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Periodical volume Nr. 112, 21.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Friedrrmnrr 
WarteiWe Zeitung!SrM..Fr!edevav svd 
Erscheint täglich abends. 
Fernsprecher: Amt PstUjbur- »12S. — Druck und Verlag von Lev Schultz, 
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bei ?lbholung auS den Nebenstellen 
monatlich 1,80 Mark; durch Beten 
inS Haus gebracht 2,— Mark. 
Zeitung) „ «*»*“, r 
'S* — nur tslr unbestimmte Tage — 
tea Wkdea»»a Staun tai W-rberg. |““ t TÄ" 1 ’SÄ Ä 
'* deschastsstellel ÄbeinAr. IS* 4.— Mark. Belegnummer 20 Pjg. 
Berltu-Friedenan. Nhcinstraste 11. — Fernsprecher; Amt Pfalzburg 2129. 
Nr. 112 
Berlln-Frledenaii, Freitag. Des 21. Mai 1928 
Fshrz. 27 
Reuefte Nachrichten. 
Berlin. In der Nationalversammlung gab Reichs- 
minister Koch' eine Erklärung über den Ausnahmezustand 
ab. Nachdem er das Ruhrgebiet, Gotha und Bayern er 
wähnt hatte, wo der Ausnahmezustand nicht gleich auf 
gehoben wäre, meinte er: Die endgültige Prüfung im 
Laufe der Woche wird ergeben, ob zu den aufgezählten Ge 
bieten noch irgend welche andere hinzutreten. Dagegen 
kann auf Grund der von mir gestern bereits zugesagten 
Prüfungen im größten Teile des Reiches der Ausnahme 
zustands soweit er noch besteht, aufgehoben werden. 
Berlin. Dem Reichspräsidenten sind zahl 
reiche Proteste gegen die G 'ewa l t t ä t i g k c i t e n der 
schwarzen Bcjatzungs truppen zugegangen, u. a. 
von der Vermittlungsstelle vaterländischer Verbände, ins 
besondere von deutschen Frauenvcreinen und Frauenbünden 
aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Der Reichspräsi 
dent empfindet diese Proteste als durchaus berechtigt; die 
Reichsregierung wendet der Angelegenheit dauernd ernsteste 
Aufmerksamkeit zu. und bemüht sich mit allen Kräften, 
den Uebergrisfen Einhalt zu tun und zu erreichen, daß 
farbige Truppen in den besetzten Gebieten njcht mehr ver 
wandt werden. 
Genf. 'Zum Präsidenten der Internationalen Fi- 
'nanzkonfercnz ist vom Völkerbundrat Gustav Ador bezeich 
net worden. 
Paris. In der außerordentlichen Sitzung des Na 
tionalrates des Gewerkschaftsbundes gab Jouhaux nach 
einer Darstellung der Geschichte des Streiks zu, daß die 
Bewegung an der Verkennung der Idee der Nationalisie 
rung seitens der öffentlichen Meinung und der Arbeiter 
um den herum sich die Tätigkeit der Syndikate hätte crjf- 
fclbst und an der Unvollkommenheit des Eisenbahnerstreiks, 
falten sollen, gescheitert ist. 
Paris. Der Meinungsaustausch, den die deutsche 
Regierung vorgeschlagen har, um die Wiederaufnahme der 
deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen zu ermöglichen, 
wird heute beginnen. Den Vorsitz auf französischer Seite 
führt Handelsministcr Isaak, mit deutscher Seite der Ge 
schäftsträger Dr. Mayer. * 
Haag. Nach einer Londoner Meldung spielen Brns- 
silow und Poliwanow' jetzt im pbersten Kriegsrar Ruß 
lands die erste Rolle, während die Volkskommissare dort 
erst in zweiter Linie in Frage kommen. 
London. Reuter vernimmt, das; die Bolschewisten im 
Verlauf ihrer Operationen gegen die Polen auf einer 
Front von 40 bis 50 Kilometer etwa 30 Meilen vorgerückt 
seien und Lcpel und Polozk genommen hätten. 
Sitzung der Gemeindevertretung 
. von Donnerstag, den 20. Mai 1920. 
