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Periodical volume Nr. 162, 20.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Krirdermuer 
WartelWe Zeitung fSrM..Friedess> snH 
Erscheint töglich vdeuüs. 
Trrusprrch«, Amt Pfalz-«, UM. — Druck uud Verlag reu Leo Schultz, 
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NkzkhÜslLflkük. TlQCittftf» 18. 4.— Mark- Belegnummer 2o P^g. 
verttn^riedeua«. RheiLstrah« IS. — Ker»sPrecherr A«t Pfaliburg 2129. 
Nr. 118 
Berlin-Friedenau, Sonnerrtag, diu 27. Mai 1920 
Saht». 27 
Reaefte Nachrichten. 
Stettin. Ein Passagier-Danipfer-Vcrkchr des Nord 
deutschen Lloyd non Tivincmünde über ßoppot nach Tan- 
zig Ivird am 2. Juni .eröffnet. 
Paris. Die Sozialisten haben in der Kammer eine 
Entschließung eingebracht, in der gemeinsame Mastnahmen 
gegen die Kapitalflucht, also gegen die Steuerhinterziehung, 
durch eine internationale Stelle des Völkerbundes, gefor 
dert werden. 
Paris. Der Botschafterrat hat beschlossen, in einer 
Note die deutsche Regierung an den Artikel 209 des 
Friedcnsvertrages zu erinnern mit dem Ersuchen, sich an 
die darin enthaltenen Vorschriften zu halten. Artikel 209 
behandelt die Rechte des interalliierten Marinenber- 
wachnngsausschnfseS in Deutschland. 
Genf. Die Vorgänge im französischen Parlament 
beweisen, das; der frühere Präsident und jetzige Senator 
Poincarö entschlossen ist, in ofsenc Opposition gegen das 
Kabinett Millerand zu treten. 
Belgrad. Der Anffordernng des Obersten Rates 
entsprechend, wird Radkersburg von den Iugoslaven zu 
gunsten Teutsch-OcsterreichS geräumt. Die jugoslawische 
Regierung hat nur den Wunsch geäußert, dast vor der 
Räumung eine bessere Verbindung zwischen Jugoslawien 
und dem Murland östlich von Radkersburg hergestellt 
werde. 
Amsterdam. Wie der Pariser Berichterstatter des 
Daily Telegraph meldet, werden Verhandlungen zwischen 
Frankreich und .Belgien über ein militärisches Bündnis 
geführt. 
Tokio. In einer heute abgehaltenen Kabincttssitznng 
wurde beschlossen, sofort Mastnahmen zu ergreifen, iiiu 
die ruinöse finanzielle Lage zu erleichtern. 
Aerztefund Landkranreulaffe. 
Zn der Bekanntmachung der Friedenauer Laudkranken- 
kasse iit unserer gestrigen Nummer schreibt uns der Vor 
stand der Acrzie - Organisation (Südwest-Verband) 
folgendes: 
A. In idem Schriftstück wird der jetzige Zustand 
als „Acrztestrcit" bezeichnet. Ebenso ist die Bekannt 
machung im Kasscnlokal unter der Ueberschrift „Zum 
Aerztestreik" angeschlagen. 
Wir müssen zu unserem Bedauern feststellen, das; der 
Vorstand der Friedenauer Landkrankenkasse gegen besseres 
Wissen das verhetzende Wort gebraucht, trotzdem er ganz 
genau weiß, dast von einem Aerztestreik gar keine Rede ist. 
B. Der Vorstand der Landkrankcnkasse Friedenau be 
hauptet ferner: ' ' 
Dip Kasse habe sich dem Vorstand des Südwcst-Vcr- 
bandes gegenüber vor Beginn des Aerztcstrciks schriftlich 
bereit erklärt, unbeschadet ihrer Rechte aus dem noch 
laufenden Vertrage in neue Verhandlungen einzutreten. 
Hierzu miissen wir die in dieser Angelegenheit ge 
wechselten Schriftstücke mit einigen unwesentlichen Aus 
lassungen (Wir würden es freudig begrüsten, wenn die 
Landtrankenkassc, die ja über genügend Schreibhilfe ver 
fügt,'qinmat sämtliche die ärztlichen Honorare betreffen 
den Schriftstücke, die seit 1918 zwischen unseren beiden 
-Organisationen gewechselt worden sind, ohne jede Aus- 
lassung vervielfältigen und der breiten Ocffcntlichkcit zu 
gänglich machen würde) mitteilen. 
