Path:
Periodical volume Nr. 19, 22.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Ktadt zu ziehen. Es scheint, als ov unter 'den Verlegen- 
Netten der Gegenwart jedes Denken an die Zukunft er 
stickt worden ist. Als einzigen Lichtstrahlc in dem Dunkel 
unserer Ernährungs- und gesamten Volkswirtschaft leuch 
ten die Arbeitsfreudigkeit und die Unternehmungslust des 
selbstwirtschaftenden landwirtschaftlichen Unternehmers, die 
trotz aller schlimmen Erfahrungen bislang nicht haben 
ertötet werden können. Sie zu heben irnd zur wirkungs 
vollen Entfaltung zu bringen, muß. den Kernpunkt un 
seres gesamten Wirtschaftsprogramms bilden. Lieferungs 
prämien und ähnliche Verlegenheitsmaßnahmen sind frag 
würdige Notbehelfe und dürfen das einzige Heilmittel 
für unseren totkranken Wirtschaftskörper, die Einsetzung 
der freien Wirtschaft und Lösung der Preisbindungs- 
fesseln, nicht aus dem Auge verlieren lassen. Die Lage 
ist zweifellos überaus ernst, da, wie Exz. v. Braun in 
sachkundigster Weise im „Tag" nachweist, uns mindestens 
der Bedarf zweier Monate an Brotgetreide fehlt und 
entgegen der irreführenden Angabe des Unterstaatssekre-- 
tärs Hirsch die Reichsgetrcidestellc noch nicht einmal jetzt 
genügend Getreide für die Versorgung der Kommunal 
verbände im Februar in Händen hat. Mer auch für die 
Brotsruchteinfuhr, der wir bei der unsinnig herunterge 
wirtschafteten Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft 
nicht entraten können, ist noch nichts geschehen, und die 
Kartofselversorgung liegt vielerorts ganz im Argen. Ist 
somit die Lage für das laufende Versorgungsjahr unter 
der Herrschaft der Zwangswirtschaft aufs äußerste zu 
gespitzt, so eröffnet sie für das kommende Jahr geradezu 
trostlose Ausblicke. Deutschland kann den Kampf gegen 
den Hunger nur durch seine Landwirtschaft, die durch 
eine umsichtig gehandhabte Einfuhr landwirtschaftlicher 
Hilfsstoffe unterstützt werden muß, führen, und deshalb 
muß jetzt in letzter Stunde unverzüglich und unwider 
ruflich der Zeitpunkt bekanntgegeben werden, zu dem die 
unheilvolle Zwangswirtschaft, wenn sich ihre rücksichts 
lose Aushebung tatsächlich nicht durchsetzen lassen sollte, 
ihr Ende findet. Einsicht der Verbraucher in die Zweck 
losigkeit und Schädlichkeit der Bewirtschastungsmaßrcgeln 
und die Bereitwilligkeit der Gesamtheit, entsprechende Opfer 
zu bringen, sind die ersten Voraussetzungen für die Ab 
wehr der drohenden Hungersnot. M. z. Tp. 
o Fricd-pmMer Erfinder. (Patentschau, zusammenge 
stellt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, 
Große Frankfurter Str. 59.' Erwin Löpclmann, Rubens- 
straße 18. Verfahren zum Vernähen der um die Mittel 
linie umlegbaren Manschetten an Hemdärmeln. Angem. 
Patent. Ernst Dworsk», Varzinerstr. 5. Zündholz-» 
schachteln. Angem. Patent. Karl Morawe, Nicdstr. 15. 
Verfahren und Vorrichtung zum gleichmäßigem Verteilen 
von Gasen und Flüssigkeiten. Ert. Patent. — Fritz Pelck- 
mann, Evasstr. 5. Elektrischer Gasherdanzünder. Ert. Pak. 
— Paul Schlenzka, Rheinstr. 22. Tagebuch. Gebrauchs 
muster. Ellen Struve, Feuerbachstr. 11. Handwebvor- 
richtung. Angem. Pat. — Paul R. Meyer, Hertelstr. 6, 
Steuerung für Druckluftwerkzeuge. Angem. Pat. — Eduard 
Roepert, Frcgestr. 73. Rechenmaschine Gebrauchsmuster. 
— Hermann Worch, Taunusstr. 5. Durch eine Kurbel 
angetriebener, an schräg angeordneten Federn aufgehängter 
einteiliger Strohschüttler für Dreschmaschinen. Angem. 
