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Periodical volume Nr. 115, 26.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Kriedermuer 
WsttelWe Zeitung sörVln.'Frikdeas« m 
Erscheint täglich abends. 
Kerasprech«: Amt Waljfcug UM. — Dnuk »nd Verlag v»» Leo Schnitz, 
Bezugspreis 
bei Abholung aus de» Nebenstellen 
monatlich 1,60 Mark,- durch Boten 
t«H Haus gebracht 2,— Mark. 
Zeitung) 
den Frledenauer vrtÄeil von 
Geschäftsstelle: Rheiuftr. 18. 
Verttu-Friede««», Rhrinstrah« M, — 
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— nur für unbestimmte Tage — 
Preis der 7gespalteneu Zeile ober deren 
Raum 1 Ml. Die ReNamezeile kostet 
4.— Mark. Belegiiuimner 2ü P,g. 
precherr Amt Pfaljbnrg 212V. 
Ar. 115 
Berlin-Friedeuliu, Mittwoch, den 28. Mai 1828 
Jahrs. 27 
Neueste Nachrichten. 
Berlin. Die Ehefrau des Händlers Ludwig Behren- 
Times), Gräfestraße 4, versuchte heute nacht sich mit ihrem 
(Gatten zu vergiften- 
Breslau. Die Stadt Berditschew ist von den 
Polen geräumt worden. Die polnische Front dort ist so 
geschwächt, das; man dort stündlich einen Durchbruch der 
Nüssen befürchtet. 
Wien. Nach Meldungen der „Neichspost" ist Ga 
liläa von arabischen Kriegcrstämmen überflutet. Die 
Mohammedaner sind Herren der französischen Zone, sie 
bedrohen jetzt die englische Zone. Damaskus und Bagdad 
sind von Arabern eingeschlossen. 
K la g e n f u r t. Sonntag ist hier Fcldmarschall B o - 
roevic, der Verteidiger der Jsonzosront, infolge eines 
Herzschlages, den er beim Baden erlitt, gestorben. 
N o m. Zwischen Studenten, die den Jahrestag des 
Kriegsbeginns feierten und "Schutzleuten kam es in der 
Via Regionale zn blutigen Zusammenstößen, wobei 5» 
Schutzleute und ein Bürger getötet und 20 Studenten 
verletzt wurden. 
Paris. Die Friedenskonferenz hat verlangt, daß 
Deutschland Xylander aus der Kommission für das Saar 
gebiet abberufe. 
London. Die an die deutsche Regierung gerich 
tete alliierte Note, in der .mit Rücksicht auf die deutschen 
Wahlen der Aufschub der Konferenz in Spaa bis zum 
21. Juni vorgeschlagen wird, hebt hervor, daß der Zweck 
der Konferenz sei, die Nichterfüllung feierlicher Verpflich 
tungen des Versailler Vertrages durch Deutschland zu 
erörtern und Abmachungen wegen der Sicherung der 
Durchführung des Vertrages in Zukunft zu treffen. Es 
sei deshalb von größter Wichtigkeit, daß die Kontferenz 
nicht durch außerhalb ihrer liegenden Inanspruchnahme 
(externa! prevoccupation) abgelenkt oder verzögert werde. 
W a s h i n g t v Ir. Präsident Wilson hat nach einer 
Havas-Mcldung den Kongreß ersucht, die Vereinigten 
Staaten zu ermächtigen, das Mandat für Armenien anzu 
nehmen. 
Ortsnacbricbten 
(JRddjbr. unsrer o-Orlgtnalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Fleisch Versorgung in dieser Woche. In dieser 
Woche gibt es aus die .10 Abschnitte der Nr. 22 der 
Neichsflcischkarte 200 Gr. .frisches S ch we i ne f-'le i s ch 
mit eingewachsenen Knochen oder Knochenbeilage, 1 Pfd. 