Ein« endlose politische Aussprache über Schule und 
Maifeier. — Die Fliedner'sche Schule; die Zuschüsse für 
die Lehrer bewilligt, der Zuschuß für die Schule abge 
lehnt.— Tie Pacht für den Ratskeller. — Die Gemeinde 
will Zeitungsbekanutmachlmgcn nicht mehr bezahlen. — 
Die fchwarz-wciß-roten Wahlzellcnvorhänge. — Die Kosten 
der Rotbautcn. K 
Dir gestrige Sitzung endete mit einer langen polnischen 
Aussprache, die G.-V. Dr. Hasse (Soz.) hervorrief du«ch 
eine Anfrage über Vorgänge in hiesigen Schulen aus 
Anlas; der Maifeiern. J'.n Gymnasium hätten Primaner 
von deutschnationalen Eltern gefeiert und die Schule hat 
daraufhin bei den Eltern angefragt, ob sie mit dieser 
War es in der nächsten Woche gibt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Pferdefleisch: auf Nr. 7 der Pferdefleischkarle. 
Butter: 20 Gramm 75 Pfennig und 70 Gramm Mar 
garine 2,21 M., sowie 180 Gramm Margarine 5,69 M. 
auf Sondcrabschuitt der Speisefettkarte. 
Kartoffeln: 5 Pfund auf Abschnitte 22 a—e. 
Zucker: Vom 16. bis 31. Mai 3 / 4 Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre l 1 /» Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und int 3. -bis 7. Lebensjahre 1 / 2 Pfund 
im Monat. 
Anzumelden vom 22.-25. Mai: 
Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Linsen: 250 Gramm auf 27; Pfund 3,50 M. 
Auf Jugendlichenlarte: 
Maisflocken: 250 Gramm auf 50; Pfund 3 Mark. 
Weiße Bohnen: 500 Gramm ans 21; Pfund 3,75 M. 
W e i z e n l u ch e n m e h l oder C c r e a l in e h l: 250 Gr.; 
Pfund 8Q Pfg., und 1 Päckchen Milchsüßspcisen, 60 Pfg.,- 
auf 22. 
Maisgrieß oder Maisflocken: 250 Gr. auf 23; 
Pfund 3 M. 
Nudeln: 125 Gr., Pfd. 2 M., 1 Suppenwürfel, 
15 Pfg., und 250 Gr. Marmelade, Pfd. 3,70 M. 
auf 24. 
Abholung 1—3. Juni. 
So »der zu Weisungen: q) 250 Gramm Haserslocken und 
250 Gramm Weizengries an die Kinder im 3. Lebensjahre 
gegen Abstempelung der Vollmilchkarte in den beiden Verkaufs 
stellen der Gemeinde Fcurigstraste und Goßlerstraße, von 
Dienstag, den 25., bis Sonnabend, den 29. Mai. — b) 250 
Gramm Haserslocken und 250 Gr. Zwieback an die Kinder im 
2 .uno 3. Lebensjahr gegen Abstempelung der Vollmilchkarte 
in den beiden Verkaufsstellen der Gcmeintp Feurigstraße und 
Goßlcrstraße vom Dienstag, den 25., bis Sonnabend, den 
29. Mai. — e) 500 Gramm Gcrstenflvckcn und 250 Gramm 
MaisgricS an die hiesige» Einwohner über 60 Jahre gegen 
Abstempelung der Nummer 10 der Auswciskarts in den beiU-ti 
Verkaufsstellen der Gemeinde Feurigstraße und Goß.erstraste 
von Dienstag, den:'25., bis Sonnabend, den 29. Mai. — ü) 500 
Gramm Gerstenflöcken und 250 Gramm Zwieback an die wer 
denden Mütter gegen Abstempelung des Berechtigungsscheines 
in den beiden Verkaufsstellen der Gemeinde Feurigstraße und 
Goßlerstr. von Dienstag, den 26., bis Sonnabend, den 29. Mai. 
