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Periodical volume Nr. 96, 30.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

3.85 M . Mise 5 von 75,01 Lis> 105 M. 4,26 M-. Stufe 6 
von 165,01 bis 135 M. 4.55 M.. Stufe 7 von 135,01 bis 
165 M. 4,90 M.» Stufe« von 165,01 und mehr 5.25 M. 
Wochenbcitrag. Stützen: Stufe 3 Monatslohn bis 16,50 
Mark Wochenbcitrag 3,50 M., Stufe 4 von 16,51 bis 
46,50 M. 3,85 M-, Stufe 5 von 46,51 -bis 76,50 M- 
4,20 M., Stufe 6 von 76,60 bis 106^50 M. 4,55 M-z 
Stufe 7 von 106,51 bis 136,50 M. 4,90 M. Stufe 8 von 
136,51 und mehr 5,25 M. Wochenbeitrag. Dadurch er 
höhen sich auch die Jnvalidenbeiträge für alle Stufen 
mit Ausnahme der 1., in welcher keine Beiträge zu ver 
wenden sind, auf 50 Psg. Wenn man bedenkt, daß sich 
auch die Jnvalidenbeiträge vom 1. August 1920 ab in 
Lohnklasse 1 von 18 auf 90 Pfg., in Lohnllasse 2 von 26 
auf 100 Psg., in Lohnklasse 3 von 34 auf 110 Pfg., in 
Lohnklasse 4 von 42 auf 120 Pfg., in Lohnklasse 5 von 
50 auf 140 Pfg. erhöhen, so stellen die Versicherungs 
beiträge für Krankenkasse und und Invalidenversicherung 
eine ganz ungeheure Belastung der Hausangestellten dar, 
die letzten Endes doch von den Dienstherrschaften getragen 
werden muh, da in den niedrigen Lohnstufen kaum der 
gesamte Barlvhn hinreicht, um nur die Versicherungs 
beiträge und Steuern zu decken. Für die bei der hiesigen 
Ortskrankenkasse versicherten Dienstboten stellen sich kn' 
Beiträge noch um 1 Prozent höher, da dort 6 Prozent 
des Grundlohnes erhoben werden. 
o Tie Meldepflicht der Ausländer ist jetzt auch voni 
Regierungspräsidenten in' Potsdam durch eine bereits in 
Krast getretene Polizeiverordnung in derselben Weise wie 
in Berlin geregelt ivordcn. Jeder über 16 Jahre alte 
Ausländer hat sich binnen 48 Stunden nach der An 
kunst bei der Orispolizeibehördc dc-s Ankunftsortes zu 
melden. Dazu sind auch die Ausländer verpflichtet, die 
sich bisher ohne Anmeldung hier aufhalten. 
o Elternbcirat der 3. Gcmeindeschule. Am Montag, 
den 3. Mai, 7>/r Uhr abends, findet eine Sitzung in 
der Schule Offenbacherstr. statt. Vollzähliges Erscheinen 
aller Mitglieder wird erbeten. 
o Tic evangelische Kirchengemeinde niacht besonders 
darauf aufinerksam, daß der gewöhnliche Abendgottesdicnst 
am Sonntag, den 2. Mai, um 6 Uhr ausfällt. Statt 
dessen findet um 7 Uhr eine liturgische Festandacht als 
Dankgottesdienst für die Heimkehr unserer Kriegsge 
fangenen statt. Diese Feier wird Pfarrer Kleine 
halten. Das Gemeindehaus wird zum Dceabend erst nach 
Schluß des Gottesdienstes geöffnet. 
o Missioilsstnndc. Montag, den 3. Mai, abends 8 Uhr, 
hält Missionsdirektor D. Kausch im Gohner'schcn Mifssioiis- 
hausc, Handjerystrahe 19—20, die monatliche Missions 
stunde. » 
v Pcstoestellung des Friedcnauer Lokal-Anzeigers. ^In-- 
fcre Postbestcllcr erinnern wir an die Erneuerung der Be 
stellung, damit keine Unterbrechung in der Zustellung ein 
tritt. Diejenigen Bezieher unseres Blattes, die von un 
seren eigenen Boten fortgesetzt unpünktlich bedient werden, 
bitten wir gleichfalls, den „Friedcnauer Lokal-Anzeiger'" 
beim Postamt zu bestellen. Ter Bezugspreis durch die 
Post beträgt monatlich 150 M. und 30 Pfg. Bestellgeld, 
zusammen 1,80 M. 
