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Periodical volume Nr. 108, 17.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Friedemmer 
WatteiWe Bcltung sürBlkl.'Frledenav Md 
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Nr. 18$ 
BeiNu-zrledeuau, Montag den 17. Mai 1818 
Sohrg. 27 
Ortsmcbrhbtm 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Ausschmückung unseres Rathauses. Der Kunst- 
ansschuß unserer Gemeinde besichtigte gestern unter Füh 
rung des Professors Ll'err von der Nationalgalcrie'die 
zur Ausschmückung des Rathauses in die engere Wahl 
gekommenen Werke hiesiger Künstler. Bedauerlicherweise 
war die Ausstellung nur sehr schwach beschickt, so daß 
eine Auswahl schwer zu treffen war. Es wurden 8—10 
Bilder ausgewählt u. a. als bestes Werk ein Sandrock. 
Der Kunastusschuß hat in dem Vierteljahr seines Be 
stehens mühevolle Arbeit geleistet, indem er iiber 30 
Kunstwerkstätten im Orte besuchte, was zumeist an Sonn 
tagen geschehen mußte. Er Hat durchaus seine Pflicht 
getan, um unsere Künstler an der Ausschmückung unseres 
Rathauses zu beteiligen. " i 
o T«r Kindergarten unserer Gemeinde findet.fort 
gesetzt weiteren Zuspruch. Tie Zahl der Pflegebefohlenen 
steigt täglich und so vermehren sich auch die Anforderun 
gen, die an die Leiterin und ihre Helferinnen gestellt 
werden. Wie wir hören, soll jetzt eine weitere Hilfskraft, 
möglichst geprüfte Kindergärtnerin, eingestellt werden— 
Junge Damen, die hierfür geeignet sind, können sich beim' 
hiesigen Gemeindevorstand melden. 
oA Rcichsviehzählmrg am.1. Juni 1920. Auf Grund 
der bestehenden Bestimmungen findet am 1. Juni d. Js. 
im Teutschen Reiche eine Viehzählung statt, die sich nach 
der Bekanntmachung des Reichswirtschaftsminf/ters auf 
Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen erstreckt. In 
Preußen werden auf Grund der ergangenen Anweisung 
am 1. Juni auch die Pferde und das Federvieh mit- 
crhoben. 
o Spiritus eingetroffen. Der der Gemeinde Berlin- 
Friedenau überwiesene BrennspirituS ist eingetroffen und 
gelangt von heute ab in den beiden GcmcindeverkaufS- 
stellen, Feurigstr. und Goßlerstraße, gegen Abgabe des 
Bezugsscheins zum Verkauf. 
o Mißstände auf dem Wohnuingsmarkt. Vom Schöne- 
bcrger Wohnungsamt wird uns geschrieben: Wiederholt 
ist in den Zeitungen auf Mißstände hingewiesen worden, die 
sich bei der Vermietung von Wohnungen und möblierten 
Zimmern infolge der gegenwärtigen Wohnungsnot heraus 
gestellt und zu beweglicben Klagen geführt haben. Vielfach 
werden Wohnungen vom allgemeinen Wohnungs'markt zu 
rückgehalten, um eine außergewöhnlich hohe Miete oder 
hohe Vermittlungsgebühr zu erzielen, die Abgabe der 
Wohnungen wird an die Bedingungen der Uebernahme 
eines Teiles der Wohnungseinrichtung zu hohen Preßen 
oder an sonstige ungerechtfertigte Bedingungen geknüpft, 
kinderreiche Familien- werden zurückgewiesen und anderes 
mehr. Es ist das eifrige Bestreben des Wohnungsamtes, 
diese Mißstände mit allen ihm zu Gebote stehenden Mit 
teln zu bekämpfen und ihrer Herr zu werden. Um aber 
ein Einschreiten des Wohnungsamtes zu ermöglichen, 
ist cS notwendig, daß dem Wohnungsamt von den ein 
zelnen Fällen Mitteilung unter genauer Darlegung der 
Einzelheiten des Falles und Angaben von Zeugen ge 
macht wird;, anonyme Anzeigen und allgemeine Beschwer 
den, sind keine genügende Grundlage für die einschneiden 
den Maßnahmen der Behörden. Das Wohnungsamt bittet 
daher im' Interesse der Allgemeinheit, ihm von allen 
Fällen Kenntnis zu geben, die nach Ansicht der Be 
teiligten sein Einschreiten erforderlich oder erwünscht er 
scheinen lassen. Tic Bevölkerung kann versichert sein. 
