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Periodical volume Nr. 26, 30.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

. Bezugryrel, 
monm$'™§0 Mark^dkrch'L vLpNtellW Zkttllllg M M-FMeSS» «V 
t«. Haus gebracht *,- Mark. »kflheritt täglich abend,. 
-ervsprecher t «r»t UM, — Drruk «ud Verlag v»> Leo vch»ktz. 
2 e { t II U st) Anzeigen 
. ^ . .... — nur für unbestimmte Tae — 
de» Frieveriaser Lrtstell dos Lchöseders. ZE der Zeile oder deren 
mT.nit.iiM u Raum 1 Mk. Dre Reklame-eile kostet 
veschastsyeue. Slytillflk» IS* 4.— Mark, Belegnummer 20 Pjg. 
Verlis-Friederi«,. «heinstrahe 1L. — Kernf^recher, «»t Pfal,durg 212». 
Nr. 117 
Berlik'Fkiedeii»«, Freitag, de» 18. Mai UM 
Fahr-, 87 
Neueste Nachrichten. 
Köln. Während noch vor einigen Wochen für 
Schrott Preise von 3000 M. pro Tonne und höher an 
gelegt würden, war der Preis schon zu Anfang des lausen 
den Monats ans etiva 1200 bis 1800 M. pro Tonne ge 
fallen. In jüngster Zeit sind aber bereits Preise von 
850 M. und noch weniger pro Tonne herausgekommen. 
München. Im Ausschuß für auswärtige Ange 
legenheiten beantragte der Abgeordnete Jehle (Dem.), daß 
die Regierung alsbald verläßliche Berichte über die 
russische Umwälzung und deren Einfluß auf das Wirt 
schaftsleben des russischen Lolkös gebe. Geheimrat Dr. 
von Müller vom Ministerium des Acußern erklärte, daß 
c$ außerordentlich schwierig sei, hierüber Angaben zu 
machen, da der diplomatische Dienst Deutschlands in Ruß 
land noch nicht eingerichtet sei. Soweit Mitteilungen vor 
lägen, seien sie nicht authentisch und veraltet. 
Prag. In gemeinsamer feierlicher Sitzung der beiden 
Kammern der Nationalversammlung der tschccho-slowa- 
kischen Republik wurde Dr. Massarhk mit 284 von 411 
gültigen Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt. Die 
Deutschen gaben le^e Zettel ab. 
Warschau. Die polnische Republik will die Re 
gierung in Moskau in einer Rote zu FricdcnSverhand- 
luugen ausfordern. 
Kopenhagen. Littvinvw hat, loie der Korrespon 
dent des Kopenhagencr ReuterbürvS mitteilt, ein Tele 
gramm aus Moskau erhalten, demzufolge die Bolschewiki 
Boryssvw erobert haben und die Gegenoffensive in der 
Ukraine unter günstigen Bedingungen fortsetzen. 
Kopenhagen. Nach einem Telegramm aus Hel- 
singfors hat die finnische Regierung der russischen Räte 
regierung vorgeschlagen, die finnisch-russischen Fricdcnsvcr- 
handlungen am 10. Junj in Dorpat zu eröffnen. 
Paris. Nach einer Meldung des Journal des D6- 
bats aus San Rcmo ivird der Oberste Rat demnächst in 
Genua zusammentreten: alles Verhandlungsmaterial sei 
von San Remo nach Genua befördert worden. 
Washington. Präsident Wilson hat gegen die 
Resolution Kuox, die die Wiederherstellung des Friedens- 
Zustandes mit Deutschland und Oesterreich ausspricht, und 
sowohl vom Senat wie vom Repräsentantenhaus ange 
nommen worden war, sein Veto eingelegt. 
Machdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestaltet.) 
o Milchversorgung. Bon morgen, 29. Mai, ab werden 
die Milchkarten, wie folgt, beliefert: AI und A3 je 1 Liter, 
B'> und B2 je % Liter, (51 ;unb (52 je einem halben Liter. Die 
übrige Belieferung bleibt wie bisher. 
oA Neue Krankemhausgebühren im Kreis« Teltow. Dem 
Beispiele der Stadtgemeinde Schönebcrg folgend sind auf 
Grund der Beschlüsse des letzten Kreistages für die Be 
nutzung der Kreiskrankenanstalten des Kreises Teltow vom 
Kreisaüsschuß erhöhte Gebührensätze festgesetzt worden, die 
bereits vom 1. Juni d. Js. erhoben werden.. In den 
großen Krciskrankenhänsern Lichterfclde, Britz und Eöpe- 
nick sind zu entrichten im Klasse 8 von Kreiseinwohnern 
12 Mark, von Auswärtigen 15 M., in Klasse 2 24 bezw. 
40 Mark, in Klasse 1 40 bezw. 50 Mark. In den kleinen 
Krciskrankenhänsern Zossen. Mittcnlvalde und Königs- 
Wusterhausen gelangen zur Erhebung in Klasse 3 von Kreis 
einwohnern 10 Mark, von Auswärtigen 15 Mark, in 
Klasse 2 20 bezw. 36 Mark. 
Was es in der nächsten Boche gibt. 
B r o t: 1600 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm Grohbrot. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Pferdefleisch: aus Nr. 8 der Pfcrdefleischkarte. 
Butter: 20 Gramm 75 Pfennig und 70 Gramm Mar 
garine 2,21 M., sowie 180 Gramm Margarine 5,69 M. 
auf Sonderabschnitt der Speisefettkarte. 
Kartoffeln: Je 5 Pfund auf Abschnitte 23, 24, 25 
und 26 a—e können bereits im voraus entnommen 
werden, was dringend zu empfehlen ist. 
Zucker: Vom 1. bis 15. Juni a / t Pfund. Ferner 
für Müder im 1. Lebensjahre IV, Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre V» Pfund 
im Monat. Der Zucker ist aber infolge des Schisser- 
streiks noch nicht eingetroffen. 
Abholung 1.—3. Juni. 
Auf Größ-Berliner Lebensmittelkarte: 
Linsen: 250 Gramm auf 27; Pfund 3,50 M. 
Auf Jugendlichenkart!;: 
Maisflocken: 250 Gramm auf 50; Pfund 3 Mark. 
Auf Berlin-Friedenauer Nährmitielkarte: 
Weiße Bohnen: 500 Gramm auf 21; Pfund 3,75 M. 
W e i z e n k ü ch e um c h l oder Ecrealmchl: 250 Gr.; 
Pfund 80 Pfg., und 1 Päckchen Milchsüßspeisen, 60 Pfg., 
auf 22. 
Maisgrieß oder Maisflocken: 250 Gr. aus 23; 
Pfund 3 M. 
Nudeln: 125 Gr., Pfd. 2 M., 1 Suppenwürfel, 
15 Pfg., und 250 Gr. Marmelade, Pfd. 3,70 M. 
auf 24. 
obh Schridemann — Oberbürgermeister von Groß- 
Berlin? Verschiedene Anzeichen der jüngsten Zeit lassen 
darauf schließen, daß Oberbürgermeister Wermuth nicht 
Mehr «die Gunsst ,ocr Sozialdemokraten und Unabhängigen 
in dem -Maße genießt, wie es noch im vorigen Jahre 
festzustellen war. In Berliner städtischen Kreisen geht 
nun das von den Groß-Berlincr Nachrichten wiederge 
gebene Gerücht um, daß in beiden sozialistischen Ladern 
Neigung bestehen soll,-Philipp Schcidemann, den jetzigen 
Oberbürgermeister von Kassel, zum Oberbürgermeister von 
Groß-Berlin zu machen. Dieses Bestreben wurde durch-- 
aus in Uebcreiustiinmung mit der bisherigen rein partei 
politischen Behandlung der Groß-Berlincr Frage stehen, 
und da Scheidemann feine gegenwärtige Hauptaufgabe 
in der Einigung der beiden sozialistischen Parteien sieht, 
ist die Annahme nicht von der Hand zuoveisen, daß auch 
er dieses Ziel besser auf dem Sessel des Groß-Berliner 
Oberbürgermeisterpostens als in hem stilleren Kassel zu 
erreichen hofft. 
o Die Wahlen zur Groß-Berliner Stadtverordneten» 
Versammlung. Wie wir hören, kandidiert auf der Stadt- 
verordnctcnliste der Deutschnationalen Partei Herr Dr. 
