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Periodical volume Nr. 119, 31.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

darf nicht in demselben Verhältnis verteuert Werden, wie 
Las, was der Rest nicht mehr-enthält. Ferner gehörten 
t urn Hausbrand die Briketts, diese sind Braunkohlen und 
ck> bezweifle, ob wir der Entente Braunkohlen zu liefern 
Haben, da diese für Industrie- und Fabrikationszwecke keine 
Verwendung finden. Ferner wurde angeregt, in diesem 
(Punkte mit allen Mieterorganisationen Hand in .Hand 
zu gehen.". Ueber Ersparnismöglichkeiten bei Heizungen 
mit Sammelheizung machte Herr Beustcr Vorschläge, 
die aber Vonseiten der Herren Schönfeld, Kuß mann 
und F laug er als teils unpraktisch, teils unausführbar 
bezeichnet wurden. Nachdem noch die ewige Müllplage 
und die Unklarheiten bezl. der Steuerzahlungen besprochen 
waren, schloß der Vorsitzende die.recht interessante Ver 
handlung um HVa Uhr. Fl. 
o Die öffentliche Versammlung der Deutschen Volks- 
Partei, die am Sonnabend im Festsaale des Reformreal 
gymnasiums stattfand, nahm einen teilweise sehr stür 
mischen Verlauf, woran der Hauptredner des Abends nicht 
-ganz schuldlos war. Der Vorsitzende, Herr Oberpost- 
sekretäv Sol tau, eröffnete die Versammlung, indem 
er sein Bedauern darüber aussprach, daß Herr Dr. Stresc- 
mann wegen seines Herzleidens verhindert wurde, hier, 
wie beabsichtigt war, zu sprechen. Es erhielt dann Herr 
Syndikus Schüler das Wort zum Thema: „Liberalis 
mus und Demokratie". Der Redner ging aus von den 
vielfachen Bestrebungen seit 1879 zur Einigung des Li 
beralismus, die immer lvieder fehl schlugen. Ein Haupt 
punkt des Liberalismus besteht nach dem Eisenacher Pro 
gramm der Fortschrittlichen Volkspartci darin, den Per 
sönlichkeitswert in Staat und Gesellschaft zur Geltung 
zu bringen. Diesem stellte er den Hauptpunkt der Sozial 
demokratie gegenüber, der nach dem Erfurter Programm 
die Vergesellschaftlichung aller Produktionsmittel dar 
stelle. Nach dem Zusammenbruche ergab sich nun der 
Zusammenschluß des Liberalismus von selbst. Der war 
auch tatsächlich beschlossen, da traten Elemente auf, die 
sagten, wenn man sich ihren Forderungen nicht füge, 
würde man eine neue Partei gründen (Zuruf: Jüdische. 
Redner: Nein, er halte cs auch nicht für angebracht, 
durch solche Zurufe die Verhandlungen zu stören. Zurufe: 
Sehr richtig). Da zeigte sich Naumann allzu nachgiebig 
und man beschloß, die Trennungslinie nach der Sozial 
demokratie zu beseitigen oder doch zu vermindern. Dem 
folgte auch Fischbeck und das Ende war die Gründung 
der Demokratischen Partei mit Absplitterung eines 
.Flügels nach rechts hin, der die Deutsche Volkspartei bil 
dete. Als die Kräfte, die in der Demokratischen Partei 
tonangebend wurden, bezeichnete er die früheren National- 
Sozialen, indem er gleichzeitig die Geschichte der National- 
Sozialen, die es nie zu einer Partei bringen konnten 
und nun lvie der Kuckuck ihr Ei ins fremde Nest legten, 
besprach. Er erkannte den Wahlcrfolg der Demokraten 
an, stärker aber noch war derjenige der Sozialdemokraten, 
die 45 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigten und 
mit 185 Mandaten in die Nationalversammlung einzogen. 
(Zuruf: Noch viel zu wenig. Redner: Sie werden sich 
noch mit viel weniger Mandatsziffern begnügen müssen. 
