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Periodical volume Nr. 92, 26.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

zur unentgeltlichen Aufnahme von 100 Kindern aus ver 
armten, gebildeten Familien ohne Unterschied des Glaubens' 
bestimmt ist, hat in diesem Zeitraume 282 Zöglinge, 139 
Knaben und 143 Mädchen, aus allen Teilen des deut 
schen Vaterlandes mit gründlicher Schulbildung ausge 
stattet. 
oA Keine Frühjahrsschonzeit für Fische. Zur Erleich 
terung der Volksernährung hat der Potsdamer Regierungs 
präsident angeordnet, daß die alljährlich für den Regie 
rungsbezirk Potsdam für die Monate April bis Juni fest 
gesetzte Frühjahrsschonzeit der Fische in diesem Jahre 
fortfällt. 
oA Der Beginn der Jagd auf Rehböcke ist für den 
Landespolizeibezirk Potsdam, dem auch die Groß-Berliner 
Kreise Teltow und Niederbarnim angehören, pom Be 
zirksausschuß auf den 16. Mai >d. Js. festgesetzt. Die 
Schonzeit für Rehkälbcr ist auf das ganze Jahr aus 
gedehnt. ! I 
o Um die Höchstmictenverordnung. In Groß-Berlin 
fanden gestern 30 Protestversammlungen statt, die der 
Mieterverband Groß-Berlin veranstaltete und die 
sich gegen die Gefährdung der Hüchstmieteuverordnuiig 
durch neue Zuschläge richteten. In einer Entschließung 
wird gegen alle Abschwächungcn der Höchstmietenvcrord- 
nung und gegen jede Ueberschrcitung des Mietszuschlagcs 
über 20 v. H. Verwahrung eingelegt. Es wird für die 
Höchstmieten rückwirkende Kraft bis zum 1. Januar 1920 
gefordert und weiter gesetzliche Festlegung der Mieterräte 
verlangt, denen die Kontrolle über die Reparaturzuschlüge 
zustehen soll. Dem Wohnungsausschuß Groß-Berlin wurde 
im Namen der Mieterschaft das schärfste Mißtrauen aus 
gesprochen und die einseitige Auslegung der Höchstmietcn- 
vcrordnung durch die Mietciuigungsämter verurteilt. — 
Gleichzeitig hielten die Hausbesitzer Groß-Berlins 
drei große Versammlungen im Lehrervereinshaus ab, 
denen u. a. der Dezernent für das Wohnungswesen Geh. 
Reg.-Rat Kügler beiwohnte, der anerkannte, daß die 
Verordnung verbesserungsfühig sei. Er sagte u. a.: ,,Jch 
weiß, daß jetzt eine Erhöhung der öffentlichen Abgaben 
vorgeschlagen wird und daß mit dielen Steigerungen auch 
gerechnet werden muß. Oeffcntliche Abgaben aber sind 
dazu da, um abgewälzt zu werden. DaS stelle ich 
öffentlich fest, die können Sic nicht tragen." — Nach einer 
längeren Aussprache wurde eine Entschließung angenom 
men, in der darauf hingewiesen wird, daß die bewilligten 
20 v. H. den Hausbesitz, in kürzester Zeit zwingen wer-' 
den, die Magistrate um Stundung der öffentlichen Ab 
gaben zu ersuchen oder deren Zahlung gänzlich einzu 
stellen. Zum Schluß wird die Verantwortung für die 
Folgen einer Zahlungseinstellung von seiten des Hausbc- 
sitzes abgelehnt und der Wohlfahrtsminister gebeten, die 
Verordnung aufzuheben und damit den Potsdamer Be 
schluß zur Vermeidung einer Katastrophe außer Kraft 
Zu setzen. 
o Ter Friedenau« MLnncr-Gesang-Verein 1875 hielt 
am Sonnabend Abend eine Versammlung ab, in der 
er sich mit der Begrüßungsfeier für die zurück 
gekehrten Kriegsgefangenen bcschüftigie. Es 
wurde auf das lebhafteste bedauert, haß der Begrüßuugs- 
abend, den die hiesige Ortsgruppe der Fürsorgevereinigung 
für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangencn veran 
stalten will, eine Form haben wird, Ivelche die Beteilig 
gung.weiterer Bevolkerungskrcisc und insbesondere der 
angesehenen und älteren Ortsvcreine ausschließt, die mit 
der Einwohnerschaft verwachsen und eng verbunden sind. 