Feier ihrer Kinder einverstanden waren. Ferner wurde 
den Kindern in der 3. Gcmeindcschule vom Rektor gesagt, 
daß nicht gefeiert werde, die Lehrerin Frl. Kabelitz hätte 
Kinder, wenn sie-nichts wußten, damit „gestichelt", daß 
sie nicht hätten fehlen sollen. Eine andere Lehrerin hätte 
den Kindern gesagt, wenn sie fehlen, bekommen sic auch 
nichts von der Kinderspeisung. Ferner bemängelte er eine 
Aeußerung. des Jugendpslcgers Herrn Kühn, der gesagt 
haben „soll": so lange er über die Jugendpflege zu be 
stimmen habe, werde die Arbeiterjugend nicht in das 
Jugendheim einziehen. Die letztere Aeußerung wurde 
von verschiedenen Rednern als unrichtig bezeichnet, Herr 
Kühn habe in den Besprechungen gerade das Gegenteil 
gesagt, und Schöffe v. Wrochcm erklärte, das; der 
Jugendpflegeausschuß beschlossen * habe, den gesamten 
Jugendorganisationen das Heim zur Verfügung zu stellen, 
Herr Kühn könne sich also gar nicht in dieser Weise ge 
äußert haben. G.-V. Dr. Anders (Dnat.) gab Er 
klärungen zu den Vorfällen im Gymnasium, bezeichnete 
auch eine Mitteilung des „Vorwärts" dem Wortlaut und 
dem Sinne nach für falsch und bemerkte, daß die Schule 
der angekündigten Untersuchung mit Ruhe entgegensehe. 
Schöffe Rektor Schildberg wandte sich gegen die Be 
schwerden, die seine Schule betrafen, insbesondere gegen die 
ihm in den Mund gelegte Aeußerung, desgleichen nahm 
G.-V. Frl.'Thomas die Lehrerinnen der 3. Gemeinde 
schule in Schutz. Ju der weitere» lebhaften Aussprache 
sprach mau von „Gesinnungsschnüffelei" heute und früher, 
betonte auf demokratischer und rechter Seite die Not 
wendigkeit der Aufrechterhaltung von Sckjulzucht und des 
Vertrauensverhältnisses zwischen Schule und Haus, 
Lehrern und Scbülern und griff sich in politischen Dar 
legungen vielfach' scharf an. — Bei den Anträgen der 
Fuebnerfchen Scyulp kam eS gleichfalls zu einer längeren 
Aussprache. Die Teuerungszulagen für die Lehrer dieser 
Anstalt wurden bewilligt, dagegen wurde der Zuschuß für 
die Schule abgelehnt; über eine weitere Erhöhung der 
Teucrungszulggen nach den staatlichen Zuschüssen soll im 
Kuratorium zuvor verhandelt werden. Die Frage über 
die Festsetzung der Pachtsätzc für den Ratskeller wurde 
noch einmal vertagt, um uochntals int vereinten Wirt- 
schafts- und Finanzausschuß beraten zu werden. G.-V. 
Schön kn echt streifte hierbei insbesondere die Kohlcn- 
srage für die Heizung. In einem Beschlüsse brachte die 
-Gemeindevertretung dann zum Ausdruck, daß sic die amt- 
licheu Bekanntmachungen in den Ortszeitungeu nicht mehr 
bezahlen wolle; den Zeitungen soll cs überlassen bleiben, 
die Bekanntmachungen nach eigenem Ermessen zu bringen. 
Für die Wahlzellen müssen Stoffvorhänge beschafft werden, 
es handelt sich - natürlich um Papierstoff. Bürgermeister 
Walgcr zeigt Stoffmuster, eins in schwarz-weiß, eins 
in.rot. Darauf Zuruf des G.-V. Dettiner lUuabh.): 
Nehmen wir doch roten Stoff. Schöffe v. Wrochcm: 
Ich schlage vor, beide zu nehmen (also: schwarz-weiß- 
rot. — Stürmische Heiterkeit). Bei der Vorlage über 
Nachbewilligung von 500 000 M. für die Holzhäuser be 
mängelte G.-V. Lüde che <Dem.) die lange Herstellung 
dieser Holzbauten, die nur Behelfsbauten wäre», während 
in anderen Orten massive Häuser entstände» seien und be 
merkte auch, daß in der Kostcufragc s. Zt. andere An 
gaben gemacht wurden, die eine Verdoppelung der Kosten 
nicht erwarten ließen. Diesen - Ausführungen traten die 
G.-V. Alt mann (D. Bp.) und Kaumann (Dem.) ent 
gegen. Die Soften wurden bewilligt. 
Verhandluikgsbepichit. 
Bürgermeister Walgcr eröffnet die Sitzung gegen 
V-8 Uhr. 
