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Periodical volume Nr. 116, 27.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

tzehung fci'r .meidenden Sielle nute» allen Umständen ver 
mieden u.ivb. (5* ist Aufgabe.des Bernfsamtes, das eine 
offen? Lehrstelle meldete, sich sofort mit der anderen Be- 
. ratungSftclk, die den Bewerber gemeldet hat, in Verbin 
dung zu sehen. In dieser Weise" soll der zwischenöriliche 
Lelvstellenansgleich erfolgen. In besonders dringlichen 
Fällen wird aber auch der Fernsprecher bennht iverden, 
inn bei einem benachbarten Berussaint: direkt den Lehr- 
stellenanögleich zu erwirken. Tiefes Verfahren wird,bc- 
reits seit einigen Wochen zwischen dein Friedenancr und 
Steglitzer Bernfsaint angewandt. Mit dieser Aenrcge- 
Inng des Lehrstettciimgrtles wird unser Bernfsaint in 
den Stand gesetzt, auch ans Berlin und ans den grösse 
ren Vorortgeineinden Lelirstelleir größerer und kleinerer 
s'Betriebe zu erhalten. Bisher wurde es stets als Orga- 
nisalionsfehler einpsnnden, daß dem Bernfsaint Lehrstellen 
ans anderen Gemeinden, die ans irgend welchen Grün 
den nicht beseht werden konnten, garnicht oder in ganz 
Verschwindend geringen! Mäste zur Verfügung standen. 
Tie beim Berufsamt sich meldenden Jugendlichen haben 
also nunmehr fast stets, die Aussicht, ihren Fähigkeiten 
und Wünschen entsprechend geeignete Lehrstellen zu er 
halten, und wiederum können die Arbeitgeber mit der Be 
setzung der gemeldeten offenen Lehrstellen ebenso bestimmt 
rechnen. Jedenfalls wird das Bernssamt redlich bemüht 
sein, auch mit dein Lehrstelleiiansgleich in den weitesten 
Kreisen 'der Beteiligten Vertrauen zu erwecken. Jeder 
Einzelsall wird besonders behandelt. Ter Ausgleich wird 
sicher ein unentbehrliches Glied in der Aufrechterhaltung 
unseres Wirtschaftslebens werden. 
o Die Sitzungen unserer Gcmcindcbcrlrctnng im Juni 
finden nicht am 0. und 1 /., sondern voraussichtlich erst 
am 10. und 21. statt. 
o Tie Preise für Kunsthonig und Marmelade. Vom 
hiesigen Lebensmittelamt (gez. Friede!) erhalten wir ans 
das gestrige Eingesandt in unserer Zeitung „Lebensmittet- 
. Wucher" folgende Erwiderung: Es ist richtig, das: bei 
der letzten Ansgare von Kunsthonig auch Beste früherer 
Lieferungen mir zur Ausgabe gelangt sind. Diese Neste 
zum.alten Preise auszugeben, schien nicht tunlich, weil 
dabei ein Teil der Bevölkerung die Ware zu billigeren 
Preisen hätte erhalten müssen, als der andere Teil". Es 
, hätte allerdings ein Durchschnittspreis für die gesamte 
Bevölkerung festgesetzt werden können, der dann etwas 
unter dem Höchstpreise gelegen .hätte. Wir haben aber 
einen anderen Ausgleich gewühlt.' Wie bei dem Kunst 
honig, so verhält es sich auch bei der Marmelade. Auch 
hier halten wir Reste ans früheren Lieferungen. Ter 
Höchstpreis für Marmelade beträgt jetzt 6,20 M. Wir 
geben nun in dieser Woche dis Marmelade noch einmal 
durchweg zum alten Höchstpreis von. 0,70 M. ans. 
v Belm Weitaus von losem FeigeiTeisce sind nach 
einer Bekanntmachung der Aohstosf-Verteilniigsstelle der 
Kaffee-Ersatz-Jndnstrie 0). m. b. H. die für andere Kaffee 
ersatz!» utel als solche ans Getreide, Malz oder Mais 
für lose Ware festgelegten Höchstpreise eiikznhalten. 