daß bei begründeken Beschwerden mit aller Energie einge- > 
schritten, und die Beseitigung der Mißstände erzwungen I 
werden wird. 
oW Keine Erhöhung der Betrüge im Postnachnahme» ] 
verkehr. Tie Reichspostverwaltung hat den Antrag von 
Handelskammern infolge der Geltentwertung die Beträge I 
die Beträge im Nachnahmeverkehr über 800 Mark zu er- I 
höhen abgelehnt) weil die Kassierung hoher Beträge schon I 
jetzt vielfach mit Schlvierigkeiten verknüpft ist. 1 
o Tie Post zu Pfingsten. Am 1. Pfingstfeiertage vor- > 
Mittags wird in den Postorten des Ober-Postdirektionss- 
bezirks Berlin neben der Briefbestellung je eine Geld-i 
und Paketbcstellung ausgeführt. Dagegen ruht am Pfingstl 
Montage die gesamte Orts- und Landbestellung; Telei- 
gramme und Eilsendungen werden jedoch wie gewöhnlich 
abgetragen. 
o Seinen 70. Geburtstag feiert am 19. Mai Herr- 
Schneidermeister Otto Wegner, Ringstr. 49. Seit 40 
Jahren ist Herr Wegner Friedcnauer Mitbürger. Er hat 
sich in i Ehrenämtern unserer Gemeindeverwaltung (Ar 
menpfleger, Brotkommissar u. a.) ebenso rege betätigt) 
tvie im hiesigen Vereinsleben. Im Jahre 1882 war er 
Mitbegründer der Freiwilligen Feuerlvehr, im Jahre 1880 
Mitbegründer des Männerturnvcreins, in welchen: er ver 
schiedene Aemter, u. a. auch das des Turnwarts der 
Zöglingsabteilung bekleidete. 1903 begründete er die Ver 
einigung selbstäirdiger Schneidermeister in Friedenau; ihr 
Vorsitzender ist er noch heute. Ferner war er Mitbegrün 
der der Friedcnauer Schneider-Zwangsinnuug, deren Obev- 
nicister er von der Gründung im Jahre 1916 bis vor kurzem 
lvar, wo er eine Wiederwahl ablehnte. Auch im Krieger 
und Landwehrverein ist er seit 1895 Mitglied und hat 
dort im Festausschuß manche schöne Veranstaltung mit 
vorbereitet. Kräftige Gesundheit, und ein reger Geist 
sind ihm eigen; der gute Humor hat ihn in allen Le 
benslagen nicht verlassen und sein biederes, freundliches, 
rechtschaffenes Wesen verschaffte ihm viele Freunde, die 
mit frohen Wünschen an seinem Jubiläumstage nicht 
fehlen werden. Auch wir beglückwünschen ihn und hoffen, 
daß ihm stete Gesundheit und Lebensfreude noch einen 
sehr langen freundlichen Lebensabend bescheren möge. 
o Tie Friedenau er Ortsgruppe der Deutschen demo 
kratischen Partei hielt die erste öffentliche Wählerver 
sammlung am Sonnabend im Bürgcrsaal unseres Rat- 
Hauses ab. Sie wurde gegen V-9 Uhr vom 4. Vorsitzen 
den, Herrn Geh. Regierungsrat Vogt eröffnet. Er be 
grüßte die Erschienenen und betonte, daß die D. D. P. 
