Path:
Periodical volume Nr. 93, 27.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Sezagrprri» 
M IT5bo(wng aus brt 9?c5tnll(Q«n 
««nallich 1,60 Mark; durch L 
lnL Haus gebracht S,— Marl 
1(1« 
r<7Ms»r«ch«: 
(Kriedenauer Zeitung) , _ 
des Sriedevas« vrttttü dss SchSseder». | r *i b ” V a ^ n %¥ {t Dbc , c fts 
am - - — 71 Raum 76 Pfg. Die Reklamezelle kostet 
AkfchöflsfTkÜE! Nhklnstk. IS. 4.— Mark. Belegnuminer 15 Pjg. 
verltMtzriedena«, «chei»ftratz« 1». - -erufprecher: kl«t yfal^rr, ris». 
WrrrleWr 3e!tang |8r Sin.^rtcDeuw ssd 
Erscheint täglich aLerrdr. 
Amt Pßelztnrg HM. — SnUt and Verlag v»a Ke» Schaltz, 
Nr. SL 
—— - — > ' — > — ' — . > — —^ 
Berkn-Frledell»», Sleartaz, de» 27 Avril 1920 
Fchrg. 27 
Der Gesetzentwurf Grotz-Berlin ist heute Mittag von 
Lcr Preußischen, Landesvcrsammlung in endgültiger 
Schlutzabstimmung mit 164 gegen 118 Stimmen ange 
nommen norden. 5 Abgeordnete haben sich der Stimmt 
enthalten. Das Nüstimmungs-Ergrbnis wurde von der 
Linken mit lcohastem Bravo begrüßt. 
Damit rritt daS einheitliche Berlin am 1. Oktober 
in Kraft. Friedenau ivird, ivie schon berichtet, dann ein 
Teil von Schöneberg. Die Fricdenaner Verwaltung 
wird- ausgelöst. Der Bezirk „Schönebcrg-Fricdcnau" er 
hält ein Bezirksamt von 7 Mitgliedern und eine Bezirks- 
Versammlung von 45 Mitgliedern. Die Bezirksversainm- 
lung har im Nahmen der von den städtischen 
K ö r p e r s ch a f t e n B e r l i n s aufgestellt e n G r u n d- 
sätzc über alle Angelegenheiten des Bezirkes zu beschließen. 
OrtstiacbiicbttiB 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Neue Krhrbezirke. Wir verweisen auf die heutige 
Bekanntmachung unter ,,Amtliches" über die neuen.Frie- 
denauer Kehrbczirke. Unser Ort ist darnach jetzt in 3 Kchr-j 
bezirke eingeteilt, für die die Schonsteinfegerineister Wilh- 
Stoltzenburg sen. und jun. (Friedenau) und Karl Degen 
(Adlershof) angestellt sind. 
o Speisung der Kinder vom 2.—6. Lebensjahre. Auch 
die Kinder im Alter von 2—6 Jahren sollen bei der 
Speisung durch die Quäker berücksichtigt werden. Die El 
tern werden gebeten, diese Kinder zur ärztlichen Unter-, 
snchung in der hiesigen Kinderfürsorgestelle im Rathaus, 
Lanterstraße 20, am Donnerstag, den 20. April, vor 
mittags 0—)l0 Uhr, vorzustellen. Tie Untersuchung ist 
kostenlos. 'Siehe „Amtliches". 
v Tack Verdiei'stkrcuz für Krtcgshilfci witrde dem 
Kanzleisekretär, Herrn Heinrich Glaser, WilhekmShöher 
Straße 1, verliehen. 
