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Periodical volume Nr. 114, 25.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

der Schule sei cs, die Schulzucht zu fürder«. Er Habe 
daher nichts weiter gesagt" als: Die Schule findet ckv-he 
gewöhnlich statt. — G.-V. Dr. H q ßs e (Soz.) bemerkt/ 
er hätte gewünscht, daß Herr Schildberg etwas. Mehr 
zum Fenster hinausgesprochen hätte, als diese gewundene 
Rede. Er erwähnt, daß in Herrn Prof. Webers Klasse 
eine Gereiztheit darüber bestehe, daß die sozialistisch ge 
sinnten Schüler gerade die Begabteren wären. Herr Prof. 
Frey habe am nächsten Tage in der Klasse gesagt: Es 
ist nur gut, daß niemand gefehlt hat.. Er spricht dann 
von Stimmungsmache des Herrn Dr. Anders, der ein 
Meister der Sentimentalität sei. Der_persön 
liche Einfluß des Lehrers in der Schule dürfe nicht 
die Grenzen der Gesinnung überschreiten.. — G.-B. Dr. 
Anders' (Dnat.) meint, man könnte vielleicht vpn- 
Sentimentalität bei ihm reden, wenn er laut geklagt 
hätte, daß ihm der Sohn des Herrn Dr. Hasse in Halle, 
den er hoch verehre, und an den er mit ganzer Seele ge 
hangen habe, in solchem Ton entgegentrete. Er bemerkt, 
daß er auf den Dentschnationalen Jugendbund keinen Ein 
fluß habe, daß er aber damals, in den Hindenburgtagen, 
seine Schüler davon abgehalten habe, sich durch zu große 
Begeisterung in Gefahr zu begeben. — G.-B. Paul R i dy 
t e r (Unabh.) wendet sich sehr scharf gegen die Demo-, 
lraten' und nwint, man erkenne ans ihren Aeußerungen 
ihre frühere Zugehörigkeit zur Fraktion „Drehscheibe". 
(Heiterkeit). Er sei erstaunt über die gewundene Erklä 
rung des Herrn Schildbcrg^ Er fordert von den Leh 
rern, denen die Jugend in die Hand gegeben ist, daß sie 
Toleranz üben möchten., Die Herren, die doch Geschichts 
kenner seien, müßten doch wissen, daß noch niemals! 
hei einer Revolution soviel. Toleranz geübt worden 
sei, wie bei dieser.. Man habe die Herren alle weiter sin 
Amte gelassen. In einer Elternversammlung im G»»i- 
ngsium habe ein Oberlehrer die Freunde seiner Partes 
elende Verbrecher genannt. So sei oft Theorie und Praxis 
verschieden. Er könne die Anschauungen der Herren mcnsch- 
lich verstehen, aber sie müßten doch auch' die anderen 
Anschauungen achten und nicht Zwiespalt säen zwischen 
Schule und Hans.. Von den Demokraten meint er, daß 
sie die Deinokraiic mit den Lippen predigen, aber im 
Grunde des Herzens nicht so wären. Tie Gesinnungs 
schnüffelei >var nie so groß als im alten Staat, der am 
0. .November zusammengebrochen sei. (Lebhaftes Bravo 
bei den Sozialdemokraten). — G.-V. Frau Lastn s <D. 
Vp.) meint, daß hier gesprochen wurde davon, der „soll" 
das gesagt haben.. Da hätte Herr Dr. Hasse doch erst, 
nachfragen sollen (Tr. Hasse: Das habe ich getan). So 
sei cs nur Gerede (Zuruf: Klatsch). — G.-V. Fräulein 
T, h omas (Dnat.) erklärt, daß in der Leitung der 
3. Gemeindeschnle mehr pädagogisches Geschick obwalte, 
als viele vielleicht annehmen. Bei den Klagen gegen Frl. 
