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Periodical volume Nr. 119, 31.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlin-Ftiedeann, Montag, de» 31. Mai 1828 
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Saltg. 27 
Neueste Nachrichten. 
33 er sin. Die Kommandeure der Garnisonen von 
Groß-Berlin haben gestern im Neichswehrininisterium per 
sönlich die feierliche Erklärung abgegeben, daß die ihnen 
unterstellten Truppenteile bedingungslos hinter der ver 
fassungsmäßigen Regierung stehen, und daß sie mit ihren 
Truppen bereit^sind, die Verfassung gegen jeden ge 
waltsamen Umsturz, komme er von rechts 
oder links, wenn es sein muß auch mit den Waffen 
zu schützen. Sie baten, diese Erklärung auch dem Reichs 
präsidenten zu unterbreiten. Der Reichswehrminister nahm 
mit Befriedigung die feierliche Erklärung der Loyalität 
der Kommandeure entgegen, dankte den Herren und bat, 
allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften seine 
kameradschaftlichen Grüße zu übernritteln. Er bemerkte: 
„Meine Herren, ich vertraue Ihnen; ich baue auf Ihr 
Manneswort und . danke Ihnen von ganzem Herzen". Der 
Reichspräsident, dem der Rcichswehrminister die Erklä 
rung sofort vorlegte, nahm sie mit Dank und Befriedigung 
entgegen. 
Berlin. Nach einer Verordnung des Reichspräsi 
denten wird die Aufforderung an frühere oder derzeitige 
Angehörige der Freikorps zu vereintem Ungehorsam oder 
gewaltsamem Widerstand gegen Anordnungen der zustän 
digen Dienststellen, insbesondere gegen Anordnungen über 
Auflösung, Verringerung und Umgliederung der bestehew- 
den Verbände, oder der Widerstand gegen solche Anordnun 
gen mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren, bei Vorliegen mil 
dernder Umstände mit Gefängnis bestraft. Die gleiche 
Strafe trifft denjenigen, der ohne Genehmigung der zu 
ständigen Stellen Personen zu Verbänden militärischer 
oder polizeilicher Art zusammenschließt oder wer an solchen 
Verbänden teilnimmt. — Nach einer Aeußerung des 
Neichswehrministers sind die Freikorps jetzt ausgelöst und 
ihre Führer entlassen worden. 
Berlin. Int Staatsforst Birkenwerder, im Jagen 
31 deS Hauptjagdreviers, nahe dem Lazarett, wurden die 
Leichen zlveier Kinder und einer Frau aufgefunden. Alle 
drei lvaren erschossen. Wahrscheinlich handelt es sich unt 
eine Familientragödie. Der Mann, der jedenfalls die Tat 
begangen hat, dürste vielleicht umherirren oder selbst den 
Tod au anderer Stelle gesucht haben. Die Namen der 
Getöteten find noch nicht bekannt. 
Berlin. In Berliner diplomatischen Kreisen wird 
nach der „B. Z." mit Bestimmtheit berichtet, daß Frank 
reich den Polen eine beträchtliche Armee — man spricht 
von etwa hunderttausend Mann — zu Hilfe schicken werde. 
Diese Hilfstruppe soll ausschließlich aus Kolonialsoldaten 
bestehen, und die polnische Front sowohl vom Norden 
wie vom Süden her unterstützen. 
Beuthen. Heute Vormittag hielten die Franzosen 
am Ring die elektrische Straßenbahn an und rissen den 
im Wagen befindlichen amerikanischen Staatsange 
hörigen Heide, der zurzeit in Oberschlesien Vorträge hält, 
heraus. Während die Franzosen vor dem Hotel Lomnitz 
mit Heide verhandelten, siel von der französischen Wache 
im Lomnitz-Hotel plötzlich ein Schuß, durch den Heide, 
iuS Herz getroffen, getötet wurde. 
Genf. Hier ist das Gerücht im Umlauf, daß der 
Großwesier Damad Ferid Pascha aus Konstantinopel ge 
flohen sei, um sich in Angora den Nationalisten anzu 
schließen, damit er den Friedensvertrag nicht unterzeich 
nen muß. 