Beifall und Zurufe.) Er verkenne die Schwierigkeiten 
einer Koalitionsregierung nicht, aber das Volk verlange 
Männer, die st e h e n können (Bravo) und dafür 
müßten die Demokraten umsomehr sorgen, als die Re- 
gierungssozialdemokratcn den Verhältnissen ratlos gegen 
über standen. Er spra'ch Nun von dem Zusammenbruch, 
worauf der Zuruf kam: Wer war Schuld daran. Redner 
antwortete: Die ehr- und pflichtvergessenen 
Soldaten! (Große Unruhe, stürmische Zurufe), die. 
vom russischen Rubel bestochenen kommunistisch-sozialisti 
schen Elemente. ^Die Unruhe hält an. Zurufe: Pfui; 
die Offiziere, das ist der Dank, daß die Soldaten solange 
ausgehalten haben; es ist wohl noch nicht genug Blut 
geflossen u. a.) Der Vortragende erklärt dann, wie 
Kautsky erst ein Aktionsprogramm aufstellen mußte für 
die Sozialdemokraten, führte Aeußerungen von Cohen- 
Reuß an und meinte, wer keine eigenen Pläne habe, 
habe auch keinen eigenen Willen. Und so. erhielt man 
eine Regierung ohne Machtbewußtsein, eine Nationalver 
sammlung, dje kein Verständnis verspürte von der Not 
wendigkeit, im Staate eine Macht zu gründen. Die Macht 
überließ man völlig der Straße. Stark sein aber hieße 
Macht haben. Er erwähnte die Sozialisierungsgcsetze, die 
Maifeier, das Betriebsrätegcsetz und bemerkte, daß alles 
die Zustimmung der Demokraten gefunden habe, die den 
Sozialdemokraten Schleppcrdienste geleistet hätten. Die 
Demokraten hätten mit Gretchen im Faust sagen können: 
Ich habe soviel für dich getan, daß mir zu tun nichts mehr 
übrig bleibt. (Beifall.) Er meint dann, daß die Wahl 
parole der Demokraten die schlotternde Angst erkennen 
liche staatsbürgerliche Pflicht auferlegen, die Aufklärung' 
den berufenen behördlichen Organen zu überlassen, und 
ich würde nicht in der Lage sein, die erforderlichen Schritte 
um länger als achtundvierzig Stunden hinauszuschieben. 
Deshalb erbitte ich von Ihrer Güte eine sofortige Mittei 
lung, wann und wo ich innerhalb der bezeichneten Frist 
die Ehre und das Vergnügen haben kann, Sie zu sprechen. 
Zur Vermeidung von Mißverständnissen aber möchte ich 
noch hinzufügen, daß es sich bei den neuerlich zu meiner 
Kenntnis gelangten äußerst wichtigen Momenten nicht etwa 
die — vielleicht ganz unverfänglich zu erklärende — Wahr 
nehmung handelt, von der ich bereits zu einem Ihrer 
Freünde gesprochen, sondern um eine bedeutsame Fest 
stellung, die an und für sich wohl geeignet scheint, Licht 
in das Dunkel der Affäre Martens zu bringen. Mit der 
Versicherung, daß ich mich glücklich schätzen würde, wenn 
gnädigste Gräfin mir dazu verhelfen könnten, diese Ent 
deckung , die bisher ausschließlich mein Geheimnis ist, 
auch weiterhin als solches behandeln zu dürfen, habe ich in 
Erwartung Ihrer umgehenden Rückäußerung die Ehre, mich 
Lhnen zu empfehlen als 
Ihr gehorsamster 
Dr. Dombrowski." 
Schweigend faltete Heinz das-Blatt, zusammen und gab 
es der Gräfin, deren Augwi in angstvoller Erwartung -aus 
seinem Gesicht -ruhten, zurück. Achtlos barg sie es im Aus 
schnitt ihrer Bluse. 
„Und — ? Was raten Sie mir zu tun? Soll ich ihm 
nun doch schreiben, daß ich bereit wäre, ihn zu emp 
fangen ?" 
Entschieden schüttelte Hollfelden den Kopf. 
„Keinesfalls !" sagte er fest. „Natürlich muß jemand 
mit Dombrowsti reden, denn der Ton seines Schreibens 
läßt ja leider keinen Zweifel darüber zu, daß er tat 
sächlich für uns unangenehme Entdeckungen gemacht hat. 
Aber ich würde es für verfehlt halten, wenn Sie ihn 
lasse und eine Parole der Spekulation sei auf das mut 
lose Philistertum. Er will dann die D. Vp. nicht zu 
-den Rechtsparteien, sondern zu den Parteien dep> Mitte 
: gerechnet wissen. Darnach kam er zum Kapp-Putsch, den 
er nicht gut hieß, bei dem er aber noch schärfer den General 
streik verurteilte und bemerkte, daß durch-ihn auch die 
Pflichttreue der Beamten, die sich selbst am 9. Novbr. be 
währt hatte, angetastet worden sei. Er erklärte hierauf:. 
