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Periodical volume Nr. 41, 17.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

lichen Klagen zu rechnen sei» einige haben durch die Ztunick- 
Iffiltung ihrer Bilder Schaden gehabt, weil sie sie nicht 
ausstellen konnten und einer hat schon Schulden gemacht 
in der Hoffnung, daß ihm das Bild abgekauft werde.- 
Man müsse die Mittet heute bewilligen. Entweder fix 
oder nix! Auch den notleidenden Kiinstlern müsse ge 
holfen werden. Bürgermeister Walger erklärt, man 
werde den notleidenden Künstlern, sofern ihre Werke nicht 
in Betracht kommen, anders helfen. — Der Vcrtagungs- 
antrag Leonhardt wird gegen die Stimmen der Demo 
kraten abgelehnt. — Die Erhöhung wird darnach nahezu 
einstimmig beschlossen. 
Erhöhung der Teuerungszulagen für dir Lehrkräfte 
an den Privatschulen. 
‘ ' Bürgermeister Walger berichtet, daß das Kuratorium 
empfehle, den Lehrkräften an den Privatlyzeen eine Be 
schaffungsbeihilfe von 500 M. zu gewähren und die monat 
liche Teuerungszulage von 80 M. auf 140 M. zu erhöhen 
unter der Bedingung, daß die Schulen 85 v. H. der Bei 
hilfen für die Besoldung der Lehrkräfte verwenden und 
das Schulgeld vom 1. 4. d. Js. ab auf 300 M. erhöhen. 
In Berlin werden nur 80 v. H. zu den Besoldungen! 
herangezogen und der Ausschuß empfehle, das in der 
gleichen Weise hier abzuändern. Dieselben Zulagen sollen 
auch den Lehrern au der Fliedncrschen Schute zugute 
kommen unter den gleichen Bedingungen. — G.-D. L e o n - 
Hardt (Dem.) unterstützt den Antrag und meint, der 
Kultusminister steht auf dem merkwürdigen Standpunkt, 
daß den Privat-Mädchenschulen staatliche Zuschüsse be 
willigt werden, nicht aber den Privat-Knabenschulen. 
Darum beantrage er, zu beschließen, die Regierung 
zu ersuchen, auch den privaten Knabenschulen aufzuhelfen,' 
wie es bei den Mädchenschulen geschähe. Er möchte dann 
noch einige Ausführungen in geheimer Sitzung machen. — 
Bürgermeister Walger erklärt, er werde dem Vorredner 
dann in der geheimen Sitzung hierzu noch das Wort geben. 
!— G.-V. Frl. Eicbert (D. Vp.) empfiehlt, einem Be 
schluß an die Negierung auch noch anzufügen, daß diese 
die Zuschüsse pünktlicher zahlen möchte. Die letzte Bei 
hilfe wurde Weihnachten gezahlt. — G.-V. Hannc in anu 
(D. Vp.) ist für den Antrag; den Lehrern müsse geholfen 
werden. Er unterstütze auch den Antrag an die Regierung, 
den privaten Knabenschulen dieselben staatlichen Zuschüsse 
wie den privaten Mädchenschulen zu gewähren; gleiches 
Recht für alle; man tue ein gutes Werk, wenn man der 
Vorlage zustimme. — G.-V. Paul Richter (Unabh.) 
stimmt den Zuschüssen für die Lyzeen zu; anders aber stelle 
er sich der Fliedncrschen Schule gegenüber, die der Gemeinde 
gewissermaßen Konkurrenz macht, indem sie die Vorschul-' 
Nassen wieder einrichtete. Er könne eine E r i st e n z be 
rechtig nng dieser Schule, wie schon im Finanzausschuß 
ausgeführt, nicht anerkennen. Der Kultusminister 
kenne diese Schule nicht, sonst müßte er ihr die Genehmi 
gung versagen. Weil früher für die Mädchen' nicht in 
genügender Weise gesorgt was», sind die privaten höheren 
Mädchenschulen entstanden und die Zuschüsse für sie^ be 
rechtigt. Für die Knaben aber sei durch öffentliche Schulen 
hinreichend gesorgt. Die Fliednersche Schule sei eine 
Privatfchule, die nicht unterstützt lvcrden darf. Er begxcife 
Herrn Lconhardt nicht. — G.-V. Leon Hardt (Dem.) 
