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Periodical volume Nr. 17, 20.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Ar. 17 
Berlin-Fnedenau, Dienstag, den 28. Januar 1820 
Fahrg. 27 
Ortsnacbricbteiv 
«Ikachdr, unsrer oxDnutnalarHf«! nur mit Quellencn^ab« gestattet.) 
o Vergütung an die Brotkommissarc. Der Gemeinde- 
vorstand empfiehlt der Gemeindevertretung, den Brotkom- 
missaren auf deren Antrag eine jährliche Aufwandsent 
schädigung von 200 M., rückwirkend vom 1. April 1919 
ab zu bewilligen. 
o Eine Aufwandsentschädigung für die Beisitzer am 
Mirtseiniaungsamt soll in — Wilmersdorf gezahlt werden. 
Der Magistrat unserer Nachbarstadt schlägt der Stadt 
verordnetenversammlung vor, den Beisitzern des Mietseini- 
gungSamtes eine Entschädigung von 9 M. für jede Sitzung 
zu bewilligen. 
o Auch die Leicheuücförderung wird teurer. Auf An 
trag des Fuhrunternehmers Schwarz, dem die Leichenbe 
förderung nach dem Waldfriedhofe in Gütergvtz von der 
Gemeindeverwaltung übertragen ist, sollen die Gebühren 
für die Beförderung künftig betragen für Benutzung eines 
Leichenwagens 3. Klasse 50 M., 2. Klasse 75 M„ 1. Klasse 
100 Mark und für die Beförderung einer Kinderleiche 
ohne Benutzung eines Leichenwagens 30 M. 
o Die Frirdcnauer Bevölkerung nach dem religiösen, 
Bekenntnisse. Nach dem Berwaltungsbericht unserer Ge 
meinde für 1913-ltl zeigt die Verteilung der Bevölke 
rung Friedenaus nach dem religiösen Bekentnisse eine 
langsame aber beharrliche Verschiebung. Die Zahl der 
Evangelischen hat sich in der Berichtszeit um 1,6 Proz. 
vermindert, während alle Andersgläubigen sich vermehrt 
haben und zwar die Katholiken um 13,3 v-. H., die 
andern Christen um 9,7 v. H., die Juden um 3 v. H. 
und die Dissidenten, um 8,2 v. H. Es wurden gezählt: 
Evangelische 1913: 38 653, 1914: 38243, 1915: 
38 488,'1916: 37 937; N öm isch-Katho l. 1913: 4201, 
1914: 4581, 1915: 4475, 1916: 4760; andere 
Christen sDtsch. u. franz. reform., Apost., Brüderge 
meinde, Mcnnoniten, Baptisten, griech.-kath., altkath.) 1913: 
370, 1914: 385, 1915: 394, 1916: 406; Juden 1913: 
1377, 1914: 1444. 1915: 1396, 1916: 1419; D i s s i d e ri 
te n und Freireligiöse 1913: 257, 1914: 270, 1915: 
271, 1916: 278; Mohammedaner 1913: 11, 1914:. 
12. 1915: 11. 1916: 9 
o Reichrnotopscr und kleine Rentner. Vom Vorsitzen 
den der Veranlagungskommission in Steglitz wird uns ge 
schrieben: Bei dem Reichsfinanzministerium gehen airch 
jetzt noch zahlreiche Gesuche von kleinen Rentnern ein, 
in denen gebeten wird, beim Reichsnotopscr auf ihre be 
drängte wirtschaftliche Lage Rücksicht zu nehmen. Aus der 
Mehrzahl dieser Gesuche geht hervor, daß den Gesuch 
stellern die Vorschriften de-s Reichsnotopfers nicht genügend 
bekannt sind. Mit Rücksicht hierauf wird ausdrücklich fest 
gestellt, daß in dem Gesetz über das Reichsnotopfer auf 
die wirtschaftlichen Verhältnisse der Abgabepflichtigen weit 
gehendste Rücksicht genommen worden ist. Insbesondere ist 
vorgesehen, daß die Abgabe auf Antrag des Abgabepflich 
tigen ganz oder teilweise zinslos gestundet werden kann, 
falls sich bei billiger Berücksichtigung seiner wirtschaft 
lichen Verhältnisse die Einziehung und Verzinsung der 
Abgabe als eine besondere Härte erweist. Diese Vorschrift 
bezweckt, vornehmlich solchen Abgabepflichtigen eine mög 
lichst weitgehende Entlastung von der Vermögensabgabe 
zuteil werden zu lassen, die mit ihren Renten oder Zinsen 
nur mit Mühe imstande sind, ihren Lebensunterhalt und 
den ihrer : "trrbalWberechtigten Angehörigen zu bestreiten. 
