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Periodical volume Nr. 92, 26.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Beritu^riedena», «cheiustratze 1». — Weesfprechrrr Amt Pfultzdurg »1«. 
Nr. 82 
Berlin-Friedenau, Montag. Den 26. April 1920 
8chrg. 27 
1 Troß-Berlin zum 1. Sktober 1828. 
" T ie dritte Lesung in der Landes Versammlung. 
Während sich in der zweiten.Lesung nur eine Mehr 
heit von 13 Stimmen für die Einheitsgemcinde ergeben 
hatte, stimmten am Sonnabend im Hammelsprung in 
der dritten Lesung 118 Abgeordnete gegen die von den 
Teutschnationalen erneut beantragte Gesamtgcmeinde, 101 
dafür. Tie Schlustäbstimmung über das ganze Gesetz hätten 
die sozialistischen Parteien Sonnabend auch noch gern durch 
gedrückt. Tie Minderheit machte von dein ihr durch die 
Geschäftsordnung zugebilligten Rechte Gebrauch und fetzte 
die Bertagung der Schlustäbstimmung auf Dienstag 
durch. 
In der zweiten Lesung wurden noch zwei Anträge 
der Demokraten gegen die Stimmen der Sozialdemo 
kraten angenommen, rind zwar ein Antrag zum 8 39 d, 
wonach für die künftige Schulverwaltung Groß-Berlins 
eine besondere Abteilung für das Fach- und Fortbildungss- 
schulwesen im Provinzialschulkollegium gebildet und dem 
Handclsminister unterstellt werde, und der Antrag, das 
Gesetz nicht schon zum 1. Juli,' sondern zum 1. Oktober 
1920, in Kraft treten zu lassen.- In der Fortsetzung 
der zweiten Lesung versuchten die. .Sozialdemokraten den 
sechsmonatigen Wohnsitz (als Bedingung für das Groß- 
Berliner Bürger- und Wahlrecht) durchzubringen, während 
der Ausschuß die Frist aus .guten Gründen auf 1 Jahr 
verlängert hatte. Ter § 40 wurde na/h dem Aüsschußan- 
tragc angenommen. 
Die Schlußabstimmung ist also morgen. .Bon ihr 
hängt es ab, ob die Selbständigkeit Friedenaus wie 
aller anderen Borortgemeinden am 1. Oktober d. JZ. zu 
Ende sein soll. Friedenau gehört dann zum 11. Berliner 
Bezirk „Schöneberg", erhält vielleicht eine Art Ortsbe-- 
zirksvcrwalter, sonst aber untersteht es der unmittelbaren 
Verwaltung der Bczirksversammlung und des Bezirks-, 
amtes Schöneberg, über das wiederum der Groß-Berliner 
Magistrat und die Groß-Berliner Stadtverordnetenver-- 
sammlung die Oberhand haben. Warten wir also ab, was 
sich morgen ereignet. 
OrtsnacdrLcbleN 
(Skachdr. unsrer o-Originalo-tikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Oeffcntttcher Arbeitsnachweis. — Erwerbs- 
losenfiirsorge. 
Die Tätigkeit des Arbeitsnachweises war im Monat März 
dnrcki die über eine Woche dauernden Unruhen erheblich 
beschränkt. Es wurden 985 offene Stellen gemeldet, 119 
für .Männer und 866 für Frauen. Die männlichen Stellen 
wurden restlos besetzt, von denen für Frauen nur 623. 
Als Arbeitsuchende wurden 274 Männer und 623 Frauen 
gezählt. In der Hauptsache handelte es sich in der münn- 
lichcn Abteilung um Vermittelung von Gartenarbeitern, 
die infolge der für diese Arbeiten günstigen Witterung 
viel verlangt wurden und um Aushilfsarbeiter. Im Bau 
gewerbe wurden Zimmcrlcute und Maurer eingestellt,) 
während die Nachfrage nach Malern ganz gering war. 
Inzwischen ist hierin aber eine Besserung eingetreten. 
