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Periodical volume Nr. 114, 25.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Kriedenauer 
WattelWe Seltvvg sürM.-Frledellas vnd 
vrscheini täglich abends. 
tzerusprsch«: «st «»». — Druck und Verlag von Leo Gchultz, 
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monatlich 1,80 Mark; durch Baten 
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Berltu-Kriedena«. Rheinstrah« 1«. — Fernsprecher: «mt Pfalzbnrg 21SS. 
Nr. 114 
Berlill-Friedenau, SienrtW, den 2S. Mai 1928 
Fahlg. 27 
Neueste Nachrichten. 
Berlin. In einem Hotel in der Prenzlauer Straße 
stieg gestern Abend ein angebliches Ehepaar ab, das sich 
als Ernst Lattus und Frau aus Kattowitz in das Melde 
buch eintrug. Heute früh ertönten zwei Schüsse. Ter 
Mann hat seine Begleiterin und darauf sich selbst erschossen. 
Die Frau wurde als das 23 Jahre alte Hansmädchen 
Marie Schlei), die zuictzt in der Charitce beschäftigt war, 
festgestellt. Der Name des Mannes konnte noch nicht er 
mittelt werden. 
Berlin. Der Invalide Friedrich Steffen, Borhagc- 
ncr Straße 130, stürzte sich gestern in selbstinorderio 
scher Absicht ans dem Fenster seiner im vierten Stock 
gelegenen Wohnung ans die Straße. Er erlitt so schwere 
Verletzungen, daß er hcrbdeigerufene Arzt oes Rcttm.^S- 
amtes keine Hilfe mehr bringen konnte. Stessen starb 
nach kurzer Zeit. 
Warschau. General Szepticki hat das Oberkom 
mando des polnischen Heeres an ganzen russischen 
Front übernommen. In Wilnaer Blättern veröffentlicht 
er folgende Erklärung: ,,Alle Maßnahmen werden ge 
troffen. Es liegen keine Gründe zu irgendwelchen Besorg 
nissen vor. Alles wird bald in Ordnung gebracht werden. 
Die Einwohnerschaft Wilnas kann ganz ruhig sein." 
London. Der Daily Expreß verbreitet das Ge 
rücht, das in Lemberg umgeht, die Polen hätten Kiew 
bereits wieder geräumt. 
.Paris. Nach einer Tempsmcldnng aus London 
wird Wilson die Generalversammlung des Völkerbundes 
im November nach Brüssel einberufen. Die Tagesordnung 
der Versammlung wird durch den Nat des Völkerbundes 
Ende Juli festgesetzt werden. 
N o in. Der morgige erste Ministerrat des neuen 
Kabinetts wird sich auch mit anßerpolitischen Fragen be- 
schästigcn und insbesondere über die Wiederaufnahme der 
Verhandlungen mit den Jugoslawen zu entscheiden haben. 
Sitzung der Gemeinclevertretung 
von Donnerstag, den 20. Mai 1920. 
(Schluß.) 
Die Gebührenordnung für Unterbringung Frie- 
dcnancr Kinder auf dem Lande wird in 1. und "gleich 
darauf in 2. Lesung in der Weise abgeändert, daß der 
Kostcnziischuß der Eltern für die hinausgeschickten Kinder 
von 1 M. täglich auf 1,50 M. täglich erhöht wird. 
15 000 M. für die Volkshausgemeindc. 
G.-V. Thomsberger «Dein.) begründet den An 
trag seiner Fraktion. Auf die Ziele und Bestrebungen 
der Volkshausgemeindc wolle er nicht eingehen, die dürften 
allen bekannt sein. Es sind in letzter Zeit in Baden- 
Baden 100000 M., in Mainz 200000 M., in anderen 
Orten 300 000 M. und 400 000 M. und in Lichtenberg 
1 100000 M. für Volkshäuser bewilligt worden. Die ge 
forderten 15 000 M. sollen der Errichtung einer Lesehalle 
in Verbindung mit einer Volksbibliothck dienen, um so 
einen Gedanken der Volkshausgemeindc zu verwirklichen. 
Mit Unterstützung des Herrn Prof. Paalzoiu und Prof. 
Best habe man diese Angelegenheit, die eine durchaus 
unpolitische sein soll, bereits vorbereitet. G.-V. Dr. 