Diese Begrüßungsfeier aber müsse doch eine Feier sein, 
an der sich die Bevölkerung in weitestem Maße betei 
ligen könne. Aus dem Herzen der Einwohnerschaft heraus 
müsse die Begrüßungsfeier stattfinden, so wie cs in den 
Nachbargemeinden gchandhabt wurde, und nicht, wie man 
cs hier tue, daß einige wenige Personen fick für diese Ver 
anstaltung in den Vordergrund drängen. Der Gesang 
verein hätte immer auf diesen Tag gerechnet, Ivo er die 
aus harter Gefangenschaft zurückgekehrten Friedcnauer jnit 
dem deutschen Liede zu erfreuen gedachte. Auch der Turn 
verein und andere Vereine hatten sich hieran beteiligen 
wollen. Nun werden die Vereine davon ausgeschlossen. 
Früher waren diese Vereine oftmals gut genug dazu, 
um die örtlichen Veranstaltungen, die von der Gemeinde 
ausgingen, zu verschönern. Wo es sich aber mal um 
eine besondere Veranstaltung handelte, werden diese 
Vereine von den Kreisen, die sich in den Vordergrund zu 
drängen wissen, geschnitten. Es wurden verschiedene Au- 
trüge gestellt, die gegen die geplante Vracnstalttiug sich 
richteten, aber abgelehnt wurden. 
o Im Kronprinzen-Palais beginnt Privatdozent Dr. 
B. Daun am Sonntag, den 2. Mai, vorm. 9—10 Uhr, 
und am Montag, den 3. Mai, nachm. 3—4 Uhr zwei 
als erledigt gellen. Alles weitere liegt bei Fräulein 
Margot." , 
Heinz neigte sich vor und sab ihr mit angstvollem Blick 
in die Augen. 
„Und können Sie mir nicht ein ganz klein wenig 
Hoffnung machen " 
Die Komtesse machte eine leichte Bewegung mit den 
Schultern und stand auf. 
„Sie dürfen mich nicht fragen," sagte sie ausweichend. 
„Margot ist sehr schwer zu beurteilen. Aber wie ihre Ant 
wort auch ausfallen niag, meine Sympathien gehören 
Ihnen jedenfalls, Herr Hollfeldcn." 
„Ich danke Ihnen für dieses Wort, gnädigste Komtesse!" 
sagte er. „Aber könnte ich nicht Fräulein Margot —" 
„Sie werden mit ihr sprechen können, ja. Denn ich 
höre sie kommen." 
Im nächsten Augenblick ging die Tür auf, und Margot 
stand auf der Schwelle. Sie trug ein einfaches Kleid, ohne 
jeden anderen Schmuck als den einer schlichten goldenen 
Radel, die das Kleid am Halsausschnitt zusammenhielt. 
Aber ihre Schönheit war Heinz dennoch niemals hoheits- 
voller und vornehmer erschienen als in diesem Augenblick. 
Das Dunkel ihres welligen, in der Mitte gescheitelten 
Haares hob die schneeige Blässe ihres Teints noch mehr 
hervor, nud ihre Augen hatten oen weichen Glanz und den 
irisierenden Schiinmer der Opale. 
Sie erwiderte Hollfeldens Gruß mit einem leichten, 
anmutigen Reigen des schönen Kopfes. Roch ehe sie aber 
etwas hatte sagen tönnen, trat die Komtesse auf sie zu 
und sagte laut: 
„Herr Hollselden wünscht dich zu sprechen, Margot." 
Leise aber fügte sie hinzu, so leise, daß es Heinz nicht 
Horen konnte: 
«Sei nicht grausam, Liebe I Er ist wirklich reizend." 
Margot wartete, bis sich die Tür hinter ihr geschlossen 
Halle. Dann wandte sie sich ruhig an Heinz. 
„Ich freue mich," sagte sie, „daß Sie mir Gelegenheit 
gcgebeNi haben, mich von Ihnen zu o-rabMieden." 
wrallele Vortragsreihen von je 4 Stunden über die mo- 
»ernen Gemälde und Plastiken. 
o Volkstümliche Vorträge aus dem Gebiete d« Pfl-rn- 
zenkunde finden im Sommer 1920 im Botanischen Museum 
zu Berlin-Dahlem, Königin-Luisestr. 6—K, statt. Es sind: 
1. Vortragsreihen, zu je 6 Vorträgen, die behandeln: 
Krankheiten der Pflanzen durch Boden und Klima. (Prof. 
