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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

J)tcr. Gd. Patent. — Jjran,; Drcrlor, firtifoiassoc 118. Stern'» 
ruilg jür Flugzeuge, bei der zwei Steuer einzeln oder gemein 
sam verstellt weroeu können. En. Patent. — Dr. Erich F. Hüllt, 
jG. ni. l>. H., Berlin und Dr. Albert Klage), Friedenau, Haupt 
straße 80. Anordnung zur Ausrechterhaitnug der günstigsten 
Koppelung zroisct eir zwei elektrischen Schtvingnngskreiscn. Ge 
brauchsmuster. — Egon Lndin, Ehak^ttenbiirg, Schlütcrstr. 18, 
und Enrt Kiicch, Friedenau, Tannusstr. 26. Kasfce- und Tee 
sieb. Gebrauchsmuster. — Peter Schröder, Kaiserallee 11 l. 
Schloß mit vom Fallenschlüssel auZlöLbarcr selbsttätiger Riegel- 
sperre. Ge ü rä üchSmnstcr. 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Rn d<n Friedenaner Männcr-Gcsaingvrrein. 
Leer von uns Fricdenauern am Sonntag früh unseren 
Männer-Gesangvcrcin gehört hat, wird sich gefreut haben, 
wie ausgezeichnet die 'Gesangsvorträge waren. Ta regte 
sich beim Unterzeichneten folgender Gedanie. Warum das 
Licht unter den Scheffel stellen! Würde es nicht möglich 
sein, das: der Fricdenancr Münner-Gcsangverein unter 
Leitung seines bewährten Chormeisters Herrn W. Schmidt 
öfter hier am Ort singt? Nicht im Saat, sondern im 
Freien. In vielen Städten Säddentschlaklbs wird gerade 
durch solche Musikvorträge die Bevölkerung sich näher- 
gesührt; gemeinsam hört man die schönen erfrischenden 
Lieder an und gcraoe in hentiaer Zeii ist dies sehr ange 
bracht. Gestatten Sie, gechmer Herr Chormeister, eine 
Änsrage: Ließen sich nicht an einem bestimmten Abend 
in der Woche Konzerte — einmal auf dem Fricdrich- 
Wilhelnt-Platz, dann ans einem Schulhof oder vor dem 
Rathaus, Maybachplast — geben, zu denen aufgefordert 
wird. Bekannte Damen, mit Kennzeichen versehen, wür 
den einen beliebigen freiwilligen Betrag im Herumgehen 
samineln,- der dem Gesangverein zur freien Verfügung 
gestellt wird. Sollte nun die Kasse des Vereins zum 
Ueberlauscn schon gefüllt sein, nun, da würde unser Schösse 
Herr Gehcimrat Evcrs sehr gern einen Betrag für Kriegs 
invaliden entgegennehmen, oder so manch Armer könnte 
in der Volksküche gespeist werden. Ich kenne Bedürftige 
genug, und die Kasse lhcrfür ist bald leer. Also, Sauges- 
brüder F-riedcnans, überlegt den Vorschlag und erfreut 
uns bald durch manche schöne Melodie! Am besten würde 
sein, wenn sich ein Damenlomitee ans allen .Kreisen bil 
den würde, um die „einnehmende" Beschäftigung dem 
„gebenden" Verein abzunehmen. Johannes Luders. 
Steuer;ahlu»g betreffend. 
Es irar jahrelang üblich, das; denjenigen Personen 
in Friedenau, die über ein Jahreseinkommen von mehr 
als 1000 M. verfügen, nur die Weihnachtszeit herum von 
dem Vorsistendcn der Cinkommciistcüer-Veranlagnngs-Kom- 
nnision in Steglitz ein Formular zugestellt würde, mittels 
dessen sie ihr Cintommen für das folgende Stencrjahr, 
beginnend mit dem t. April, deklarieren konnten. Dies 
Formular mußte bis zum 20. Januar dem Vorsitzenden 
der genannten Kommission in Steglitz entweder einge 
schrieben durch die Post gesandt, cs konnte aber auch per 
sönlich in dem Büro in der Rothenburgcr Straße ab 
gegeben »erden.. Reichlich 2 Monate nach Beginn des 
neuen Stcuerjahrcs, in der Regel Anfangs Juni,' empfing 
man dann durch die Gemeinde die „Steuerveranlagung 
und Zahlkarte,", in der die im neuen Stenerjahr.zu ent 
richtenden Steuern und Zuschläge spezifiziert und mit 
ihren Vierteljahrs- und Jahrcöbctragc aufgerechnet waren. 
