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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zu Nr. lOf des »Wriedeuauer Lolal Anzeiger" 
Evnuiaz den 16 Mai 1920. 
Laadaufeuihkit der Stadtklader 1920. 
An die Eltern! 
Auch im kommenden Sommer sendet die Gemeinde 
Berlin-Friedenau die Schulkinder zur Erholung und besse 
ren Ernährung aufs Land. Die Reise geht wieder nach 
Mecklenburg und zu einem geringen Teile nach West- 
preußen. Wenn die Kinder von ihren vorjährigen länd 
lichen Pflegeeltern für den Sommer 1920 wieder einge 
laden sind, werden sie auf jeden Fall dorthin befördert. 
Mle Kinder, auch die eingeladenen, sind mit genauer 
Angabe der "Adresse der Pflegeeltern, wie alle Kinder, 
in der Schule anzumelden. 
Der Landaufenthalt soll in der Regel acht Wochen 
dauern. Die Ausreise erfolgt Ende Mai und Mitte Juni, 
die Rückbeförderung Mitte der Monate Juli bis cinschl. 
Oktober. Den Kindern höherer Schulen kann ein Urlaub 
dis zu drei Monaten erteilt werden. 
Die Gemeinde Berlin-Friedman übernimmt alle Kosten 
einschließlich der etwa erforderlich werdenden ärztlichen 
Behandlung. Gegen Unglücksfälle nnd .Haftpflicht sind 
die Kiirder innerhalb gewisser Grenzen versichert. 
Zur teilweisen Deckung aller Kosten haben die Eltern 
einen Beitrag von 1,50 Mt. für jedes Kind und jeden 
Tag zu zahlen tvergl. Nr. 3 der nachfolgenden Bedingungen) 
und zwar ohne Rücksicht darauf, ob das Kind in eine 
entgeltliche oder unentgeltliche Pflegestelle kommt. Die 
der Gemeinde für die unentgeltlich aufgenommenen Kinder 
zufließenden Beträge dienen dazu, die erheblichen Kosten 
des ganzen Unternehmens und die Pflegegcldcr zahlungs 
unfähiger Eltern teilweise zu decken. 
Wer seine Kinder bei ländlichen Verwandten oder 
Bekannten unterbringen kann, mache davon Gebrauch und 
melde dir, Kinder für die Landaufenthalts - Organs 
sation als „Verwandtenkinder" in der Schule an. Da 
durch genießen sie alle Vorteile der von der Gemeinde 
untergebrachten Kinder: sie haben Anspruch auf die Fahr 
preisermäßigung, die Unfall- und Haftpflichtversicherung 
und auf bevorzugte Nahrungsmittelversorgmig. 
Schließlich ivird bemerkt, daß unsere Eltern und 
Kinder ihr Verhältnis zu den Landleuten fr» den Bor- 
jahren vielfach nicht richtig aufgefaßt haben. Deshalb 
haben wir die Bedingungen Nr. 6 und 7 »ufgestslkt uns 
bemerken dazu Folgendes: 
Auf dem Lande herrscht kein Ueberftust ött^ Lebens- 
ükitteln mehr. Wenn den Kindern demnach ein« aus 
reichende, gesunde und derbe Kost gewährt wird, so be 
deutet das für die Landlcute ein Opfer; demgegenüber 
füllt weder der für die heutige Teuerung ganz gering« 
Beitrag von täglich 1,50 Mk. noch die Hilfeleistungen 
der Kinder entscheidend ins Gewicht. Die Pflicht der 
Hilfeleistung ist umso wichtiger, als auch die geringst« 
Arbeitskraft für das Land von Wert ist und hilfsbereite 
anfmerksamc Kinder einer besonders liebevollen Aufnahm« 
sicher sein können. Sie w e r d e n nirgends überanstrengt 
werden. Die Kinder, besonders die Mädchen, sind schon 
vorher im Elternhause zu häuslichen Verrichtungen, zur« 
Beispiel Kartoffelschälen, Abwaschen, Ausfegen und der 
gleichen anzuhalten, damit sie sich in solchen Dingen auf 
dem Lande nicht von vornherein zu ungeschickt zeigen. 
Die Jungen werden vielfach zum Hüten von Kühen und 
Gänsen gewünscht, eine durchaus nicht anstrengende 
schäftigung. 