o Tic Stimmzettel zur Reichstags wähl. Nach dem 
neuen Reichswahlgesetz ist cs nicht mehr notwendig, das; 
auf den Stimmzetteln die Namen der ganzen Liste ent 
halten sind, sondern cs genügt der erste Name einer jeden 
Liste, ja es soll die allgemeine Parteibczeichnung auf 
dem Stimmzettel genügen, vorausgesetzt natürlich, daß sie 
deutlich erkennbar ist. Weggefallen ist die bisherige Dor- 
schrijt, das; die Stimmzettel aus geglätteten! weihen Pa 
pier bestehen müssen. So ist cs möglich, bei den kom 
menden Wahlen Stimmzettel aus ZeitungLpapicr zu ver 
wenden und damit die Wnhlkosten nicht unwesentlich zu 
verbilligen. 
o Kein Stadt-, Ring- und Vorortverkehr am 1. Mai. 
Die'Eisenbahndirektion Berlin teilt mit: „Unter Berück 
sichtigung der durch die Lage gegebenen Verhältnisse hat 
sich die Eisenbahndirekiion Berlin entschlossen, den Stadt-, 
Ring- und Vorortverkehr am 1. Mai als undurchführbar 
völlig einzustellen." Dagegen soll der Fernverkehr wie 
an den Werktagen und der Güterverkehr nach Möglichkeit 
durchgeführt werden. 
o Di« neuen Fahrpreise auf der Stadt, Ring- und 
BcrortöaHn treten am 15. Juni in Kraft. Die neuen Stadl 
und Ringbahnpreise sind demnach für die drei Zonen 30, 
40 und 50 Pfg. in der dritten Wagenklasse und 50, 60 
bezw. 70 Pfg. in der Zweiten Wagenklasse. Alle übrigen 
Fahrpreise werden um die Hälfte des bisherigen Betrages 
erhöht. Die gleiche Erhöhung erfahren auch die Monats-, 
Schüler- und Wochenkarten. Bei diesen wird die Er 
höhung voraussichtlich erst am 1. Juli d. Js. in Kraft 
treten. 
o Auch die Musiklehrer erhöhen die Honorare. Laut 
Beschluß der Organisation der deutschen Musiklehrkräfte, 
veranlaßt durch die außerordentlich erhöhten Ausgaben, 
haben sich alle Mukiklehranstalten dahin geeinigt als Min 
desthonorar für die Elementarklassen die Monatsrate auf 
20 M. festzusetzen. Eine diesbezügl. Bekanntmachung ist 
in den Jnstitutsbüros, sowie Buch- und Muiikalienhand- 
limgen der wcstl. Bezirke zum Aushang gebracht worden. 
o Di« Preußische Lotterie-Einnahme, Rheinstr. 4. 
macht bekannt, daß bis Sonnabend, den 1. Mai, abends 
6 Uhr die^Einlösung der Lose zur 5. Klasse der 15. (24 l.) 
Preußisch-Süddeutschen Klaschnlotterie erfolgt sein muß, 
andernfalls der bisherige Spieler sein Anrecht verliert. 
o 12 000 Brotkarten gestohlenk Wie uns voll der 
Gemeindeverwaltung, Abteilung für Brorversorgung mit 
geteilt wird, sind 12 000 Brotkarten mit dem Siickiwort 
„Luft" und zwar Nr. 1—12 000 der Serie 'XXXII'(32) 
auf dem Transport von der Druckerei zur Gemeindever 
waltung Bln.-Lichterfeldc abhanden gekommen. Es wird 
vor der Annahme der bezeichneten Karten gewarnt, da 
deren Inhaber angehalten und festgenommen werden 
können. 
o. Post nach Ostpreußen. Nach Mitteilung der pol 
nischen Postvcrwaltung ist die feit dein 16. bestehende 
Sperre der polnischen Grenze für den deutschen Post-, 
Telegraphen- und Fernsprechverkehr sowohl mit Ost 
preußen und dem Freistaat Danzig als auch mit .Polen 
selbst für die Grenzstrecke von Bentschen his zur Ostsee 
wieder aufgehoben. Ter in Betracht kommende. 