Einige Schlosser wurden vermittelt. Große Nachfrage be 
steht nach wie vor nach Tischlern, Maschinen-Arbeitern für 
Holzbearbeitung und Schneidern. In der Abteilung für 
Frauen konnten Fabrikarbeiterinnen, Kontoristinnen und 
Stenotypistinnen nachgewiesen werden. Die Haupttätig, 
keit lag in der Bermittelung von Hausangestellten aller 
Art. Zahlreiche Mädchen für alles, Köchinnen, Wirtschaf 
terinnen usw. erhielten Stellung, jedoch übertraf wie bis 
her die Nachfrage nach solchen Kräften bei weitem das 
Angebot. Dies trifft auch zu für Aufwartefrauen. .Sehr 
rege war die Berniittelung von Wasch- und Reinmache-- 
sraucn, von denen dem Arbeitsnachweis ein guter Stamm 
zuverlässiger und erprobter Personen zur Bersügung steht. 
An gut vorgebildeten Näherinnen für gewerbliche Ar 
beit, sowie an perfekten Stenotypistinnen fehlt es. Ver 
langt werden täglich: Hausangestellte jeder Art für Pri 
vathaushalle, Geschäfte und Restaurants, Aufwartefrauen 
sowohl für täglich mehrere Stunden vor- oder nachmit- 
| tags, als auch für einzelne Tage in der Woche, und Reine- 
j machesrauen für Treppenreinigung. Tüchtige Ausbesse 
rinnen, Servierfräulein für Privathaushalte, sowie Wasch- 
und Reinmachefraucn sind stets vorhanden, letztere beson 
ders für die ersten Tage der Woche. Die Vermittelung 
erfolgt stets kostenlos und werktäglich von 9 bis 1 JUfjr 
und außer Sonnabends von 4' bis,7 Uhr nachmittags, 
Niedstr. 41. Fernruf: Pfalzburg 3485 (Fraucn-Abteilung), 
4631 (Männcr-Abteilung). 
Tie E r w er b s lo se n für s or g e unterstützte am 
31. März 1920 85 Erwerbslose gegenüber 175 am 31. 
zembcr 1919, darunter 20 ungelernte Arbeiter, 16 Bau- 
handwerker, 20 Metallarbeiter, 10 Kaufleute, 7 Kraft 
fahrer usw. Länger als '6 Monate werden noch 3 Per 
sonen unterstützt. Tie Aufwendungen für die Erwerbslosen- 
jürsorge betrüge!»: im Januar 35 351,89 M., im Fe 
bruar 29 656,54 M., im März 24 752,55 M-, zusammen: 
89 760,98 M., wovon die Gemeinde Vg — 14 960,16 M. 
zu tragen hat. Im Lastenausgleichsverfahren sind für 
die Monate Juni—November 1919 135 996,60 M. an die 
Stadt Berlin zu zahlen. Die Abänderungsnovelle zur 
Reichsverordnung über die Erwerbslosenfürsorge vom 16. 
Januar 1920 brachte mit Wirkung vom 1. Februar 1920 
u. a. eine Erhöhung der Zuschläge für die Ehefrauen 
der Erwerbslosen von 1,50 auf 2,50 M. und für die 
Kinder von 1 M. aus 1,75 M. Jugendliche unter '16 
Jahren erhalten keine selbständige Unterstützung mehr. 
Die Wartezeit vor dem Bezüge der Unterstützung ist in 
Fortfall gekommen. Ausländer werden vom 1. April 
1920 ab nur noch dann unterstt'itzt, wenn ihre Heimat- 
staaten deutschen Reichsangehörigen die gleichen Wohl 
taten erweisen. Soweit dies bis jetzt bekannt, find dies: 
die Schweiz, Deutsch-Oesterreich und die Tschecho-Slowalei. 
Zum Zwecke der Umleitung in andere Berufe hat die Ge 
meinde mit Berlin-Schöneberg zusammen Kurse zur Aus 
bildung in Stenographie und Maschinenschreiben eingerich 
tet, an denen 5 Personen von hier teilnehmen. 
vbh Die Verteuerung des Brotmehls. Wie das preuß. 
Landesgetreideamt den Gemeindeverbänden mitgeteilt hat, 
tritt mit Wirkung vom heutigen Montag, den 3. Mai, ab 
eine wesentliche Erhöhung der Mehlpreise ein. Der Mehl- 
preiö wird den doppelten Betrag des jetzigen Mehlpreises 
noch übersteigen. Die Mehlsendungen, die die Gemeinden 
zur Versorgung der Bevölkerung für die Zeit vom 3. Mai 
ab zu dem bisherigen Preise geliefert erhalten haben, 
müssen ihnen deshalb zu dem höheren Preise berechnet 
werden. 
o Das' Jnkrastttzeten der Verordnung über Ausdehnung 
der Versicherungspflicht in der Krankenversicherung be- 
dingt die Einhaltung von Terminen, die teils unbekannt 
sind, teils in den lebhaften Erörterungen unbeachtet bleiben. 