A n d e r s als erster von den Friedcuauer Vertretern. Er 
steht an zweiter Stelle auf der Liste nach dem Schönc- 
bergcr Stadtverordneten Dr. Schneider. Frau K o r s ch 
kommt dann nicht — wie wir berichteten — an dritter, son 
dern an sechster Stelle. — Wahlscheine für solche 
Personen, die als reuten empfangende Kriegs 
beschädigte, als heimgekehrt? Kriegs- oder Zivilgefan 
gene oder als Flüchtling aus den verlorenen oder be 
setzten Gebieten zugezogen find und noch nicht ein Jahr 
in Groß-Berlin wohnen, sind hier im Rathaus, Zim 
mer 10, zu haben. 
o Eiche Gchneinfchast der Elternäciräte, die auf christ 
lich-unpolitischer Liste gewählt worden sind, ist hier zu 
stande gekommen. In zwei Besprechungen wurden die 
Grundlagen geschaffen, auf die iociter gebaut werden soll. 
Vorsitzender der Gemeinschaft wurde Herr Obervostsekrctär 
Berger, Schriftführer Herr' Syndikus Ubbelohde. 
Es sollen in der Gemeinschaft alle jn den Eltcrnbeirats- 
sitzungen erörterten oder vorzulegenden Fragen besprochen 
werden, jedoch soll dem Elternbeirat an jeder Schule eine 
selbständige Entschließung gewahrt bleiben. 
o Steueirabzügc schon vom Juni ab? Die Bestimmun- 
gen des Einkommensteuergesetzes über die Erhebung der 
Einkommensteuer durch Abzug vom Arbeitslohn, ivobei 
zwischen eigentlichen Löhnen und sonstigem Einkotnmen 
aus Arbeit (Gehälter, Ruhegehälter, Tantiemen, Gratifi 
kationen usw.) kein Unterschied gemacht wird, werden, 
wie eine Berliner Nachrichtenstelle erfährt, voraussicht 
lich bereits im Juni in Kraft treten. Die gesetzliche Be 
stimmung lautet, daß die Einbehaltung von 10 v. H. 
des Arbeitslohnes zu Lasten des Arbeitsnehmers bei der 
Lohnzahlung zu erfolgen hat. Ans Grund der Ansfüb- 
rungsbestimmungen kann jedoch zwischen dem zuständigen 
Finanzamt und dem Arbeitgeber ein längerer Zeitraum 
für die Abführung der cinbehalienen Beträge vereinbart 
werden. Auch in diesem Falle hastet der Arbeitgeber für 
die Einbehaltung und Entrichtung des Steuerabzuges 
neben dem Arbcttnehmer als Gesamtschuldner. 
v Die Einfuhr italienische Frühkartoffeln nach Deutsch 
land ist genehmigt Ivorden. Sic werden sich im Groß 
handel auf 1,50 bis 1,70 Mark, im Kleinhandel also 
auf etwa 2 Mark das Pfund stellen. Man erwartet, dasi 
die Preise nach uird nach bis auf etwa .die Hülste sinken 
werden. Jedenfalls ist durch die italienische Einfuhr ein 
Druck ans die Preise für die inländischen Kartoffeln zu 
erwarten. 
o iBerstÄtrvuiNlgi von Kriegsanleihe. Bei 'Zahlungen 
für gelieferte Waren wird häufig auch Kriegsanleihe in 
Zahlung gegeben. Dabei wird oftmals der Schlußnoten- 
stcmpel nach Tarifnummcr 4 des Reichsstempelgesetzeö 
nicht erhoben. Es sei darauf aufmerksam gemacht mit dem 
Hinweis, daß die Betreffenden durch diese Versäumnis sich 
der Steuerhinterziehung schuldig machen können. 
