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Periodical volume Nr. 95, 29.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Rk. 93 
Berlill-Frledenao. Donnerstag Den 29 April 1920 
Ichrg. 27 
Sie Lätigleit unserer Wohnungsamtes. 
Vom Leiter unseres Wohnungsamtes, Herrn Syndi 
kus Sturm, wird uns geschrieben: 
Auf das „Eingesandt" vom 22. d. Mts. „Wozu ist 
das Wohnungsamt da'?" bitten wir, folgende Erwiderung 
aufzunehmen: 
,„Tie Angaben der Frau Kley entsprechen nicht den 
Tatsachen und werden ivie folgt richtig gestellt: Am 30. 
März 1020 erhielt Frau Kley schrifrlich die ihr mündlich 
in Aussicht gestellte Genehmigung, 1 Zimmer und Küche 
ihrer Wohnung für 3 Monate möbliert zu vermieten mit 
dem Bemerken, daß Bewerber für die Wohnung von uns 
zugewiesen würden. Ein Bewerber, welcher von 
uns hierauf zugewiesen wurde, brachte am 6. April die 
Zuweisung zurück mit dem Bemerken, die Wohnung sei 
vermietet. — Bon der Zuweisung dieses einen Mieters 
erhielt Frau Kley Nachricht nach ihrer hiesigen Woh 
nung mit dem Zusatz, daß die Genehmigung zur Vermie- 
mietung lau den Mieter ihrer Wahl abgelehnt werden müsse. 
Diese Mitteilung wurde von der bereits in der Wohnung 
befindlichen, von uns nicht zugewiesenen Untermicterin am 
6. April zurückgebracht mit der Mitteilung, daß Frau 
Kley nicht mehr in Friedenau anwesend sei. Am 0. April 
wurde der von der Frau Kley gewählten Familie Denk 
die Mietung der möblierten Wohnung genehmigt. Tie 
Angaben der Frau Kley: „Nach Z Wochen macht nun das 
Wohnungsamt den Mietern alle erdenklichen Schwierig 
keiten, usw.", sind in jeder Hinsicht unzutreffend und 
übertrieben! Allerdings ist ein Beamter des Wohnungs 
amtes am 16. April 1920 nochmals in der hiesigen 
Wohnung der Frau Kley gewesen, um die Angemessenheit 
des für die kleine Stube mit Küchenbenutzung ohne Lie 
ferung von Betr- und Tischwäsche, weder Oieschirrbenutzung, 
noch Bedienung, geforderten Mietpreises von 130 M. 
festzustellen. Bei diesem Besuche sind aber weder der 
Frau Kley, noch dem Untermieter Schwierigkeiten gemacht, 
denn die Bermietung war ja längst genehmigt. Wegen 
des für zu hoch erachteten Mietpreises wird das Miet- 
einignngsamt die endgültige Entscheidung zu treffen haben. 
So weit die sachliche Richtigstellung der Auslassungen 
der Frau Kley. ■ . 
Das Nachstehende möge zur weiteren Austlrirung der. 
Frau K l,e y und der Allgemeinheit dienen: 
Recht wenige der Personen, welche.mit dem Wohnungs 
amt jjh tun haben, werden von seiner Tätigkeit be 
friedigt sein, denn die Zahl derer, die mit Wohnungen ver 
sorgt werden können, ist im Verhältnis zu der übergroßen 
Zahl der Wohnungssuchcr nur äußerst gering. 
Ter gute Wille des Wohnungssamtes, jedem zu helfen, 
ist wohl vorhanden, die Unmöglichkeit der Durchsetzung 
dieses Willens liegt aber an dem W o h u u n g s m a n g e l. 