Hasse (Soz.) bemerkt, daß die Rechtsparteien mit ihrem 
Antrage auf Errichtung einer Lesehalle, den sie wieder 
zurückgezogen haben, die Gedanken seiner Fraktion auf 
genommen halten. Er stehe auf dem Standpunkt, dag 
eS wünschenswert fei, die Volksbücherei und Lesehalle in 
vie Briefe der Prinzessin. 
Bon E. Ph. Oppenheim. 
Ci (Nachdruck verboten.) 
„Ach, ich wußte ja kaum noch, was ich tat. Der Zu 
sammenbruch meiner Hoffnungen war ein gar zu fürchter 
licher gewesen. Natürlich hatte ich zuerst keinen anderen 
Gedanken, als den der schrecklichsten Vergeltung an dem 
Räuber meines Glückes. Aber in all meine wilden Nache- 
phantafien hinein klang das Echo des Iubelrufes, mit 
dem du ihn begrüßt hattest. Ich sah immer wieder dein 
glückstrahlendes Gesicht vor mir und deine leuchtenden 
Augen. Woher hätte ich da noch den Mut und die Kraft 
nehmen sollen, meine Hand gegen den zu erheben, dem das 
Aufjauchzen deiner Seele gegolten? War es denn nicht 
mein einziges Verlangen gewesen, dich glücklich zu machen ? 
Und hätte ich nicht vor meinem eigenen Gewissen als ein 
erbärmlicher, selbstsüchtiger Lügner dagestanden, wenn ich 
jetzt, da statt meiner ei,n anderer dir das Glück gebracht, 
plötzlich die Rolle des feindseligen Zerstörers übernommen 
hätte? Nein, wenn es auch sicherlich nichts weniger als 
Liebe war, was ich für ihn empfand, vor meiner Rache 
wäre er unter allen Umständen sicher gewesen uni 
deinetwillen, Margot — und um der unermeßlichen Liebe 
willen, die ich dir bis an das Ende meiner Tage bewahrt 
hätte." 
Sie ließ den Kopf an feine Schulter sinken und erhob 
die feuchtschimmernden Augen zu ihm auf. • 
„Das war viel mehr Großmut, du Lieber, als ich es 
um dich verdient habe. Aber ist es nicht seltsam, daß ich 
fast dieselben Worte einst aus dem Munde des Mannes 
gehört habe, den du jetzt um meinetwillen zu schonen ge 
dachtest?" 
„Aus dem Munde deines Bruders, Margot?" 
„Ja. Und nachdem mich die Prinzessin bevollmächtigt 
Lat, dir alles au errichten, wird auch er mir es verzeihen. 
die Hand der Gemeinde zu bekommen. Er beantrage da 
her. Verwcisiliig an den VolksbildiiiigSausschuß. G.-V. 
Thomsberger -Dein.) erklärt sich mit diesem Antrage 
einverstanden. G.-B. Frau Laskus (D. Vp.) ist auch 
für Verivcisuilg an den Ausschuß, weil die Frage noch 
nicht genügend geklärt s»i. Sie stehe auf dem Stand-- 
piuitt, daß die Errichtung der Lesehalle Sache der Gc- 
meinde sei. — Der Antrag geht an de» Volksbildungs 
ausschuß. 
Tro Evtlacksungsavstalt in der 2. Gemcindcschiile ist 
nach den Mitteilungen des Schöffen D t t fertiggestellt, 
cS feien aber noch verschiedene EinrichtungSgegcnstäiide 
notwendig, wie Waschbecken, Kopfschalcn, Handtücher, 
Chemikalien, Holzessig usw. Dafür bittet er um einen 
Betrag bis z» 1000 M. Die Notwendigkeit der Anstalt 
habe sich gerade in letzter Zeit wieder stark erwiesen. Die 
Lauseplage habe wieder überhand genommen. Die 1000 
Mark werden bewilligt. 
G.-V. Dr. A il d e r s gibt die Erklärung ab, daß 
bei der Zuschußtrao» für die Fliednersche Schule ein Teil 
des RechtSblock dagegen gestimmt habe von dem Gedanken 
des Gerechtigkeitsgefühls. Er möchte aber zum Ausdruck 
bringen, daß damit die grundsätzliche Stellung seiner 
Fraknvn zu dieser Frage nicht berührt iverde. 
Schule und Maifezer. 