obh Minister Haenisch gegen die „Mode" falscherBolkÄ- 
hochfchulrn. In einem ausführlichen Erlaß weist der Un- 
terrichtsminister Haenisch darauf hin, daß die Volkshvch- 
schulbewegung bisher mehr in die Breite, als in die Tiefe 
gewachsen sei. Tie Volkstümlichen Hochschulkurse und das 
Vortragswescn der Volksbildungsvcrcine, ivie sie vor dem 
,Kriege bestanden, seien für viele Volksbildungsveranstal- 
tungen, die sich als Volkshochschulen bezeichnen, Vorbilder 
geblieben. Die Volkshochschule sei sich ihrer Aufgabe, 
Weckerin einer neuen geistigen Bewegung im Volke zu sein, 
noch nicht bewußt geworden. Diese Aufgaben könne die 
Volkshockschule nur lösen, wenn sie die geistig Suchenden 
aus allen Kreisen des Volkes in sich vereinige. Dabei 
könne sie sich nichr auf den Boden einer bestimmten West- 
anschauung stellen. Ihre Teilnehmer sollen sich vielmehr 
jeder von dem Boden seiner Weltanschauung aus mit 
den geistigen Gütern der gesamten Kultur auseinander 
setzen. Dieser Aufgabe kann durch Massenveranstaltungen 
nichr gedienr werden. Der Gedanke der Arbcitsgemein^ 
schaft ist noch nicht zum Durchbruch gekommen. Die 
Mehrzahl der Volkshochschulen hat in ihrem Programm 
überhaupt noch keine Arbeitsgemeinschaften vorgesehen oder 
erblickt in einer Arbeitsgemeinschaft nichts anderes als 
eine Unterrichtsstunde. Sie vermittelt Kenntnisse, statt 
Erkenntnisse zu erarbeiten. Nicht als ein Fertiges ist das 
geistige Kulturgut den Teilnehmern zu bieten, das nur 
Die Briefe der Prinzessin. 
Von E. P h. Oppenheim. 
42 <Nackdruck verboten? 
„Können Sie den Grund nicht erraten?" fragte sie 
Er machte eine heftig abwehrende Handbewegung. 
„Sie verstehen mich nicht," sagte er. „Es gibt nur 
einen einzigen Grund, den ich anerkennen würde, und ich 
weiß nicht einmal, ob ich es tun würde. Alles andere 
aber ist von vornherein bedeutungslos." 
Sie gab keine Antwort. Schweigend sah sie vor sich 
nieder. Er aber drängte sie ungestüm: 
„Sagen Sie mir. daß Ihr Herz schon einem anderen 
gehört, daß ich Ihnen gleichgültig bin, daß ich Ihnen 
immer gleichgültig bleiben werde, und ich gehe. Sie 
würden mich niemals wiedersehen. Aber nichts anderes, 
nichts, was es auch immer sein möge, wird mich dazu 
bringen, von Ihnen zu lassen." 
Seine Worte hatten den Klang einer heißen, verzehren- 
den Leidenschaft, und unwillkürlich streckte er die Arnie 
nach ihr aus. ^ t 
„Sprechen Sie ein einziges gutes Wort!" sagte er 
flehend. „Sie wissen, was ich um Sie gelitten habe. Wenn 
nicht ein anderer zwischen uns steht, oh, so sagen Sie mir 
ein liebes Wort!" 
Sie zitterte, aber sie wollte sich nicht bewegen lasten. 
Sie sah, daß der Mann da vor ihr aufgewühlt war bis 
in die Tiefen seiner Seele, daß er sich nicht würde be 
lügen lassen. Selbst wenn sie ihn mit einer Lüge hätte 
fortschicken wollen. Aber sie wußte auch, wie tödlich jedes 
nüchterne und prosaische Wort einer hohen, von Liebes 
poesie geweihten Stimmung ist, und in der Furcht vor sich 
selbst griff sie zu diesem letzten Mittel. 
„Sie wissen nicht, was Sie sagen," erwiderte sie. „Ich 
habe Sie nickt mehr als dreimal gesehen. Wir wissen 
hingenommen zu werden brauchte, sondern als ein zu 
eroberndes, der Souveränität des Geistes Unterworfenes. 
Weiter heißt es in dem Erlaß: Ein Rückschlag in der Be 
wegung erscheint unvermeidlich. Er wird der Volkshoch 
schule nur heilsam sein. Ich sehe mich daher nicht in der 
Lage, seinen Zeitpunkt durch die Unterstützung solcher 
Unternehmungen,- die durch die Mode geboren worden 
sind und von der Mode getragen werden, künstlich hinaus 
zuschieben. Und das um so weniger, als mir zur För 
derung des Volkshochschulwesens noch so geringe Mittel 
zur Verfügung stehen, daß ich ausnahmsweise nur da mit 
Beihilfen eingreifen kann, wo eine Arbeit geleistet wird, 
die die Gewähr des Erfolges und der Dauer in sich trägt. 
o Der 1. Mai irr den.Schulen. Der Kultusminister 
überläßt es, da voraussichtlich die Regelung des Mai-Feier 
tages durch Reichsgesetz noch nicht sobald erfolgen wird, 
in diesem Jahre den Schnlverbänden, ob sie ihre Schulen 
am l. Mai schließen wollen oder nicht. Er ordnet indessen 
an, daß kein Lehrer und kein Schüler irgendwie benach 
teiligt werden dürfen, wenn sic dem Unterricht fernbleiben. 