o Kohlcilsreigabc für Zentralheizungen. Vom 18. Mai 
1920 ab dürfen für Grundstücke, in welchem sich Zen- 
tralhcizungs- und Warmwasserbcreitnngsanlagen besuchen, 
weitere 20 Prozent der im Bezugsschein festgesetzten Ge 
samtkohlenmenge abgegeben und entnommen werden. Tie 
Bestimmung findet auf Zentralheizungsanlagcn. durch 
welche lediglich Fabrikräume und gewerblichen Zivccke» 
dienende Räume beheizt tverden, Anwendung, sofern der 
Bezugsschein den Vermerk der Kohlenstellc' Groß-Berlin 
trägt: „Belieferung hat gemäß § 2 Abs. 1 der Ver 
ordnung des Kohlenverbandes Groß-Berlin vom 25. März 
1920 zu erfolgen". Museen, Theater, Konzertsäle. Licht 
spielhäuser, und ähnliche Vergnügungsstätten haben, be 
ginnend am 1. Juni 1920, ihre Bezugsscheine gleichzeitig 
mit den für das Heizjahr 1919—20 ausgegebenen Be- 
zugsscheinen der .Kohlenstelle Groß-Berlin zur Erteilung 
des Genehmigungsvermerks vorzulegen. Vom 18. Mai 
1920 ab dürfen an Behörden und die im § 59 der Ver 
ordnung des KohlenverbandeS Groß-Berlin über die Koh- 
lenverteilung für Hausbrand, Kleingcivcrbe und Land 
wirtschaft in Groß-Berlin vom 6. März 1919 gleichge 
stellten Verbraucher, sowie an Kirchen, Kapellen und Sy 
nagogen weitere 30 Prozent der im Bezugsschein festge 
setzten Gcsamtkohlenmenge abgegeben und von ihnen ent- 
vie Briefe der Prinzessin. 
Von E. PH. Oppenheim. 
84 (Nachdruck verd'ten.) 
„Wie aber war sie dazu gekommen, diese Briese zu 
schreiben ? Hatte sie denn die Beziehungen zu dem Jugend- 
geliebten nach ihrer Verheiratung wieder aufgenommen?" 
„Sie hatte von Herberts Schicksal erst erfahren, als'sie 
bereits die Frau Apraxins geworden war, und sie hatte 
sofort die Beweggründe seiner für alle anderen so unver- 
stündlichen Handlungsweise erraten. Verdient sie einen 
Borwurf, wenn sie sich da gedrängt fühlte, ihn um Ver 
zeihung zu bitten für all das Ungemach, das sie über sem 
Leben gebracht? Da sie seinen Aufenthalt nicht kannte, 
schrieb sie an mich und fügte einen für Herbert bestimmten 
Brief bei, den ich ihm nach Afrika nachschickte. Dann, nach 
dem er ihr'geantwortet, schrieb sie ihm noch zweimal, und 
diese beiden Briefe sind es, die ihm auf dem Schlachtfelde 
von Martens entwendet sein müssen. Sie enthielten eine 
offenherzige, eine leider nur allzu offenhenge Schilderung 
ihrer Lage, und mein Bruder beging einen verhangnis- 
vollen Fehler damit, daß er sie nicht auf ^ S^lle vec- 
nichtete. Aber es ist am Ende menschlich zu verstehen, 
daß er sich nicht von ihnen zu trennen vermochte, obwohl 
namentlich der letzte Am ihnen sehr wenig danach angetan 
gewesen war, ihn mit neuer Glückshoffnung und nnt neuem 
Lebensmute zu erfüllen. Denn die Prinzessin hatte ihm 
darin mitgeteilt, daß dies das letzte direkte Lebenszeichen 
sein müsse, das er von ihr erwarten dürfe, und hatte .ihn 
beschworen, an sie fortan nur wie an eine Gestorbene zu 
denken. Damals hatten sich ja jene Ereignisse noch nicht 
zugetragen, von denen ich dir ohne ihre ausdrückliche Er 
mächtigung nicht sprechen darf, Ereignisse, die ihr ein 
weiteres Zusammenleben mit dem Prinzen einfach un 
möglich machten, und die sie bestimmten, die Scheidnngs- 
klage gegen ihn anzustrengen, nachdem es ihr glücklich ge- 
Lungen war, seiner Gewalt zu entrinnen." 
Heinz hatte eine weitere.Frage in Bereitschaft, aber 
noch bevor e, über die ersten Worte hMausgeroinmen war, 
legte Margot ihre Hand auf seinen Arm. 
„Ich höre die Stimme meines Bruders. Sie sind 
also von der Besichtigung der Waffensammlung zurück 
gekehrt, und wir dürfen uns ihnen nicht länger entziehen. 
Du mußt dich vor der Hand mit dem begnügen, was du 
soeben von mir gehört hast, und ich meine, es kann dir 
nicht schwer fallen, alles übrige selbst zu kombinieren." 
„Wohl l Aber eines bist du mir doch noch schuldig. 