Gr. Graebner.) Pflanzenleben in den Tropen (Prof. Dr. 
Mildraed), Eßbare und schädliche Pilze (Dr. Ulbrich., 
Die Gctreidcpflanzen (Pros, Dr. Pilger). 2. Einzelvor- 
trägc und Doppelvorträgc. Eintrittskarten (für die Vor 
tragsreihe zu,n Preise von' 2,50 Mark, für die Einzel- 
vortrage von 50 Pfg., für Doppclvorträge von 1 Mark) 
sind im Vorverkauf erhältlich' an Wochentagen von 8 1 '«—1 
Uhr im Büro des Botanischen Museums, Dahlem, .Köni 
gin-Luisestr. 6—8; sie können auch gegen Einsendung 
des Betrages von dort bezogen werden. Außerdem sind 
solche an den Bortragstagen selbst von »/*6 Uhr ab beim 
Pförtner des Museums zu haben. Kinder unter 14 Jahren 
können nicht zugelassen werden. 
o Ihr 1. Sinsonie»Kvnz«t veranstaltete gestern die 
vor einiger Zeit neu begründete „Orchester-Ver 
einigung des Westens (Dirigent: Musikdirektor Jo 
hannes S ch c u r i ch) im Fcstsaale des Rcsorm-Realgym- 
nasiums vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. DaS etwa 
50 Mitglieder starke Orchester bot wirtlich Gutes. Es 
war eine Freude, dem aufmerksameu, genauen und sorg 
fältigen Spiel zuzuhören. Mit großem Fleiß, hatten Diri 
gent' und Ausübende die Orchesterwerlc eingeübt, so daß 
der laute Beifall, der ihren Darbietungen» zuteil wurde, 
ein wohlverdienter war . Leider wurde die Klangwirkung 
beeinträchtigt durch die ungünstige Bühuenakkustik; cs fehlte 
dadurch das Geschlossene, Zusammenfassende im Klang. 
Die im Vordergründe sitzenden Geigen schienen oft iso 
liert von den Bässen, der Blas- und Schlagmusik. Man 
sollte hier doch einmal ernstlich daran denken, eine muschel- 
artige Bühncueinrichtung zu schaffen, um auch solche musi 
kalische und gesangliche Vorträge mit größerer Mtiwirken- 
denzahl klanglich zu verschönern. Die Sinfonie Nr. 6 
G-dur von Haydn und der „Donauwalzer" von Strauß 
hatten gerade unter dieser ungünstigen Klangwirkung zu 
leiden, obwohl wir bei diesen Darbietungen gerade die 
saubere Arbeit des Orchesters anerkennen mußten. Auch 
die Serenade D-dur von Mozart war eine schöne Leistung. 
Hingegen war die Begleitung zu den Gesängen des Kam 
mersängers Kal weit zu stark. Der Künstler verfügt 
über eine schöne Tcnorstiinme, doch ist seine Aussprache 
nicht die beste. Er sang eine Arie von Haydn und 
„Adelaide" von Beethoven. Einen besonders schönen mu 
sikalischen Genuß bereitete die Pianistin Ilse 'Brach 
vogel den Zuhörern. Mit wunderbar weichem Anschlag, 
innigem Spiel und vorzüglicher Technik gab sic „Aufforde 
rung zuni Tanz" von Weber und Polonaise Es-dur von 
Fcrd. Hummel wieder. Entzückend waren die Triller und 
Läufe uiil^die schöne Ausdrucksform des Themas. Auch ihr 
wurde reicher Beifall zuteil. Wir wollen hoffe», daß das 
Orchester sich noch verstärkt und uns hoffentlich recht bald 
wieder mit einem schönen Konzert erfreut. M. 
o Unterricht in Stenographie. Der hiesige Steno 
graphenverein Stolzc-Schrey eröffnet .am Freitag, ,den 
30. Aprft, abends 8 Uhr, in der zweiten Gemeinde- 
schule, hier. Goßlerstr. 15, (neben dem Lyzeum) neue 
Unterrichtslurse ft'". Anfänger. Anmeldungen nimmt der 
erste Vorsitzende Oberzollsctretär Heinrich Beykirch, hier, 
Lefcvrestraße 10, entgegen. (S. auch Anzeige). 
