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Periodical volume Nr. 117, 28.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

nomine» werden nnd zwar ohne Unterschieb, vb die Be 
lieferung dieser Verbraucher auf Bezugsschein für Zentral 
heizung oder für Ofenbrand crsolgü. 
o Ein Rcichstamt für Arbeitsvermittlung- Jiu Reichs- 
tzcsctzblatt (Nr. 100) veröffentlichte die Reichsregierung 
eine Verordnung über die Errichtung eines Neichsaints 
für Arbeitsvermittlung, das am 10." Mai in Kraft ge 
treten ist. . Nach den Bestimmungen des 8 2 dieser Ver 
ordnung hat das Reichsamt folgende Aufgaben zu erfüllen: 
1. Die Beobachtung des Arbeitsmarkts und die Heraus 
gabe laufender Veröffentlichungen über seine Lage (Reichs- 
Arbeitsblatt, Arbeitsmarkt-Anzeiger) zwecks Anbahnung 
eines Ausgleichs von Angebot und Nachfrage zwischen ver 
schiedenen Gebieten und Berufen. 2. Im Einvernehmen 
mir den obersten Landesbehörden die Aussicht über alle 
Einrichtungen, die für die Zusammenfassung der Arbeits- 
uachweise größerer Gebiete bestimmt sind sowie die Anf- 
sicht über Arbeitsnachweise jeder Art, gleichviel, ob sie 
von Gemeinden, Gemeindeverbänden, Berufsvereinen der 
Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder von beiden gemeinsam, 
von Innungen, Landwirtschaftskammern, Vereinen, Schu- 
len und dgl. unterhalten werden, und über die gewerbs 
mäßige Stellenvermittlung. 3. Die Regelung der An 
werbung und Vermittlung ausländischer Arbeitnehmer. 
-1. Im Einvernehmen mit den obersten Landesbehörden 
die Aufsicht über alle Einrichtungen, die zur Berufs 
beratung und Lehrstellenvermittlnng unterhalten werden. 
5. Die Durchführung der Maßnahmen, die zur Bekämpfung 
der Arbeitslosigkeit auf Grund gesetzlicher Vorschriften oder 
allgemeiner Verwaltungsverordnungen von Reiclpswegen 
getroffen werden (produktive EriverbSlosenfürsorge). 0. Die 
Sammlung der Tarisverrräge und ihre Auswertung. 7. 
Die Beobachtung der Ansstände und Aussperrungen. 8. Die 
Beobachtung der Entwicklung der Berufsvereine von ^Ar 
beitgebern und Arbeitnehmern. Weitere Angaben können 
dem Reichsanit durch den Reichsarbeitsminister mit Zu 
stimmung des Reichsrats übertragen iverden. 
o Dcr Zeutrumcverein (Christliche Vollspartci),Orts 
gruppe Friedenau, hielt am 20. d. Mts. in der Aula dcr 
Königin-Luise-Lchule eine öffentliche W ä h l e r Ver 
sammlung ab für die Wähler, die auf dem Boden 
christlicher Weltanschauung stehen. Nach Begrüßung der 
Anwesenden durch den Vorsitzenden, Oberbaurät He» Heu, 
sprach zuerst Fräulein Ehlerr in von Herzen kommenden 
und znm Herzen dringenden Worten hauptsächlich zu den 
zahlreich anwesenden Frauen und mahnte sie zu reger 
Wahlbeteiligung, zur Förderung einer von christlichem 
Geiste durchdrungenen Jugenderziehung und zur Pflege 
religiöser Einrichtungen und aller Bestrebungen zur 
Hebung der leider sehr darnieder liegenden Sitte auf 
allen Gebieten und zur Verhinderung der Verwilderung 
der Sitten in Wort und Bild: vergessen lvurde auch nicht 
die Wichtigkeit der Mitwirkung der Frau bei den Fragen 
der Wohlfahrtspflege und der Gestaltung des Wirtschafts 
lebens. Gerade die Pflege der idealen Güter sei Beruf 
und Pflicht der Frau und darum müßten sie ihre Stimme 
den Kandidaten des Zentrums geben, da diese Partei die 
Pflege dieser Güter stets als ihre Hauptaufgabe betrachtet 
habe. Sodann sprach Herr Staatsanwalt L a m in er s 
in geistvollen, formgewandten Worten über Grundsätz 
liches zur Zentrnmspolitik. Er wieS nach, wie diese Partei 