Ferner ist ur fttzen, daß bei Abgabepflichtigen im Alrer 
von 45 Jahren und darüber, die ein steuerbares Ver 
mögen von nicht mehr als 150 000 M. besitzen und keinew 
Anspruch auf Pension haben, eine erhebliche Ermäßigung 
der Abgabe eintritt, falls sie nicht die zinslose Stundung 
der ganzen Abgabe beantragen und bewilligt erhalten. 
Endlich darf nicht außer acht gelassen werden, daß eine 
Verpflichtung zur sofortigen Bezahlung der ganzen Ver 
mögensabgabe nicht besteht. Vielmehr ist die Abgabe in 
Teilbeträgen zu entrichten, die sich auf einen Zeitraum 
von rund 30 Jahren erstrecken; ausgenommen hiervon 
sind nur die Abgabebeträge, die 500 M. nicht erreichen, 
und der durch 500 Mark nicht teilbare Betrag der Abgabe. 
o Ausführung des Schneidereitschen Entwurfs. Der 
Gärtnerei- und Friedhofsausschuß hat beschlossen, der Ge 
meindevertretung zu empfehlen, den im Wettbewerb für 
die Ausgestaltung des Ehrenfriedhofs mit dem 1. Preise 
ausgezeichneten Entwurf „Verehrung" des Architekten 
Bruno Schneidereit zur Ausführung zu bestimmen, da 
er „in künstlerischer Beziehung am höchsten zu bewerten 
und auch nach den örtlichen Verhältnissen eine Anlage 
zu liefern geeignet ist, welche den Ehrenfriedhos zu einer 
einheitlichen, geschlossenen und weihevollen Ruhestätte der 
aus gemeinsamer Wahlstatt für das gemeinsame Ziel ge 
fallenen Krieger ausgestaltet." Es soll mit dem Künstler 
wegen der mit ihm für die Bearbeitung des Entwurfes 
in Betracht kommenden Bedingungen verhandelt wcrden. 
Die Arbeiten sollen durch das Bauamt bezw. durch die 
Gartenverwaltung bewirkt werden. Ferner soll der Künst 
ler um geeignete Vorschlüge darüber ersucht werden, in 
welcher Weise die Namen der etwa 800 hier nicht be 
statteten, im Kriege gefallenen Friedenauer Llrieger ver 
ewigt werden können. 
o Ansprüche auf Entlassungsanzüge. Die Abwickelungs- 
intendantur des Gardekorps schreibt uns: Zum Zwecke der 
Feststellung des noch notwendigen Bedarfs an Entlassungs 
anzügen und Mänteln hat jeder im Bereich des Garde 
korps wohnende, entlassene Heeresangehörige, der seinen 
Anspruch vor dem 28. 12. 18 bereits geltend gemachst 
bat, aber weder in Geld noch in Natur mit einem Entlas 
sungsanzug und Mantel abgefunden wurde, bis einschließ 
lich 31. 1. 1920 diesen Anspruch noch einmal persönlich 
oder schriftlich unter Angabe der noch fehlenden Stücke 
bei der Prüfungsstelle des Gardekorps Berlin, Landesaus- 
ftellungSpark, Juvalidenstr. 63—78, anzumelden. Dieses 
gilt auch für alle diejenigen, solche erst in den letzten drei 
Monaten zur Entlassung gekommen und vom alten Heere 
noch nicht abgesunden sind. Es können nach dem 31. 1. 20 
nur noch diejenigen Personen abgefunden werden, die 
obiger Vorschrift nachkommen, da für die nicht Angemel 
deten keine Bestände zur Verfügung stehen werden. 
v Wege« des Poststreiks in Italien werden Pakete da 
hin einstweilen nicht angenommen. 
o Bei den Wahlen zum Begirkslchrerrat im Ber 
liner LehrerveremshauS entfielen auf die Liste der kirch- 
licktzpositiv und deutsch-national gesinnten Lehrer und Leh 
rerinnen 14 Sitze, auf die Liste des Berliner Lehrer- 
vereins, mit der die Listen des Volksschullehrerinnen-» 
und Fachlehrerinnenvereins verbunden waren, 17 ^>itzc 
und auf Die Lifte der sozialistischen Lehrer und Lehrerinnen 
1 Sitz. 
o Sein 5V jähriges Künstler-Jubiläum feiert am 2. 
