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Periodical volume Nr. 101, 07.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 84 
Berlin-Friedenau, Mittwoch, den 28 Avril 1920 
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mtt für unbestimmte Tags — 
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©CfdjäftfiflClIC: St^einfbr. IS. 4— Mark. Belegnummer 16 Psg. 
B«U».Fri«»enau. «teinstratze l». - Krrusprecher- Amt Pfalgtar, »IS». 
4 s—* 
Fahr,. 27 
Ortsnad)rid>t«ffi 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ein Brot 1,50 M. Ter Lcbensmittelverband Groß- 
Berlin har in seiner gestrigen Sitzung einen Beschluß ge 
süßt, der in weitesten Kreisen der Berliner Bevölkerung 
eine unangenehme Uebcrraschung hervorrufen wird. Er hat 
mit Wirkung v o in 10. Mai den Preis des 1900 Gramm- 
Brotes aus 4.50 Mark festgesetzt. Ter Preis für das Kran- 
fenbrvi von 1000 Gramm wird in Zukunft 4,40 Mark, das 
Pfund Wkizcnküchenmehl wird mit 1,40 Mark zu bezahlen 
sein. ! 
o Neue 60», 10= und 5-Pfg.-Stücke. Tie preußische 
Münzvttwallnng beabsichtigt, im Rechnungsjahre 1920 
für über 27 Millionen Mark in Aluminium-5H-Pfg-- 
Stücken, 5 900 000 Mark in Zink-10-Pfg.-Stücken und 
4 700 000 M. in Eisen-5-Pfg.-Stückcn auszuprägen, um 
der Kleingeldnot.abzuhelfen. Kleinere Münzen werden vor 
läufig nicht ausgeprägt/ 
o Nieder mft den Blutsaugern! Auf Anordnung des 
Staatskommissars für Volksernährung haben die Justiz 
behörden neben den Terminzetteln folgende Bekannt 
machung auszuhängen: „Nieder-mit den Blutsaugern un 
seres Volkes! Gehörst du auch dazu? Kennst du einen 
Schleichhändler, Wucherer oder Schieber? Warum zeigst 
du ihn nicht an? Warum schützt du ihn gar und hilfst 
ihm zu einem Judaslohn, dein Volk, unseren Kinderck, un 
seren Müttern, unseren Kranken und Schwachen das Le 
bensmark aussaugen? Warum kaufst du ihm Schleichhan 
delsware zu Wuchcrpreisen ab? — Unser Volk muß zu 
grunde gehen, wenn cs sich nicht selbst hilft! Ohne jede: 
Schonung muß der Kampf gegen diese unsere schlimmsten 
Feinde geführt werden. Bringt jeden zur Anzeige, vor 
allem auch jeden Beamten, jeden Helfershelfer, der um 
eigenen Vorteils willen diesen Schurken Hilst. Nur auf 
diese Weise könnt ihr selbst euch vor dem Untergang 'rcltten. 
Beherzigt es wohl und handelt danach. Alle 'Staats 
anwaltschaften und Polizeibehörden nehmen Anzeigen 
entgegen. 
obh Nachwehen des Lankwitzer ErplosionSunglückss. 
In einer von Explosionsgeschädigten zahlreich besuchten 
Versammlung wurde der Arbeitsausschuß beauftragt, gegen 
die Inhaberin des Lagerplatzes, die Firma F. Gäbcrt, die 
Klage auf Schadenersatz einzuleiten; nötigenfalls soll der 
Ausschuß, mit der Gemeinde zusammengehen. In einer 
einstimmig angenommenen Entschließung wurde von den 
durch das Lankwitzer Explosionsunglück betroffenen Bewoh 
nern an die Regierung sowohl wie an die Nationalver 
sammlung die dringende Bitte gerichtet, gllc erforderlichen 
Schritte zur Beseitigung der Schäden wenigstens insoweit 
in die Wege zu leiten, als von der Firma F. Gäbert kein 
Ersatz zu erholtem ist. Die Beteiligten glauben, abgesehen 
von Rechtsansprüchen, schon deshalb einen moralischen An 
spruch auf Erfüllung ihrer Bitte zu haben, als bei Ver 
gebung der Zerlegnngsaufträgc nicht genügend Rücksicht 
auf Leben und Eigentum der Bürger genommen wurde. 
