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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zu Nr. 113 des „Friedenaner Lokal-Anzeiger" 
Sonntag den 23. Mai !920. 
AlltlchZ Pfingsten. 
Pfingstfest, strahlendes, jubelndes Fest! Die Natur 
hat ihr Füllhorn bereit, ihre nullen Gaben auszustreuen. 
Die Sonne lacht über einer keimenden, wachsenden, frucht 
bringenden Welt. Tie Arbeit soll lohnen. Die Ernte soll 
kommen'. 
Auch über Deutschland? 
ES ist schwer, sich über niederdrückende Tngeser- 
scheinungen, über Unzulänglichkeit, Klassenhaß, gegenseitiges 
Uebelwollen, kurzsichtigen FeindeShaß m reine Hohen zu 
erheben. Aber die Natur ist größer als Menschenwahn. 
Wenn uns im Innern nur ein kleiner Funke des Lichtes 
glimmt, den wir im wahren Sinne des Wortes „Geist" 
nennen dürfen, so umfängt uns mit der Harmonie der Natur, 
ihrer unveränderlichen, ewigen Güte der Macht, deren be 
seligenden, beruhigenden Wirkung wir uns auch in unserer 
kampfdurchtobtcn Gegenwart nicht entziehen können. Deutschen 
Wesens Innerlichkeit birgt geheime Kräfte, die wohl fähig 
sind, einem daniederliegenden, nach dem rcchtenWege suchenden 
Volk, wenn anders es nur den Willen zum Leben, zur Selbst- 
gesuodung besiht, heilende Hilfe zu bieten. Wir müssen 
wieder beginnen, an uns selbst zu glauben, an einen un 
zerstörbaren nationalen Lebensmut, der sich nicht zertreten 
läßt, an das Beste und Edelste, daß in unserer Geschichte 
lebt und sich tausendfach ajs das, was endlich doch siegt, 
bewährt hat. 
Starke, mächtige Bewegungen durchmalten unsere Zeit, 
die uns geistcstrngc zu machen suchen. Sie wollen uns in 
materielle Wclianschauung und Lebensauffassung bannen. 
Gefährliche, undeutsche Wahnvorstellungen gehen von ihnen 
ans. Wir müssen mit ihnen ringen, ivir müssen ihnen 
Widerstand leisten, wenn ivir unscr Volk vor dem Abgrund 
retten ivollen. Aber wir können es nur, ivenn wir im 
Ringen der Geister und Seelen den Geist zu Hilfe rufen 
und frei walten lassen, der sittliche und religiöse Werte 
schafft. . 
D er Mensch ist vernunftbegabt; er bedarf der sittlichen 
und religiösen Hemmungen, wenn er den Geist nicht ins 
Uferlose, Utopische schweifen lassen will; er bedmf des idealen 
Schwungs, wenn er nicht ini Alltäglichen versumpfen, den 
gemeinen Trieben sich ausliefern will; er bedarf der Er- 
keuchrung und Führung durch eine höhere Seelenkrast und 
Idee, wenn er nicht ziellos am Menschenunmöglichen, Natur 
widrigen scheitern will. Das Christentum ist dem deutschen 
Wölk feit Jahrtausenden eine solche höhere Seelenkraft ge 
wesen. Wer diesen Verband lösen will, schädigt das deutsche 
Volk an Leib und Seele. Ter wirft es aus der Bahn, auf 
der allein es Gesundung und moralische Wiedergeburt 
finden kann. Der greift ihm ans Leben. 
