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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage z« 9ltl 102 des „Frieden»««? Lokal-Anzeiger" 
Sonntag den 6 Mai 1920. 
Sitzung de? 6ermindmrtrettmg 
ant Donnerstag, den G. Mai 1920. 
5. Drucklegung des Lerwaktuiigsb crichteS. 
G-V. Konieczka (Rechtsblock) meint, da mir nun 
doch „auffliegen", fei es wohl praktisch, gleich den Schluß- 
punkt unter den Bericht zu legen. Bürgermeister Wal- 
gar bemerkt, wenn man noch Marte, werde der Druck 
noch teurer; es fei guch fraglich, ob man später, wenn 
Friedenau aufgeflogen sei, die Drittel hierfür bewilligt 
bekomme. G.-V. Ko n t e cz ba fragt, ob denn der Bericht 
so notwendig sei. Bürgermeister Walger bejaht diese, 
Notwendigkeit, eS fei durchaus wünschenswert, statistisches 
Material festzulegen zum Bergleiche mit den Vorgängen 
in anderen Gemeinden. G.-V. ThomSberger (Dem.) 
kann aus finanziellen Erwägungen heraus der Borlage 
nicht zustimmen. Er glchube' nicht, dpß es so wertvoll 
sei, über die letzten Ereignisse Bericht zu erstatten. Man 
solle die Summe lieber für kulturelle Zwecke verwenden. 
In der Hauptsache fei ein solcher Bericht doch wohl 
Makulatur,(G.-V. Konieczka: Sehr richtig). Bürgermeister 
Walger bedauert^ daß G.-V. Thomsbergcr den Verwalt 
tnngsbericht als Makulatur bezeichne: er glcutbe, Herr 
Thomsbergcr kenne die Berichte nicht (G.-V. ThomSberger: 
Ich kenne sie sehr genau). Dann bedauere er das noch 
mehr. G.-V. Lange (Dnat.) fragt, ob man denn 200 
Stück brauche, lOO reichen vielleicht auch (Lachen und 
Zurufe: 100 sind ja, noch teurer). G.-V. Lüdecke (Dem.): 
Geben wir den Kindern lieber noch mehr Milch (G.-V. 
Altmann: Erst welche haben). — Gegen die Stimmen 
der Demokraten und einige zersplitterte Stimmen wird 
die Vorlage angenommen. 
6. Jr.stMdscstmrg der Alo torspritze. 
Beim Exerzieren mit der Motorspritze auf dem Hofe 
der Feuerwache im Januar d. Js. ist durch ungeschick 
tes Hantieren beim Ilmschalten durch pinen Kraftfahrer 
das Vorlegegetriebe auscinandergerissen worden. Tie 
Spritze war dadurch gebrauchsunfähig und »mußte zur 
Instandsetzung-gegeben werden. Die Instandsetzungskosten 
betragen 5715,25 M- Ein unmittelbares Verschulden des 
Kraftfahrers liegt nicht vor. Die Kosten werden bewilligt. 
7. Verbilligte Milch, 
Tic Gemeindevertretung ist damit embrrstanden, daß 
in besonderen Ausnahmefällen großer Bedürftigkeit Milch 
zu verbilligtem Preise auch an Kindern über zwei Jahr 
alt verabfolgt wird. Tie notwendigen Mittel werden 
als Verstärkung zu-den bereits bereitgestellten Mitteln 
von 20 000 M. in Hohe von 2000 M- bewilligt. 
>8. Erhöhung der Kosten für die Rechtscrusknnftstelle. 
G.-V. Lüdecke (Dem.) bittet mit Hinweis auf den 
Satz in der Vorlage, daß sich unsere Rechtsauskunfts 
stelle regen Zuspruchs erfreut, um nähere Erläuterungen. 
Bürgermeister W a l g c r berichtet, daß die Rechtsaus 
kunftsstelle im Februar besucht wurde im Februar 
von 123 Personen, angefertigt wurden 35 Schriftstücke 
und 34 Schriftsätze, und ferner 305 Rechtsfälle erledigt. 