den Wahlkampf vornehm und sachlich führen und 
aUe Gehässigkeit vermeiden werde in dem Gedanken, daß 
es nicht ein Kampf gegen Feinde, sondern gegen deutsche 
Brüder sei. Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Hüb euer. Dorf- 
tragender Rat im Ministerium für Handel und Gewerbe, 
sprach sodann über „Handel und Gewerbe und Demo 
kratie". Er stellte drei Hauptpunkte der Demokraten zu 
Handel und Gewerbe fest: 1. Tie D. D.P. hält an der 
freien Wirtschaft fest; sie macht damit einen schar 
fen Strich gegenüber denen, die die Vergescllschaftlichung 
aller Produktionsmittel auf ihrem Programm haben. Aber 
sic will auch die höheren Rechte der Allgemeinheit da 
waren, wo diese durch Vertrustung und Monopole ge 
schmälert werden und vertritt hier die Ueberleitung 
solcher Großunternehmungen in die öffentliche Hand. 2. Ist 
sie für eine umfassende Sozialpolitik, nickst in dem 
Sinne, daß jeder nun das gleiche Einkommen haben soll,- 
sondern, daß ein jeder die Früchte seiner Tätigkeit pflücken,' 
und jeder seines Glückes Schmjed sein könne. Wo aber 
Pie Briefe (Ser Prinzess. 
Von E. Kh. Oppenheim. 
£6 (Nachdruck verboten^ 
„Komme ich dir wirklich zu, früh!" fragte er zurück. 
„Ist nicht eine ganze Ewigkeit von mindestens sechsund- 
dreißigtausend Sekunden vergangen, seitdem wir uns zu- 
letzt gesehen?" t 
Heinz war schon an Margots Seite, und ste versagte 
ihm ihre rosigen Lippen nicht. Aber nachdem sie den Sturm 
seiner Zärtlichkeit eine kleine Weile hatte über sich ergehen 
lassen, machte sie sich doch sanft aus seiner Umarmung los. 
„Laß uns verständig sein, mein Freund! Der Gärtner 
und sein Gehilfe machen sich um diese Zeit allerlei im 
Park zu schaffen. Und du möchtest doch wohl nicht, dag 
ich zum Gerede der Dienstboten werde." 
Das war ein Appell, dem er die Berechtlgung nicht 
absprechen konnte, und so begnügte er sich denn, ihre Hand 
in der seinigen zu behalten, während er sich in ehrbarster 
und unverfänglichster Haltung neben sie auf die Bank 
niederließ. ^ hast eine gute Nacht gehabt, mein 
Lieblina " sagte er, und sein Gesicht nahm allgemach einen 
ernsteren Ausdruck an. als sie nach tiefem Aufseufzen er» 
mein Freund, ich wage kaum noch Darauf zu 
hoffen, daß die Zeit der glücklichen, traumlosen Nachteffur 
wich jemals wiederkehren könnte., Ich vermag mich ihrer 
kaum zu erinnern. Und jetzt, jetzt bedeutet das Auf 
dämmern des Morgens mir jedesmal eine Erlösung aus 
gräßlicher Pein." . ^ . , . . , 
Du weißt, Margot, daß es m deine Hand gegeben ist, 
dieser Pein zu entrinnen. Wenn wir nach England gingen, 
könnten innerhalb achtundoierzig Stunden alle Förmlich 
keiten erledigt- sein, die einer l^eschließung vorausgehen 
müssen." - ■ „ . . 
‘ i. Er. fühlte, wie sie einen Versuch machte, ihre Hau d 
aus Dem umschließenden' Druck seiner LiüLSk äst belreien. 
„Kannst du denn wirklich nicht aufbören, mich zu 
quälen?" fragte sie mit schmerzlichem Vorwurf. „Wie soll 
ich es nur anfangen, dich zu überzeugen, daß nicht ge 
schehen kann, was du von mir verlangst?" 
„Jede Ueberzeugung muß auf einleuchtende Gründe ge 
stützt sein, Margot, und du hast mir für deine grausame 
Weigerung bisher nicht einen einzigen anzuführen ver- 
möcht." 
„O doch! Und wenn ich es dir noch nicht gesagt haben 
sollte, so sage ich es dir jetzt, daß ich nicht von hier fort 
gehen kann, daß ich die Prinzeisin nicht verlassen darf, 
ohne mich damit des abscheulichsten Verrats an unserer 
Freundschaft schuldig zu machen." 
„Diese Anhänglichkeit an die Freundin gereicht demem 
Herzen gewiß zur Ehre, mein Lieb! Aber sie darf doch 
nicht bis zur offenbaren Selbstaufopferung getrieben werden, 
lind wie ich die Prinzessin beurteile, wäre sie selbst gewiß 
Mc allerletzte, eine solche, Aufopferung von dir zu ver» 
langen." ' . ^ .. t „ 
„Aber ich opfere mich ja gar nicht. Damit, daß ich ihr 
Gesellschaft leiste, ist nicht die geringste Gefahr für niich 
ocrbunden." . • „ ^ 
„Und wenn du dich darin täuschtest? Wenn du 
dennoch ständig voä einer schweren Gefahr bedroht wärest, 
so lange du auf deutschem Boden weilst?" 