Kabelitz handelt es sich vielleicht um solche Schülerinnen, 
die keinen Entschuldigungszettel abgegeben haben, lind 
^ daher sprach sic vielleicht davon, daß sie die Schule. 
" geschwänzt Hütten. Bei der Speisung wurde auch wohl 
nur darauf hingewiesen, daß, ivenn die Kinder nicht käme», 
sie auch kein Essen bckoiiiinen. Sie seien ja aber doch noch 
alle gekommen und hätten ihr Essen erhalten. Sie 'be 
dauere es nur, daß hier Mißtrauen zwilchen Leh 
rer und Schüler gesät lverde. — G.-V. K a in r o w s»? i 
(Soz.) stimmt den Ausführungen des G.-V. Richter zu 
und bemerkt, dafür, daß man so tolerant war, die Herren 
nicht aus ihren Aemtern zu jagen, was noch bei keiner 
Revolution je der Fall war, sollten diese dankbar 
sein. (G.-V. Altmann und G.-V. Dr. Hasse: Dank ist gut). 
War es denn früher denkbar, daß im Schnlanit ein So 
zialdemokrat tätig war. — G.-V. Leon Hardt (Dem.) 
meint, jcht sei man wieder soweit, wie schon früher 
öfter in der Debatte. Die Demokraten seien che Schul 
digen, sie tragen die Schuld daran, daß Herr'Dr. Hasse 
sich mit Herrn ^Dr. Anders streitet und sie seien Schuld 
an der ganzen Sache. Sie tragen ja auch die Demokratie 
nur auf dem Munde, Herr Richter trägt sie im Herzen, 
»rührend seine (Richters) Partei von Demokratie nichts 
wissen will, sondern für die Diktatur eintrete. Die De 
mokraten treten für den Ausgleich der Klassengegensätze 
ein. Das sei nicht Demokratie; aber wenn.man Klaiien- 
haß schüre, dann sei man demokratisch. Nach einigen 
persönlichen Erklärungen der G.-V. Dr. Anders und 
B u t h ist diese Aussprache erledigt. 
G.-V. L ü decke (Dem.) fragt, ob es ivahr ist, daß 
durch die Belegung der Turnhalle in der Albestraße die 
Schüler der 1. Gemeindeschnle' keinen T n r n n n t-eß - 
richt erhalten sollen. Schösse Schildberg antwortet, 
daß diese Frage geregelt sei. Den Schülern der l. Ge 
meindeschule stehe die obere Turnhalle in der Osfenbacher 
Straße zur Verfügung. 
G.-V. DQ.H'asse (Soz.) bemerkt, daß er bei einem 
Besuch im Naryauslcllcr festgestellt habe, daß Warmwasscr 
ständig vorhanden sei, während zur Kohlenersparnis dies 
doch nicht sein dürfe. Bürgermeister Walgcr antwortet, 
daß das Warmwasscr für die, Feuerwehr da sein müsse, 
damit digsc nach einem etwaigen Brande die Badeeinrichtnng 
benutzen könne, lLebhafte Heiterkeit.) 
G.-V. Leon har dt iDem.) erwähnt, daß die Ge 
meindeverwaltung durch die Post Briefe, sende, die sie nicht 
frankiere. Früher mußten die Empfänger 5 Pfg. dafür 
zahlen, jetzt aber 5,0 Pfg. Zumeist geschieht dies bei Sen 
dungen über Milchkarten. Wenn dann noch Milchkarren 
drin sind, zahle man noch gern. Oftmals aber enthalte 
der Brief auch die Mitteilung, daß die Milch abgelehnt 
sei und dafür soll man noch 5,0 Pfg. Porto zahlen. Bürger 
meister W a l g e r bittet, solche Briefe ihm zuzustellen,' die 
Boten sollen die Briese in der Regel zutragen, aber ans 
„Versehen" wandern sie manchesmal in den Briesrasten 
Damit nun solches „Versehen" nicht so oft vorkvmme, 
möchte er die Sachen nachprüfen. 