Dies ebenso praktische Verfahren ist im laufenden Jahre 
ausgegeben : und cs weiß Niemand, welche Steuern und 
in welcher Höhe er für das Steuerjahr vom l. April 
1920 bi,- zum 31. März 1921 zu zahlen hat. Es wäre 
unter solchen Umstlinden durchaus angezeigt, daß der 
'hiesige Gcincindcvorstand durch eine öffentliche Bekannt 
machung über die Sachlage, an der viele Tausend un 
serer Mitbürger interessiert sind, erschöpfende Auskunft 
gibt. Ans Rücksichten der Billigkeit muß auch vcrniieden 
irerdcn, das; die Stcnerpflichtigen nicht durcb Steuerein- 
fordcrung, womöglich für 2 Vierteljahre ans einmal, über 
rascht werden, ohne daß ihnen zur Bcrcithaltnng der 
erforderlichen Zaylmiitel die nötige Zeit gelassen ' wird. 
. A. R. 
Tie Lcrurürqrrr^MN der .Bürgersteige durch die Hunde 
des OrteS hat nachgerade ein unerträgliches Stadium erreicht. 
Man schämt sich als Einwohner, wenn inan einen auswärti 
gen Besucher durch die Straßen Friedenaus sichren muß. Nur 
die Faulheit der Hnndcüejitzer, ihrer Dienstbeflissenen uiiü sansti- 
gen „Hnndebegleitcr" ist schuld an diesen widerlichen Bildern. 
Schade, daß nicht jeder Einwohner das Recht bat, gegen diesen 
Unfug einzuschreiten, In einem kleinen süddeutschen Ort, 
vorlagen ^>,e ,ia) oarans. uno cascir, oap, m; cs Jyncn 
trotzdem erzählt habe, iniijfcn Sie mir schon einen Gefällen 
tun." 
„Wenn es in meiner Macht steht, gern." 
„Sie haben doch sicherlich die Absicht, heute abend in 
das Theater zu gehen, um mit der Frau zu reden. Wenn 
Sie dann selbst zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß 
cs Martens Frau sei, und ihr die Wahrheit offenbaren, 
müssen Sie ihr einzureden suchen, daß an meiner Be 
kanntschaft. mit Martens im Grunde gar nichts war und 
daß sie leinen Grund hätte, aus mich eifersüchtig zu sein. 
Vielleicht Hilst mir das, wollen Sie es mir versprechen?" 
„Ich will es Ihnen versprechen, obwohl es meiner 
Ueberzeugung nach gar nicht notwendig wäre. - Aber ich 
will Sie nun nicht länger aufhalten. Werden wir uns 
heute abend im Theater sehen?" 
Fräulein Mieze war über seinen plötzlichei/Aufbruch 
nun ernstlich getränkc. 
„Nein!" erwiderte sie schnippisch. „Sie wissen ja, daß 
ich UnannehniiichteUen davon hätte. Und für.nichts und 
wieder nichts zieht man sich doch nicht gern Unannehmlich» 
leiten zu." , - 
„Ich will Ihnen gewiß keine Ungelegenheiten bereiten. 
Jedenfalls danke ick Ihnen herzlich für Ihre Mitteilungen. 
Und wenn Ihnen Verlegenheiten daraus erwachsen sollten, 
oder "wenn Sie sich überhaupt einmal in Verlegenheit' be 
finden, so wenden Sie sich nur getrost an mich." 
Die letzte diplomatische Wendung söhnte die kleine 
Choristin wieder vollständig aus. Sie erklärte ihm groß, 
mutig, daß sie von seinem freundlichen Versprechen im 
Notfall Gebrauch machen würde, und geleitete ihn dann 
bis vor die Wohmingstür hinaus,' um sich mit ihrem 
freundlichsten Lächeln und feurigsten Blick von ihm zu vsr^ 
abschieden. 
Lb'-ctielc'.r G/x 
"«• 
Kapitel, 
na HHnz 
Housrrden 
durch die 
tu dem ich längere Zeit woliuto, faßten die Aussichtsorgane 
jede Person ab, die ihre „Lieblinge" ans dem Bürcftrsteige „aus- 
Ireleu" ließen, und konfiszierten den Köter, bis der unschöne 
Fleck beteiligt war. Sie glauben gar nicht, lute schnell man da 
mit deni Besen zur Hand war, um den „Liebling" wieder aus- 
zu äsen! — Wäre cs' nicht überhaupt besser, gewisse Gemeinde- 
verireler beschäftigten'sich. etwas weniger mit der hohen Politik, 
als mit solchen Angelegenheiten, an denen die Körperschaft wirk 
lich ciii Interesse hat? — Dse „c>itsetzlichenScheijßMkcit,cn'( der 
Einwohnerwehr sind ja allerdings ciii*’rotlt vantvärMs"LykMa. 