Paris. Temps meldet aus London, Krassin werde 
'im Laufe dieser Woche mit Lloyd George, Bonar Law 
und Lord Curzon über wirtschaftliche Fragen verhandeln. 
London. Nach einer Meldung der Marinepost haben 
die Bolschewisten Minsk seit Freitag besetzt. Zwischen 
Dünaburg und WitebSk ist eine neue russische Armee im 
Anmarsch auf Wilna. 
London. Bei schwerem Sturm und Regen brach in 
Louth (Lineolnshire) der Kanaldamm, und das Wasser 
ergoß sich in die Stadt. Eine Anzahl Häuser wurde zer 
stört. Bisher sind 50 Leichen geborgen. 
Ortsnacbricbtefi 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o „Sstkwnl". In der Woche vom 31. Mai bis 6. Juni 
darf Brot und Mehl nur auf die Brotkarte abgegeben uud 
entnommen werden, deren. Abschnitte das Stichwort 
„Süden" tragen. 
o Verkehroverb e s se r ung auf der Stadt- uud Ringbahn. 
Der 2Vs-Minutenvcrkehr gelangt auf der Stadtbahn wieder 
zur Einführung und zwar infolge der starken Abwanderung 
der Fahrgäste der Straßenbahnen auf die Stadtbahn. In 
den Hauptverkehrsstunden, von 6,45 bis 8,50 vorm, wer 
den auf der Stadtbahn 24 Züge in der Stunde Ver 
kehren; damit ist die Leistungsgrenze der Stadtbahn er 
reicht. Auch aus der Ringbahn soll die Zugfolge verkürzt 
werden. 
o KriegsgefaugenM-Heimkehr. Die zweite Zusammen 
kunft der Angehörigen der sibirischen Gefangenen findet 
am Mittwoch, den 2. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Frie- 
denauer Rathaus statt, aber nicht im Ratskeller, sondern 
durch freundliches Entgegenkommen des.Gemeindevorstan 
des im Zimmer 68. Vorträge über die sibirischen Lager 
und .Aussprache über alle bezüglichen Fragen. Ange 
hörige uud Freunde der Gefangenen, sowie die.Vorstands 
mitglieder >der KriegsgefangenenÄrganisationen werden 
hiermit herzlichst eingeladen. 
o Die Jnvalidenmarken für Dienstboten. Um die .viel 
fachen Zweifel über die Höhe der Jnvalidenmarken für 
Dienstboten zu beseitigen, sei nochmals darauf hinge 
wiesen, daß seit dem 26. April d. Js. für sämtliche bei, 
der hiesigen Landkrankenkasse angemeldeten Hausangestell 
ten 50-Pfg.--Marken zu verwenden sind. Um Un 
zuträglichkeiten und unnötige Schreibereien zu vermeiden, 
ist es unumgänglich notwendig, daß die richtigen Marken 
verwendet werden. Die Jnvalidenmarken sind nur - culf 
der Post erhältlich. Soweit bisher versehentlich niedrigere 
Marken ^verwendet worden sind, ist der Differenzbetrag 
beim Umtausch der Jnvalidenkarto nachzuzahlen. Alle 
Krankenkassenmitglieder erhalten ihre Jnvalidenkarte bei 
ihrer Krankenkasse umgetauscht. Soweit sich die Kranken 
kasse nicht am Wohnort befindet, ist auch das Jnvaliden- 
büro im Rathaus, 2. Stock, Zimmer 55, zum Umtausch 
verpflichtet. Dort erhalten auch alle in Friedenau wohn 
haften Nichtkassenmitglieder ihre Jnvalidenkarte umge 
tauscht. 
o Der Hauri- und Grundbesitzerverein zu Berlin!- 
Friedenau hatte am Freitag, den 28. Mai seine Mitglie 
der zu seiner letzten Sitzung vor den Ferien nach dem 
oberen Saal des Rastaurants „Hohenzollern" eingeladen. 
Die gut besuchte Versammlung wurde vom Vorsitzenden 
Herrn D reger um 8'/z Uhr eröffnet. Die Verhand 
lungsschrift der vorherigen Sitzung im April, die der 
Schriftführer, Herr Engelhardt verlas, fand einstim 
mige Annahme. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen 
fand die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Zu Punkt 4 
der Tagesordnung: „Hausbesitz und die kommenden Wah 
len" bemerkte der Vorsitzende, daß es von großer Wich- 
v!e Briefe der Prinzessin. 