Februar der Theaterdirektor, dramatische Lehrer und Leiter 
der „Berliner Bühnenschule" Gustav H ö p p n e r, der 
auch vielen Friedenauern durch seine in früheren Jahren 
hier gegebenen Elastspiele bekannt ist. Er wohnt in der 
Nollcudorfstr. 17 in Schöneberg. 
, ", Del der staatlichen Bangewerkschule in Neukölln zeig! 
Och ) e “ Beendrgung des Krieges ein außerordentlicher. 
Andrang von Schülern, Handwerkern und Technikern, 
wie ihn die Anstalt seit ihrem Bestehen noch nicht auf- 
zu weilen, hatte. Mit Einschluß der kriegsbeschüdigten Bari- 
band werter und der die Fortbildungskurse besuchenden, 
^.echniker beläuft sich die Schülerzahl auf insgesamt 896. 
Der Lehrkörper ist entsprechend dieser hohen Besucherzabl 
weit größer als bei den gleichartigen Anstalten in der 
^Provinz. Um den Schillern alle technischen Errungen-- 
^ schäften der Neuzeit sogleich praktisch vor Augen zu führen, 
sind die bereits während des Krieges eingerichteten Werk 
stätten und Sammlungen bedeutend erweitert und aus 
gebaut werden. Die Neuköllner Anstalt ist auch die erste, 
die den staatsbürgerkundlichen Unterricht eingeführt und 
dadurch eine vielfach in die Erscheinung getretene Lücke' 
in dem Ausbildltngsgang der jungen Techniker beseitigt hat. 
o Ostpreußenabend. Der Verein der Heimattreuen Ost 
preußen, Bezirk Berlin O, ladet zu Donnerstag, den 
22. Januar 1920, abends 7 Uhr, in der Aula der Ge 
meindeschule Fruchtstr. 38, Ecke Gr. Fraukfurterstr. zu 
einem Ostpreußenabend ein. Redner: Schriftstellerin Agnes 
Harder, Schriftsteller stk. Skowroncck, und musak. Vor 
träge. Landsleute werden, um ihr Erscheinen gebeten. 
o Das erste Gastspiel des Berliner staatlichen Schau 
spielhauses hat gestern im „Schloßpark Steglitz" stattge 
funden. Damit ist wieder ein altes Vorurteil gefalleit. 
Wer hätte e>s je für möglich gehalten, daß wirkliche 
„königl. Schauspieler" von Ruf auf einer Vorstadtbühne 
auftreten. Der „staatliche" Schauspieler denkt anders, und 
schließlich muß staatliches Eigentum ja auch für jeden 
„faßbar" sein. So standen denn auch die Größen der 
Kunst Thalias, Mar Pohl, Paula Conrad, Johanna Mund, 
Hermann Boettcher und andere aus der Bühne eines 
Tanzsaales im Vorort. Gespielt tvurde das bürgerliche 
Schauspiel „Maria Magdalene" von Friede. Hebbel. 
Meisterhaft ivar die Spielleitung von Dr. Reinhold Bruck, 
die Ausstattung der Bühne glänzend. Man sah, was eine 
kundige Hand aus einer sonst einfachen Bühne machen 
kaun. Das Spiel selbst war natürlich über jedes Lob 
erhaben. Wunderbar fein durchdacht, hinreißend und mit 
ganzer Hingabe gestaltete Johanna Mund in der Klara 
die große Dulderin, die dem Werk den Namen gegeben 
hat. Der alte ehrliche, wackere Meister Anton, dessen 
letzter Ausspruch: Ich verstehe die Welt nicht, so recht 
zeitgemäß klingt, konnte wohl nur durch Max Pohl so 
lebenswahr vertreten werden. Hermann Boettcher, der 
den gewissenlosen Leonhardt, Hans Mühlhofer, der treue, 
fröhliche, zum Rächer werdende Jugendfreund Klaras, Wer 
ner Rafael, der nach Freiheit dürstende, nicht nach dem 
Sinne des Vaters geartete Sohn, Paula Conrad, des 
Meisters Frau, sie alle spielten vortrefflich und ernteten 
den stürmischen Beifall des bis auf den letzten Platz be 
setzten Hauses. M. 
