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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

»gk«. Ebtnsv Erhielt vor kurzer Zeik j»der 'H«ush«lk ein« Büchse 
kondensiert» Milch zum Preise von 4M. Woher kommt solch« »n, 
Lk»ich, Lebenrmittelverteilung in zwei zum Kr»is» Tpltoi« ge- 
yürigm Vororten von Berlin? Wer ist von unseren vinl,»hnem 
in der Lage, diesen krassen Gegensatz aufzuklaren? 
Als ich mir AuSgangs Oktober 1910 einen Einfuhrschein 
fit ß Zentner Kartoffeln erbat, wurde mir dies abgeschlagen 
mit der Begründung, daß mit diesen Einfuhrbewilligungen zu« 
»iel Lchw vorgekommen sei. Nun bitte ich jeden nüchtern 
denkenden Einwohner: Für 3 Personen >3 Zentner Kartoffeln 
— unter Verzicht auf hiesige Belieferung — kann d« so etwas 
*»rk»mmen? I. 
Don Tr. H e r mann H a s se. 
Auf Wunsch der Hörer an der 
hiesigen Zweigstätte der H il m * 
botdt-Hochschule geben wir 
hiermit einen der interessantesten Ab 
schnitte wieder aus den, Vortrags 
zyklus deS Verfassers über „Politik 
und politische Parteien", 
Um das Schlagwort der Demokratie streiten sich die 
verschiedenen politischen Parteien seit dem Umsturz in er 
höhtem Maste. Als Vorbild versuchen die uns feindlichen 
sktaaten häufig dasjenige hiuzusrelleu, was uus ein Zerr 
bild der Demokratie erscheint. Deshalb ist cs wohl au- 
gebracht, diesen Begriff eininal von möglichst objektiver 
Warte aus abzugrenzen. 
Das Wort Demokratie besagt zunächst nur, daß. das' 
Kolk selbst entscheiden will über die Führung seiner Ge 
schäfte; daß cs die in der französischen Revolution viel 
umstrittene „Souveränität" nicht aus der Hand geben 
will an bestimmte Einzelpersonen oder Gruppen. TaS wäre 
ein Negatives, das noch nichts besagt über die Art der 
Selbstregierung, wie überhaupt die negativen Begriffe die 
Uarsten zu sein pjlegen. Und selbst ein so entschiedener 
Gegner der Demokratie wie Houston Stuart Chamber- 
' Inin hat zugegeben, daß dies der Demokratie viel vor 
geworfene negative Ideal für politische Zwecke genügend 
fruchtbar sei. Aber dabei hat es natürlich keineswegs 
sein Bewenden. Das Selbstbewußtsein der Souveränität 
ist zwar manchmal bereits befriedigt, wenn nicht ein 
Fremdkörper durch Gewalt die Herrschaft an sich gerissen 
hat oder durch Rechtsverhältnisse über welche das Volt 
selbst keinen Einfluß besitzt (wie durch Vererbung). Aber 
auch dann, wenn da-s Volk selbst seine Macht an Andere 
delegiert vder überträgt, schasst c-s sofort aus der Demo 
kratie eine Oligarchie, eine Herrschaft Weniger. . Vielfach 
Pflegen sogar die so entstehenden Eliqucn besonders un 
angenehm zu sein. Jedenfalls wird es sich in diesen 
Fällen immer handeln iim eine Pseudo-Demokratie. 
Eine echte Aolksherrschaft liegt nur dann vor, wenn die 
Wähler so mißtrauisch sind, die Macht möglichst wenig 
aus der Hand zu geben; wenn möglichst große Teile des 
Volkes mitbestimmend bleiben für die wichtigsten Fragen 
der Politik. Bei allen Entscheidungen wird es sich dabei 
immer nur handeln können unc die Mehrheit, der sich 
die Minderheit zu unterwerfen hat. In einer Demokratie 
kann nur die Majorität herrschen. Es kommt aber für 
das Wesen der Demokratie auch sehr stark in Frage, was 
mit der Minderheit geschieht, wie sie behandelt wird. 