sich stets der Wahrung der Ewigkeitswerte gewidmet und 
ihren Hauptzweck darin gesucht habe, daß das Staats 
leben auf christlicher Grundlage ausgebaut und 'in christ 
lichem Geiste erhalten werde. Er halte diese Wirksamkeit 
gerade in der Jetztzeit, lvo der Materialismus niclw denn 
je sein Haupt erhebe, für um so uoiwendiger. Es müsse 
im Gegensatze dazu gerade die Pflege der idealen Güter 
um so mehr wieder in den Vordergrund gerückt iverden 
nnd gegenüber der durch den Materialismus großge 
zogenen Selbstsucht der Menschenklassen ivie der einzelnen 
Menschen müsse die Opserwilligkeit und die Solidarität 
aller für alle, der einen für den anderen treten. Gesunden 
könnten ivir nur dadurch, daß jeder pflichtgekren seine 
Arbeit leiste und seine persönlichen Ansprüche auf ein 
bescheidenes Maß herabsetze. Darum müsse die Partei 
des Zentrums, die diesen Geist der Versöhnung und des 
Ausgleichs zwischen den einzelnen Voltsständen zu pflegen 
berufen und gewillt sei, unterstützt werden. — Als freund- 
nachbarlicher Gast nahm 'sodann »och Herr Verbands 
direktor Kort ha ns aus Steglitz das Wort, um seiner 
Freude über den stimmungsvollen Verlauf des Abends 
Ansdruck zu geben, insbesondere darüber, daß mit feiner 
Silbe irgend ein anderer oder eine andere Partei ver 
unglimpft sei. Es zeuge das von dem hohen inneren Wert 
des Parteiprogramms, das für sich nnd aus sich heraus 
allein soviel Werbekraft besitze, für dieses mir ganzer 
Seele einzutreten. Verunglimpfungen aber, wie sie durch 
öffentlich an den. Kirchtüren verteilte Flugblätter einer 
anderen Partei erhoben seien, würden wir uns nicht ge 
fallen lassen und lud ein, zu diesem Zweck sich in der 
Versammlung ant Sonnabend, den 29. Mai, abends 8 Uhr, 
im Werner Siemens-Realghmnasium in Schöneberg ein 
zufinden . und dort dagegen eine kraftvolle Kundgebung zu 
veranstalten. ^ 
o Demokratie oder Bürgerkrieg, lautete das Thema 
der gestrigen öffentlichen Versammlung der hiesigen De 
mokratischen Partei, die-im Festsaat des Gymnasiums am 
Maybachplatz stattfand und die auch von vielen Gegnern 
aus den Reihen der Rechtsparteien besucht war. Der 
Vorsitzende, Herr Geh. Regierungsrat Vogt, eröffnete 
,dic Versammlung mit einer Begrüßung und erklärte, 
daß seine Partei gesonnen sei, den Wahlkampf ruhig und 
besonnen zu führen. ES sei ihm mitgeteilt worden, daß 
Gegner anwesend Unsren, die gewillt wären, ihre Gesin 
nung laut zum Ausdruck zu bringen. Damit würden 
diese sich nur selbst schaden. Seine Partei sähe im Geg 
ner den Mitbürger und nicht den Feind, denn lvir hätten 
äußere Feinde genug, sodaß lvir uns nicht noch selbst be 
kriegen sollten. Man erblicke im Gegner den Menschen 
und denke daran, daß lvir zum Wiederaufbau alle Kräfte 
brauchen. Niemand dürfe da fehlen, Unabhängige so wenig 
iric Monarchisten. Wir könnten unsere Kräfte nicht zer 
splittern. Seine Ueberzeugung und Lebenserfahrung gehe 
dahin, daß unserm Vaterlande nur der freiheitliche Ge 
danke, ivie er in der Demokratie verwirklicht fei, helfen 
könne. Wenn man den Kampf auch unscharf führen »volle, 
wolle man ihn doch scharf in Gedanken führen. Klassen 
gegensätze und Einzeliüteressen müssen zurücktreten hinter 
Allgenieininteressen. Wenn dabei der Einzelne zunächst zu 
rückgedrängt werde, so komme doch im allgemeinen Auf 
stieg auch der Aufstieg jedes Einzelnen. (Beifall). Darauf 
erhielt Frau Elly Heuß-5tnapp das Wort zum Thema 
des Abends. Tie stellte zunächst einen Vergleich zwischen 
dem vorjährigen und dem diesjährigen Wahlkampf an. 