H. B. 
, r.!, «» *■••• 
SSOCS 
msxsassa 
Wohlfahrtseinrichtungen der Getneinde 
BerliN-AriedenaU. . 
Feuerwache: Nathan?, Lautcrstr. 19. Hinweise auf'den nächste» 
Feuermelder befinden sich an den Anschlagsäulen. 
Groß-Bcrlincr Retlungs- und Krankeütranspöttwesen: RettüngS- 
wache 41, Jjoldestraße 2, Tag und .Nacht geöffnet. Fern- 
rn, Norden Rcttungsamt. - . .. 
Fürsorgcstcllc für Tuberkulose und AlkohoUranke: Kaiserallee 
Nr. 64-65/Sprechzeit Djenstilg. und Mittzrwch 12—1 Uhr. 
Beratungsstelle» für Geschlechtskranke: Schöncbetg, Bclziger 
Straße 13. Sprechzeit für Männer Donnerstag 7—8 Uhr 
abends; Sprechzeit für Frauen Dienstag 7—8 Uhr abends. 
Eh'arlottenburg, Kirchftraßc 20. Sprechzeit täglich von 12 
bis 1 Ilhil, außerdem Montag und Donnerstag von 8—9 
Uhr abends. Berlin, Am Köllnischen Park 3 in der Landes- 
v ersich crn n gsan stall. Sprechzeit für Männer Dienstag, 
Donnerstag, Sonnabend 7—9 Uhr abends; Sprechzeit für 
Frauen Mittwoch 7—9 Uhr abends. 
Säuglings- und Kleinkinderfürssrge und Mutterschutz: Rathaus, 
Lanterstraße 20, Erdgeschoß. Sprechzeit Donnerstag 9?/» 
bis 111/» Uhr. . 
Kindergarten: Für noch nicht schulpflichtige Kinder 2. GemeinVe- 
scbnlc, Rhcinganstraße 7, Geöffnet wochentags von 8 bis 
1 Uhr. 
Kinderhort: Für schulpflichtige Kinder 2. Gemeindeschule, Rhein 
gaustraße 7. Geöffnet wochentags von 2—6 Uhr nachm. 
Berufsberatung und LchrstellenvtrmittlüNgr Nathans, .2. Stock, 
Zimmer 68. ■ . • 
Arbeitsnachweis und Erwerbslosensürsokge: Niedstraße 40-41. 
Männliche Abteilung Sprechzeit 9—1 Uhr; weibliche Ab 
teilung Sprechzeit 9—1 Uhr und, außer Sonnabends, 4 bis 
7 Uhr. 
Amtliche Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte untz Kriegshinter. 
bliebcnc in der Bürobaracke am Maybachplatz, Eingang 
Lanterstraße. 
KriegSgcfangencnheimkehr: Rathaus, 1. Stock, Zimmer 36—37. 
Flüchtlingsfürlorgestelte; Rathaus, 1. Stock,. Zimmer 36—37. 
Volksküche: Goßlerstraße 15. Speisenausgabe von (1IV» bis 
4',<r.. 11.hr täglich..- -j,. • uä'*•>«» ■ 
Rechtsauskunftsstelle: Rathaus, 2. Stock, Zimmer 45. Diens 
tag .und ^Freitag -von 6—8 Uhr.-»- *•• 
5m Auswanderer-Zug SromSnftHMtlfir. 
Neulich lvarkctc. ich in Schncidcmühl auf den Per- 
soiicnzug nach Berlin. Tie „polnische Wirtschaft" greift 
hier schon • herüber. Mit Wehmut denke ich an dzni 
Wartesaal 2. Klasse anno 1913/ Heute „gleiches Recht 
für'alte"! Mit-Kisten und Kasten, Betten und anderen 
Dingen bepackt, eng zniaiiiiiiengepfercht, warten die Men 
schen oft stundenlang, auf die Verbindung nach Berlin. 
