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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zu 9hf* * SS des „Friedeuauer Lokal-Anzeiger" 
Freitag, den 30. April 193V. 
OrtsnaedriedtM 
Akachdr. unsrer o-Kriginalartitel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Frtedenauer Bank, e. G. in. b. H., Hielt die 
ordentliche Generalversammlung am 26. April ad. Der 
jDorsitzende des Ausschusses, Herr Hans Berger, leitete 
die Versammlung. Er begrüßte die Erschienenen, bedauerte 
aber den schwachen Besuch. Darnach erläuterte er den Ge 
schäftsbericht, der gedruckt vorlag. Der Kundenkreis habe 
sich 5 «deutend vergrößert, so daß Ende April 203 Mit 
glieder mit 297000 M. Geschäftsguthaben und der gleichen 
Haftsumme vorhanden sind. Er erwähnte, daß sich die 
Bank dem Genossenschaftsverband« angeschlossen habe und 
gedachte dann b-eS verstorbenen Herrn Oscar Haustein, 
der von der Gründung der Bank an bis zum vorigen 
Jahre dem Aufsichtsrat angehörte. Mit einer Umänderung 
der Satzungen war die Versammlung einverstanden. Man 
kam dann zur Beratung der Bilanz, die, mit 2 683 707 
Mark abschließend, angenommen wurde mit Entlastungs- 
erteilung an den Vorstand und Anfsichtsrat. Der vorge 
schlagenen Gewinnverteilung wird zugestimmt. Darnach 
wird von einem Gewinn von 29 64s) M. eine Dividende 
von 5 v. H. (4 740 M.) auf 94000 M. verteilt. Der 
Aufsichtsrat erhält als Entschädigung 2100 M., der Vor 
stand als .Vergütung 4170 M. Auf Kontokorrentkonto 
lvcrden 17 982,78 M. und auf Mobilar-Konto 647,22 M. 
abgeschrieben. Der Erhöhung der Kreditgrenze auf 
200000 M. wird zugestimmt, ebenso der Erhöhung des 
Eintrittsgeldes auf 25 M. Der Bericht des VerbandS- 
revisors, der bekannt gegeben wurde, war außerordentlich 
anerkennend und lobend für die Geschäftsführung der Bank. 
In die Einschätznngskommisfion für die Kredite des Auf 
sichtsrats wurden die Herren Gcricke und Wetenkamp ge 
wählt. Es folgte dann die Wiederwahl der Herren Leo 
.Schultz und Julius Fleischmann in den Aufsichtsrat. Der 
Vorsitzende machte noch am Schluß der Dersarnmlung all 
gemeine Ausführungen über die Genossenschaften, be 
tonte, daß nur durch sie das Wirtschaftsleben sich besser« 
und gedeihen könne und forderte die Anwesenden aus, 
für möglichste Verbreitung deS Genossenfchaftsgedankens 
zu sorgen. 
o Frirdeinauer Erfinder. (Patentschau, zusammengestellt 
vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurter Straße 59). Ernst Wieland, Odenwaldstr. 8. 
Nadkranzbefestigung. Angem. Pat. — Dr. Plönnis L Co., 
Verfahren zur Herstellung von feuersicherer und isolierend 
wirkender Pappe durch Behandlung derselben mit Aetzalka- 
licn und Wasserglas. Angem. Pat. — Richard Kullnick, 
Taunusstr. 31. Türklinke für klinkenlo.se Schnappschlösser. 
Angem. Patent. — Otto Drechsler, Kaiserallee 115. Sicher- 
heitskaternenhalter. Ert. Patent. — Kreiselbau G. m. b. H. 
Vorrichtung, die dazu dient, mit Hilfe eines Kreisels «ine 
Visicrlinie in einer bestimmten Neigung zu einer Ebene zu 
erhalten, ohne daß durch Handhabung des Trägers der 
Visierlinie des Kreises gestört wird. Ert. Pat. — Bertalan 
Duschnitz, Düsingstr. 13. Anordnung phosphorzierender 
Substanzen an transportablen Lampen. Gebrauchsm. -- 
Fritz Walschnndt, Südwestkorso 12. Spaten zum Auöheben 
enger Erdlöäjer. Gebrauchsm. — Eddy -Cassalett«, Bache- 
straße 1. Führersitzfenster für Motorfahrzeugkarossien. 
Gebrauchsmuster. — Gertrud Batike, Kaiserallee 64—66. 