cp Dass Eiserne Kreuz 1. Blasse -ist noch nachträglich 
dein Major a. T. v. Bismarck, Sieglindestrahe 7, ver 
liehen worden. 
o Gegen dar- Brkieöen von öjsciSltchün Bauten mit 
Wahlzettern wendet sich ein Ausruf des .Berliner Ma- 
gcstrats. Er fordert die Einwohnerschaft ans, -zur Scho 
nung des wertvollen öffentlichen Esgentnins und zur Ver 
meidung der ungeheuren RcinignngS-" uȀ "Wiederherstel 
lungskosten Brücken, Springbrunnen und Denkmäler von 
der Betlebnng frei zu lassen. 
v Dir Gros berliner Stadtverordnctenw ahlcn werden 
„politisch" geführt lrcrdcn. Tie vom Bürgerrat befür 
wortete bürgerliche Einheitsfornt konnte nicht erzielt wer 
den. So >oie die Sozialdcnivkraien getrennt in den Wahl 
kampf gehen, lvcrden es auch die bürgerlichen, Parteien 
tun, die Deutsche Demvtralische Partei, die Teutsche und 
die Tentschnationate Voltsparlci. Zn den politischen Par 
teien^ dürsten in einigen Gemeinden .noch lvirtschnftliche 
Vereinigungen hinzukommen/ die »fast ansschliestlich .Ver 
treter deS gelvcrblichen Mittelstandes auf den Schild er 
heben. Mit. Bestimmtheit lägt sich dies schon jetzt für 
Eharlottenbnrg und S cb ö n c b c r g - Fr i e d c n a n sagen; 
doch werden diese Vcreinignngcn keinen bedeutenden Ein- 
stust erringen können, umsoweniger als die politische: 
Parteien es ablehnen dürsten, für die Stadtliste eine 
Verbindung mit ihnen einzugehen. Eine solche Listen- 
Verbindung ist nach dem Gesetz Grvß-Bcrlin' nur für 
den Stadtwahtvorschtag und für die Bczirksveroroneten- 
wahlen in . den einzelnen Verwaltungsbezirken, nicht aber 
für die Kreiswahlvorschläge der Stadtoerordneten zu 
lässig. Soweit sich bisher übersehen last, werden in 
diesem Sinne ihre Listen vvranssichrlich nur die Deutsche, 
die Tentschnationale Volkspartei und das Zentrum ver- 
tmvzwaiizig Stunden auch zu meinem Stiefvater ge 
drungen, und er halte durch eine Indiskretion glcichzeilig 
von der Duellverwcigcrimg Herberts Kenntnis erhalte». 
Aber er hatte dem Gerede nicht geglaubt, weil er es für 
unmöglich hielt, das; d» deutscher Offizier, das; vor ailenr 
ein Diciiin, aus dessen Erziehung er selbst entscheidenden 
Einslus; ausgeübt halte, solcher Handlnnasmcisc fähig sei. 