G.-B. Manlbcckcr (Soz.) wundert sich über die 
Ankündigungen der Sportveranstaltungen der Einwohner 
wehr. in Klammer („Abwicklungsstclle"). Was habe die 
Abloicklungsstelle damit zu tun. Die Einwohnertvehr habe 
sich ja nach Abgabe der Waffen als Hand- und trinkfester 
Verein umgebildet. Bürgermeister Walger erklärt, er 
wisse nichts davon. Auf eine Anfrage des G.-V Lüdecke 
^Dem.) erwidert Bürgermeister Walger, daß der kleine 
Ausschuß für die Abwicklung der EiiNvohnerwehr in liächstcr 
Woche zusammentrete. Der könne dann auch diese Sache 
mit erledigen. ' 
. Dr. S ch u l tz (Diiat.) wünscht die Beschaffung 
einer Personenwage für -die 2. Gemeindeschnle. Schöffe 
Schrldbcrg erklärt, daß diese Beschasfung aus dem 
rponds für die Quakerspeisung erledigt werden könne.- 
Nach der Verlesung und Genehmigung 6er Vcrhand- 
lungsschrift w,rd die öskMiche^Sitzung nin 12 Uhr ge 
schlossen.' — Es folgt eine gehcinic Sitzung. 
Zu unserem Bericht über die letzte Sitzung der Ge 
meindevertretung M Nr. l A schreibt unS Herr G.-B. Dr. 
Anders: In Sachen der Flicdiöerschen Privatschnlc j>ud 
mir Acußernngeil seitens' des Berichterstatters in den 
Mund gelegt worden, die ich ni'cht getan habe und gar 
nicht tun konnte. Ich habe noch niemals Schüler, die 
bei Fliedncr vorbereitet worden sind, in meinen Unterricht 
bekomnie», konnte also. ggr kein Urteil'über diese ans 
eigener Erfahrung ' abgeben. Angesichts' des Gutachtens 
der Aufsichtsbehörde hatte ich das ja auch gar nicht nötig. 
Ich habe lediglich mich gegen den Gedanken gewehrt, als 
sträubten sich die Kreise der Rechten gegen eine Einschulung 
ihrer Kinder in die Gemeindeschnle. Ich bin selbst vier 
Jahre in die Volksschule gegangen und.stehe nicht an zu 
erklären, daß ich in der Volksschule die guten Grundlagen 
meines Schulwissens zu verdanken habe. Was die Be 
rechtigung des Bestehens von Privatschulen betrifft, so 
erklärte .ich einem linksstehenden Gemeindeverircter, daß 
sie wahrlich überflüssig wären, wenn ich lauter solche 
Schüler wie seinen Sohn hätte (Heiterkeit und Zurufe). 
Da das aber icicht der Fall sei und manche Kinder eine 
Einzelbchandlung aus mancherlei Gründen brauchten, 
müßten wir Privatschulen haben, die ihrerseits sehr oft 
treue und gute Arbeit leisteten. 