Die Unschlüssigen finde man jetzt seltener in den. Ver 
sammlungen, die Flauen bleiben zumeist zu Hanse. Aber 
gerade denen müsse klar gemacht werden, Une dringend 
notwendig die Wahl ist. Mau könne ihre Enttäuschung 
geivüserniaßen verstehen, aber dennoch müsse man ihnen 
zurufen: Wählt doch! Einen Bürgerkrieg haben lvir bisher 
noch nicht gehabt, die Kämpfe, die bisher stattfanden, 
waren Anfänge dazu, die schnell beseitigt iverden konnten. 
Wir müßten' uns aber am 0. Juni darüber klar sein, 
daß es noch schlechter iverden könne. Sie wies auf Ruß 
land hin und meinte, daß die Koalitionsregierung das 
Bollwerk war, das den Bolschewismus verhinderte und die 
Demokratie durchsetzte. Natürlich könne eine Koalitions 
regierung nie das Ideal sein, eine solche Ehe sei nie 
auf glühender Liebe, sondern immer auf Achtung, aufge 
baut. Nednerin betonte dann, daß nur eine einzige kleine 
Partei den Bürgerkrieg wolle, die K. A. P. D., alle an 
deren Parteien, links, wie rechts, auch die Kvmmnniften 
wollen den Bürgerkrieg nicht. Sie setzte nun aber 
auseinander, ivie trotz dieses Nicbtwollens doch der Bürger 
krieg entstehe, wenn die Linke und die Rechte sich in großer 
Stärke gegenüber stehe nnd die Mitte geschwächt werde. 
Wenn die Wahlen in ganz Deutschland das Ergebnis haben 
lvllrden,. lote das Wahlergebnis jür die Landeswahl in 
Branuschweig, so würde das den Bürgerkrieg bedeuten. 
Denn dann wäre Deutschland in 2 feindliche Lager ge 
spalten, ein Schützengraben würde sich mitten durch 
Deutschland ziehen, iu jedem Hanse würde man. sich feind 
lich gegenüberstehen und einer den anderen nicht mehr 
grüßen' (Zustimmung). Sie besprach in ruhiger Weise 
die einzeln'» Parteien, insbesondere die Haltung der 
Nechtsparrtten zum Kapp-Putsch und kritisierte auch ver 
schiedene, vergiftende Artikel der Tägl. Rundschau, um 
daun über die Tätigkeit der Deutschen Demokratischen 
Partei und ihre Mitarbeit in der Regierung und am 
Wiederaufbau Deutschlands eingehende, klare und ver 
ständliche Ausführungen zu machen. Sie erwähnte dabei 
die Verfassung, die Flaggensrage nnd hob.hervor,-daß 
noch von keiner Partei gesagt werden konnte und .auch 
gesagt wurde, daß die Demokraten schlechte Minister ge 
stellt hätten. Tast in der kurzen Zeit des Bestehens der 
Demokrane in Deutschland nicht gleich die allertüch- 
ligsteu und besten Kräfte an die Spitze kommen konnten, 
sei selbstverständlich, dazu bedarf es einer längeren Ent 
wicklung. Mau dürfe auch nicht vergessen, daß früher 
die Sozialdemokratie von allen öffentlichen Aemtern fern 
gehalten wurde. DeS Längeren verweilte lie noch beim 
Generalstreik und erklärte, daß die Demokraten auf die 
Teilnahme an diesem Abwehrstreik stolz sein könnten. In 
Leipzig haben die Rechtsparteien sich des Bürgerstreiks 
gerühmt, den sie sogar ans die Aerzte und bis in die 
„Aber Sie haben ihm doch hoffentlich nicht mitgeteilt, 
wohin ich gci^ist war?" 
„I, wo wer -ck denn!" protestierte Frau Friesicke. 
„Se hatten mir doch jesagt, daß ick et niemandem sagen 
derfte. Wat. initst die Post jekominen is, habe ick Ihnen 
alles nnchjefchickt, Herr." 
„Ja, ja, ich habe es bekommen," erwiderte Heinz zer 
streut. Er.grübelte darüber, was Dombrowski hatte uon 
ihm wollen können. „Der Briefträger war heute noch nicht 
hier, nicht wahr?" 
„Er kommt erst um halb neune. Aber ja, bet hätte 
ich beinah verjeffen, der Herr von da oben —" sie machte 
eine bezeichnende Bewegung nach der Decke hin, „hat mir 
ooch ausfragen wölbn. —- Na, wer wird denn bet schon 
wieder find?" 