Mancher kann und will dieses leider nicht verstehen! Bis 
zum 1. April waren in den hiesigen Listen rund 2600 
Wohnungssucher vermerkt. Bon diesen sind terminmäßig 
d. h. infolge Nichternencrung ihrer Meldung, gestrichen 
rund 1100) so daß zunächst noch 1500 mit Wohnungen ver 
sorgt werden wollen. Diese Zahl erhöht sich erfahrungs 
gemäß erheblich durch nachträgliche Meldung von gestriche 
nen Wohnungssuchern. Zieht man von dieser Zahl wieder 
diejenigen ab, welche im allgemeinen auf eine Berück 
sichtigung vorläufig überhaupt nicht rechnen können (Aus 
wärtige), so verbleiben noch rund 1100 Wohnungssucher, 
welche alle die Hoffnung haben, bald eine Wohnung zn- 
gewiesen zu erhalten. 
Interessant ivird es sein, zu erfahren, daß im Mo 
nat Oktober 1919 75, November 1919 54, Dezember 
Anzeigen für Sie Eonvlagnummer 
des „FriedenauerLokal-Anzeigers" erbitten wir 
bis morgen, 
Freitag früh 8 Uhr. 
Am Sonnabend Abend kann unsere Zeitung wegen 
der Maifeier des.Personals nicht.erscheinen. Aus diesem 
Grunde werden wir die Freiiag-AuSgabe in stärkerem! 
Umfange erscheinen lassen. 
1919 52, Januar 1920 31, Februar 1920 65, und 
März 1920 83 leere Wohnungen vergeben werden konn 
ten. Diesem Abgang steht aber jeden Monat ein Zugang 
von rund 300 Wohnungssuchern gegenüber'! Also die 
Zahl der Wohnungssucher wird nicht geringer, sondern 
immer größer. Die Zahl würde ins Unermeßliche steigen, 
würden nicht mit aller Strenge terminmäßige Streichungen 
aller derjenigen vorgenommen werden, welche nicht recht 
zeitig ihre Neueintragung beantragen. 
Bemerkenswert ist, daß von den in jedem Monat 
zur Vermietung kommenden leeren Wohnungen nur 20 bis 
40 Prozent als bermietbar angemeldet, aber 60 bis 80 
Prozent durch die Tätigkeit des Wohnungsamtes beschafft, 
d. h. beschlagnahmt und freigemacht werden. Mit allen 
erdenklichen Mitteln wird dauernd dahin gestrebt, mög 
lichst viele leere Wohnungen zu erfasse» und zur Ver 
mietung zu bringen, was in den meisten Fällen erst nach 
langivieriger Ermittelung und Verhandlung möglich ist 
. und ofr die Ueberwindung heftiger Widerstände erfordert. 
Diese wesentliche Tätigkeit des Wohnungsamtes tritt natür 
lich für die Wohnungssucher, zu deren Gunsten sie geübt 
wird, weniger in die Erscheinung, als für die in ihrer 
Freiheit dadurch beschränkten Hauswirte, Wohnungsin- 
Haber, usw., die oft nur die ihnen lästige Beschränkung 
und nicht die den Wohnungssuchern zu gewährende Hilfe 
empfinden. 
Ein besonderes Kapitel auf dem Gebiete ^dcs Woh- 
nungswesens ist die Vermietung von möblierten Woh 
nungen und Zimmern. Bezüglich der Vermietung solcher 
Wohnungen ist die Erbitterung auf das Wohnungsamt oft 
am größten! Denn gewöhnlich kann den Herrschaften, 
welche ihre Wohnungen aus irgendwelchen persönlichen 
Gründen vermieten wollen und denen in Anerkennung 
der besonderen Gründe die Erlaubnis zur möblierten Ver- 
mietung ausnahmsweise erteilt werden kann — in erster 
Linie muß natürlich die Beschaffung leerer Wohnungen 
das Ziel des Wohnungsamtes ^cin — nicht her von ihnen 
gewünschte Untermieter zugewiesen werden. 
Wenn das Wohnungsamt die Vermietung einer 
möblierten Wohnung auf beschränkte Zeit — gewöhnlich 
3 Monate — genehmigt hat, hat fast in jedem einzelnen 
Falle der Vermieter einen guten Freund oder Verwandten 
an der Hand, der gerne die Wohnung haben möchte! Tie 
unzählig weitläufigen Gründe, welche dafür oft angeführt 
werden, sind nicht alle nachzuprüfen; ps müßte sonst 
die Beamtenschaft um ein Bedeutendes vermehrt werden. 