— Man gewöhnt sich an alles. — Viel Bitternis sKicht 
aus den Gesichtern derer', die ans den bisher preußischen 
Provinzen ihr bißche» Hab und Gut nach der neuen, oft 
so ungewissen Heimat mitnehmen. Viele Existenzen, 
mancher Lebenstranin ist zerstört. Es liegt ein System 
darin, wie man die Teutschen veranlaßt, „freiwillig" 
auszuwandern. Tausende haben die Scholle ihrer Väter 
verlassen und Tausende werden ihnen nochfolgen. Ich 
benutze einen Vorzug, den sogenannten Auswandererzug, 
der wöchentlich zwei Mal, am Mittlqoch und am Sonn 
abend von Brvmberg nach Berlin geht. Dicht besetzt läuft 
der lange Zug in die Halle ein. Alle Fenster der Wagen 
sind von Männern, Franc» und Kindern besetzt. Ver 
einzelt tauchen deutsche Fahnen auf. Tie Stimmung der 
Insassen scheint gedrückt, aber manches Auge erglänzt 
doch in neuer Hoffnung. Man ist wieder auf deutschem 
Boden, man hört wieder die Muttersprache, ke^i pvl- 
nischcs Schild stört das Bild, das der Bahnhof bietet. 
Ich befinde mich in einem Tvppel-AWffl: Vorne ein 
Postslhckfsner mit seiner Familie, nebenan ein Kaufmann 
mir seinen Angehörigen und die Gattin eines Eisen 
bahners mit ihrer 80 jährigen Mutter. Alte ans Brom- 
berg. Wir kommen ins Gespräch. Wie ein Erwachen ans 
schwerem Traum klingt es: Der Taumel, der die gegen 
alles -Teutsche aufgehetzte Bevölkerung beherrscht —, 
triumphiert. Alle' Beamten .von Post, Eisenbahn usw. 
sind entlassen worden, man hat sie durch polnische Fiuik- 
tiouüre ersetzt. Dafür fährt man jetzt von Posen nach 
Bromberg 7 Stunden, andere Strecken noch länger. A\t 
ulte Mutter weint. Ihr Manu liegt in Bromberg begraben. 
Wo wird sie ihre Ruhestätte finde»? Sie spricht über 
Preise: Schuhe kosten 1000 Mark pol». Währung. An 
züge und Kleider 2—3000 Mark. Wäsche, und Linnen- 
zeug ist ausverkauft. Lebensmittel sind billiger, aber 
für" die Deutschen schwerer erhältlich, das gehört zum 
Shstcin. — Viele Geschäfte sind bereits geschlossen, ein 
Warenmangel ist eingetreten, . wie man ihn in .Berlin 
nicht kennt, und sn den. größeren''Städten-.schleicht der 
Bolschewismus .durch die Gassen!! — Im polnisehan 
Heer dienen meist,.16—7Z8 jährige Knaben. Disziplin sehr 
locker. Ans allen/Bahtzhvfen wird nach Deserteuren ge 
fahndet! — Der Katlfsnann, ein Mann .aus alteingescssi^ 
»er, ostpreußlscher Familie, erzählte von Korruption und 
VeiternwEtschaft,. inq» hat sein Geschäft boykottiert, seine 
deutschen?Lädenschilder sind gewaltsam entfernt und bui'u; 
polnische . ersetzt worden, er ist völlig ruiniert, gleich 
Tausenden andere»; man hat ihn bitter ent 
gelten lassen, daß er als Jude sein'Deutschtum immer 
hochgehalten hat. 'Handwerkern» sogar Katholiken, ist es 
nicht besser ergangen. haben den ganzen Ha>? gegen 
alles Deutsche durchgekostet. Die deutsche Schule in Brom 
berg ist seit 3 Monaten geschlossen, inan geht setz! daran, 
eine Privatschule einzurichten. Teutsche Geistliche stehen 
vor..leeren Gotteshäusern, ihre. Gemeinden sind ausge 
wandert- Erschüttert verabschiedete ich mich in Berlui 
von meinen braven Mitreisend/n. An alle dcutichen 
Franc» und Männer, die keine feindliche Invasion mit 
gemacht, die dieses Elend und diesen Kummer nicht kennen 
gelernt haben, richte ich aber die Bitte: „Denkt au Euere 
Schwestern, und Brüder, die ihr Deutschtum so tapfer 
hoch, gelpiüen und gcbi ihnen von Eurem Ueberfluß.! 
Reicht Euch die Hände zum Wiederaufbau unseres ge 
liebten deutschen Vaterlandes!! Aller Parteihader müßte 
vor dem stilleiß Heldentum dieser Braven verstummen! 