gibt Herrn Richter vollkommen Recht, daß die Verhältüissc 
an der Fliedncrschen Schule nicht so sind, ivie sie im Inter 
esse der Schüler sein müßten. Aber man dürfe die Lehr 
kräfte nicht darunter leiden lassen. Es werde ja wohl 
eine andere Organisation kommen, mit der sich sicherlich 
die Reichsschulkonfcrcnz schon befaßt hätte, die wegen des 
Kapp-Putsches und der Wahlen leider verschoben' werden 
mußte. Der Tau bensch lag im Lehrerkollegium !der 
Flicdnerschcn Schule müsse aufhören. ES haben auch Kin 
der dort Aufnahme gesunden, die im Gymnasium nicht 
unterkommen konnten. Herr Flieduer, das verkenne' er 
nicht, habe nicht daS Entgegenkommen gezeigt, wie die 
Lyzeen. .Er habe feine Schule nicht nur nicht abgebaut, 
er habe sie vielmehr noch weiter ausgebaut. (<2chr richtig.) 
Er mache für seine Schule nicht nur hier, sondern auch in 
Berlin Reklame und man müsse von ihm fordern, daß 
er die Bedingungen innehalte. Alle Rase lang werden 
Neue Lehrer dort eingestellt und als er f. Zt. mit einem 
Lehrer der Schule unterhandelte, sagte dieser ihm, er wäre 
der Dienstälteste; er !var seit November v. Js. au der 
, sich Gräfin Mcuia Waldendvrss. Ich bitte dich, eiinnere 
dich stets daran, wenn du mit ihr sprichst, Heinz! Sei 
überhaupt sehr vorsichtig in der Wahl der'Gesprächsstoffe, 
arst'besten ist es, 'du antwortest ihr nur auf das, was die 
"Prinzessin dich direkt fragt, und unterhältst dich im übrigen 
mehr mit mir und ihrer Gesellschafterin. Ihre Nerven 
sind sehr angegriffen, und ein einziges unvorsichtiges Wort 
kann von unberechenbarem Einfluß auf ihre Gemüts 
stimmung sein." 
„Du bist mit ihr befreundet?" 
„Ich liebe sie," sagte Margot schlicht, und ein Ausdruck 
schwärmerischer Zärtlichkeit wär auf ihrem Gesicht. „Ich 
weiß nicht, wad ich alles für sie tun könnte. Sie hat das 
beste und großmütigste Herz, und das Leid, das sie in 
reichert!' Mäße hat erfahren müssen, hat ihre Seele nur 
läutetkk können." 
„Weißt du, daß ich beinahe ein wenig eifersüchtig auf 
sie bin?" meinte Heinz in halbem Scherz. " „Aber es muß 
in d^r Tat eine-vortreffliche Frau sein, die sich so vieler 
Liebe zU erfreuen hat." 
^Sie ist es, Heinz. Und ich zittere beständig davor, daß 
ihk von' ikaöNdeiner Seite eine beabsichtigte oder unbe 
absichtigt Kränkung widerfahren könnte. Du wirst recht 
vorsichtig seist, nicht wahr?" 
Heinz versprach es ihr feierlich, dann aber sagte er, sich 
'ein wenig'gegen sie vorneigend: 
„Können wir nüst sticht ein wenig von unseren eigenen 
Angelegenheiten sprechen, Margot? Es ist doch so viel, 
was tvir uns —" 
' -" '„Nicht jetzt!" bat sie ihn. „Maria wird sogleich er 
scheinen. Und ich kann jetzt weder an Vergangenheit noch 
Zukunft ' denken. Laß uns damit bis zu einem späteren 
Zeitpunkt warten, Heinz !" 
' Er sah ihr zärtlich in die Augen. 