Er habe für Kapp nichts übrig, aber moralisch stünde 
der Mann turmhoch über dem Gesindel von 
links. (Großer-Lärm, Beifall und Zurufe, alles erhebt 
sich, Gegner stürmen zur Bühne und zum Rednerpult, der 
Vorsitzende schwingt fortgesetzt die Glocke, nahezu eine 
' Viertelstunde lang ■ hält die Unruhe und der Lärm an, 
endlich kann der Redner wieder fortfahren; aber die Un 
ruhe ist nicht mehr vollständig einzudämmen.) Er bemerkt, 
-daß seine Aeußerung mißverstanden wurde, sie bezog sich 
nickt auf Beamte oder den Beamtenbund, sondern aus die 
jenigen, die den Zusammenbruch herbeigeführt hätten. 
Er machte darnach längere beachtenswerte Ausführungen 
zur Steuer- und Wirtschaftspolitik, wobei er betonte, daß, 
wir noch sehr schwer an den Steuern zu tragen haben 
werden, kam auf die Auswanderung zu sprechen, erklärte, 
das. er die Charakterlosigkeit nicht habe, umzu 
lernen nur deshalb, weil die Macht gcwcchfetl 
habe und wandte sich darauf gegen den Pazi 
fismus. Mit jeder Sprache sei auch ein anderer 
Geist verbunden und wir können die Fremden erst ver 
stehen, wenn wir in ihrer Sprache denken und fühlen 
können, sagte er. Darauf sprach er gegm die Demokraten 
und ihre Zersplitterung bei den Abstimmungen und hob 
für seine Partei den Willen zur Aussöhnung der liberalen 
und sozialen Gegensätze hervor, indem er für liberal: 
human setzte. Zu einer stürmischen Unterbrechung kam 
cs lvieder, als er über Gebildete und Ungebildete redete 
und sagte, daß Körperverletzungen unter Gebildeten nicht 
vorkommen, so wie sie vorhin hier angeboten wurden. 
Nachdem er noch ein Wort über Gewcrbesreiheit, Frei 
zügigkeit und Koalitionsfreiheit gesprochen hatte, schloß 
er mit den Worten guter Zuversicht für die Zukunft unseres 
Volkes. (Starker anhaltender Beifall.) Nachdem eine 
Redezeit von 5 Min. festgesetzt worden war, begann die 
Aussprache. Zuerst erhielt ein Mchrheitssozialist 
das Wort, der bemerkte, daß der Vortragende durch sein 
provozierendes Verhalten die Zwischenfälle selbst herbei 
geführt habe. (Zustimmung, auch bei Äolksparteilern und 
Widerspruch.) Er erklärte, daß alle ihre Kräfte einsetzen 
wollen, für das deutscke Vaterland und sprach über die 
Ursache des Zusammenbruchs. Herr Geh. Reg.-Rat 
Vogt, der 1. Vorsitzende der Demokratischen Ortsgruppe, 
erklärte, daß er früher im Nationalliberalen Verein immer 
für die Einigung des Liberalismus sich einsetzte und daß 
er es für lächerlich gehalten hätte, daß jemals in solcher 
Weise Angriffe geaen Liberale von liberaler, noch dazu 
ehemals fortschrittlicher Seite erfolgen könnten. Aber man 
habe sie soeben erlebt. Fast alle Führer der National 
liberalen stehen jetzt auch an bevorzugten Stellen der 
Demokratischen Partei. 'Neu was ihm, was der Redner 
von den National-Sozialen sagte; Herr v. Gerlach u. a. 
haben gar keinen Einfluß auf die Demokratische Partei. 
Die D. Vp. will ja ebenfalls mit den Sozialdemokraten 
zusammen arbeiten; sie wird dann auch nichts weiter 
machen können, al: was die Demokraten getan haben. 