o Kein Verkehr am 1. Mai. Tie Hoch- und Unter 
grundbahn und auch die Straßenbahnen werden am 1. Mai 
nicht fahren. Wie cs mit den Stadt-, Ring- und Vorort-« 
bahnen ist, steht noch nicht fest. Es besteht aber die 
Möglichkeit, daß wenigstens diese Verkehrsmittel in Be 
trieb sein werden. ' 
o Eins Begrüßung der aus der Kriegsgefangenschaft 
heim gekehrten Gcmeindcglirder veranstaltet die evang. 
Kirchengemeinde am Sonntag, den 2. Mai. Neben der 
öffentlichen Feier am Freitag, den 7. Mai, an der die 
Kirche auch beteiligt ist, will sic gleichsam ihren Kindern 
im eigenen Heim ein Willkommen entbieten. An Stella 
des 6 Uhr-AbcndgottesdiensteS wird um 7 Uhr in der 
Kirche von Pfarrer Kleine eine liturgische Festandacht 
gehalten, an die sich unmittelbar ein Teeabcnd im Ge 
meindehaus anschließt. Der Jungfrauenverein wird mit 
einem Chor, der Jünglingsverein mit einem Vorspruch, 
Pfarrer Vetter mit einer Ansprache, der Kindcrgottcs- 
dicust mit einem Festspiel die Heimgekchrten begrüßen. 
Tas freundliche Entgegenkommen der..Ortsgeiueinde und 
einzelner Gemcindeglieder ermöglicht cs, zum Tee etwas 
Gebäck und Zucker zu reichen. Konzcrtsängerin Fräulein 
Tauß und Ingenieur Toni Bögner mit seinen be 
liebten Liedern zur Laute haben ihre Mitwirkung zuge 
sagt. Den Abschluß des Abends bilden lebende Bilder 
zu Liedern. An alle Heimgekchrten ist eine besondere Ein-" 
ladung ergangen. Da einige als unbestellbar zurückge 
kommen sind, lädt die Kirchengemeinde durch diese Notiz 
nochmal alle Heimkehrer herzlich zur Teilnahme ein und 
bittet um schriftliche Anmeldung zur Feier an Pfarrer 
Kleine, Kaiserallce 76. 
o Ein Provinzialkartell Brandenburg des Deutschen 
Demntenbundes. Tas Kartell Groß-Berlin des DeutsckM 
Beamtenbundes' hakte gestern im Lehrervereinshaus Ver 
treter sämtlicher Ortskartelle der Provinz Brandenburg 
eingeladen. Nach den Ausführungen der Direktoren Ren 
ners und Tr. Höfle vom Deutschen Beaintenbund 
wurde die Gründung des Provinzialkarltells 
Brandenburg mit dem vorläufigen Sitz in Potsdam 
neben dem Provinzialkartell Groß-Berlin vollzogen. Zur 
Haltung des. Deutschen Bcamtenbuudes während des 
Kapp-Putsches wurde eine Entschließung angenom 
men, in der cs heißt: „Die Vcrsaminluug billigt die puf 
Grund des Aufrufs des Deutschen Beamtenbundes zur 
Abwehr des Kapp-Putsches getroffenen Maßnahmen. Alle 
Versuche, durch Mißdeutung einzelner, an den Handlungen 
des Teutschen Beamtenbundes zersetzende Kritik zu üben 
nichts von unseren Verhältnissen, wissen überhaupt so gut 
wie nichts voneinander. Und wir leben im zwanzigsten 
Jahrhundert, nicht im Jahrhundert der Liebesromantik, 
Herr Hollfelden." 
Aber er hörte den kühlen, fast geschäftsmäßigen Klang 
ihrer Worte nicht. Er sah nur das unruhige Flimmern 
ihrer Augen und das Beben ihrer feinen, weißen Hände. 
Und er fühlte, daß sie ihm für immer verloren war, wenn 
er jetzt nicht den Sieg davontrug. 