■. . .. Carl Beer. 
(:) Das Kamincrgkricht übet das „Kricgscndc". - Ei» Vcr- 
bandssekretär, der zum Hnxretzdieu'st eingezogen war, sollte in 
seine frühere Stellung „nach Beendigung de? Krieges" wieder 
cintrctcii. In dem Rechtsstreit, der iich deswegen ent pann» har 
das Kammergeticht dm Blättern für Rechtspflege zufolge in 
einem Urteil yom 8. April 1920 (23 11. 5511/19) dahin ent 
schieden, daß die' Verordnung über die- Auslegung.der Begrisse 
Friedensschluß und KriegSbcendigung bei rcchtsgcjchäitlichrn Er 
klärungen bom 14. Februar 1920 den Zeitpunkt iuir im Zweifel 
auf den 10. .Januar 1920 festsetzt. J»i vorliegenden Falle 
wartn die Parteien einig, daß dieser Zeitpunkt nicht iiiaßgeber«» 
iseiii könne, Hiev ist als Zeitpunkt der Beendigung de? Krieges 
der Zeitpunkt zn verstehen, in dem die inilitärisckie Dienstpflicht 
'hen Sekretär nicht mehr verhinderte, in seine alte Stellung bei 
hem..Verband wieder einzusetzen^ Mach Auskunft des Arbrits- 
niinijtcrinms war dieser Zeitpunkt im Januar 1919 eingetreten. 
- MiüWkes. 
Erkeünen öes Choltükte'rs aus den Schuhsohlen. 
Es ist schon lange bekannt, daß es Leute gibt, die 
den rCharakter - eiiws Menjchkn aus den Linien seiner 
Hand./: seiner. Schädelbildung oder seiner Handschrift er-' 
teimen zu. können glauben. Weniger, bekannt dürfte es 
, fein,, daß in neuerer Zeit ein Schweizer Gelehrter, Doktor 
j Garre-»».Basel, den menichliche» Charakter an den Sohlen 
getragener.Schuhe, ertennen will, und zwar soll diese 
Wissenschaft., viel .zuverlässiger sein, als Graphologie. 
Phrenologie und dergl. . , 
-Wenn nach einem Trage» von zwei Monaten Absatz 
Und Sohle gleichmäßig abgenutzt sind, so ist der Troger 
des Schuhes -eiy , .energischer Gejchqslsiyann, ein^ver- 
itauenswerler Angestellter oder eine ausgkLkichmte Frau 
und Mutter.^ .^4 ... , , . 
Ist die Sohle am äußerkn Rand abgetragen, so hat 
der Besitzer eine auffallende Neigung 6a Abenicukrn, i)t 
tapfer, mutig, aber auch eigensinnig. 
Das Abnutzen, des inneren Randes deutet bei dem 
Manne ayf Unentschlossknhecl und Schwäche, lei der Frau 
aber aus Beschetdenheil 
Doktor Garre hör seine Ansichten praktisch geprüft. 
Eines Tages beobachtete er z'B einen Mann, dessen 
Schuhe am äußeren Rande abgetragen waren, wobei die 
Sohle an der Spitze aufgerauht. wor,-wahre.nd die Suesel 
im übrigen noch einen fast neuen Eindruck machlen. 
Auf Gründ dieser Beobachtungen erklärte Doller 
Garre verschiedenen Personen gegenüber,, der Träger der 
eben beschriebenen Schuhe sei seiner Ansicht nach ein £cr» 
brecher.' 'UnL 'er ffüllle' recht behalten, noch am seilen 
Tage wurde der Mann wccen Diebsiahls in /,aft gt» 
»lUNIWkll.;'' 
Straßen. Er versuchte aus den Mitleilungeii der Choristin 
Schlüsse zu ziehen; aber er mußte sich sagen, daß es 
do h nur vage Vermutungen waren, die ihn erfüllten. 
