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Periodical volume Nr. 104, 11.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Ar. 164 
NZrün-Friedena», Dienstag, des 11 Mai 1920 
Zahm. 11 
(Rachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o 1200 Gramm LtrankenLrst kosten nur 3,30 M., nicht 
3,50 M. wie eS in der gestrigen Bekanntmachung stand. 
obh Die Tariferhöhungen bei der Hochbahn. Der 
BervandsauSschiiß Groß-Berlin stimmte in seiner gestrigen 
Sitzung den Tariferhöhungen bei der Hochbahn und den 
nicht dem Verband gehörenden Straßenbahnen zu. Der 
Tarif der Hochbahn wird in der 3. Klasse auf 30 Psg. 
für die erste Zone von 5 Stationen und ans 75> Psg. 
für die ganze Strecke (gegenwärtig 50 und 30 Psg.), in 
der 2. Klasse auf 70 und 00 Psg. (bisher 30 und 70 Psg ) 
erhöht; dement'prechend wird auch der Fahrpreis auf 
der Flachbahn Warschauer Brücke—Lichtenberg herauf 
gesetzt. 
obh Tie Mictlhöch-stpreise.für möblierte Zimmer. Es 
ist anscheinend in den Kreisen der Benutzer von möblier 
ten Zimmern nicht genügend bekannt, daß auch für 
möblierte Zimmer Höchstpreise festgesetzt sind. Vielfach 
werden für einfach ausgestattete Zimmer 200, für besser 
möblierte Zimmer sogar 300 bis 400 M. verlangt, 
wozu dann noch besondere Bezahlung für Licht, Heizung, 
Bedienung usw. kommt. Auf den Besprechungen der 
Groß-Berliner Wohnungsämter ist in der Frage der 
Höchstpreise für möblierte Zimmer folgender Beschluß 
gefaßt worden: Für die Preisberechnung der Miete für 
ein möbliertes Zimmer sind 3 Tatsachen maßgebend:. 
1. Ter Wert des leeren .Zimmers, errechnet aus der 
Miete für die ganze Wohnung, geteilt durch die Zahl der 
Zimmer. 2. Verzinsung und Tilgung des in der Zimmer 
einrichtung steckenden Kapitals. Dafür sind 15 Prozent 
festgesetzt worden von dem Herstellungspreis', zu dem 
noch jetzt gemeinnützige (Gesellschaften, z. B. die Haus« 
ratsgescllschaft Möbel liefern; unberücksichtigt bleibt der 
Konjunkturwert. 3. Entgelt für Bedienung, Reinigung 
de-s Zimmers, festgesetzt ans 25—30 M., ausschließlich 
Wäsche,. Für Heizung und Beleuchtung sind die wirklich 
entstandenen und leicht zu errechnenden tatsächlichen Auf 
wendungen, z. B. für eine 25 herzige Birne 5 M. monat 
lich. zu vergüten. Die Vergütung für Handtücher, Bett 
wäsche, Badebenutzung, Frühstück, Fcrnsprechbenutzung 
oder andere, außergewöhnliche Leistungen unterliegt be 
sonderer Vereinbarung, muß sich aber natürlich in ange 
messenen Grenzen halten. 
o Verlängerung der Polizeistunde. Durch eine Ver 
ordnung des .Polizeipräsidenten von Berlin ist mit Wir 
kung von 'gestern die Polizeistunde um eine halbe L-tunde 
verlängert worden. Die Gaststätten Berlins dürfen 
also in Zukunft ihre Lokale bis Vs 12 Uhr nachts geöffnet 
haltst». — Für Friedenau gilt diese Verfügung zu 
nächst u och n i ch t, doch ist zu erwarten, daß der für 
dis Vorortgemeinden zuständige Regierungspräsident sich 
dem Berliner Polizeipräsidenten in dieser Frage an 
schließen wird. 
o Himmelfahrt gesetzlicher Feiertag. Zur Behebung 
geäußerter Zweifel über die Zulässigkeit gewerblicher Ar 
beiten am Himmclfahrtstage wird amtlich auf folgendes 
hingewiesen: 'Der Himmclsahrtstag ist gesetzlicher Feier 
tag rm Sinne von § 106 b der Gewerbeordnung. Dem 
gemäß End an ihm alle Arbeiten in gewerblichen Betrie 
ben bei Strafe insoweit verboten, als sie nicht aus 
Grund der §§ 105 c— b der Gewerbeordnung allgemein 
erlaubt oder gemäß § 105 f desselben Gesetzes von Fall 
zu Fall aus besonderen Antrag zugelassen worden sind. 
oA Ta: Ende des Bürgerausschusfes Größs-Berlin. 