o Tic Wahlparole der Fernsprechteilnehmer. Der 
„N. B." wird geschrieben: „In der Sonnabendsitzung der 
Nationalversammlung, die der Erhöhung der Postgebühren 
zustimmte und auch die Zwangsanlcihe bei den Fern 
sprechteilnehmern genehmigte, waren nur 75 Abgeordnete 
anwesend, von denen 40 der Vorlage deS Reichspost- 
ministeriums zustinlinten. Ter neugebildcte „Jnteressen- 
verband der Fernsprechteilnehmer" hat daraufhin in seiner 
Ausschußsitzung vom Sonntag beschlossen, festzustellen, 
lvelche Abgeordnete bei der Abstimmung abwesend waren, 
und seinen Mitgliedern zu Empfehlen, keinen' dieser Ab 
geordneten in den Reichstag zu wählen und auch gegen 
diejenigen Abgeordneten zu stimmen, die der Regierungs 
vorlage zustimmten." — Für die Vorlage sind die Rechts 
parteien und die Unabhängigen eingetreten. Tie Demo 
kraten lehnten die Zwangsanleihe geschlossen ab; Zentrum 
und Mehrheitssozialdemokraten sprachen auch dagegen. In 
der entscheidenden Abstimmung aber „drückten" sich die 
meisten Abgeordneten, sodaß nur 75 Abgeordnete anwesend 
waren. Nun hat jetzt auch der Reichsrat Einspruch gegen 
das neue Postgebührcngcsetz erhoben und zwar richtet sich 
der Einspruch gegen die Bestimmung, daß die sogen, porto 
pflichtigen Dienstsachen vom Absender freigemacht werden 
müßten. Tie Vorlage wird a'lso nochmals an die Na-' 
tionalversammlung gehen; ihr Inkrafttreten zum 1. Mai 
ist darnach in Frage gestellt. 
o Der Fernsprechverkehr zwilchen Frankreich und 
Deutschland wird am 1. Mai ausgenommen. 
o Im Sprochabend der Deutschen demokratischen 
Partei, Ortsgruppe Friedenau, gestern Abend im Lanter- 
platz-Kasino, sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Frankfur 
ter. der Verfasser des .Parteiprogramms und des Wahl 
aufrufes über „Wiederaufbau und Wahlen". Tret Grund 
fragen sind für den Wiederaufbau maßgebend: 1. der 
politische. 2. der wirtschaftliche und 3. der geistig-sittliche 
Wiederaufbau. Wir kannten nur den Kampf, die Gewalt: 
Das Schwert wurde in die Wagschale geworfen, man zog 
cs, ging feste drusf, und.steckte es erst wieder in die Scheide, 
wenn der Kampf vorbei war; diese Methode wurde uns 
gelehrt; wir kannten nichts anderes. Unsere Feinde arbeite 
ten von Anfang an mit feineren Methoden und errangen 
damit den Sieg über die rohe Gewalt. So müssen auch 
wir politisch umlernen, um zu einem Wiederaufbau zu 
gelangen. Um aus dem wirtschaftlichen Elend herauszu 
kommen, gebe es nur eine Lösung, die laute: Arbeit! 
Tie freie Arbeit nach demokratischen Gesichtspunkten; Be 
triebe sollen nicht politisiert, syndikalistisch oder radikalistisch 
werden, sondern demokratisiert werden. Er betonte den na 
tionalen .Gesichtspunkt, die demokratische Partei fei die 
nationale Partei, die das ganze Deutschland wolle. 
Er sprach weiter gegen die falsche Auslandspolitik, die 
wir bisher geübt haben, wodurch der Glaukw an uns ,ver 
loren gegangen sei. Was wir früher getrieben hatten, 
waren Lüge, Verrat, Roßhändlerknisfe. Ter Glaubt an 
unsere Ehrlichkeit könne nur durch ein demokratische-.) 
Deutschland erzielt, werden. Er sprach vom Kapp-Pütsch 
und warnte vor weiteren derartigen Putschen, die unser 
Volk völlig zu Grunde richten. Man dürfe nicht in Jahre, 
sondern müsse in Jahrhunderte denken lernen wie der Eng 
länder es getan habe. Für den geistig-sittlichen Wieder?- 
aufbau ivünschte er Eingang der demokratischen Lehren 
in Schule und Volk. Für die Wahlen erllärte er dann, 
daß die Partei nicht zusammengehen könne weder mit 
den Sozialdemokraten, noch mit den Rechtsparteien, noch 
mit dem Zentrum. Die Demokraten seien auf sich selbst 
gestellt, sie können etwas erreichen, wenn sie sich selbst 
treu blieben. .Und so solle jein jeder für die Wahlen wirken. 