Anfrage des G.-V. Tr. Hasse (Svz.): Es seien 
ihm eine Anzahl Beschwerden über die Maisrage und ihre 
Behandlung in der Schule zugegangen und er möchte hier 
au bcii Dezernenten weiter geben, >vas er gehört habe. 
Am Ghmnasium haben anc 1. Mai 6 Primaner gefehlt, 
die sozialistisch gesinnt sind, während ihre Eltern deutsch 
nationaler Gesinnung sind (Heiterkeit, Zurufe). Sic kön 
nen sehen, daß der Sozialismus Fortschritte macht (G.-V. 
Altmann: Kinderkrankheiten. Lachen.) In diesem Falle 
sind nun au die Eltern Schreiben gerichtet worden, ob 
sic die Zustimmung zu dem Fehlen ihrer Kinder gegeben 
haben. Bei Oberprimanern handele es sich doch ivohl 
schon um junge Leute, die eine selbständige Meinung 
haben. Wenn man hier also Gegensätze zlvischeu ihnen 
niio ihren Eltern schaffe, so sei das G e s i n n u ri(z s - 
schnüf feiet. Man habe aher eine Beschwerde an den 
Kultusminister gerichtet und ein Disziplinarverfahren gegen 
den Direktor beantragt. (Zurufe: Das ist Schnüffelei). 
Er gebe zu, daß im normalen Falle die Eltern zu 
fragen sind, aber in diesem Falle mußten die Kididev 
geschützt werden, auch gegen ihre Elter». (G.-V. Alt- 
mann: Das ist Ihre Erziehung). Der andere Falt be 
trifft die 3. Gcineindeschulc. Hier sei Herr Rektor Schild- 
berg durch die Schule gegangen und habe gesagt: Bei 
uns wird nicht gefehlt. Herr.Schildbcrg habe überhaupt 
den Wortlaut des Erlasses nicht .beachtet und habe die 
Lehrerschaft veranlaßt, seinen Standpunkt einzunehmen, 
während ei» Lehrer schon dabei ivar, die Schüler auf 
zuklären. Ferner richtet sich eine Beschwerde gegen Fräu 
lein Kabelst). Hier scheine cs sich wohl mehr um eine 
Fahrlässigkeit zu handeln, da diese Dame sonst loyaler 
Gesinnung ist. Sie habe aber ,Kinder, die nichts wußten 
„gestichelt" und gesagt, ivcnii ihr gm 1. Mai nicht ^llc- 
sckwänzt" hättet, dann wüßtet ihr ps. Er spricht dann 
mit Bezug auf die vorherigen .Aeußerungen des Herrn 
Direktor Haiinemaun über ein Kollegium von reaktionären' 
Männern und als daraus Zurufe Kommen, meint er, daß 
cs noch reaktionärere Männer gäbe, als unsere reaktionäre 
Schössen (Zuruf Schöffe Ebers) „Nein. Herr Ev»rd. 
Sie meine ich nicht!" Darnach führt er an, daß, gls 
ein Mitglied des Arbesterjugcndvereins mit dem Jugend- 
pfleger K ü h n Rücksprache über die Benutzung des Jugend 
heims nahm, Herr Kühn erklärt Haben soll: So lange 
ich etwas darüber zu bestimmen Habe, wird die Arbeiter 
jugend nicht in dieses Heinp-einziehen. (Zurufe: Nanu! Das 
kann nicht stimmen). — Schöffe Ott erklärt, daß die 
Fälle der 3. Gemcindeschnle in der Schuldeputatiou be 
sprochen worden sind. Es wurde festgestellt, daß in jeder 
Weise ordnungsmäßig Verfahren worden ist. — G.-V. Dr. 
Anders (Dnat.) führt aus, daß es schwer sei, zu der 
Angelegenheit zu sprechen, weil er über den. inneren Schul- 
betricb nichts sagen dürfe. Das einfachste wäre es ivohl, 
das Untcrsuchuilgsverfahren avzulvarten, dem die Lehrer 
schaft des Gymnasiums mit größter Ruhe entgegensähe. 
Der Erlaß des Kultusmilnsters verlangte, daß den Schü 
lern aus ihrem Fehlen keine Nackteste erivachsen, das 
geichähc nicht. Hier aber handelt ps sich darum, daß 
die Eltern damit einberstauden sein müssen, ivenu ihr 
Sohn fehlt. Und sv ist Ls in diesem Falle, wo angefragt 
wurde, weil die eltcriiliche Eiiiwllljgniig gefehlt hatte. 