„Lassen wir denn Vergangenheit und Zukunft, und 
begnügen wir uns mit der angenehmen Gegenwart! Wix 
'haben " 
. " Sie gebot ihm, durch eine rasche Handbewcgung 
Schweigen und erhob sich, und unwillkürlich folgte er ihrem 
Beispiel. v Sie waren nicht länger allein. Zwei Frauen 
hatten das Ziininer betreten, und'in'der einen von ihnen' 
erkannte Heinz auf den ersten Blick die schöne Unbekannte 
wieder, die er am gestrigen Abend schön Neben Margot 
hatte' aus die Terrasse chimnlstrete» sehe«. Nach'den fluch, 
tlgen ^ndeutiirigeii,.. die ihm Margot gemacht hatte, be- 
pachte MMWiHWn^denn die Prinzessin Ajwaxijl Mr 
f', jkchul« (Heiterkeit). Auch jetzt suche Herr Flieduer Wied»!- 
t in der 
' bemerkt 
Bakanzeiizeitung 4—5 Lehrer für Hauptfächer. Er 
dann stoch, daß die privat«! Knabenschulen während 
^ über die Veränderung der Demokraten und den Eiertanz, 
den sie heute aufführen. Er spricht auch gegen Fliedner, 
, der die Bedingungen nicht erfülle und beantragt, ge- 
V trennt abzustimmen über Lyzeen und Fliednersche Schule. — 
ff G.-V. Hannemann (D.-V.) freut sich, daß Herr Leon- 
,,, Hardt jetzt seinen Standpunkt geändert hat- Rach Aeuße- 
* rungen des KreisschulinfpektorS im Kuratorium sei ein 
k großer Teil der Knaben in der Fliedner'schen Schule für 
z.-öffentliche Schulen nicht geeignet; das veranlasse ihn mit, 
' für die Zuschußzahlung einzutreten. — Es wird nun 
^ ein Schlußantrag gestellt, gegen den G--V. Lüdecke 
^spricht. Der Schlußantrag wird mit 19 gegen 16 Stim- 
ff men abgelehnt. Eß-B. Leon Hardt (Dem.) stellt best 
---formellen Antrag, über die Vorlagen in zrvei Teilen ab 
zustimmen und hinsichtlich der Fliedner'schen Schule die 
^Beschlußfassung bis zur nächsten Sitzung auszusetzen, in 
^der Zwischenzeit aber eine gemeinsame Sitzung R's Ku- 
^ra'koriums mit dein Leiter und Lehrerkollegium der Schule, 
*ju veranstalten, um die Verhältnisse zu klären (Zurufe:. 
»Wir haben keinen Einfluß). Nun, wenn wir die Lehrer 
einladen und sie kommen nicht, können wir uns nicht 
, helfen. Wer versucht kann es werden. — G.-V. Maul. 
i. becker (Soz.) bemerkt, aus den Aeußerungen des Kreis- 
^schulinspektors habe er herausgehört, daß es sich meist 
< um geistig zurückgebliebene Kinder handelt. Es soll jeder 
^Deutsche der Kulturgüter teilhaftig werden; hier aber will 
t man die' Kinder mit Gewalt zn etwas Pressen. Man 
t handele daher im wohlverstandenen Interesse der Kinder, 
wenn man die Sache nicht unterstützt. Eltern wollen 
^dazu nicht geeignete Kinder durchaus zu etwas machen und 
'setzen sie einer Tortur aus. Den Nürnberger Trichter 
haben wir hier nicht. Das Kuratorium müsse das Auf 
sichtsrecht haben, um hier hineinzuleuchten. — G.-V. Dr 
.Anders (Dual.) meint, daß man sich hier mit Dingen 
> befasse, die der Onadratur des Zirkels gleichkommen. Hier 
'»handele cs sich doch darum, den Lehrkräften etwas zu- 
' zuwenden und da solle man schnell etwas geben und nicht 
(erst wieder 14 Tage ivarten. — G.-V. Richter (Unabh.) 
, stimmt dem Antrage Lconhardt zu. Das,- was Herr 
Haiinemann anführte, spreche geradezu dafür, die Schule 
'.nicht zu unterstützen. Bei der großen Fluktuation der 
Lehrkräfte an dieser Schule werde die Vertagung nicht 
biet ausmachen. — Es wird nun näher über den Antrag 
^Lconhardt gesprochen. G.-B. Lüdecke meint, cs solle 
, dadurch der Zündstoff aus der Welt gebracht werden. 
■ Bürgermeister Walger formuliert den Antrag dahin, 
■ daß die ' Schuldeputation sich nochmals mit der Sache 
beschäftige und daß hierzu Herr Fliedner und drei Vec- 
"Ltztzter des Lehrerkollegiums eingeladen werden: Schöffe- 
Schi'edberg (Tein.) regt'an,'zu heranlassen, daß zu 
dieser Sitzung!!«, Gutachten' des KrciSschulinspektors über 
die Schule schriftlich vorliegt. -G.-V. Hannemann (D. Vp.) J 
unterstützt das. i 
Der Antrag, den Lehrkräften an den ,P.riv,at- 
lyzeen die vorgeschlagenen^Zuschüsse zu gewähren, wird 
'einstimmig- a tifl ertönt‘nt cn. . j 7 
Bürgermeister Aalger betrachtet den Antrag Lron- 
hardt als einen' Zurückverweisungsantrag, für den nach 
8 7 nur 0 G.-V. stimmen brauchen. Schöffe v. Wrochem 
(T. Vp.) stellt darauf den Antrag, die Dringlichkeit 
der Beschlußfassung anzuerkennen. Schöffe Pasche (Soz.) 