Zunächst kann man versuchen, sich dem Ideale der 
Herrschaft des gesamten Volkes dadurch zu nähern, daß 
man möglichst viele Personen an den Regicrungsgc- 
schästen beteiligt. Das pflegt besonders in kleinen, engen 
Kreisen zu geschehen, wie in den Schweizer Kantonen 
imd Landgemeinden. Jedermann übernimmt gewisse Funk 
tionen ehrenamtlich, und man branchr dann nur 
einen kleinen bezahlten Beaintcnstand, gegen den ja innner 
das Vorurteil des Bürokratismus besteht. Ueber diese 
vielumstrittenen Beamtcnsragcn haben wir später noch 
ausführlicher zu sprechen. Wichtiger ist es, die Machit- 
anhänfung in der Hand gewisser Personen und Cliquen 
dadurch zu verhindern, daß man Dvppelämter ausschließt, 
eine Forderung, die von den „Partcibonzen" besonders 
gern vernachlässigt wird, — und damit wäre sofort wieder 
ein Rückfall in die Oligarchie erzielt. Viele kleine Ty 
rannen sind natürlich gefährlicher, kostspieliger, ausbeute 
rischer (siehe Zivischcnincister) als ein großer. Es ist 
eine alte Erfahrung, daß als Abwehrmitte! gegen sie 
säst alle Monarchien der Weltgeschichte, entstanden sind, 
lkkun darf die Demokratie natürlich nicht nur wörtlich auf 
gefaßt werden, sondern vor allem sinngemäß. Die Volks 
herrschaft ist ja nicht S e l b st z w e ck, sondern nur Mittel 
zum Zwecke des Wohlbefindens dieses Volkes. Das Volk 
s»ll sich unbeherrscht fühlen, das heißt: frei. Hreilkch ist 
dev Freiheitsbosriist ein sehr diel schmieriger»? Unter 
dev MaKkd der Freihai« sstrd säst All» VchvnWchltiterr 
der Weltgeschichte begangen wrrden, nist» dieser »egnsf 
ist ebensowenig in Worte zu fassen, wie der Begriff der 
Wahrheit. Auch hierüber haben wir noch ausführlicher 
zn sprechen. Llber die Gefahr, daß Unrecht geschieht, die 
Gefahr der Unterdrückung ist für Mitherrschende natür 
lich geringer als sür Beherrschte. Tic Zahl der Ee- 
sährdeten ist damit in der Demokratie wohl geringer, 
'dem Grade nach aber kann die Unterdrückung kveiler- 
gehen. Denn wenn eine Minderheit herrscht, muß sie 
die beherrschte Mehrheit immer fürchten, hat jie mir 
Gewaltansbrüchen zu rechnen. Tie herrschende Mehrheit 
aber wird die Minderheit n.iemals fürchten, wird viel 
leicht umgekehrt' einen Kampf herbeiwünschen, zu Der- 
zweislungSausbreichen anreizen, um ihre Gegner ver 
nichten "zu könnem Sie hat nur die eine Grenze, 
daß sie nicht durch Uebermut selbst in die Brüche 
geht (Uneinigkeit). Daher muß nicht nur die Ver 
teilung der Gewalt auf möglichst verschiedene Personen 
gesichert sein, sondern auch auf verschiedene Instanzen, 
damit sich nicht eine derselben von Leidenschaft, Laune 
oder Stimmung fortreißen läßt. Man nennt das die 
„Trennung der Gewalten", unb diese von Montes 
quieu herrührende Forderung, mag sie auch ursprünglich 
dem Liberalismus entnommen sein, ist untrennbar ge 
worden von einev echten Demokratie. Daher ist es eine 
scholastische Verleumdung, wenn Pros. HaSbach (Kiel) 
und viele andere Gegner der Teinokratie sagen: Dcniolratie 
und Freiheit widerspricht sich... Demokratie ist eine Form 
der Despotie... in einer Demokratie von Freiheit zu 
sprechen ist so, wie wenn in Italien ans den Ketten der 
Galeerensträflinge das Wort „LibertaS" steht. Wer nicht 
wissen will, was Demokratie ist, wird natürlich mit 
Vorliebe Zerrbilder derselben anführen, wie sie in Nord 
amerika bestehen und teilweise in Frankreich, gegen deren 
Bekämpfung, ein guter Demokrat natürlich nicht das ge 
ringste einzuwenden hat; und Pros. Hasbach hat mit 
seinem dicken Bnckze gegen die Demokratie nichts anderes 
nackweiscn können, als daß auch in der vielgerühmten 
Schweiz eigentlich keine Demokratie besteht, sondern eine 
verschleierte Aristokratie, mit der das Volk selbst ziemlich 
unzusrieden ist. 