„Ich kenne Ihre Verhältnisse. Sie haben mir gesagt, 
daß Sie so gut wie mittellos sind, und ich bin froh dar 
über. Denn ich habe genug, eine Familie zu erhalten, 
und ich werde arbeiten, herrlich arbeiten können, wenn ich 
Sie neben mir habe. Margot, liebe Margot —" 
Er suchte sie sanft an sich zu ziehen. Aber sie 
wehrte sich. 
„Lassen Sie mich!" sagte sie schwer atmend. 
„Es stehen Dinge zwischen uns —" 
„Es steht nichts zwischen uns. Ich erkenne es nich! 
an. Was mit jenem— jenem Schrecklichen zusammenhängt, 
haben wir jetzt schon gemeinsam zu tragen, und wir werden 
es gemeinsam überwinden. Es steht nicht zwischen uns, 
es schließt uns zusammen, Margot." 
„Nein, nein, ich will nicht. Lassen Sie mich!" 
„Ich lasse dich nicht mehr, Margot. Nicht, wenn du 
mir nicht sagst, daß du mich verabscheust." 
Er hielt ihre beiden Hände. Und sie fühlte, wie ihre 
Kraft sie verließ. ^ 
„Ich gehe fort," flüsterte sie bebend. „Und Sie werden 
mich vergessen. Sie müssen mich vergessen." 
„Du wirst nicht fortgehen." sagte er, „ehe ich nicht weiß, 
wohin gu gehst. Fürchte dich nicht, ich dränge mich nicht 
in deine Geheimnisse, und ich werde dich nicht hindern, 
nach deinem Willen fortzuführen, was du begonnen hast 
Aber ich lasse dich nicht, ehe du mir nicht gesagt hast, ob 
du mich liebst, ob du, früher oder später, mein Weib sein 
willst." , 
»Ich werde morgen früh von hier fortgehen.". - 
und dadurch die Geschlossenheit der deutschen Beamtenschaft 
aufs schwerste zu gefährden, müssen mit allem Nachdruck 
zurückgewiesen werden." 
v Begrüßungsfeier für die heimgekchrten Kriegsge 
fangenen. Wie uns mit Bezug auf den gestrigen Bericht 
über eine Versammlung des Friedeuauer Mäuiier-Gesang- 
Vereins 1875 von der „Kricgsgefangcnenheimkehr Frie 
denau" mitgeteilt wird, ist die Vorlragsfolge für den Be- 
grüßungsabcnd noch nicht abgeschlossen. Es wird darüber 
noch fortgesetzt in einem Ausschuß verhandelt. In der 
Kriegsgefangenenheimkehr sind alle größeren Fürsorge- 
organisationen am Orte zusammengeschlossen. Daraus er 
gibt sich schon ohne weiteres, daß sie selbstverständlich 
bemüht ist, die Bevölkerung im weitesten Maße an der 
Veranstaltung zu beteiligen. Man hat auch au die Mit 
wirkung eines Männerchors und einer Turnriege von An 
fang an gedacht, will also allen Anforderungen gern ge 
recht iverden, sofern es die Raumverhältnisse gestatten. 
o In der Volkshochschule Friedenau hält am Dienstag 
Abend Oberlehrer Drehhaus einen Vortrag über das 
Thema: „Uebcrgang, ein Versuch zur Beurteilung unserer 
Zeit". Die beiden letzten Vorträge der Volkshochschul 
woche finden am Donnerstag und Freitag statt. Donners 
tag, den 20., Fräulein Reelsen: „Durch Berlin mit Schlü 
ter, Schadow, Schinkel". (Mit Lichtbildern). Freitag, den 
30., Dr. Just: „Die Lehre vom Leben, ihre Ziele und 
Wege" lMit Lichtbildern). Die Vorträge iverden abends 
8 Uhr im Gymnasium am Mahbachplatz gehalten. Ein 
trittskarten zu 1,50 M. sind am Eingang zu haben. 