Die Aufnahme der Kinder erfolgt unter folgenden 
Bedingungen: 
.1, Cs werden nur Kinder aufgenommen 
L) im Alter von 6 bis zu 14 Jahren, Kinder der 
höheren Schulen btS zu 16 Jahren, 
d) deren Eltern minderbemittelt find, 
e) die ges und (normal) und frei von ansteckenden 
Krankheiten, Ausschlag und Ungeziefer sind 
Bettnässer sind grundsätz lieh aus 
geschlossen und werden sofort zurückgesandt, 
«l) die sich nach Ansicht der Schule bisher gut be 
tragen haben und der Wohltat des Landaufent 
halts würdig sind. 
2. Die Eltern haben für ausreichende, einfache, 
dauerhafte und dunkle Kleidung, sowie für ausreichende 
Die Briefe der pkinrerriv. 
Don E. Ah. Oppenheim. 
55 , (Nachdruck verboten.^ 
„Eine der Damen auf dem Schlosse sprach heute davon, 
das; jemand, der ihr persönlich nahe steht, auf Seite der 
Buren gegen die Engländer gefochten habe und daß sie 
seit langem ohne jede Nachricht von ihm geblieben fei. 
Sie fürchtet, daß er gefallen oder als Gefangener in einem 
der berüchtigten Konzentrationslager einer Krankheit er- 
legen fei. Und ich glaube, daß es ihr von höchstem Werte 
sein würde, wenn sie zufällig durch Sie etwas über fein 
Schicksal erfahren könnte." 
Herbert hatte ihn ohne Unterbrechung ausreden lassen, 
aber seine scharfen Augen hingen an dem Munde des 
Sprechenden, als ob sie ihm die Worte von den Lippen 
reihen wollten. 
„Und Sie sagen, daß Sie beauftragt seien, mich um 
Auskunft zu ersuchen. Sie haben also von mir gesprochen ?" 
„Ich wußte aus Ihrer eigenen Mitteilung, daß Sie ein 
Mitkämpfer des Burenkrieges gewesen seien. Da lag cs 
doch nahe, daß ich mich aus Anlaß jener Unterhaltung 
'dessen erinnerte und meiner Bekanntschaft mit Ihnen Er 
wähnung tat." ^ , .. _ . _ 
„Und Sie hatten den Eindruck, daß die Dame — daß 
ihr sehr viel an der Auskunft gelegen fei?" 
„Ja, diesen Eindruck hatte ich allerdings." 
„Natürlich nannte sie Ihnen auch den Namen 
Mannes, über dessen Schicksal sie unterrichtet zu 
wünschte?" 
„Nein. Und ich hatte keine Veranlassung, sie danach 
zu fragen. Sie beauftragte mich lediglich, Ihnen die Bitte 
um einen gelegentlichen Besuch auf dem Schlosse auszu- 
sprechen, ein Auftrag, dessen ick mich hiermit entledige." 
Der andere blickte unverwandt vor sich hin, und Holl- 
felden sah, in wie tiefen Atemzügen seine breite Brust sich 
hob. und senkte. Endlich kam aus dem tiefen Schweigen 
heraus.wieder eine Frage: 
des 
fein 
Wäsche und zwei Paar Stiefel oder Holzschuhe zu sorgen. 
Auch dürfen die Sache::, besonders die Strümpfe, nicht 
zerrissen sein. 
9. MS Beitrag zu den allgemeinen Unkosten haben 
die Eltern 1,50 M. für jedes Kind und jeden Tag mo 
natlich nachträglich an die Gemeindekasse Berlin-Frie 
denau (Rathaus) zu Zahlen. In besonderen Notfällen kann 
bet Beitrag ermäßigt oder erlassen werden. Solche An 
träge sind sofort bei de rAn Meldung in dieser 
H chu le zu stellen. 
4. Das Besuchen der Kinder auf dein Lande ist grund 
sätzlich verboten. Auch dürfen sich die Eltern nicht in 
der Nähe ihrer Kinder in Pension geben. Nur in Aus 
nahmefällen, so bei ernsterer Erkrankung der Kinder, kann 
der Gemeindevorstand BerlimFriedenau die schriftliche Er 
laubnis zu einen: kurzen Besuch erteilen. Bei un 
erlaubten Besuchen werden die Kinder so 
fort mitgegeben. 
st. Die Eltern dürfen die ländliche:: Familien nicht 
*m Lieferung von Nahrungsmitteln angehen. 
6. Die Kinder müssen sich der Hausordnung der Land 
lente fügen, stets gehorsam, bescheiden und dankbar sein, 
I die ihnen übertragenen kleinen Arbeiten gern, willig und 
ohne Widerrede übernehme::, sie gewissenhaft aussühren 
und nicht als Spielerei betrachten. 