Der Vorstand des Bürgerausschusscs Groß-Berlin wird, 
nachdem das Ziel des Vereins, die Beseitigung der kom 
munalen Zersplitterung Groß-Berlins durch das Gesetz 
Groß-Berlin erreicht ist, bei der Mitgliederversammlung 
die Auflösung des Vereins beantragen. Die Mit 
gliederversammlung ist satzungsgcmäß durch den „Reichs- 
anzeiget:" ans Mittwoch, den 10. Mai, nachmittags 3 Uhr, 
nach Saal 142 im Neuen Rathause Nerlin-Schöneber'g 
einberufen. Der erste Vorsitzende, Oberbürgermeister D o° 
minie US (Schöneberg) wird im Anschluß an den Tä 
tigkeitsbericht die Auslösung des Vereins beantragen. 
Eine aktcninäßige Darstellung der Wirkung des Bürger- 
ausschusses Groß-Berlin erscheint in den nächsten Tagen 
im Verlage von Felix Dietrich in Gautsch bei Leipzig 
in der Sammlung „Kultur und Fortschritt". 
o MitgliedcrversNmm lung der B.BG. Wir erinnern 
nochmals daran, daß die Mitgliederversammlung der „Ber 
liner Vorvrtgemeinschaft im Kreise Teltow" am Frei 
tag, dem 14. Mai, abends 8 Uhr, int Bürgersaal un 
seres Rathauses stattfindet. U. a. wird der' Geschäfts^-, 
sichrer den Bericht über das Gesetz Groß-Berlin geben. 
o Erhöhung der Mieten um,40 Prozent? Die Miets 
höchstverordnung wird in aller Kürze einer Abänderung 
unterworfen werden. Der Wohlfahrtsiinnistcr soll sich 
überzeugt haben, daß der Zuschlag von 20 Prozent zur 
Friedensmiete nicht aufrecht zu erhalten ist und daß den 
Groß-Berlincr Hausbesitzern mindestens 40 Prozent be 
willigt werden müssen, um sie .in den Stand zu 'setzen, 
ihren Verpflichtungen gegenüber der Stadt und ihren 
Hypothekengläubigern nachzukommen. 
o Jubiläum. Herr Postsekretär Morjtz Hinkel- 
in a n n , Taunusstraße 32, langjähriger Friedenauer, 
feiert heute sein 25 jähriges Dienstjubilüum beim Bahn- 
postamt 2 Berlin. Er gehört mit zu den treuesten Lesern 
unseres Blattes, das er von den ersten Jahren seines Er 
scheinens bis heute ununterbrochen bezogen hat. 
o Die Goldene Hochzeit feiert morgen mit seiner 
Gattin Herr Pfarrer ein, Pilchowsk'i, Ringstr. 15 
wohnhaft. Herr Pfarrer Pilchowski war einige Jahre 
1. Vorsitzender des Friedenauer ParochialvereinS und ist 
den Mitgliedern dieses - Vereins durch seine humorvollen, 
aber auch rief innerlichen Ansprachen bekannt. In der 
gleichen Weise hat er sich auch in anderen kirckiliehcn 
Vereinen rege betätigt. Wir beglückwünschen die Jubilare 
und hoffen, daß ihnen noch ein recht langer freudiger 
Lebensabend beschicden sein möge. 
o Geheimtat Panse f. Im Alter von 87 Jahren 
ist hier heute der Geheime Kanzleirat B. Panse, Kirch- 
siraße 4, verstorben. Er kam Anfang der 80er Jahre 
nach Friedenau und gehörte zu den sogen. Rohbauern, 
die Ihre Dillen in roten Backsteinen errichteten. Schon 
frühzeitig widmete er sich dem öffentlichen Leben in 
Friedenau und war viele Jahre hindurch — bis 1910 — 
Mitglied unserer Gemeindevertretung. Mit Geheimrat 
Schremmer u. a. stand er dort auf der Seite derjenigen, 
die ein gerades offenes Wort liebten und dabei oftmals 
in Opposition zum Gemeindevvrstand gerieten. Ein 
frischer, lebendiger Geist, gesunder Humor und eine ker 
nige Natur hat ihm ein hohes Alter erreichen lassen. 