kostet 11,20 M-, n n d 50 Gr. frische Leber- oder Blsu t- 
w u r-st aus ausl. Innereien, 1 Pfd. kostet 8,20 M., 
oder 250 Gr. Rindergesriersleisch mit eingc- 
wachsenen Knochen oder Knochenbeilage, 1 Pfd. kostet 12,10 
Mark. Außerdem ist die Gemeinde mit einer geringen 
Menge Kalbfleisch beliefert worden, das in einigen 
Fleischereien zum Verkauf gelangt. Der Verkauf beginnt 
in dieser Woche am Donnerstag. 
o Tie Wahlhandlung für die Reichstagswahl muß nach 
der Reichswahlorduung um 8 Uhr vormittags beginnen 
und um 6 Uhr geschlossen werden. Auf der Ausweis 
karten, die unsere Einwohner erhalten haben, sind an 
dere Zeiten angegeben. .Sie müssen .also auf 8—6 Uhr 
abgeändert werden. 
o Tie Wählerlisten für die Wahlen zur Groß-Ber-- 
liuer Stadtverordnetem- und zur Bezirksvcrsauunlung 
liegen vom 80. Mai bis 3. Juni im Rathause, 2 Treppen, 
Vorraum znm Bürgersaal, werktags von 12—7 Uhr, 
Sonntag, den 30. d. Mts. von 10 Uhr vormittags bis 
5 Uhr nachmittags öffentlich aus. 
o Tie Arbeiten für den Anschluß unseres Postamtes 
an die Straßenbahn in der Schmargendorfer Straße 
gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Gleisanlagen sind 
fertig und auch die Wiederinstandsetzung des Asphalts ist 
nahezu erledigt. Die Masten für den LeitungSdraht sind 
ebenfalls schon zum .größten Teile errichtet. Die Ar 
beiten sind recht flott vonstatte» gegangen, wenn man 
vor allem berücksichtigt, daß au den Gleisausbesscrungeu 
am Friedrich-Wilhelm-Platz über ein Jahr laug gearbeitet 
worden ist. 
Sozialdemokratischer Wahlverein S.P. D. 
Ortsgruppe Friedenau. 
Oafffentliche Versammlung 
am Donnerstag, den 27. Mal, abends 7 1 /, Uhr 
Im Helmholtz-Ciymnaslum, Schbg., Hubensstr. 
Referenten: Genosse 
o Tie Ergebnisse der vorjährigen Wahlen. Um un 
seren Lesern einen Ueberblick über das Stimmcuverhätt- 
nis in Friedenau bei den drei Wahlen im vorigen Jahre 
— Nationalversammlung-, Preußen- und Gemeindewahl 
— zu geben, lassen loir hier die Ergebnisse in einer Auf 
stellung folgen: 
Nationa!- 
versamml 
Preußer- 
wahl 
Gemeinde- 
wahl 
Deutschnationale Valksparlet 
6 980 
6 104 
4 791 
Deutsche Vottspartei 
5 837 
5 143 
6 022 
Christliche Volkspartei (Zentrum) 
1274 
1 218 
1 179 
Deutsche demokratische Partei 
7 045 
0 219 
4 016 
Unpolitische 
— 
— 
1070 
MehrheitSsozialdemokraten 
7157 
6 221 
4 8-9 
Unabhängige Sozialdemokraten 
2 117 
1 922 
2 803 
Ungültig 
109 
75 
29 
Insgesamt 
29 519 
26 962 
28 308 
o Für dir Groß?Verli»er Stadtverordnete nwahhchr 
Iverden von den Parteien die Listen jetzt vorbereitet. Sie 
müssen natürlich gemeinsam mit den Ortsvereinen in 
Schöneberg beraten werden, weil wir.ja jetzt mit Schöne- 
berg einen Bezirk bilden. Wie wir hören, steht auf der 
Stadtverordueteuliste der Deutsch n a t i o n a l c n _ .an 
aussichtsreicher 3. Stelle Frau Gemeiiideverordn. K o r s ck>, 
an 7. Stelle steht der G.-V. Bäckermeister Müller und 
an 10. Stelle .Schöffe Geheimrat E v c r s. Die hiesigen 
Demokraten wollen den Schöffen Schildberg und 
die bisherigen G.-V. L e o n h a r d t, Lübeck e, T h o m sr- 
b erg er und Wo lfs, sowie Kaufmann Kunze und 
.Architekt D u n tz auf die mit den Tchöiicberger Demo- 
kralen gemeinsame Liste bringen, die Oberbürgermeister 
Doiniilicüs führen wird. 