1. Südwest-Vcrband an Landkrankenkassc. Schreiben 
vom 19. April 1920: 
Angesichts der bei Abschlnst der jetzigen kassenärzt 
lichen Verträge nichl vorausgesehenen und nicht vor 
auszusehenden Erhöhung der Versicherungsgrenze, an- 
Sie Briefe der Prinzmtö. 
Von E. PH. O p p e n h cim. 
63 (Nachdruck Verb >ten.) 
tLtn so hartes Urteil verdient die Handlungsweise des 
Grafen doch vielleicht nicht," widersprach Margot„,wenigste»s 
nicht wenn man versucht, sich in seine Anschauungsweise 
und'in seine Standesvorurteile hineinzudenken. Er glaubte 
seiner Tochter dadurch, daß er aus dieser Heirat bestand, 
ein glänzendes Los zu bereiten. Und soweit die äußeren 
Verhältnisse in Frage kommen, war diese Annahme ja auch 
vollkommen berechtigt. Apraxin ist nicht nur eine der 
einflußreichsten Persönlichkeiten am Zarenhofe, sondern 
auch ein unermeßlich reicher Mann, der seiner Gattin an 
verschwenderischen Luxus alles zu bieten vermochte, was 
eines Weibes Sinn zu betören und zu berauschen ver 
mag Und du darfst ihn dir keineswegs als einen säbel- 
raiicluden Wüterich vorstellen, der ständig mit der Knute 
in der Hand herumläuft, und schon durch sein Aussehen 
und sein Benehmen Furcht und Schrecken um sich ver 
breitet Er ist im Gegenteil einer der geschmeidigsten und 
elegantesten Weltmänner, die sich je auf dem Parkett eines 
Hotes bewegt haben, ein liebenswürdiger Plauderer und 
ein sehr schöner Mann. Die asiatische Wildheit und Grau 
samkeit. die ihm als ein Erbteil seiner barbarischen Vor 
fahren im Blute steckt, ist in seinem Verkehr mit dem 
Grasen Waldendorff sicherlich niemals zuin Durchbruch ge 
kommen, und ohne Zweifel hatte der Vater Marias eben 
sowenig eine Ahnung von den lasterhaften Neigungen und 
den wüsten, zügellosen Lebensgewohnheiten feines künftigen 
Schwiegersohnes. Ihm erschien die beharrliche Weigerung 
seiner Tochter einfach als eine törichte Mädchenlaune, der 
er unter keinen Umständen nachgeben dürfe, als ein un 
kindlicher Trotz, der unbedingt gebrochen werden müsse. 
Und es gelang ihm in der Tat, sie zum Gehorsam zu 
Lwmaen. Wie ein halb zu Tode gehetztes Wild ergab 
gesichts der Beseitigung der für die Bemessung der 
gegenwärtigen kassenärztlichcn Honorare maßgebend ge-, 
wcsenen Grenze der Grundlöhne sowie angesichts der 
seit dem VertragSabschlust eingetretenen austerordeutlicheir 
Entwertung des Geldes halten wir die gegenwärtigen 
kassenärztlichcn Verträge »ach § 020 B.G.B. für hin 
fällig. Ehe wir jedoch demgemäß die Kündigung her 
beiführen, bitten wir — unter Vorbehalt aller Rechte 
der Kassenärzte — innerhalb einer Frist von 10 Tagen 
nach Empfang dieses Briefes um Erklärung, ab die 
Krankenkasse bereit ist, mit rins in Gemeinschaft mit der 
Vertretung des Grost-Berliner Aerztcbnndes über den 
Abschluß neuer Verträge in Verhandlungen einzutreten, 
die innerhalb 0 Wochen nach Beginn beendigt sein müssen. 