Verkehr wird daher wieder in vollem Umfang ausge 
nommen. ; 
o Beide Beine abgefahren. Gestern mittag gegen 1 Uhr 
sprang ein 18jähriaer junger Mann von der Vorderplattforn, 
eines Wagens der Linie 6t ab, kam zu Fall lind geriet unter 
den Straßenbahnwagen. Etwa 30 Personen hoben den Wagen an, 
worauf man den Schwerverletzten, dem beide Beine abgefahren 
waren, hervorholte. In derselben Elektrischen wurde er — 
vollem Bewußtsein — von der Unfallstelle an der Ecke Stier-, 
und Hauptstraße, nach dem Schöneberger, Krankenhause 
gefahren. > 
o Wohnungsbraud. Heute inittag gegen Vr? Uhr brach in 
ckner Wohnung km zweiten Stockwerk des Hinterhauses Wies 
badener Straße 6 ein Feuer aus. Es brannten,Betten. Unser»,' 
Feuerwehr war bald zur Stelle, brauchte aber nicht in Tätigkeit 
zu treten, weil das Feuer schon von Hausbewohnern gelöscht: 
wär. Die Ursache ist noch nicht ermittelt. Wahrscheinlich liegt 
Kurzschluß vor. 
V ereln s-Oaebridncn 
X Deutsch» demokratische Partei, Ortsgruppe Friebinau. Heute 
Abend zwangloses Beisammensein in der „Kaiserburg". Ta» 
„Frühlingsfest" mit Tanz ist am DienStag, den 4. Mai im Casinc- 
saal des Albrechtshof Lteglitz. Beginn 6 ühr. 
), U.S.P. Friedenau. Karten zur Maifeier sind noch er 
halten bei S chneidratus, Maßmannstr. 7, II. Programm: Vor-' 
mittags 10 Uhr Versammlung im Bürgersaale des Rathauses. 
Nachmittags i/»3 Uhr: Zusammentreffen in Steglitz, Düppelplatz. 
Von dort Abmarsch zum Festlokal „Lindenpart" in Lichter- 
felde, Unter den Eichen. ' 
){ Deutschnattonalcr Jugendbund. Knaben-Turnabtcilnng 
am Sonnabend, den 1. Mai, um C Uhr, Turnen aus dein 
Spielplatz, Oficnbacher Str. Mädchenabteilung fällt auS. 
X Ehemalige „60" Weißenburg Elsaß. Der Verein „ehem. 
60 in Bilin" veranstaltet am Sonnabend, den 1. Mai im kleinen 
Gochzeitssaal de« Kriegervereinstzauses, Lhausseestr. 9t, eine-» 
Familienabend, zu dem alle „eheuialigen" herzlichst eingeladen 
werden. Beginn 0 Uhr. 
)( Verein heimaisircner Westpreußen. (Südliche Vororte). 
Die in Nr. 4 des „Westpreußen" zum 1. Mai b. IS., abends 8 Uhr 
im Rrsorinreal-Gymnasiuni zu Friedenau (H»mulhstr.) angekündigte 
musikalische Abendunterhaltung fällt aus. Weitere Mitteilung folgt. 
)(Diutfchnationaler Jugendbuud.ADie Mitglieder der Wander 
gruppe werden nochmal» auf den am Sonntag, den 2. Mai 1921 
stattfindenden Ausflug aufmerksam gemacht. Treffpunkt: 3 / t 8 Uhr, 
Bahnhof Zoolog. Garten. Fahrt bi» Rüdersdorf, Wanderung über 
Rüdersdorf Kalksee — Filmstadt — Woltersdorfer Schleus» 
nach Erkner. — Rückkehr: 7 Uhr. 