Im Mürz betrug der Besuch .104 Personen, angefertigt 
wurden 32 Schriftstücke und 31 Schritsätze, erledigt 85 
Reck,tsfälle. Im April suchten 129 Personen die Rechts 
auskunftsstelle auf, die 51 Schriftstücke und 49 Schrift 
sätze anfertigte. G.-D. Lüdecke (Dem.) erklärt, die mit 
geteilten Zahlen gcnilgen ihm, um der Erhöhung zuzu- 
stimmmen. G.-V. Uhlenbrock (D. Vp.) meint, daß die 
Summe mit Rücksicht auf den gesunkenen Geldwert nicht 
hoch sei; aber im Verhältnis zu der Summe von 20 000 
Mark, die Berlin dafür ausgebe, erscheine sie doch sehr 
hoch. Biirgertneister W a l g e r fragt, ob G.-V. Uhlen 
brock auch wi'se, wieviele Stellen Berlin unterhalte. Rur 
dadurch sei ein Vergleich möglich. G.-V. Kamrowöki 
(Soz.) weist auf die Rechtsauskunftsstellen der Gcwerl- 
fchaften hin, die sehr segensreich gewirkt haben und die 
zum Borbild für die öffentlichen RcchtkauSkunftssteUen 
Prinzessin. 
51 
Von E. K h. Oppenheim. 
(Nachdruck verboten^ 
25. Kapitel. * 
Nur am Mittagstisch hatte Hollfeldcn Herbert wieder 
gesehen, und er hatte ihn ganz so ruhig und schweigsam 
verschlossen gesunden, wie er sich im Laufe der beiden Tage, 
die sie nun hier miteinander verlebten, stets gezeigt hatte. 
Nur wollte es ihm scheinen, als ruhte der Blick des Fremden 
zuivcilen seltsam nachdenklich auf seinem Gesicht, und plötzlich, 
gegen das Ende des ziemlich frugalen Mahles, fragte er: 
„Würden Sie mich für sehr indiskret halten, wenn ich 
mir die Frage gestattete, wer die junge Dame war, mit der 
Cie sich heute morgen so angelegentlich unterhielten?" 
Htcktiz hob überrascht den Kopf. Die seltsame Frage 
mußte ihn um so mehr befremden, als Herbert sich bisher 
nichts weniger als zudringlich und neugierig gezeigt hatte. 
„Ich sehe keinen Grund, es Ihnen zu verschweigen," 
erwiderte er, aber scine Worte hatten unwillkürlich einen 
kühlen, abweisenden Klang angenommen. „Es ist ein 
Fräulein von Wchringen — ich habe den Vorzug, die 
Dante schon von Berlin her zu kennen. Biclleicht kennen 
0jg " 
Herbert schüttelte den Kopf. 
Die Dame hatte Aehnlichkeit mit einer meiner Be. 
kannten," sagte er gleichmütig. „Aber ihr Name ist ntir 
fremd, ich habe mich getätischt." 
Gleich darauf hatte er sich erhoben, und Hemz bekam 
ihn an diese,tt Tage nicht wieder zu sehen. Er benutzte 
dir Zeit bis fünf Uhr, einige notwendig gewordene Kone- 
,'pondenzcn zu erledigen: aber er stand bereits fertig an. 
gekleidet wartend auf der Veranda des Gasthauses, als 
derselbe leichte Dogcart heranrollte, der Margot am Morgen 
gebracht hatte. ^ .... .. „ 
Der Groom mit dem steinernen Gesicht und den gelben 
Stulpstiefeln lüftete steif feinen lackierten Hut, als Heiitz 
aus die Landstraße hinaustrat, und sagte blechern, ohne 
daß sich eine Muskel in seinem Gesicht verzogen hätte: 
„Eine 'Mpsehlung von Ihrer Gnaden der Frau Grasin, 
und der gnä' Herr möchte die Freundlichkeit hab'n, s ch 
des Wagens zu b'dienen." 