Er verliest daun eine Mitteilung aus dem „Vorivärts", 
die sich mit Vorgängen am Hiesigen Gyinuasjuin ivährcnd 
der Kappwoche beschäftigt und nimmt gegen diesen Ar 
tikel den Leiter des Gyinnasiuins sehr energisch in Schutz. 
Alles. Ivas in dein Artikel-stehe, sei falsch, tatsächlich Habe 
in der Kappwoche der Unterricht .nicht eine Woche ge 
ruht. Er empfinde für diese Art des Vorgehens gegen 
Lehrer und Schule den tiefsten Abscheu niid würde es 
bedauern, wenn der Lehrer dadurch gezwungen würde, 
das Lestc und Edelste tvaS >?S gäbe, das gute persönliche 
Verhältnis zu den Schule» aufzugeben. — Schöffe von 
Wr o eh e in (D. Vp.) bemerkt, wenn Herr Dr. Hasse sich 
bei seinen dem Jngcndpflegeausschnß angehörenden Irak- 
tionsgcnosscn zu erkundigen, er erfahren haben müßte, 
daß der JugcnvpslegeauSschnß beschlossen habe, daß irgend 
welche Unterschiede nicht gemacht werden dürfen. Herr 
Kühn könne daher das, was Herr Tr. Hasse anführte, 
garnicht gesagt haben. — G.-V. Maulbecker (Soz.) 
erwähnt, daß ein Lehrer den Kindern gesagt habe, wenn 
>ie am l. Mai nicht zur Schule kommen, bekviiiiiien (sie 
auch von der QiiäkerspciHing nichts zu essen. Er spricht 
von dem Marihriuin, dem Lehrer sozialistischer Gesinnung 
int Kreise dentschiiatioiialgesi,unter Kollegen ausgesetzt 
wären. — G.-V. Levnyardt (Dem.) .erklärt zur Aeuße 
rung des Herrn Kühn, daß cr diese für vollkommen gns- 
geschlvssen halte. Er kenne Herrn Kühns politische Ge- 
sinnnng seit Jahren, und in wiederholten.Besprechungen, 
die er mit diesem hatte, Habe dieser sich in sehr scharfer 
Weise dagegen ausgesprochen, daß im .früheren Staat 
die Arbcitcrverbände kein Entgegenkommen gefunden 
hatten. Er äußert sich dann dahin, daß der Beschluß 
der Nationalversammlung, den 1. Mai nicht zu feiern, 
hätte respektiert werden müssen. Durch .solche Vorgänge, 
wie sie hier vorgetragen wurden, werde Mißtrauen zwischen 
Lehrer und Schüler gesät, darunter leide das gute 
Verhältnis. Ebenso wünsche er aber auch, daß Herr 
Dr. Anders ciiimal seine». Einfluß gegen das Wirken des 
Dentscknattonalen Jngendbnndes, der nirgends so groß 
sei, Ivie am Ghinnasiniii, geltend.mache. Es dürfe auch 
solche Politik nicht an der Schule getrieben werden, ob 
wohl ja der Kultusminister den Deutschnationalen Jugend- 
bund, der ganz im Dcutschnationalen Fahrwasser schiviinme, 
sonderbarerweise für unpolitisch halte. G.-B. B» t h 
(Soz.) hält cs für gut, daß durch eine öffentliche Be 
handlung solcher Fragen Mißtrauen und falscher Ver 
dacht beseitigt iverde. — Schösse Schildbcrg (Dem.) 
bezweifelt es, daß Herr Kühn die vorgetragene Aeuße 
rung getan habe,. Im Ausschuß sei die Beschwerde 
gegen ihn schon zur Sprache gekommen und der Ausschuß 
habe sich dahin ausgesprochen, daß er sich dnrchaitk 
korrekt verhalten habe. Seine 1. Aufgabe als Leiter 
wenn tch dich einen Einblick in die Schicksale der beiden 
Menschen tun lasse, die meinem Herzen hier auf Erden 
am nächsten stehen." 
„So komme ich also doch erst nach ihnen?" fragte er 
mit sanftem Vorwurf. „Freilich, ich habe wohl kein Recht, 
einen besseren Platz zu verlangen." 
Margot umschlang seinen Nacken und bot ihm frei 
willig ihre schwellenden Lippen. 