Er forderte Aufklörnng von meinem Bruder, und als 
Herbett ihm wiederholte, was er zuvor seinem Oberst ge 
sagt, geriet inein Stiefvater, der damals selbst noch aktiver 
Offizier war, in einen so maßlosen Zorn, wie er bei dem 
ruhigen, immer beherrschten und immer gütigen Manne zu 
den allergrößten Seltenheiten gehörte. Die Szene endete 
1 damit, das; er Herbert eine zweistündige Frist setzte, inner 
halb deren' er sich auf die Pflichten der Ehre und der 
Ritterlichkeit besinnen solle. Würde er auch nach Ablauf 
dieser Zeit auf seinem Entschluß beharren, der nach meines 
Stiefvaters Meinung keine andere Deutung zuließ als die 
der schmachvollsten Feigheit- so wäre damit zugleich jedes 
»Band zwischen ihnen zerschnitten und die Tür seines Hauses 
dem Unwürdige» für immer verschlossen, 
i Ohne ein Wort der Erwiderung verließ rnein Bruder 
auf diese Erklärung hin das Zimmer. Ich aber, erschreckt 
durch den Klang der erregten und zornigen Stimmen, 
hatte draußen im Ne'oengemach gehorcht, und ich ließ 
Herbert nicht fort, ehe er mir alles erzählt hatte. Und 
mir, die ich von jeher seine Vertrante und seine treueste 
Freundin auf Erde» gewesen war, mir allein vssenbarte er 
in jener Stunde, was ihn bestimmte, lieber das Odium der 
Feigheit auf sich zu nehmen und aus die Fortsetzung einer 
glänzenden Laufbahn zu verzichten, als gegen den Ber- 
tobten Marias zum Kampf auf Leben und Tvd in die 
Schranken zu treten. Die Worte, deren er sich bediente, 
waren fast dieselben, die ich vorhin aus deinem Munde ge 
hört habe. Auch nachdem sie ihm die beschworene Treue 
(LebroHen, Land, ihr Llück ihm höher als sein eigenes 
binden, während eine Listciiverbindüng mit der Demokrati 
schen Partei nirgendwo zustande kommen dürfte. — Für 
.die Stadt liste, die in allen Wahlkreisen zu wählen 
ist, Und die Parteien auf der Suche nach hervorragenden 
Vertretern großer Bcrufsständc und erfahrenen Kommu- 
ualpoliiikern. Manche Periönlichteit, die bisher im Gro.ß- 
Berliner Leben eine Rotte gespielt hat, lvird in das 
Stadtparlament des neuen Berlin nicht einziehen. 
oth Die Tätigkeit der Eltern sciräte. In mehreren 
Gemeinden Groß-Berlins haben die Elternbeiräte bereits 
zweckmäßige Anregungen und Anträge an die Schntver- 
waituiigen ' gerichtet. Tic Steglitzer Gemcjndevertre- 
tun; wird sich in ihrer nächsten Sitzung mit derartigen 
Antrügen bdchüftigen. Sv hat der Elternbeirat des Steg 
litzer Gymnasiums der Gemeinde einen ausführlichen (An 
trag mit allerlei Beschwerden eingereicht, die dringend der 
Abi ilfe bedürfen. In der Klasse IVo sitzen 48 Schüler, 
der:» Zahl schon über das zulässige Mas; hinausgeht. 
Tie Schüler haben überdies eine ganz verschiedene Vor 
bedingung für diese Klasse genossen, sodas; die einen weit 
Himer dem Klassenziel zurückbleiben und die Vorgeschritte 
nen hemmen. Auch unter den anderen Klassen und i» 
des Gtzinnasimns finden sich Ucbcrfüllnngen mit 46, -70 
und 04 Knaben. Ta die Eltern ein bedeutend erhöhtes 
Schulgeld zu zahlen haben, erheben sie Anspruch ans 
normal besetzte Klassen. — Ter Elternbcirat der Mittel- 
icbnie I in Steglitz hat lebhaften Einspruch erhoben 
gegen die Erhöhung des Schulgeldes für die Mittelschulen 
iim 100 Prozent aus 120" Mark jährlich, während 
rin die höheren Anstalten das Schulgeld nur um 00 
Prozent erhöht worden ist. Er findet dies um so be 
fremdlicher, als die Schulpolitik der neuesten Zeit und 
insbesondere der im Gemcindeparlament führendeirnPar- 
teien sich grundsätzlich für die Abschaffung des Schul 
geldes ausgesprochen haben. Ter Elternbcirat beantragt 
bei der Gemeinde, das Schulgeld für die Mittelschulen 
gleicesalts nur um 00 Prozent aus 00 M. zu erhöhen. 