In den meisten Fällen muß aber das Wohnungsamt 
oem das eiserne „Nein!" entgegensetzen, denn in 99 von 
100 Fällen ist der angebotene Untermieter ein Auswär 
tiger, sei eS auch ein solcher aus Groß-Berlin, der'garnicht 
zum Kreise der hier vorgemerkten Wohnungssucher gehört. 
Tie Pflicht des Wohnungsamtes ist cs aber, zuerst 
die Einheimischen und die vom Wohnungsverband Groß- 
Berlin überwiesenen Flüchtlinge usw. unterzubringen und 
alles daran zu setzen, daß dies gelingt. 
Tie überwiesenen Flüchtlinge kommen oft mit ihrer 
ganzen Habe hier an und verlangen auf Grund ihres 
Üeberweisungsscheines sofortige Unterbringung, die häufig 
zunächst als Untermieter erfolgen muß. Unter diesen Ver 
hältnissen ist das Wohnungsamt außerstande, die Ver 
mietung an von auswärts kommende Familien, deren 
Unterbringung nicht unter die Pflicht des Wohnungsamtes 
fällt, zu genehmigen, wenn noch hiesige Wohnungssuchcr 
mit Unterkunft zu versorgen sind und die betreffende 
Wohnung dies möglich macht. Selbstverständlich muß bei 
der möblierten Wohnung mehr 'als bei leeren Wohnungen 
auf 'die persönlichen Verhältnisse der Beteiligten Rück 
sicht genommen werden, immer aber .muß auch hier das 
Ziel des .Wohnungsamtes, die ihm anvertrauten Woh- 
nungssucher nach Maßgabe der Dringlichkeit unterzu 
bringen, Richtschnur seiner Maßnahmen sein. Für 
das Wohnungsamt ist dabei weiter,zü bedenken, daß jeder 
„möbliert Wohnende" zu einem bestimmten Termin wieder 
räumen muß. Hier liegt nun die größte Schwierigkeit! 
Tie bisher möbliert Wohnenden verlangen größtenteils 
ihre nunmehrige Unterbringung in leeren Wohnungen, da 
sie nicht weiter möbliert wohnen können oder wollen.. 
Also, je mehr Vermietungen von.möblierten Wohnungen 
etwa an Auswärtige vom Wohnungsamt zugelassen wür 
den, je mehr Wohnungssuchcr treten früher oder später 
auf den Plan und je weiter werden die vielleicht schon 
jahrelang auf eine ordentliche Wohnung wartenden Frie- 
dcnauer Wohnungssucher zurückgedrängt. 
Möchte jeder, welcher jemals seine Wohnung möbliert 
vermieten muß, dieses bedenken und nicht nur seinen 
Vorteil im Auge haben, sondern.auch den Vorteil der in 
Not befindlichen Fricdenauer Wohnungssucher! Ohne 
weitgehendes soziales Verständnis von der vorhandenen 
Not und ohne die Erkenntnis, daß gerade, weil die 
Wohnungen in keinem Falle in absehbarer Zeit zur Be- 
sriedigung der Wohnungssuchenden ausreichen, straffste 
Durchführung einer nach Dringlichkeit und Reihenfolge 
geregelte Wohnungsbcwirtschaftung nötig ist, kann man 
natürlich die Aufgabe des Wohnungsamtes nickst verstehen. 
Ortsmacbrlcbteft 
Nachdr. unsrer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
.... o Auf die Abschnitte 18 e—e der Fricdenauer 
Kärtoffclkartc gibt es als Ersatz.für Kartoffeln 590 Gramm 
Großbrot. Das Brot darf^ aber n ur 'auf Fricdenauer 
Kartvffelkartcn verabreicht werden. 
oW Zur namentlichen Abstimmung über den Groß- 
Bcrlrner Eingemeindungsentwurf. Bei der. Schlnßabstim- 
niung über den Grvß-Berliner Entwurf stimmten ge-, 
schlossen für die Vorlage die beiden sozialdemokratischen. 