Ungläubig und verständnislos suchte sie in seinem 
Gesicht zu lesen, und der Ausdruck desselben konnte ihr 
-reilich keinen Zweifel darüber lassen,, daß seine Worte sehr 
.'insthaft gemeint waren. 
„Von einer Gefahr, die ich noch nicht kenne?" fragte sie 
mit leisem Dangen. 
„Ja! Um dich vor dieser Gefahr zu warnen und 
am dich, wenn es fein muß, gegen sie zu verteidigen, kam 
ich hierher. Erschrick nicht, mein Liebling, aber ich habe 
kein Recht, es dir zu verschweigen.- Ich bin leider nicht 
mehr der einzige, der von deinem nächtlichen Besuch in 
meinem Haufe weiß. 
' Er sah, wie sie sich entfärbte. 
„Mein Himmel, wer — ?" 
.Erinnerst du dich jenes Doktor Dombrowski- derim 
Armen und Schwachen die Kraft fehle, da müsse die 
Fürsorge des Staates eintreten. 3. Dem Maschinen- 
tum im Arbeitsprozeß ist entgegenzutreten; d. h. 
Handwerk und Kleingewerbe müssen in erster Linie ge 
schützt und gefördert werden, damit auch der Geist des 
Schaffenden an der Arbeit beteiligt ist.. Doch es iwäre 
falsch, damit den Großbetrieb zurückzuschrauben. Es! 
müssen jedoch neue Arbeitsverhältnisse in der Großiw- 
dustrie geschaffen werden, dahin wirke auch das Betriebs 
rätegesetz, das den Betriebsuntertanen zum Betriebsbürger 
machen will. Daß die D. D. P. berechtigte Wünsche der 
Großindustrie anerkennt, beweist, daß an erster Stelle der 
Berliner Liste der Kandidat von Siemens steht. Redner 
betonte es als ein Verdienst der Demokratischen Partei^ 
daß diese zu der Zeit, als die sozialistischen Vollst-' 
beauftragten an der Regierung waren und das Bürgertum 
sich scheu zurückhielt, auftrat und durch ihre eifrige Tä 
tigkeit es erreichte, daß die Demokratie gerettet wurde 
und wir nicht eine sozialistische Diktatur erhielten. ' Die 
D. D. P. habe dann mitgeholfen das Haus zu bauen, in 
welchem wir leben und wirtschaften können. Zum ersten 
Male ist in der Verfassung die Aussöhnung des Unter 
nehmers niit dem Arbeiter festgelegt, zum ersten Male be 
schäftigt sich eine Verfassung mit der Erhaltung und 
Förderung des Mittelstandes^ und gegen diese 'Ver 
fassung haben beide Rechtsparteien und die Unabhängigen 
gestimmt. Der Vortragende schilderte nun die durch den 
Rohstoffmangel bedingte schlechte Wirtschaftslage und legte 
dar. In welcher umfassenden Weise gerade von den 2lb- 
geordnctcn der D. D. P. immer wieder der Schutz von 
Handwerk, Handel und Gewerbe gefordert und durchgesetzt 
worden ist. Untrennbar sei aber Wirtschaftspolitik mit 
der allgemeinen Politik verbunden. Und der größte Feind' 
der Wirtschaft ist der, der die Entwicklung störe, seien 
dies Männer unter der roten oder unter der uns eiiist 
so teuren schwarz-weiß-rotien Fahne. Er besprach hier 
den Kapp-Putsch und das angewandte Gegenmittel des 
Generalstreiks. Tie D. D. P. habe sich an diesem Kampfe 
mitbeteiligt und sie sei vor ihm. nicht zurückgeschreckt. 
