag, den 7. Juni 1920 beginnen. -Mütter, welche wün 
schen, an dieser Speisung teilzunehmen, können sich in der 
hiesigen Kinderfürsorgestelle, Rathaus-Eingang Lauter 
straße, die täglich von 2—3 Uhr nachm, geöffnet ist, 
melden. 
0 Grund-miots und Reparterirziischläge. Das Micter- 
bcisitzerkollcgium Berlin-Steglitz hat in der Sitzung am 
21. Mai 1920 einstimmig beschlossen, seine Mitwirkung 
bei allen Entscheidungen der Entscheidungskammcrn des 
Mict-Einigungsamls zu versagen, die gegen die gesetz 
lichen Bestimmungen der Mieterschutzverordnungcn, ins 
besondere gegen die 88 3 und 10 der Höchstmietcuverord- 
uung vom 9. Dezember 1919 verstoßen. Als derartige 
Verstöße müssen angesehen werden: 1. Wenn zur Fest 
stellung der Grund m ie t e von dem Friedensmietzins 
(1. Juck 1917) ohne Grund abgewichen wird. Eine Ab 
weichung kann nur in Frage kommen, wenn feststeht, daß 
die Friedensmicie unterhalb der Preise der amtlichen 
Feststellungen des Steuerbüros, die sich mit den orts 
üblichen Mietpreisen für Steglitz am 1, Juli 1914 decken, 
liegen und a) ein AuSnahmcprcis für Verwandte oder 
Angestellie des Vermieters, b) eine Mietgarantie der 
Hypothekenbank, c) eine wirkliche Trockenmiete tatsäch 
lich nachgewiesen wird. Eine Trockenmiete liegt nur vor, 
wenn der Mietpreis für das erste Halbjahr der Bewohnung 
ausnahmsweise besonders herabgesetzt worden ist. Das 
Mieterbeisitzer-Kollegium nimmt also grundsätzlich den 
Standpunkt ein, daß der für den 1. Juli 1914 vereinbart 
gewesene Mietzins im allgemeinen ortsüblich Und maß 
gebend ist. Berücksichtigt niuß hierbei noch werden, daß 
die in den Mietverträgen nachgewiesenen Mietpreise viel 
fach über die nebcnvertraglich festgelegten wirklich ge 
zahlten Mieten hinausgingen. 2. Wenn entgegen dem 
kmren Wortlaut ko-es 8 10 Abs. b der Anordnung vom 
9. 12. 19 alle W 0 h n u n gs r c P a r a t u r e n als bau 
liche Instandsetzungen angesprochen werden sollen. 
Hätte der Gesetzgeber diese Auffassung beabsichtigt, so 
wäre der 8 10 Abs. b anders gefaßt worden. Anstatt 
bauliche Instandsetzungen hätte cs dann einfach „alle 
Instandsetzungen und Wohnnngsreparatnreu" heißen 
müssen. Diese Auffassung wird auch durch die Fassung 
deS 8 8 Abs. 2 der Anordnung vom' 9. 12. 19 bestärkt, 
Vielleicht, well ich cs nicht für notwendig hielt, Ihnen 
meine Absicht vorher mitzuteilen?" 
„Nein, nicht deshalb I Denn ich habe eine vertrauliche 
Mitteilung von Ihnen ebensowenig erwäget, als es für 
mich einer solchen bedurfte. Schloß Buchberg liegt ja nicht 
so weit aus der Welt, daß sich eine Spur, die man gern 
im Auge behalten möchte, nicht sehr leicht bis dahin ver 
folgen ließe. 
„Ein richtiges Spioniersystem also, das Sie da einge 
richtet haben! Wahrhaftig, Sie haben Ihren Beruf ver 
fehlt, Herr Doktor I" 
„Wie können Sie wissen, ob ich mich mit dem, was 
Sie die Einrichtung eines Spioniersystems zu nennen be 
lieben, nicht mitten in der Ausübung meines Berufes be 
funden habe?" 
»Zu Ihrer Ehre will ich es einstweilen noch bezweifeln. 