Er besaß z. B- noch sein vollständiges Gebiß. Unge 
fähr vor einem Jahre erkrankte er plötzlich und hat 
Monatelang schwer krank darniedergclcgen. Dennoch über 
wand er die schwere Krankheit ,und schlug, wie er zu 
uns sagte, Freund Hein, der zhn schon ant Zeh gepackt 
hatte, nochmal ein Schnippchen. Allerdings hatte ihn diese 
Krankheit stark mitgenommen. Während er früher bis 
zu seiner Krankheit noch einen .festen.strammen Schritt 
, am Leibe hatte, versagten jetzt die Beine den Dienst. 
Das Gehen wurde ihm schlver. Nun hat er, der von 
seinen Kindern und seinem Schwiegersohn bis zum letzten 
Tage liebevoll betreut worden ist, 'die Augen zum letzten 
Schlummer geschlossen. Er ruhe sanft! 
o Ter Streik der Braucreiarbeiter ist gestern in 
einer Vertrauensniännerkonferenz der Ausständigen mit 
204 gegen 75 Stimmen für beendet erklärt worden. Die 
Forderungen der Streikenden sind im wesentlichen er 
reicht. Das Fahrpersonal erhält 220 M- Wochenlohn, 
außer einer Provision, die für den Hektoliter 70 Pfennige 
! und für den Kasten Flaschenbier 20 Psg. beträgt. Von 
den Bctriebsarbcitern erhalten die gelernten 220 M., 
die ungelernten 215 M. Wochenlohn. Nachdem die Tech 
nische Nothilfe gestern abend aus den Betrieben zurück 
gezogen wurde, haben heute die Ausständigen die Arbeit 
1 iu allen Brauereien wieder aufgenommen. 
! o Tas Re ichispostmini sterinm znm Generalstreik. Das 
Neichspostministerium nimmt Hinsichtlich der Beteiligung 
der Post- und Telegraphenbeamten, Hilfskräfte und Ar 
beiter am Generalstreik im vergangenen Mürz folgende 
Stellung ein: Der Reichspostniinister hat am 14. März 
auf einstimmigen Beschluß des Kabinetts durch Kreis- 
telegramm angeordnet, daß bei der Reichs-Post- und 
Telegraphenvcrwattnng der Telegraphen- und Fernsprcch-- 
dicnst zum Schutze des Gemeinwohls mit allen Mitteln 
aufrechterhalten werden und daß nur der Postüetrieb 
da, wo Gefahr für Leben und Gesundheit der Beamten 
oder für Eigentum der Post bestand, ruhen sollte. Den 
jenigen Beamten usw., die dieser Aufforderung gefolgt 
sind und ihren Dienst weiter verrichtet haben, darf des 
halb von keiner Seite ein Vorwurf gewacht werden. Wo 
von den Gewerkschaften und den Beamtenverbänden in 
einzelnen Orten der Generalstreik ausgesprochen worden 
ist — obwohl eine Stillegung de-s gesamten Betriebes 
der Rcichs-Post- und Telegraphenverwaltnng gerade hie 
Kreise am meisten schädigen mußte, denen man durch 
den Generalstreik Hilfe zu gewähren verweinte — soll 
mit Rücksicht auf die durch die Unruhen hervorgerufene 
Verwirrung denjenigen Beamten, Hilfskräften und Ar 
beiter, die sich am Streik beteiligt haben und dem Dienst 
ferngeblieben sind, hieraus ein Nachteil nicht erwachsen; 
nur wegen grober Ausschreitungen oder gesetzwidriger, 
Handlungen würde einzuschreiten sei». Gegen diejenigen 
Beamten usw., welche die gegen die verfassungsmäßige 
Regierung gerichteten Bestrebungen unterstützt oder geför 
dert haben, ist dagegen durchweg entschieden vorzugehen. 