Wählen sei nicht allein Recht, cs sei Pflicht. Lebhafter 
Beifall dankte dem Vortragenden. In der Aussprache wur 
den verschiedene Ausführungen des Redners lebhaft 
besprochen. Tie Herren Dr. Wittert, Kuntze, Oldehaver, 
Lüdccke besprachen besonders die wirtschaftlichen Fragen, 
Herr Lconhardt wandte sich gegen den Kultusminister. 
Ter Sozialdemokratie fehle hierfür der geeignete Mann, 
in dieses Amt müsse ein Demokrat kommen. Der Vor 
sitzende, Herr Geh. Reg.-Rat Vogt, betonte besonders die 
Kleinarbeit der demokratischen Partei gegenüber den großen 
Worten und tönenden Phrasen der Teutschnationalen und 
der Unabhängigen. Im Schlußwort bestätigte Tr. Frank 
furter 'den in der Aussprache erwähnten Bürokratiswus 
der Sozialdemokratie. Mau werde durch Bürokratismus 
zu Tode schikaniert. Ter Vorsitzende bemerkte noch, daß 
man mit den Schöncbcrgcr Parteifreunden diesmal in 
der Wahl zusammengehen werde und wies auf die heute 
Abend'im Helmholtz-Realgymnasium (Rubenssträße) statt 
findende öffentliche Versammlung hin, in der Abg. Tr. 
Schreiber (Halle) spricht. 
o Der 17. Kunstgemcindc-Abend im Steglitzer Ly>- 
zeuin am nächsten Freitag (30. April) bringt wieder zwei 
Künstler allerersten Ranges an diese durch die Kunst so 
vieler bedeutender Vorgänger geweihte Stätte. In Arnold 
Földery werden wir den Weltmeister des Cellos begrüßen, 
das Pn mit unnachahmlicher Virtuosität beherrscht, mit 
ihm wird sich der Kamniersängcr an der Charlottenburger, 
Oper Franz Reisingcr (Bariton) in die Darbietungen des 
Abends teilen, er singt bisher kaum bekannte Lieder von 
Hermann, Trunk u. a., sowie Wagner'sche Arien. Bruno 
Seidler-Winklcr begleitet. Wir dürfen erwarten, daß unter 
den vielen an künstlerischen Erfolgen so reichen Abenden 
dieser Kunstgemeinde-Abcnd wieder besonders hervortreten 
wird. 
o Die Kunststättc für Volksbildung gibt am Freitag, 
den 29. Aprils abends 8 Uhr, .im Märkerzimmer des 
„Hohcnzollcrn", Handjerystr., einen Heinz-Parmer- 
Abend, zu dem die Mitglieder freien Eintritt haben. Der 
junge Dichter hat sehr schöne, tief empfundene Lyrik und 
kurze, epigrammatische Novellen versaßt, die er persön 
lich und durch einen begabten Knnstjünger zuin Vortrag 
bringen tvird. Man darf wünschen, daß dieser literarische 
Abend dem begabten Dichter neue Freunde zuführt. 
o Ter evangel. Jungsrauenvcrcin beging am 25. April 
sein 15. Jahresfest in Gestalt eines Familienabends. Ter 
Besuch war so stark, daß der Saal die Teilnehmer nicht 
zu fassen vermochte. In der Ansprache von Pfarrer 
Kleine klang das Jubilate durch. Zur rechten Freude 
lud der Abend ein, und die ist in vollem. .Maßb. zuin-- 
Ausdruck gekommen. Insonderheit erfreute die Konzert 
sängerin Berthe G r rzn d in a n n und die Rezitatorin Rose 
Koch-Streit, durch Gesang bczw. Sprcchvortrag, so 
wie Susanne Streit mit ihrem Geigenvortrag „Preislied 
aus den Meistersingern". Der Vereinschor leistete Gesänge 
unter Leitung von Frl. R o.sb u.n d, und Frl. Jäckel 
leitete die Turnabteilung. Auch das Lustspiel „GcburtstagS- 
freuden" wurde von den Mitgliedern gut gespielt. Ter 
Abend muß in jeder Beziehung als äußerst, wohlgelsungcn 
bezeichnet werden und gab allen Teilnehmern die Gewiß^- 
hcit, daß unsere jungen Mädchen im evangel. Jungfrauen- 
vcrein gut aufgehoben sind. ' . 
o Friedenaucr Erfinder. (Patentschau, zusammengestellt 
vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurter Straße 59). Max Vollstädt, Lefevrestr. 11. 