Das Gewerbe eines Spions gilt in den Augen jedes an 
ständigen Menschen für so verächtlich, daß man sich nicht 
leicht entschließt, einen anderen ^ohne vollwertige Beweise 
dieses schimpflichen Gewerbes zuverdächtigen." - 
„Unsere Ansichten stimmen da nicht ganz überein, 
mein werter Herr Hollfelden! Solange Sie mich nicht davon 
überzeugen können, daß das menschliche Leben etwas 
anderes ist als ein Krieg, und zwar ein höchst erbitterter, 
grausamer Krieg, in dem es weder einen Friedensschluß, 
noch auch nur einen Waffenstillstand gibt, so lange werden 
Sie mir wohl auch zugeben müssen, ; daß die Kundschafter 
in diesem Kriege ebenso unentbehrlich sind wie in jedem 
anderen Feldzug. , 
„Möglich! Aber wo man eines-von ihnen habhaft 
wird, hängt man ihn nichtsdestoweniger an den nächsten 
Daum —" 
„Oder schießt ihn ohne langen Prozeß über den Haufen. 
Gewiß! Aber wodurch unterscheidet sich,denn eigentlich 
ein solcher Spion dann noch von einem Helden? Wird 
nicht der furchtlose Einsatz des eigenen Lebens allerorten 
als das charakteristische Merkmal des Heldentums ange- 
ckehenMnd gefeiert? Und jr-lltedsstPlann, der neben 
denn hiernach gelten Reparaturkosten in den Wohnungen 
als ein Teil des Mietzinses -Und fallen den, Vermieter 
zur Last. 
0 Das' verstärkte! Blüthndr-Orchcstc.r, das in die,ein 
Sommer jeden Mittwoch Abend in Schramms Konzert 
park unter Leitung von Earl Gießet konzertiert, ver 
anstaltet in dieser Woche einen Wagner-L'ljzt-Abend, in 
dem neben belichten Werken Liszts die schönsten Musik 
stücke aus ),Rienzi" und dem „fliegenden Holländer" zum 
Vortrag gelangen. ^ . , 
0 Eine Fuhre Gerste Lcs>chlagnrchmt. Denr Polizei 
wachtmeister Rose ist es heute Vormittag gelungen, in 
Gemeinschaft mit Steglitzer Kriminalbeamten eine Fuhre, 
enthaltend 30 Zentner Gerste, zu beschlagnahmen. Ein 
in der Körnerstraße 40 wohnender Kaufmann Widairski 
fuhr mit einem Kraftwagen, der diese Ladung cnthk.W, 
nach der Ringstraße, wo ein Möbelwagen hielt, in den die 
Gerste umgeladen werden sollte, um so weiter befördert" 
zu werden. Die Steglitzer Kriminalpolizei nahm die 
Ware vorläufig in Gewahrsam. 
0 Ans der Straße verstorben. Der 61 jährige Kanzlei 
sekretär Richard Volkmann aus der Choriner Str. 84 
in Berlin, wurde, während er an der Haltestelle vor dem 
Rathaus in Steglitz wartete, -vom Herzschlag betroffen, 
der sofort seinen Tod herbeiführte. 
0 Lctchrjnftrnd im Teltowkauak. Bei der Pumpstation 
in Lichterfclde wurde aus dem Teltowtanal die Lcjich: 
eines 26 jährigen Studenten ans Wilmersdorf gezogen. 
Es handelt sich um Selbstmord. 
v Die Mordtat in> Birke ulr-erter. Die'Persönlichkeiten 
der im Birkenwerdcr Forst tot aufgefundenen Frau und 
zwei Kinder sind jetzt festgestellt worden. Es ist die Frau 
Minna Reimer aus der Graf-Rödcrn-Atlce 69 in Rei 
nickendorf sowie ihre zwei Kinder. Gestern Abend meldete 
sich auch der Mann der Ermordeten, der aber über die Tat 
selber nichts angeben konnte, da er an dem Ausflug seiner 
Frau nicht teilgenommen habe. 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Die ZctttzlaSrr.iß»:r wieder an der Arbeit! 