Als die Jünger des Gekreuzigten ihre Gemeinde und 
damit die christliche Kirche schufen, wappnete sie der Geist 
eines bergeversetzcnden Glaubens. Ein Nichts, ein kleines, 
winziges Häufchen waren sie in einer fremden, feindlichen 
Welk. Seitdem hat christliches Denken und Fühlen sich 
über den ganzen Erdball verbreitet. Das, was wir Kultur 
nennen, ist nicht bloß eine äußerliche Entfaltung des mensch 
lichen Könnens, e§ steht und fällt mit den geistigen Mächten, 
den ivahrenSchöpfer der Kultur. Unter ihnen sind Religion und 
Sittlichkeit die unentbehrlichsten, und weil sie in der Welt 
und im lieben deutschen Vaterland von so vielen verlaffen 
und in ihrer erhaltenden, segnenden, fruchtbringenden Kraft 
verkannt sind, darum ist soviel Krankheit, Unmoral, mangeln 
des Nechtsgefühl, Gewalttätigkeit, Klassenhaß, Verunnft- 
losigkeii, verbrecherisches Prassen und Schieben, politisches 
Strebertum, nationale Würdelosigkeit um uns herum. 
Deutschlands Volk steht vor entscheidungsvollen Tagen. 
Es soll zum Reichstag wählen und hält von neuem sein 
Schicksal in seiner Hand. Als die Jünger Jesu das erste 
Pfingsten feierten, scharten sie sich einmütig, woher sie auch 
kamen, um das Heiligtum ihres Glaubens. Wollen wir in 
M üer Prinzessin. 
Von E. Ph. Oppenheim. 
CO (Nachdruck derb >ten.) 
„3(i, ich weis; es. Dieser Martens war nicht ganz 
ungebildet, und cr mußte aus dem Inhalt der Briefe un 
schwer haben ersehen könne», wie folgenschwer ihre Ver 
öffentlichung für die fürstliche Schreiberin sein muhte. Da 
mit Sie den Zusammenhang in einen, klareren Lichte 
sehen, will ich Ihnen auch von dem Inhalt der Briefe 
mitteilen, was ich sagen darf. Sie wissen, daß Margot 
und die Schwester der Prinzessin nach Berlin gereist waren, 
uni zu verhindern, daß die Briese in die Hände der Gegen- 
Partei der Prinzessin kamen?" 
„Ja. ich weiß es." 
Aber Sie wissen nicht, wer diese Gegenpartei war. 
Wohl, ich will es Ihnen sagen. Es ist — Prinz Apraxin, 
der Gemahl Marias." 
Ucberrafcht fuhr Heinz auf. ^ 
Wie — der ciaene Mann?" fragte er. „Aber wie 
ist das möglich? Welches Interesse konnte er daran 
hatte ein sehr triftiges Interesse an diesen Briefen. 
Prinz Apraxin ist einer jener russischen Unterdrücker, deren 
Gewaltherrschaft sicherlich früher oder später eine verhängnis 
volle Katastrophe heraufbeschwören wird. Und nicht nur 
das, er ist außerdem ein wüster Genußling, der den niedersten 
und verderblichsten Leidenschaften fröhnt. Er hat Maria von 
Waldendorff leidenschaftlich geliebt; aber diese Liebe ist in 
ebenso flammenden Haß umgeschlagen, als er erkannte, 
daß sie nur von Abscheu vor ihm und vor seiner politischen 
Tätigkeit erfüllt war. Als seine Gattin erhielt sie ja natür 
lich näheren Einblick in das ganze, von brutalstem Egois 
mus diktierte Treiben dieser russischen Gewaltmenschen. Und 
ebenso natürlich war es, daß sie sich in sittlicher Empörung 
aus die Seite der Unterdrückten und Geknechteten stellte. Sie 
knapste Verbindungen an mit Leuten, die von der Absicht 
beseelt sind, ihr armes Vaterland früher oder später ans 
gewaltsame Weise von Liesen Schreckensmännern zu be 
freien, und sie iaaie sich gleichzeitis innerlich völlis von 
Deutschland nicht auch einmütig zusammenstehen zum Schutz 
der höchsten Güter unseres Volkes? Müssen wir nicht 
endlich zu einem Pfingsten schöpferischer Wiedererncuernng 
kommen, über dem der Geist fruchtbarer Arbeit schwebt, der 
uns hilft das Vaterland zu retten, daZ Verlorene wiederzu 
finden und eine brüderliche Volksgemeinschaft zu gründen? 