. Sie dürfen nicht über das Essen mäkeln, sich über 
haupt uicht über die einfachere Lebensweise der Land 
bevölkerung aufhalten, und andererseits nicht prahlen 
mit ihren eigenen häuslichen Verhältnissen (bessere Woh 
nung, Badeeinrichtnng, Kinobesuche usw.). Auch dürfen 
sie keinen Anstoß an den hin und wieder sehr dürftigen 
Wohn- und Schlafräumen nehmen. 
Die Lcuckleutc sind berechtigt, Kinder, deren Verhalten 
Anstoß erregt, jederzeit zurückzusenden. 
7. Vor der Ausreise sind die Kinder über die Be 
deutung der Landwirtschaft, besonders in der gegenwärtigen 
Zeit, zu belehren. Es ist ihnen zu sagen, daß von der 
schweren, ernsten Arbeit der Landleutc unsere ganze Er 
nährung und damit das Leben jedes einzelnen Menschen 
sowie dcS ganzen Volkes abhängt. 
8. Die Kinder sind darauf hinzuweisen, daß sie viel 
leicht Heimweh bekommen werden, daß sie deswegen aber 
nicht ohne weiteres zurückkehren dürfen und es über 
winden müssen. 
9. Die Eltern Hatzen bald nach Eintreffen 
ihrer Kinder auf dem Lande den Pflege- 
eltern für die Aufnahme und die Opfer, hie 
sie bringen, in herzlichen Worten schrift 
lich zu danken. 
10. Die Kinder müssen vor ihren: Fortgange sämt 
liche Lebensmittelkarten oder Unterabschnitte von Lebens 
mittelkarten abgeben. 
TirjenLgck» Eltern, di« diese Bedingungen anerkennen 
und ihre Kinder ans dem Lande unterbringe« wollen, 
müssen einet in der Schule erhältliche vorJedruckte Situ« 
Meldung ausfällen und sofort dem Massenlehrer ihrer 
Kräder einreichen. 
Soweit Stellen vorhanden sind, werden die Anmel 
dungen berücksichtigt werden. 
OrtsnackricktE 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ter letzte Kunftgemeiudeaöend im Steglitzer Ly 
zeum war bei dem wieder bis aus den letzten Platz 
gefüllten Saal eine glänzende Abschiedsveranstaltung. Der 
ausgezeichnete Bassist Louis de Sande sang mit seiner 
großen tiefen Stimme Lieder von Brahms nnd die Arie 
des König Philipp aus der Oper „Ton Carlos" von Verdi. 
In dem Konzert T°dur von Haydn, Kol nidrei von Max 
Bruch und Elfensang von David Popper erfreute der 
Cellist Arnold Földesy durch seine blendende Technik 
nnd sein inniges, stilvolles Spiel. Einen besonderen Ge 
nuß bereitete er dann in Gemeinschaft mit dem Cellisten 
Hermann Hopf ,;bcide spielten Suite für 2 Celli von 
David Popper und ernteten mit dieser glänzenden Dar 
bietung nicht endenwollenden Beifall. Die Begleitung 
lag wieder bei Clemens Schmalstich in guter Hand. 
„Sie haben mir noch nicht gesagt, wer die Dame ist, 
die mich zu sprechen wünscht. War es — war es Fräulein 
von Wehringen?" 
Er hatte den Namen unsicher gesprochen, als könne er 
sich nur schwer entschließen, ihn über die Lippen zu bringen. 
Und wie in gespanntester Erwartung ruhten seine Augen 
jetzt auf Hollfeldens Gesicht. Für den aber war die Frage 
hinreichend gewesen, das unbestimmte Mißtrauen, das er 
seit den: Morgen gegen seinen Hausgenossen gehegt, zu 
riesengroßem, eifersüchtig feindselige»: Argwohu anschwellen 
zu lassen. 
„Nein!" sagte er mit ganz unmotivierter Schärfe. 
„Aber Sie haben sich den Namen der Dame sebr gut ge 
merkt, überraschend gut für jemanden, der ihn heute zuin 
ersten Male in seineni Leben gehört." 
Der ehemalige Burenkäinpfer lächelte wieder, lind sein 
Lächeln, in dein Heinz etwas wie Spott zu lesen glaubte, 
war wenig danach angetan, die eifersüchtigen Besorgnisse 
des jungen Schriftstellers zu zerstreuen. 
„Habe ich denn gesagt. Herr Hochelden, das; ich den 
Namen zum ersten Male in meinem Leben höre? Die 
Wehringen sind, eine alte, weitverzweigte Adclsfamitie. 