o Fräulein v. Gierte, die deutschnationale Abgeordnete 
unseres Wahlkreises für die Deutsche Nationalversanim- 
lung, ist, wie auch ihr Vater, Gel,ein,rat v. Gierte, aus 
der Dcutschnatioiialen Partei .ausgetreten. Dar Grund 
soll in der gegen sie betriebenen antisemitischen Hetz«; 
liegen. Ihre Mutter ist bekanntlich eine Jüdin. Wie 
verlautet, will sich Frl. v. Gierte der Deutschen demo 
kratischen Partei anschließen. 
o Tas Kirchenkonzert am 18. d. Mts. hat einen 
Ueberschuß von 1000 M. ergeben, .der für den Glocken- 
sonds unserer Kirche abgeliefert worden ist. 
o Tie hiesige Landkrankenkassc veröffentlicht im A n- 
zeig enteil dieser Ztg. eine Erklärung .gegenüber der 
gestern in unserem Blatte veröffentlichten Bekanntmachung 
der Kasseiiärztlichcn Bertragsgemeinschaft für die südwest- 
lichen Vororte im Kreise Teltow. 
o Falsche Rciseorotmarkcn sind seit kurzer Zeit in 
Groß-Berlin in den Verkehr gebracht worden. Die Fäl 
schungen sind rein äußerlich schon dadurch von den Origi- 
nalreisebrotmarken zu unterscheiden, daß sic bedeutend 
Heller im Farbe,igruiid erscheinen und daß der Schriftsatz 
und die laufenden Nummern klarer heraustreten. Wenn 
man die Neisebrotmarkeii gegen das Licht hält, fällt einem 
sofort das Fehlen des Wasserzeichens auf. Da die Ge 
meindebehörden den Brothändlern diese Marken bei der 
Mehlzuweisung nicht anrechne», werden die Bäcker, Brot- 
Händler und Gastwirte gut tun, um sich vor Schaden zn 
schützen, jede Neisebrotmarke gut anzusehen. 
o Die Auszahlung der Heeresbezüge für den Monat Juni 
erfolgt vom 29. Mai bis 4. Juni in der Rentenstelle des Postamts.- 
Ebendaselbst werden vom 1. bis 1. Juni die Invaliden- und 
Unfallrenten gezahlt. Pünktliche Abhebung der Gebühr 
nisse ist dringend erwünscht. Am Sonntag, den 30. Mai, sind 
die Kassen süc den Rentcnzahlverkehr geschlossen. Vom 5. Juni 
ab findet die Rentenzahlung ivieder am Schalter 11 statt. 
> > v Vis ans 30 Grad Celsius stieg gestern Nachmittag 
das Thermometer. Morgens waren schon 21 Grad. Das 
schöne Psingstwetter war aus fast ganz Europa ver 
breitet. In Schweden lvar genau die gleiche Hitze wie 
hier. Stellenweise ist es gestern bereits zu Niederschlägen 
und Geivitter gekommen. .Die Gewitterneigung hält auch 
.heute an, aber ein Umschwung des Wetters ist dadurch 
nicht zu erwarten, vielmehr wird das warme Wetter auch 
ferner noch anhalten. 
r Nene Lohnerhöhungen im BuchdruckgcwerLc. Wei 
ter« Erhöhung der Truckpapierprcisc. Neue Teuerungs 
zulagen sind den Buchdrucker» bei den Verhandlungen im 
Tarifausschuß zugebilligt worden. Sie bringen den Buch 
druckern alt den kleinsten Orten 18 M. wöchentliche Zu 
lage, an den größten Orten 36 M. und in Berlin und 
Vororte 40 Mark. Diese Beträge lverden in zwei 
Raten geteilt, deren erste mit Wirkung vvm 31. Mai lind 
deren zweite vom 5. Juli ab zu zahlen ist. Das Ab- 
tomnu'ii gilt bis zum 31. August. Zum Ausgleich ist der 
Aufschlag auf alle Druckrechuungen um 25 v. H. erhöht 
worden; die Berechnung des Papiers ist hierin nicht ein 
begriffen. Die Lage im Gewerbe wurde als sehr be 
denklich bezeichnet. Nainenttich in Zeitungsbetrieben sehe 
es trostlos'aus. Wenn nicht unverzüglich eine Besserung 
vie Wese der PrinzmlB. 