o Ein Ereignis für Friedenau war der Vortrag, mir 
dem Herr Dr. Paul Rohrbach am Montag Abend den 
3. Lehrgang der Volkshochschule Friedenau eröffnete. Klar 
umrissen stellte er die politische Idee Englands, Front 
reichs und Amerikas hervor, die den handfesten Egois 
mus ihrer brutalen Politik verbrämt und verklärt. An 
die Stelle dieser politischen Idee, solcher nationalen Le 
gende, tritt bei uns Deutschen mehr oder weniger nackter 
Materialismus. Diese Ausführungen bilden die Grund 
lagen, von der aus der Redner am 3. Abend die Frage 
nach Deutschlands Zukunft in der auswärtigen Politik 
beantworten will. Sodann ließ der Redner durch lichtvolle 
Zwei ceriamenle. 
Roman von F. Stolze. 
zz (Nachdruck verboten) 
Bei de.: '.'taaien e ilg Warden war Ewald zusammen 
gefahren und riet .rtzt: _ . 
c il 1 Warben! Wauen Sie denn, datz das Weib» 
das die Seite aus dem Kirchenbuch nusschnitt, sich Cecily 
Warden nannte ?" 
„Ich weiß es. denn sie schrieb mir von Bremer 
haven aus üver ihren Plan nach L iojelhorst. und auf diese 
Rachri-Hk hin reiste ich nach Abveoille, um vorzubeugen oder 
das Geschehene nach Möglichkeit wieder gutzumachen." 
Ewald war von dein Gehörten ganz überwältigt. Es 
stimmte alles. Kurt hakte ihm in bezug auf das Kirchen 
buch offenbar die Wahrheit gesagt. Er streckte ihm die 
Hand hin und sagte: . . . . .. „ 
„Verzeihen Sie mir mein Mmtrauen I Ich hoste, alles 
andere wnd sieg ebenso auftlären!" _ 
ilurr ergriff jeine und schüttelte sie frnTtig, 
während der Ausdruck hoher Genugtuung sei i Gesicht über« 
flog. E; war ibm offenbar gelungen, Ewalds Stimmung 
gegen ihn umzuwandeln. Es galt jetzt, ihn völlig jür sich 
einzunehmen und so den ersten Schritt zur Gewinnung 
von Alice zu tun. Er begann: 
„5)ören Eie erst loeirer, ehe Sie urteilen. Sie werden 
sich vielleicht wundern, daß ich Bergmann das Testament 
nicht ablauste. Aber iw urgre mir, datz das eigentlich un 
nütz märe. Ich fannte zwar seinen Inhalt nicht, aber was 
konnte es anders enthalten, als die Aushebung der 
Ungerechtigkeit meines verstorbenen Schwiegervaters gegen 
Ihren Vater. Ich war stets lebhaft für diesen ringe- 
treten und hatte mir dadurch fast den Unwillen des Ber* 
storbenen zugezogen. Jetzt lag die Sache einfach für mich. 
Rach meiner Ueberzeugung gibt es nur em rrchtrass 
Prinzip der Erbteilung, gleichgültig, was der Testator de- 
stimmt hat. Ibr Vater und ich standen dem Gehermrat durch 
Vlutsverwandrjchust gleich uahe.„2aß ich sein SchwikLkich 
foyn war, kann naht in Betracht kommen, da meine Frau 
schon ,eir einigen Jahren verstorben ist. Ich habe mir 
daher vorgenommen, bei meiner Rückkehr nach Mosel 
Horst oeu Ihrigen vorzuschlagen, daß wir gemeinsam aus 
Moleihorst als eine große Familie Hausen wollen. Sie 
bez ehen den größeren rechten Flügel, ich den kleineren 
linken, der große Mittelbau, Garten und Park dienen dem 
gemeinsamen Verkehr und der Geselligkeit. Was sagen Sie 
dazu?" 