(Nächdr., unsrer o^Origtnalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Wnuderpollk! Pfingsten! Die Wetterpropheten, die 
uns schönes Psingstwetter vorausgesagt hatten, sind durch 
die Tatsachen noch übertroffen worden: so schön .hatten, 
sie cs sich selber»wohl nicht vorgestellt. Vom frühesten 
Morgen an blaute ein wolkenloser Himmel über eine in 
bunten Farben prangende Natur. Da ging cs dann 
früh aus dem Bett, ,i„, die erfrischende, klare Morgen 
luft in vollen Zügen zil genießen. Den Einladungen zu 
den Frühkonzertcn in den verschiedensten Gartenlokalen 
waren Tausende gefolgt. Die Fricdenaner besuchten 
in grosser Zahl daS Parkrestaurant Sjidcnde, wo der 
„F r i e d c n a u e r M ä n n c r -G e s a n g -V c re i n 1875/' 
(Chormeister ' Herr Wilhcl m S ch in i d t) vereint ,m't 
dem Sinfonie-Orchester (Kapellmeister Herr Schwer 
rin) am 1. Pfingsttagc ein Frühkonzert vcranstal'hte.l 
Kurz nach <> Uhr war dort in jenem prächtigen Ncitzir- 
garten kaum noch ein Stuhl zu haben. Zn Tausenden 
hatten sich hier die Gäste cingcfunden, nin den Mushk- 
wcisen und dem deutschen Liede bei einer Tasse Morgen- 
kafsee zu lauschen. Der Wirr war für diesen Massenbesuch 
nicht vorbereitet, es fehlte ihm an der genügenden Zahl 
Bedienungspersonal und wer sich nicht selbst irgend ein 
Getränk verschaffte,, mußte darauf verzichten. Der Ge 
sangverein begann die Bortragsfolge mit dein Liede: 
„Sonntag ist's", das so recht in die Morgcnstiinmnng 
hineinpaßte. Weitere hübsche Lieder: „Frühlingszauber", 
„Morgen im Walde" itzw. folgten. Reichen Beifall ern 
tete er auch mit dem Vortrag zweier im Volkston ge 
haltener Lieder seines Chorineistcrs Herrn Wilhelm 
Schmidt: „Ich habe den Frühling gesehen" und .„Die 
Erwählte"., Das letztere mußte nach stürmischein Beisall 
wiederholt werde». Den Schluß bildete die r.heintzche 
Wci e: „Ein rheinisches Mädchen", das bei jedem, der 
einmal n» solchem Pfingstmorgen am'schönen, „ehemals" 
deutschen Strom weilte, Stimmungen und Erinne 
rungen wachrief. Dem nicht cndenwollenden Hciiide- 
klatzc! das diesem Gesänge folgte, mußte der Chor 
eine Zugabe folgen lassen in dem neckischen: „Tanz Lieb 
chen, tanz". Auch den durchaus guten Darbietungen des 
Sinsvi :c Orchesters wurde wohlverdienter lebhafter Bei 
sall znieil, sodaß dieses gleichfalls Zulagen machen mußte. 
— Die Massen ströinien aber nicht nur zu den Frühkon 
zerten, sie ».änderten auch weiter hinaus in die präch 
tige Landschaft der Umgegend Gro.ß-Berlins. Nach Ost 
und West und nach dem Norden gingen die Hanptströinc 
der Ausflügler. Die Eisenbahn hatte einen Riesenvcr- 
kehr zu bewältigen und .sie stellte auch alle verfügbaren 
Wagen und Maschinen in den Dienst. Zahlreiche Son- 
dcrzügc ivnrden eingelegt und cs war erfreulich, seftzu- 
ftellen, daß cs mir der Eisenbahn wieder aufwärts geht. 
Die Wagen waren durchweg gut im Stande und es liefen 
auch verschiedene neu hergestellte Wagen mit in den Zügen. 
Ta legte man sich vielleicht die Frage vor: Wird dieser) 
„Aufwärts" ivohl wieder gestört werden? Putsche und 
der Ausfall der Wahlen könnten sehr wohl hindernd in 
das Räderwerk greifen. Nicht so starken Verkehr hatten 
die t e u r e n Straßenbahnen zu verzeichnen. Man fährt 
ja z. B. auch vom Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau nach 
Bahnhof Gruneivald oder Bahnhof Rennbahn für 30 Pfg. 