Die Lehre Montesqniens also fordert die Trennung 
der Geivalren in: Gesetzgebung, R e ch t s p r e ci> u n g 
und Verwaltung. Völlig ist dieses Ideal vielleicht 
nicht durchzuführen, aber jedenfalls mehr als es bisher 
geschehen ist. Der größte Verstoß gegen diese Forderung 
ist es, wenn ein Oberhaus wie das englische gleichzeitig 
als Staatsgerichtshof fungiert, während man die llnter- 
suchungskommissionen des Unterhauses ruhig (jcllfn lassen 
kann. Ebenso bedenklich ist es, wenn die R achter aus 
Wahlen hervorgehen wie in Ainerita, oder die Abgeordneten 
einen Einfluß haben auf ihre Ernennung wie in Frankreich. 
Abfv am meisten Angst hat man überall davor, daß in 
aufgeregten Zeiten die gesetzgebende Körperschaft, das 
Parlament, sich in die Befugnisse von Rechtsprechung und 
Verwaltung einmischt. Gehen doch ans seiner Mitte bei 
dem sogenannten parlainentarischen System die höchsten 
Verwalt: agsbeamten ihcrvor, welche ihrerseits wieder 
andere politische Beamte nach sich ziehen. Dir müssen 
daher setzt zunächst dieses System betrachten. Und iuir 
wollen dabei iitimcc im Auge behalten, daß im allgemeinen 
die Verw lrung mehr die Staatsmaschine in Gang zu er 
halten, bi. Ge jetzige bung sie umzugestalten hat; daß aber 
der pol irische Beamte ebenfalls Systeme und Gewohn 
heiten ändeea soll, alsodcr Gesetzgebung bereits näher steht. 
Soöcuö ein Gemeinivesen so groß wird, daß nicht mehr 
alle Bürger zu jeder Beratung,unb Beschlußfassung zu 
sammentreten können, müsscir sie sich Befreier ivählen. 
Diese Repräsentanten hatten ursprünglich bestimmte ört 
liche Landesteile zu vertreten, später ihre Berufsstände, 
und in der Gegenwart ihre Pottaschen Parteien. Im 
Gegensatz zur „unmittelbaren" Demokratie, wie sie in den 
alten griechischen Stadtstaaten bestand und auch in den 
sechs kleinsten Schweizer Kantonen sich noch erhalten hat, 
nennt man dieses System die repräsentative Demo- 
h'sltir Im engeren Sinne versteht man darunler nur 
diejenige Form, bei welcher all« drei Gewalten, Gesetz 
geber, Richter und Verwaltungsbeamte, vom Volke direkt 
geivählt werden. In den beiden von Bauern gesclmfsenen 
Republiken,' der amerikanischen Union und der Schweiz, 
har das Mißtraucn gegen die Korruption dieser gewühlten 
Vertreter dazn geführt, diesen einen gewissen, besonders 
zum Schlosse emporsührte. Zn weniger als zehn Minuten 
erreichte er dis Mauer, die dcn Park abschloß, und das 
große schinirdeeiscrne Einfahrtstor?' 
Er trat dicht an die Eitierstäbe und spähte in dcn 
Park. .Aber es war nicht eben viel, was er da erblicken 
konnte. Dicht hinter der Einfahrt machte der Weg eins 
Biegung, und ein an dieser Stelle angepflanztes Gebüsch 
hinderte dcn jungen Schriftsteller, ihn weiter verfolgen zu 
können. Da gewahrte er, daß neben dem großen Ein 
fahrtstor eine zweite kleinere Tür für Fußgänger ange 
bracht war, und kurz entschlossen betrat er aus diesem 
Weae den Park. 
Aber er hatte drinnen erst wenige Schritte tun können, 
C?ß er sich von einer barschen Stimme angerufen horte: 
„Wo wollen S' den» hi', Herr?" 
Es war offenbar ein Gärtner, den er da vor sich hatte. 
Gelassen gab Heinz zurück: 
„Ich glaubte, das Betreten des Parkes sei nicht ver 
boten. Ich habe nicht die Absicht, Blumen abzupflücken 
»der ähnlichen Unfug zu treiben." 