erhebt gegen diese Antragstellüng.Einspruch, weil die 
Abstimmung schon begonnen' habe.- ’ G -V. Lconhardt 
(Dem.) bezeichnet die Auffassung des Schössen v. Wtochcm 
über den § 7 für unrichtig. Die Minderheit soll dürch 
ihn geschützt werden. Schöffe v. W r o ch c m und Bürger 
meister Walger vertreten einen anderen"Standpunkt- 
Die Dringlichkeit könne nur beschlossen werden, wenn 
25 G.-V. dafür stimmen. Auf der Linken macht sich hine 
Unruhe bemerkbar, Hin- und Hergehen, Zutuscheln, s die 
Rechte ahnt, was vorgehen soll.'— G.-V. Tr. Hasse 
(Soz.) spricht gleichfalls gegen die Auffassung, daß nach 
Anerkennung der Dringlichkeit der 8 7 unwirksam sei- — 
G.-V. Lüdecke (Dem.) meint, wenn eine große Anzahl 
es ja ohne Zweifel, Der er sich da gegenüber befand, ffiit 
weit höheren! Interesse, als er cs ihr gestern entgegen 
gebracht hatte. Und er fand seinen ersten Eindruck be 
stätigt, das; in ihtem reizvollen und eigenartigen Antlitz, 
das nur eine entfeinte Achnlichkeit mit dem der Komteffe 
Waldeudorff hatte, zwei Augen von wundervoller Tiefe 
,>nd Schönheit standen, Und daß über ihre hoch und eben-, 
mäßig gebaute, frauenhaft volle Figur eine wahrhasl 
königliche Würde und Hoheit aufgegossen schien. Aengstlich 
' bemüht, cineu Rcspektsabstand von zwei Schritten hinter 
ihr uine zu hallen, hatte ein ältliches Mädchen mit gut- 
mutigen, ziemlich nichtssagenden Gesichtszügcn mit der 
Prinzessin zusammen das Zimmer betreten. Ihre gedrückten 
Belvegundcn und ihr' beständiges ängstliches Aufmerken, 
ob irgend' jemand ihrer Dienste vediltfött konnte, zeigten 
das'Wesen einer Person, die ihr Leben in untergeordnete!! 
und' abhängigen Stellungen verbracht hat, Und Hollselden 
irrte' sicherlich nichts'wenn er in ihr die Gesellschafterin der 
Prinzessin 'vermutete. > 
■ Maria "vpn Waldendorff, wie sie sich hier auf Buch- 
berg nannte und. genannt zu werden wünschte, hatte Mar 
got lächelnd zugenickt und'tvandte'sich nun an Heinz, der 
ihr eine tiefe, eyrfurchtsvdste Verbeügllng machte. 
„Herr Hollfelden, Nicht wahr?" fragte sie, und Heinz 
entzückte sich'von Neuem an dem'wundervollen Wohllaut 
ihres dtlnkelgefärb'ten Organs.', Zs Es ist sehr freundlich von 
Ihnen, daß Sie ÜnS Unserer Einsamkeit ein wenig entreißen. 
Sie haben die Liebenswürdigkeit, ein Glas Tee mit uns 
zu nehmen?" 
' ' "Heinz verneigte sich abermals. 
„Frau'GtäfiN sind sehr gütig," murmelte er. 
Die Prinzessin "nahm Margots Arm und ging mit 
ihr'voran kn ein anderes Zimiper, und Heinz, folgte mit 
der Gesellschafterin, die die ungewohnte Gesellschaft eines 
jungen Mannes verlegen machte wie einen Backfisch. Der 
Tee war im Ziiümer bereitet worden ; aber als die- Gesell 
schafterin'ihn in' die Gläser füllen wollte, kam Margot ihr 
zuvor. - 
;,i »Bitte, bemühen Sie sich nicht,. Fräulein Achtmann," 
sagte siö stelln blich. „Sie wissen, daß das zu meinen Auf. 
gaben gehört." - ' , l . 