)( Deutsche Bolkepartci, OrtSvercin Verliu-Friedenau. Auf 
den am M»ntag, den 3. Mai, abends 7 Uhr im Reformrealgymnasiuw, 
Homuttzstr. stattfinde«»«» Theaterabend für jedermann sei nochmals 
hingewiesen. Tos Mark. Wandertheater (Wanderbühne der Ge 
sellschaft für Volksbildung in Berlin), das sich durch fein Gastspiel 
mit Hebbels „Gyges und sein Ring" den Friedcnauern vorstellen 
wird, ist ein gemeinnützige» Unternehmen, das ohne Geivinnab- 
sichtcn dem Volke wirkliche, ernste Kunst näher bringen will. 
X Die Deutsche Volkspartci, Ortsgruppe Berlin-Friedenau, 
veranstaltet am Montag, den 3. Mai, abends 7 Uhr, im Fest 
saal des Reformrealgynmasiums einen Theaterabend für jeder 
mann. Es ist dem Vorstand gelungen, das rühmlichst bekannte 
Märkische Wandertheater, das einen Zweig der Gesellschaft für 
Volksbildung (Sitz Berlin) darstellt, zu eineni Gastspiel für 
diesen Abend zu gewinnen. Friedrich Hebbels, eines der tiefst«'» 
Denker und Dichter Deutschlands wunderbar ergreifendes und 
in die Tiefe der Seele dringendes Trauerspiel „Gyges und sein 
Ring", das das Hohelied der Fraucnreinheir genannt zu werden 
verdient, wird in künstlerischer Darstellung vor den Hörern vor 
überziehen. Alles Nähere durch die Anschlagsäulen und die 
Geschäftsstelle der D. V. P., Handjcrystraße 78,' „Täng. Rund 
schau", Ivo auch der Kartenverkaus stattsindet. 
X Frauenbund des sozialdemokratischen Wahlverrins (2.P.D 1 
Montag, den 3. Mai, 7>/» Uhr, in der Luiscn-Schnle Gastier 
st raste, Klasse IO. Oberlehrerin Genossin Paulen spricht 
über: „Historischer Rcligivnsnnnterricht oder Moralunterricht V" 
Nur Genossen und Genossinnen haben Zutritt. Mitgliedsbuch 
mitbringen. 
X Die Deutsch: Bolkspartei veranstaltet am Dienstag, den 
4. Mai, 8 Uhr ab nds, im Bürgersaale des Rathauses einen 
Vortragsabend sü: alle Kreise der Beamtenschaft und deren 
Angehörige. Der als Verfasser zahlreicher Aussätze Über Be- 
aniten-c dtsüaaen und als Vorsitzender des Rechtsausschiisses des 
Deutschen Beamtenbundes bekannte Geheime Regicrungsrat -H»?rr 
«arl Hüfner tmro sprechen über: „Die staatsbürgerlichen Rechte 
der Rean'icn". Int Anschluß an den Vortrag wird, wenn es die 
Arbeit ii.. Plenum und im ResoldungSausschuß der Preußischen 
Landcsversammlung irgend zuläßt, der Abg. Herr Meyer- 
Herford das Wort nehmen. Meyer-Herford war im alten Reichs 
lag vieisach als Berichterstatter in Bcamten-Angelegenheiten tätig. 
Er steht auf der Reichsliste der Deutschen Volkspartei an her 
vorragender Stelle. 