Der Mann musterte seine elegante Gestalt und sagte 
ein wenig höflicher: 
„D' gnädige Herrschaft is auf'm Schloß — da is 's 
scho verbot'», hier z' gehn. Daß Sö koane Blumen net 
»brupf'n, dös glaab i scho. Aber i to nix inach'n, Herr, 
» derfs's net erlaubst,." ’ ’ 
„'Jla, dann gehe ich eben draußen spazieren," erwiderte 
Heinz. „Das Unglück ist ja nicht so groß. Gute Nacht!" 
- „Guate Nacht," gab der Gärtner zurück und wartete, 
bis sich Heinz wieder durch die Tür entfernt hatte, um sie 
hinter ihm zu verschließen. Hollselden schlug einen Weg 
ein, der an der Parkmauer entlangführte, in der Hoffnung, 
an einer anderen Stelle doch noch Eingang zu finden. 
Und seine Hoffnung hatte ihn nicht getrogen. 
Nach einer kurzen Wanderung schon kam er zu einer 
kleinen Pforte ihm Gemäuer, die offenbar nicht mehr be 
nutzt wurde, denn die Angeln waren eingerostet und der 
Griff kaum niederzudrücken. Aber die Tür war nicht ver 
zollen, und mit einiger Anstrengung gelang cs Heinz, 
Gleich daraus stand er iur Park. Hier ließ sich niemand 
sehen, der den Versuch gemacht hätte,'ihn hinauszuweisen, 
uab nachdem er wohl zwei Minuten lang abwartend stehen 
geblieben war, schlug er einen Weg ein, der seiner Meinung 
nach auf das Schloß zuführen mußte. 
23. Kapitel. 
Noch war der Mond nicht über den Daumwipfcln 
emporgestiegen, aber die linde Sommernacht war trotzdem 
hell genug, um dem jungen Schnftsteller die Orientierung 
auf dem verbotenen Terrain nicht allzu schwer zu Machen. 
Der Eindruck, den er von seiner Umgebung empfing, war 
der, daß es sich um ein altes, seit Generationen mit der 
selben liebevollen Sorgfalt gepflegtes Besitztum handeln 
müsse. Die mächtigen Stäinine der breitwipfttgen Bäume 
sprachen dafür, unter deren Laubdach er auf sauber ge 
haltenen Kieswegen dahinschritt, und nicht minder die mehr 
als mannshohen, sorgfältig beschnittenen Taxusheckcn, von 
denen die Hauplwege eingefaßt waren. 
Der Ausblick auf das Schloß, dem er klopfenden 
Herzens zustrebte, wurde ihm durch diese Hecken fast bis 
zu dem Augenblick versperrt, da cs uninittelbar vor ihm 
lag. Es bildete die Bekrönung des Hügels, an dessen 
Hängen sich in sanfter Steigung der Park hinaufzog, und 
init seinen zierlichen Bnufornie!,. seinem schlanken Türmchen 
glich es inchr der sommerlichen Luxusvilla irgendeiner 
Fiiiaiizgröße als einem alten feudalen .Herrensitz. 
„Sit Mehlzahl der Fenster im unteren Stockwerk war 
erleuchtet, aber die zugezogenen Vorhänge würden den 
Einblick in das Innere auch dann verwehrt haben, wenn 
ein neugieriger Späher sich bis hart an das Haus heran- 
gewaot hätte. Und so weit mochte Hollfelden, eingedenk 
des Versprechens, das er der Komtesse gegeben, seine Ver 
wegenheit doch nicht treiben. Er war iin bergenden Dunkel 
des dichten Buschwerks stehen geblieben und blickte von da 
unverwandt nach dem weiß schimmernden Gebäude hin- 
über,^ dessen Mauern für ihn das ktstberstr aller irdischen 
Besitztümer umschlossen. Sein Herz erzitterte in unerinetz- 
UchttkeSehne«, und vielleicht-batte er nie zuvor so über- 
wichtig«! Teil ihrer 8ew«lt wieder abzunehmen und der 
direkten ÄotiZabstimm,mg zu unterbreiten. Man nennt 
biet ’ JW* f evcn bum, und spricht dann nur noch 
von einem p s e n d o - repräsentativen System. Der Erfolg . 
dieser Einrichtung ist ein äußerst konservativer gewesen. 