Es wundere ihn, daß ein ehemaliger Fortschrittler solche 
ungerechte Kritik geübt habe. Ein Kommunist, der 
10 Minuten reden durfte, wies u. a. darauf hin, daß. 
tvir noch viel mehr werden hungern müssen (Huhu). Er 
glaube ja. daß viele noch gar nicht wissen, was hungern 
heißt. Er redete die Versammelten mjt Leidensgenosscn 
an und ineinte, daß der Hochmut viele jetzt noch nicht er 
kennen lasse, wie die Verhältnisse wirklich liegen. Der 
Vortragende sagte, stark sein, heiße Macht haben; das. 
übersetzt heiße: Krieg! Und Krieg wolle doch niemand 
mehr haben. Herr 'B l ü m e l bemerkte, daß der Haupt 
redner falsch verstanden wurde, als ec von den Soldaten 
und dem Zusammenbruch sprach: er hatte ausdrücklich 
voi: den „ehr- und pflichtvergessenen" Soldaten gesprochen.. 
Nur diese habe er gemeint. Eine Arbeiterfrau 
meinte, daß die Beamten die ersten waren, die sich freuten,, 
als der Umsturz kam (Widerspruch). Sie werden jetzt 
ganz anders entlohnt als früher. Gegen das Wort „Ge 
sindel" sprach sie »nd bemerkte, die Sozialdemokraten 
wären vielen gut (Zurufe). Ein anderer Sozialdemo 
krat, der n. a. sagte, er habe kein Vaterland mehr, mußte 
unter großer Unruhe das Rednerpult nach einigen Aus 
führungen verlassen. Nachdem noch Frau E z e r n o h a u s 
im Sinne der D. Vp. gesprochen hatte, erhielt Herr 
Schölcr das Schlußwort, in welchem er besonders auf 
empfangen wollten. Sie dürfen ihm keine Zugeständnisse 
machen, aber Sie müssen ihm gegenüber auch davor auf 
der Hut sein, etwa falsche Angaben zu machen oder auch 
nur ihm in das Gesicht hinein elwas direkt abzuleugnen. 
Ich aber kann frei und offen mit ihm reden, ohne dabei 
für meine Person Gefahr zu laufen oder Sie in Gefahr zu 
bringen." 
„Dasselbe habe ich auch gedacht," erwiderte die Kom 
tesse in sichtlicher. Erleichterung. „Und ich wünschte Sie 
mir deshalb sehnlichst herben als ich heute morgenden 
Brief empfing. Nun« mein Wünsch ist in Erfüllung ge 
gangen. Und wenn Sie wirklich das schwere Opfer bringen 
wollten. " . 
„Bon einem Opfer kann dabei nicht die Rede sein. 
Ist es doch jetzt auch meine Angelegenheit, um was cs 
sich hier handelt, und es sind meine Interessen^ die ich 
dabei verfolge. Es hat sich hier in Berlin in der Zwischenzeit 
nichts zugetragen, nichts, das ich wissen müßte, ehe ich zu 
Dombrowski gehe?" 
„Nein l Ich selbst bin bis auf den zweimaligen Besuch 
Oombrowskis von allen weiteren Unannehmlichkeiten oer- , 
schont geblieben. Und ich habe die Zeitungen sehr eifrig 
studiert, um vielleicht eine Notiz darübep zu finden, ob die 
Pclizei auf eine Spur des Täters gekommen fei; aber 
das Schweigen, in das man sich an amtlicher Stelle hüllt» 
läßt darauf schließen, daß man auch dort noch nicht viel 
weiter gekommen ist." 
Nun hielt es Hollfelden für angezeigt, ihr von seiner 
Unterredung mit der Choristin des.„Eldorado-Theaters" 
Mitteilung zu machen. Er legte ihr die Frage vor, ob sie 
vielleicht im Laufe der Zeit irgendeine Beobachtung ge- 
»nacht habe, die die Vermutung rechtfertigen könne« Mar 
tens sek verheiratet gewesen; aber kopfschüttelnd meinte siet. 
„Wie sollte ich dazu gekommen fein.? Ich habe ja 
doch mit Martens niemals in einem Verkehr gestanden, - t 
der mir einen Einblick in seine Privalverhältnisfe gewährt ' 
hätte. Aber ich meine, wir müßten der Aussage vieler ! 
die Ausführungen des Herrn Bogt antwortete und u. a. 
erklärte, die D. Vp. werde, wettn sie mit den Sozialdemo 
kraten zusammenarbeite, zeigen, wie cs gemacht »vcrdc. 