Da könnte ich doch leicht schon früher einem Träger dieses 
Namens begegnet sein. Liber Sie sagen jo, daß es nicht 
diese junge Dame gewesen ist, mit der Sie über mich ge 
sprochen haben, lindes gibt außer ihr nur noch ein weib 
liches Wesen auf dem Schlosse, nicht wahr?"' 
„Ja. die Gräfin Maria Waldendorsf. lind diese ist es, 
die Sie zu befragen wünscht." 
„Gräfin Maria Waldendorsf? Wissen Sie bestimmt, 
daß sie so heißt?" 
„Ja, haben Sie etwa Anlaß, an der Richiigkeik des 
Namens zu zweifeln?" 
„Ich erinnere mich, daß der Wirt von -einer Komtesse 
Waldendorsf sprach, die mit einem russischen Fürsten ver 
heiratet sei. Aber das ist dann wohl eine andere gewesen." 
„Jedenfalls." 
„Mute ich Ihnen zu viel zu, wenn ich Sie bitte, mir 
zu wiederholen, was die Dame über — über jene in Süd- 
afrlka verschollene Persönlichkeit sagte? Es wäre doch 
möglich, daß ich daran» schließen könnte» ob ich de:» 
Manne drüben beaeanet bin." 
o Dev Parochialveretu hatte seine Mitglieder am 
Montag, den 10. Mai, zu einer stimmungsvollen Feier 
zusammengerufen, die'sich zu einem erhebenden Bekenntnis! 
für deutsche Sprache,, deutsches Lied und 
deutsche Heimat gestaltete. Der große Festsaal in 
der Homuthstraße war bis auf den letzten Platz gefüllt. 
Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Prof. 
Dr. Klcinecke, in der er es beklagte, daß die im 
August 1914 aufflammende Begeisterung für deutsche Eigen 
art in Sprache und Lied jetzt in den breiten Massen des' 
Volkes fast erstickt sei in einem Nebel nndeutscher, aus 
dem Ausland eingeführter Vorstellungen und Begriffe,, 
nahm Herr Dr. Manermann, der Vorsitzende der 
hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Sprachvereins, das 
Wort zu einem Vortrag über Ktangschönhciten in der 
deutschen Sprache. Fesselnd wies er nach, wie unsere 
durch Häufung von Konsonanten und dumpfen Vokalen 
vielfach in ihrer Klangwirkung beeinträchtigte Mutter 
sprache dennoch das erfolgreiche Bestreben zeige, diese 
Hindernisse zu überwinden und zur vollen Klangschönheit 
zu gelangen. Einige Proben besonders klangschöner deut 
scher Dichtung trug Herr Dr. Mauermann mit künst 
lerischer Vollendung vor. Der in Friedenaner Kreisen 
v ohlbekaiinte und hochgesch'itzte Konzerts:»;,er Herr K:rl 
Burk har dt brachte mit seiner wundervollen markigen 
Baritonstimine Lieder von Schubert, Wolf, Trunck und 
Hermann in ergreifender Weise zum Vortrag. Die dank 
baren Hörer ruhten nicht, bis er noch ein Lied von Trunck 
zugab. Der stimmungsvolle Zauber deutscher Musik, der 
alle Hörer gefangen nahm, steigerte sich fast noch bei den: 
von Herrn Kammermusiker Otto Rößler ans der Flöte 
meisterhaft vorgetragenen .Konzertstück über das Lied - 
„Gute Nacht, du mein herziges Kind" von Popp. Der 
als Orgelkünstlcr in weiteren Kreisen bekannte Organist 
Herr Alfred Mai von der Heilsbronner Kirche in Schöne 
berg, der den Abend mit einem vollendet gespielten Prä- 
lndinn: von Bach eingeleitet hatte, führte dann mit einem 
Vorspiel eigener Eingebung zu dem zweiten Hanptteil des 
Abend, den bon Herrn Rat Lange aufgenommenen 
und mit Liedern u:ck> Dichterworten umrahmten deutschen 
Heimatbildern über. Dieser Teil brachte den Höhepunkt 
stimmungsvoller Wirkung, besonders in den Bildern, die 
den Hintergrund abgeben für eine Reihe unserer schönsten 
Volkslieder, von der Orgel in feinster Weise begleitet. 