Er bot Heinz schweigend die Zügel, und Hollseldcn 
ließ das feurige Pferd in schlankem Trabe die Lunduruize 
wurden. Wenn die Gewerkschaften nicht in der Weife vor- 
i, härren 
gegangen wären, 
reu wir jetzt Winkeladvokaten der 
hliiunterlausen. Ehrerbietig grüßend zagen die Leute den 
Hut, an denen sie vorübcrkameu, und nicht eben uusreund» 
lich sahen die Mädchen dem jungen Manne nach, der so 
„fein" aussah und so elegant zu fahren verstand. 
Der Gärtner, mit dem Heinz bereits am gestrigen 
Abend auf eine so wenig angenehme Weise Bekanntschafi 
gemacht hatte, öffnete vor ihm das große Eisentor und 
grüßte in augenscheinlicher Verlegenheit. Heinz bekümmerte 
sich nicht weiter tim ihn; voller Sehnsucht waren seine 
Blicke auf das Schloß gerichtet, das fein kostbarstes Be- 
sitztum barg, und er trieb das Pferd zu raschem Laufe an, 
so daß sie kaum eine Minute später vor der Terrasse des 
villenorligen Bauwerks hielten. Wie Hollfelden da, ehe er 
vom Wogen sprang, seine Blicke über den Park und das 
Haus schweifen ließ, niußte er unwillkürlich lächeln bei 
dem Gedanken, daß all diese Herrlichkeiten einer Frau ge 
hörten, die er einmal allen Ernstes für eine Abenteurerin 
gehalten und die durchaus mit ihm hatte „flirten" wollen. 
Ein Diener in vornehm einfacher Livree, der wie der 
Groom die verkörperte Schweigsamkeit und Zurückhaltung 
zu sein schien, nahm ihn auf der Terrasse in Empfang 
und geleitete ihn in das Haus. Sie mußten mehrere 
Zimmer durchschreiten, deren vornehm stilvolle Einrichtung 
Zeugnis ablegte sowohl für den Geschmack wie für den 
Reichtum ihrer Besitzer, ehe lie in einen eleganten kleinen 
Salon kamen, der wohl als Empfangszimmer dienett 
mochte. Hier ließ der Diener Heinz allein, mit der ge- 
murmelten Bitte, auf einen Augenblick Platz zu nehmen. 
Heinz trat an ein zierliches Tischchen am Fenster und 
ergriff eine der Zeitschriften, die dort lagen. Aber er 
hatte kaum einen Blick hinein getan, als er das Blatt mit 
einer heftigen Bewegung auf den Tisch zurückwarf. So 
hatte Margot sie also wirklich gelesen, jene qualerfüllte 
Seelenbeichte, die er törichterweise nicht vor der Veröffent 
lichung zurückgehalten hatte! 
Da sagte hinter ihm eine weiche Stimme: 
„Ich habe es gelesen, Heinz. Und als ich es gelesen 
hatte, da wußte ich, daß ich mich nicht getäuscht hatte in 
meinem Glauben — damals, in jener Nacht, als ich hilflos 
in deinem Zimmer zusammengebrochen war." 