Patent. — 'Franz Findling, Kaiserallcc 110. Auftrag 
bürste. Ert. Pat. — Bertalan Duschnch, Büsrngstr. 13. 
Metallfadcnglühlampe. Ert. Pat. — Theodor Bielitz, Born- 
straße 3. Gerät zum Zerschneiden von Kartoffeln und 
anderen Knollen oder Früchten in Scheiben. Gcbrauchsm. 
o In der Volkshochschule Friedenau beginnen am 
heutigen Donnerstag zivei Vortragsreihen. Nachmittag um 
5 Uhr bespricht Fräulein Neelsen an der Hand von 
Lichtbildern deutsche Maler, beginnend mit Dürer. Abends 
8 Uhr spricht Herr Dr. B ü s i n g, der sich schon durch 
seine glänzenden Vorträge im vorigen Lehrgang zahlreiche 
Freunde erworben hat, über Philosophie ‘ als Welt 
anschauung. Es sei noch gleich darauf hingewiesen, daß 
am Sonnabend die Vorträge des Herrn Oberlehrer D i e h l 
„Eharalterbilder aus der alttestaincntlichcn Rcligions- und 
Literaturgeschichte" ihren Anfang Lehmen. Die Vorträge 
finden sämtlich im Gymnasium am Maybachplatz statt. 
Eintrittskarten für die ganze Vortragsreihe im Preise 
zu 4 M. und Einzelkarten zu 1 M. für den Abend sind 
an der Abendkasse zu haben. 
o Ter Bezirk „Westliche Vororte" des Verbandes der 
weiblichen Handels- und Büroangcstcllten hatte am Dieitr- 
tag, den 13. Januar, zur Einwcihungsfeier seines neuen 
Bezirkshcims „Rheineck", Rheinstr. 39, eingeladen. Diesem 
Rufe waren trotz der Verkehrsstockungen eine Anzahl Mit 
glieder mit ihren Angehörigen gefolgt, die schon äußerlich 
durch ihr Fcstgewand zeigten, daß der Alltag abgestreift 
und die Seelen zur Aufnahme reiner Freude bereitet 
waren. Sie sollten nicht getäuscht werden, denn nach den 
herzt. launigen Begrüßungsworten der 1. Vorsitzenden bot 
zu verheimlichen. Ewald und Alice unternahinen cs daher 
der Mutter die Nachricht in fchonendfter Weife beizubringen 
Zu ihrer Ueberraschung nahm Frau Helen die Mitteilung 
ruhiger auf, als sie erwartet hatten, ja, sie atmete gewisser 
maßen auf. Endlich doch ein Lebenszeichen in bezug au> 
ihren Mann! Der quälende Gedanke, daß er vielleicht gai 
nicht mehr am Leben fei, wer von ihr genommen.. E> 
war gefangen, ja, aber doch nicht von diesem skrupelloser' 
Menschen, dem Iennings, sondern von einem persischer 
Räuberstamm. Der hatte offenbar ein Interesse daran, ihr 
am Leben zu erhalten. Sonst würde er ihn nicht ge 
fangen, sondern sofort getötet haben. Man würde ihn alsc 
auslösen oder sonst auf irgendeine Weise befreien können' 
Dazu mußten Mittel und Wege gefunden werden. Schor 
jetzt begann ihr Geist geschäftig Pläne zu schmieden, unk 
wenn sie auch im Augenblick noch gegenstandslos waren 
hatte ihr Leben doch wieder einen Zweck, denn sie duritc 
hoffen. 
Endlich kam der Brief, und in ihm nicht nur die 
Mitteilung über die Vorgänge bei Persepolis durch Dr. 
Wilson, sondern auch das Schreiben des lieben Vaters aus 
Shiraz und, was wichtiger war, feine stenographische Mit- 
teilung über die Absperrung feines Weges durch Iennings 
und die Baharlus und., über das Versteck der Dokumente. 
Alles erschien', jetzt in neuem Lichte. Es war den 
Räubern nicht..gelungen, Werner die Dokumente abzu 
nehmen oder sie wenigstens zu vernichten. Sie hatten also 
keinen Nutzen davon, wenn sie ihn töteten, sondern im 
Gegenteil, si.- wußten ihn an: Leben erhalten, bis er, um 
sich zu befrei?:,, thuen.das Versteck verriet. Es schien also 
eine neue Bürgschaft für das Leben und die gute Behand 
lung des Gefangenen gegeben, und man konnte iu aller 
Ruhe die Vc-rocreilungcn zu. seiner Befreiung treffen. 