In der Schweiz spricht man vvn einem geradezu sport 
mäßigen Ablehnen der Gesetzesvortagen durch dtzS Volk. 
Selbst durch starke Agitation hat man die Bürger nicht 
von der Notwendigkeit gewisser Fortschritte überzeugen 
können, so daß dieselben häufig erst -zehn, ja zwanzig 
Jahre später dann doch eingeführt werden konnten. Es 
ist daher wünschenswert, dieses Referendum zu beschränken 
aus Verfassungsänderungen und vielleicht noch auf An 
nahme von Staatsanleihen, als Gegengewicht gegen die 
Gefahr der Verschwendung, welche die Gegner der Temo- 
kraric bekanntlich als Hauptvorwurf nachsagen. Wvniger 
gefährlich, aber auch wenig fruchtbar ist dagegen die vom 
Volke ausgehende Initiative zu neuen Gesetzentwürfen. 
Der wichtigste Spczicrlfall der repräsentativen Demo 
kratie in weiterem Sinne ist nun das parlamen 
tarische System, das am reinsten in Frankreich be 
steht. Hier gehen die Minister und der Staatspräsident 
ans indirekten Wahlen hervor oder durch Verständigung 
innerhalb der Parteien des Parlaments. Durch diesen 
llcbergrisf der Gesetzgebung ans das Gebiet der Verwaltung 
ivcrdcn natürlich die Konslittsmögtichteiten zwischen diesen 
beiden Instanzen verringert. Aber auch die Rechtsgarcm- 
tien. Man kann sagen, daß dies einer aus dem Tem 
perament einer Resolution entstandenen Verfassung am 
meisten entspricht, wenn sich auch diese Formen erst all 
mählich tm Verfolge derselben herausgearbeitet haben. Man 
hat auch behauptet, die Väter der französischen Verfassung 
hätten dieselbe unter dem Drucke der Revolution so ein 
gerichtet, daß sich die Republik möglichst leicht wieder in 
eine Monarchie zurückoerwandeln lasse. Auch hier be 
steht eine ziemliche Unzufriedenheit mit dem Parlamente, 
aber mehr wegen der Zcitverschwendnng desselben _ in 
Reden und Interpellationen, wie wir ja aosch in Deutsch 
land häufig den Spottnamen „Schwatzbnde" vernommen 
haben. Zufriedenheit stznden wir eigentlich nur in Eng 
land. Man taun darüber streiten, ob dies an den Hem 
mungen und der Kontrolle des Systems durch die Monarchie 
liegt, oder ob das aristokratische Voltscinpsinden des Eng 
länders, seine im Grunde so ungemein konservative VcR 
anlagung, jedermann davon abgehalten hat, es vis zu 
Auswüchsen der Demokratie zu treiben. 
(Fortsetzung folgt.- 
Bekanntmachung. 
Die Lander-versicherungsanstalt Brandenburg in Berlin weist 
darauf hin, daß sie ein Genesungsheim sür erholungsbedürftige 
Männer in Hohenelle bei Rheinsberg unterhält. Versicherte, die 
der Invalidenversicherung^Pflicht unterliegen, können diesbezüg 
liche begründete Anträge unter Beifügung eines ärztlichen 
Attestes und der letzten Quittungskarte bei dein zuständigen 
A'.ntsvorstcher stellen. Berlin, den 19. April 1920. Ter Vor 
sitzende d>eS Versicherungsamtes des Kreises Teltow, v. Achen- 
bach. Berlin-Friedenau, den 27. April 1920. Der Gemeinde 
vorsteher. Walger. 