Oeffner für Einkochgläser und Gefäße. Gebrauchsmuster. 
— Robert Kirschkat, Kaiserallee 92. Federnde Absatzkapsel. 
, Gebrauchsmuster. — Robert Kirschkat, Kaiseralleo 93. Fe 
dernder Absatz. Gebrauchsmuster. — Heinrich Buß, Hand- 
jerystr. 76. Schmiedeeiserner Radiator. Gebrauchsmuster. 
— Hcinr. H. Hütten, Lefevrestraße 26. Gestampfte nagel 
bare Platte mit Aussatzsieg, kreuzförmigem Verbandstück 
und Eisenberbindung zur Herstellung von Isolierwändev. 
Gebrauchsmuster. — F. v. Perrbandt, Motdornstr. 1. An 
spiel. Gebrauchsmuster. 
Mb diese Rubrik übarnehvrcn wir kein« 
Zur HöchstnUelenperordnnaz 
nahm der hiesige HauS« und Grundbesitzerverein kürzlich Wtellmrg 
in einer Versammlung, über deren Verlauf der „Fti^xnauar 
Nie Bliese der ?rirrrerris. 
Non E. Ph. Oppenheim. 
45 (NechdrmI verboten.; 
„Ich bin vor Jahre» einmal auf einer Fußwanderung 
Hier durchgekommen," sagte er in Erwiderung auf Holl 
feldens Frage. „Und dir Lieblichkeit des Ortes ist mir un 
auslöschlich im Gedächtnis haften geblieben. Da reizte es 
mich, wieder einmal hierher zurückzukehren." Wie aber 
sind Sie hierhergekommen?" 
„Rein-zufällig," erwiderte Heinz in leichter Verlegen» 
heit. „Ich hatte die Absicht, ein paar Sommerwochen in 
Murnau zu verleben. Von dort aus kam ich auf einem 
Streifzug hierher, und es gefiel mir so außerordentlich, 
daß ich mir sogleich im Gasthaus hier ein Zimmer nahm 
und niein Gepäck von Murnau herüberkommen ließ. Es 
mag Orte im bayerischen Gebirge geben, die Duchberg an 
großartiger Schönheit übertreffen: aber einen lieblicheren 
Erdenfleck habe ich kaum kennen gelernt." 
Sie sahen beide schweigend in die sonnenhelle Land- 
schaft hinaus. Vor ihnen erstreckten sich bis zu den Ab 
dangen der tannenbewaldeten Dorberge lichtgrüne Wiesen, 
auf denen ungezählte Frühsommerblumen aller Art und 
aller Farben standen. Hier und da aufblitzend, dann wieder 
auf weite Strecken unsichtbar zog sich ein Flüßchen durch 
das Tal, dessen gedämpftes, gleichmäßiges Rauschen eine 
so köstlich beruhigende Musik war, wie das Branden des 
Meeres. Fernher grüßten die schroffen Spitzen des Kar» 
wendel-Gebirges herüber, heute von keinem neidischen 
Wolkenschleier verhüllt, und über ihnen wölbte sich in un« 
endlicher Klarheit der tiefblaue Sommerhimm^. 
Heinz wandte den Blick. Da lag das Dörfchen, von 
dem einzig die hochgiebeligen roten Dächer über den 
Wipfeln der Obstbäume sichtbar waren, in einiger Ent» 
fernung aber erhob sich auf einer mäßigen Anhöhe ei» 
villsnartiges Gebäude, dssian Mauer» weiß durch da» Grün 
der Parkanlagen schirmn »«tan, die es u»§abao, das Schloß 
Buchbarg. 
„Ich möchte «ision. wer d»« lebt," sagte Heinz und 
machte seinen Gefährten ebenfalls auf dar-Gebäude auf- 
Wohlfahrtseiurichtungen der Gemeinde 
Berlin-Friedenau. 
Feaerwache: Rathaus, Lauterstr. 19. Hinweise auf den nächsten 
Feuermelder befinden sich an den Anschlagsäulen. 
Groß-Berliner Nettun gs- und Krankentransportwesen: Rettungs 
wache 44, Zsoldestraße 2. Tag und Nacht ^geöffnet. Fern 
ruf Norden RettungSamt. 
Fürsorgestell« für Tuberkulose und Alkoholkranke: Kaiserallee 
Nr. 64-62, Sprechzeit Dienötag und Mittwoch 12—1 Uhr. 