Ewald war gerührt. Wahrhaftig, sie hatten Kurt ganz 
falsch beurteilt! Freilich, da war noch eine ganze Reihe un 
aufgeklärter Punkte. Und so erwiderte er denn: 
„Es wäre gewiß sehr schön, wenn es möglich wäre, 
und wenn wir freie Verfügung über unsere Entschlüsse 
hätten. Solange aber mein Vater nicht aus seiner Ge 
fangenschaft in Persien befreit ist, kann um so weniger da- 
von die Rede sein, als wir nach allen bisherigen Rach- 
richren haben annehmen müssen, daß Sie die eigentliche 
Triebfeder all der Gefahren und Unfälle waren, die unsere 
Reise und besonders die meines Vaters begleitet haben. 
Und wenn auch Ihr augenblickliches Verhalten freundlich 
zu sein scheint, so gehört doch mehr dazu, unsere Auf- 
fassung Ihres gesamten Verhaltens in eine gegenteilige 
umzuwandeln." 
Kurt hatte diesen Einwand längst erwartet und war 
darauf vorbereitet. Er spielte zunächst die Rolle des Ge 
kränkten und entgegnete: 
„Ich kann Sie, wenn mein Verhalten in Abbeville Sie 
nicht davon überzeugt hat, daß Ihr Verdacht gegen mich 
ganz unhaltbar ist, natürlich nicht zwingen, ihn aufzugeben. 
Ich glaube aber ein Recht dazu zu haben, wenn ich ver 
lange. daß man mir feste und bestimmte Fragen vorlegt, 
die ich ebenso fest und bestimmt beantworten werde, und 
daß nran sich nicht auf allgemeine Andeutungen beschränkt." 
Ewald nickte zustimmend. Die Forderung schien ihm 
nur gerecht. Als er aber jetzt an die Erfüllung heran 
treten wollte, erschien ihm die Menge und Größe der Be 
schuldigungen so gewaltig, daß er sich für den Augenblick 
nicht entschließen konnte, wie er beginnen sollte. Der 
,LEtwann wartete kurze Zeit unseduli-ig un- laste danru 
„Ich werde Ihnen z» Hilfe kommen. Sie werden 
wissen wollen, was sich zw'.,.Herr meinem Schwiegervater 
und mir ereignet hat, als der Tod ihn ereilte. Ist es so?" 
Ewald nickte abermals, ohne ein Wort zu sprechen. 
„Ich fragte ihn, ob es wahr sei, daß er ein neues 
Testament abgefaßt habe, uiid ob er endlich den von nur 
wiederholt ausgesprochenen Wunsch erfüllt habe, Ihren 
Vater ebenso zu bedenken wie mich. Er entgegnete mir 
in abweisendem Tone, daß das seine und nicht meine Sache 
sei. lind als ich dringender wurde, erklärte er mir in 
höhnischem Tone, daß er das alte Testament umgekehrt, 
Ihren Vater zum Universalerben ernannt und mich ent 
erbt habe. Als ich ihm entgegenhielt, daß ich ihm schon 
einmal, bei Aofassung des ersten Testamentes, zugerufen 
hätte» audiatur et alteia pars, ohne daß er darauf geachtet 
hätte, und ihm sagte, er möge nicht jetzt denselben Fehler 
begehen wie damals, sondern mir sagen, was er mir vor 
zuwerfen hätte, geriet er in maßlose Wut, überhäufte mich 
mit den ehrenrührigsten Schimpfwörtern und stürzte, als ich 
ihm sagte, daß ich mir das verbitten müsse, so benehme 
sich kein Mann, der seiner selbst mächtig sei, mit hochrotem 
Gesicht und geballten Fäusten auf mich zu. Ich erwartete 
ihn regungslos. Da brach er, zwei Schritt vor mir, zu 
sammen. Ein Schlagfluß hatte seinem Leben ein Endo 
gemacht." 
Der Hauptmann machte ürze Pause und fuhr 
dann fort: 
„Sie sehen, ich habe keinen Anstand genommen, den 
ganzen Vorgang offen zu berichten. Niemand hätte mich 
dazu zwingen können, denn es war kein Zeuge dabei zu 
gegen. Ich habe es vorgezogen, der Wahrhül die Ehre 
zu geben. Denn ich glaubte und glaube es noch beut, daß 
ich ganz korrekt in Wahrung meiner berechtigten Interessen 
gehandelt habe. Ich konnte nicht voraussehen, daß mein 
Schwiegervater sich so erhitzen würde." 
„Aber da» Mitbringen d«s Nervenarztes?" warf 
Ewald ein. 
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