1 Von E. P h. O p p e n h e i in. 
f.2 . (Nachdruck Verb >ten.) 
Auch der Mann da drinnen, den du heute morgen für 
deinen Nebenbuhler hieltest, ist keiner von jentii Schwäch 
lingen, die vor einer Gefahr zurückweichen, solange es eine 
Möglichkeit gibt, ihr in offenem, ehrlichem Kampfe zu be 
gegnen.. Und doch hat auch er jenem tückischen Gegner 
das Feld räumen inüssen, doch ist auch er als ein Ber- 
sehmter und Geächteter in die Welt hinausgezogen, während 
er nach seinen Fähigkeiten wie nach seinen Charakter 
eigenschaften dazu bestimmt schien, in seinem Vaterlands die 
höchsten Sprossen auf der Leiter der Ehre und des Ansehens 
z» erreichen. Laß mich dir die Geschichte meines Bruders 
erzählen. Liebster, und entscheide dann selbst, ob ich nach 
solcher Erfahrung noch den frevelhaften Mut haben kann, 
dir ein Schicksal zu bereiten, das dem seinigen vielleicht 
nur allzu ähnlich sein würde." 
31. Kapitel. 
Margots schönes Gesicht war tiefernst geworden, und 
als wäre eine Flut schmerzlicher Erinnerungen auf sie ein- 
gestürmt, aus deren Bann sie sich nicht sogleich frei zu 
machen vermochte, verharrte sie in miilutentangem, nacy- 
dentlichcm Schweigen, ohne daß Heinz den. Mut gefunden 
hätte, sie durch 'ein Wort oder eine Frage an die Aus 
führung des eben ausgesprochenen Vorsatzes zu mahnen. 
Dann aber warf sie mit einer energischen Bewegung 
den Kopf zurück, und indem sie den schlanken, geschmeidigen 
Körper enger an den des Geliebten schmiegte, begann sie: 
„Mein Vater war. Offizier in bayerischen Dienste». 
Aber ich habe keine Erinnerung an ihn behalten, denn ich 
war erst anderthalb Jahre alt, als er infolge eines un 
glückseligen Zweikampfes, bei dem er schwer verwundet 
worden war, nach monatelangem Siechtum das Leben ver 
lor. Meine Mutter zog mit ihren beiden Kindern, das heißt 
mit Herbert und mir, zu einer Berliner Verwandten, die 
der jungen Witwe ihr Haus als eine gastliche Zufluchtsstätte 
geössnet hatte. Herbert, der selbstverständlich Offizier werden 
sollte, wie sein Vater, wurde frühzeitig im Kadettenkorps 
untergebracht und dort natürlich in allen Anschauungen 
und Vorurteile» des Standes erzogen, für den er be 
stimmt war. Er war von Anfang an der Stolz seiner 
Lehrer, aber er war zugleich, was solche Musterschüler 
sonst nur selten zu sein pflege», der allezeit hilfsbereite 
und opferwillige Freund seiner Kameraden, von denen 
namentlich die schwächeren, denen er sich jederzeit als ritter 
licher Beschützer zeigte, ihn geradezu vergötterten. Meine 
Mutter, die noch immer eine sehr schöne und begehrens 
werte Frau war, heiratete nach verhältnismäßig kurzer 
Witwenjchaft zum zweiten Male, und ihre Wahl war die 
glücklichste, die sie für sich selbst und für ihre Kinder nur 
immer hätte treffen können. Der damalige Nitlmeister Harro 
Arnstorf warnicht nur ein eleganier undchevalereskerOssizier, 
sondern er war auch einer der besten Menschen, ein Mann, 
dessen lautere Herzensgüte ihm die Hochachtung und die Liebe 
aller erwerben mußte, die ihm jemals nahelretcii durfte». 