Er fand mit seinen letzten Ausführungen, in welchen 
er das Wort: „Persönlichkeit adelt" betonte, »nieder leb 
haften Beifall. Der Vorsitzende schloß die Verfamnilung 
mit dem Hinweis, daß heute (Montog) im Hohenzolleru- 
gymnasium in Schöncberg mit der Schöneberger Orts 
gruppe eine gemeinsame Besprechung über die Kandidaten 
für Groß-Berlin stattfinde. 
- o Quartiere für Feuerwehrleute erwünscht. Im Juli 
findet hier in Friedenau der Vraiidcnburgische Provinzial- 
seuerwehrtag statt. Für die abgeordneten Feirerwehrleuic 
werden nun hier Quartiere — ohne 'Verpflegung, nur 
Schlafen — gesucht. Diejenigen, die gewillt sind, einem 
Feucrwehrmanne jn dieser ^Zeit ein Nachtquartier zur 
Verfügung zu stellen, werden gebeten, das in der Fcuer- 
»vache iin Rathaus »neiden. 
o Der Post!<M!w«isu>ngcverkch: mit der Tschechoslowaki 
schen Republik wird an» 1. Juni wieder aufgenommen. 
o Bricspostbefördcruug nach Amerika im Juni. Im 
Monat Juni finden-?.Postabgänge nach Nord- und Süd 
amerika außer mit'englischen Dainpfcrn (etwa zweimal 
wöchentlich) noch mit folgenden Dainpfcrn statt: 1. Damp- 
fer „Noordam" nach Newyork, von Rotterdam am 9. 
Juni, Postschluß beim Postamt 2 in Emmerich am 7. Junis 
vorinittags und beim Postamt 1 in Hamburg ain 5. Juni 
abends; 2. Dampfer „Mongolin" »rach Neivyork, von Ham 
burg an» 12. Juni, Postschluß beim Postamt u in Ham 
burg am 10. Juni abends: 3. Dampfer „Nicuiv Awster- 
dam" ,„Ryndam" und ^.Rotterdam" nach Newiwrk, von 
Rotterdam am 19. »nid 25. Juni und 3. Juli, Postschluß 
beim Postamt 2 in Einerich aut 17. und 23. Jnnt und 
1. Juli vormittags und beim Postamt 1 in Hamburg am 
15., 21. und 29. Juni abends; 4. Dampfer „Principessa 
Mafalda" näch Rio de Janeiro usiv., von Genua am 17. 
Juni, Postschluß beim Postamt 9 in Frankfurt (Main) 
am 14. Juni mittags; 5. Dalnpfcr „Hollandia" nach 
Rio de Janeiro usw. von Ainsterdan» am 30. Juni, Post 
schluß beim Postamt 2 in Einmcrich am 28. Juni vorinit- 
tagS und beiin Postamt 1 in Hamburg ain 26. Juni 
abends. 
o Die .mit einem Morgcnlonzert verbundene Ver 
sammlung der Dcutschnationalcn gestern morgen in der 
Schöncbergcr Schloßbraucrei imtrbe von Unabhängigen 
gesprengt. Kaum hatte Graf Westarp zu sprechen begonnen, 
so ging der Lärm los. Plötzlich wurden zivei große.rote 
Fahnen entrollt,-Inas das Signal zuin Kampf »nit Fäusten, 
Stöcken und Bierseideln »var. Die Sozialisten „eroberte»»" 
die Bühne. Diö Dcutschnationalen zogen schließlich unter 
Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles" 
ab. Die Unabhängigen erividcrtcn mit dein Gesang der 
„Arbeitermarseillaise" und hielten min ihrerseits eine Ver 
sammlung ab. 
o Die Mufiklejhverin Fräulein Franziska Weber, Wies 
badener Straße 78, feiert am 2. Juni ihr 50-jährigcs Ju^ 
biläuin. Sie ist e-ne langjährige Mitbürgerin unseres 
Ortes und »vird den meisten Fricdenauern durch ihre 
wohlgelungenen Schülerkonzerte in den früheren Jahren 
bestens in Erinnerung stehen. Die Jubilarin steht iitt 
70. Lebensjahr und begeht ihren Ehrentag in körper-- 
licher wie geistiger Frische. Ihre Schüler, sowie auch 
die: ehemaligen, veranstalten abends eine kleine Feier jm 
Restaurant Gartenstadt, Rttdeshcimer Platz 6. Möge es 
det Jubilarin vergönnt sein, ihren» ihr stets licbgcwesenen 
Beruf noch lange Zeit nachgehen zu können. 
o Zu dem Ei-ttbruchsdkLvstahl in der Laridkranker^ 
lasse wird uns mitgeteilt, daß der Optiker Rennebach, 
Odenwaldstraße 23, > der in unserin Bericht in Nr. 110 
unseres Blattes genannt war, n i ch t den Einbruchsdieb 
stahl verübt hat. 