Zunächst wird - die Niederschrift der vorigen Sitzung, 
die, wie bekannt, plötzlich abgebrochen wurde, verlesen 
und genehmigt. 
Darnach entschuldigt Bürgermeister Walger die 
fehlenden M-V. Uhlenbrock, Baumgarth, Leo Schultz und 
Gohring und macht folgende 
Mitteilungen: 
Im Geschäftsordnungsausschuß habe zur Klarstellung 
der -Frage über den § 7 eine Erörterung stattgefunden. 
Nach eingehender Beratung sei -man zu der' Ansicht gci 
kommen, daß der Verhandlungsleitcr in der letzten Sitzung 
den K 7 sowohl dem Sinne wie dein Wortlaute nach 
richtig gehaudhabt habe. 
Tie Freiwillige Feuerwehr lädt zur Mit 
gliederversammlung am Freitag, den 28. Mai, 8 Uhr 
abends in der Feuerwache ein. 
Ter Bcrlin-Schönebcrger H p p o t h e n - Bank 
verein, der auf dem Siadtschaftsprinzip aufgebaut ist, 
empfiehlt sich den Friedenauer Grundbesitzern. " 
vis Briefe der Prinzessin. 
Von E. PH. Oppenheim. 
59 ' (Nachdruck Verb >ten.) 
„Wenn es Ihnen gefällig ist — Ich kabe vorhin zu 
fällig gesehen, daß sich im Gastzimmer niemand aufhält. 
Sie können mir dort " 
„Ich möchte Sie doch bitten, mich auf mein Zimmer zu 
begleiten," unterbrach ihn Herbert. „Was ich Ihnen zu 
sagen habe, verträgt keine Lauscher. Und ich bin gewiß, 
daß Sie es nicht bereuen werden, mir diese Gefälligkeit er 
wiesen zu haben." 
Schweigend gingen sie nebeneinander die Treppe hin 
auf und betraten das ländlich einfach ausgestattete Zimmer, 
in dem sich Herbert für die Dauer seines Aufenthaltes in 
Buchberg einquartiert hatte. Zu allem Ueberfluh schob 
Herbert den Riegel vor, nachdem er. die Tür hinter Heinz 
geschlossen hatte. Dann aber richtete er sich aus und sagte 
Cn ^ „Ich habe zunächst einen Irrtum, eine Unwahrheit zu 
berichtigen, die ich mir Ihnen gegenüber habe zuschulden 
kommen lassen, Herr Hollfelden. Ich habe mich Herbert 
genannt, mein voller Name aber ist Herbert von Weh- 
tckngen." 
Ein Blitzstrahl, der vor ihm in den Boden geschlagen 
wäre, hätte Heilig nicht überraschender treffen können als 
diese Erklärung. Fassungslos starrte er den anderen an 
und vermochte nur zu stammeln: 
„Herbert von Wehringen — aber wer — um des 
Himmels willen " ,, . , 
„Ich bin Margots Bruder," fuhr Herbert ruhig fort. 
„Und Sie werden nun vielleicht die Ueberrafchung und die 
Freude begreiflich finden, die sie über das Wiedersehen mit 
mir empfand." .. t 
Ungestüm trat Heinz auf ihn zu und bemächtigte sich 
ferner Händ. - 
„Lassen Sie mich Sie um Verzeihung bitten I" sagte 
«,r in heillgster Erregung. „Wie töricht habe ich mich gegen 
, >X . ' " : ■ ., -4 " - . 
Sie. benommen! Aber wie hätte ich auch ahnen 
sollen — ---" 
„Sie konnten es nicht vermuten. Und nicht Sie haben 
utn Verzeihung zu bitten, sondern ich, der ich Sie und 
all' die biederen Leute hier getäuscht habe. Aber Sie mögen 
mir immerhin glauben, daß es aus den triftigsten und zu 
gleich aus den traurigsten Gründen geschah, und ich hoffe. 
Sie werden mich trotzdem nicht zurückweisen, wenn ich 
Ihnen meine Freundschaft anbiete." 
„Wie sollte ich dazu kommen, ein so großmütiges Ge 
schenk zurückzuweisen!" rief Heinz. „Aber ich bin noch 
so verwirrt Wenn Sie mir nur erklären wollten —" 
„Ich bitte Sie, mir vorerst alle näheren Erklärungen 
erlassen zu wollen," fiel ihm Herbert ins Wort. „Es ist 
nicht Mangel an Vertrauen, was mir die Lippen verschließt. 
