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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zu Nr! 118 des „Fmedeuauer Lokal-Anzeiger" 
Sonntag den 30. Mai 1920. 
Aus der SeWchte Schömberg». 
Rückblicke von E. Flau ger. 
Die am 1. Oktober d. ^zs. stattfi'.rdende Zusammen 
legung Schönebergs und Friedenaus, als Bezirk 11 in 
der Einheitsgemeindc „Berlin" verhindert Friedenau an 
der Feier seines ö>0jährigen Bestehens als selbständige 
Landgemeinde im Kreise Teltow. Die geschichtlichen Denk 
würdigkeiten Friedenaus — von seinen älteren Bewohnern 
selbst miterlebt — sind an dieser Stelle wiederholt^ ge 
würdigt ivorden. es erscheint aber angebracht, aus - der 
Geschichte Schönebergs die — wie die solgeirden Aussätze 
zeigen — bis auf recht fcrnliegmde Zeiten zurückreicht, 
einiges, und zwar das Interessanteste, in Erinnerung zu 
bringen. 
I 
Im vorigen Jahrhundert fand inan iin Sande an 
verschiedenen Stellen Schönebergs Schmalmeißel, Streit- 
keile, Steinäxte aus Feuerstein, scharf geschliffen, wie auch 
Brandurnen mit halbverkohlten Menschenknochen, alles 
Zeichen, daß diese Gegend schon in vorgeschichtlicher Zeit 
Menschen zum Aufenthalt diente. Die Lage Schönebergs, 
die sich am nördlichen Rande des Teltower Plateaus frei 
über die mit Sümpfen bedeckte Spreeniederung erhob, 
dürfte also schon in ältesten Zeiten eine gewisse An 
ziehungskraft für Ansiedler besessen haben. Außer pri 
mitiven Resten von Zieräten aus Bronzcdraht wurden in 
aufgedeckte::, vorgeschichtlicher Zeit. entstammenden Grä- 
bern weitere Schmuckstücke nicht gefunden, was auf große 
Armut der Ubewohnerr Schönebergs schließen läßt. 
Die Geschicke der Schöneberger Gegend wie die der 
Mark überhaupt waren von dieser Zeit der ältesten.An 
siedler an, bis zu der Zeit, wo der Name Schönebcrg 
znni ersten .Male genannt wird, recht wechselreich. 
Die mittlere Mark wurde zu Beginn unserer Zeit 
rechnung von der tapferen, freiheitkicbenden Völkerschaft 
der Semnoncn bewohnt und es scheint, daß eine alte Han 
delsstraße an dem Gebiet von Sclzöncberg vorbei nach dem 
bcrnsteinreichen Ostsecstrande geführt hat. Daxauf sind 
tvohl auch die.Funde an römischen Miinzcn, die hier wie 
in Tempelhof und Niederschöneweide gemacht sind, zurück 
zuführen. 
.Die Semnoncn verließen zur Zeit der Völkerwanderung 
(4.-6. Jahrhundert n. Chr.) zugleich mit den übrigen 
ostdeutschen Stämmen ihre Wohnsitze und zöge:: nach dem 
Süden Europas, wo sie sich zerstreuten. Slawische 
Stämme rückten von Osten her nach und unterdrückten 
die zurückgebliebenen' Deutschen. 
Die slawischen Wenden beherrschten das weite Gebiet 
südlich von dem Lausitzer und dem Erzgebirge bis nörd 
lich von Berlin. Reste sitzen noch bis heute im Spree 
wald und an anderen Orten. Unter Kaiser Karl dem 
Großen (800) begann die rückläufige Bewegung der Deut 
schen nach dem Osten, aber cs hat vier Jahrhunderte ge 
dauert, bis die Schöncberger Gegend endgültig den Slaven 
genommeri und dem Deutschtum zurückgewonnen war. — 
Die pommerschen Herzöge aus dem Greifenstamm hatten 
die Landschaften Barnim und Teltow um die Wende des 
12. Jahrhunderts in Besitz, doch wurden beide Landschaften 
im dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts von den 
askanischen Markgrafen Johann icnd Otto, den Urenkeln 
Albrechts des Bären, mit den übrigen, westivärts ge 
legenen Besitzungen ihres Hauses vereint. 