X Die Ortsgruppe Berlin-Friedenau des Deutschen See- 
verrinS veranstaltet einen Vortrags- und Rezitalionsabend am 
Dienstag, den 4 .Mai, abends 8 Uhr, im Fcstsaale des Reforni- 
Rcalgynmasiums in der Homuthstraßc. Herr Fregattenkapitän 
P o ch b a m m c r, einer der wenigen Geretteten aus der Falk- 
landscblacht, wird über „Graf Spees letzte Fahrt" sprechen. Die 
Schlachten bei Coronet und den Falklandinseln, sowie die glän 
zende!: Fahrten des ostasiatischen Kreuzergeschwaders werden von 
berufenster Seite, einem Flaggoffizier des Geschwaders, geschil 
dert. — Anschließend gibt Herr Mühlhofer, Mitglied des 
Staatlichen Schauspielhauses, der rühmlichst bekannte Rezitator 
und Vortragslünstler, Rezitationen: „Aus dem Sccmannslebcn". 
Es dürften glänzende Darbietungen werden, und laden wir unsere 
Mitglieder und Freunde zu regem Besuche ein. Näheres ülor 
Eintritt (Mitglieder 1.10, Gäste 3.40 Mk.) .siche im Anzeigenteil. 
X Ortsgruppe Steglitz-Friedenau des ReichsbundcS Teut 
scher Technik. Ocsfentl. Vortragsabend am Dienstag, dem 4. 
Mai 1920, 7\s Uhr abends, in der Aula des Steglitzer Gym 
nasiums, Hcesestraste 15, „'Kritik nnscrer politischen Zustände 
— die verborgenen Ursachen unserer Not — ein Blick in die 
Zukunft". 
BeHin und Tororte 
§o Ter Ausschuß zur Untersuchung aller mit dem 
Putsch Kaßp-Lüttnritz. zusammeichSngendcn Vorgänge in 
Eharlottcirburg hat seine Beratungen beendet und fol 
gende F c st st c l l u n g e n getroffen: n) daß die Ueber 
nahme der Bewachung des Rathauses als eines lebens 
wichtigen Betriebes durch die Einwohnerwehr zurückge 
führt wird auf eine ältere allgemeine geheime Abmachung 
Zwischen der Sicherheitspolizei und der Einwohnerwehr, 
da sich die Sicherheitspolizei nicht für stark genug zur 
alleinigen Bewachung aller lebenswichtigen Betriebe hielt 
und .ferner auf die Alarmierung in der Nacht vom 12. 
zum 13. März durch den Minister des Innern, b) daß 
der Magistrat durch die Besetzung deS Rathauses über 
rascht war, sie nicht wünschte ^ind der Leitung der Ein 
wohnerwehr seinen bekannten Standpunkt mitgeteilt hat, 
wonach er auf den Schutz,des Rathauses durch die Ein 
wohnerwehr ein für alle mal verzichtet, c) daß dem Ma 
gistrat die Zuständigkeit fehlte, Forderungen nach dieser 
Richtung zu stellen, d) Bezüglich der Zeirfreiwilligensrage: 
daß nach einem allgemeinen Magistratsbeschluß, der ans 
Grund der bestehenden Ministerialerlasse ergangen ist, de 
Zeitfreiwilligen keinen Urlaub nachzusuchen brauchten. Die 
Zeitfreiwilligen sind nur zur Aufrechterhaltung von Ruhe 
und Ordnung, insbesondere zum Schutze der technischen 
Nothilfe einberufen, e) Bezüglich des Verhaltens der Ein 
wohnerwehr: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß 
die Zentrale der Einwohnerwehr in ihren Mitteilungen 
und Kundgebungen nicht neutral gewesen ist, son 
dern im Sinne der Kappleute gearbeitet hat. Unter an- 
derem geht das deutlich aus einer Mitteilung hervor, 
die von der Abteilung Westend weiter verbietet würden 
ist und dahin lautet: „In der Provinz steht es gut, bis 
auf Hannover, wo (Bahnhof von Spartakus besetzt lern 
oll und) Reichswehr wieder zur alten Negierung überge 
treten ist." Es muß die schärfste Mißbilligung ansge- 
prochen werden, daß die Leitung der Charlottenburger 