Lesezeichen. Gebrauchsmuster. — Otto Hacke, Ortrudstr. 8. 
Zusammenklappbarer Hocker. Gebrauchsmuster. — Max 
Knieß, Handjerystr. 28. Fahrkartentasche mit Reklameauf^ 
druck. Gebrauchsmuster. — Dr. Ing. Max Kusch, Fregc- 
straße 26. Klärvorrichtung. Gebrauchsmuster. — Karl Leh- 
Die Briefe der Prinzessin. 
Bon E. PH. Oppenheim. 
43 (Nachdruck verboten.) 
„Ich pflege in der Kakaostube am Wittenberg-Platz 
zu frühstücken, 5)err Hollfelden, gegen die elfte Stunde. 
Wenn wir uns dort treffen sollten, wird es mir ange 
nehm sein." 
Er verabschiedete sich und ging langsam die breite, 
teppichbelcgte Treppe hinunter. Als er am letzten Absatz 
angelangt war, kam ihm die kleine Zofe entgegen, mit 
hochrotem Antlitz und wie in zorniger Erregung blitzenden 
Augen. 
Ihre große Aufregung war so unverkennbar, daß 
Heinz unwillkürlich stehen blieb und fragte: 
„Was ist Ihnen? Ist Ihnen etwas geschehen?" 
Das Mädchen hatte offenbar Vertrauen zu dem ele 
ganten Besucher Ihrer Herrschaft gefaßt, der mit Trink 
geldern nicht gespart hatte, denn sie zögerte nicht, ihm 
Auskunft zu geben. 
„Geschehen ist mir nun gerade nichts," sagte sie. 
„Aber soll ich mich nicht ärgern, wenn man mich so — 
so unverschämt über meine Herrschaft auszufragen sucht." 
Heinz strömte das Blut zum Herzen. Hastig sagte er: 
„In der Tat, Sie haben recht, sich darüber zu ärgern. 
Aber wer wollte Sie denn ausfragen?" 
„Der Herr, den ich vorhin fortschicken mußte. Er hat 
die ganze Zeit unten vor der Haustür gestanden, ich weiß 
Nicht, was er da herumzuspionieren hat. Na, bei mir ist 
er jedenfalls an die Unrechte gekommen." 
Heinz entnahm seiner Börse ein Geldstück und drückte 
es der Kleinen in die Hand. 
„Sie sind ein braves Mädchen," sagte er. „Und 
schicken Sie nur jeden kurzerhand fort, der Ihnen mit 
neugierigen und zudringlichen Fragen kommt." 
Ein freundlicher Blick aus ihren blanken Augen be 
lohnte ihn für die reiche Gabe, und mit einem niedlichen 
Knix setzte das Mädchen ihren Weg nach oben fort. Heinz 
aber traf, wie er es nicht mehr anders erwartet hatte, 
,por der^Haustür aus Herrn Paul Marten». 
Beide Hand» in die Taschen seines viel zu weiten 
modefarbenen Sommer-Paletots geschoben, stand Martens 
vor ihm und fixierte ihn mit einem unverschämten Blick. 
Er zog zwar den Hut, als Heinz ihn drohend ansah; aber 
als Hollselden, ohne den Kleinen einer Anrede zu würdigen, 
an ihm vorübergegangen war, lachte er scharf und spöttisch 
auf, ein unangenehmes, heiseres Lachen. 
Es zuckte Heinz in den Fäusten, dem Burschen die 
verdiente Züchtigung zuteil werden zu lassen. Aber er be 
herrschte sich und setzte seinen Weg fort, ohne sich um den 
vor Aerger gelb gewordenen Glücksritter zu bekümmern. 