Schnelle Fortschritte machte die Germanisierung nach 
der Besitzergreifung der Askanicr im Teltow, der „Aue 
der Rinderherden", wie das Wort Teltow im Slavischen 
gedeutet werden kann. 
Der Name Schöneberg wird zuerst in einer im Ge 
heimen Staatsarchiv im Original noch befindlichen Ur 
kunde Markgraf'Otto III. vom Jahre 1264 genannt, Otto 
der III. regierte mit seinen: Bruder Johann 1. zusammen 
vom Jahre 1220 an. Während ihrer Regierung wurden 
auch Kölln (Spree) 1237 und Berlin 1244 zuerst urkund 
lich genannt^ Die zuerst erwähnte Urkunde ist in latein. 
Sprache abgefaßt, sie ist eine Schenkungsurkunde von 
Otto III., auch namens seiner Söhne Johann, Otto und 
Albrecht, in der er der Nonnenkirchc zu Spandowe (Span 
dau) fünf im Dorfe „Sconenberch" belegene Hufen mit 
allen Gerechtsamen und frei von allen Diensten, Hebungen, 
Bede, Bogtcidienst für alle Zeiten schenkt. Als Zeugen 
sind angeführt die Herren von Rossowe. von Osterburch, 
Nie Briefe der Prinzessin 
Bon E. PH. Oppenheim. 
«5 (Nachdruck verbaten.) 
„Ick: erhielt Ihren liebenswürdigen Brief heute morgen, 
und ich zögerte natürlich nicht, von Ihrer Einladung sofort 
Gebrauch zu machen. Da Sie wir verboten, in das 
Theater zu kommen " 
Fräulein Mieze Hofmeister seufzte tief auf. 
„Ach ja, ich mußte es wohl." sagte sie, während sie 
sich in einen der zierlichen Polstersessel schmiegte und ihn 
durch eine Handbewegung aufforderte, sich ihr gegenüber 
zu setzen. »Sie glauben nickt, wie schrecklich eifersüchtig 
dieser Mupfi ist, er heißt eigentlich anders, aber der Name 
paßt viel besser zu ihm, und er macht mich immer 
lächerlich mjt seinem Getue. Und ich gebe ihm doch wirklich 
keinen Grund dazu." 
Die letzte Bemerkung war von emem koketten Se»tenblick 
auf Heinz begleitet, der verständlich genug andeutete, daß 
Fräulein Mieze doch nicht ganz abgeneigt sein würde, den: 
armen „Mupfi" Grund zur Eifersucht zu geben. Ader 
hollselden erwiderte mit einer tadellosen Berbeugung: 
„Sicherlich nicht, mein Fräulein. Aber Sie werden ver- 
zeihen, wenn ich sogleich auf den eigentlichen Zweck meines 
Besuches zu sprechen komme. Sie machten mir in Ihrem 
Briese Andeutungen darüber, daß Sie mir etwas mit 
zuteilen haben würden —" - ... . .. 
„Wie schrecklich ernsthaft dieser Mensch ist!" dachte die 
Choristin. „Eigentlich ist er doch recht langweiltg. 
Laut aber sagte sie: „ . 
„Interessieren Sie sich denn wirklich noch für diesen 
.Martens? Ich bin froh, daß ich von dieser Geschichte 
(keine Scherereien weiter gehabt habe. Und ich habe ge 
schwankt, ob ich Ihnen meine Beobachtungen mitteilen 
sollte, weil ich f., aneine Ruhe fürchtete." 
„Aber. ich tm». ?-• nicht, mein Fräulein —" 
Alvenslewe, von Croghe, von Thene, ,von Grobe, Vogt 
in Spandowe, von Gröbene, vvii Bredowe und von Bornem, 
also Mitglieder von Familien, die zum Teil noch existieren. 
Ausgestellt ist diese alte Urkunde am 3. November 1264. 