— In Wilmersdorf haben sich die Elternbeiräte 
der höheren und der Volksschulen zu einer Arbeitsgemein- 
fcknn znsammengetan, um gemeinsame Angelegenheiten zu 
besprechen und der Stadt gegenüber zu vertreten. 
o Tie. UcSersjüllung.des ärztlichem Berujcs ist z. Zt. 
in Deutschland eine .ganz ungeheure. Anfang 1020 gab 
cs im Reiche 07 089 Aerzte, die Zahl der Medizinstndicren- 
den beträgt 22 164. Da di«.e äm Jahre 1025 ihre: 
Staatsprüfung bestanden habckn werden, lvird ps also 
Ende 1025 in Tentschlnnd 50 550 Aerzte geben. Nimmt 
man den jährlichen Abgang durch Tod oder zur Nnhc- 
setznng ans 600 an (in 5 Jahren also 0000), so würde 
Ende 1025 mit einer Zahl von mehr als 56 000 Aerzten 
zu rechnen sein. Da fernerhin die Einwohnerzahl Deutsch 
land s nach Verlust der abgetretenen und uns durch den 
Veriailler Frieden entrissenen Gebiete (Elsaß-Lothringen, 
Posen, Wcstprenßc», Oberschlesien, Schleswig und Dan 
zig) höchstens 08 Millionen betragen dürften, so kommen 
ans je einen Arzt nicht mehr als ca. 1000 Einwohner. 
Erwägt man, das; infolge der -uferlos ans säst alle Be- 
völkcrnngssckichten ausgedehnten Krankenversicherung kaum 
noch ein Zehntel der Bevölkerung für die Privatprauis: 
übri; bleiben dürfte, so kann man sich unschwer ein Bild 
macken, zu welch geradezu katastrophalen Folgen die 
Nicherfüllung des Aerzteberiifcs für seine Angehörigen 
führen min;. Es lunn mithin vor dem Ergreifen des 
mediziniscken Studiums für jetzt und die nächsten Jahre 
garnicht eindringlich genug gewarnt werden. Denn obige 
Zahlen sprechen, das muß jedem. Einsichtigen ohne weite 
res klar werden, in der Tat eine beredte und deutliche 
Sprache! t 1 
o Ei: ignng: Verhandlungen zwi'chw Kassen und 
Aerzten. Zum Streit der Kassenärzte mit den .Kranken 
kassen wird vom Reichsarbeicsiiiipistcrium mitgeteilt, das; 
dort Verhandlungen Über ein Einigiingsverfahren einge 
leitet sind, das in Kürze beginnen soll. An diesem Ver 
fahren werden zwei beamtete Vertreter und je fünf Ver 
treter der Aerzte- und Kasscnvcrbäiide teilnehmen. Die 
Leitung deS Einigungsverfahrens wird voraussichtlich eine 
von den Aerzten vorgeschlagene sehr sachkundige Persön 
lichkeit übernehmen, nachdem die Kasscnvcrbäiide ihre Zu 
stimmung erteilt haben. 