Grundsätzlich verwerfe die T.D. P. den Generalstreik als 
politisches Kampfmittel. Hier aber handelte cS sich 
darum, die rechtmäßige Regierung zu stützen. Und wenn 
das 'nur ^u erreichen war, entweder durch Kampf mih 
den Waffen oder durch das unblutige Mittel dcS General 
streiks, so war cs nicht nur Pflicht, sondern Recht, das 
kleinere Mittel dem schivereren vorzuziehen (Stürmischer 
Beifall). Einem Bürgerkriege gegenüber wiegen die 
Schäden, die die Strcikwoche gebracht hat, federleicht.. 
Er forderte dann zur Stärkung der Demokratie und 
Wahl der demokratischen Liste auf. (Beifall). Nach einem 
Daukwvrt des Vorsitzenden an den Redner, hielt der 
Reichstagskandidat Schubert einen Vortrag über „Li 
beralismus und Demokratie". Er zeigte, nne die ur 
sprünglich demokratischen Gedanken des alten Liberalismus 
durch allerhand Hemmnisse verschwunden sind, wie der 
deutsche Liberalismus dadurch vom englisck-en überholt 
wurde und wie sich hier vor dem Kriege nur noch ein 
vcrwaschencr Liberalismus hielt. Mit einem solchen, zum 
Schlagwort gewordenen Liberalismus treten jetzt auch 
die Rechtsparteien an die Wähler heran und suchen sie 
zu ködern. Er legte dar, daß jener Liberalismus cttvas 
unbeständiges sei, während in der Demokratie das Ver 
antwortungsgefühl stark hervortrete. Wenn die Teutsche 
Volkspartei, die bisher nur negative Politik getrieben 
habe, plötzlich sich mit dem Gedanken des Reick)swirt- 
schaftsrates befreunde, so scheint sic dabei mit einciil 
Eldorado-Theater zu uns in die Loge kam und dich mit 
seinen zudringlichen Aufmerksamkeiten belästigte?" 
Margot nickte. 
„Ja, ich erinnere mich seiner. Er also? Aber von 
wem konnte er es erfahren?" 
„Ein unglückseliger Zufall führte ihn in jener Nacht 
gerade in dem Augenblick an meinem Hause vorübek, als 
ich dich auf die Straße hinausgeleitete." 
„Und warum hat er darüber geschwiegen?" 
„Nach seiner eigenen Erklärung deshalb, weil er an 
fänglich keinen Zusammenhang zwischen seiner Wahr 
nehmung und dem an Otto Martens verübten Verbrechen 
vermutete. Aber ich weiß nicht, inwiefern den Worten 
dieses Menschen Glauben zu schenken ist. Sicher ist jedenfalls, 
daß er dich sogleich wiedererkannte, als er dich in Gesell 
schaft der Komtesse sah, und daß er seit diesem Augenblick 
einen gefährlichen Argwohn gegen dich hegt." 
„Warum erst seit jenem Augenblick?" 
„Die Komtesse war ihm nicht mehr ftemd, und er 
wußte, daß sie im Aufträge irgendwelcher hochstehender. 
Persönlichkeiten sckarf beobachtet werde. Vielleicht handelt 
ja auch er im Aufträge dieser Persönlichkeiten, denn die 
Komtesse Hermine Waldendorff gab mir gegenüber, als ich 
ihr nach deiner Abreise von diesen Dingen sprach, der Ueber 
zeugung Ausdruck, daß Dombrowski ein Spion der russi 
schen Negierung sei." 
Margot gab nicht zp erkenner«, inwieweit sie diese Ver 
mutung teilte. Nachdem sie ein paar Sekunden lang mit 
zusammengezogenen Brauen, wie in angestrengtem Nach 
denken, vor sich hingeblickt hatte, fragte sie weiter: 
„Und die Gefahr, die mich bedroht, sie bestände also 
darin, daß jener Dombrowski den Behörden von feiner 
Wahrnehmung Mitteilung machen könnte?" 
„Ja. Ich fürchte ja nicht, daß sich im Ernst ein Ver 
dacht gegen dich erheben oder haß es dir an der Mög 
lichkeit fehlen könnte, ihn sogleich zu entkräften, aber man 
kann doch nicht voraussehen, welchen Widerwärtigkeiten du 
bis zur 'vollständige,i Aufklärung ausgesetzt sein könntest, 
und unter allen Umständen würde dein Name 
Sie hinderte ihn zu vollenden.
        
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