Wir erhalten folgende Mitteilung: „Am Sonntag saß ich 
im Vorgarten des Prinzcß-Cass u. beobachtete von dort aus, ' 
wie Herr Hauptmann Hering, der Begründer der 
„Deutschwehr", von einem Pfahl die dort angeklebten 
demokratischen Zettel abtratzte. Zwei andere Herren, die 
ihn begleiteten, gingen unterdessen weiter. Obgleich ich 
nicht Mitglied der Demokratischen Partei bin, sondern 
mich zu einer anderen Partei rechne, ärgerte mich dieses 
Vorgehen doch und ich rief: „Herr Hauptmann Hering, 
in dieser Weise treibt man keine Politik". Dieser ant-- 
wortete: „Das mache ich, wie ich will, ich reiße sie alle 
ab". Nach vielleicht 5 Minuten — ich dachte garnicht 
mehr an den Vorfall — kam Herr Hauptmann Hering 
in den Vorgarten, trat ans mich zu lind verwahrte sich 
dagegen, daß ich ihn öffentlich mit Namen attackiert 
hätte. Ich erwiderte, daß ich das mit vollem Bewußt 
sein getan habe, weil ich eine solche Politik nicht für 
richtig halte. Wir wollen den Wahlkampf mit geistigen 
Waffen zum Austrag bringen, aber nickft in dieser Weise 
wie er cs tue. Herr Hauptmann Hering fragte mich dann, 
ob ich Demokrat sei, worauf ich ihm sagte, daß er sich, 
um meine politische Stellung nicht zu bekümmern habe. - 
Aufsüllig war es, daß der Herr Hauptmann Hering nur 
die dcmokraiischen Wahlzettcl abkratzte". 
mietet m> Vermieter. 
Herrn Luders! 
Wer sich uistt alles bemüßigt fühlt, über die Haus 
wirte zu urteilen. Ursache zum Aergernis brauch? nur 
eine undichte Kkosettscheibc zu sein, schon wird über den 
Wirt hergezogen. Als ich zur Miete wohnte, fiel es mir 
nicht ein, meinen Wirt mit solch einer Lappalie zu be 
helligen, ln meinem Gebrauch ist sic entzwei gegangen, 
folglich fühlte ich mich auch verpflichtet) sie reparieren zu 
lassen. Traurig genug, wenn ein Mieter das ihm anver 
traute Gut, die gewissermaßen geliehene Wohnung, für 
deren Benutzung er Entgelt an den Wirt entrichtet, so 
mißbraucht, daß dem Wirt großer Schaden an seinem 
Hab und Gut entsteht. Es gibt nun solche und „sonne" 
Mieter, solche, die gewissenhaft die ihnen geliehene Sache, 
betreuen und „sonne", die sie herunterwirtschaften, zu 
denen gehören auch die, die Kleinvieh in der Wohnung 
oder Keller züchten und somit die Schwammgefahr sehr 
ügüüggMMiHmgiiBiBmwaiBmiMcmg^gMwCTWMB 
stiuew Leben auch noch feine Ehre anst- Spiel setzt, mdjTiüT 
Grunde -noch um einiges höher geschätzt werden 
»Das sind Spitzfindigkeiten, Herr Docker Dombrowskr, 
keiner ernsthaften Widerlegung wert. Sie wißen so gut 
wie ich, daß es die Niedrigkeit und Erbärmlichkeit der 
Beweggründe ist, die den Mut des Spions auf dieselbe 
Stufe stellt mit der Tollkühnheit des von Grenzwächter» 
zu sarkastischem Lächeln. 
„Ah, da find wir ja, wie ich sehe, von einer Ver- 
ständigung gar nicht so sehr weit entfernt. Denn darin 
stimme ich vollkommen mit Ihnen überein, daß für die 
Beurteilung eines Menschen nicht seine Handlungen an sich, 
sondern einzig die Bewcgaründe seiner Handlungen ent 
scheidend sein dürfen. Unter solchem Gesichtswinkel be 
trachtet aber lönnle doch wohl unter Ilmstünde» ein Spion 
ein ebenso ehrenwerter Mensch sein, wie etwa die junge 
Danre, die sich aus Freundschaft oder anderen achlungs- 
würdigen Motiven zur Nachtzeit mit Hilfe von Nach 
schlüsseln in die Behausung eines fremden Mannes ciu- 
fchlcicht, um ihn zu bestehlen. Die allgemeine Verachtung, 
die bei einer Entdeckung ja indem einen Fall ebenso unver 
meidlich wäre wie in dem anderen, schließt, wie Sie aus 
diesem willkürlich gewählten Beispiel ersehen, wirklich nicht 
-immer ein unfehlbar richtiges Urteil in sich ein." 
In tiefster Seele erschrocken, nahm Heinz alle Energie 
zusammen, um wenigstens äußerlich seine Ruhe zu be 
wahren. 
»Ist es Fräulein von Wehringen, auf die Ihr will- 
kürlich gewähltes Beispiel bezug haben soll, Herr Doktor?" 
„Ich habe den Namen der Dame nicht genannt,, trias 
Sie vermuten wollen, steht bei Ihnen." 
Lortlchimg jolgt.)
        
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