Wir müssen! Wir müssen! Wer sich dies Müssen tief ins 
Herz schreibt und unter seinem Zwang handelt, der darf 
deutsche Pfingsten feiern, der weiß, was das Singen und 
Sagen vom Heiligen Geist in unserer ernsten schweren Zeit 
zu bedeuten hat, der kennt die Pflichten, die ihm auferlegt 
sind — der sieht der Sonne entgegen, die einst auch deutschen 
Landen mit vollem Glanze und pfingstlicher Wärme wieder 
leuchten und strahlen wird. D. E. K. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Reichsschatzivechsel. Außer d'en kurzfristigen Schatz 
wechseln, die zur Anlage zeitweise flüssiger Gelder be 
stimmt sind und eine Verzinsung von 4VL- Prozent ge 
währen, werden neuerdings vom Reiche auch Schatzwechsel 
mit einjähriger Laufzeit ausgegeben. Tiefe bringen bei 
einer Laufzeit von mindestens 10 Monaten 4^/z Pro 
zent. Das darin angelegte Kapital ist gleichfalls keinen 
Kursschwankungen unterworfen, Spesen irgendwelcher Art 
entstehen nicht. Diese Anlage scheint- daher bei der zur 
Zeit sinkenden Tendenz fast aller Kurse besonders günstig. 
— Zu weiterer Auskunft ist die RrichsbanknebensiffUe 
B.-Schöneberg, Jnnsbruckerstr. 35, in den Vormittagsff 
geschäftsstunden gern bereit. 
o Aufschrift bei Postsendungen nach Berlin. Bei Post 
sendungen nach Berlin ist cs dringendes Erfordernis, daß 
in der Aufschrift außer der Wohnung des Empsängers — 
hinter der Ortsbczcichnung „Berlin" — der Postbezirk 
(IS., NO, SW- usw.) und auch die Nummer der Bestelt 
postanstalt angegeben werden, damit die Sendungen durch 
umständliches Nachsuchen im Straßenverzeichnis keine Ver 
zögerung erleiden. Leider ist cs aber vielen Absendern 
unmöglich, der Vorschrift nachzukommen, weil die Ber 
liner Briefschreiber versäumen, in ihren Briefen usw. 
den Postbezirk ihrer Wohnung und die Bestellpostanstalt 
anzugeben. Auch in den Anzeigen Berliner Firmen in 
Berliner und auswärtigen Zeitungen und Zeitschriften^ 
fehlen sehr oft diese Angaben. Bei geschäftlichen An 
knüpfungen ans Grund solcher Anzeigen sind dann die 
Auflieferer von Postsendunegn, wenn sie nicht zufällig 
im Besitze eines Berliner Straßcnverzcichnisses sind, meist 
garnicht in der Lage, genaue .und vollständige Anschrif 
ten zu fertigen. Es liegt daher im eigenen Nutzen der 
Berliner Bevölkerung, daß in allen abgehenden Post 
sendungen und in "Zeitungsanzeigen stets der Postbezirk 
und die Beftellpostanftalt des Absenders angegeben wird; 
geschieht das, so kann auch darauf gerechnet werden, daß 
die eingehenden Postsendungen ausreichende Anschriften 
tragen und den Empfänger ohne Verzögerung erreick^en. 