Es hatte geläutet, aber es mar nur dcr Briefträger, 
der einen Stoß Postsachen für Heinz abzugeben hatte. Holl- 
felden nahm sie mit in sein Arbeitszimmer und warf sie 
dort achtlos auf die Platte des Schreibtisches. Und erst, 
nachdem er sich umgekleidet hatte, unterzog er sie einer 
flüchtigen Musterung. 
Es waren zumeist Zeitungen nnd Zeitschriften, die 
man ihm unaufgefordert ins Haus schickte, oder geschäftliche 
Mitteilungen, die er nach oberflächlicher Lektüre beiseite 
warf. Dann aber fiel ihm ein Brief von anderer Art in 
diL Hände, ein zartfarbenes Kuvert von jenem Format, 
dessen sich junge Damen mit Borliebe zu bedienen pflegen. 
Heinz drehte das Schreiben ein paarmal.zwischen den 
Fingern, um es dann mit einer unmutigen Bewegung 
beiseite zu werfen. Er hatte sich schon vorher den Kopj 
darüber zerbrochen, wie dieser ausdringliche Patschulidufi 
in sein Zimmer hatte kommen können; nun aber hatte, er 
entdeckt, daß das Parfüm, gegen das er eine unüber 
windliche Abneigung, hatte, dem fliederfarbenen Brieschen 
entströmte, und er konnte sich nicht entschließen, es zu öffnen. 
Sicherlich war es wieder irgendeine unbekannte Verehrerin, 
die- ihn um ein Autogramm ersuchte- er hatte schwärme- 
rische Billetts von dieser Art in stattlicher Anzahl de 
kommen, seitdem sein erstes Werk eine so außerordentlich 
beifällige Aufnahme gesunden hatte, und halb ans Be 
qv.emlichkeit, halb in der Furcht, sich durch eine Antwor: 
die Briesschrciverin erst recht auf den Hals zu locken, hatic 
er sie stets unerwidert gelassen. 
Aber während cr dann im Zimmer beschäftigt war. 
sfr gen seine Gedanken immer wieder zu dem bunter 
Briefchen hinüber, und eine unerklärliche innere linruhc 
veranlaßte ihn schließlich, noch einmal danach zu greiser 
und den Umschlag herabzureißen. Ein mit unregelmäßigen, 
vcn wenig geschulter Hand hingekritzelten Buchstaben be 
decktes Blatt war es, das er entfaltete, und als er nach 
feiner Gewohnheit zunächst die Unterschrift gelesen hatte 
wußte er, daß er gut daran getan hatte, das Billett nichl 
unbesehen zu vernichten. 
„Verehrter Freund und Gönner!" las er. „Ich nenne 
Sie so, obwohl Sie Ihr Versprechen, mich einmal wieder 
aufzusuchen, iiickit gehalten haben. Das ist großmütig vor 
mir, nicht wahr? Aber ich will meine Großmut hoch weiter 
treiben und Ihnen verraten, daß ich eine sehr, sehr wichtigc 
Neuigkeit für Sie habe, das heißt, wenn Sie der Fal. 
Martens noch interessiert. Ich sagte Ihnen doch, daß ich 
ihn . für verheiratet gehalterr habe? Jetzt glaube ich e- 
ganz bestimmt, und wenn Sie mich besuchen wollen, werde 
ich Ihnen sagen, weswegen. Sie kennen ja meine Adresse, 
aber Sie müssen schon an einem Vormittag kommen, denn 
ric.cbmittags find jetzt kehr lange und schrecklich langweilige 
Proben, und wissen Sie, ich iiröchtc nicht gern, daß Sie 
ins Theater kommen. Es ist immer ein junger Mann da, 
der sich für-mich interessiert, und ich möchte nicht gern, daß 
er Sie mit mir zusammen sicht. Sie werden mich verstehen, 
ja? Also besuche» Sie mich recht bald. Sie Ungetreuer. 