„Sconenberch" wäre wohl richtiger mit „Schonungs- 
bcrg" übersetzt, denn es lag damals ans einem Berg 
inmitten einer Waldschonnng. Noch zur Zeit des Großen 
Kurfürsten, ja selbst bis zur Zeit Friedrichs des Großen, 
Kamen die Wildschweine aus dem Grunewald bis in den 
alten Botanischen Garten an der Potsdamer Straße und 
unterwühlten die starken Eichenplanken, mit denen er ein 
gezäunt war. Sie richteten im Garten großen Schaden 
an, so baß die Potsdanrer Chanssee, die durch den Garten 
hiichnrch ging, zur Nachtzeit mit Wildgatter abgesperrt 
werden mußte. 
Jedenfalls war Sconenberch, solange cs diesen Namen 
führte, eine kleine Siedlung weniger Familien, die auf 
dem kargen Sandboden mit Mühe und Not Getreide und 
Kartoffeln anbauten. Ob sic auch auf den dem Nonnen 
kloster geschenkten fünf Hufen fronden mußten, geht aus 
der Schenkungsurkunde nicht hervor, und ob das Span- 
dauer Nonnenkloster großen Vorteil aus der Schenkung 
gezogen, ist heute nicht zu ermessen. Bischof Heinrich 
von Brandenburg sagte zlvar, daß der Tisch und die Ver 
pflegung der armen Nonnen, derer: Kloster vor dem Kloster 
jetzt Potsdamer Tor in Spandau lag und der Jungfrau 
Maria geweiht war, nur gering bemessen war, so wird 
ihnen die Schenkung doch willkommen gewesen sein. — 
Dann vergingen mehr als hundert Jahre, ohne daß der 
„Villa Sconenberch" urkundlich Erwähnung geschieht.- 
(Fortsetzung folgt.) 
(Skachdr, unsrer o-Originalartiket nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Wichtig für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterblie 
bene. Die Wirtschastsstelle der Hanptfürsorgestelle für 
Kriegsbesclßidigte und Kriegshinterbliebene hat amerika 
nische Stoffmäntel abzugeben. Der Preis stellt sich nach 
sorgfältiger Sortierung auf 300 M. für Sorte 1, 195 
Mark für Sorte 2, 95 M. für Sorte 3, syO M. für Sorte 4. 
Bestellungen werden möglichst bald, spätestens bis zun: 
5. Juni 1920 an die. Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte 
und Kriegshinterbliebene, Bürobaracke, Maybachplatz, er 
beten. 
o Wahlrscht von Militärpersonen. Es sind vielfach 
Zweifel darüber entstanden, inwieweit Militärpersonen bei 
der bevorstehenden Reichstagswahl wahlberechtigt sind. 
Nach einer nunmehr vorliegenden Entscheidung des Herrn 
Ministers des Innern gehören zu den Soldaten im Sinne 
des Reichswahlgesetzes nur die Angehörigen der vorläufi 
gen Reichsmarine, soweit sie nicht die Eigenschaft von 
Militärbeainten (Zahlmeister, Waffenmeister usw.) besitzen. 
Die in Militärlazaretten untergebrachten Angehörigen des 
alten Heeres, sowie die erst jüngst aus dem Ausland 
zurückgeslehrten und noch in Sammellagern befindlichen 
Kriegsgefangenen find wahlberechtigt, falls sie nicht zun: 
neuen Rcichsheer oder zur neuen Reichsmarine übergetreten 
sind. Ebenso sind wahlberechtigt die Angehörigen der 
Abwicklungsstetlen und des Heimkehrdienstes, da diese keine 
militärischen Stellen in: Sinne der Reichswehrorganisation 
sind. Daß den Angehörigen der staatlichen Sicherheits 
polizei und des Rcichswasserschutzes, die bekanntlich nicht 
Soldaten, sondern Beamte sind, das Wahlrecht zusteht, 
kann keinein Zweifel unterliegen. 