Es war ihm ja mehr, und mehr zur Gewißheit geworden, 
daß der Mord an Otto Martens keinen unmittelbaren 
Zusammenhang mit den Machinationen des Prinzen 
Äprarin und den Briefen der Prinzessin hatte.. Aberuver- 
gebens hatte er darüber gegrübelt,), unter welcher MeN- 
schcnklasse der Verbrecher zu suchen..sei.,..Auch'.deN Ge 
danke», daß er jenen .Kreisen der, Hylb.wblt angehören 
könne, in denen Martens sich so viel bewegt hatte,-batte 
er schon wieder aufgegeben; denn in. dieser» .Falk.wäre es 
den Organen der Polizei doch aller.Wahrscheinlichkeit-nach, 
gelungen, auf die Spur des Täters zu kommen. Schon 
damals, als ihm Fräulein Mieze Hofmeister.^zuerst von. 
der Möglichkeit gesprochen hatte, daß. Martens im. .ge 
heimen verheiratet gewesen sein.könne/war Ihm der.Ge-, 
danke gekommen, daß Martens, ein Doppelleben geführt, 
haben könne und daß es vielleicht, noch.einen zweiten 
Kreis von Menschen gab, der sich ui» MarteZs geschlossn 
.hatte und der ohne Berührung wax mit je>ren Halbwelt 
damen und schlimmeren männlichen .Subjekten, .die in 
Berlin den Verkehr des Mannes ausgemacht'hatten.. 
lind nun legte er sich die Frage.vor, ob. in Wahrheit t 
vielleicht „Otto Mayring" und nicht „Otto Martens" er 
mordet worden war. . . , . . : ,, ' 
Nun, er würde ja noch an.diesem Abend erfahre^ ob 
die Vermutungen der. Choxistin richtig waren.: »nd Meün . 
es in Wahrheit Mprtens Frau war,- die im „Eldorctdo- 
Theater" nach.ihm geforschf«chgtte, so «Hißte sich) auch.' er 
mitteln lassen,- wer ffonst »och chitz. dem angeblichen Mcky- 
rmg in Derbsnvlmg gestanden hattet" s. .. 
Der Lärm der Straße», der ihm nach der Ruhe des 
Lnndlebeiis zwiefach aufdringlich und nerveNzerreißendi 
schien, tat ihm weh. Unten jn Buchberg' war der Mensch, 
in it>m gewachsen/ und die.menschlich, große Leidenschaft, 
die ihn .für Margot erfüllte, hatte'dort die Sorgen und 
Grüb-^' über den Mord an einem, ihm dock ganz gleich 
gültige» und sicherlich wertlosen Menschen ln seine» 'Augen 
nichtig erscheinen lassen und ihn darüber erhaben. Hier, 
aber,, wo pr selbst nichts war als eines der Näderchen in 
der gewaltigen ewig betriebsamen Maschine,, die die Groß 
stadt darstellte,, wurde" er selbst kleiner Und all jene 
quälenden Sorgen,größer. I11 Buchberg, batte ihm selbst 
im innersten Herzen die Gefahr gering geschienen, die Mar 
got bedrohte, uyd dje doch, nur darin, bestand, daß sie vor 
einer Anzahl.gleilygültiger Menschen kompromittiert wurde. 
Er hatte eben in der Entfernung voy ihnen der Exkenntnis 
Raum geben köimöch wie bedeutungslos die Leute und 
ihre gute odör'schlechte MeinungTm Grunde für ihr Lebei^ 
wak; hier aber fühlte er sich zu unfrei und zu bedrückt 
als daß diese Erkenntnis Hätte in ihm lebendig bleiben 
können. 
Er-war schließlich vor seinem Hause angelangt, aber 
er zögerte, es zu betreten.. Und dann gab er sich einen 
Ruch um geradeswegs die Komtesse Hermine Waldeiidcess 
aufzusuchen. . 
■ Cr hälfe wenig Aussicht, sie um. diese Stunde da- 
heim anzutreffen^' denn er wußte ja, daß sie ihr Mittags 
mahl in lrgenöei'neNt Restänkant einzunel)inen pflegte. Aber 
der Zufall wär ihm günstig. Die kleine Zofe, die ihn mit 
vertraulichem-Lückjeln begrüßte, sagte ihm, daß dje Frau 
Gräfiu moch-dähelm sei und führte, ihn in den Salon mit 
der Bitte, sich-ein wenig zu gedulden. 
Gseich dqrguf. betrqt die Komteffe das Zimmer. Sie 
begküßtö" ihn mit warMer Herzlichkeit; aber vom erstell 
- Augenblick art wurde er gewahr, daß sie nicht so heiter 
» gelassen.und ,so ^rubig.char. wie sonst. Sie schien von einer 
nervöse'» Unrast'crfülltz die sie vergebens-zu verbergen 
„Seit wann befinden Sie sich denn wieder in Berlin?" 
[ragte sie, während sie ihm' einen Stuhl anbot und selbst 
an die Tischplatte gelehrtt stehen blieb. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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