Parteien, dagegen das Zentrum und die Parteien der 
Rechten. Tie Demokraten waren verschiedener Meinung, 
es stimmten niit Ja 32, mit Nein 6, der Stimme ent 
hielten sich 5. Für den Entwurf stimmten folgende 
Demokraten: Barfeld (Hannover), Berndt (Stettin), Bol 
lert, Beutler, Cassel, Degenhardt, DominieuS, Goll, 
Gottschalk, Hagemeister, Frau Tr. Heine, Hoffmann (Lich- 
tcnberg), Tr. Jordan, Juds, Kerber, Kimpel, Kochmann, 
König (Kassel), Meyer (Frankfurt), Ommcrt, Oeser, Pezcl 
(Charlottenburg), Tr. Preuß, Rebchn, Riedel (Charlottcn- 
biirg), RuSzcynski, Schwiljan, Sch n a cken b n rg, Tr. 
Schreiber (Halle), Schumer, Sommer, Schulze (Sauger- 
iefe der Prinzess«. 
Von E. Ph. Oppenheim. 
44 (Nachdruck verboten.) 
Ganz tin Gegenteil, Sie verlieren Ihre Herzen sehr 
schwer und behalten den Kopf sehr kühl, alle deutschen 
Mäniwr.nn fenncn Ihre Landsleute nicht. Komtesse." 
"Ich kenne sie." sagte sie lächelnd. „Wissen Sie, ich 
habe" ein Faible für graziösen Flirt. .Wenn ,ch einen an 
genehmen und liebenswürdigen Mann kennen lerne, mochte 
ich ihn gern ein ganz klein wenig verliebt in mich machen, 
nur ein ganz klein wenig. Es machtunserLeben amüsanter 
und überhaupt erträglicher. Der Mann soll ferne Liebes- 
anaelegenheiten seinen sonstigen Interessen unterordnen, 
Nber er soll für jede Frau, und nicht nur für die „eine 
Eimiae" ein wenig Galanterie und Aufmerksamkeit haben. 
Aber bei Ihnen habe ich meine Zeit verloren, das weiß ,ch. 
Und deshalb frage ich Sie, warum haben Sre gebeten, 
mich zu einer Zeit besuchen zu dürfen, wo Sre Margot 
fern von hier wußten?" 
Er war verwirrt, aber er antwortete ohne Zögern: 
Weil ich Ihre Adresse von Ihnen zu erfahren hoffte. 
"Natürlich, das weiß ich. Und aus keinem anderen 
Diesmal zögerte er mit seiner Erwiderung. Er suhlte, 
daß sie irgend etwas ganz Bestimmtes erwartete, eine Frage 
vielleicht. Und so sagte er endlich unsicher: 
„Ich hoffte vielleicht noch anderes von Ihnen zu 
hören, mehr, fürchte ich, als Sie mir sagen werden. Ich 
hoffte zu erfahren, waruni Sie und Fräulein Margot zu 
sammen in Berlin ein so eingezogenes und freudloses 
Dasein führen, und, wie Sie in die Martens-Affäre ver 
wickelt wurden." 
„Ah l". logte sie. .Das wünschen Sie zu wissen 1* _ 
„Ich hoffte es zu erfahren," gav er zu. 
„Und doch," bemerkie sie, „nicht einmal dafür hielten 
Sie es der Mühe für Wert, ein wenig mit mir zu flirten? 
Sie begehren so viel, Herr Hollfelden, und Sie geben so 
wenig." 
„Gnädigste Komtesse, ich versichere Sie —" 
Ihr helles Lachen ließ ihn verstummen. 
„Seien Sie nicht töricht, lieber Freund!" sagte sie. 
„Ich schwatze ja nur törichtes Zeug, nehmen Sie mich um 
Himmels willen nicht ernst. Es ist schrecklich, daß meine 
Landsleute eine Frau immer gleich ernst nehmen müssen. 
Ich will Ihnen von Herzen gern sagen, was ich sagen 
darf, aber ich fürchte, es wird Sie nicht befriedigen, denn 
es ist nur sehr wenig." 
„So sagen Sie mir wenigstens, was Sie nur anver 
trauen können!" bat er. 