2. Antwort der Landkraukeiikasse vom 0. Man Nach 
dem erklärt worden ist, dast die von den Aerzten' ange 
gebenen Gründe nicht als maßgebend anerkannt werden 
können, fährt das Schreiben folgendermaßen fort: 
11. S. P. I. Sktssruppe Friedenau. 
Große 
ÜKMHlHll 
Will«, hu K. W m. »Mg 7*1. HST 
im Reformgymuafium, Homuthstr. 5 
Wie Alll W die Stau zur MMM« 
Ref. Genossin Hoffmann-Gn»inner. 
Freie Aussprache. 
Der Geldentwertung, die gleichfalls als Grund 
zur Lösung deS Vertrages angeführt wird, haben wir 
durch die erst kürzlich beschlossene Heraufsetzung (Er 
höhung der Gebühr für die Sprechstundenkonsultation 
von 1,75 M. auf 2 M.» Festsetzung der Gebühr für alle 
Besuche auf .9 M., bis dahin erste Besuche 9 M., fol- 
geiche 2 M.!!!) der Honorarsätzc entgegengewirkt, so 
daß nach allem sticht der geringste Grund zur Lösung 
des Vertrages übrig bleibt. Wir lehnen die Verhand 
lungen über Abschluß eines neuen Vertrages in Gemein 
schaft mit der Vertretung des Grost-Berliner Aerztc- 
bundes ab, da >vir uns noch im Besitz eines bis zum 
91. Dezember d. I. laufenden Vertrages befinden. 
Andererseits sind wir nicht abgeneigt, in eine Nach 
prüfung der Honorarsätzc einzutreten, sobald die übrigen 
Grost-Berliner Krankenkassen damit vorgegangen sind 
und die Honorarcrhöhung sich mit unserer finanzielten 
Leistungsfähigkeit vereinbaren läßt. 
9. Fristlose Kündigung des kassenärztlichen Vertrages 
seitens des Südwcst-Verbaudes durch eingeschriebenen Brief 
vom 20. Mai d. I. zum 25. Mai d. I. 
-1. Empfangsbestätigung vom 22. Mai seitens der 
Kasse. In dem längeren Schreiben ist viel davon die Rede, 
das; die Landkrankenkassc die fristlose Kündigung als Ver 
tragsbruch auffasse und den Südwest-Vcrband für jede 
der Kasse aus diesem Vertragsbruch entstehenden Schaden 
im vollen Umfange haftpflichtig mache. Dann fährt das 
Schreiben folgendermaßen fort: 
Wir fragen zugleich au, ob der Südwest-Vcrband 
bereit ist. die ärztliche Behandlung unserer Mitglieder 
zu den bisherigen Hvnvrarsätzcn weiterzuführen vvrbe- 
ste sich endlich in ihr Geschick und schrieb meinem Bruder 
auf Geheiß ihres Vaters einen kurzen Abschiedsbrief, dessen 
Inhalt sich im wesentlichen ans die Mitteilung ihres Ver 
löbnisses mit dem Prinzen Apraxin beschränkte. Aber noch 
in derselben Stunde, da sie mit Entsetzen und Grauen 
seinen Verlobungskuß hatte dulden müssen, erzählte sie 
dem Prinzen die Geschichte ihrer Liebe, niit dem Hinzu 
fügen, daß nur ihr Leib, nicht aber ihre Seele je eincin 
anderen Planne angehören könne. Vielleicht hatte sie ge 
hofft, daß Araxin auf dies Geständnis hin das kaum ge 
knüpfte Band wieder zerreißen und sie freigeben würde. 
Aber sie hatte sich getäuscht. Der Prinz empfand für sie 
damals wirklich eine leidenschaftliche Liebe — in den, 
Sinne natürlich, den Naturen wie die seinige einzig niit 
diesem Worte zu verbinden vermögen. Er war von ihrer 
Schönheit berauscht und dachte keinen Augenblick daran, 
die glücklich errungene Beute einem anderen zu überlaffen. 