Wie die Merkurkrankenkasse (Ersatzkrankenkasse) beim 
Verein junger Kaufleute von Berlin,. Berlin SW. 19, 
Beuthstraße 20, in Erinnerung bringt, treten die wich 
tigsten Bestimmungen am 26. April 1920 in Kraft. Die 
Frist zur Meldung derjenigen Beschäftigten, welche der 
Versicherungspflicht neu unterstellt werden, wird bis zum 
8. Tage nach dem 26. April 1920 erstreckt. Die Anträge 
auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei den Pflicht 
kassen (Orts- und Betriebskrankenkassen), um ihr bei den 
aus kollegialer Selbstverwaltung beruhenden Ersatzkassen 
zu genügen, müssen am 26. April oder spätestens am 
zweiten Zahltage gestellt sein. Ueber die datenmäßig« 
Festlegung dieses Termines herrscht nicht volle Ueberein 
stimmung, fest steht aber, daß jeder Angestellte mit einem 
l Einkommen bis zu 20 000 M. persönlich oder, was fast 
völlig unbekannt ist, durch die von ihm gewählte Ersatzkasse 
, einen wirksamen Befreiungsantrag an die Pslichtkassc bis 
: zum 3. Mai 1920 stellen kann. 
I o Keine Minderung oder Einziehung bedingter 
s Renten. Die Anordnung, daß Versorgungsgebührmsse im 
Berwaltungsverfahren mm AmtSwegen vor dem 1. Juni 1920 
nicht gemindert oder entzogen werden dürfen, gilt auch für 
die bedingten Renten, welche Angehörigen des Soldaten- 
standeS, die wegen körperlich« Gebrechen aus dem aktiven 
Dienstverhältnis entlassen werden, aber keinen Anspruch auf 
Rente haben, nach § 25 M.B G. bis z« 50 v. H der Doll-, 
rente gewährt werden können. Sie müssen daher selbst dann, 
wenn sie nur bis zu einem vor dem 1. Juni 1920 liegenden 
Zeitpunkt zuerkannt sind, mindestens in der bisherigen Höh« 
bis dahin weitergezahlt werden. 
o Einsichtnahme in die Versorgungsakten. Kriegs 
beschädigte und Kriegshinterbliebene können im allgemeinen 
ebenso wie ihre gesetzlichen Vertreter und Bevollmächtigen 
Einsicht in die Versorgungsakten nehme» und sich daraus 
gegen Erstattung der Kosten Ausfertigungen, Auszüge und 
Abschriften erteilen lasten. Die Akten sind in der Regel bei 
der Versorgung-stelle einzusehen, die sie verwahrt. Sie 
können aber auf Wunsch auch an eine andere Behörde über- 
sand «erden, die für den Versorgungsberechtigten oder seinen 
Vertreter günstiger liegt. Eine Hinausgabe in die Wohnung 
ist aber wegen der Gefahr des Verlustes verboten. 
obh 10814 M. Jahreseinkommen für ungelernte Ar 
beiter. Nach dem vom, gemeindlichen Zcutralausschuß 
Groß-Berlins in der Tarisstreitigkeit zwischen den Ge 
meinden und den Gemcindearbeitcrn am 16. April gefäll 
ten Tcilschiedsspruch sind sür die Zeit von, 1. April bis 
zum 30. Juni d. Js. folgende Stundcnlohnsätze festge 
setzt worden: Männliche Arbeitskräfte: Ungelernte Ar 
beiter 3,80 M. (nach 1 Jahr 3,90 M.), angelernte Ar 
beiter 3,90 und 4 M., Handwerker 4,10 und 4,20 M., 
Jugendliche von 14—15 Jahren 2 M. und von 16 und 
17 Jahren 2,80 M., weibliche Arbeitskräfte: ungelernte 
2,70 und 2,80 M., angelernte Arbeiterinnen 2,80 und 
2,90 M., qualifizierte Arbeiterinnen 2,90 und 3 M., 
jugendliche von 14 und 15 Jahren 1,80 M., von 16 und 
17 Jahren 2,60 M. Danach ergeben sich folgende Jahres 
sätze: für ungelernte Arbeiter bisher 7639 M., jetzt 10 634 
Mark, verheiratete ohne Kinder: bisher 7819, jetzt 10 814 
Mark; Handwerker: ledige bisher 9380, jetzt 11 383 M., 
verheiratete ohne Kinder: bisher 9568, jetzt 11 563 M. 