obh Eine „Rattcnwochie" in Steglitz. Tie Ratten sind 
in Steglitz, wie übrigens auch anderwärts, zu einer wahren 
Plage geworden. Die Gcmeiiidevernmltnng ivill daher 
zu i.irer Vertilgung tatkräftige Schritte iintcriielnncn und 
den Kampf gegen die Ratten mit einem erprobten Mittel 
ansnehmen. Der Sieglitzer Geinriiidcvvrstand hat beschlos 
sen, in der nächsten Zeit eine Rattenwoche anzusetzen, in 
der alte Steglitzer Haus- und Grundbesitzer das Mittel 
„Progrom" in ihren Grundstücken auslegen sollen. Zu 
diesem Zweck ist Steglitz jn 6 Bezirke eingeteilt; die 
Schicksal. Da er nichts von dem surchtbaren Zwange 
wußte, unter dessen Druck ihr Verlöbnis mit dem Prinzen 
znsknde gekommen war, mußte er natürlich in dem 
Gianben leben, das; ihre Liebe jetzt diesem äußerlich so 
gläi zenden Russen gehöre, und er konnte sich ebensowenig 
dazu entschließen, ihre Hoffnungen zu zerstören, indem er 
ihn tötete, als sein eigener Tod einen nnvetwischbaren 
düsteren Schatten in ihr künftiges Lebcw werfen sollte. Ehe 
er mir das alles anvertraute, hatte ich ihm schwören müssen, 
keinem lebenden Wesen auch nur die leisesten Andeutungen 
über seine Beweggründe zu machen, und alle meine Bitten 
konnten ihn nicht bewegen, mich auch nur tzr bezug auf 
den Stiefvater von diesem Schwur-zu entbiiideii. Aber 
wenn mir somit auch die Möglichkeit abgeschnitten war, 
ihn aufzuklären, hätte ich mir doch unter keinen Umständen 
das Recht »chmen lassen, Herbert meinein Stiefvater 
gegenüber mit allem Eifer und mit der ganzen Beredsam 
keit chwesterliryer Liebe zu verteidigen, ohne Rücksicht darauf, 
ab Arnstorf diese Verteidigung hören wolle oder nicht. An 
jenem traurigsten Tage meines Lebens verlor ich den 
trefflichen Mann für immer. Er konnte cs mir nicht ver 
zeihen, daß i£) mich auf die Seite des Unwürdigen und 
Sch nachbeladencn stellte, und in seiner Erregung ließ ei 
sich zu Worten hinreißen, die cs mir unmöglich gemacht 
hüt en, nur noch eine Stunde länger unter dem Dach 
seines Hauses zu verweilen. Gott allein weiß, wie schwer 
cs mir geworden ist, mich von ihm und Edith zu trennen, 
die ich wie eine leibliche Schwester liebte und immer lieber 
werde. Aber eine heiligere Pflicht mies mich an die Seite 
dessen, der in edelster, selbstlosester Aufopferung bereit war, 
den Hohn und die Verachtung der Welt auf sich zu 
nehmen, und niemals ist mir auch nur für die Dauer 
einer Minute tzer leiseste Zweifel gekommen, ob ich da 
mals die recht: Entscheidung getroffen." 
Sie hielt tune, ergriffen von der Gemalt der schmerz 
lichen Erinnerniige». Heinz aber küßte ehrfurchtsvoll ihre 
Kosten werden etwa 30 000 M. betragen. — In frie 
de n a u hätte k ine solche Rattenjagd — ivie sie Herr Dr. 
Scharfer bereits vor einigen Jahren dringend empfohlen 
hat — schon längst ausgeführt werden müssen. In vielen 
Friedenancr Häusern wiminelt es nur so von Ratten. 
v Tie Berliner Zeitungen erhöhen den Bezugcpre:-. 
Vom 1. Juni ab erhöhen die Berliner Zeitungen nach 
einem Beschlusse der Vereinigung Großstädtischer Zet- 
tiingsverleger den Bezugspreis auf 12 -15 M. Ter Preis 
der einzelnen Nummer beträgt für das Morgcublatt oO 
Pfennig, für das Abendblatt 20 Pfg. Auch die Borort- 
zeitungen iverden nicht umhin können, eine weitere Er 
höhung des Bezugspreises eintreten zu lassen, da der 
Preis des nnbcdructten Zeitnngsbvgens. , chon jetzt den Be 
zugspreis überschreitet. _ , 
v Teutsche Voll-partri und Mittelstand, -lit(Dattel» 
standsausschiitz des Wähltrcisvcrbandes 0 (Eharloitenvurg, 
Teltow, Beeskow—Storkow) der Teutschen Voltspartet, 
faßte auf seiner Tagung am Mittwoch, den 10. Mai 
1020, folgende Entchtießnng: „Ter Mitlelstandsausschns: 
des Wahlkreisverbandes 0 der Tein chcn Voltspartei ist 
der Ueberzeugung, daß es nicht im Interesse des gewerb 
lichen Mittelstandes liegt, zu den bevorstehenden Gemeindc- 
wahlcii eigene Listen anfznstelten, da dadurch die große 
Gefahr einer Zersplitterung hcransbeschivorcn werden 
ivürde. Ter Aus,chuß fordert jedoch alle Mitglieder occk 
gelverblichen Milteistands auf, bei den T rtsvereinen der 
Tel.ticken Volkspartei mit äußerstem Nachdruck dahin zu 
wirren, daß die Vertreter des geivcrblichen Nciltetstan- 
des an aussichtsreicher Stelle in die Wahlvorjchlagc zu 
den Bezirks- und Stadtvervrdnetemvahlen aufgenommen 
werden." 