Mit fieberhaften!'Eifer ging man an die Prüfung aller 
Möglichkeiten. Niemand beteiligtesich eifriger an dieser Be 
ratung als Frau Helen. Daß man kick» nickt aut die 
Maximilian Paulus Perlen seiner Kunst. „Blutregeu", 
ein aus tiefstem Empfinden heraus geborenes Gedicht, von 
ihm selbst, bildete den Anfang. In einem Märchen von 
der „Frau Zeit" lernten wir eine geistvolle in Danzig 
lebende Dichterin Elsa von Bockelmann kennen und zwischen 
die Fäden der Trauer, die ims in diesen Tagen mit Dan 
zig verbinden, ziehen lichte Goldtönc der Dankbarkeit, die 
für Elsa v. Bockelmanns Märchenangen sicher erkennbar 
sein werden. Aber lote verstand es Maximilian Paulus 
auch, alle die Gestalten des Märchens herauszuarbeiten! 
Welche Schlichtheit und Klarheit! Man meinte, sie eben 
gesehen zu haben, denen Frau Zeit Leichtes und Schweres, 
Hoffnung. Last und Erkenntnis bedeutet: das um dsn 
Tod der Mutter klagende Mädchen, das alte Müttcrlein, 
den Schreiber, den Gelehrten, den Dichter und viele andere. 
Eine junge Kollegin, Fräulein Kanne, brachte einige 
humoristische Gedichte voller Temperament zu Gehör und 
erntete ebenfalls reichen Beifall. Den Uebergang zum 
nachfolgenden Tanz bildeten von Maximilian Paulus ver 
faßte, vertonte und von ihm selbst gesungene Lautcn- 
licder: Tternguckerlied. Wanderlied, der Postillon d'Amour, 
ein Wiener Walzer, das Gerücht usw. Diese voltslieder 
artigen Charakter tragenden Schöpfungen zeigten uns, 
wieviel deutsche Innigkeit und Poesie in unserem Volke 
schlummert. Man muß nur wachen und reinen Sinnes zu 
lauschen verstehen, um die schneeweißen Glocken läuten zu 
hören, die aus der Saat des Krieges sprießen. Das Tänz 
chen hielt die Anwesenden bis Eintritt der Polizeistunde 
iu heiterer Geselligkeit und dem Gefühl der Zusammen 
gehörigkeit vereint. 
o Der 2. Teil des Films: „Tie Herrin der Welt" 
(betitelt: „Die Geschichte der Maud Gregaards") wird nur 
noch heute Abend im „Rheinschloß" gespielt. Von morgen 
ab bringen die Rhcinschloßlichtspiele die Geschichte einer 
kleinen Japanerin: „Harakiri" zur Vorführung. 
Oberschlesier.' 
Der Tag rückt immer näher, an dem ihr über das 
Wohl und Wehe Eurer Heimat bestiinmen sollt. Keine 
Stimme darf fehlen. Ehrenpflicht eines jeden ^ O'ber- 
schlesiers ist es, zur Abstimmung zu fahren, insbesondere! 
da freie Reise, Verpflegung und Unterstützung gewährtj 
wird. Jeder lasse sich in unsere Listen eintragen und 
gebe seine Adresse und die seiner Bekannten der Centrale 
d. V. der heimatstreuen Oberschlesier Groß-Berlin. Ber 
lin S. l4. Kommandantenstr. 35, ab. 
Vereins-Nack-riMsn 
)( Pfadsinder-Abteilung (Ev. B. j. SM.) Donnersrag, 6 Uhr 
Pflicht,crsammlmig aller Mitglieder auf der Turnhalle Goßlerstr. 
(Kriegsküche) Sonnabend ö—7 Uhr Heimabend. Lichtbildervortrag: 
Herr Ms. Dübering „Mit Lettow-Borüeck in Afrika". Sonntag 8*' 
bis 1 Uhr Psadfindcr-Spicle int Gruncwald; bei ungünstigem 
Wetter Museumsbcsuch. Einteilung Sonnabend, 
t- )( Bolkshochschul-Frauenchor. Nächste llbungsstunde Freitag, 
den 23. d. Mon. abends 8 Uhr im Gesangsaal dcS Luisen LyzeumS. 