Ergreifend wirkte das leise, halb unbewußte Mitsingen 
der ganz im Banne der Musik und der geschauten Bilder 
stehenden Zuhörerschaft. Es war, als ob die im Saal 
herrschende Stimmung selbst in hörbare Schwingung 
geriet. Zu einer prächtigen Soinmertandschaft wirkte ein 
fernes Flötensolo wie Nachtigallcngesang. Frl. Edit 
Lange, eine junge Anfängerin, sang mit schöner, wenn 
auch noch etwas unsicherer Stimme Lieder von Schumann, 
Franz und Hildach. Zu einzelnen Bildern wurden von 
Herrn Eberhard T i e t j c n s Gedichte von Goethe, Fleischer 
u. a. mit klarer Stimme in angenehmer Weise zu Gehör 
gebracht. Volle Anerkennung verdient auch die feine u:ck> 
anschmiegende Begleitung von Frau Marta Fiebing ans 
dem Flügel. Das Ganze war ein voll gelungener Abend, 
der dem Parochialverein wieder eine Reihe neuer Freunde 
und Mitglieder zugeführt haben dürfte. Mit dem gemein 
samen Gesang „Deutschland, Deutschland über alles" schloß 
die erhebende Feier. —kc. 
o 40 000 Ma^k für Zigarrenspitzen. Das Wir 
ken des -Ktchshäuser-Bundes beweist, in welch hochherziger 
Weise für 'die Kriegsbeschädigten, Kricgerhinterbliebenen 
und Kricgcrmaisen gearbeitet nnd gesorgt wird. Beson 
ders in dieser Zeit, wo Kleinigkeiten oft unbeachtet bleiben, 
ist es wertvoll, zu er'fahren, ' daß der Kyffhäuscr-Bund 
allein aus — im allgemeinen gls wertlos fortgeworfenen — 
Zigarrenspitzen einen Betrag von ungefähr 40000 Mark 
sammelte. 
Mi diele Rubrik übernehmen wir keine Geranrwarrung.- 
Die Haltung der E--W. beim Kapp-Pntsch. 
Ich weiß nicht, wer Herr Schröder ist und in welchem 
Namen er spricht, ich weiß nur, daß Herr Schr. nicht 
„Ich bedauere, Ihnen mit weiteren Ausrunsken nicyl 
dienen zu können, Herr Herbert. Und es wäre ja auch 
zwecklos, da Sie Gelegenheit haben werde», die Gräfin selbst 
darum zu befragen, sosern Sie geneigt sind, ihrem Wunsche 
zu entsprechen." 
Der andere warf seine halb gerauchte Zigarre :m 
weiten Dogen von sich und stand auf. 
„Ich weiß in diesem Augenblick nicht, ob es mir mög 
lich sein wird," sagte er zu Hollfeldcns Ueberraschung in 
dem kühl reservierten Toi: ihrer ersten Unterhaltungen. 
„Denn es war eigentlich meine Absicht, Buckberg morgen 
früh zu verlassen. Immerhin wäre cs denkbar, daß ich diese 
Absicht noch ändere. Aber es ist spät geworden — wenig 
stens für mich, und ich sage Ihnen deshalb .Gutenacht'. 
Selbst wenn ich morgen abreisen sollte, habe ich wohl das 
Aergnügen, Sie vorher noch einmal zu sehen." 
In dein augenfälligen Bestreben, allen weiteren Fragen 
auszuweichen, mar er bei seinen letzten Worten bereits 
die zur Haustür emporführenden Stufen hinaufgestiegen, 
und nun nach einer letzten leichten Verneigung so schnell 
im Dunkel der Diele verschwunden, daß Hollfeldens ge 
messener Gegengruß wohl kaum noch sein Ohr erreichte. 
27. Kapitel. 
Jeder neue Tag, der in sommerlicher Schönheit über 
dem bayerischen Hochlande anbrach, schien seinen Vorgänger 
an Köstlichkeit zu übertreffen. Die kristallene Reinheit und 
wunderbare Durchsichtigkeit der Luft verlieh den mannig- 
fachen Farben der Landschaft einen so leuchtenden Glanz, 
als wäre cs ein riesenhaftes Emailbild, das sich da vor den 
Augen des entzückten Beschauers ausbreite, und der üppige 
Blumenflor der tiefgrnnen Wiefeiimatten schien mit jedem 
neuen Morgen prächtigere Töne in das harmonisch abge- 
stimmte Gemälde zu bringen. . 
Die Unruhe seines Herzens mußte fürwahr emen sehr 
hohen Grad erreicht haben, wenn Heinz Hollfclden, der 
enthusiastische Schönheitsfanatiker. durch all diese sonnenvcr- 
aoldete Herrlichkeit dahinwandeln konnte, ohne seine Seele 
von ihr berührt zu fühlen. AVer er war in der Tat kaum 
jemals teilnahmsloser für alle äußeren Eindrücke gewesen 
als an diesem Morgen. Die rätselhnstcn Andeutungen der 
Sdtmüin und die nnbestiir.rnten Acrnnck.inseu, die das
        
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