' Von E. Ph. Oppenheims 
66 (Nachdruck Verb Ken.) 
„Erst seit dem heutigen Morgen. Aber die wenigen 
Stunden, die ich nun wieder hier zubringe, haben aus 
gereicht, mir Berlin zu verleiden, während ich mich dreißig 
Jahre hindurch ganz wohl hier gefühlt habe. Ich hätte 
zu einer passenderen Stunde kommen sollen; aber ich hielt 
es nicht länger aus. Ich mußte mit einem Menschen reden, 
der mit Buchberg und seinen Bewohnern in Zusammen 
hang steht." 
Die Komtesse nickte ihm lächelnd zu. 
„Ich verstehe Sie gut genug. Habe ich doch heut? 
morgen einen Brief von Margot erhalten, der mich von 
allem unterrichtet hat, was sich auf Buchberg zutrug. Und 
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr ich mich darüber 
gefreut habe."' 
Sie verschränkte die Hände hinter dem Kopf und reckte, 
lies aufatmend, ihre Gestalt. - 
„Wissen Sie, daß ich Sie um diese Retse von Herzen 
beneidet habe!" sagte sie. und durch die in scherzendem Ton 
gesprochenen Worte zitterte ein tiefer Ernst. „Ich sehne 
mich unaussprechlich fort von hier, das Leben ist mir bei 
nahe unerträglich geworden. Ich habe ein Gefühl, als 
verwandelte man mich hier aus einem Menschen langsam 
in einen Automaten, der nur auf bestimmte Funktionen 
eingerichtet ist und empfindungslos bleiben muß für alles 
Schöne, für alles überhaupt, was das Lebem lebenswert 
macht. Ich hatte von jeher einen Abscheu vor allen Dingen, 
die den niedrigsten menschlichen Instinkten ihre Entstehung 
verdanken. Und nun soll ich mich ausschließlich mit solchen 
Dingen beschäftigen, meine ganzen Gedanken werden von 
.ihnen ausgefüllt.- Ich lebe manchmal in der grauenhaften 
Furcht, daß ich den Weg zu meinem besseren Selbst gar 
Nicht mehr zurückfinden würde, auch wenn das hier ab- 
WaN 'ii." ^ ' ■ 
„tote sollten das nicht sagen. Gerade Sie habe ich ja 
oft genug um die schöne Sicherheit beneidet, die Ihnen 
das Bewußtsein Ihres inneren Wertes geben mußte. Und 
wenn Sie einer solchen Befürchtung Ausdruck geben, um 
wieviel mehr müssen wir anderen dann davor zittern!" 
„Ich weiß nicht, es ist vielleicht töricht. Denn es 
müßte ja traurig um unser besseres Selbst bestellt sein, 
wenn es eine solche Probe nicht aushalten sollte. Aber 
ich ertappe mich jetzt manchmal auf Anschauungen und 
selbst auf Rechtsbegriffen, die mir Furcht ^ior mir selbst 
einflößen können. Man muß sich davor Huten, sich über 
das, was wir hier tun müssen und was uns geschieht, Ge 
danken zu machen und Schlüffe daraus zu ziehen, wenn 
man nicht an allem irre werden soll. Vielleicht, daß wir 
später einmal, wenn wir objektiver darüber denken können, 
sogar einigen Nutzen davon haben werden. Ich will 
Ihnen auch sagen, weswegen ich mich vor allem so sehr 
über Margots Schreiben gefreut habe. Nicht so sehr dar 
über, daß sie sich nun endlich, wenn auch unter gewissen 
Bedingungen, mit Ihnen verlobt hat; denn daß es dahin 
kommen würde, habe ich ja von vornherein gewußt. Aber 
dieser Brief atmet einen anderen Geist, als er Margot hier 
in Berlin erfüllte. Sie stand viel zu sehr unter dem Bann 
der traurigen Geschehnisse hier, als daß ich nicht für ihre 
Seelenruhe hätte fürchten sollen. Nun aber habe ich die 
zuversichtliche Ueberzeugung, daß sie wenigstens innerlich 
die Alte geblieben ist, daß ihre Selbstaufopferung ihr keinen 
Schaden zugefügt hat." 