Margot: die Antwort aus die Frage nämlich, wann es 
mir vergönnt fein soll, dich als mein geliebtes Weib in die 
Arme zu schließen." 
Sie hatte sich bereits erhoben, und indem sie ihre 
beiden Hände auf die Schultern des vor ihr Sitzenden 
legte, neigte sie ihr schönes Gesicht tief auf das seine herab. 
„Ich werde dir gehören, mein Freund, sobald ich 
gewiß sein kann, daß ich in deinem Leben nicht die Rolle 
des unheilvollen Verhängnisses spielen werde. Denn ich 
liebe dich, und wie mein Herz bis zu der Stunde, da ich 
dich zuerst 'gesehen, nie siir einen anderen Mann ge 
schlagen hat, so wird es bis zur Stunde meines Todes nie 
einem anderen Manne gehören. Das ist alles, was ich 
dir heute auf deine Frage antworten kann. Und wenn 
du mich lieb hast, wirst du keine andere Antwort von mir 
verlangen." 
„Wohlan denn, so weiß ich doch wenigstens, für was 
ich zu kämpfen habe, und welches der Preis meines Sieges 
sein wird. Morgen früh fahre ich mit deinem Bruder nach 
Berlin, und ich gelobe, daß du mich nicht früher wiedersehen 
wirft, als bis ich auch den letzten drohenden Schatten von 
deinem Lebenswege verscheucht habe." 
Sie küßten sich heiß und lange. Dann machte sich 
Margot mit einem zärtlich bittenden Wort aus seinen Armen 
frei, und sie kehrten zu den anderen zurück, die im großen 
Empfangssalon ihrer harrten. 
32. Kapitel. 
Vor dem Anhalter Bahnhof in Berlin verabschiedete 
sich Heinz von Herbert Er hatte Wehringen angeboten. 
W seiner Wohnung zu bedienen; Herbert jevvch hatte mit 
der begründeten Bemerkung abgelehnt, daß sie ihre Gegner 
nur unnütz auf ihn aufmerksam machten, wenn er mit 
Heinz zusammen wohnte. So fuhr denn Hollfelden allein 
v, die Rankestraße hinaus, während Herbert sich in ein 
Hotel begab. 
Auf der Treppe traf er mit Paul Martens zusammen. 
Mit flüchtigem Gruß gingen sie aneinander vorüber; aber 
Heinz nahm doch wahr, daß der Kleine, der schon bei 
seinem Kommen elend und verhungert ausgesehen hatte, 
sich in der Zwischenzeit nicht zu seinem Vorteil veränder 
hatte. Die Kleider seines Bruders schienen ihm noch weiter 
geworden zu sein, und unter den Augen, die einen Blick 
tödlichsten Hasses auf Hollfelden warfen, lagen schwarze 
Schatten, die von durchwachten Nächten zeugten. Er suchte 
zwar die Lippen zu einem herausfordernden Lächeln zu 
verziehen, während er an Heinz vorüber die Treppe hinab 
ging; aber es wurde doch nur eine verzerrte Gümaffe der 
Wut — der Wut darüber, daß sein verzweifeltes Forschen 
und Suchen noch immer ohne Erfolg geblieben war. 
Heinz öffnete mit einem Schlüssel die Tür, und aus 
das Geräusch hin, das sein Eintritt verursachte, kam die 
Aufwärterin herbeigestürzt. 
„Ja, ist der Herr wieder da!" begrüßte sie ihn und 
nahm ihm seinen Koffer ab. „Ick hab jedacht, der Herr 
wollte jleich 'n paar Wochen wegbleiben? Na, aber 
ordentlich braunjebrannt, det muß man schonst sagen!" 
Heinz ordnete vor dem Spiegel ein wenig seine Toi 
lette und sagte dabei: 
„Ich mußte aus geschäftlichen Gründen zurückkommen, 
Frau Frieffcke! Ist in der Zwischenzeit jemand hier ge 
wesen ?" 
„Ja, det können Se sich doch denken, Herr Hollfelden! 
Jleich 'n zweiten Tag kamen ch paar Herren, die Sie 
besuchen wollten. Ick habe die Karten da in die Schale 
jelegt. Ja, und denn war zmeemal ein Herr da, der durch 
aus wissen wollte, wo Se hin wären, Bombroski oder so 
ähnlich hieß er." 
Heinz wandte sich unaeslAn.
        
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