Beratungsstellen für Geschlechtskranke: Schöneberg, Belziger 
Straße 13. Sprechzeit für Männer Donnerstag 7—8 Uhr 
abends; Sprechzeit für Frauen Dienötag 7—8 Uhr abends. 
Charlottenburg, Kirchstraße 20. Sprechzeit täglich von 12 
bis 1 Uhr, außerdem Montag und Donnerstag von 8—9 
Uhr abends. Berlin, Am Köllnischen Part 3 in der LandeS- 
versichcrungSanstalt. Sprechzeit für Männer Dienötag, 
Donnerstag, Sonnabend 7—9 Uhr abends; Sprechzeit für 
Frauen Mittwoch 7—9 Uhr abendö. 
Säuglings» und Kleinkinderfürsorge und Mutterschutz: Rathaus, 
Lauterstraße 20, Erdgeschoß. Sprechzeit Donnerstag 9>/, 
bis 1 li/a Uhr. 
Kindergarten: Für, noch nicht schulpflichtige Kinder 2. Gemeinde- 
scbule, Rheingaustraße 7. Geöffnet wochentags von 8 bis 
1 Uhr. 
Kinderhort: Für schulpflichtige Kinder 2. Gemeindeschule, Rhein 
gaustraße 7. Geöffnet wochentags von 2—6 Uhr nachm. 
Berufsberatung und LehrfteNrnverurittlung: Rathaus, 2. Stock, 
Zimmer 68. 
Arbeitsnachweis und Erwerbslosenfürsorge: Niedstraße 40-41. 
Männliche Abteilung Sprechzeit 9—1 Uhr; weibliche Ab 
teilung Sprechzeit 9—1 Uhr und, außer Sonnabends, 4 bis 
7 Uhr. 
Amtliche FürsorgestcUe für Kriegsbeschädigte und KriegShioter» 
bliedeue in der Bürobaracke am Maybachplatz, Eingang 
Lauterftraße. 
Kriegsgefangenenheimkehr: Rathaus, 1. Stock, Zimmer 36—27, 
Flüchtlingsfürforgestelle: Rathaus, 1. Stock, Zimmer 36—37. 
Volksküche: Goßlerstraße 15. Speisenausgabe von 111% bis 
4V» Uhr täglich. 
Rechtsauskunftsstelle: Rathaus, 2. Stock, Zimmer 45.- Diens 
tag und Freitag von 6—8 Uhr. 
Lokal-Anzeiger" in seiner Nummer 91 vom 25. April cr. be 
richtete. Nach diesem Bericht hatte den Vortrag zum Thema 
Herr Hausbesitzer Schramm übernommen. Herr Schramm soll 
zunächst über die Höchstmietenverordnung die Entrüstung der Haus 
besitzer ausgedrückt haben. DaS war fein gutes Recht, das 
jedem zusteht, der sich in irgendeiner Weise benachteiligt glaubt. 
Auf die Form, in der «ö geschah, braucht »man nicht weiter anzu 
gehen: auch nicht auf die Aeußerungen, die den Wohlfahrtsminister 
Herrn Stegerwald betreffen, der seinen Titel wohl kaum zu 
Recht führen würde, wenn er die entsprechende Verordnung 
n u r im Sinne und nach den Wünschen der Hausbesitzer er 
lassen hätte. 
Beschäftigen muß man sich aber mit den Fingerzeigen, die 
Herr Schramm — immer nach dem Bericht des „Fried. Lokal- 
Anz." — den Hausbesitzern gegeben hatte nach der Richtung, 
wie sie sich bei Durchführung der Verordnung zu verhalten hätten 
und weiter mit seiner Besprechung der Punkte: Grund mir 
und Reparaturzuschläge. Bezüglich der Grundmiete 
sagte Herr Schramm, stehe er auf dem Standpunkte: „daß diese 
1914 «llgemeill zu niedrig war und daß die Hausbesitzer diesen 
Giuwaud überall erheben und eventuell Sachverständigenfest- 
fetzwig verlangen mühten". Daß in Hauöbesitzerkreisen dieser 
Standpunkt Vertreter: wird, ist lang« kein Geheimnis mehr. 