Vereins-Oacbricbten 
)( Verewigung selbständiger Schneidermeister. Heute. Mon 
tag Abend 8 Uhr: Monatsvcrfammlung Kirchstraße 15. Um 
Erscheinen sämtlicher Mitglieder bittet der Vorstand. 
)( U. <3. P., Friedenau. Lese- und Disknssionsabcnd für 
Frauen am Montag, den 31. Mai 1920, abends 1/-.8 Uhr, im 
Restaurant Klabe, Handjerystr .60/61. Gäste willkommen. 
)( Orchester-Vxrelnigung des Westens lbOMitgl.) UebungS- 
abende jeden Dienstag. ^8—^10 Uhr- im Saal Rhernstratze *4, 
Musikfreunde willkommen. 
)( Der „Fricdenauer Gesangverein für gemischten 
(Chormeister: Gesanglehrer Walter Schmidt) übt jedenDieus- 
t a g im Gesangssaal der Känigin-Luise-Schule. Ausnahme 
neuer Mitglieder im Uebungssaal; Herren besonders erwünscht. 
)( Bereltr für Nakionalstenrgraphle Berliner Westen. Jeden. 
Dienstag 8 , Uhr, UebungSstuiide im „Alten Bürgerkasino" ya 
Schöiieverg, Hauptstraß» 107. 
itjeaieruame gro,;e ncccrnung beilegen. Frauen sind in 
dieser Hinsicht sehr scharffchend, und es sollte mich nickt 
sonderlich in Erstaun^, setzen, wenn durch seine Verheiratung 
auch das Naksel seines Mordes gelöst würde. Und dann 
men» Himmel, daß wir daran noch nicht gedacht-haben, 
die Briefe und spurlos verschwunden. Wenn sich Marlens 
nun darauf gefaßt ge,nacht hätte, daß matt versuchen tonne, 
sie »hm auf -gewaltsame Weise zu nehmen, und wenn er 
sein kostbares Besitztunnfeiner Frau in Verwahrung gegeben 
hätte; von'der ja doch niemand etwas wüßte?" 
„Auch ich habe diese Möglichkeit, schon itt Betracht ge- 
zöge,». Aber es -spricht -doch aüch sehr vieles dagegen 
Martens ging mit der Absicht um, die Briefe an den Bc^ 
auskragten des Prinzen Apraxin zu verkaufen; dazu aber 
mußte er-sie doch bei dxr Hand haben, um sie dem Rechts- 
anivalt Berger vorzulegen. Außerdem ist cs nicht recht 
wahrscheinlich, - daß er ein Besitztum aus den Händen ge- 
geben haben sollte, das er so letcht'am cigencn Leibe r-er- 
wahren konnte. Jedenfalls ist es müßig, ' sich den Kopf 
darüber zu zerbrechen, ehe sich unsere Vermutung, daß er 
verheiratet gewesen ist, überhaupt bestätigt hat. Und wir 
müssen jetzt vor allem ' mit diesem Dombrvwsli fertig zu 
werden suchen. Ich -werde mich deshalb von Ihnen be 
urlauben muffen, gnädigste Gräfin; denn ich darf keine 
Zeit verlieren,- den gefährlichen Menschen aufzusuchen." 
. Er hatte -sich erhoben, und die Komtesse reichte ihm 
die Hand. ' - 
„Gehen Sie mit Gott!" sagte sie herzlich. ..Und Sie 
benachrichtigen mich sogleich von dem Ergebnis Ihrer Unter- 
redung mit'Dombrowski, nicht wahr?" 
: „Gewiß! Ich werde mir erlauben. Sie wieder auf 
zusuchen, sobald mir unsere Angelegenheit Zeit dazu läßt. 
Fall-aber erhalten Sie umgehend briefliche 
Nachricht. 
Damit ging er. um Dr. Kurt Dombrowski au^ufirchen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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