Zur ReichstagswabL 
r Dir Kandidatr» der Demokraten. In der Vertreter- 
versammlung der Deniokra tischen Partei für den 
Reichskagswahlkreis Teltolv-BeeSkow-Storkow usw. wurden 
folgende Kandidaten für die kommenden Wahlen aufge 
stellt: Staatsminister a. D. Deruburg, Chefredakteur 
Nuschle, Frau Heus;-Knapp, Syndikus Schubert 
und Bürgermeister W i ll.i g m'a n n (Nicderschönewcide). 
VereinsDacbricbten 
)( Wilhelm Schmidt'fcher gemischter Chor. UebungSstunde: 
Montags */,8 — */|10 Uhr im Restaurant „Hohenzollern", Hand» 
jcrystr. 64. Stimmbcgabte Damen und Herren sind willkommen. 
)( Der „Frieden»»» Gesangverein für gemischten t5hor" 
(Chormeister: Gesanglehrer Walter Schmidt) übtjedenDlens» 
tag im Gefangssaal der Königia-Luije-Schule. Aufnahme 
neuer Mitglieder im Uebungssaal; Herren besonders erwünscht. 
)( Orchester-Vereinigung des Westens (50Mitgl.) UebungS- 
abenve jeden Dienstag V 2 8— J/ 3 10 Uhr tm Saal Rhecnstraße 24. 
Akusikfreunde willkommen. 
)( Volkshochjchul-Fraucnchor. Ucbungsstiind- ausnabmS- 
weise DienSiag, den 27. April, abends 8 «Uhr, in der Aula des 
Hollselden blieb für einige Augenblicke stunim. Das 
hatte er nicht erwartet. 
„Zu verabschieden!" wiederholte er. „Sie wollen — 
Sie wollen forlrcijeu 
Sie nickte. 
„Morgen früh. Oh, ich bin froh, Sie wissen nicht, wie 
froh ich bin." 
Er wußte nur, daß sie sehr schön war und daß sie 
nicht eben so froh aussah, wie man es nach ihrer Ver 
sicherung hätte glauben wollen. 
„Ich werde immer an Berlin denken als an einen 
Ork, mit dem sich für mich die schrecklichsten Erinnerungen 
verknüpfen," fuhr sie fort. „Oh, wenn man doch so weit 
fortgehen könnte, daß selbst die Erinnerungen nicht folgen 
louitten." 
„Man könnte vielleicht auch so weit gehen, Fräulein 
von Wehringen." 
„Mir sind jedoch nur wenige hundert Meilen gestattet. 
Und Berlin ist ein furchtbares Ungetüm, es streckt seine 
Fangarme sehr weit aus." 
„Rur wenige himdect Meilen," wiederholte er mit 
sichtlicher Erleichterung. «Roro — weit — tuu — ooer 
ostwärts?" 
„Südwärts," erwiderte ffc mit unwillkürlichem leisen 
Lachen. „Und dort, wohin ich gehe, werden mich Berge 
von leidlicher Höhe einschließen. Es ist immerhin ein 
Trost, sie zwischen mir und cinein Ort zu wissen, den ich 
— hasse." 
„Warum ist Ihnen Berlin so hassenswert?" fragte er. 
„Vielleicht nicht gerade hassenswert. Richtiger ist, daß 
ich mich vor ihm — fürchte." 
„So wollen wir nicht von diesem schrecklichen Ort 
sprechen," sagte cr. „Sagen Sie mir lieber, wohin Sie 
gehen." 
Sie schüttelte den Kopf. . 
„Ist ein kleines Paradies," erwiderte sie. 
„Das Paradies," erinnerte cr, „war für zwei bestimmt." 
«Es ttverdeN „zwei" dort-fein." «ab sie lächelnd zurück. 
Luise-Lyzenm?. Pünktliches Erscheinen de: Mitglieder dringend 
erwünscht. , 
)( Die Grotzdeutsche Freihettsparte! veranstaltet am 27. 4, 
abends 8 Uhr, eine Mitgliederversammlung im „Prinzen .fano- 
jerey", Handjery», Ecke Kcrchstraße. Die Tagesordnung weis: 11. a. 
folgenoe Punkte auf: Vortrag des Herrn Brose -über das Reichs- 
Wahlgesetz und Vortrag des Herr:; Rüge zum Programmpnntt 
„Vergenossenschaftung". Gäste herzlich witlkommcn. 