Einstweilen iß er aber nichlö weiter, als eine allgemeine, nicht 
nur durch nichts bewiesene, sondern durch die von der hiesigen 
Mictororganisation an Hand von mehr als 709 Mietsverträgen 
vom Jahre 1914 aus allen OrtStellen Friedenaus aufgestellte 
«tattstik widerlegt« Behauptung. Ob eS der HauSbefitzer- 
Organifatio» gelingen wird, durch ein« ihrerseits eingeleitete 
gleichartig« Statistik de» für ihre Behauptung noch! fehlenden 
Beweis zu erbringen, bleibt abzuwarten, ist aber, wenn nicht 
Zeichen und Wunder geschehen, kaum anzunehmen. Wenn man 
Übrigens der von.Herrn Schramm bei dieser Gelegenheit be 
mängelten Flauheit der Hausbesitzer inbezug auf die Einreichung 
der zur Statistik eingeforderten Stempelverzeichnisse (die im 
Gegensatz zu den Mietsverträgen kein richtiges BUd über die 
MietSpreis« verfchaffen können) einige Bedeutung beilegen -soll, 
so scheint «S, daß selbst in Hausbesitzerkreisen nicht wenig Zweifler 
an der yon Herrn Schramm aufgestellten Behauptung vorhanden 
sind. Die Mieter werden sich jedenfalls durch solche Behaup 
tungen des Herrn Schramm kaum verblüffen lassen. 
Bezüglich der hestehenden Mietsverträge empfahl Herr 
Schramm: „in allen Fällen, wo der Mieter rückgängig Abzüge 
macheo wolle, glattweg die Klage gegen den betr. Mieter, evtl, 
auf Räumung, zu stellen wegen rückständiger Miete. Kürzt ein 
rnerksami „Ich werd« mich später bei dem Wirt erkun 
digen." 
„Ich kann Ihnen Auskunft darüber geben, erwiderte 
der Fremde und rückte seinen Stuhl, so daß er das Antlitz 
gerade dem Schloß zuwandte. „Buchberg gehört der Kom- 
teffe von Waldendorff." 
„Ah!" sagte Heinz mit gut gespielter Gleichgültigkeit. 
„Vermutlich ist auch Gutsbesitz dabei?" 
„Gewiß, Duchberg ist Fideikommiß, und, wenn ich 
recht unterrichtet bin, eines der ertragreichsten Güter in 
der Umgebung." 
„Sie scheinen mit der Umgebung wohl vertraut. Aber 
ich irre wohl nicht, wenn ich Sie für einen näheren Lands 
mann von mir, einen Norddeutschen halte?" 
„Nein," erwiderte der Fremde widerstrebend. „Ich bin 
Norddeutscher, aber ich habe sehr wenig dort gelebt." 
„Da wir vermutlich längere Zeit hier zusammen leben 
werden, gestatten Sie wohl, daß ich mich vorstelle," sagte 
Heinz. „Mein Name ist Hollfelden." 
* „Herbert!" gab derFremde mit einer leichtenDerbeugung 
zurück. „Aber habe ich vielleicht die Ehre mit dem bekannten 
Schriftsteller " 
Heinz lachte ein wenig geschmeichelt. 
„Ich glaube in der Tat, daß ich der einzige Schrifffteller 
meines Namens bin," erwiderte ex.’ „Aber ich ahnte nicht, 
daß mein Ruf schon über die Grenzen Berlins hinausge 
drungen ist." , 
„Ich las erst vor wenigen Tagen eine Ihrer Novellen 
in einem „Münchener Vlatt," sagte Herbert. „Und ich 
gestehe, daß sie mich außerardentlich interessiert hat. Ich 
weiß nicht, ob es Ihre jüngste Arbeit war, „Dunkle Mächte" 
lautete, glaube ich, der Titel —" 
Es war in der Tat seine jüngste Arbeit, eine Arbeit, 
die er erst nach der Mordnacht fertiggestellt hatte. Aber 
er hatte keine Ahnung davon gehabt, daß sie bereits abge 
druckt worden war, der Verleger mußte mit der Ver 
öffentlichung begonnen haben, unmittelbar nachdem er das 
Manuskript in die Hand bekam. Lieb war es Heinz nicht. 