„Das war garstig gesprochen," sagte sie, als er sie 
wieder freigab. „Und du weißt sehr wohl, daß sich mit 
nichts anderem vergleichen läßt, was ich für dich emp 
finde." 
„Wenn es so ist, Margot, wenn unsere Liebe auch 
dir das höchste und herrlichste auf Erden ist, kannst du es 
dann wirklich über dich gewinnen, mich noch länger in 
dieser marternden Ungewißheit über unsere Zukunft zu 
lassen? Ich will dich nicht quälen, gewiß nicht! Aber 
du mußt doch ein wenig Mitleid haben mit dein Zustand, 
in dem ich mich befinde. We>.a unserer Vereinigung ein 
Hindernis entgegensteht, das ich noch nicht kenne — wohl, 
so laß mich erfahren, wie es aussieht und welchen Namen 
es hat. Ich fühle mich stark genug, alles aus dem Wegs 
zu räumen, was uns trennen will, aber ich bin nicht 
stark genug, mich wachen- und monatelang beständig zwischen 
Furcht und Hoffnung hin und her werfen zu lassen. Es 
zerreibt meine Nerven und bringt mich dem Wahnsinn 
nahe." 
„Aber es geschieht doch nur deinetwegen, Heinz, wenn 
ich das,Ja' nicht aussprechen will, das dich mit schwer zer- 
reißbaren Banden an mich feffeln würde. Glaubst du 
denn, daß es mir leicht fällt, mich dir zu verweigern? 
Ist dir nie die Vermutung gekommen, daß meine Kämpfe 
in diesen letzten Tagen noch härter und noch schmerzlicher . 
gewesen sein könnten als die deinigen? Wäre es nur 
die Stimme meines Herzens, die ich befragen müßte — ach, j 
ich würde über die Antwort wahrhaslig nicht lange str , 
Ungewissen fein. Aber ick darf nicht bloü an mit 1 ' denken, 
. ... - - -- E ^ 
mein geliebter Freund! Es wäre schlecht, und cs märe 
nicht einmal klug. Denn auch die höchste irdische Glück 
seligkeit ist zu teuer bezahlt, wenn sie niit einer zerstörbaren 
Zukunft und mit einem Leben voll bitterster Reue bezahlt 
werden muß." 
„Und wessen Zukunft sollte hier auf dem Spiele stehen» 
Margot — die nieinige etwa?" 
„Ja, Liebster! Solange dies drohende Verhängnis gleich 
einer unheilvollen Wetterwolke über meinem Haupte schwebt, 
bin ich das Mädchen nicht, dessen ungewisses Los du mit 
deni deinigen verknüpfen dürftest. Gerade weil du als 
schaffender Künstler mitten in der Oeffentlichkeit stehst, und 
weil viele tausend Auge» erwartungsvoll auf dich gerichtet 
sind, mußt du deinen Namen rein und deinen Ehrenschild 
fleckenlos erhalten. Nie würde ich niir cs verzeihen töiinen, 
wenn dein junger Ruhm durch mich zuschanden geinacht 
und wenn dir durch mich der Weg abgeschnitten würde 
zu jener Höhe, die zu erreichen du durch dein Talent 
wie durch deinen Charakter berufen bist. 
„Ist das deine ganze Sorge, Margot? Weil du dich 
aus den reinsten und edelsten Beweggründen einmal in 
deinem Leben zu einem unbedachten Schritt hinreißen 
ließest, darum solltest du den Anspruch darauf verwirkt 
haben, die Lebensgefährtin eines ehrenhaften Mannes zu 
werden? Wahrhaftig, wenn je eine Bedenklichkeit über 
flüssig und töricht gewesen ist, so ist es diese. Sie mögen 
nur versuchen, deinen guten Namen anzutasten — sei ver 
sichert, daß ich der Mann sein werde, ihn zu verteidigen." 
Aber seine Zuversicht vermochte sie nicht mit sich fort 
zureißen. 
„Du wärest sicherlich Mann genug, mich gegen Räuber 
und Mörder zu verteidigen, und unbedenklich würde ick) 
mich deinem starken Schutze anvcrlrauen, wenn cs nur 
solche Gefahren wären, die mich bedrohen. Aber auch der 
Stärkste ist wehrlos gegen die tanfendzüngige Fama, die 
ans unzähligen sicheren Schlupfwinkeln heraus feine Ehr» 
bejccdelt und sein Leben verwstet^ .^Fortsetzung solgt-j*
        
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