)( Deutscher demokratischer Verein für Schömberg. Oessfnl- 
liche Versammlung sür Männer und Frauen am Mittwoch, den 
28. April, abends 8V2 Uhr pünktlich, in der Aula des Helmholtz- 
Ncalgymnasiums, Rubensstraße. „Die Deutsche demokratische 
Partei und die kommende': Wahlen". Redner: Herr Abg. Dr. 
Schreiber-Halle, Zivilkominissar während des Kapp-Pntsches 
sür Halle. Freie Aussprache. Jedermann ist eingeladen. 
)( Sozialdemokratischer Wahiverein Berlin-Friedenau. Unsere 
Mai sei er findet am Sonnabend, den I. Mai, im Parkrestau 
rant „Rheingan", Binger Skr. I — 3, an: Bahnhof Schmargen 
dorf statt. Ter Beginn ist aus 3 Uhr 'nachmittags festgesetzt. Ge 
meinsame Kaffeetafel, Jugendspiele, Reigen der Jugendgruppe. 
Um 6 Uhr beginnen im Saal ernstc und heitere Vorträge, Musik, 
Gesang, Rezitation, Tombola u nd Tanz. Die Parteigenossen 
werden zu einmütiger Beteiligung aufgefordert. Eingesnhrkv 
Gäste willlomtnen. Eintrittskarten zum Preise von 95 Pfg. 
iiitt. Steuer und Tanz (Kinder unter 14 Jahren frei) sind bei. 
den Bezirkssührern und bei dem Obmann Rndbeck, Odenwclld- 
straße 26, Ausg. '1, v., 2 Tr., erhältlich. 
)( Teutsche demokratische Partei, Ortsgr. Friedenau. Ihre 
Mitwirkung bei dem „F r ü h l i n g s f e st de r D e in 0 k r a t e n" 
haben solgende Künstler zugesagt: Für den Prolog: Friede 
Edel; sür Gesang: Konzertsüngenn Cleincntine Börner; 
Klavier: Kiaviervirtuosin Erna Schrempf, Leiterin der Steg 
litzer akadem. Musikschule; Rezitation: Otto Erich v. Wnssow. 
Neuartige Tanzdarbietung: jugendliche Baileltdiva Irmgauo 
Zenneft. — Eintrittskarten — auch sür Gäste —6:1 den Papier 
geschäften von Oskar Wolfs, Rheinstr. 16 und 52, und Ebers, 
Rheinstraße 15. 
BerHn und Vororte 
§0 Die Volkshochschule Witmcrdorf nimmt heute die 
Vorlesungen des Sommerquartals auf. l6 Vortragsreihen 
aus allen Wissensgebieten, darunter 7 Arbcitsgemeinschai- 
ten, sind vorgesehen. Als neue Dozenten treten ein: Geh. 
Justizrat Volkmar, Tr. Georg Voß, Dr. Haus Lebede, 
Uuiv.-Prof. Karl Scharfer, Dr. Erich Track, 2nibu'iunt 
Wachmann, Dr. Krüger und Oberlehrer Heime. Ausführ 
liche Vorlesungsverzeichnisse sind im Rathaus Wilmers 
dorf, Zimmer 38, in oen Volksbüchereien und sämtlichen 
Dienstellen gratis erhältlich. 
80 Im Berliner Aquarium sind in den letzten Tagen 
eine ganze Anzahl prächtige chinesische nud amerikanisch-.' 
große Spinner ihren Puppen entschlüpft und bevölkern 
mehrere Glasküsige des Jiisektariums. Die Tiere gehören 
zum Teil Arten an, aus deren Cocons Seide gesponnen 
wird. Die Männchen sind von den Weibchen leicht durch 
ihre etwas geringere Größe und laug-bcfranzten Fühler 
zu unterscheiden. Die Paare tun sich wenige Stunden 
nach dem Ausschlüpfen zusaliimcn, worauf die Weibchen 
bald zur Eiablage schreiten. In wenigen Wochen dürsten 
daun die zum Teil sehr.auffallenden Raupen ausgestellt 
werden können. 