3. Klasse, während die Straßenbahn für eine iveit kür 
zere Strecke 70 Pfg. fordert. 
o Kariojscln im voraus! In der Woche vom 31. Mai 
bis <!. Juni gibt es ans die Abschnitte 23a—e der Kar- 
tofselkarte 5 Pfund Kartoffeln. Diese Kartofeln können 
bereits von heute ab abgegeben und entnommen 
werden. 
o Das Wahlrecht zur Siadtverordnetenwahl und z n r 
Bezirk sp e r s a in in l n n g ist geknüpft an eine Wohn- 
sitzdaucr von einem Jahre in Groß-Berlin. Eine 
Ausnahme von dieser Bestimmung ist geingcht zu Gunsten 
der rcntcnempfangenden Kriegsbeschädigten, der heimge 
kehrten Kriegs- und Zivilgefangenen -sowie der Fiüa-tö 
finge aus den verlorenen oder besetzten Gebieten, die 
in Groß-Berlin wohnen. Sic sind wahlberechtigt,' auch 
wenn , sic noch nicht ein Jahx in Groß-Berlin ansässig 
sind. Das Wahlrecht wird ausgeübt auf Grund eaics 
Wahlscheines der auf Antrag von der Gemeinde, in der 
der Kriegsbeschädigte usw. wohnt, ansgestellt ivird. 
Der Minister hat zur Wahlordnung bestimmt, daß der 
leitende Wahlkommissar anordnen kann, daß ein ei»-- 
zig er gemeinsamer Stimmzettel für die Stadt- 
verördnctcn- und Bezirksverordnetenwahl abgegeben wird. 
o SchäumnerunachstkUkr. Ter Schaninwc'in wird einer 
Nachsteuer vom 1. Juni 'd. Js. ab nnterworfcii. Die 
Bestände an Schaninlvcin.sind deshal'p umgehend der 
zuständigen Zollstellc anzumelden. Schaumwein im Be 
sitze von Eigentümern, die weder Ausschank noch Handel 
mit 'Getränken betreiben, bleibt, sofern die Gefamtuienge 
nicht, mehr als 10 Flaschen beträgt, von der Nachsteuer, 
befreit. • , . . • | 
o Aerzte und Kraukt-nkassen. In unserer letzten Nuni- 
mer findet sich, wie in verschiedenen Berliner Zeitunäc»t 
Krankenkassenpatienten abzulehnen. Bo» znslä'ndigcr ürzt-i 
^ (KuMtÄMkiche Vertragsgemeinschaff für dis 
jüdwestlichcu Borortc 'MMM^Mtoiv,.,SüdwLstöVer^ 
band) wird uns mitaereilt: Bon einem Acrztestveik nntz 
Ablehnung jeder Behandlung don Kbankentasseupatientoir 
st kerne Rede. Der „vertragslose.Zustand", bei welchem 
die. betr. Kassenpatienten nur als Privatpatienten gegen 
ofortige Bezahlung behandelt werden, ist in. unsern! Ge- 
chäftsberxich nur für einige wenige Kassen, welche Ver 
handlungen abgelehnt haben, erklärt worden. In Frie-. 
)enau nur für die L a n d k r a n k c n k a s s c B l n. - F r i e- 
den au '(vgl.'die Betänntmachnng in dies. Nr.) Mit fast 
allen übrigen Kassen, besonders den Großberlincrn dauern 
die, wie tvir hören, durchaus nicht aussichtslosen Verhand 
lungen fort. Tic Mitglieder dieser Kassen werden -daher 
zunächst nach wie-vor als Kassenpatienten behändest. 
o Erhöhung der Zwangeentla-cgebührrn. Die Han 
delskammer zu Berlin weift die beteiligten Verkehrs 
kreise darauf hin, daß aus Anlaß der Steigerung der 
Fuhrunterhaltungsko'sten und Fnhrlöhnc auch eine.weitere 
Erhöhung der amtlichen Zuführnngs- und Zwangsentladc- 
kosten bedingt wurde. Tic seit dem 15. Mai eingeführte 
Erhöhung gegenüber den bisherigen Sätzen beträgt ctiva 
durchschnittlich 50 Prozent. Es werden beispielsweise er 
hoben: Für die amtliche Zuführung für Koks, Sand, 
Kohlen. Briketts 2,10 M. für 100 Kg., für Verblendsteine, 
Tachschiefer, Fußbodcnplaiten usw. 3 M. für -100 Kg. 