Aber ich könnte Ihnen keine Aufschlüsse über meine Person 
geben, ohne Dinge zu berühren, die nicht mich allein an 
gehen, und dazu fehlt mir vorerst die Berechtigung. Wenn 
Sie aber, wie ich zuversichtlich hoffe, Ihre Absicht, abzu 
reisen, vorerst aufgegeben haben * 
Heinz trat an das Fenster und riß statt aller Ant 
wort die beiden Flügel desselben auf. 
„Sie können ausspannen, Franz!" rief er dem Kutscher 
zu. „Ich gedenke doch noch einige Tage zu bleiben. Stellen 
Sie nur meinen Koffer unten in den Hausflur!" 
Er schloß das Fenster und wandte sich wieder Herbert 
von Wehringen zu. 
„So," sagte er. „das wäre erledigt. Ich vermute, 
Herr von Wehringen, daß Sie mir doch noch einiges zu 
sagen haben?" 
Herbert nickte. 
„In der Tat," sagte er, „ich habe mancherlei mit Ihnen 
zu besprechen. Vor allem, Herr Hollfelden: ich bin ge 
kommen, Sie um Ihre Bundesgenossenschaft zu bitten." , 
„Meine Bundesgenossenschaft — wofür — ?" 
„Die Gefahr abzuwenden, die meine Schwester und — 
und die Prinzessin Apraxin bedroht, und jene Briefe 
wiederzuerlangen, von denen Ihnen die Prinzessin 9 C * 
sprachen bat.». " " 
irr yane pcy gefetzt, und Heinz folgte seinem Beispiel. 
„Ich darf doch natürlich annehmen, daß Sie von allein 
unterrichtet sind?" fragte er. 
„Soweit es in dieser halben Sttinde geschehen konnte, 
ja. Und über die Vorgeschichte der Berliner Affäre bin ich 
natürlich sehr genau unterrichtet. Aber lassen Sie mich 
Ihnen von jenen Briefen sprechen. Sie werden bereits 
erraten haben, daß sie an mich geschrieben waren?" 
„In der Tat, ich vermutete es. Aber ich begreife noch 
immer nicht, wie sie in den Besitz dieses Martens gelangen 
konnten." 
„Ich begreife es jetzt nur zu gut. Martens war einer 
jener üblen Gesellen, die sich aus Abenteuerlust oder viel 
leicht auch in der törichten Hoffnung, dadurch auf irgendeine 
Weise ihr Glück zu machen, der Buren Sache angeschlossen 
hatten. Wir standen bei derselben Abteilung, und Martens 
schloß sich mehr an mich an, als mir lieb war, weil er mich 
einmal zufällig im Besitz einer größeren Geldsumme gesehen 
hatte. Wir gerieten später mit unserer ganzen Abteilung 
in einen Hinterhalt, den uns die Engländer geschickt gelegt 
hatten, und ich wurde durch einen Säbelhieb über den 
Kopf verwundet, der mich bewußtlos auf dem Schlachtfeld 
ließ. Als ich wieder zu mir kam, lag ich bereits im eng 
lischen Lazarett, meiner Brieftasche sowohl wie meiner 
Wertsachen beraubt. Man konnte mir keine Auskunft dar 
über geben, wer sie mir genommen haben könnte, aber es 
war kein Zweifel darüber möglich, daß man sie mir schon 
auf dem Schlachtfeld gestohlen hatte. Natürlich riet ich 
damals nicht auf diesen Martens als den Dieb. Daß er 
es gewesen war, erfuhr ich erst heute aus dem Muqde der 
Prinzessin. Und ich hätte mich natürlich nicht so untätig 
verhalten, wenn ich nicht angenommen hätte, daß der un 
rechtmäßige Besitzer meiner Brieftasche sich mit dem darin 
befindlichen Papiergelde -begnügen und die Briefe als für 
ihn wertlos beseitigen würde." 
Heinz meinte ernst: 
„Sie wissen nun, baß Sie sich in dieser Annahine ge 
täuscht haben, einen wie rücksichtslos erpresserischen Gebrauch 
, Martens von ihnen gemacht bat." (ForHetzuug folgt.)
        
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