Zuschritten 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Die Ausländer aus dem deutschen Grundstücks mattl. 
(Herrn Konieczka ins Stammbuch!) 
Auf dem Grundstücksrnarlt wurde in Friedcnszcftcu 
der Werk der Grundstücke berechnet als das Mittel aus 
dem Bestandswcrt der Gebäude und des Geländes und 
dem kapitalisierten Ncttomietwerc, wobei 6 Prozent zu 
grunde gelegt wurden. Beide Werke kamen ctiva aus das 
selbe heraus, da der Bestandswcrt der Gebäude als Feuer- 
kassenwert amtlich festgelegt und der Beleihung der Ge 
bäude zugrunde gelegt wurde. Bei Verbilligung der Bau 
stoffe durch Verbesserung der Produtkion.und der Arbeits 
verfahren wurde der Gebäudcwert geringer, dafür stieg 
.aber in sonst guten Gegenden der Geländewert unter dem 
starken Druck der großstädtischen Bevölkcruugscrnähruug. 
Gegenwärtig besteht nun ein innerer Widerspruch in der 
Bewertung der Grundstücke. Ais wirkliche Wertgegenstände 
werden sie gegenüber der sich immer mehr vcrflüchum-u- 
den Papicrmark bevorzugt. Der Gcbüudcwcrt hat "sic:> 
unter'Zugrundelegung der Herstellungsiosten bei dem Man 
gel von Rohstoffen verzehnfacht. Dem Mietwcrr ist aber 
durch die Verordnung über Höchstinieteu eine lnnstiich!.' 
Grenze gesetzt. Der Ueberschuß, der für die Feststellung 
des Mietwerts früher entscheidend war, ist durch die hohen 
Ausbesscrungskosten aufgesogen worden. Die unter sozial 
politischem Gesichtspunkte notwendige Begrenzung der 
Mieten macht eine nachhaltige Linderung der Wohnungsnot 
unmöglich, da bei den jetzigen .Baukosten nicht gebaut 
Sein Herz begann heftiger zu lchlao.cn. Er fühlte, daß 
ihn seine Leidenschaft wieder zu überwältige» drohte- 
„Und wenn ich »uu Lust hätte, den Eindringung zu 
spielen?" fragte cr. 
Sie schüttelte dcn Kovst 
„Der Dritte im Paradies, das wäre c'u Anachrouis- 
mus," meinte sie. „Er würbe keine gute Rolle spielen." 
„Das käme auf die beiden anderen an," protestierte er. 
„Sie genügen sich vollloiiiiue»," erwiderte sie. „Und 
sie fülle» das Paradies aus. Erinnern Sie fielt, daß ich 
Ihnen sagte, es sei nur klein." 
„Solch ein Platz existiert nicht" saale cr. „Ein Para 
dies darf nicht klein fein. Die ganze Welt ist ein Paradis 
für zwei, die sich lieben." 
„Ich liebe meine Freundin," gab sie lächelnd zurück. 
Er alincte tief auf. 
„Sie glauben nicht, welche Erleichterung mir das Ge 
schlecht des zweiten Paradiesbeivohu.rs bereitet," fönte 
er. „Aber finden Sie »ich-, daß auch darin ein Anachro 
nismus liegt?" •' 
Noch ehe sie antworte» konnte, bemächtigte cr sich ihrer 
beide» Hände und sagte mit leide»schnftlich zitternder 
Stimme: 
„Fräulein Margot, können Sie »rich nicht lieben? Sie 
wissen ja nicht, wie ich Sie liebe. Ich will Ihnen ein 
Paradies bauen, wo immer Sie wollen,, und wenn cs am 
Ende der Welt wäre. Und keine Sorge, lei-: trüber Ge 
danke soll sich in das Paradies schleichen tönnen." 
Sie mochte sich sogleich von ihm frei, lind sie trat 
weit von ihm zurück. 
„Sie dürfen nicht so zu mir sprechen," sagte sie mit 
fester Stimme. „Sie dürfen nicht." 
„Aber warum, um Himmels willen, darf ich nicht'» 
Sagen Sie de» Grund, wenn Sie einen Grund zu nennen 
wissen." 
Sie sah ihm in die Auge». 
Fortsetzung folgt.)
        
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