)( Der Vortragsabend der vereinigten Lranenvereine von 
Friedenau (Eoangcl. Frauenhilfe, ev. Jungfrauenverein, Haus- 
frauenverc-in, Bat. Frauenverein, Kathol. Frauenbund und Isra 
elitischer Frauenbund), in welchem Frau Abg. Lotte Garnich über: 
„Tie Wahlen zu den Elrcrnbeiräten", spricht, findet morgen Frei 
tag, abends 8 Uhr in der Aula der Königin Luise-Schule fftatt. 
AÜe Eltern sind hierzu eingeladen. 
)( Ueber: „Frauenbrldungsreform" finden in einer öffentlichen 
Versammlung dcS „Bundes entschiedener Schulresormcr" am 
24. Januar, abends 7 Uhr in der Aula dcS Werner Siemens- 
realgymnasium, Berlin-Schöncbera, Hohenstauscnstr. 47/48, ver 
schiedene Borträge und freie Aussprache statt. 
X Mänuer-Turn-Verciu E. V (Sport-Abteilung F/W.) Bei 
den Hockeyoerbandsspielen (Ausscheidungsrunde der Ligatlaffe) 
blieb die 1. Manschast obigen Vereins kampflos Sieger über die 
Berliner Tnrnerschaft, da die letztere nicht antrat Die 2. Mann 
schaft schlug im Gesellschaftsspiel den Berliner Ballspiel-Club is 
mit 5 : 2 Toren (Halbzeit 3:1). — Am kommenden Sonntag, den 
25. l. spielt die t. Manschaft gegen den Tennis- und Hockey-Ciub 
Friedenau, um 1t Uhr vorm, auf dem B. B. C.-Platz Mariendorf. 
Me 2. Mannschaft hat aus dem Spielplatz Offenbacherstr. um 9" 
S. E. C. 1t zum Gegner. » 
Verlm unck ^ororre 
ZA Die Wilmcrsdorfcr Stadtverordnetenversammlung 
beschäftigte sich in der gestrigen Sitzung zunächst mit einem 
Antrage dcS Stadtv. Lüdemann (Soz.), den Mitgliedern 
der Schnldcputation das Recht zur Teilnahme an der 
Schulaufsicht in weitestem Maße einzuräumen. Nahezu 
einstimmig wurde folgender Ausschußantrag angenom 
men: „Der Magistrat wird ersucht, dahin zu wirken, 
daß den Mitgliedern der Schuldeputation die Möglichkeit 
gegeben werde, Einsicht in die Verhältnisse der einzelnen 
Schulen zu gewinnen und zwar: aj in bezug auf Bau 
lichkeiten, Schulhygiene,. Ausstattung und Sammlungen, 
b) durch Teilnahme an Jugendvcranftaltungen und Elt'ern- 
■mm i 
persischen Behörden dabei verlassen-durfte, war zweifellos 
Man mußte eine Art Expedition, womöglich unter dem 
Deckmantel einer Forschungsreise, nach Persien senden 
Dazu konnte man, wenn man nur keine Gcldansprüche 
stellte, zweifellos auf die Unterstützung der Regierung 
rechnen. Aber wer sollte der Expedition persönlich an 
gehören? selbstverständlich Ewald und Achim. Das war 
aber nicht genügend. Es gehörten noch andere, womöglich 
auch militärisch geschulte, jedenfalls mit der Waffe vertraute 
Leute dazu, damit man der Gewalt im Notfall Gewalt 
entgegensetzen konnte. 
Erst die späte Nacht machte der Besprechung ein Ende, 
und als sie das Lager bereits aufgesucht hatten, hiest die 
Erregung sie noch länge tstack. 
Die Sonne schien schon hell in Frau Werners Schlaf, 
zimmcr hinein, als Alice, die es mit ihr teilte, durch einen 
entsetzlichen -schrei geweckt wurde. Sic fuhr aus tiefem 
Schlummer empor und trckute ihren Augen kaum, als sic 
die Mutter ausidcm Bette sitzen sah, die Blicke starr mit dem 
Ausdruck höchsten Entsetzens auf einen Fleck gerichtet, die 
Hände abwehrend ausgestreckt. 
„Mutter, Mutter." riet das junge Mädchen angstvoll, 
was ist dir, um Gotte» willen, sprich!" 
..HiEe. »u ststss," kreischte Frau Werner, „rettet ihn! 