Me W«r «io eine Beicht« seiner erfühle und 
in rw> nach her Mordnacht geworden, und 
Hützkt sie dnchal» aüskchtlich s» einem Münchener Glatt 
erscheinen lassen wollen, damit sie(.leiten BDliner De- 
Mieter, am 1. Mai die Miete, so nehme «man -sie unter Vor 
behalt an .und erkläre dem Mieter, dazu sei er nicht berechtigt, 
das sei ungesetzlich. An bestehenden Verträgen dürfe nichts gt- 
ändert werden." Dem muß ganz energisch widersprochen 
werden. Nicht der Mieter handelt ungesetzlich, wenn « 
von dem ihm durch die erlassene Verordnung gegebenen Recht 
einwandfrei Gebrauch macht, sondern der Vermiete» 
tut es, wenn er nach den Empfehlungen des -Herrn Schramm 
handeln wollte und eS zeugt treffend für den in der Hausbefitze»- 
Organisation herrschenden Geist, wenn eines ihrer bekanntest»:: 
Mitglieder die Haiwbefitzer so offen zu ungesetzlichen Maßnahmen 
Abstuft. Im übrigen stellt aber Herr Schramm durch diesen 
Vorschlag nur fest, daß der Hausbesitz die Verordnungen, dk, 
rm Laufe der letzten Jahre inbezug auf die Mietsangelecfenbeirrur 
erlassen sind, ganz so behandelt, wie sie ihm passen. Ober hat 
vielleicht schon jemand gehört, daß der Hausbesitz dir Verord 
nung zum Schutze der Vermieter vom 22. 6. 1919 für nngftetz- 
lich erklärt hätte? Selbstverständlich nicht, denn diese Verord 
nung gewährleistete dem Hausbesitzer „in Abänderung rekv. S». 
gänzung bestehender Verträge" — soweit sie vor dem -22. 0. 13 
geschlossen waren — einen entsprechenden Anteil des Mieters 
an den erhöhten Kosten des Heizmaterials in Häusern mit 
Zentralheizung und Warmwasserversorgung oder einem von 
beiden! Hier warm also die Hausbesitzer mit Aenderung der 
bcstchmden Verträge sehr einverstanden! Ja, Bauer, wenn zwei 
das gleiche tun, dann ist es doch nicht dasselbe. Weiter unge 
setzlich, d. h. dem § 10 der Verordnung des Wohlfahrtsministerr 
vom 9 .Dezember 1919 direkt zuwiderlaufend ist, was Her, 
Schramm in dieser Beziehung dm Hausbesitzern empfahl/ 
Nicht xbeliebige Reparaturen am oder im Hause — keines 
falls Reparaturen resp. Instandsetzungen einer Wohnung in 
irgmd einem Hause — geben dem Vermieter das Recht zu, 
Fordemng von Zuschlägen zur Miete gegenüber der Mieterschaft 
des betr. Hauses, sondern nur, wenn er nachweisen kann: „l. 
daß er ohne Zuschlag bei der Verwaltung des fraglichen Grund 
stücks unverschuldete Zubußen zu leisten hadm würde und außer- 
dem 2. die Zubußen bei der Verwaltung nur entweder durch 
notwendige, im letzten Jahre ausgeführte oder in bevorstehendem 
Jahre auszuführende bauliche JnstandsetzungSarbeitrn oder durch 
Erhöhung der vom Gmndftücke zu entrichtenden öffentlich recht 
lichen Abgabm (zu dmen, wie hier festgestellt sei. z. B. di, 
Soften der Müllabfuhr nicht gehören) vemrfacht sind", kaun »r 
beim Mietö-Einrgungsamt Antrag auf Gewährung eines Mi«t«» 
zuschlageS stellen. 
ES würde zu weit führen, an dieser Stelle noch näher auf 
die Ausführungen des Herrn Schramm einzugehm. Aber auch 
das Vorstehmde zeigt schon, wo die Ursachen für die Gcgensä»» 
zwischm Vermietern und Mietern zu suchm sind und wenn eS 
überhaupt noch eines Beweises hierfür bedurft hätte, ist er durch 
die beleuchteten Ausführungm des Herrn Schramm« wohl erbracht. 
Für alle Mieter ergibt sich aus diesen Darlegungen, daß 
sie dm Bcrsuchm von Hausbesitzern, sich durch Einschüchterung 
der Mieter den Verordnungen zuwiderlaufende Hortcile zu ver- 
schaffm, dm hartnäckigsten Widerstand entgegensetzen und cs in 
jedem Falle auf Entscheidungen des Mietseinigungsamtes cder 
des ordentlichen Gerichts ankommen lassen müssen, weil ein» 
gegenseitige gütliche Einigung nach solchen Fingerzeigen, wie 
wir sie von Herrn Schramm im Haus- und Grundbesitzer-Bereit 
kennen lernten, ausgeschlossen erscheint. Die Mieter müssen sich 
aber auch vielmehr als bisher bewußt werden, daß dem 
geschlossen organisierten Hausbesitz auch nur eine geschlossen» 
Mieterorganisation wirksam begegnen kann. Es ist 
daher Pflicht jedes zur Zeit noch abseits stehende» Mieter», 
im eigenm Interesse unserer hiesigm Mieterorganisation (2»p- 
sitzmdcr: Herr Götze, Dachest«. 4) beizutreten. 