o Die Silberne Hochzeit feiert an: 31. Mai der 
Geh. cxpcd. Sekretär im Reichsmarincanit Herr Rcchnungs- 
rat Ernst Luckwaldt, Kaiserallee 90, mit seiner Ge 
mahlin. Seit vielen Jahren in unserem Orte wohnhaft, 
hat sich Herr Luckwaldt namentlich im Vorstand des Frie 
denauer Parochialvereins, des Friedenauer 5kirchenchors und 
in den anderen kirchlichen Vereinen rege betätigt. Er 
gehörte aüch viele Jahre lang der kirchlichen Gemeinde 
vertretung an, bis<»inc Bestimmung deS OberkirchenratcS 
über die zur Garnison Berlin gehörenden Militärbeamten 
ihn an der Weiterführung dieses Amtes hinderte. Er 
war ferner Vorstandsmitglied des Friedenauer Bürger 
vereins 1916. Als Vorbereiter mancher festlichen Veran 
staltung, manches künstlerischen und Untcrhaltungsabends 
hat er vielen Einwohnern frohe und genußreiche Stunden 
bereiten helfen. Zahlreiche persönliche Freunde erwarb er 
sich durch sein freundliches, liebenswürdiges Wesen und 
„Na, das können Sie doch verstehen!" entgegnete 
Fräulein Mieze lässig. „Oder Sie werden es wenigstens 
verstehen, wenn ich Ihnen gesagt habe, was ich bemerkte 
und was ich mir dazu denke. Mit dem zweiten will ich an 
fangen. Ich denke mir nämlich, daß Martens unter einem 
falschen Namen verheiratet gewesen ist, und daß seine 
Frau keine Ahnung davon gehabt hak, wie ihr Mann 
eigentlich heißt. Deshalb hat sie sich nicht gemeldet, wie 
der Mord an Martens bekannt wurde, denn „Martens" 
war ihr ja ein Fremder." 
Das klingt doch alles recht unwahrscheinlich. Und wie sind 
Sie “ 
„Lassen Sie mich Ihnen nun erzählen, was ich bemerkt 
Habel Wie ich gestern nachmittag zur Probe in das 
Theater ging, fiel mir eine ärmlich und geschmacklos an 
gezogene Frau auf, hübsch war sie übrigens auch nicht, die 
anscheinend in großer Aufregung mit dem Portier des 
„Eldo" sprach. Ich sah, wie der Mann ein paarmal be 
dauernd die Achseln zuckte und sie schließlich fortzuschicken 
schien. Ich will nur gestehen, daß die Neugier meine 
schwache Seite ist, und ich ging darum nachher zu dem 
Alten und fragte ihn, was die Frau gewollt hatte. Und 
er erzählte mir, daß sie sich nach einem Herrn erkundigt 
hatte, der so und so ausgesehen habe und angeblich zu 
den Stammgästen des Theaters gehören müsse. Er könne 
sich aber nicht denken, wer es sein sollte. Na, ich babe 
mir zuerst auch nichts gedacht und habe noch ein paar 
schlechte Witze darüber gemacht. Am Abend aber erzählt mir 
eine Kollegin, es sei eine Frau im Theater, die sich nach 
einem Herrn Mayring erkundigte und sich durchaus nicht 
überzeugen lassen wolle, daß man einen Herrn Mayring 
nicht kenne. Ich weiß nicht, was mich mit einem Male 
stutzig machte, ob es der Name war oder was sonst, jeden 
falls hatte ich einen merkwürdigen Verdacht, den ich nicht 
wieder loswerden konnte. Ich bat meine Kollegin, mir die 
Frau einmal durch das Guckloch im Vorhang zu zeigen. 
Es war natürlich diejelbzydie ich, am Nachmittag gesehen 
seine stete Bereitschaft, da mitzuhelfen, wo seine bewährte 
Kraft gewünscht wurde. 'Wir beglückwünschen das Jubel 
paar in der Hoffnung, daß ihm anch die Zukunft nur 
Gutes, Freude und heitere Lebensjahre beschere. y 
o Die Goldene Hochzeit feiert am 6. Juni Herr Fer 
dinand Wüsten Hagen mit seiner Gattu: Auguste, geb. 