Es bereitete-dem Mädchen,offenbar Oualen;> einen an- 
bereis in ihrer Mönwart eine Arbeit verrichten'zpTehen. 
plt. aber sie UI äßte M wohl 
oder ubeOfsugen Urst».. lim sich nebea^Heinz niKer. An- 
mtUZ. kredenzte Margpt die Gläser M de»» aroina'.ikch 
den Wunsch habe- eine Sache zu klären, so gehöre cs zur 
parlamentarischen Vornehmheit, diesen Wunsch zu berück 
sichtigen. (G.^V. Alt mann (T. Vp.): Was heißt Vor 
nehmheit ffm Parlament. Unruhe links, Zurufe.-) G.-V- 
Lüdecke: Ich nehme zur Kenntnis, daß Herrn Altmann 
Vornehmheit nicht interessiert. (Weitere Zurufe und all 
gemeine Unruhe). Bürgermeister Walger stellt nun den 
Antrag v. Wrochem auf Anerkennung der Dring 
lichkeit zur Abstimmung. Trmskratcn, Sozialdemo 
kraten und UnabhänZige erheben sich von ihren PlätzM 
und verlassen- drn Saal. G.-V. Dr. H a f s e (Soz.) zweifelt 
vor Verlassen des Saales die Beschlußfähigkeit an. 
Für .die Dringlichkeit stimmen nur 62 Mitglieder 
der Rechten, einschließlich der Stimnie des Bürgermeisters. 
Da 25 Stimmen dafür sein müssen, ist der Antrag ab 
gelehnt. 
Bürgermeister W a l g e r stellt darnach fest, daß die 
Versammlung nicht mehr beschlußfähig ist und schließt 
die Sitzung gegen 10 Uhr. 
Unter allgemeiner Unruhe und gegenseitigen Zurufen 
geht die Gemeindevertretung auseinander. 
t 
<3erlcbtUcbos 
(:) Selbstverschuldetes Stratzrnbahnurrglück —' Betriebs» 
Unfall. Eine bcincr'ensivcrte grundsätzliche Entscheidung, die 
sich in Gegensatz zu früheren Entscheidungen des Neichsver- 
sicherungsamts stellt, hat der große Senat des Reichsversicherungs- 
amtS neuerdings gesällt. Ein Schmetzausseher hatte im Juni 
1915 im Auftrage seiner Fabritdirektion an der Beerdigung 
emes tödlich verunglückten Kollegen teilgenommen uüd benutzte 
zur Rückfahrt nach Haufe die Straßenbahn. Trotz der Warnung 
der S-chassnerin sprang er von der hinteren Plattform des 
Vorderwagens ab, wurde vom Anhängewagen überfahren und 
schwer verletzt. Die VerusSgenosseuschaft lehnte seinen Llntrag auf 
- Entschädigung ab, weil er sich bei dem Unfall nicht im Betriebe 
befunden habe. Das NeichSversichermigsamt verurteilte die Be- 
rufsgenossenschast.zur Entschädigung, weil es annahm, daß der 
Verletzte die Fahrt auf der Straßenbahn noch in Erledigung 
seines Auftrages aussührte, der dahinging, an der Beerdigung 
teilzunehmen, zu Hau'e sich umzukleiden und nach tier Fabrik 
zu kommen. Auch das Abspringen von der Straßenbahn, stehe 
es auch mit vernünftiger Ueberlegupg in Widerspruch, mache 
den Entschädigungsanspruch nicht hinfällig. 
' Artsschneiden: ^ 
Sie neuen Postgebühren. 
Ortsbriese und Ortspostkarten fallen weg. 
Briefe: bis 20 Gramm 40 P'fg., über 20—250 Gr. 60 Pfg. 
- Postkarten: 30 Pfg. 
Rohrpostbrief: 1,40 M.. Rohrpostkarle: 1,30 M. 
Trucksachcn: Bis zu 50 Gr. 10 Pfg., über 60 bis 100 
Gramm 20 Pfg., über 100 bis 250 Gr. 40 Vsg. 
über 250 bis 500 Gr. 60 Pfg., über 500 bis 1000 
Gramm 80 Pfg. 
Warenproben: Bis 250 Gr. 40 Pfg., über.250—500 Gr. 
. 60 Pfg. 
Gefchäftspapicre und Mifchscndmrgcn (Drucksachen, Waren 
proben, Gefchäftspapiere zusammen) wie Warenproben 
und ferner von 500—1000 Gr. 80 Pfg. 
1 KilvlPäckchen (nur im deutschen Postgebiet): 1 Mark. 
Postauftragsbri cse: 1,50 M. 