o Tie Schuhmacher Friedenaus (Verein xielbständiger 
Schuhmacher) hielten am 18. d. Mts. abends im Gasthaus 
des Herrn Haar, Sticrstraße, eine außerordentliche Mit 
gliederversammlung ab. Gegenstand dev Besprechung war 
die mißliche Lage des Handwerks und die Preisfrage. ES 
setzte eine lebhafte Aussprache ein, iy der auch wiederum 
der Kapp-Putsch als Sündenbock hingestellt wurde, was 
von einem Kollegen ividerlegt wurde, der ausführte, daß 
die augenblickliche herrschende Krisis eine logische Folge 
der wütenden Preistreiberei aus dein Warenmärkte sei, 
wozu gewisse einzelne Lohnforderungen auch ihr Teil 
beitragen. Die Preistreibereien seien wiederum eine nicht 
wegzuleugnende Folge der „Blödsinns-Wirtschaft" 
(Zwangswirtschaft), welche die freie Entwicklung des wirt 
schaftlichen Organismus hemmt und lämht. Das müsse 
zu einer riesigen Arbeitslosigkeit führen, was die völlige 
Vernichtung unserer Wirtschaft bedeutet. Wie könne man 
sich nur einbilden, daß man bei einem 60- bis 70-Mil-- 
lionen-Volk jedem einzelnen 3 Kartoffeln, 3 Briketts, 3 
Gramm Butter usw. abzählen kann? Wieviel Personen 
sind und müssen für diese Verteilung verwendet iverden. 
ihrem Gatten los. In jener Zeit hat sie die beiden Briese 
an mich geschrieben, um die es sich handelt — nach Süd 
afrika. Sie nannte mir darin die Namen der Leute, deren 
revolutionäre Absichten sie verstehen gelernt hatte, seit 
dem sie unmittelbare Fühlung mit der Herrschaft des Zaris 
mus gewonnen hatte, und diese Leute sind ohne Zweifel 
oersoren, würden die Briefe in die Hände Apraxins ge 
langen. Bor einem Jahre nun trennte sich Maria von ihrem 
Gatten, als seine Brutalität und sein wildes Treiben gar 
zu unerträglich wurden. Sie strengte eine Scheidungsklage 
aeacn ihn an, aber Sie wissen ja, was ein russisches Gericht 
bedeutet, und Maria ist durch ihre Heirat russtjche Unter- 
tanin geworden. Apraxin will sie nicht freigeben, weil er 
sich an ihr rächen will für die Schmach, die sie ihm damit 
angetaw hat. seine Liebe zu verschmähen. Und weil er 
schon früher vermutete, daß Maria mit russischen Befreiungs- 
lcuten Verbindungen angeknüpft hätte, ließ er sie in 
Deutschland scharf überwachen. Er hoffte, Material zu- 
sanimenzubringen, ihre Auslieferung nach Rußland zu er 
reichen. Da tauchte dieser Martens mit den Briefen auf, 
deren Besitz den Fürsten mit einem Schlage an das Ziel 
seiner Wünsche gebracht hätte — begreifen Sie nun, wes 
wegen auch das äußerste gewagt werden mußte, die Briefe 
wieder in den Besitz der Prinzessin zu bringen?" 
„Ja, ich begreife es," erwiderte Heinz ernst. „Und ich 
begreife, daß noch jetzt das äußerste getan werden muß, 
es zu erreichen. Ich irre wohl nicht, wenn ich annehme, 
daß der Rechtsanwalt Berger der Mittelsmann des Prinzen 
Apraxin gewesen ist. Und ich bin daher so gut wie sicher, 
daß Apraxin noch nicht in den Besitz der Briefe gelangt ist." 
„Ich "glaube es auch nicht, denn der Prinz hätte sicher 
lich sofort von ihnen Gebrauch gemacht. Und ich glaube 
es auch aus anderen Gründen nicht. Sic erzählten meiner 
Schwester von einem Doktor Dombrowski, dieser Mann ist 
meiner Meinung nach zweifellos ein Spion im Solde des 
Prinzen Apraxin. Sein merkwürdiges Interesse an der 
Aufklärung der Martensschen Angelegenheit, sein soge 
nannter Wahrheits-Fanatismus erklärt sich einfach aus einem 
Auftrag, den er von dein Prinzen erhalten, dein Auftrag 
nämlich, nach dein Mörder und vor allem nach dein Vers, 
bleib der Papiere zu forsche- ' 
Das sind nicht 10.—100 000, sondern Millionen. Möchte 
bort) mir einer alle diese Aemter, Stellen, Kommissionen 
und sonstige Gesellschaften aufzählen und sie dem Volke 
vor Augen führen, mit ihrem riesengroßen Beamten? 