Einwohnerwehr kritiklos die Nachrichten der Zentrale 
weitergegegeben hat, selbst derartige im Sinne der Hoch 
verräter gefärbte Mitteilungen, angeblich, ohne sich um 
den Inhalt zu kümmern, daß ferner in einzelnen Fällen 
durch Mitglieder der Charlottenburger Einwohnerwehr 
ohne Grund Bürger in Lebensgefahr gebracht, sowie aus 
der Einwohnerwehr ausgeschlossen wurden, daß sodann 
Bürger, die Kundgebungen und Flugblätter der recht 
mäßigen Regierung verteilen ochr ankleben wollten, von 
der Einwohnerwehr verhaftet worden sind und daß, wie- 
durch die Erklärung des Majors Nocll einwandfrei erwiesen 
worden ist, die Einwohnerwehr sich insbesondere auch für 
befugt gehalten hat, im Interesse von „Ruhe und Ord 
nung" Befehle weiter zu geben, die dahin gingen, die- 
Verbreitung von Flugblättern, die zum Generalstreik auf» 
forderten, zu unterbinden. Der Ausschuß empfiehlt der 
Stadtverordnetenversammlung, voll den Feststellungen 
Kenntnis zu nehmen und ferner das aiißcrordentliche 
Bedauern darüber auszusprechen, daß bei der infolge 
einer unbgeründcten Denunziation scirenS der Sicherheits 
polizei vorgenommenen Durchsuchung der „Neuen Zeit" 
offenbar nicht mit der in solchen Fällen geborenen Ruck- 
sichr vorgegangen ist, und daß der Stadtverordnete Tost 
ohne zureichenden Grund, trotzdem seine Eigenschaft als 
Stadtverordneter bekannt war, in der Nacht vom 16. bis 
17. Mürz vcryaflet und bis.zum 17., nachm. 6 Uhr in 
Hast behalten ist. Mit Rücksicht ans die inzwischen ein 
geleitete polizeiliche Untersuchung sieht der Ausschuß von 
weiteren Feststellungen ab. Schließlich bedauert der Aus 
schuß ,zn der weiteren Frage der Androhung mir stand 
rechtlicher Erschießung der Vorarbeiter aus dem Gas-, 
werk II, d ie ihre Arbeit nicht lviedcr aufnehmen würden,, 
daß der Direktor Funck nicht sofort nach Kenntnisnahme 
dieses Schreibens dem Magistrat Mitteilung gemacht hat, 
um eine sofortige Zurücknahme die'er Androhung zu er 
zielen. 
Kirchliche Nachrichten. 
« Sonntag, den 2. Mai 1920 (Kantate/. 
Kirche zum gnzen Hirten: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer 
Foerrsch. Vorm. 11,45 Uhr:' Kindergorkesd. ,Pf. Fvertsch. 
Abends 7 .Uhr: Pfarrer Kleine, Begrüßungsfeier für die 
heimgekehrten Kriegsgefangenen. 
Bercniw. Schriftleiter: Hermann Martini«» in Berlin-Friedenau« 
Hierzu eine Beilage. 
Bel Detriebsstörnng, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
aus Lieferung pder Nachlieferung des Lokal-Anzeigers oder «4 
Rückzahlung des Bezugspreises« 
tialßlmna m 
Sitzung der GMewbeverttttmig 
am Donnerstag, den 6. Mai d. I.» nachmittags 7 Uhr, 
tm Sitzungssaale des Rathauses. Nach der Vorschrift im 3. Absatz 
des § 106 der Landgemeinde-Ordnung wird darauf hingewiesen, 
dag die Nichlerscheinriidei». sich den gefaßten Beschlüsse» zu 
unterwerfen haben. 
Tagesordnung: 
a) in ösfentlicher Sitzung: 
1. Mitteilungen. ^ 
2. Wahl eines SchicdsmanneS. , 
2. Gewährung eines Vorschusses an die Beamten, Lchrper«« 
svnen und dauernd Angejteijten auf die iu Aussicht stchendr; 
Gehaltserhöhung. 
4. Bewilligung einer Umzugskostcnbeihilfe. 
5. Bewilligung der Mittel für die Drucklegung des Vcnval- 
tungsberichteS für 1917 bis 1919. 
6. Bewilligung der Mittel für die Instandsetzung der Motor 
spritze. 