21. Kapitel. 
Die Komtesse sah gut aus, und sie wußte es. Sie 
hatte in der Nacht vortrefflich geschlafen, ihre lebhaften 
graublauen Augen sahen klar und frisch in die Welt, und 
sie hatte die Sicherheit der Weltdame, die weiß, gut frisiert 
und gut angezogen zu sein. Ihr Gesellschafter aber in der 
traulichen kleinen Kakaostube, wo man von jungenMädchen 
in kleidsamer holländischer Tracht bedient wurde und das 
beste und wohlschmeckendste Gebäck erhielt, schien gerade 
das Gegenteil von ihr. Er sah bleich und übermüdet aus, 
feine Gesichtszüge, die jetzt von der Erregung angespannt 
waren, waren schärfer geworden in der letzten Zeit. 
„Ich wünschte," sagte sie und lächelte ihm ein wenig 
zu, „daß ich tun könnte, was Sie verlangen. Aber es, 
ist' nicht so leicht, nicht so leicht und so einfach, wie Sie 
glauben. Sie sagen: „Geben Sie mir die Adresse Ihrer 
Freundin." Sie verstehen es reizend zu bitten, und ich 
würde Ihre Bitte so gern erfüllen. Aber Margot sagte 
mir: „Gib niemandem meine Adresse! Laß niemanden 
wissen, wohin ich gegangen bin." > •' 
„Sicherlich bezog sich das nicht auch auf mich!" sagte 
Heinz flehend. 
„Aber doch, lieber Freund! Sie nannte sogar aus 
drücklich Ihren Namen," erklärte die Komtesse. „Ich fragte 
sie: „Nicht einmal Herrn Hollfelden?" Und sie sagte: „Nein,'" 
nein, nein!" „ v 
„Und — haben Sie es versprochen? Ganz fest ver 
sprochen ?" 
„Das ist es ja eben I Was sollte ich sonst tun? Man 
kann ihr nicht widerstehen. Ich sagte ihr: „Du bist ein 
törichtes Mädchen, und Herr Hollfelden wird mir zürnen." 
Und als sie darauf nicht hörte, wollte ich es noch besser 
machen und sagte: „Herr Hollfelden wird auch auf dich 
zornig sein, und ich werde mich ihm sehr angenehm machen 
— wer weiß, ob er dich nicht.darüber vergißt?" Aber sie 
schüttelte den Kopf. Sie kennt die deutschen Männer und 
weiß, wie schrecklich beständig sie sind." 
„Ist das eine schreckliche Eigenschaft, Komtesse?" 
„Ja, ich finde." sagte sie und zog eine kleine Grimafle. 
„Ich liebe die Männer nicht, die zu einer Zeit nur an ein 
Mädchen denken können. Sie haben kein Feuer, keine 
Leidenschaft. Und, wenn er nur ein Liebchen hat, wie 
will er die Frauen kennen lernen? Unter Hunderten sind 
sich nicht zwei gleich." 
„Das ist möglich, aber ich meine, wenn ein Mann ein 
Mädchen sehr liebt, ist ihm das ganze übrige weibliche 
Geschlecht gleichgültig." 
„Sie sollten cs nicht fein. Es ist nicht richtig. Der Lieb 
haber, wie er nach meinem Herzen wäre, sollte das geliebte 
Mädchen in dem ganzen weiblichen Geschlecht verehren. Er 
dürste gegen keine Frau unfreundlich sein, gegen jede galant. 
In seinem Herzen mag er einer treu sein, aber das ist sein 
Geheimnis, und gerade um lyrerwrilen fouen ,yn aue 
Mädchen der Welt interessieren. Er soll mit ihnen flirten, 
.wenn sie.'es wollen, er soll sie bewundern, wenn er auch 
in der Stille seines Herzens der einen Einzigen stet- den 
Vorzug gibt." 
„Eine sehr gefährliche Doktrin, Komtesse." 
„Gefährlich ?" meinte sie und zog ein wenig die Brauen 
hoch. Sie war wie ein Kind, trotz ihrer dreißig Jahre und» 
trotz der Gegenstände, die sie für ihre Unterhaltung wählte. 
Es klang alles harmlos, was sie sagte. 
„Ja, gefährlich," wiederholte er. „Sie dürfen nicht 
vergesien, daß wir Männer leicht zu entzünden sind, und 
daß ein sogenannter Flirt ein Spiel mit dem Feuer ist." 
Sie schüttelte den Kopf und streckte abwehrend die 
Hand aus. Geradezu leidenschaftlich leugnete sie, was er 
gesagt, hatte. . ' 
G-rtsetzung folgt.)
        
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