Die Unglünliche brach zuckend zusammen. Alice warf 
die notwendigsten Kleider um und öffnete unter lauten 
Hil'cnisen di? Tür. Wenige Minuten später waren Ewald, 
der Oberst, seine Kinder herbeigeeilt, man hatte einen Boten 
ZUN! Arzt geschickt und wendete bis zu-seiner Ankunft die 
zu Gebote stehenden Hausmittel an. 
Es konnte nicht zweifelhaft sein: die Unglückliche hatte 
im Traume, erregt durch die Besprechungen des vorher 
gehenden Abends, ihrer überreizten Phantasie freie!: Spiel 
raum gelassen und hatte die erhaltenen Nachrichten mit 
den Mitteilungen verwoben, die ihr ihr Mann über die bei 
den Persern zur Erpressung von Geständnissen üblichen 
beiratsitzungeu. Ei» Mchr, dem Unterricht beizuwohnen, 
steht den Mitgliedern der Schuldeputation iticht zu." Einen 
breiten Raum in den Verhandlungen beanspruchte die Be 
ratung eines demokratischen Antrages aus Schaffung eines 
Gemeindeblattes und Begründung einer srädti- 
cheir-Druckere!.-Nach einer längeren Aussprache, in 
der Demokraten und Sozialdemokraten gegen, Bürger 
liche für die „Wilmersdorfer Zeitung" sprachen, wurde 
>er Antrag einem Sonderausschuß von 13 Mitgliedern 
überwiesen. Eine Anfrage des Stadtv. Dr- Leidig (Freie 
Vg.) und Genossen über die vom Magistrat zn unter 
nehmenden Schritte gegen die durch den Gesetzentwurf 
Groß-Berlin drohende völlige Vernichtung der kommunalen 
Selbständigkeit Wilmersdorfs wurde zurückgezogen. 
Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte den Stadt- 
sverordneten ferner 7 M. Sitzungsgeldcr. 
§o „Tie Leistungsgrenze von Auge, Fernrohr und 
Mikroflop", lautet das Thema des Experimenkal-Bort-t 
träges, den Herr Physiker Dr. W. Bolkman^r am Sonn 
abend, den 27. Januar, abends 7>H Uhr, im großen 
Hörsaal der Treptow-Sternwarte hält. Mit dem großen 
Fernrohr wird bis 5 Uhr der Mond, abends der Planet 
Jupiter mit seinen 4 großen Monden und interessanten 
Aequatorial-Streifcn beobachtet. Kleinere Fernrohre stehen 
zur Beobachtung beliebiger Objekte kostenlos zur Ver- 
sügung. ^ ' 
ZvUtonUm 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantloortung.) 
Haferflocken. 
Es ist erstaunlich, daß noch leine Hausfrau ihre 
Empörung über die schlechte Beschaffenheit der von der 
Gemeinde auf Karten gelieferten losen Hafcrflockeu aus 
gesprochen hat. Dieselben enthalten Hunderte von harten, 
spitzen Spelzen, die trotz häufigen Waschen» nur mangel- 
hast zu entfernen sind. Abgesehen davon, daß durch das 
Waschen die besten Nährstoffe abgegossen iverden, lassen 
sich die Spelzen dadurch nur zum kleinen Teil entfernen, 
und der aus solchen Haferflocken hergestellte Brei oder 
die Suppe ist, besonder» für Kinder, ein geradezu gefähr 
liches Essen, weil die spitzen Spelzen in Gaumen und 
Speiseröhre stecken bleiben und heftige Husten- ja Er- 
stickungSfülle hervorrufen. Aus diesem Grunde habe ich 
heute eiu nahrhaft gekochtes Gericht, bestehend aus 2 Pfd. 
Haferflocken (obwohl 5 mal gewaschen und l Pfd. Back- 
pflaumeu (M. 6,20) weggeworfen, um niemanden in Ge 
fahr zu bringen. Warum wird solche Ware von der Ge 
meinde abgenommen? Die in Paketen mit Firma des 
Herstellers gelieferten Haferflocken waren stets vorzüglich. 
Eine Hausfrau. 
(ES ist leider eine feststehende Tatsache, daß nach der 
Freigabe de» Hafers sich die Haferflocken erheblich ver 
schlechtert haben. Unsere Gemeinde aber muß die. Ware 
so annehmen, wie sic ihr geliefert wird. Schriftl.) 