Ihre Mieze Hofmeister.- 
Krankenhäuser ausgedehnt hatten. Durch die Teilnahme 
am Gcneraistrcik haben 'die Dcrnolraten den Bürgerkrieg 
niiivcrhindert, und wenn sic- abermals vor die Wahl 
gestellt werden sollten, würden sie sich wieder für den 
Generalstreik erklären. Durch den Kapp-Putsch bestand die 
Gefahr des Auseinandcrfallens Deutschlands, die Gefahr 
der Errichtung der Mainlirrjc lag sehr nahe. Verkennen 
dürfe nieinarid, daß der Versailler Vertrag, der ein eiser 
nes Band um Deutschland lege, cs am Aufstieg nnd in 
der Entwicklung hemme.- Sie forderte ans zürn Dienst 
am gemeinsamen großen Varerlande durch die Demokratie. 
Ihre vorn warmen vaterländischen Einpsinden getrage 
nen, ruhigen und sachlichen Ansführnngcn wurden säst 
lautlos angehört und riefen am Schluß einen nicht enden« 
wollenden Beifallssturm hervor. In der Aussprcwbe wurde 
es nun recht lebhaft. Herr Ph i l rpp - ohn war kern 
guter Vertreter seiner Deutschen Volkspartei;- es schien 
so, als Hütte ihm die Vortragende vorweg das Konzept 
verdorben. Denn cr bemerkte, nach ihren Ausführungen 
oäbe es ja eigentlich keine Unterschiede mehr. 
Er sprach hauptsächlich zum Generalstreik und 
meinte, die Demokraten wären von internationalem Gist 
durchsetzt. Ein junger Balttknintäiiipfer, Herr Klam 
mert,"der für die Dciitschnationalc Volkspartei eintrat, 
erregte Enlrüftriiig als er von der Jndenregieruna sprach. 
Herr G ii n t h c r' vertrat den dernolratischcii Standpurckt 
und hielt den Gegnern Anssührringcn vor, die Tirpiy irr 
seinem Buche gemacht hat. Herr Oehmichcii, ein Mit 
glied der Sicherhcitspl'lizci, trat dem Baltiknuikämpfer 
entgegen nnd berichtete über seine Kapptagc in Suhl. Herr 
Dr. K ii ii d t von dcr Deutschen Volkspartei sprach haupt 
sächlich über die Kämpfe i»i Baltikiiiii und den politischen 
Anlaß hierzu, sowie die den Truppen gemachten Ver 
sprechungen. Er erklärte es für beschämend, wie die 
schwarz-weiß-rote Fahne unter den Augen der Engländer 
und Japaner beim Abzug der Balrikiimcr verhöhnt und 
geschmäht wurde nnd bezeichnete die Ausführungen der 
Rcdneri» über die schwarz-rot-goldene Fahne für unrich 
tig. Ihm entgegncte Frau Hcmiß-Knapp sofort, in 
dem sie diese Abstreitung von Tatsachen als beleidigend 
bezeichnete. Sic erklärte auch dem BaUitnmer, daß in 
der Reicbsregicriiilg nie ein Jude vorhanden war. 
Schwarz-wciß-rot sei durch den Kapp-Pntsch zur Partei- 
fahne degradiert worden. Herr H o f s in a n n betonte, daß 
die Mitarbeit aller am Wiederaufbau notwendig sei. Herr 
Graßnick wünschte größte Ausnutzung und Bearbei 
tung des Bodens und bezeichnete sich als Tozial-Aristokrakc 
Herr Stade sprach für die Deutsche Volkspartei und 
zum Kapp-Putsch, der, lvenn er diirchgcjührt worden wöbe,' 
ein Segen für Deutschland gewesen wäre. Herr 
S tot hing von dcr Deutschen Bolkspartci erregte einen 
Sturm der 'Entrüstung, als cr von dcr ,,schmutzigen 
Wahlparole" der Demokraten sprach. Ihm wurde -darauf 
vom Vorsitzenden das Wort entzogen, „denn beschimpfen 
lasse man sich nicht". Auch Frau C z c r n o h a n s trat für 
die Deutsche Volkspartei ein. Frau Heuß-Knapp 
glättete in ihrem Schlußwort die-Kitzogen der Erregung, 
indem ue die Versammlung durch ihre Erwiderungen zu 
den Ausführungen der Gegner nochmals fesselte. Mit 
dem Ausruf zum Kampf für Freiheit, Wahrheit und Recht 
schloß der Vorsitzende die Versammlung gegen G12 Uhr. 
o Eine» Autoren-Abcnd gibt Maria Massa int Lcssiiig- 
Museum, Brüserstr. 13, am Montag, dcu 31. Mai 1920, aocnos 
7Z Uhr. Vortrag von Werken von Fred v. Zollikvjec, ?((# 
ton klingen, Walter Georgi, Georg v. Parten. 