bei Entfcrnnngew bis 2000 Meter vom Bahnhof und für 
je weitere 1000 Meter ein Zuschlag von' 0,55 Mark für 
100 Kg. Beb zwangsweiser Abrollung werden diese Ge 
bühren um 25 Prozent erhöht. Es kann den Empfängern 
von Wagenladuiigen in, eigenen Interesse nur empfohlen, 
werden, 'ihre Sendungen möglichst fristgemäß zu entladen. - 
o Erhöhung der Sachvrrständigkn-Gcbührkn. Tic Handels 
kammer zu Berlin ist in einer Eingabe an das Reichs-Jmrizinini- 
sterinm dafür eingetreten, daß der tz 3, Absatz I, der deutschen 
Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige, wie folgt, 
geändert werde: „Der Sachverständige erhält für seine Leisinn 
gen eine Vergütung nach Maßgabe der erforderlichen Zcitver- 
sänmni's,ni Betrage bis zu !> Mark für jede angefangene Stunde. 
Ist die Leistung besonders schwierig, so darf der Betrag bis zu 
12 Mark für jede angefangene. Stunde erhöht werden." 
obh Arbeitszeit und Forlöildungssckulöcsuch. Zn der 
Frage, ob die Zeit zum-Besuch der Pflichtfortb.-Tchulcn 
und Gewerbeschulen als Arbeitszeit anzurechnen sei, hat 
der Neichsarbeitsministcr einen Bescheid erteilt, worin 
er die Auffassung vertritt, daß die Zeit zum Besuch 
der Prlichtfortbildnngsschnlen und Gewerbeschulen als 
Arbeitszeit anzurechnen sei. „Für die Frage einer Ent-- 
lohnnng der Unterrichtszeit sind bei gewerbliclwn und 
kausmännischen Lehrlingen die abgeschlossenen Sehrver- 
iräge inaßgebend, deren Auslegung im einzelnen Falle 
den ^>azu berufene» Stellen, wie Haiidweriskainincrii, 
Innungen usw. obliegt. Bei jugendlichen Arbeitern und 
Angestellten, die in keinem Lehrverhältnis stehen, ist der 
mit den Arbeitgebern getätigte Anstcllungsverirag aus 
schlaggebend. Streitigkeiten über die Entlohnnng sind 
vor den Gerichten zum Austrag zu bringen. Allgemein 
kann eine Bcrpflichtung der Arbeitgeber zur Lohnzahlung 
für die Unterrichtszeit nicht angcnvinAen werden. Auch 
die Verpflichtung zur zeitlichen Anrechnung ist 
vorerst nicht in einer ausdrücklichen gesetzlichen Bprschrist 
begründet. Eine reichsgcsctzliche Regclnng dieser Fragen. 
in Verfolg der bekannten Beschlüsse des Ge>ver!schaft.r- 
tongrcsscs in Nürnberg ist nach dem Zlisamiiiciikritt des 
neuen Reichstags zu erwarten." 
o Zum Besteik des' Glockenjonds. Am Dienstag ver 
einigten sich in der Friedenaner Kirche zum Wiitfl* Hirten 
drei Musiker von hervorragendem Kvnncii zu dem ioohl- 
.tätigen Zweck, den Kirchcnglockensonds zu erweitern. Das 
Konzert bot von Anfang bis zu Ende einen nngetrübten 
Kunstgenuß und der vollendete Vortrag wird in den 
Seelen der Zuhörer noch lange Zeit Nachhallen. Dem 
Orgelspiel, ausgeführt von einer Dame, sah die Zuhörer 
schaft mir Spgnnung entgegen. Lange haben wir nicht 
ein so gutes Orgclspiel gehört. Es ist umso mehr anzn- 
ertcnnen, daß eine, Dame dies .schwere Jiistruincnt so 
meisterlich zu behötrschen ivnßtc. Es gibt nur wenici' 
wirklich gute Orgelspielerinnen. Welch hohe Kunst ent 
faltete sich da sowohl im Einzelspiel der klassischen iui6 
neueren Orgclkompositioncn, lvic als Begleiterin de-K 
Violinspielers, war die Künstlerin «nvergleichlich. Dev 
Künstlerin Frl. Jenny Fromclt mit ihrer , warmen., 
frischen geschulten Stimme, dem Geiger Herrn Hans 
B a s'se rmlalnti und der Orgelspiclcrin Frl. Jdalitz 
W ehr h ahm, deren vollendeter Vortrag sich auf feinste 
Technik stützte und die sich zu einem. großen Kunstwerk 
vereinten, wissen sicher alle Zuhörer heißen Dank für 
solchen Trost in schwerer Zeit. H. H. 