Vermisstes 
' Die Aothilfe bet Hochwasser. Aus Köln wird gemeldet: 
Da hier eine ausreichende Organisation zur Bekämpfung der Hoch 
wassergefahr nicht bestand, ergriff der Leiter der hiesigen'Technischen 
Nothilje mit dem deutschen Brückenkopfoffizier entsprechende Schutz 
maßnahmen. In Eile wurde die hiesige Landesbezirksstelle der 
Technischen Nothilfc zn einer Zentrale für die Hochwassergefahr 
umgestellt, an der alle Nachrichten und Fäden der Hochwaflcr- 
bekämpfung zusammenliefen. Die Bauunternehmer wurden veran 
laßt, für die überschwemmten Teile Stege zu bauen, Aufrufe in den 
Zeitungen forderten BootSsübrcr und Besitzer von Kähnen und 
Kraftwagen zur unverzüglichen Meldung auf. Daraufhin ivurde 
ein planmäßiger unentgeltlicher Vootsrerkehr eingerichtet, während 
bis dahin „wilde" Bvotsführer unerschwingliche Summen gefordert 
batten. Tic Feuerwehr wurde auf die zusammengeholten Pumpen 
verteil:, die einlaufenden Hilferufe nach Lebensrnitteln und Brenn 
stoffen wurden der aufgeforderten privaten Fürsorge zugewiesen, 
die Obdachlosen mit Hilfe LeS Wohnungsamtes untergebracht. Beim 
Sinken des WasscrS wurden noch weitere Pumpen von den Tief- 
bauunternchmern zusammengebracht uird damit planmäßig die 
Wohnungen vout Wasser wieder befreit. Ter Oberbürgermeister 
sprach seinen öffentlichen Tank für diese wirkliche Hilfe in der 9lot 
aus, die keine andere Organisation so talkrästig zu leisten imstande 
gewesen war. 
* Abgewinkt. „Ich darf also morgen mit Ihrer Mutter sprechen, 
Fräulein Lili?" „Ja, ich glaube aber nicht, daß sie wieder heiratet." 
Berantw. Schriftleiter: Her m. Mar riniuS in Friedenatr. 
Bekanntmachung. 
Auf Grund der Ermächtigung des Preußischen Mi 
nisters für VolkSwvhlfahrt vom 4. Dezember 1919 — 
St. 4. 4686 — und de» Beschlusses des VerbandsauS- 
Foltcraualcn nach seiner ersten Reise durch das Land ge 
macht hatte. 
Als der Arzt anlangte, konnte er nur wenig Hoffnung 
geben, daß der geschwächte Körper der Armen der furcht 
baren seelischen Erregung würde widerstehen können. In 
der Tat versank die Kranke nach Ueberwindung des heftigen 
Fieberansalles in dumpfe Teilnahmlosigkeit, die Schwache 
wuchs in beängstigender Weise, und am nächsten Morgen 
hauchte die Dulderin, ohne wieder zum Bewußtsein gelangt 
zu sein, den letzten Atemzug aus. 
* 
Schlage völlig geändert. Als .Kurt von Born einen kost 
baren Blumenschmuck für den Sa-g sandle, al» er seinen 
Trauerbcjilch machle und sich endlich als Leidtragender dem 
Trau erg efsige anschloß, konnte man ihn unmöglich zurück 
weise:!, oi);.c ihn oirefe der gegen seinen Better und dessen 
Famitie unlc.no:.uuencu Machenschaften zu beschuldigen. 
Dafür fehlte aber, wie selbst Oberst von Lcppel zugeben 
mußte, jeder direkte Beuusts. Und wenn auch gewichtige 
Lerdachi»gründe gegen ihn vorlagen, die bisher den Be 
teiligten fast unerschütterlich erschic: ... so sprach doch 
das Verhalten des.Hang:mattn;. seil den Vorgängen in 
Abbeville und besonders sein offenes, ihm von niemandem 
abverlangtes Anerkenntnis der Wernerschen Ansprüche so 
sehr für seine Aufrichtigkeit, daß selbst der Oberst schwankend 
geworden war. Wozu sollte dieser Mann eine Reihe der 
unerhörtesten Berbrechen angestiftet haben, wenn er jetzt 
aus freien Stücken auf alles verzichtete, was er dadurch 
hätte erreichen können, und das zu einer Zeit, wo Werner 
wirklich in der Gewalt seiner Feinde war und wo Kurt 
unmöglich etwas davon wissen konnte, daß die Familie von 
dem Versteck des zweiten Testamentes unterrichtet war. 
/Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.