Zur. Untersuchung der aus.Anlaß.der -Märzuuriihen im 
Bereiche der Reichs-Post- und Tclegrapheuverwaltung vor 
gekommenen Verfehlungen ist aus Vertretern des Reichö- 
postministerülmS und des Beamtcnbeirats ein Ausschuß 
gebildet worden, der nach einheitlichen Grundsätzen zu 
prüfen hat, ob ein Einschreiten geboten ist, und der nach 
dem Ergebnis der Untersuchung Vorschläge für die Er 
ledigung abzugeben hat. 
o Die Ortsverwaltiing Friedenau des Bundes der 
techn. Angestellten und Beamten hielt am Mittwoch, den 
5. Mai ihre Monatsvcrsaiiimlung mit Damen im Bcr- 
einslokal, Hohenzollern-Rcstanrant, ab. Abends 8 Uhr e» 
öfsncte der Vorsitzende, Koll. B c u st e r, die sehr gut be 
suchte Versammlung. Nach Erledigung des geschäftlichen 
Teiles erhielt der VerbandSbeamle Koll. Krocbel das 
Wort zu einem Vortrage „Gehaltspolitik, Gehalt und 
Ehe". Er führte auS, baß die Zufriedenheit in der Ehe 
und im eigenen Heim eng mit dem Einkommen des Ehe 
mannes verknüpft sei. Daher muß die Gehaltspolitik 
so beiriebeir werden, daß sich das Gehalt und Einkommen 
deS Ehemannes den Lebensbedürfnissen anpaßt, soll nicht 
die Ehefrau etwa letzten Endes auf einen unsittlichen. 
Weg geführt werden, damit sie ihre Kinder cinigcrmaff'n 
löon E. V h. Oppenheim. 
63 
(Nachdruck vtrbsten.s 
„Es handelte sich bei ihrem Zerwürfnis nicht um 
Margot, sondern um eine andere Person," erwiderte dic 
Prinzessin zögernd. 
Da waren sie wieder, all die quälenden, marternden 
Zweifel und eifersüchtigen Befürchtungen, die in ihm durch 
Margots beharrliche Weigerung hervorgerufen worden 
waren, und die die Erklärungen der Prinzessin nur halten 
einschläfern können. Er war leichenblaß geworden, und 
mit verhaltener Stimme fragte er: 
„Um einen — einen Mann?" 
„Ja. uni einen Mann," gab die Prinzessin halb wider 
Willen zu. „Aber Sie haben keinen Grund, sich deswegen 
irgendwelche Gedanken oder Befürchtungen zu »rache». Ich 
darf Ihnen nichts weiter erklären; nur noch einmal möchte 
ich Ihnen versichern, daß Sie keine Veranlassung zur Ei,er 
sucht haben." „ 
In diesem Augenblick kehrten Margot und die Gesell 
schafterin zurück, und die Prinzessin gab den, Gespräch 
sogleich eine unvcefüngliche Wendung. Wenige Minute,! 
spater aber öffnete der Diener mit dein unbewegliche» 
Gesicht die Tür. 
„Für die Herrschaften ist serviert," meldete er mit dis 
kreter Stimme. . , 
Die Prinzessin erhob sich und warf einen Blick arrs 
ihre Uhr. . , „ 
„Wie rasch die Zeit vergangen ist I" meinte sic. „Sic 
nehmen doch das Abendessen mit uns, Herr Hollfelden." 
Heinz zögerte, ob er die Einladung aiinehmen dürste. 
Aber die Hostnung, später noch einige Worte unter vier 
Augen mit Margot sprechen zu können, dielt ihn doa) 
zurück. 
Freilich erkannte er bald, daß sie einem sglchen Ge 
spräch absichtlich aus dein Wege ging. Während des Essens 
konnte natürlich nur über gleichgültige Dinge gesprochen 
werden; aber auch nach dem ziemlich lang ausgedehnten 
Mahl wußte es Margot so einzurichten, daß sie niemals 
mit Heinz allein blieb. Und als irgendwo eine Uhr dic 
zehnte Stunde schlug, hielt Hollfelden es für angebracht, 
sich zu verabschieden. 
Roch jetzt hoffte er, daß Margot ihn hinausgeleiten 
würde, und daß er dann Gelegenheit finden würde, 
wenigstens einige Worte unbelauscht mit ihr zu wechseln. 