Jähricke. Der Jubilar ist ein alter Kriegsveteran -von 
1870.71, der seit 14 Jahren hier, Moselstr. 9, wohnt und 
in bedürftigen Verhältnissen lebt. Vielleicht finden sich 
edle Menschenfreunde, die den: alten Ehepaar an seinem 
goldenen Jubiläum den Tag lichter gestalten. 
o Das sektclu: Fest des achtzigste» Geburtstages begeht, 
am 2. Jun: Frau Geheime Regierungsrat Rosa Ger 
hardt in Friedenau, Kirchstraße 28( Die rüstige -und 
geistesfrische Dame von vergangenen Zeiten erzählen zu 
hören, ist eine wahre Freude:, denn sie hat in ihrem reichen 
Leben manches erfahren. Eine Enkelin des Staatsrates 
Theodor Gvttlieb v. Hippel, der 1813 den bekannten Auf 
ruf „An mein Volk" verfaßte, lebte die Jubilarin Nach 
dem frühen Tode ihres Vaters in Bromberg, sivohin sich 
Hippel zurückgezogen hatte. Lange Jahre verbrachte Rosa 
Gerhardt in den polnisch-deutschen Gebietsteilen in Brom 
berg, in Samtcr und Schncidcmühl, wo sie sich 1868 
währcick der Choleracpidemie "rm Dienste der Allgemein 
heit opferwillig betätigte, trotz ihrer eigenen Pflichten 
als Hausfrau und Mutter. Sie war seit 1862 mit dem 
damaligen Kreisrichter Carl Gerhardt, dem sie zwei Söhne 
und drei Tochter schenkte, in glücklichster Ehe verheiratet. 
Mit ihrem Manne, der Bürgermeister in Frankfurt a. O. 
und seit 1876 Landessyndikus der Provinz Brandenburg 
wurde, feierte sie in Friedenau die goldene Hochzeit und 
lebt hier, als ihr Mann, eine in: Orte sehr bekannte Per 
sönlichkeit, kurz vor Ausbruch des Krieges starb, als 
Witwe, umgeben von der Liebe ihrer Kinder im Kreise 
von elf Enkeln und zwei Urcnkelkindcrn. 
o Urberwachung von Telegrammen nach dem Aus 
lande. Auf Veranlassung des Reichssinanzmjnistcrs ist 
ans Grund der noch in Kraft befindlichen Verordnung vom 
1.5. November 1918 in: Stenerinteresse und ans wirt 
schaftlichen Gründen die Ucderwachung des Privattcle- 
grammverkehrs nach den: Auslande wieder eingeführt wor 
den. Die Ucberwachnng soll vor allein zur Bekämpfung 
der Kapital- und Steuerflucht, wie auch zur Durchfühs 
rung des Verbots -der Aus- und Durchfuhr von Gold 
und der Ausfuhr, Veräußerung und Verpfändung 
ausländischer Wertpapiere ::ach dem Ausland dienen. 
o Vorauszahlung der zu liefernde:» Ware wird von 
manchen Lieferanten. verlangt. Die Beftimmnng lautet 
gewöhnlich: „Zahlung nach Empfang der Rechnung". Die 
Rechnung wird dann vorausgeschickt und die Ware erst 
abgeschickt, wenn der Betrag eingegangen ist. Das Risiko 
der Zusendung übernimmt dann der Empfänger. Der 
Kleinhandelsausschuß des Teutschen 'Industrie- :md Hcnv- 
dclstagcs beschäftigte sich mit diesen Lieferungsbedingungen 
und erkannte sie als ungesund an. Es müsse dem Ge 
schäftsgebaren solcher Kaufleute begegnet werden, die die 
aus dem Mißverhältnis von Angebot und Nachfrage sich 
ergebende Zwangslage des Mnchmers rücksichtslos aus- 
LZitzcn und sich durch die Vorbehalte wider Treu und 
Glauben unberechtigte Vorteile zu verschaffen suchen. 