Sie war so leise gekommen, daß Heinz ihren eintritt 
überhört hatte, und er stand nun überrascht und ein wenig 
verwirrt vor ihr. , 
„Und was hast du damals geglaubt?" fragte er, in 
dem er ihre Hände ergriff, die sie ihm willig überließ und 
lange an seine Lippen führte. „DU hast mich damals so 
seltsam angesehen. Und ich habe oft des Nachts, wenn 
schlimmsten Art. — Ter Vorlage wird zugestimmt und 
die dem Gemeinnützigen Verein für Rechtsauskunft in 
Groß-Berlin für Wahrnehmung der hiesigen Nechtsans- 
kunftSstclle gewährte Entschädigung von 2500 M. auf 
3600 M. erhöht.' , 
9. Erhöhung der Afp h iltun terh alt u n gskosten. 
Die Gemeindevertretung wird ersucht, sich mit der 
nachträglichen Erhöhung der Sätze für Äsphaltunserhal- 
tung für das Rechnungsjahr 1919 um 120 Prozent ein 
verstanden zu erklären. Tie Mehrkosten betragen 45 000 
Mark. G.-V. Lüdecke. (Tein.) hält die Mehrkosten doch 
süc sehr bedeutend; er könnte der Erhöhung nur zu 
stimmen, wenn die Firmen die Gemeinde 6 Monare vori 
den Kosten frei stellen, weil ja doch seit langer Zeit tat 
sächlich keine Reparaturen ausgeführt wurden. — Bürger 
meister W a l g e r erwähnt, daß guter Asphalt nicht zu 
haben war, wir haben in Deutschland nur geringe Asphalt 
lager, der Asphalt wurde ftüher atis Italien und aus 
ländischen Gruben bezogen. In Berlin sei hauptsächlich 
Stampf-Asphalt, der für unsere Straßen mit ihreüt ge- | 
ringen Verkehr nicht in Betracht komme. In Berlin werde 
fiir die Unterhaltung erheblich mehr gezahlt a[», hier. 
Er bitte die 120 v. H. ze bewilligen. G-V. Alt manu 
T. Vp.) tritt auch für die Bewilligung ein. Die Hälfte 
der Straßen habe schon soviel Reparaturkosten verursacht, 
wie wir insgesamt zahlen. — G.-V. Lüdecke (Dem.) 
hält es für notwendig, äußerste Sparsamkeit zu üben; 
er macht darauf aufmerksam, daß wir in unseren 
Finanzen sehr notleidend geworden ffind durch 
die hohen Ausgaben in letzter Zeit. Er halte diese hohe 
Ausgabe für ein Glied in einer katastrophalen Kette. 
Bürgermeister W a l g e r bemerkt, die Aussprache sei auf 
einen Punkt angekommen, der es ihm angebracht er 
scheinen lasse, die weitere Verhandlung in die geheime 
Sitzung zu verlegen, weil er dort über die 7 Firmen Noch 
Auskunft geben müsse. Die Verhandlung wird unter- 
brvckgm, um später in geheimer Sitzung fortgesetzt zu 
werden. 
1V. Tie Bedingungen für das Ncalprogymnasium. 
Bürgermeister W a l g e r bemerkt, der Finanzausschuß 
habe beschlossen, die Vorlage zu vertagen, und mit dem 
Ministerium noch über einzelne Fragen zu verhandeln. 
Tie Vertretung tritt diesem Beschlusse bei. 
Nachträge. 
Durch den neuen Schiedsspruch in der Frage des 
Arbeiterlohntarifs sind die Lohnbeihilfen von 50, 75, 
90 und 35 M. auf,75, 100, 150 und 40 M. erhöht worden. 
Berlin hat der Erhöhung zugesttmmt und eS empfiehlt 
sich daher, wie es immer geschehen sei, diesem Vorgehen 
Berlins hier zu folgen. Die Vertretuitg stimmt zu. 
Bürgermeister Walger berichtet, daß die Gemeinde 
vertretung am 2. Oktober v. Js. 15000 M. für die Aus 
schmückung deS Rathauses bewilligt hat. Es sollen die 
Flächen über der Bühne und über der Anrichte im Neben 
saal künstlerisch ausgemalt werden, außerdem sollen einige 
Bilder beschafft werden. Der Ausschuß l>at eine Reihe 
Malerwerkstätten besucht, es mußten die Besuche zumeist 
Sonntags statffinden, dadurch habe sich die Sache ziemlich 
lange hingezogen. Durch die Ausstelltmg der feldgrauen 
Künstler sei auch ein Einblick in das Schaffen unserer 
Künstler gegeben worden. Man habe sich dann eine Reihe 
von Bildern hier im Saal vorstellen lassen und habe 
einige davon zurückbehalten, um eine Auslvahl treffen 
zu können. Die Fläche über der Bühne soll keinen figür 
lichen Schmuck, sondern eine dekorative AuStnalung er 
halten. Für die Beschaffung der Bilder werde man nach 
der Ausmalung nur noch eine kleine Summe übrig be 
halten, daher sei eine Erhöhung der Sunime notwendig. 
Die Auswahl unter den Bildern soll so getroffen werden, 
daß man hervorragende Kunstwerke von dauerndem Wert 
beschaffe und notleidende Künstler in anderer Weise unter 
stütze, sofern sie hierbei nicht berücksichtigt werden können. 