Aber sie wünschte ihm nur in Gegenwart der anderen 
„Gute Rächt!" und mit einem Herzen voll banger Zweifel 
und Sorgen machte sich Heinz auf den Heimweg. 
26. Kapitel. 
Man geht frühzeitig zur Ruhe in einem oberbayerischen 
Dorfe, und auch das Wirtshauslebcn pflegt nur an Sonn 
tagen' und an den allerdings recht zahlreichen kirchlichen 
Fei-rtagen über die neunte Stunde hinaus zu währen. So 
lag' denn auch heute das „Gasthaus zur Post" bereits in 
tiefer Dunkelheit, als Heinz Hollfelden heimkehrte, und er 
wurde der Männergestalt, die auf der Bank neben der 
Haustür saß, nicht früher ansichtig, als bis er sich von einer 
wohlbekannten, tiefen Stimme mit höflichem Gruße ange- 
tufeii^hörte.^ öc , r öort ^ einer Zigarre dic wohl 
tuende Einsamleit des linden Somincrabends genoß. Und 
wenn Heinz auch seit de>n heutigen Morgen eine Art von 
instinitivem Mißtrauen gegen diesen so eigentümlich zurück- 
.haltenden und doch auf der anderen Seite so merkwürdig 
wißbegierigen Hausgenossen empfand, so würde es ihm 
angesichts der tadellosen Höflichkeit, die Herbert ihm gegen 
über gezeigt hatte, doch als eine Ungezogenheit erschienen 
sein, ohne ein paar artige Worte an ihm vorüberzugehen. 
Außerdem erinnerte er sich des Wunsches, den die Prinzessin 
in bezug auf den Freindcn ausgesprochen hatte, und be 
schloß, Herbert diesen Wunsch noch am heutigen Abend zu 
ibermitteln, sofern ihm der Verlauf der Unterhaltung eine 
Möglichkeit dazu, bieten würde. 
Er blieb also stehen und sprach ein paar nichtssagende 
öorte über die Schönheit des Abends und über den eigen« 
rtigen Zauber, der gerade in dieser matten, silberigen 
Zeleuchtung über die Landschaft gebreitet schien. 
„Ja," erwiderte der andere. „Aber ich glaube nicht, 
atz Sie diesen Zauber so tief zu empfinden vermögen wie 
miand, der seiner ein paar Jahre hindurch entwöhnt 
rorden ist. Man muh die herbe Reizlosigkeit südafrikanischer 
rächte durchkostet und sich in den eintönigen Steppen d.z 
Zurenlandes nach deutschem Wald und dentscheni Gebirge 
esehnt haben, um ihrer stillen, zum Herzen sprechenden 
Zoesie volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen." 
Das klang weicher und inniger, als Heinz es von dem 
lortkargcn, ernst blickenden Manne zu hören erwartet 
ätte, und trotz der leisen Abneigung, die er gegen ihn 
mpfand, konnte er sich doch dem Eindruck nicht entziehen, 
atz es sicherlich keiner der herdenweise herumlaufenden 
)utzendmenschen war, mit dem der Zufall ihn hier zu- 
ammengeführt hatte. 
„Darin mögen Sie wohl recht haben," erwiderte er. 
Wie man einen Besitz ja immer erst zu schätzen weiß, 
oenn man ihn verloren hat. Das ist eine Binsenwahrheit, 
ber sie hat mit allen derartigen Wahrheiten das eine ge 
llem, daß sie jedem einzelnen auf Grund eigener schmerz- 
icher Erfahrung aufgegangen sein muß, ehe er an sie 
laubt." 
Herbert nickte langsam, und seine Augen waren dabei 
ueber mit seltsam starrem Blick auf den von dem weiß 
himmernden Schlößchen bekrönten Hügel gerichtet. Dann 
ber, als besänne er sich auf die Pflichten der Höflichkeit, 
aandte er mit einer raschen Bewegung den Kopf und 
ückte zugleich auf seiner Bank ein wenig zur Seite, 
„Haben Sie Lust, mir noch ein Weilchen Gesellschaft 
n leisten, Herr Hollfelden, oder sind Sie zu müde?" 
k4K»rtistirniia solat.)
        
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