o Im Stadt Purk Wilmersdorf, Kaiser-Allee 51—52, 
Kaiscrplatz finden von n:orgen Sonntag ab, täglich große 
Theater- n n d V a r i e t c e - Vo r st c l l u n g e n, wie 
auch Konzert statt. Das Nieseii-Wcltstadt-Programm be 
steht aus 12 AttraktionSnttmmcril ans dein Gebiete.der 
Varietees und Kabaretts, außerdem werden hochinteressante 
Lustspiele, Possen und Operetten zur Aufführung ge 
langen. Elite-Feuerwerk, wie auch Kinder- und Familien 
feste sind geplant. Das größte Aufsehen dürfte das Gast 
spiel erwecken durch den geheimnisvollen Jltnsionsakt - 
„Roso???", das mysteriöse Rätsel der Gegenwart. Obivohl 
dem Publikum persönlich vorgesiihrt, vermag Niemand fest 
zustellen, ob Roso ein lebendes Wesen ist. Wir künrwn 
den Besuch nur bestens empfehlen. 
o Friedenauer Erfinder. (Pcitentschaii, zusammengestellt vom 
Patcntbureon Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große Frankftir- 
ter Str. 59.) Kreiselbau, G. nr. b>.H. Die Drehung eines bc- 
iveglichen Gegenstandes um eine oder mehrere Achsen anzeigendes 
Kreiselgcrät. Aiigcincld. Patent. — Knnstwerkstätten für mo 
derne Propaganda Max Schammler. Schausensteransstattuiig. 
Gebrauchsmuster. — Karl Mornwe, Niedstr. 15. Verfahren zum 
ölnswaschen körniger Filtcrmaterialien mittels Druckluft und 
Walser. Angemeld. Patent. — Hermann Wandrowsky, Cranach- 
straße 36. Verfahren zur Herstellung von wasserdichtem Pa- 
Yattc; und wie ich sie mir so recht aufmerksan: betrachtete, 
fiel mir mit einem Male ihre frappante Aehnlichkeit auf 
mit —" 
„Nun — mit — 
„Mit dem Kinde, dessen Photographie mir Otto Mar 
tens gezeigt hat." 
„Ah I" stieß Heinz überrascht hervor. „Das ist — das 
ist in der Tat sehr seltsam. Und wie verhielt sich die Frau 
weiter? Haben Sie mit ihr gesprochen?" 
„Ich werde mich hüten. Aber ich habe sie natürlich 
auch nicht einfach davongehen lassen. Meine Kollegin ist 
im Zwischenakt auf meinen Wunsch zu ihr hinausgegangen 
und hat ihr gesagt, daß morgen, also heute abend ein 
Herr kommen würde, der vielleicht etwas über Herrn May 
ring weiß. Und die Frau hat meiner Kollegin das Aus 
sehen des angeblichen Mayring noch einmal genau be 
schreiben müssen: für mich gibt es danach kaum einen 
Zweifel mehr, daß es sich wirklich um Otto Martens 
handelt. Aber, wie gesagt, angenehm ist mir die Ge 
schichte nicht." 
„Aber wamm denn nur? Was soll Ihnen denn 
passieren?" 
Fräulein Mieze zog die runden Schultern hoch und 
lächelte ihn ein wenig spöttisch an. 
„Können Sie sich das wirklich nicht denken? Wen,: 
diese Frau erfährt, daß Mayring in Wirklichkeit Martens 
hieß, fö erfährt sie doch natürlich auch alles, was mit 
seinem Tode zusammenhing. Zum Beispiel, daß Herr 
Otto Martens eine Stunde vor seinen: Tode bei Fräu 
lein Mieze Hofmeister war, und — na, und so weiter. Ver 
stehen Sie mich nun?" 
„Wenn es wirklich seine Frau sein sollte, so wird sie 
vermutlich, wenn sie die Wahrheit erfährt, anderes zu tun 
haben, als Ihnen nachträgliche Eifersuchtsszenen zu machen," 
meinte Heinz. Aber Fräulein- Mieze schüttelte de» Kopf. 
Da kennen Sie die Frauen nicht. „Sie wird sofort zu mi: 
kommen, wenir sie die ganze Geschichte in der Zeitung'liestz
        
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