Bekanntmachung 
zu der Verordnung über dir Verwendung des Mehrerlöses an§ 
den Häuten von Schlachtvieh und Schlachtpferden vom 26. Nv- 
vember^1919 (RGBl. S. 1903). Auf Grund des §’ 2 der Ver 
filmung über die Verwendung des Mehrerlöses ans den Häuten 
von Schlachtvieh und Scklachtpserdcn vom 2.6. Nov. 1911) 
(RGBl. S. 1903) werde» für die Zeit vom 19. April bis 16. Mai 
1920 einschließlich folgende Sätze als Gcsamthäutezuschlag für 
dcn Zentner Lebendgewicht festgesetzt: sür Rinder, ausgenommen 
Kälber, 142 M., sür Kälber 284 M., für Schafe mit vollwolligen, 
halblangen und kurzwolligen Fellen 233 M.» sür Schafe init 
Blößen 201 M., sür Pferde, einschließlich Fohlen, Esel, Maul 
tiere und Maulesel, 92 M. Die ^ hg'de? .Häutezuschlags betragen 
hiernach sür den Zentner Lebendgewicht: sür Rinder, ausge 
nommen Kälber, 85,20 M., für Kälber 170,40 M., für Schafe 
mit vollwolligen, halblangen und kurzwolligen Fellen 139,80 
Mark, für Schafe mA^glößcn 120,60 M-, für Pferde, einschl. 
Fohlen, Esel, Maultiere und Maulesel, 55,20 M. Berlin, 
den 14. April 1920. Reichsflcischstelle, Berwaltungsabreilnng. 
Veröffentlicht: Da gemäß der Bekanntmachung von: 9. Dezbr. 
1919 — Krei-sblatt 9tr. 293 — der Koinmunalverband auf den 
cbm zustehenden Anteil verzichtet bat, ist der Geiamthniiteznschtag- 
an den Tierhalter zu zahlen. Berlin, den 17. April 1920. Der 
Vorsitzende h eS Kreisausschusses des Kreises Teltow, v. Achen 
bach. K. L. F. II». 523. Veröffentlicht: Berlin-Friedenau, 
den 
BT3 
23. April 1920. 
Gemeindevorsiand. 
rar: 
V. 
Friedet. 
ntftrtitfg, wie in k>w,en Minuten aussichc-lo'cn.Harn.'us unC 
Hosteus d:e Gewulr der Lciücnfchast empfunden, die von 
seiner Seele Besitz ergriffen halte. 
. Mußte er sich doch sagen, daß cs fast einem Wunde, 
gleis?! kommen wurde, wenn er nvch au diesem ersten 
Abend Gelegenheit fände, Margot zu sprechen oder ibrei 
auch nur von ferne ansichtig zu werden. Die zehnte 
Stunks war vorüber, und von den Bewohnern des 
Schlostes^dachte sicherlich nicinand daran, sich noch uni 
diese Zeit in den Park hinaus zubeqcbeu. wie weich und 
warm auch die dustgcfchwängerte Lu't unter Len tauw 
von ciucm leisen Windhauch bewegte» Bäumen sein mochte 
Es war ein aussichtsloses Warten, gewiß. Und doch 
konnte Heinz sich nicht zur Umkehr eutschlicßen. Es wo, 
sei« Bmititz.- hier auszuharren, bis auch der letzte Licht. 
schimkTwr hinter den Fenstern erloschen fein würde und 
bis er damit die Ueberzeugung gewonnen hatle, daß die 
Geliebte stch zur Rnhe begeben. Ob er bis zu diesem 
Augenblick Viertels!-.!,iden oder Stundeii lang hier stehen 
müsse, ihm war cs gleich. 
Wann, seit de»? Anoecinn der Welt, hätte denn auch 
je ein Act lichter ans der Wacht v»r den Fenstern feinet 
Angebeteten Müdigkeit oder Langweile empfunden. 
Ein paarmal schon war cs Heinz vorgekommen, al-'- 
ob sich hinter der gleichfalls verhängten hohen Glastür, die 
aus dem Erdgeschoß der Billa auf die seinem Beob 
achtung-posten zngekxhrte, breite Terrasse hinausführte 
schattenhafte menschliche Gestalten beioecsten. Aber die 
Entfernung war zu groß, als daß er nur.'ihren verjchwim- 
tuenden Umrissen hätte darauf schließe:, löniiei!, ob cs die 
Schatten männlicher oder werblicher Personen, seien 
Nun abeb-7^ er fühlte sür die Dauer einiger Sekunden 
~ mm ouncn> cur sie 
Terrasse hlnau-frtl. «Hchieneu Seite an Seile zwei weiblich- 
Gestatten,' 'bie-llnigsan: der rü'armorncn Brüstung zuschritten 
Sctadp"der Stelle hin. wo er unken "jenseits der 
dutcehauchenden Blutnenrabatlen tm bergenden Schostsu 
stüstdtz (Fortsetziliig folgt.)
        
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