Die Werke sollen von einem hervorragenden Sachverständi 
gen besichtigt werden und seinen Ratschlägen wolle man 
folgen. — G.-V. Dr. Hasse (Soz.) erklärt, daß seine 
Fraktion zustimmen wolle unter der Voraussetzung, daß 
der Raum über der Bühne mit einem guten Bilde aus 
gefüllt wird und nicht durch ein Muster; zweitens, daß das 
Sachverständigengutachten nicht noch besonders aus dieser 
Summe bezahlt 'werde und drittens, daß nicht Mittel für 
Portrait zwecke ausgegeben werden, um, wie er gehört 
habe, Bilder ftüherer Bürgermeister anfertigen zu lassen. 
Er sei gegen eine Ahnen galerte und auch nicht süc 
eine Galerie lebender Ahnen. (Heiterkeit.) — Bürger 
meister Walgcr erwidert, daß die Fläche über der Bühne 
nicht durch ein Muster, sondern in dekorativer Weise aus 
gemalt werden soll. Es lasse sich auch eine künstlerische 
Ausmalung ohne figürlichen Schmuck herstellen. Zweitens 
sollen nicht mehrere Sachverständige gehört werden, sondern 
nur ein Sachverständiger nnd er hoffe, daß dieser Herr 
im Interesse der Kunst es kostenlos niache. Was die Ahnen 
galerie betreffe, so war früher einmal angeregt, die minder 
wertigen Photographien früherer Bürgermeister auszu 
merzen und durch Gemälde zu ersetzen. Dieser Vorschlag 
wurde jetzt wieder anfgenommen und dabei auch erwogen, 
die gesamte Gemeindevertretung, als der letzten, in einem 
größeren Bilde zu verewigen (Heiterkeit). Die Frage, ob 
der jetzt amtierende Bürgermeister auch mit verewigt wer 
den soll, ist auch zur Sprache gekommen. Wer der Aus 
schuß sei überhaupt noch zu keiner Eutschcidung gekommen, 
ob eine Ahnengalerie geschaffen iverden solle oder nicht; 
ec hätte diese Entscheidung auch nicht selbst getroffen, son 
dern würde die Gemeindevertretung darum fragen. Wenn 
gesagt wurde, daß der jetzt amtierende Bürgermeister ja 
schon auSgchauen sei, so möchte er meinen, daß, wie die 
Nachwelbdem Mimen, auch dem Bürgermeister keine Kränze 
flicht. Er glaube auch, der jetzt amtierende Bürgermeister 
darauf verzichtet, in Essig und Oel gelegt zu werden. 
(Heiterkeit.)— G.-V. Leon Hardt (Dem.) betont die 
moralische Pflicht der Gemeinde, für die Künstler etwas ztt 
tun, hofft, daß der ersten KnnstattSstellung sehr bald weitere 
folgen, durch die die Künstler für sich sorgen können und 
hebt hervor, daß damals der Beschluß durch ein Kom 
promiß zustande kam, die Rechte wollte 25 000 M. haben, 
die Sozialdemokraten beantragten 10 000 M. und so wurde 
der denrokratisck-e Vermittluiigsantrag, 15 000 M. zu be 
willigen, angenommen. Der heutige Antrag komme über 
raschend, seine Fraktion habe zu ihm noch nicht Stellung 
nehmen können nnd so beantrage er, die Beschlußfassung 
bis zur nächsten Sitzung auszusetzen. — G.-V. Altmann 
(D. Dp.) bittet mit Rücksicht auf die Etrtwertung des 
Geldes, die Summe zu bewilligetr und bittet den G.-V. 
Dr. Hasse, von seinen drei Punkten Wstand zu nehmen. 
Von einem Personenkultus könne auch keine Rede sein, 
wenn man Persönlichkeiten, die auf historische Festlegung 
Anspruch haben, im Bilde festhalte. Das sei in jeder 
Gemeinde so geschehen. Die Kosten für den Sachverständi 
gen können nur gering sein. — G.-V. Dr. Anders (Dnat.) 
wünscht, daß die Sache nicht noch mal zurückverwiesen 
werde, sondern heule zur Entscheidung komme. Sie habe 
sich schon so lange hingeschleppt. Es wundere ihn, daß 
die Demokraten nicht unterrichtet wären, Herr ThomS 
berger habe doch den Sitzungen beigewohnt. — G.-B. Dr. 