und Angestellten-Heer. Es würde eine erschreckende Zahl 
sein, die sich da auftut, und noch erschreckender ivürde die 
Riesensumme der Gchäftcr sein., von den häufigen Ver 
schiebungen ganz abgesehen. Wer muß das alles bezahlen? 
Der Verbraucher. Und gerade die ärmste Bevölkerung 
wird am schwersten davon betroffen. Weiter führte Kol 
lege Ga ritz ans, wie große Fehler bei Aufhebung der 
Lederbewirlschastung gemacht worden sind. Es müßten 
die Rohhäute (Felle) gleich vom Schlachthaus iiiimitteG 
bar in die Lederfabriken kommen. Die Tiere haben doch 
die Felle noch an, ivenn sie aus den Schlachthof kommen. 
Oder iverden sic ihnen schon vorher über die Ohren ge 
zogen und verschoben. Von der Lederfabrikation müßte 
das fertige Leder wieder nmnittclbar dem Verbraucher zu 
geführt werden, und nicht, daß die Felle auf den Häute- 
Auktionen erst verschachert werden, und auch das fertige 
Leder erst durch 20 Hände wandere. Wenn man das ver 
hindere, wäre jeder Wucher ausgeschlossen, und der Preis 
für ein Paar Stieselsohlen wäre auf jeden Fall nicht 
über 20 Mark .hinausgekommen, ivas wiederum von be- 
dcutcndem Einfluß auf die ganzen wirtschaftlichen Verhält 
nisse gewesen wäre. Kollege Garitz führte weiter an, 
daß alles dies nur eine Folge des verderblichen Partei- 
Wirtschaftssystems sei. Wie könne ein Grundbesitzer, ein 
Hausbesitzer, ein Advokat, ein Doktor usw. die Interessen 
des einzelnen Handwerks vertreten, die doch gar kein Ver 
ständnis davon haben. Genau so iväre es umgekehrt der 
Fall. Nur das Berufs-Parlament könne darüber urteilen. 
Ein jeder Berufsstand könne doch die wirtschaftlichen Miß- 
stände in seinem Berns nur erkennen und beseitigen, und 
so der Allgemeinheit von Nutzen sei». Kollege Garitz 
wurde an weiteren politischen Ausführungen durch den 
Vorsitzenden verhindert. Wie der Berichterstatter meint, 
wäre es eine tieftraurigc und beschämende Erscheinung, daß 
sobald in Berufsversammlungcn die wirtschaftlichen Miß- 
stände einer grellen Beleuchtung und einer scharfen Kritik 
vom politischen Standpunkt unterzogen werden, dann die 
Redner daran gehindert werden. Es sei doch selbstver 
ständlich, daß cs hierbei nicht ohne politische Erörterungen 
abgehe, weil Wirtschafts- und Berufs-Interessen unze» 
trennlich wären. So Hütten sämtliche BcrnfSvercinigungen 
bisher nichts weiter vollbracht, als ihren Mitgliedern 
nur eine möglichst hohe Preis-Diktatur vorzuschreiben 
und dann mit dem stolzen Bewußtsein nach Haus zu 
gehen, etwas geleistet zu haben, um nachher über die 
Teuerung zu schimpfen. P. G. 
Eilschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Laufende Zulage für Kriegsbeschädigte und Kriegbhintcr« 
dliebcnc. 