o Die Tvziakdc-nolratiech: Mehrheitrpartei, .Ortsgr. 
Friedenau hielt am Freitag im Bürgersaal des Rathauses 
eine gut besuchte öffentliche Vcrsanimlung ab, die sich: 
ntit Beamtenfrägen beschäftigte. Es sprachen der 2. Bor 
sitzende des Eisenbahncrverbandes Gustav Scheffel, der 
Kommunalbeamie Gustav Erdniaiin und der Obcr-Post-- 
Assistent Ernst Scholz. Die Redner besprachen eingehend 
- die Tätigkeit ihrer Partei in der Nationalversammlung 
und die Erfolge, die durch die Nationalversammlung be 
reits erzielt worden sind. Das Hans wurde" gcfchafsen. 
die deutsche Einheit erzielt und nun gelte es auf seni 
Errungenen weiter aufznbaucn. Sie legten dar, daß-die 
Beamtenschaft nur bei der Sozialdemokratie zu ihrem 
Rechte komme, genau so, wie es die .Sozialdemmratio 
ickar, idie den Frauen das Stimmrecht gegeben habe. Dafür 
Ulkten besonders die Bcaintcnfrauen sich dankbar zeigen. 
Für die Beamten könne cs am' <>. Juni nur eine Wahl 
geben, die der sozialdemokratischen 'Liste. In der Aus 
sprache vertrat Herr H a d r o ß e k den Standpunkt der 
.Unabhängigcn. Herr Büchhokz antivortcte ihm und 
erklärte, daß die Unabhängigen stets beiseite gestanden; 
haben, anstatt 'mitzuarbeiten. Jetzt schimpfen sie, daß. 
noch nicht soviel erreicht sei, wie es die Sozialdemo-' 
kraten selbst gewünscht hätten. Das Verhalten lonnne 
ihm so bor, wie das jenes Tischlergesellen, der mit deit'. 
Händen in den Hosentaschen einem Maurer bei Anfsüh- 
rulig einer Mauer zuschaut'und bemerkt: Das dauert 
verslncht lange! (Beifall!) Der Unabhängige Herr M not 
ier meint, seine Partei sei die Verfechter der echten So 
zialdemokratie, die Me'hrhei.tssozialdcmvtrakeil wären Irr 
lichter. Herr Sasse ivünschte eine wirksamere Vertan' 
tung der B'eamtÄiintcrcsscn bei allen Parteien. Herr. 
R udb eck wandte sich gegen die Rechtsparteien, sprach' 
zum Kapp-Putsch und ging auch gegen die Unabhängigrit 
und di^ von diesen geforderte Diktatur vor. Eine Tje/- 
tatur komtiic ihm vor wie das Vorgehen eines Leutnants, 
der koinmändiere': Stillgefraiiden! Maul halten! Herr 
Gememdeverordneter Pinrak betonte gleichfalls 'd:s 
wirksame Vertretung der Beamten durch die Sö»käldemo- 
kratie aind sprach, auch gegev die DgiyoWtenZ, Herr 
Ähretts setzte sich für die Deutsche Wirtschasts- nnd Ac>
        
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