v Dir Deutsche B.'amtenöund zum KaPP-Putsch und 
Generalstreik. Ein außerordentlicher Venrelcrtag des 
Teutschen Beamienbnndes nahm gestern Stellung zur 
Haltung des Bundes während der Kappwoche. Nach einem 
Bericht des Vorsitzenden Lange und nach lebhafter Aus 
sprache wurde folgende Entschiieffniig angenommen: „Ter 
deutsche Beamteiltag billigt die Haltung der Leitung des 
Teutschen Beamtenbundcs, soweit sie sich- aus Handlmigeu 
bezieht, die zur schnellen Niederwerfung des Kapp-Piitsches 
gcsührt haben. Der Beamtentag fordert im üvrigcn von 
oer Bnndesleitnng, das; unbeschadet des Znjammcnwir- 
tcns mit geivcrkjchastlichcn Organisationen aller Rich 
tungen die parteipolitische Neulratilät unter allen Um 
ständen gewahrt wird." 
o Die Weih: der neuen Orgel im kirchlichen Gemeinde- 
hause fand aui l. Psingstscierlage statt. Eine zahlreiche Gemeinde 
liillte den großen Saal. Der Altarraum lvac i» der lierrlichjtc» 
Weise vom Verein der Garteiisrcuiidc (Friedenau) mit Blumen 
!>!>ü Gewächsen geschmückt. Der Verein i>ar in tzlussicht gestellt, 
auch im Gottcshaiijc sonntäglich den Altar zu schmücken, so 
daß dadurch ein Liebliilgsiviinsch vieler Gemeiirseglieder in lkr- 
sückmig geht. ES sei dem Verein dafür anss herzlichste gedankt. 
Die bereits aus dem letzten Kirchenkonzert bekannte Kvnzertsäiigc- 
riii Fräiil. F r v in e l t halte ihr großes Könne» Ivicder in den 
Dienst der Gemeinde gestellt. Bachs „Psingstkantate" und die 
Arie „Ach hätt' ich Tnbals Harfe" kamen voll zur Geltung. 
Die liturgische Form des Gottesdienstes mit einer Fistle von 
Liedern der Gemeinde gaben Gelegenheit, sie trnc Orgl in 
ihrer ganzen Schönheit Iciinen zu lerne». Die neue .Orgel, von 
der Firma Sauer (Frauksurt) gebaut, ist nicht groß, aber voll 
schöner -Klangwirkungen, unter denen besonders die leisen Re 
gister sich dem Ohr einschincichclu. Es lvar in der Gemeinde 
nur eine Stimme der Anerleuuung darüber, daß das neue Orgei- 
werk eine wertvolle Bereicherung nuferes kirchlichen Let-ens oar- 
steilen und d:c Gcsttesdicilstc ttn Ä.'„.ein:e',ai»e vielen liieb- 
machcil würde. Die^'Weihe selbst vollzofs Pfarrer Vetter mit 
einer Ansprache über Epheser v, Ist—20. Er wcihte bi-: Orgel 
zu einer Gehilfin heiliger Freude, einer Trösterin betrübter 
Herzen und einer Wcckstimme -ns der Ewigkeit. Möge sie sich 
in dieser schweren Zeit als solche erweisen. 