7. Bewilligung von Mitteln jür die Verabfolgung verbillig 
ter Milch. 
8. Erhöhung der Entschädigung sur die Valirnehniung der 
Rechtsauskunftsstelle« . ... . 
9. Erhöhung der Asphalt-Unterhaltungskosten. 
10. Annahme der Bedingungen für das Rcalprogyinnasium. 
• b) in geheimer Sitzung: 
11. Personalangclegcnheiten. 
Die bezüglichen Vorgänge und Akten können während dep 
Dienslstundeii im Amtszimmer eingesehen werden. 
Berlin-Friedenau, den 30. April 1920. 
Der Gcmcindevorfteher. W a l g e r, Bürgermeister. 
Äcksrnitm-tchtkntt. 
I» der Woche vom 3.-9. Mai gibt es auf die Abschnitte 
19a und b der Kartoffclkarie 3 Pfund Kartosscln. Als Ersatz 
für die fehlenden Kartofseln gibt es auf die Abschnitte 19c 
100 Gramm Graupen, 19d und e 200 Gramm gelbe Erbsen und 
19s und g 200 Gramm Pussbohncn. Die Nährmittel wer 
den an die Haushalte mit nachstehenden Nummern 5er Berlin-. 
Friedcnauer Ausweiskarte in folgenden Geschäften auSgegieben: 
I— I O00 bei K>ähnle, Rönnebergstraste 5, 
1 001— 2 000 bei Schitore, Kirch st raste 1k, 
2 001— 3 000 bei Grenz, Ringstraße 5 1, 
3 001— 4 000 bei R. Schulz, Albcnr. 16, 
4 001— 7)000 bei Wittmütz, Handjerystr. 30 
5 001— 6 000 bei Sckiadow, Bennigsenstraste 25, 
6 001— 7 000 bei Hochscknilz, Sieglindestraste s>, 
7 001— 8 000 bei Trcdcr, Südlvestkorso 9, 
8 000— 9 000 bei Lehmann, Wnhclmslraste 2. 
9 001—10 000 bei Seidel, Gostlcrstraße 17, 
19 601—11 000 bei Schüncmami, Siubcnraiichstr. 70, 
l l 001—12 000 bei Schöpper, Hertelstraßc 11, 
12 001—13 000 bei Alexander, Bü'iiigstraße 9, 
13 001 — 14 000 bei Stomp, Fahiistraste 14, 
l lOOl—Schluß bei Albrecht, Kniserallec 110« 
Die Mitglieder der Kvnsumgcnossenschasr und des Bepmlcn-Wirt- 
schaftsvereiiis können den Ersatz iüe die fehlenden rlartoffel» 
dortselbst erhalten. Berlin-Friedena», den 30. April 1920 Der 
Gemeinde-Vorstand .I. B.: Friede!. 
Bekanntmach««?;.^ 
Um in der Zuteilung der Sonderbewilligungeii sür Kranke 
keine Stockungen eintreten zu lassen, werden die Inhaber ärzt 
licher Zeugnise ersucht, bei Ablauf der Bewilligungen bis zum 
31. Mai dö. Js. evtl. Anträge auf Verlängerung möglichst schon 
bei Beginn des Rloiiats, also vom l. Mai ab, beiin Gemeinde- 
Vorstände, Abteilung für Krankenernährung. ciiin,reiche». Gleich 
zeitig ersuchen wir, die Verlängerungsantrüge sür jeden Krankn» 
einzeln geschrieben an uns zu richte». Es werden hierdurch Ver 
zögerungen in der Wciterbewittigung durch unnötige Rückfragen 
bei der Prüfungsstclle vermieden. Ferner wird daraus hinge- 
Pwiesen, daß die Anträge, besonders Name und Wohnung, mög 
lichst deutlich zu schreiben sind, da dies zur schnellen Erledi- 
gutig der vielen Gesuche unbedingt erforderlich ist. Berlin-Frie-' 
denau, den 30. April 1920. Der Gemcindevorstan) A V - 
Friede!.
        
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