Sie zuckte die Achseln. 
„Es ist sehr wenig," wiederholte sie. „Daß Margot 
und ich zusammen leben, erklärt sich aus unserer Jugend- 
freundschaft. Als es zwischen ihr und ihrem Vater zu einem 
Zerwürfnis gekommen war, bat ich sie, zu mir zu kommen, 
und wir haben uns seitdem nicht wieder getrennt, haben 
große Reisen miteinander gemacht und sind uns unentbehr 
lich geworden. Hier in Berlin hatten wir ein — ein Ge 
schäft. Ich will Ihnen in Umrissen andeuten, um was 
es sich handelte. Vor etwa dreiviertel Jahren schrieb ein 
gewisser Otto Martens an mei an uns und teilte uns 
mit, daß gewisse Familienpapiere in seine Hände über- 
gegangen seien, die er uns zum Kauf anbot — für eine 
abenteuerliche Summe. Die Veröffentlichung dieser Papiere 
konnte über eine Person, die mir sehr nahe steht, schweres 
Unheil heraufbeschwören, und Martens, der sich sehr genau 
über alle in Betracht kommenden Verhältnisse informiert 
hatte, drohte uns, im Fall einer Zahlungsverweigerung 
die Papiere an einen anderen zu verkaufen, der schonungs 
los von ihnen Gebrauch gemacht hätte. Wir sind wohl 
habend, vielleicht reich, aber unser Vermögen besteht in 
dem Besitz einer bedeutenden Fideikommisses, von dem 
wir lediglich das Iahreserträgnis für uns verwenden dürfen. 
Wir konnten deshalb die verlangte Summe nicht zahlen, 
und Margot und ich reisten nach ’ Berlin, um Martens 
wenigstens hinzuhalten. Das ist alles, was ich Ihnen 
jagen kann, Herr Hollfelden." 
„Ein nichtswürdiger Erpresser also!* sagte Heinz voll 
tiefer Verachtung. „Wahrlich, sein Schicksal hat ihn nicht 
unverdient getroffen. Aber gestatten Sie mir. Ihre Er 
zählung, für die ich Ihnen von Herzen danke, nach meinem 
Wissen zu ergänzen. Sie zahlten Otto Martens vierteljähr 
lich sechstausend Mark, nicht wahr?" 
„Vielleicht!" erwiderte die Gräfin in leichter Unruhe. 
„Aber ist es notwendig, daß Sie —" 
„Ja, es ist notwendig, daß endlich einige Klarheit ge 
schaffen wird," erwiderte er fest. „Sie zahlten also Otto 
Martens vierteljährlich sechstausend Mark. Aber das 
genügte ihm wahrscheinlich nicht mehr, er mochte fürchten, 
daß die Einnahmequelle eines Tages versiegte, uns er 
wandte sich trotzdem an jenen anderen, der seiner Meinung 
nach ein zahlungsfähiger Käufer fein würde. Dieser andere 
aber bediente sich des Rechtsanwalts Berger zur Vermitt 
lung." 
„Ich weiß nicht Ich kenne keinen Rechtsanwalt 
Berger." 
„Ich glaube es Ihnen, denn Martens wird sich wohl 
gehütet haben, Ihnen seine Karten aufzudecken. Aber ich 
beginne jetzt, den Zusammenhang zu verstehen. Berger 
bot Martens im Namen seines Mandanten eine Summe 
von hunderttausend Mark für jene Familienpapiere. Martens 
zögerte, das Angebot anzunehmen, vielleicht erschien ihm 
die Rente, die Sie ihm unfreiwillig hatten aussetzen müssen, 
doch verlockender. Am Ende erklärte er Berger jedoch 
seine Bereitwilligkeit, mit ihm abzuschließen. In der Nacht 
seines Todes sollte das Geschäft zustande kommen. Des 
halb telephonierte Berger bei mir an, Martens zu einer 
Unterredung zu bitten. So weit wäre Licht in der An 
gelegenheit. Nun aber kommt tiefstes Dunkel, das Geheim- 
ji\», das über dem Morde liegt. Freilich, noch
        
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