Neben dem Grundlohn ist die bisherige Lohnbeihilfe weiter 
zu zahlen; außerdem ist die Kindcrzulage von 20 aus 35 
Mark monatlich erhöht worden. — Für Schöneberg be 
deutet dieser Schiedsspruch eine jährliche Mehrbelastung 
von 3 Millionen M. Trotz größter Bedenken hat der 
Schönebcrger Magistrat beschlossen, den Stadtverordneten 
die Annahme des Schiedsspruchs zu zempfehlen. 
o Lubikäum deS Mossestiftes. Das von Rudolf und 
Emilie Mosse begründete Erholungsheim, das vielen Frie- 
denaucrn durch ihre Spaziergänge .in der verlängerten 
Wiesbadener Straße bekannt ist, konnte dieser Tage auf 
ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. Die Anstalt, die 
vir Briefe der Prinzessin. 
.Von E. PH. Oppenheim. 
41 (Nachdruck verboten.) 
„Wie du willst," sagte sie. „Aber ich bitte dich, laß 
mich nicht zu lange warten. Männer, die so leidenschaftlich 
in ein anderes Mädchen verliebt sind, sind immer ein 
wenig langweilig, weißt du." 
Sie lachte leicht. Margot aber sagte ernst, indem sie 
zur Tür ging: 
„Du solltest nicht darüber scherzen, Liebe. Mir tut 
Herr Hollfelden leid." 
„Wenn er dir leid tut, solltest du ihn nicht so grausam 
behandeln, Margot. Aber mir dürfen ihn nicht länger 
warten lassen." 
Die Tür hatte sich längst hinter Margot geschlossen, 
als Heinz eintrat. Er war im Frack, der seine schlanke, 
elegante Gestalt vorzüglich kleidete. Nur die Bläste seines 
Antlitzes verriet seine innere Erregung; äußerlich war er 
vollkommen beherrscht. • . . 
„Meine Gnädigste!" sagte er mit einer ritterlichen 
Verbeugung. „Darf ich hoffen, nicht lästig zu fallen?" 
Die Komtesse hatte schon vor seinem Eintritt nach den 
Blumen gegriffen, die. er durch die Zofe hineingeschickt 
hatte, und indem sie sie jetzt flüchtig an das feine Naschen 
hielt, sagte sie mit jener konventionellen Liebenswürdigkeit, 
die wie eine unsichtbare Schranke ist: 
„Durchaus nicht, Herr Hollfelden. Bitte, wollen Sie 
gefälligst Platz nehmen." 
Sie ließ sich ihm gegenüber in ein Fauteuille gleiten, 
und sein künstlerisch geschultes Auge erfreute sich an der 
sicheren Grazie ihrer Bewegungen. Er suhlte, daß er mit 
dieser klugen und liebenswürdigen Frau offen undun- 
umwunden sprechen konnte. 
„Ich habe vorerst um Verzeihung zu bitten," sagte er 
mit einem kleinen, verlegenen Nöujper». „Meine Ausführung 
an jenem Abend kann meine aroüe Erreauna nur er 
klären, nicht entschuldigen. Darf ich hoffen, daß Sie mir 
trotzdem verziehen haben?" 
Sie spielte mit den köstlichen Rosen, die sie nicht mehr 
aus der Hand gelegt hatte, und ließ eine kleine Weile in 
Schweigen verstreichen, ehe sie erwiderte: 
„Ich habe Ihnen an jenem Abend nicht gezürnt, ob 
wohl ich — vielleicht — Grund dazu gehabt hätte. Aber 
Sie werden begreifen, Herr Hollfelden, daß ich eine Er 
klärung erwartete. Sie haben mich ziemlich lange warten 
lassen." 