Er wurde Herbert und mir ein Vater im weitesten und 
schönsten Sinne des Wortes, lind seine zärtliche Fürsorge 
für uns blieb unverändert dieselbe, auch als meine Mutter 
ihm ein Töchterchen schenkte, meine Halbschwester Edith, die 
dir ja keine Fremde ist. Er tat alles, was in seinen 
Kräften stand, um mir die denkbar beste Erziel,nng zuteil 
werden zu lassen und schickte mich, als ich in die Lacksisch- 
jahre gekomnien war, sogar in ein sehr teures und vor 
nehmes Genfer Pensionat. Dort war es, wo ich die beiden 
Komtessen Waldendorff kennen und lieben lernte. Na 
mentlich mit Maria, die nur um wenige Jahre älter ist 
als ich, verband mich sehr bald eine geradezu schwär 
merische Freundschaft, denn sie er'cbien mir vom ersten 
Tage an als das, was sie in meinen Augen noch heute ist, 
nämlich als das edelste und liebenswerteste aller weiblichen 
Wesen. Ihre ältere Schwester Hermine, die an vortreff 
lichen Eigenschaften des Geistes und des Herzens kaum 
hinter ihr zurücksteht und sich vielleicht nur durch eine 
leichtere Auffassung des Lebens von ihr unferscheidel. konnte 
mir jcyon um Oes veträchtlicheren Altersunterschiedes willen 
naturgemäß damals nicht so nahe kommen wie Maria. 
Zählte sie doch nicht gleich uns zu den eigentlichen Zög 
lingen des Pensionats, sondern hielt sie sich doch nur zur 
Vervollkommnung ihrer Sprachkenntnisse in demselben auf. 
Ihre ausgezeichneten Tugenden habe ich erst später nach 
ihreni vollen Werte schätzen gelernt, und heute ist meine 
Liebe zu ihr kaum geringer als die, welche mich mit Maria 
verbindet. Die Komtessen, die einer der ältesten und vor 
nehmsten süddeutschen Adelsfamilien angehören, waren 
mutterlos, und ihr Verhältnis zu dem Vater war kein 
besonders inniges. Sie fürchteten ihn viel mehr als sie 
ihn liebten, und ich lernte diese Furcht begreifen, als ich 
einmal einen Sommer liier auf Schloß Buchberg verbringen 
durste. Im folgenden Jahre erwiderte Maria meinen Be 
such, indenx sie ein paar Wintermonate bei uns in Berlin 
verlebte. Und hier war es, wo sie meinen Bruder kennen 
lernte. Er war mit der glänzendsten Abgangsnote aus 
dem Kadettenkorps in die Armee übergetreten und galt bei 
seinen Kameraden wie bei seinen Vorgesetzten für einen 
Offizier, dem man mit gutem Grund die rascheste Karriere 
voraussagen dürfe. Mein edler Stiefvater hätte auf einen 
leiblichen wohn nicht stolzer sein können, als er es auf ihn 
war, und das Verhältnis zwischen den beiden Männern war 
von der schönsten und vollkommenste» Harmonie. Maria 
und Herbert sahen sich während des Berliner Aufenthalts 
der Komtesse beinahe täglich,' und eines Tages vertraute 
mir die Freundin an, vcus mein weiblicher Instinkt mich 
längst hatte erraten lassen: ihre jungen Herzen hatten sich 
gefunden. Vor der Hand aber mußte ich die einzige Mit 
wisserin ihres Geheimnisses bleiben, denn auf die Einwilli 
gung des Grafen Waldendorff war zunächst kaum zu 
hoffen, und Herbert wollte seine offizielle Werbung so lange 
verschieben, bis er in seinem Beruf hinlänglich Gelegen 
heit gefunden haben würde, seinen Wert und jcinc Tüchtig 
keit zu erweisen. Aber als Maria dann wieder abgereiji 
war, ließ ihm die Sehnsucht nach ihr doch keine Ruhe. Er 
benutzte seinen ersten größeren Urlaub, um nach Bayern' 
zu reisen und sich in der Rühe von Schluß Buchberu ein- 
V-Ü-. ,
        
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