Wohl aber hatte Marias Beichte eine andere von ihr weder 
beabsichtigte noch geahnte Wirkung hervorgebracht. Sie 
hatte ihn mit tödlichstem Haß gegen meinen Bruder erfüllt, 
uni> als ein Mensch, der von jeher gewohnt war, ohne 
alle Rücksicht seinen leidenschaftlichen Impulsen zu folgen, 
zögerte er nicht lange, diese Empfindung in die feindselige 
Tat umzusetzen. Es galtsthm nicht mehr und nicht weniger 
als meines Bruders Lekwn. Nach seinem Willen sollte der 
Mann nicht länger atmen, der sich rühmen durfte, die Liebe 
des Weibes zu besitzen, auf das er selbst seine heißen 
Wünsche gerichtet hatte. Ohne daß Graf Waldendorff oder 
Maria etwas davon ahnten, fuhr er nach Berlin, ließ sich 
aus Anlaß eines Liebesmahles von einem Regiments 
kameraden meines Bruders in das Kasino seines Regiments 
einführen und provozierte dort aus irgendeiner vom Zaun 
gebrochenen Ursache einen Streit mit meinem Bruder. 
Herbert, der ihn für betrunken hielt, suchte durch ruhiges 
und. besonnenes Benehmen einem Skandal vorzubeugen, 
aber der Prinz, dem es ja einzig darum zu tun war, den 
verhaßten Nebenbuhler vor seinePistole zu zwingen, vereitelte 
haltlich der späteren Regelung bezw. eines Schieds 
spruches durch die im Berliner Abkvnnnc» vorgesehenen 
Instanzen, dem wir rückwirkende Kraft ab 25. Mai d. I. 
zuerkennen wollen. Wir bitten, uns bis znm 25. Mai 
d. I., mittags 12 Uhr, Ihre Steltnngnahine zugehen 
Zu lassen, damit wir nöiigenfallS sofort die ärztliche 
Versorgung unserer Mitglieder in anderer Weise sichern 
können. 
5. Antwort-Schreibe» des Südwest-Verbandes vom 
20. Mai d. I. an die Kasse: 
In Beanttvortnng Ihres Schreibens vom 22. d. M. 
wiederholen wix nochniais die bereits mündlich gegebene 
Erklärung, das; vom Eintritt der fristlosen Kündigung 
ab 25. Mai d. I. der vertragslosc Zustand zwischen 
Ihrer Kasse und dem Südwcst-Verband besteht. Die 
von Ihne» für diese Zeit vorgeschlagene provisorische 
Regelung der Honorarsätze kann jetzt nicht in Frage 
kommen, da dieselbe, wie wir sic s. Zt vorschlugen, von 
Ihnen schroff abgelehnt wurde. 
lind da sagt die Landkrankenkasse, sie habe sich schrift 
lich bereit erklärt, in neue Verhandlnnge» einzutreten. 
Trotz dieser Bereitwilligkeit habe der Südwcst-Vcrband 
durch seinen Vertreter erklären lassen, daß die Fortsetzung 
der Verhandlungen abgelehnt iviirdc!! 
OrtsnsebrickttzM 
(Nachdr, unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Zwischenörtlicher Lehrstelleu-Ansgleich. 
Dem hiesigen Berufsamt ist vom Brandcnburgischen 
Provinzialberufsamt folgende Mitteilung zugegangen: 
„Tie mit dem ehemaligen Verbände Märkischer Ar 
beitsnachweise verbundene Zentralstelle für Lehrstellen- 
vermittelung ist seit dem 91. März d. Is. ausgelöst. Eine 
Nachfolgerin hat diese Zentralstelle nicht gefunden; die ihr 
zugewiesenen Aufgaben .sind an die Berufsämtcr bezw. 
Arbeitsnachweise übergegangen. Jedes Bernfsamt bezw. 
jeder Arbeitsnachweis muß bestrebt sei», die in seinem 
Geschäftsbereich vorhandenen offenen Lehrstellen und Lehr- 
stcllcnbcwerber restlos zu erfassen. Tie im eigenen Bezirk 
nicht unterzubringenden sind dem zwischenörtlichcn Aus 
gleich zu melden. Das Provinzial-Bernfsanit nimmt Aw° 
nieldnngen von offenen Stellen durch die Lchrhcrren und 
von Bewerbern durch diese selbst nicht entgegen; die noch 
immer in verhältnismäßig großer Zahl' bei »ns ein 
laufenden Gesuche dieser Art weisen wir an das zuständige 
Bernfsamt bezw. Arbeitsnachweis zurück". 