Wertbriefe: Bis 20 Gr. 90 Pfg., über 20—250 Gr. 1,10 
Mart'. Versichcrungsgebühr 1 M. für 1000 M. 
Pakete: Nahzone (bis 75 Kilometer): Bis 5 Kg. 1,25 
Mark, von 5—.10 Kg. 2,50 M., über 40—15 Kg. 
5 M-, über 15—20 Kg. 8 M.: Fern;ane: Bis 
5 Kg. 2 M., von 5—10 Kg. 4 M-, über 10-15 Kg. 
8 M., über 15—20 Kg. 12 M. 
Dringende . Pakete dreifache Gebühr. Sperriges Gut 
100 v. H. Zuschlag. Für Pakete besteht Freimachungs- 
" Zwang. 
Espschreidegebühr: 50 Pfg. 
Wertpakete: Die Paketgcvühr,- 50 Pfg. Einschreibegebühr 
und Versichcrungsgebühr, die beträgt bis 500 M- 
1 M-, über 500—1000 M. 2 Di. und für je weitere 
angefangene 1000 M. 2 M. 
Postamvelsungen: Bis 50 M. 60 Pfg./ von 50—250 M. 
1 M., von 250—500 M. 1,50 M., von 500—1000 M- 
2 M. l 
Eilgebühr: 1. nach dein Ortsbestellbczirk: für Briefe 1 M^. 
ftir Pakete 1,50 M., 2. nach dein Landbestellbezirb: 
für Briefe 2 M., für Pakete 3 M. 
duftenden Gckränk, aber wenn Helifelden in der Hoffnung 
gekommen war, viel nnt der Gc-lievten plaudern zn können, 
so sah er sich bitter getäuscht. Margot widmete sich fast 
ausichließlich der Prinzessin, mit der sie in der Tat eine 
selten innige Freundschaft verbinden mußte, und Heinz 
war für die Unterhaltung auf das unscheinbare Fräulein 
'Achtmann angewiesen. 
-lL^ er e - r 0lUk>, daß diese Unterhaltung durchaus 
nicht so uninteressant und langweilig war, wie er es ge» 
fürchtet hatte. Es war nur natürlich, daß er das Gespräch 
mit einigen bewundernden Worten für die Landschaft von 
Buchberg eröffnete; und die warme Begeisterung, die sie 
™ l r Die Schönheit des Ortes zu einpfindcii schien,'half der 
Gesellschafterin rasch über die anfängliche Verlegenheit 
fort. Und Heinz fand bald init einiger Beschämung, daß 
dies ältliche Mädchen durchaus nicht so unbedeutend und 
ge.ftlos war, wie er sie auf den ersten Eindruck hin ge- 
swatzt hatte. Sie hatte einige von seinen bedeutendsten 
Arbeiten gelesen, und üias sie ihm darüber im bescheidensten 
Ton als ihr Urteil sagte, war so zutreffend und so vor- 
s.aiidmsvoll, daß Heinz ihr mit wahrem Bergnügen lauschte 
und day ihm oie Zeit sehr rasch verging. 
Natürlich ließ er tropdem kernen Augenblick davon ab. 
Margot und die Prinzessin im Auge zu behalten. Es ent- 
ging ihm Nicht, daß sic i:n Laufe der Unterhaltung ihre 
Stimmen kinigeinale dämpften, als wünschten sie nicht, von 
den beiden anderen verstanden zu werden, und er de- 
merkte auch, daß der Blick der Prinzessin oft sinnend auf 
ihm luh.e. Man mochte etwa eine Stunde zusammen ge- 
ses,en haben, als sie Margot etwas zuflüsterte. Das junge 
Fräuliin Achtmann: ^ ^ sich freundlich an. 
„ . 7'^?™ liuf einen Augenblick mitkommen wollen, 
schuldigen^" ^ 0 ^ e ^ en wird uns freundlichst ent* 
Die Gesellschafterin stand auf und verließ mit Margot 
Vas Ziminer. ^Es war offenbar, daß man Heinz absicht» 
"ch. wit der Prinzessin allein ließ, und aller Wahrschein- 
uchkeit nach auf ihren Wunsch. Hollfelden sah den kommen- 
D^^Minuien mit einigem Unbehagen entgegen, hatten 
ihn doch Margots Verhaltungsvorschriften mit der nervösen 
Awchr erfüllt, daß er 1 wirklich ahnungslos etwas Unge 
schicktes jagen könnte. J 
^lpraxin wandte sich sogleich an ihn. als sich 
die Tur hinter den beiden geschlossen hatte. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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