„Ich habe keinen Augenblick daran gedacht. Ihnen diese 
Erklärung schuldig zu bleiben." versicherte Heinz erregt, 
„tlnd ich bitte Sie von Herzen, ,meiner Säumnis nicht 
weiter zu gedenken. Wenn Sie in mein Inneres sehen 
könnten —" 
Die Komtesse unterbrach ihn ruhig: 
„Ich bin nicht pedantisch, Herr Hollfelden, und ich 
kann begreifen, daß Sie sich erst zur Klarheit durchringen 
wollten, ehe Sie hierher kamen. Aber eben weil ich mich 
Ihnen von vornherein in einem sehr freien Licht gezeigt 
habe, halte ich es für notwendig, ein ernstes Wort mit 
Ihnen zu sprechen. Ich weiß, .wie leicht ein Mann sich 
falsche und törichte Vorstellungen über ein junges Mädchen 
— ich spreche jetzt von Fräulein Margot — bildet, wenn 
erste in irgendwie ungewöhnlichen und nicht konventionellen 
Situationen gesehen oder gar kennen gelernt hat. Sie 
meinen vielleicht auch, daß ich es mit den guten Sitten 
nicht allzu genau nehme, weil ich Zigaretten rauche und 
durchaus nicht prüde bin. Sie täuschen sich darin, Herr 
Hollfelden. Ich bin in Dingen des Anstandes und des 
Taktes vielleicht feinfühliger als eine andere Frau, und 
Sie dürfen mir glauben, daß auch Margot sehr leicht zu 
verletzen und sehr schwer zu versöhnen ist. Wenn Ihnen 
etwas an ihrer Freundschaft gelegen ist, so seien Sie ihr 
gegenüber sehr vorsichtig und sehr behutsam. Wir sind 
keine Abenteurerinnen, ich bitte Sie, das nicht zu ver 
gessen." 
_ Heinz machte ihr im Sitzen eine ehrerbietige Verbeugung, 
„Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit, gnädigste Kom- 
tesse, aber ich versichere Sie. daß ich mit keinem meiner 
geheimsten Gedanken Ihnen oder Fräulein von Wehringen 
unrecht getan habe. Ich habe, nachdem ich mir einmal 
eine bedauerliche Uebereilung zuschulden kommen ließ, so 
korrekt wie möglich zu verfahren gesucht. Ich darf wohl 
annehmen, daß Ihnen das Zerwürfnis bekannt ist, das 
zwischen Fräulein von Wehringen und ihrem Stiefvater, 
dem Herrn Oberstleutnant Arnstorf " 
Die 'Komtesse unterbrach ihn. 
„Ich weiß, ich weih," sagte sie rasch. „Aber was hat 
das " 
„Ich habe es trotzdem für meine Pflicht gehalten, zu 
nächst den Herrn Oberstleutnant, der mich zu meiner Freude 
seiner Freundschaft gewürdigt hat, um die Hand seiner 
Tochter zu bitten. 
Ich will Ihnen die Antwort nicht verschweigen, die er 
mir gegeben hat. Er erklärte mir, daß er seiner Tochter 
gern und freudig sein Haus öffnen wird, wenn sie ihn als 
meine Frau besuchen will. Ich liebe Fräulein Margot, wie 
ich vordem keine Frau geliebt habe. Und ich werde mich 
für den glücklichsten Menschen schützen, wenn sie einwilligt, 
die Meine zu werden." 
Die Komtesse streckte ihm ihre Rechte entgegen, die er 
an seine Lippen führte. 
„Ich habe Sie für einen Ehrenmann gehalten," sagie 
sie herzlich, „und ich freue mich, daß ich mich nicht in 
Ihnen getäuscht habe. Ich finde an sich kein Verbrechen 
darin, wenn ein junger Mann ein junges und schönes 
Mädchen in übermütiger Laune küßt, obwohl vielleicht 
keines von den beiden an eine Heirat denkt. Aber gerade 
unter den Umständen, die Sie und Margot zusammen 
geführt haben, und mit Rücksicht auf das eigenartige Ver 
hältnis, in dem Sie zu ihr stehen, durften sie als an 
ständiger Mensch sich nicht so weit vergesten, wenn Sie sich 
nicht mit der Absicht trugen, sie zu ihrem Weibe zu machen. 
So, Herr HoUjelden, zwischen uns darf die Anaeleaenbei«
        
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