Bulla, Mieterbeisitzer i. 9?. 15, 
Nieder nrit den Blutsaugern! 
Diü hadm Sie recht gesprochen; aber wer ist dorjenigoS 
Das ist unsere Zwangswirtschaft! Ehe bi, nicht »usg». 
hobm wird, haben tvir nichts besseres zu erwarten. Venn wch 
haben auf dem Lande alles genügend da: Brot, Fleisch, Butter». 
„Nun, aber wamm liefert der Bauer nichts,ab?'' werden Sie 
mir sagen. Well er das Verträum an den Kommnnalverband 
verloren hat, und weil dieser an die Landwirte viel zu billig« 
Preise zahlt. Zum Beispiel Kartoffeln liefert der Bauer ft« 
Abladestelle den Zentner für 15 Mark. Wo bleibt da d« 
Wucher? Ebenso konnte ich Ihnen airf Fleisch, Butter und and<A 
Sachen antworten * t Einer fii» thU 
Kchrtoff^lversorgirüg. 
Zur mangelhaften Kartoffelversorgung im hiesigm Ort möchr» 
ich aus Trftrtow — ebenfalls zum Kreise Teltow gehörig — deo- 
weisen: Die dortigm Einwohner erhalten pro Kopf und Woche 
5 Pfund Kartoffeln und in dieser Woche 5 Pfund extra. Auhrr- 
dem bekommt jeder Einwohner in dieser Woche 400 Gramm Brok 
— 1 
kannten und denen, die näheres über den Mord wußten, 
nicht in die Hände kam. Wie leicht war es nun «der 
möglich, daß auch Margot sie gelesen hatte! 
„Allerdings, meine jüngste Arbeit," erwiderte er nach 
einer Pause, die den anderen ein wenig zu befremden 
schien. Aber er lenkte ihn sogleich von dem Gesprächsthema 
ab, indem er ihn auf einige besonders schöne Punkte in 
der Landschaft aufmerksam machte. 
Sie saßen dann eine gute Weile schweigend neben»!»-, 
ander. Die Sonne näherte sich schon dem Horizont und 
nahm immer mehr eine goldrote Färbung an. Die Fenster 
des Schlößchens blitzten auf, getroffen von den letzt:» 
Strahlen der Scheidenden, und es machte sich ein leichter 
Abendwind auf, der angenehme Kühlung brachte und dis 
Blätter der Bäume leise rauschen ließ. Ein Starenpärchru. 
das in einem Nistkästchen hoch oben am Stamm einer 
knorrigen, alten Buche seine Heimstatt hatte, begab sich 
unter vielem Geschwätz zur Ruhe, und in flammender 
Majestät versank der Sonnenball hinter den Dergkupperi. 
Heinz ließ den Blick sinnend auf dem Antlitz seines Ge 
fährten ruhen. Dieses kühne, scharf geschnittene Gesicht 
trug jetzt einen weichen, verträumten Ausdruck, wie ge 
bannt hing der Blick des Fremden an dem Schlößchen, 
hinter besten Fenstern es jetzt hell wurde. Er hatte das 
Aussehen eines Menschen, dessen Geist von ganz andercii 
Bildern erfüllt ist, als denen der Wirklichkeit. Mit welchen 
Gestalten mochte er die Rasenflächen des Parkes belebe», 
deren helleres Grün sich in der Dämmerung deutlich von 
dem dunklen Laub der Bäume abhob? War es wirklich 
nur die sanfte Lieblichkeit der Landschaft gewesen, die ihir 
hergezogen hatte. 
Der Wirt, der herbeikam, sich nach ihren Wünschen für 
das Abendeffen zu erkundigen, weckte sie aus ihrem Sinnen. 
Gemeinsam nahmen sie das ziemlich bescheidene Mahl ein; 
aber als sie es beendet hatten, erhob sich Heinz. 
„Ich habe Lust, noch einen kleinen Spaziergang zu 
machen," sagte er, seine vom langen Sitzen steif gewordenen 
Glieder reckend. „Gute Nacht, Herr Herbert." 
„Gute Nacht," gab der andere höflich zurück und erhoff 
sich ebenfalls, um in das Haus ,u zahen. „ 
5.
        
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