Hasse (Soz.) bemerkt, daß im Ausschuß die Rede davon 
war, ein Bild der Vertretung in. der Sitzung zu malen, 
das würde daun ein Kunstwerk, eine Idylle, darstellen. 
Dagegen wende er sich gegen Portraitbildcr. Man solle 
in dieser Hinsicht hier nicht Historie treiben. Für die 
Fläche über der Bühne wünsche er ein Kunstwrk. — G.-V. 
Maulbccker (Soz.) tritt dafür ein, daß nicht Kitsch, 
sondern Kunstwerke für die Ausschmückung genommen wer 
den, damit man liebliche Oasen schaffe, auf die^das Aug« 
wohlgefällig ruhe. Er bittet dringend, die packte nicht 
von der Tagesordnung abzusetzen, sondern heute zu ent 
scheiden, sie sei soweit, daß von den Künstlern mit gerichl- 
,cy an ottt) dachte, darüber gegrübelt, was dabei deine 
Gedanken erfüllt haben mag." 
Eine feine Röte stieg in ihre Wangen, und sie senkte 
unwillkürlich den Blick. 
„Ich habe gedacht, daß du gut und edel seiest," sagte 
sie leise. „Und jede Zeile deiner Novelle hat mich in 
meinem Glauben bestärkt." 
Da zog er sie sanft'vn sich und küßte ihre vollen, 
weichen Lippen. Sie duldete seine Liebkosung, entzog sich 
ihr jedoch sogleich wieder. 
„Ich bin ein törichtes Mädchen," sagte sie und ordnete 
ihr verwirrtes Haar. „Und ich muß mich schämen, daß 
ich nicht vernünftiger handeln kann." 
„Ich finde mein Lieb viel zu vernünftig," sagte er 
mit zärtlichem Lächeln. „Aber weißt du, daß mich die 
Umgebung ein wenig bedrückt, in der du dich hier bewegst? 
Nicht wahr, du wirst nicht immer in einem Schloß wohnen 
wollen?" 
Sie lachte. 
„Ich fürchte, unser Schloß liegt in der Luft, Heinz," 
sagte sie zwischen Scherz und Ernst. „Aber höre, ich muß 
dir einiges sagen, ehe die anderen kommen." 
„Hoffentlich lassen sie uns recht lange warten!" ent- 
gegnete er und setzte sich ihr gegenüber auf einen der 
recht zerbrechlich aussehenden Salonstühle. Sie faltete die 
Hände im Schoß und sah darauf nieder. 
„Es ist — über die Prinzessin Apraxin," sagte sie 
zögernd. „Du weißt, wer das ist?" 
„Wie sollte ich es wissen?" fragte er verwundert. „Ich 
habe den Namen, wenn ich mich recht erinnere, als detr 
eines hohen russischen Würdenträgers einmal in der Zeitung 
gelesen, mehr aber weiß ich nicht von ihm." 
Wieder zöoo'te Margot einen Augenblick. Dann er 
klärte sie ihm ;lam ; 
„Prinz Apre In ist ein hoher russischer Aristokrat, er 
ist sogar weitläufig mit der Zarenfamilie verwandt. Aber 
nicht um ihn, sondern um seine Gemahlin handelt es sich, 
die von ihm getrennt hier auf dem Schloß lebt. Sie ist 
eine geborene Komtesse Maria von Waldendorff, die 
jüngere Schwester'der Gräfin, die du in Berlin kennen 
gelernt hast." 
„Ah!" stieß Heinz überrascht hervor. „Aber erkläre 
mir — —" 
Sie hob abwehrend die Hand. 
„Bitte, stelle keine Fragen, Hxlnzl" sagte sie. „Was 
lch dte sagen darf, sage ich ohnedies. Die Prinzessin hat 
hier ihren Mädchennamen w'tcdex snurnommen. »V
        
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