v Erjolgkciche Tieoesjagd. Als heute Mittag gegen 
12 Uhr der JnstaUateur Arthur Hoppe, -Odenivnld- 
strnßc 14, auf den Boden .ging, um aus seinem Ver 
schlage einige Sachen zu holen, fand er alle Bodenkani- 
iiicru erbrochen und hörte noch das Geräusch eiligst 
fliehender Personen. Er setzte den Einbrechern — denn 
um solche handelte cs sich — eiligst nach und verfolgt" 
sie auch weiter auf der Straße im tztnlo. Es gelang ihm, 
die beiden etwa 20 Jahre alten Burschen, in der Lau- 
backcr Straße, an der Katholischen Kirche, einzuholen 
und mit Hilfe anderer Personen fest,zunehmen. Die V-:r- 
brccker lvnrden der hiesigen Polizei übergeben. Sie 
stammen aus Berlin, der eine ans der Alten Jakobstr., 
der andere ans einer nnderel^Straße des Ostens. Der 
Einbruch am hcUichicii Tage zur Mittagsstunde gemahnt 
ivicder einmal, wie sehr die Hausbewohner auch am Tage 
die Hansböden beobachten sollten. 
o Einörvch in die Büro räume der Landir-anlenkassc. 
Die hiesige Landkrankeiikassc wurde in dieser Nacht, gegen 
1/0 Uhr von Einbrechern heimgesucht. Sie öffneten die 
kleinen, iveißen Hände und iics; eine geraume Weile ver 
streichen, ehe er sie an die Beeiidigling ihres Berichts zu 
mahnen wagte. 
„Und dann?" fragte er. „Wie löste sich dann die 
traurige Berwirrliiig?" 
„Sie fand ihr Ende, nicht ihre Losung, damit, das; 
Herbert mit schlichtem Llbschied aus der Armee entlassen unb 
von der Gesellschaft, der er sich bis dahin hutte zuzählen 
dürfen, eininütig geächtet wurde; daß mein Stiefvater 
freiwillig seinen Abschied nahm, obwohl er nnmitielbor vor 
der Beförderung zum Ncgimentstonimackdeiir gestanden 
Hatte, und daß Maria Waldendorss das über alle Maßen 
unglückliche Weib des Prinzen Apraxin wurde. Vielleicht 
hätte sie dennoch im letzten entscheidenden Augenblick Mein' 
gesagt, wenn nicht die schwere Erkrankung ihres Vaters, 
und sein dringender Wunsch, sie noch vor seinem Tode 
vermählt zu sehen, ihre letzte Widerstandstrnjt gebrochen 
hätten. In der Tat starb Gras Waldcndcrff wenige 
Monate nach ihrer Hochzeit, und von dem Augenblick an, 
wo er sie ibres einzigen natürlichen Beschützers beraubt 
wußte, bemühte sich Prinz Apraxin nicht länger, die Maste 
festzuhalten, hinter der er ihr in der ersten Zeit der Ehe 
sein wahres Gesicht wenigstens notdürslig zu verbergen 
gesucht hatte. Mit Ekel und Berachtmig wandte Maria 
sich von ihm ab und bemühte sich, in der Stille wenigstens 
zu einem kleinen Teil wieder gut zu machen, was er in 
seiner grausamen Despoteuwillkür und in seiner zügellosen 
Lcidenschaftlichtcit verbrach. Auf solche Art tnllosten sich 
fast ohne ihr Zutun die gefährlichen Fäden zwischen ihr 
und einigen von den Führern der freiheitlichen Bewegung 
in Rußland, diese Fäden, deren Entdeckung jetzt einzig 
davon abhängt, ob die meinem Bruder gestohlenen Briese 
Ler Prinzessin in die Hände ihres Mannes fallen." 
SIL llK iiii.it Wortfetzung folgt.)
        
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