„Nein, Margot kann keinen Schaden an ihrer Seele 
gelitten haben," sagte er ernst. „Und von Tag zu Tag lerne 
ich den herrlichen Schatz höher werten, der mir mit ihrer 
Liebe zugefallen ist." 
„Sie tun recht daran, ihn sehr hoch einzuschätzen. 
Denn es gibt kein selbstloseres und edleres Geschöpf, als es 
Margot ist. Aber verzeihen Sie, wenn ich sogleich wieder 
auf die unglückselige Angelegenheit zu sprechen kommen 
muß, die uns hier in Berlin festhält. Ich habe heute 
Morgen einen Brief bekommen, der mich im höchsten Maße 
beunruhigt. Er ist von Dvmbrowsti.' 
tigkeit ist, daß sich die Hausbesitzer mehr als bisher bei 
den politischen Wahlen beteiligen. Der Selbsterhaltungs 
trieb müsse jeden Wahlberechtigten zwingen, an die Wahl 
urne zu gehen und denjenigen Parteien seine Stimme zu 
geben, die für die Existenzmöglichkeit des Hausbesitzer- 
standes einzutreten bereit sind. Nach den trüben Ersatz 
rungen, die der Hausbesitz nach der „glorreichen" Revo- 
lution seitens der linksstehenden Parteien gemacht hat, die 
offenkundig darauf abzielten, den Hausbesitz einfach zu 
erdrosseln, kann letzterer sein Heil nur noch bei den rechts 
stehenden Parteien erwarten und demzufolge nur letz 
tere bei den Wahlen unterstützen. Herr Franz Schmidt 
unterstützte diese Anregung in der ihm eigenen derben 
Weise und wich vom Gegenstand der Tagesordnung da 
durch ab, daß er aus seine Behandlung seitens des hie- 
siegen Wohnungs- und Mieteinigungsamtes zu sprechen 
kam. Ein Brief an den Regierungspräsidenten, den er 
vorlas, erregte allgemeine Heiterkeit, dürfte aber kaum 
an der maßgebenden Stelle die gewünschte Wirkung er 
zielen. Herr Flauger riet, da ja doch den Hausbe 
sitzern bekannt ist, wo seine Widersacher zu finden sind, 
davon ab, politische Spaltungen in die Interessengemein 
schaft der Hausbesitzer zu bringen. Bei der weiteren 
Besprechung der Angelegenheit wurde den Demokraten 
vorgeworfen, daß sie die in sie gesetzten Erwartungen 
nicht erfüllt, sondern im Gegenteil mit den erklärten 
Feinden des. Hausbesitzes gemeinsame Sache gemacht 
hätten. Ein definitiver Beschluß wurde nicht gefaßt. Zu 
Punkt 5: „Heizungsausschuß Groß-Berlin" berichtete Herr 
Pelk mannn: „Zum 14. 5. hatte der Bund 
der Berliner Hausbesitzer zum ersten Male die 
Delegierten der angeschlossenen Vereine zur Bildung eines 
Heizuugsausschusses für Groß-Berlin zusammengerufen. Da 
Charlottenburg-Schöneberg bisher dem Bunde nicht bei 
getreten sind, was aber in Kürze zu erwarten ist, da 
die Vereinigung sämtlicher Vororte zu einem Groß-Ber- 
list vollzogene Tatsache ist, würde von einer definitiven 
Besetzung des Vorstandes abgesehen und bis dahin ein 
Provisorium eingesetzt, das sich sofort mit den Aufgaben 
des Heizungsausschusses beschäftigte. Mit als wichtigste 
Forderung wurde anerkannt, daß die Belastung der Eigen 
tümer von Häusern mit Zentralheizung mit ein Zehntel 
eine durchaus ungerechtfertigte ist. Da hierdurch von den 
bewilligten Ä0 Prozent ca. 15 Prozent ausgebraucht wer 
den. Es ivurde in diesem Sinne eine Eingabe an de»r 
Wohnungsverband gerichtet. Da der Wohnungsverband 
in diesen Angelegenheiten mit der interkommunälen Kom-. 