o Ter Bund heimattrcucr Ostpreußen hält am Don 
nerstag, den 20., abends 7 Uhr,,in der Aula des Maybach- 
Gymnasiums eine Versammlung ab, wozu alle Landsleute 
und Gäste herzlich eingeladen werden. Näheres s. Anzeiget 
o Die Friedcmaucr Ortsgruppe des Teutschen Sprach 
vereins: erledigte auf ihrer Mitgliederversammlung am 
21. April im Wiesbadener Hof eine reichhaltige Tages 
ordnung. Den Vorsitz führte Dr. S. Mauermann in 
sachlich ruhiger Art; an den Aussprachen beteiligten sich 
hauptsächlich die Herren A. Ruprecht, K. v. Strantz, 
Dr. B u r ch a r d i und Lang e. Es wurde empfohlen, 
die dem Ganzen dienende Arbeit der Ortsgruppe doch 
als eine Eigenart ihrer Selbständigkeit anzusehen, dem 
V o l k s h a u s g e d a u k e u zunächst einzeln förderlich zu 
sein und für die künftigen Untcrhaltungsabcnde große 
Gebiete wie das Kaufmannsdeutsch, das Ucbersetzerdeutsch 
und auch das Deutsch in Küche und Keller anregend 
zu gestalten. Besonders betont wurde, haß alle kleinen 
und großen Sitzungen und Veranstaltungen der Orrs- 
gruppe nichts mit Politik zu tun haben, daß unpar 
teiisch und unpolitisch zu verhandeln fei, daß selbst die 
kleinsten Verstimmungen zu unterdrücken seien zugunsten 
des uns alle verknüpfenden Bairdes der deutschen Sprache. 
Für Ende Mai wurde ein deutscher Lieder- und Volkss- 
trachtenabend, der im März leider ausfallen mußte, an 
gesetzt; Näheres soll darüber noch bekannt gegeben werden. 
Für Juni ist ein Ausflug nach Schlachtensee geplant. 
— Besonders erwähnenswert sind zwei E n t s ck l i c ß u g- 
g c n: Ein Antrag auf Erweiterung des alten Wahlspruches 
des Vereins in anbetracht der Vielseitigkeit feiner Auf 
gaben und ein Antrag auf Einführung volkstümlichen 
Unterhaltungsstoffes (Erzählungen und Theaterstücke) in 
die Vereinszeitschrift in, Sinne des Sprachvereins. 
o Der Schachwcttkampf Wilmersdorf—Steglitz, an 
welchem sich beiderseits 25 Spieler beteiligten, verlief 
überaus spannend. Die Partien wurden durchweg ernst 
behandelt, so daß erst nach einstiindigein Kampf die erste 
Entscheidung siel: Ein Sieg für Steglitz, dem bald ein 
„Ich hatte die Absicht." erwiderte er. „ebenfalls eine 
kleine Reise zu machen, nur wenige hundert Meilen weit." 
Sie lachte verzweifelt. 
„Das ist ja alles töricht," sagte sie. „Sie müssen gehen, 
sogleich. Die Komtesse soll Sie nicht mehr hier finden, 
wenn sie zurückkommt." 
„Ich werde gehen, wenn du es verlangst, aber nicht, 
ehe ich nicht meine Antwort habe. Und ich werde mich 
nur mit einer einzigen Antwort zufrieden geben." 
„Ich finde, Sie sind der hartnäckigste Mann unter der 
Sonne." 
„In diesem einen, ja," gab er zu. 
„So hören Sie!" sagte sie und suchte sich einen An 
schein von Festigkeit zu geben, noch immer verzweifelt 
bemüht, ihre Hände aus den seinen zu ziehen. „Ich will 
und werde Sie nicht heiraten." 
Er zuckte die Achseln. 
„Es genügt mir," sagte er gelassen, „daß ich darüber 
anderer Meinung bin. Und es ist nicht die Antwort, die 
ich haben wollte." 
Sie wollte zornig werden, aber unter dem Blick, mit 
dem er sie ansah, vermochte sie es nicht. Und plötzlich warf 
sie sich an seine Brust. 
„Ja, ich liebe dich," flüsterte sie mit heißem Atem, und 
ihre Lippen suchten die seinen. „Ich liebe dich! Ich liebe 
dich! Bist du nun zufrieden, du hartnäckiger Mann?" 
20. Kapitel. 
Nur für die Dauer weniger Augenblicke ruhte Margot 
selbstvergessen an seiner Brust. Dann machte sie sich frei, 
und nun war sie in der Tat ruhig, innerlich wie äußerlich. 
„Ich haste und verabscheue die Lüge, wenn sie zugleich 
eine Feigheit ist," sagte sie und ordnete mit halb mechanischer 
Handbewegung ihr Haar. „Freilich es gibt Lügen, die aus 
innerer Notwendigkeit geboren werden. Aber daß ich Ihnen 
nicht sagen wollte, daß ich Sie liebe —" * 
„Margot! Sic?" ftagte er voll Bestürzrmg. Und sie 
yicktp xrnst. ' "
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.