Hiermit ist einem seit langer Zeit angestrebten und 
vom hiesigen Bernfsamt stets vertretenen Bedürfnis Rech 
nung getragen. Ter Geschäftsgang wird sich folgender 
maßen regeln: Sämtliche Lehrstellen, die innerhalb von 
acht Tagen vom hiesigen Bernfsamt nicht besetzt werden 
können, werden der» Prvvinzialbernfsaint gemeldet. Eine 
Ausnahme dieser Regel werden nur die letzten zwei Mo 
nate vor den Schnlentlassniigstcrminen machen. Hier muß 
es dem Ermessen des Berufsamtcs überlassen werden, auch 
bei voraussichtlich längerer Vakanz die gemeldeten Lehr 
stellen offenzuhalten. Doch ivird vvm Bernfsamt stets 
beachtet werden, daß volkswirtschaftliche Gründe die mög 
lichst b'aldige Besetzung jeder offenen Lehrstelle erfordern. 
Das Provinzialbcrufsanit stellt alle Meldungen nach Be 
rufen geordnet in einer Kartei zusammen. Die offenen 
Lelirstcllen und die Lchrstellcnbewerber, die für ein 
ander in Frage komme», werden miteinander in Verbin 
dung gebracht. Das Proviiizialbernfsamt sendet Abschrift 
des Pehrstellenbcwcrbers an das Bernfsamt der offenen 
Lehrstelle. Die Namen der Lchrherrcn oder der Lehr- 
stellensuchenden werden nicht angegeben, damit eine Um- 
sein Bemühen dadurch, daß er ihn zuletzt sogar tätlich in 
sultierte. Zwar ließ ihm Herbert für diese Beschimpfung 
auf der Stelle die gebührende Züchtigung zuteil werden, 
aber nach den Ehrengesetzen seines Standes war er da 
durch natürlich der Notwendigkeit nicht überhoben, den Be 
leidiger zu fordern. Und seine Kameraden mußten einen 
solchen Schritt für um so selbstverständlicher halten, als 
nickt nur das gesamte Offizierkorps des Regiments, sondern 
auch noch einige fremde Gäste Zeugen des Vorfalls gewesen 
waren. > 
Es erregte darum geradezu Sensation, als Herbert 
seinen Freunden mit aller Bestimmtheit erklärte, daß er 
sich mit dem Prinzen Apraxin unter keinen Umständen 
schlagen werde, und daß er bei dieser Erklärung verharrte, 
auch als ihn sein Kommandeur in väterlich eindringlicher 
Weise auf die unvermeidlichen Folgen hinwies, die ein 
solcher Entschluß für seine ganze Zukunft haben müsse. 
Herbert erwiderte ihm einfach, daß er alle diese Folgen in 
Betracht gezogen habe, daß die Rücksicht auf sie aber kein 
Grund für ihn sei, seinen Sinn zu ändern. Und es machte 
die Sachlage für ihn wahrlich nicht besser, daß er zwar 
die Frage des Obersten, ob er etwa ein grundsätzlicher 
Gegner des ritterlichen Zweikampfes sei, ohne Zögern ver 
neinte, sich aber ebenso entschieden weigerte, die Motive zu 
nennen, die ihn gerade in dem vorliegenden, so besonders 
eklatanten Fall abhielten, von seinem Beleidiger Genug 
tuung mit der Waffe zu fordern. Der Regimentskommandeur 
entließ ihn daraufhin mit dem unzweideutigsten Ausdruck 
seines Unwillens. Ungleich stürmischer aber verlief die Aus 
einandersetzung, die Herbert unmittelbar darauf mit dem 
Stiefvater hatte. Die Affäre hatte zu viele Zeugen gehabt, 
um ein Geheimnis zu bleiben, und Prinz Apraxin selbst, 
der in ignobelster Weise überall von dem Renkontrc er 
zählte, sorgte nach Kräften dafür, sie zu einem Skandal 
aufzubauschen, der meines Bruders Karriere und seine 
Stellung in der Gesellschaft vernichte» sollte. So war die 
Kunde von dem Geschehenen schon innerhalb der ersten vier»
        
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