Mission bearbeitet, wurde an die jnterkommunalc Kom 
mission, welche sich zum größten Teil aus den Vorsitzenden 
der Einigungsämter zusammensetzt, das Ersuchen gerich 
tet, daß auch dem Bunde der Berl. Hausbesitzer Sitz und 
Stimme gewährt werde. Zum Delegierten des >Bundes 
wurde einstimmig ein Vorstandsmitglied des Friedenauer 
Hausbesitzervereins gewählt. Als zweiter Punkt -wurde 
eine Eingabe an die Nationalversammlung beschlossen, 
auf eine Senkung deS Hausbrandes hinzuwirken, da weder 
die Wirte iinstande sind, die enormen Summen vorzu 
strecken, noch ein großer Teil der Mieter diase Über 
haupt zu bezahlen. Begründet wurde diese Eingabe da-, 
mit, daß Hausbrand zu unterscheiden ist von Kohle. Wohl 
ist die Kohle, d. h. die Steinkohle, von der Entente zum 
Teil beschlagnahmt, nicht aber der Koks, den wir 'zur 
Speisung der Zentralheizung brauchen. Dieser Koks ist 
doch nur ein Restprodukt der Steinkohle, nachdem die edlen 
Substanzen, wie Gas, Teer, Oel itnd Ammoniak der 
selben entnommen sind. Dieser Restbestand, der heute 
mehr denn je aus Schlacke und anderem Unrat besteht, 
„Wie I" ries Heinz überrascht. „Hat der Bursche die 
Dreistigkeit, jetzt auch Sie —" 
„Er hat zweimal versucht, mich zu sprechen, und ich. 
habe ihn zweimal abweisen lassen, weil ich mich davor 
fürchtete, ihn zu sprechen. Margot schreibt mir, daß Sie 
von allen Einzelheiten unterrichtet sind; und ich darf 
Ihnen daher zu meiner großen Erleichterung den Brief 
zeigen, den mir der Pole geschrieben. Bitte, wenn Sie ihn 
lesen wollen —I" 
Das Schreiben, das die Gräfin Heinz über, reichte, 
lautete: 
„Gnädigste Gräfin! 
Ein bedauerliches Mißgeschick ließ mich für meine 
Ihnen zugedachte Aufwartung zweimal eine Stunde 
wählen, zu der Sie nach der Erklärung Ihrer Kammer- 
jungfer nicht in der Lage waren, mich zu empfangen. Ich 
beklage das um so aufrichtiger, als es nicht ausschließlich 
meine eigenen Interessen waren, die mir den Wunsch 
nahelegten. Sie zu sprechen. Es leitete mich dabei rselinehr 
in ungleich höherem Maße die Hoffnung, Ihnen, gnädigste 
Gräfin, oder einigen Persönlichkeiten, die Ihnen nahe 
stehen, einen nach meinem Dafürhalten recht wesentlichen 
Dienst leisten zu können. Gewisse Umstände, auf die ich 
hier des näheren nicht wohl eingehen kann, haben niich 
zum Mitwisser von Vorkommnissen gemacht, deren Be 
kanntwerden um so weniger in den Wünschen der er 
wähnten Persönlichkeiten liegen kann, als es nach Lage 
der Dinge in erster Linie der Staatsanwalt und der 
Untersuchungsrichter fein müßten, die sich dafür inter 
essieren würden. Meine moralische und gesetzliche Ver 
pflichtung zur Preisgabe meiner zufällig erlangten Kennt 
nisse beginnt aber erst in dem Augenblick, wo ich für meine 
Person die Ueberzeugung gewinne, daß es strafbare Hand 
lungen sind, die dabei in Frage kommen. Und ich hege 
einstweilen noch die angenehme Zuversicht, daß es Ihnen, 
gnädigste Gräfin, bei vertraulicher Aussprache unschwer 
gelingen würde, mich von der Haltlosigkeit einer solchen 
Annahme zu überzeugen. Eine Weigerung, mir diese: Aus-, 
spräche zu gewähren, wyrde mir allerdings die MMusweich-,
        
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