Vereirrs-Nätbr-iMen 
)( Deutsche demalratische Partei. Heut?, Freitag, den 28. 
Mai, abends 8 Uhr, spricht Reichsjusnzmiiiisler B l im ck in 
Wi.mersdors 1. Lyzcimi, Eck? Weimaci.che nnd Mainzer Straße 
(stir Friedenau gm gelegen) in össenilicher Berfammlung. 
jl Fricdcnauer Kirchrnchor. Morgen, am Soniiadcnd, den 
29. Mai, gemeinschaftlicher Ausflug nach Jagdschloß Stern. Mit 
glieder, sowie Bekannte und Freunde loeS Chors sind zur Teil« 
nc-lime eingeladen. Abfahrt 2.39 Uhr nachmittags vom-Wanniee- 
bahnhoi Friedenau, Fahrt bis Neubaeelsbcra, Treffpunkt Bahn 
hof Neubabelsberg. 
m )( Deutsche Bolkspartei. Morgen, Sonnabend, 8'Uhr, 
v„entliche Versammlung im Rejorin-Neal-Gymnasinm. Syndikus 
Schäler spricht über „Liberalismus nnd Demokratie". 
)( Bilder «us der Fremdenlegion. Ueber Dieses Thema wird 
Herr Generalleulnaiit Erzellenz W o l l m a n n am Sonntag, den 
PO. Mai, abends 8 klhr, im e v a»g. Verein junger 
M -in ner, 'Kaiserallce 76a, sprechen. Alle Vereinsmitglieder 
sind dazu eingeladen, auch uns junge Männer als Güstq 
herzlich willkommen. 
j(. Teutschnationale Volkspartei, Ortsgruppe Berlin-Frie 
denau. Am Montag, den 31. Mai, abends 8 Uhr. im Gym 
nasium am Maykachp.'atz Mitgii?derverja:nmlnng. Es spricht die 
tzrandldackn snr den Reichstag Fräulein Annegret: Lehmann, 
Erregt sprang Heinz auf und sah auf die llhr. Es 
war eben nenn, und vor elf war die ifeine Choristin vom 
Eldorado-Thealer sicherlich nicht ans den Federn. Es hieß 
cil)\ sich in Geduld zu fassen, so schwer es dein jungen 
Schriststeller auch werden mochte. Durch einen Brief, den 
er dem nächsten Rohrpostaint zur Beförderung übergab, 
bat er Herbert, iyn am Nachmittag auszusuchen, da er 
ihm voranssichilich wichtige Neuigkeiten mitzuteilen haben 
würde. 
Eine gutmütig dreinschauende, behäbige Frau öffnete 
ihm, als er um die elfte Stunde an der Wohnung Fräu 
lein Mieze Hofmeisters die Glocke zog. Als er ihr feinen 
Namen nannte, führte sie ihn sogleich in einen entzückenden 
kleinen Salon, und vertraute ihm an, daß „ihre Mieze" ihr 
„sehr viel" von „dem Herrn" gesprcchen habe und daß sie 
sicherlich unendlich glücklich über den Besuch sein würde. 
Als echte und rechte Theatermcitter sang sie erst eine gute. 
Weile das Lob ihres Schützlings in allen Tonarten, eile 
cs ihr einfiel, an die verschlossene Tür des Nebenzimmers 
zu pochen und durch das Schttijjcttoch die tieine E-yoplstin 
anzurufen. ' 1 
Es dauerte eine gute Weile, ehe di? schläfrige-Frage 
kam, was man von ihr wünschte. Aber als die mütterliche 
Logiswirtin ihr re, kündete, daß „der Herr Hoilfclden" ge 
kommen fei, wurde es drinnen sogleich lebendig. 
„Ja, aber so früh!" erllang es im Tonq höchsten Er 
staunens. „Bitte Herrn Hollfelden, Platz zu nelimeii. Ich 
werde sofort kommen." 
Immerhin verging eine halbe Stunde, ehe sie über die 
Schwelle trat, in einem allerliebsten Necttig?, durch dessen 
Spitzenärmel zwei runde weiße Arme verführerisch hervor« 
schimmerten. 
„Entsclftildigeii Sie meine Toilette," sagte sie, Hinz 
yiit einem sitzundlichei, Lächeln begrüßend. „Aber ich 
halle Sie nicht so früh erwartet, nnd ich wollle Sie nicht 
warten lasten." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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