In der am Montag, den 17. d. Mrs., erschienenen 
Nummer des „Friedenauer Lokal-Anzeiger", bringt unter 
vorstehender Spitzmarke ein sich „Zentralverband" der 
Kriegsbeschädigten" nennendes unbekanntes Organisatiön- 
chcn. die veraltete Nachricht vvn den bereits erhaltenen 
Teuerungszulagen. Jeder Eingeweihte merkte sofort, daß 
hiermit nur ein ganz gewöhnlicher Ret'lametrick verfolgt 
werden sollte. Wie im vergangenen Jähre, so überreichte 
auch im Januar dieses Jahres der „Reichsbnnd der Kriegs 
beschädigten, Kriegsteilnehmer, -Hinterbliebenen und ehe 
maligen Gefangenen" der Reichsregierung die Forderung 
ans Bewilligung einer Entschüldnngssummc und laufender 
Teuerungszulagen usw. und veranstaltete in ganz Deutsch- 
land RiesendeinonstrationSversammlnngen. Der Erfolg blieb 
auch nicht aus und bekamen auch schon Ende März die 
Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen als Entschiildungs- 
snninie außer der monatlichen Rente den zweifachen Mo 
natsbetrag ausgezahlt. Ferner bekamen sie schon Ende 
April die 30 resp. -10 Prozent lausende Teuerungszulage. 
Da der „Neichsbiind" natürlich nichr nur für seine Milgli:- 
dcc diese Forderungen gestellt hatte, sondern für die ge 
samten Kriegsopfer, so erhielten auch an diesen Tagen 
„Ich gebe zu, daß sehr viel für Ihre Annahme spricht," 
meinte Heinz nachdenklich. „Freilich ließe sich auch so 
manches dagegen sagen. Aber wie es auch immer sei, 
jedenfalls ist uns dieser Dombrowski augenblicklich ein 
sehr gefährlicher Gegner, dem wir sehr vorsichtig begegnen 
müssen. Sie wissen auch, daß ein Bruder des Ermordeten 
aufgetaucht ist —?" 
„Ich hörte davon — ja." 
„Aber Sie haben diesen Bruder drüben nicht kennen 
gelernt?" 
„Nein. Und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir 
sagen wollten, wessen wir uns von diesem Menschen zu 
versehen haben." 
„Er ist einer von der übelsten Sorte, sicherlich nicht 
besser, vielleicht schlimmer als sein Bruder. Und er ist 
durch Doinbrowski, der sich sogleich mit ihm in Verbindung 
gesetzt hat, auf die Komtesse Waldendorff und wahrschein- 
lich auch auf mich gehetzt worden. Durch Notizen, die sich 
sein Bruder gemacht hat, und durch die Aussagen des 
Rechtsanwalts Berger hat er erfahren, daß sein Bruder 
Papiere besessen, hat, die ihm ein hohes Einkoinmen ver 
schafften. Und er befindet sich nun auf der Jagd nach 
diesen Papieren, ohne eine Ahnung von ihrem Charakter 
zu haben.- Wer seines Bruders Mörder gewesen ist, inter 
essiert ihn wenig, er hat nur den brennenden Wunsch, 
sich der Geldquelle zu versichern, die seinem Bruder so 
reichlich geflossen ist." 
Herbert verzog das Gesicht zu einem Ausdruck des 
Ekels." 
„Es ist kaum glaublich, bis zu welchem. Grad von 
Gemeinheit die Habgier einen Menschen treiben kann," 
sagte cr. „Wir tun also jedenfalls gut, auch vor diesem 
Burschen aus der Hut zu sein?" 
Heinz nickte. 
„Er hat sich anfangs sehr an mich herangemacht/ 
sagteer. „Aber er wurde mir so unerträglich, daß ich ihn 
kurzer Hand abwimmelte. Sicherlich beehrte er mich mil 
seinem besonderen Haß, denn er vermutet, daß ich ihm Er- 
tlärungen geben könnte und sie nur nickt geben will." 
„Ich. bat Sie vor! in um Ihre BuudesgenojsenjchaffF 
jagte er. „Sie wißen nun, ''in was e§)fflck bandelt. WoliM
        
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